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Bad Mojo
Erscheinungsdatum: 1996
Entwickler: Pulse Entertainment
Publisher: Acclaim
Spielsprache Deutsch
(englische Dokumente sind im Handbuch vollständig übersetzt)
BoxshotsUSK: geeignet ab 16 Jahren
Ein Review von slydos 26. August 2002
Es gab Adventures, in denen ich eine Großmutter spielte oder ein Kind, einen Bösewicht, einen Irren oder ich war sogar tot. Ich war schon mal ein Hund, ein Drache, ein Alien, ein Schwein, ein Fisch, ein Panther und ein Koala. Aber irgendwie hatten doch alle diese Helden menschliche Züge, konnten meist sprechen oder Dinge einsammeln oder sogar beides. Aber sich in eine Kakerlake zu verwandeln, wie Pulse Entertainment es von mir in "Bad Mojo" verlangt, hat eine neue Qualität.
Sprechen oder Dialoge führen ist nicht mein Ding, vielleicht ein wenig zirpen dann und wann und natürlich gut zuhören. Ich kann beobachten und sogar lesen, laufen - auch an der Wand - und Dinge berühren, manchmal auch bewegen. Wie aufregend ein Leben mit so einem beschränkten Repertoire sein kann, sehen wir in Bad Mojo, was übersetzt so viel wie "Schlechter Zauber" heißt.
Natürlich erkennt man das zugrunde liegende literarische Vorbild, "Die Verwandlung" von Franz Kafka, sofort. Auch hier verwandelt sich der Hauptdarsteller eines Tages in ein Insekt. Sicher ist "Bad Mojo" auch ein wenig eine Hommage an die 1915 erschienene Erzählung der Weltliteratur, die ebenso absurd und surrealistisch anmutet, wie unser Adventurespiel. Sogar eine Namensähnlichkeit gibt es zwischen Gregor Samsa und Roger Samms.
Story
Dr. Roger Samms, Insektenforscher, lebt in einem recht heruntergekommenen Haus, oberhalb von Eddy's Bar in San Francisco. An diesem Abend hat er sich entschlossen, sein fremd bestimmtes, unbedeutendes Leben zu ändern. Er will verschwinden und zwar mit einer Riesensumme an Forschungsgeldern, die er unterschlagen hat. Er hat alles durchdacht und Pass und Flugtickets nach Mexiko liegen bereit.
Mit einem, gelinde gesagt, irren Gehabe liebkost er den Geldkoffer und führt Selbstgespräche. Das soll also der "Held" sein, mit dem ich mich idenfizieren soll?
Es klopft! Schnell verstaut Roger das Geld wieder und öffnet die Tür. Eddy, der Kneipenwirt von unten und gleichzeitig Rogers Vermieter, will die ausstehende Miete kassieren. Roger bezahlt ihn unwillig und versucht, den grimmigen Eindringling wieder loszuwerden. Als er wieder allein ist, will er schnell das Haus verlassen, da fällt ihm ein, daß er noch das Medaillon seiner Mutter vergessen hat. Er nimmt das Schmuckstück aus der Schublade und plötzlich geht von der Halskette ein Zauber aus, der Roger zu Boden streckt und ihn in eine Kakerlake verwandelt!In recht surrealistischer Manier, spricht Rogers Mutter, (das Bild aus dem kakerlakengeschmückten Medaillon) immer wieder zu ihm und versucht ihm während des ganzen Spiels manchmal klar, manchmal in Metaphern beizubringen, daß es nicht nur darum geht, wieder menschliche Gestalt zu erlangen um dann ein schönes Leben in Mexiko zu führen, sondern auch das Geheimnis seiner Herkunft zu lüften.
Roger, besser die Kakerlake, wurde in die Kanalisation katapultiert, von wo aus er durch die Abflußrohre wieder ins Haus gelangen kann. Zu Beginn sind 5 der 6 Rohre noch geschlossen, wir betreten das vor uns liegende mit der Vorwärtspfeiltaste und gelangen in den Keller von Eddy's Bar.
Installation/Start
Das Spiel kommt auf 1 CD und kann unter Windows 3.1 oder höher mit dem Aufruf der SETUP-Datei installiert werden. Die automatische Installationsroutine läßt einen noch das Installationsverzeichnis wählen, man benötigt ca. 20 MB Festplattenplatz, dann geht's los. Falls man die Bildschirmfarben nicht auf 256 eingestellt hat, bekommt man darüber eine Meldung und kann das Spiel nicht starten. Unter Windows 95 hatte ich sonst keinerlei technische Probleme.
