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Baphomets Fluch


Releasedatum: 1996

Entwickler: Revolution Software
 
Publisher Originalversion: Virgin
Publisher Trilogie 03/2008: CDV
 

Spielsprache: Deutsch

 

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Boxshots

 

USK: ab 12 Jahren

 

 

Ein Review von  Jehane   27. August 2008

 

„Paris im Herbst. Die letzten Monate des Jahres und das Ende des Jahrtausends. Die Stadt ist für mich mit vielen Erinnerungen verbunden. Erinnerungen an Cafés, an Musik, an Liebe – und an Tod." Diese wenigen Worte, in Kombination mit der stimmungsvollen Baphomet-Titelmelodie, reichen aus, um bei vielen Adventure-Liebhabern nostalgische Gefühle aufkommen und ihre Augen voller Vorfreude glänzen zu lassen wie bei Kindern unterm Weihnachtsbaum. Denn selten ist sich die Spieler-Gemeinde derart einig, was Qualität und Beliebtheit angeht; auch zwölf Jahre nach Erscheinen des ersten Kapitels der inzwischen vierteiligen Reihe hat Baphomets Fluch nichts von seiner Popularität oder Faszination eingebüßt. Anlässlich des Erscheinens einer Dreierbox, welche die ersten drei Abenteuer von George Stobbart und Nico Collard enthält, haben wir uns die „Ur-Baphomets" noch einmal vorgenommen.

 

Installation/Technisches

Es grenzt schon fast an eine Wissenschaft, ein derart altes Spiel auf modernen Rechnern zum Laufen zu bekommen. Wer noch im Besitz einer 2-CD-Version von Baphomets Fluch ist, wird mit der herkömmlichen Installation auch trotz Kompatibilitätsmodus nicht weit kommen, sondern muss auf ScummVM, einen Emulator für ältere Spiele, zurückgreifen. Die Einrichtung des Spiels unter ScummVM ist zwar aufwändig, die Mühen lohnen sich aber durchaus – das Spiel läuft anschließend einwandfrei auch auf modernen Computern. Außerdem entfällt der CD-Wechsel, der in der Ur-Version noch notwendig war. Einziger Wermutstropfen: Die Zwischensequenzen erscheinen ziemlich verpixelt und unscharf, was aber auch am Flatscreen liegen könnte; ansonsten kann sich das Spiel aber durchaus sehen lassen – im wahrsten Sinn des Wortes.

Für ungeduldige Menschen, die sich nicht mit ScummVM auseinandersetzen, aber trotzdem Baphomets Fluch spielen wollen, gibt es seit kurzem auch eine WindowsXP-kompatible Version des Klassikers auf DVD. Und weil es Publisher CDV gut mit uns Adventure-Freaks meint, hat man nicht nur den ersten Teil, sondern auch noch gleich die ersten beiden Fortsetzungen mit auf die DVD gepackt. Jedes Spiel kann einzeln angewählt und installiert werden, man kann aber auch die ganze Trilogie installieren, wenn einem danach ist. Für die ersten beiden Teile sollte man laut Verpackung zusätzlich ScummVM (kann man kostenlos runterladen) installiert haben; ScummVM startet automatisch, wenn man das Spiel-Icon am Desktop anklickt. Und: Man kann nach der Installation ohne DVD im Laufwerk spielen.

Die Trilogie gibt’s zu einem überaus günstigen Preis; wer die Abenteuer von George und Nico also noch nicht sein Eigen nennt, sollte hier unbedingt zuschlagen. So. Das war’s jetzt aber auch schon mit Werbung, weiter im Text!

