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Bad Mojo Redux 


Erscheinungsdatum: 11.05.2005
Entwickler: Pulse Entertainment
Publisher: Rebel Games
Spielsprache Deutsch

Homepage
Boxshot

USK: geeignet ab 16 Jahren

 

Ein Review von   André   09. Mai 2005

 

Bei diesem Kandidaten hier habe ich mich schon gewundert, als ich hörte, dass er wiederveröffentlicht wird. Immerhin ist Bad Mojo kein Spiel, das heute noch häufig in den Foren auftaucht oder dessen
Wiederveröffentlichung von Seiten der Spieler lauthals gefordert wurde. Und schließlich fallen mir spontan zahlreiche andere Adventures ein, die damals wesentlich mehr Aufsehen erregt hatten und heute gesuchte Schätzchen sind, so dass deren Neuauflage mehr Sinn machen würde.

Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn schließlich ist doch lobenswert, ein älteres, fast schon vergessenes Spiel neu rauszubringen. Zumal die Installation des Originals von 1996 auf vielen neueren Rechnern mit Windows 98 vielen Spielern nicht gelungen sein dürfte. Denn nicht nur ich habe die Erfahrung gemacht, dass etliche Spiele, die eine alte Version des Programms "Quicktime" verwenden, auf vielen Rechnern mit Windows 98 als Betriebssystem erst gar nicht laufen oder die Film- bzw. Zwischensequenzen fehlen.



Handlung

Ist das nicht dieses kafkaeske Kakerlakenspiel? Ja, genau, das ist es. Auch ich hatte die Originalversion vor einigen Jahren ersteigert, nur kurz installiert und dann in meinen Schrank für "schlechte Zeiten" weggepackt, wo es bis heute ungespielt geblieben ist. Daher ist diese Wiederveröffentlichung hier für mich genau so neu, wie wohl für die meisten anderen Spieler.

Aber der Reihe nach: Du bist eine Kakerlake - zumindest in diesem Spiel. Aber nicht sofort, denn am Anfang bist Du noch der Insektenforscher Roger Samms. Dieser fasst eines Tages (An einem Samms-Tag? Ha!) den Plan, Geld zu unterschlagen und damit zu verschwinden. Gesagt, getan. Es werden noch hastig die Koffer gepackt und auch das alte Medaillon von Mami aus der Schublade muss auf jeden Fall noch mit. Das hätte er vielleicht besser dort gelassen, denn sind diese alten Medaillons nicht immer verflucht? Ja. so leider auch dieses und schon wird Samms aus welchen Gründen auch immer in eine Kakerlake verwandelt.

Die Parallelen zu Kafka fallen auch mir als ziemlichem Literatur-Ignoranten auf. Ich gebe zu, mich mit der Thematik nicht weiter befasst zu haben, weshalb ich hier auch nicht weiter darauf eingehen werde. Es bleibt nur noch zu erwähnen, dass sie auch schon zahlreichen Filmen wie z.B. David Cronenbergs 'Naked Lunch' als Vorbild gedient hat.

Leider verhalten wir uns aber auch wie eine richtige Schabe - mit allen Konsequenzen. Sprich: Wir können nicht - wie wir es von den Protagonisten der meisten "normalen" Adventures gewohnt sind - reden oder Dinge in unser Inventar packen und benutzen.


Rätsel

Unsere eingeschränkten Möglichkeiten wirken sich natürlich auch auf die Rätsel aus. Wesentliche Bestandteile fast aller Adventures, nämlich das Erhalten von Informationen durch die Dialogführung sowie das Finden / Benutzen / Kombinieren von Gegenständen fallen damit flach.

Dafür müssen wir die Rätsel auf andere Weise lösen: Zunächst einmal verbringen wir eine Menge Zeit damit, zu laufen und suchen den nächsten Ausgang. Und da liegt auch schon einer der Schwachpunkte. Denn mit der Zeit wird die Sucherei doch ein wenig langweilig, zumal man sich nach einer Weile fragt, wonach man eigentlich sucht und was als nächstes zu tun wäre.