Ein sehr umfangreiches Handbuch in den Sprachen Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Französisch bietet nicht nur eine genaue Erklärung der Installation und Steuerung, sonder auch eine Übersetzung aller !! englischen Texte, die sich auf den Dokumenten befinden, über die wir im Spiel stolpern.
Man gelangt ins 9teilige Hauptmenü, wo man per Maus neben den üblichen Menüpunkten wie Spiel beginnen, laden, speichern, fortsetzen und beenden noch die Optionen Nachspann und Trailer hat, mit denen man die Credits bzw. den Introfilm anschauen kann. Der Menüpunkt Hilfe zeigt eine Steuerungsübersicht und in den Einstellungen kann man diverse Grafikeinstellungen treffen, um das Spiel an die Leistungsfähigkeits seines Computers anzupassen, z. B. Lichteffekte und Schattenwurf ein- und ausschalten.
Nachdem wir "Neues Spiel" gewählt haben, schauen wir uns den Introfilm an, den wir, wie alle Videosequenzen auch mit ESCAPE abbrechen können, und gelangen schließlich in die Ausgangsposition vor dem ersten Abflußrohr in der Kanalisation. nachdem wir Roger, die Kakerlake, mit dem Vorwärtspfeil angewiesen haben, das Rohr zu betreten, übernehmen wir die Steuerung vollständig.
Handling
Man kann unter "Einstellungen" wählen, welchen Tastaturbereich man für die Steuerung der Kakerlake verwenden möchte. Neben der Standardeinstellung über die Pfeiltasten, können wir noch die Buchstabenbereiche "IJKL" oder "WASD" wählen. Außerhalb des Hauptmenüs, das man über die Leertaste öffnet, ist "Bad Mojo" gänzlich tastaturgesteuert.
Wir sehen Roger, die Kakerlake, in 3rd-Person-Perspektive, oder sollte ich besser sagen, 3rd-Kakerlak-Perspektive? Eine Kakerlake kann nur Krabbeln und Dinge berühren. Deshalb gibt es natürlich kein Inventar, denn Gegenstände kann Roger in seinem Zustand nicht aufnehmen. Er kann hören und beobachten, und manchmal kleinere Dinge bewegen. Das Bewegen von Gegenständen gehört bereits zur Rätsellösung, weil sich dadurch oft neue Wege auftun.
Roger muß versuchen, einen Ausweg zu finden. Dabei wird er oft z. B. durch Flüssigkeiten oder Spinnweben am Fortkommen gehindert. An vielen Stellen kann man sich allerdings durch hin- und herbewegen wieder aus der Situation herauswinden. Sollte es einmal nicht funktionieren und Roger stirbt, so löst er sich auf und eines seiner zusätzlichen 3 Leben ersetzt ihn. Die verfügbare Anzahl der Leben wird durch kleine Kakerlaken in diesem Moment am oberen Bildschirmrand angezeigt. Erst, wenn diese Leben verbraucht sind, werden wir bei einem erneuten Tod mit einer kleinen Filmszene an den Anfangspunkt in der Kanalisation zurückgeworfen und müssen hier das Level (es gibts insgesamt 6 Level, soviel wie auch Abflußrohre) erneut beginnen.
Eine Kakerlake ist vielen, dem Menschen erst mal unbekannten Gefahren, ausgesetzt. Dies geschieht häufig und deshalb ist auch ein häufiges Speichern zu empfehlen. Der Speicherbildschirm ist ein normales Windowsfenster und wir können dort unbeschränkt Savegames speichern. Leider sind wir dabei auf 8 Buchstaben (ein DOS-Überbleibsel) beschränkt und die Anzeige beim Laden erfolgt alphabetisch, was das Ganze recht unübersichtlich macht.
Das Handling beschränkt sich zwar auf die denkbar wenigsten Tasten und ist deshalb sehr leicht zu merken, aber die Steuerung unserer Kakerlake im unbekannten Terrain ist trotzdem gewöhnungsbedürftig. Man muß oft erst ausprobieren, ob man in bestimmten Situationen die Tasten eher vorsichtig antippt oder gedrückt hält. Roger bewegt sich oft nicht genauso, wie wir es erwarten und in schwierigen Situationen kann eine unbedachte Bewegung den schnellen Tod bedeuten.