Baphomets Fluch gehört zu den wenigen Spielen, die weitgehend bugfrei sind; Ausnahme: Im ersten Kapitel des Spiels hat man die Wahl, ob man dem Inspektor von dem Clown erzählt oder nicht. Selbst wenn man George hier die Wahrheit sagen lässt, wird er zu einem späteren Zeitpunkt einem Polizisten mitteilen, dass er den Clown doch gesehen hätte. Das ist inhaltlich natürlich nicht richtig und ergibt nur Sinn, wenn George zuvor gelogen hat; dieser Bug ist aber nicht wirklich gravierend. Ich würde das auch eher einem etwas fehlerhaften Dialog-Skript zuschreiben, denn es passiert im Lauf des Spiels immer wieder, dass George Dialogoptionen zur Verfügung stehen, die erst auf den zweiten oder dritten Blick Sinn ergeben – man kann Themen abfragen, die im Spiel noch gar nicht angesprochen wurden. In einem Fall spricht George einen anderen Charakter mit falschem Namen an, nur um im nächsten Dialog wieder den richtigen Namen zu benutzen. Ob das an Georges Schusseligkeit liegt oder eine kleine Schlamperei im „Drehbuch", sei dahingestellt.

Abstürze oder sonstige technische Probleme wären mir auch beim fünften Durchspielen nicht aufgefallen. „Alt, aber gut" – dieses Sprichwort trifft auf Baphomets Fluch nicht nur in technischer Hinsicht zu.

Ein Handbuch ist zumindest in moderneren Versionen des Spiels nur noch auf CD bzw. DVD vorhanden. Es bietet einen kurzen Überblick über die wichtigsten Funktionen im Spiel, allerdings ist die Steuerung derart intuitiv, dass man ein Handbuch im Grunde gar nicht braucht. Ins Spielmenü gelangt man während des Spiels mit der Taste Esc; im Menü kann gespeichert und geladen werden, hier können wir auch Untertitel zu- oder abschalten, den Sound manipulieren und das Spiel beenden.

 

Handlung und historischer Hintergrund

Der Amerikaner George Stobbart will eigentlich einen geruhsamen Urlaub im herbstlichen Paris verbringen, doch daraus wird nichts: Eine in einem Café gelegte Bombe, deren Wucht George selbst nur knapp entkommt, wirft all seine Pläne über den Haufen und er macht sich kurz entschlossen daran, der Sache auf den Grund zu gehen, nicht zuletzt, weil er mit dem mysteriösen Attentäter selbst noch eine Rechnung offen hat – niemand versucht ungestraft, George Stobbart zu töten! Bei seinen Recherchen trifft er nicht nur auf die bildhübsche Fotojournalistin Nicole Collard, sondern stößt auch auf eine geheimnisvolle Gruppierung, die auf den Spuren der mittelalterlichen Tempel-Ritter wandelt und, erraten, die Weltherrschaft an sich reißen will. Es liegt an George, die Verschwörung aufzuhalten. Die unzähligen Spuren führen ihn nach Irland, Spanien, Syrien und Schottland; er begegnet zahlreichen schrägen Charakteren, muss knifflige Rätsel lösen und lernt so nebenbei auch noch einiges über die Geschichte der Tempelritter. Diese wurde von den Machern des Spiels außerordentlich gut und sorgfältig recherchiert, wobei Geschichte und Fiktion zu einer kunstvollen Einheit verwoben werden, die den Spieler unweigerlich in ihren Bann zieht. Ich weiß, wovon ich rede; ich habe nicht nur das Spiel in den vergangenen vier Jahren fünfmal durchgespielt, sondern mich auch im Rahmen meines Studiums eingehend mit den Templern befasst.

Die historischen Informationen, die das Spiel bietet, sind hieb- und stichfest, und Namen wie Pierre Plantard wurden nicht zufällig gewählt. Pierre Plantard war nämlich jener Mann, der das Autorentrio Baigent/Lincoln/Leigh auf die Spur der Prieure de Sion gebracht hat, die wiederum mit dem Geheimnis von Rennes-le-Chateau in Verbindung steht. Mittlerweile weiß man, dass Plantard ein Schwindler war, der die Liste der „Großmeister" der Prieure erfunden und die dazugehörigen Dokumente kurzerhand gefälscht hat, und auch an dem Geheimnis von Rennes-le-Chateau ist nicht wirklich viel dran (sorry, Dan Brown). Das aber nur nebenbei. Details wie die Namensgebung zeugen jedenfalls von der Genauigkeit der Spielemacher, wenn’s um Recherche geht. Auch die Geschichte der Assassinen wurde akkurat dargestellt; der Club Alamut wurde nach einer alten Burg mit demselben Namen benannt, die bei Marco Polo erwähnt wird, und mit dem „Alten Mann vom Berge" ist der Assassine Raschid al-Din (1133-1193) gemeint, der die Machtposition der Assassinen in Syrien um 1150 nachhaltig festigen konnte. Das Buch „Der heilige Irgendwas und der heilige Irgendwas", das die schrille Figur der Pearl Henderson erwähnt, ist natürlich eine Anspielung auf Baigent/Lincoln/Leigh, deren Werk im Original „The Holy Blood and the Holy Grail" betitelt war – wer sich also schon mal eingehender mit der Geschichte der Templer befasst hat bzw. das Buch kennt, wird sich über solche kleinen Anspielungen freuen.