Denn das Gebiet mit seinen zahlreichen Einzelbildern ist so weitläufig, dass man bei einigen Rätseln schnell den Überblick verliert. Da helfen auch nicht die in kryptischer Wortwahl gehaltenen Tipps, die wir gelegentlich in kleinen Sequenzen sehen können. Wohin soll ich beispielsweise die Schlafpille rollen, die ich aus der Medikamentendose geschubst habe? Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten.

Aber es geht auch konkreter: Während wir also beständig laufen, werden wir mit allerlei Schwierigkeiten konfrontiert. Ein verknotetes Telefonkabel wird da beispielsweise zum Labyrinth und ein uns attackierendes Insekt eliminieren wir, indem wir im richtigen Moment eine glühende Zigarette auf das Tier schieben.

Überhaupt lösen wir die meisten Rätsel durch das Schieben von Gegenständen. Schließlich ist das die einzige Möglichkeit, die wir haben, wenn wir uns nur mit den Pfeiltasten bewegen können.

Aber immer schön aufpassen und ja regelmäßig abspeichern, denn fast in jedem Bild lauert der Tod. Es gibt überall giftige, meist klebrige Substanzen wie Lackfarbe oder Spinnennetze, in die wir schnell mal unvorsichtig hineingerannt sind und andere Wohnungsgenossen wollen uns an den Kragen. Daher gibt es auch eine "Lebens-Anzeige" ähnlich den alten Arcade-Games wie Space-Invaders oder Pacman. Anfangs haben wir vier Leben. Sind die verbraucht, ist auch das Spiel zu Ende.


Handling

Gut, das ist also die toppaktuell überarbeitete Fassung. Ist es denn jetzt überarbeitet worden oder nicht? Dann finde ich es schon verwunderlich, dass man als erstes in der Systemsteuerung rumfrickeln muss, um die Auflösung manuell auf 800 x 600 Pixel umzustellen. Deswegen habe ich die Original-Version noch einmal rausgekramt und sie auch direkt zum Vergleich installiert. Also, wenn da was überarbeitet wurde, dann sind die Änderungen vermutlich eher technischer Natur oder ich habe sie übersehen. Allerdings muß ich dazu sagen, dass ich mir das Original nicht auch nochmal komplett angetan, sondern nur kurz angespielt habe.

Wie auch immer, auf jeden Fall lässt sich Bad Mojo nur mit der bei Adventure-Spielern unglaublich "beliebten" Tastatursteuerung spielen. Die ist aber zugegebenermaßen sehr einfach und macht in dem Fall sogar Sinn. Zudem beschränkt sie sich (wahlweise) auf die vier Pfeiltasten. Das Menü hat man geschickt hinter der Enter- oder Space-Taste versteckt, aber die weitere Bedienung ist einfach und erklärt sich von selbst.

Uncool ist die Lautstärkenreglung. Die gibt´s nämlich gar nicht. Also ergab sich beim Spielen das Problem, dass die Musik stellenweise viel zu laut, während die Sprachausgabe kaum zu verstehen war. Das wiederum rief eines Nachts sogar meinen Nachbarn auf die Matte, der sich über die laute Musik beschwerte.

 

Oh fuck - a Bug!

Es tauchen nicht nur gewollte Käfer in dem Spiel auf. Im wahrsten Sinne des Wortes im Fettnäpfchen landete ich nicht selten beim Speichern. Als ich dann nämlich weiterspielen wollen, befand sich meine Figur oft grundlos an einer anderen Stelle des Bildschirms. Und wenn dort z.B. wie so oft eine klebrige Substanz, ein Spinnennetz oder etwas ähnliches befand, dann war ich darin halt gefangen. Das bedeutet, dass ich in dem Fall das Spiel komplett beenden und neu starten musste. Das ist wie gesagt sehr oft vorgekommen, da man ja auch sehr oft speichern sollte.

Aber das war nicht der einzige Fehler. Denn das Spiel hängte sich immer wieder auf, nachdem ich eine Pille vom Tisch geschubst habe, so dass nur noch ein Neustart des Rechners half.