Grafik
Die Hintergrundgrafiken sind Standbilder von guter Qualität. Originell dabei die Perspektive: wir sehen meist nur einen kleinen Ausschnitt des Ganzen. Alles wirkt riesengroß, sei es eine Erdnußschale oder ein Zigarettenstummel. Wir können auf Kabeln oder Baseballschlägern balancieren und werden von ekligen Essensresten oder klebrigen Farbrückständen gestoppt. Apropos eklig: das Spiel ist nichts für Liebhaber "schöner" Bilder, hier werden, halbtote Fische im eigenen Blut gezeigt, tote und verendende Ratten und jede Menge andere unappetitliche Einzelheiten in gezoomtem Staub und Schmutz. Mahlzeit!
Unser Kakerlaken-Held kann Hotspots berühren oder betreten und dadurch Videosequenzen auslösen, die ihm häufig Hintergrundinformationen für seine Suche liefern. Kommen wir in die Nähe von anderen Lebewesen, so zeigt uns oft ein wasserzeichenartiger Hotspot, daß wir hier besondere Hinweise in Videoform abrufen können, wenn wir uns genau darauf stellen. Bilder aus Zeitschriften oder Erinnerungsphotos erwachen plötzlich zum Leben, und auch am Ende jedes Levels erhalten wir merkwürdige Hinweise von Rogers Mutter in verklausulierter Gedichtform für unser Weiterkommen. Diese Sequenzen werden uns je nach eingestellter Bildschirmauflösung recht unscharf und verschwommen präsentiert. Ein Teil der Videos gibt es im Vollbildmodus, hier muß man wirklich etwas vom Bildschirm abrücken, um sie zu erkennen.
Musik/Sound/Sprache
Es gibt nur wenig Musik, die wir zu Beginn im Trailer hören können und auch an manchen, besonders dramatischen Stellen im Spiel. Sowohl Art und Einsatz der Musik ist sehr gut gelungen. So werden im Hauptmenü rhythmischen Bongoklänge von sirenenhaftem Hintergrundgesang getragen und elektronisch verzerrte aber rhythmisch spannende Känge durch makabre Schreie und Lachen im Trailer unterstützt. Das Trailerthema bietet den passenden Rahmen auch für das Intro, indem uns Rogers professionelle Synchronstimme eine genau getimte Einheit mit der Musik bildet.
Während des Spiels kann man weniger von Musik im hergebrachten Sinn sprechen, sondern mehr von Klängen, summendem Hintergrund, eingestreuten Xylophonen. Die spannungsgeladenen surrealistische Sphärenklänge werden von jeder Menge realister Sounds ergänzt, sei es tropfendes Wasser, Fauchen einer Katze oder Rauschen des Gasherdes.
Leider wurde für den Vermieter Eddy zwar kein schlechter Synchronsprecher verpflichtet, jedoch ein sehr unpassender junger, mit recht heller Stimme. Auch die Stimme des Orakels bzw. Rogers Mutter hat mich nicht überzeugen können, das mag jedoch auch an den schlechten Gedichttexten gelegen haben, die uns als Rätselhinweise dienen sollen.
Rätsel
Es gilt, in jedem Level einen neuen Ausgang zu finden mit Hilfe von Hinweisen der Ungezieferkollegen oder auch den Aussagen des Orakels/der Mutter. Obwohl der Kakerlake nur wenig Handlungsmöglichkeiten gegeben sind, wurden die Rätsel trotzdem noch relativ vielfältig gestaltet. Um Wege zu finden, kann man Dinge durch Anstoßen oder durch sein Gewicht bewegen und so kann eine glühende Zigarette zur tödlichen Waffe werden. Allerdings sind die glühenden Zigarettenstummel, die unser Kneipenwirt Eddy überall hinterlassen hat, doch etwas unrealistisch, da sie im Spiel über Stunden hinweg zu brennen scheinen - in Wirklichkeit würden sie natürlich nach wenigen Minuten ausgehen.
Rogers Aufgabe ist es, Wege zu finden oder sich welche zu bahnen. Durch die Kakerlaken-Perspektive werden so eigentlich übersichtliche Rohrverbindungen zum kleinen Labyrinth. An sehr vielen Stellen ist kein Fortkommen durch Flüssigkeiten, Gifte oder andere Hindernisse. Es gilt natürlich, Insektizide zu vermeiden, Ratten und anderem Getier möglichst aus dem Weg zu gehen und auch nicht ins Klo zu fallen, was den sofortigen Tod zur Folge hat. Häufiges Speichern ist angesagt! Die einzelnen Rätsel, wie z. B. eine Klopapierrolle in Bewegung zu setzen, sind in unterschiedlicher Reihenfolge lösbar. Das Spiel ist innerhalb eines Levels teilweise nichtlinear.