Etwas weniger genau war man bei der Wahl der Orte – so gibt es meines Wissens nach kein Marib in Syrien, wohl aber im heutigen Jemen, und auch ob Lochmarne in Irland wirklich existiert, habe ich nicht herausgefunden. Bannockburn in Schottland wiederum war im Jahr 1314 Schauplatz einer blutigen Schlacht zwischen Schotten und Engländern – angeblich wurden die Schotten dabei von Templern unterstützt, die vor der Verfolgung durch König Philipp den Schönen aus Frankreich geflohen waren. Belegt ist das zwar nicht, als Basis für das Spiel reicht die These aber allemal. Eine kleine Ungenauigkeit, die der ansonsten aber sehr gründlichen Recherchearbeit keinen Abbruch tut, hat sich in einem Dialog in Spanien eingeschlichen: George bezeichnet das 14. Jahrhundert als „frühes Mittelalter", ein Terminus, der an sich eine Zeitspanne von etwa fünf Jahrhunderten bis etwa zur Mitte des 11. Jahrhunderts umreißt – also weit vom 14. Jahrhundert entfernt.

Baphomets Fluch hat nichts von seiner Faszination verloren. „Schuld" daran sind neben der ungeheuer spannend und dramaturgisch perfekt erzählten Story zahllose liebevolle Details, und nicht zuletzt George selbst schafft es durch seine sympathische, leicht naive und humorvolle Art, dass man ihn immer wieder gern auf seiner Reise begleitet, die im Übrigen auch beim x-ten Durchspielen noch gut und gerne ihre 20 Stunden dauern kann.

 

Steuerung und Inventar

Baphomets Fluch ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit einer höchst intuitiven Steuerung. Wir scheuchen George ausschließlich mit der Maus durch die Gegend, sämtliche Aktionen werden per Klick auf die linke Maustaste ausgeführt. Der Cursor ändert dabei je nach möglicher Aktion seine Form; deutende bzw. greifende Hände zeigen an, dass man George in eine Richtung bewegen bzw. etwas aufheben kann. Können wir eine Aktion durchführen, dann verwandelt sich der Cursor in ineinander greifende Zahnräder, ist eine Aktion mit einem Inventargegenstand möglich, wird dieser zusätzlich zu den Zahnrädern angezeigt. Um mit anderen Figuren zu sprechen, benötigen wir – richtig, einen Mund! Eine Lupe schließlich zeigt uns, dass wir einen Gegenstand genauer untersuchen können. Per rechter Maustaste können wir unsere Recherchen übrigens noch gründlicher gestalten; George wird dann zusätzliche Kommentare zu Gegenständen, aber auch anderen Personen abgeben. Das funktioniert auch mit Inventargegenständen.

Nicht jeder Hotspot, den man findet, ist übrigens für das Spiel als solches relevant; viele ermöglichen einfach eine intensivere Interaktion mit der Umgebung, ohne dass ihre Untersuchung uns wirklich weiterbringt, und auch so manches Gespräch birgt nicht unbedingt eine heiße Spur. Dafür bescheren uns die genaue Untersuchung jedes Hotspots sowie das Ausloten aller Dialogoptionen eine äußerst dichte Spielatmosphäre, und dank der launigen Kommentare unseres Helden hat man auch nicht das Gefühl, seine Zeit zu vergeuden, im Gegenteil: Es macht richtig Spaß auszuprobieren, was George zu einem bestimmten Gegenstand oder einer Person zu sagen hat. Übrigens: Pixelhunting gibt es bei Baphomets Fluch nicht, alle Hotspots sind leicht zu finden – und das, obwohl sie sich optisch nicht besonders von den Hintergründen abheben. Auch hier haben die Leute bei Revolutions Software ganze Arbeit geleistet.