 

Grafik

Die Bilder für die Spielgrafik wurden im eher realistischen bzw. im ernsten Stil erstellt und besteht aus wirklich enorm vielen Einzelbildern. Gezeigt wird fast schon als Detailstudie Abschnitt für Abschnitt jeder Ecke eines Hauses - mit allem Plunder und Dreck. Und das Haus samt Keller enthält verdammt viel Plunder und ist verdammt dreckig.

Dabei kommt es teilweise zu sehr interessanten weil ungewöhnlichen Perspektiven, wenn die Schabe z.B. ein Tischbein hochkrabbelt. Die Bilder wirken auch für heutige Verhältnisse noch erstaunlich zeitlos und aktuell. Gleiches gilt für unseren Charakter. Der ist zwar in seine Bewegungen recht limitiert und kann nur laufen bzw. krabbeln und bewegt dabei ein wenig seine Fühlerchen, aber mehr muss so ein Tier ja auch nicht können.

Die Intro- sowie Zwischensequenzen kommen immer noch in guter grafischer Qualität rüber, auch wenn die schauspielerische Leistung unseres Helden eher bedenklich ist. Da lob ich mir den guten alten Tex Murphy. Kleine Zwischensequenzen sehen manchmal etwas surrealistisch und ebenfalls sehr schön und manchmal sogar recht eindrucksvoll animiert aus, wenn unsere Kakerlake z.B. unfreiwillig durch die Kraft eines Luftzugs sich mehrfach um die eigene Achse drehend durch die Luft wirbelt und auf dem Fußboden landet. Zeitungen, die in der Wohnung verstreut rumliegen, sind teilweise in der englischen Originalsprache belassen worden und wurden nicht übersetzt.


Fazit

So, so, die der Test-CD beiliegende Pressemeldung informiert, dass PC-Gamer nicht etwa Syberia 2, Rückkehr zur geheimnisvollen Insel oder eines der zahlreichen anderen in diesem Jahr neuerschienenen Adventures sondern das aufgewärmte Kakerlakenspiel von 1996 zum Adventure des Jahres 2004 gekürt hat. Das sehe ich bei Weitem nicht so und vermutlich auch kaum ein anderer.

Erfreulich ist allerdings wie gesagt, dass das alte Spiel überhaupt noch mal wiederveröffentlicht wurde. Und Bad Mojo ist sicher kein richtig schlechtes Spiel, hebt es sich doch zunächst einmal alleine durch sein ungewöhnliches Spielkonzept von anderen Adventures ab. Die Grafiken sind auch heute noch erstaunlich sehenswert - besonders die Zwischensequenzen.

Es werden aber rasch auch die Schwächen ersichtlich, die sich durch die Limitierung ergeben. Schnell vermisste ich die Interaktion mit anderen Charakteren. Das gleiche gilt für das fehlende Inventar. Ausserdem fragte ich mich manchmal, wonach ich bei der ganzen Lauferei denn eigentlich suche, da die Rätsel in dem riesigen Areal nicht unbedingt offensichtlich sind. Deswegen ist das Spiel eher den Leuten zu empfehlen, die geduldig lange Zeit mit Suchen und Rumrennen verbringen.

Zudem wurde Bad Mojo mit den bösen Bugs oder der fehlenden Lautstärkenreglung nicht gerade sorgfältig aufbereitet und dass es großartig neu bearbeitet sein soll, ist mir gar nicht aufgefallen.

Ich würde Bad Mojo daher eher als Zeitvertreib für Adventure-Fans, die bis zur nächsten Veröffentlichung immer was zum Spielen haben müssen, betrachten und gebe eine Wertung von 63 % hauptsächlich für die ungewöhnliche Idee und deren konsequente und grafisch gelungene Umsetzung.

Gesamtwertung: 63%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen PC/MAC:

  • Windows 98/2000/XP - PC mit Pentium III 800MHz+
  • Macintosh G3 +,  System 9.0 (oder OSX Classic mode)
  • 8x CDROM-Laufwerk oder schneller
  • mindestens 50 MB freier Platz auf der Festplatte
  • 24-bit Farbgrafikkarte

 

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 256 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB


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Copyright © André für Adventure-Archiv, 09. Mai 2005

 

 

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