Es gibt sogar so ein Coderätsel, das aufgrund von in Dokumenten oder auch anderswo gefundenen Daten zu lösen ist. Deshalb lohnt es sich schon, die vielen (englischsprachigen) Zeitungsschnipsel, Notizzettel, Briefe usw. zu lesen, was man ausführlich in der Übersetzung im Handbuch tun kann.
Ehrlich gesagt, habe ich eigentlich die meiste Zeit im ersten Level verbracht, da mir die Vorgehensweise als Kakerlake, die Steuerung und die Art der Rätsel fremd waren und es einige Zeit brauchte, um sich wirklich in das Insektenleben hineinzuversetzen. Obwohl die Steuerung mit den 4 Pfeiltasten (oder den 4 Tasten, die man sich ausgesucht hat) eigentlich sehr einfach gehalten ist, braucht man tatsächlich ca. das ganze erste Level, also den Keller, um sich an die Reaktionen der Kakerlake auf die eigenen Anweisungen zu gewöhnen. Also eine recht lange Lernphase.
Die Rätsel an sich sind logisch und von mittlerer Schwierigkeit, werden allerdings durch ungewöhnliche Perspektive und Aktionsmöglichkeiten zu Beginn des Spiels als schwerer betrachtet, als sie sind.
Es gibt mehre mögliche Endungen, je nachdem, wie man sich zum Schluß verhält. Hier kommt auch der Zeitfaktor zum tragen. Ist man zu langsam, wird es eher ein böses Ende geben.
Zusammenfassung
Natürlich sind verwesende Ratten und faulende Essensabfälle nicht jedermans Sache. Es fällt auch schwer, sich einerseits in den eigenartigen Wissenschaftler Rodger Samms und andererseits in dessen Verkörperung als Kakerlake hineinzuversetzen. Aber man kann "Bad Mojo" keinesfalls einen großen Originalitätsfaktor absprechen.
Leider wird auch schon zu viel von der zu erkundenden Vorgeschichte zu früh offengelegt, so daß man bereits im 2. Kapitel darüber im Bilde ist, was eigentlich erst am Schluß verraten werden sollte. Im Gegensatz zu gut gesetzten Sounds hat man hier nicht den richtigen Punkt gefunden und den Überraschungsfaktor verspielt. Sehr schade!
Wer bereit ist, sich ohne Dialoge, Inventar und Gegenstände per gewöhnungsbedürftiger Tastatursteuerung in die Niederungen des Abfalls zu begeben, um mal ein Adventure der ganz anderen Art zu erleben, dem sei dieser Titel mit immerhin ca. 25 Stunden Spielzeit empfohlen.
Gesamtwertung: 58%
Bewertungssystem Adventure-Archiv:
- 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
- 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
- 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
- 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
- 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
- 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)
Minimale Systemanforderungen:
- 486/66 MHz oder höher
- Windows 3.1 oder höher
- 8 MB RAM
- Maus, Tastatur
- Super VGA (256 Color)
- 20 MB auf der Festplatte
- 2fach CDROM-Laufwerk
gespielt mit:
- Windows 95
- PII 233 MHz
- 64 MB RAM
- 4 MB Grafikkarte
- 16bit Soundkarte
- 24x CDROM-Laufwerk
Das Hauptmenü
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Der Ausgangspunkt zu den sechs Rohren
Hier beginnt alles - im Abflußrohr
Wenn Roger nach oben klettern kann, bekommt er manchmal einen prima Überblick
Tote Fliegenkumpels - also Vorsicht!
Kabel können Glück und Verderben sein
Roger muß sich mit der Technik beschäftigen
Aha - Eddy hat etwas Geld in der Matratze gehortet!
Unappetitlich - aber nicht für Kakerlaken!
Als Kakerlake kann Roger trotzdem noch die Zeitung lesen
Das Orakel erscheint am Ende jedes Levels
Im Badezimmer gibt's einiges zu tun
Erwischt!
Einer der beiden Fische lebt noch!
Ein Schläger kann eine Brücke sein ...!
Mal hören, was so auf dem Anrufbeantworter ist
Ein Freiflug mit Air Schmetterling gefällig?
Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 26. August 2002