Die Bewegungsfreiheit wiederum ist naturgemäß etwas eingeschränkt; man kann nur Orte besuchen und untersuchen, die für das Spiel relevant sind. Eine Karte erleichtert in Paris den Wechsel zwischen mehreren Orten, wobei jene Orte, die wir nicht mehr benötigen, auch nicht mehr besucht werden können. Über eine zweite Karte kann man, sobald es für das Spiel relevant wird, von Paris aus andere Handlungsorte in Irland, Spanien, Syrien und Schottland besuchen. Dabei können manche Abschnitte in beliebiger Reihenfolge absolviert werden; strikt linear ist das Spiel also nicht.

Das Inventar finden wir am oberen Bildschirmrand und rufen es auf, indem wir die Maus dorthin bewegen. Die Gegenstände, die George im Lauf seiner Reise einsammelt, können teilweise miteinander, aber auch mit anderen Gegenständen außerhalb des Inventars kombiniert sowie in Dialogen als Gesprächsthemen verwendet bzw. an andere Personen übergeben werden. Wurde ein Gegenstand verwendet, verschwindet er nicht notwendigerweise aus dem Inventar; manche Dinge schleppt man bis zum Schluss mit sich herum, obwohl sie keinen praktischen Nutzen mehr haben. Wirklich „sinnlose" Inventargegenstände, also Gegenstände, die man überhaupt nicht brauchen kann, wären mir nicht aufgefallen. Mein absoluter Lieblings-Inventargegenstand in diesem Spiel ist übrigens, neben dem dreckigen Taschentuch, der Hand-Buzzer – meist wenig zielführend, aber sehr lustig!

 

Grafik, Sound

Die Grafik von Baphomets Fluch mag ja heutzutage nicht mehr zeitgemäß sein, sie gehört aber trotzdem nach wie vor mit zum Besten, was das Genre zu bieten hat. George bewegt sich durch eine liebevoll und detailliert gestaltete 2D-Comicwelt, die eine wahre Augenweide ist, ohne dabei jemals leblos oder steril zu wirken. Die Spuren zu den Verschwörern führen George quer durch Europa und bis nach Syrien; jeder einzelne Schauplatz wurde dabei mit unverwechselbarem Ambiente und ebenso unverwechselbaren Charakteren ausgestattet, eine passende Sound- und Geräuschkulisse trägt das Ihre zur Atmosphäre bei. Die Grafik ist bunt, ohne kitschig zu werden, und düster, wenn es die Handlung verlangt. Zwischensequenzen, ebenfalls im Comcistil, sorgen für zusätzliche Abwechslung, erscheinen aber zumindest auf einem modernen Flatscreen etwas arg pixelig. Bei Telefonaten wurde auf einen Splitscreen zurückgegriffen - das kennt man ja aus Filmen. Die einzelnen Figuren fügen sich meist nahtlos in die wunderschönen vorgerenderten Hintergründe ein, sodass der Eindruck einer perfekten Symbiose entsteht. Hier wurde einfach alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann, optisch ist das Spiel wie aus einem Guss, und man hat selten das Gefühl, hier ein völlig veraltetes Spiel vor sich zu haben – Baphomets Fluch ist in sich derart stimmig, dass einem die Grafik nicht negativ ins Auge sticht, sondern zum Charme und unverwechselbaren Flair des Spiels beiträgt. Wie lieb die Comicgrafik der ersten beiden Teile vielen Baphomet-Fans geworden ist, kann man übrigens auch an zahlreichen negativen Kommentaren besagter Fans zur 3D-Grafik der Teile 3 und 4 erkennen, aber gut, auch George und Nico müssen wohl mit der Zeit gehen. Das aber nur am Rande.

Auch der Sound ist eine Klasse für sich; die wunderschöne Titelmelodie, die uns im Lauf des Spiels immer wieder begegnet, sorgt zumindest bei mir immer noch für Gänsehaut. Hinzu gesellen sich verschiedene Musikthemen, die den jeweiligen Schauplätzen angepasst wurden und so zur Atmosphäre des Spiels beitragen, ohne das Grundthema völlig aus den Augen zu verlieren. Hintergrundgeräusche wurden, wo notwendig, ebenfalls stimmungsvoll eingebaut, wobei die Soundfiles, die man für die Installation unter ScummVM herunterladen muss, um zusätzliche Geräusche wie hupende Autos oder tropfendes Wasser ergänzt wurden – eine tolle Idee, wie ich finde, da die Szenerie so zumindest akustisch noch um einiges belebter erscheint als im Ur-Spiel. In der XP-kompatiblen Version muss man leider auf diese Zusatzgeräusche verzichten.

Großartig auch die professionellen Sprecher: George, unser Held, wird von Alexander Schottky gesprochen, die rauchig-erotische Stimme von Nico stammt von Franziska Pigulla; Fans der TV-Serie „Akte X" werden sie als Agentin Dana Scully im Ohr haben. Auch für die zahlreichen Nebencharaktere wurden professionelle Sprecher engagiert, sodass jede einzelne Figur mühelos zum Leben erwacht. Durch die hervorragende Vertonung entstehen so glaubwürdige, liebevoll ausgearbeitete und mitunter sehr skurrile Charaktere, die man nicht so schnell vergisst. Einziger Wermutstropfen: Die Soundqualität ist nicht 100%ig optimal, was man dem Alter des Spiels zuschreiben muss, und auch die Lautstärke schwankt stark – teilweise übertönt die Musik bei den vorgegebenen Einstellungen die Dialoge. Das lässt sich allerdings in den Optionen weitgehend beheben.

 

Rätsel und Aufgaben

Die Rätsel in Baphomets Fluch sind vielfältig, abwechslungsreich und nicht übertrieben schwierig – Baphomets Fluch war mein erstes Adventure, und ich habe es so ziemlich ohne Hilfe gelöst. Richtig harte Kopfnüsse sind kaum dabei, an manchen Stellen braucht man allerdings schon etwas länger und kommt ordentlich ins Grübeln. Inventarbasierte Rätsel dominieren ganz klar; immer wieder gilt es, einen Gegenstand aus dem Inventar richtig zu verwenden, ihn der richtigen Person zu zeigen oder ihn richtig zu kombinieren. Hinzu gesellen sich Rätsel, bei denen es auf Geschicklichkeit und Geschwindigkeit ankommt, etwa, wenn man einer griesgrämigen Ziege ausweichen bzw. das Tier austricksen muss. Ein Rätsel erfordert zwar Schachkenntnisse, man kann es aber auch durch stures Ausprobieren lösen – hat bei meiner allerersten Begegnung mit George und den Neo-Templern hervorragend geklappt, auch wenn ich gut eine halbe Stunde dafür gebraucht habe und ehrlich gesagt bis heute nicht weiß, welche Systematik hinter diesem Rätsel steckt. Sehr oft sind es auch Dialoge, die die Handlung vorantreiben oder zur Lösung einer Aufgabe beitragen; aufmerksames Zuhören ist also enorm wichtig, zumal anders als in moderneren Spielen eine Tagebuchfunktion fehlt. In vielen Fällen ist es erforderlich, einen anderen Charakter abzulenken; dazu sind einerseits wiederum ausführliche Gespräche nötig, andererseits kann es auch nicht schaden, wenn man sich genauestens umsieht – Hinweise gibt es nämlich fast überall, und man hat auch nie das Gefühl, dass man völlig alleine gelassen wird. Mit etwas Grips und Geduld findet man schon die Lösung. Versprochen.

Die Rätsel und Aufgaben sind allesamt vollkommen logisch und nachvollziehbar in die Handlung integriert, nie entsteht der Eindruck, hier versuchten die Entwickler, das Spiel künstlich in die Länge zu ziehen, und mit etwas Nachdenken lassen sich alle Rätsel und Aufgaben ohne Hilfe lösen. Hängt man doch einmal fest, kann man sämtliche Orte noch einmal abklappern, an denen man vielleicht etwas vergessen haben könnte, sei es eine Aktion oder ein Gespräch; oft gibt George dem Spieler auch selbst einen Hinweis darauf, was als nächstes zu tun ist. Man sollte auch immer genau wissen, was man im Inventar hat und unbedingt jeden einzelnen Gegenstand auch mit der rechten Maustaste untersuchen, um vielleicht weitere wertvolle Hinweise zu erhalten. Und man sollte jeden Inventargegenstand in jedem, wirklich jedem Gespräch dem Gegenüber zeigen, auch wenn das auf den ersten Blick sinnlos erscheinen mag.

Zumindest in Paris ist der Wechsel von einem Schauplatz zum nächsten dank der integrierten, übersichtlichen Karte jederzeit problemlos möglich. Sackgassen gibt es nicht, wohl aber einige wenige Gelegenheiten, zu sterben. Diese lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen und resultieren entweder aus Unvorsichtigkeit, etwa, wenn man sich zu weit in die Höhle des Löwen wagt, oder aus Ungeschicklichkeit gepaart mit Langsamkeit, etwa, wenn man in einer brenzligen Situation zu lange überlegt, was zu tun ist. Merke: Wenn dir jemand eine geladene Waffe vor die Nase hält, denk nicht lange nach, spring! Ansonsten gibt’s nämlich einen hübschen Game-Over-Screen zu bewundern, dem eine kleine Zwischensequenz vorangeht. Man landet anschließend wieder im Hauptmenü und hat die Qual der Wahl: Lädt man einen vorhergehenden Spielstand und versucht sein Glück ein zweites Mal oder lässt man’s lieber bleiben? Es empfiehlt sich jedenfalls, öfter zu speichern, erst recht, wenn die Musik bedrohlich anschwillt oder man nicht weiß, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Sonst kann’s schon mal passieren, dass man längere Passagen neuerlich hinter sich bringen muss. Ist das der Fall, muss man sich übrigens nicht noch mal durch alle Dialoge klicken – man kann sie durch Druck auf die linke Maustaste einfach abbrechen.

 

Dialoge

Bei den zahllosen Gesprächen – und Baphomets Fluch ist sehr dialogintensiv – erscheinen in der unteren Leiste mehrere Icons, die die unterschiedlichen Gesprächsthemen anzeigen. Ist ein Thema erschöpft, verschwindet das Icon aus der Liste; das bedeutet jedoch nicht, dass man auf das Thema zu einem späteren Zeitpunkt und ausgerüstet mit neuen Erkenntnissen nicht noch einmal zurückkommen muss. Manchmal muss man auch entscheiden, ob man einem Gesprächspartner eine positive oder eine negative Antwort gibt, ob man lügen oder die Wahrheit sagen will oder wie man sich dem Gesprächspartner gegenüber generell verhalten möchte. Immanenten Einfluss auf den Spielverlauf hat das meines Wissens nicht, es sei denn, man hat es gerade mit einem Gangster zu tun – da kann’s schon mal passieren, dass die falsche Wahl sich, sagen wir mal, ungesund auswirkt. Ansonsten entscheidet Lüge oder Wahrheit darüber, wie viele Informationen man von seinem Gegenüber noch erhält bzw. ob der Gesprächspartner überhaupt noch mit George reden will. Aber selbst wenn man eine andere Figur mal durch eine Lüge (oder auch die Wahrheit) verärgert und einem so manche Informationen vorenthalten bleiben – beenden lässt sich das Spiel auf jeden Fall! Die Entscheidung für Lüge oder Wahrheit sorgt außerdem für einen gewissen Wiederspielwert.

Zusätzlich kann George sämtliche Inventargegenstände benutzen, um mit anderen Personen zu kommunizieren – man klickt einfach den entsprechenden Gegenstand an und wartet ab, wie der Gesprächspartner reagiert. In vielen Fällen ist es unabdingbar, anderen Personen Inventargegenstände zu zeigen, da dies die Geschichte vorantreibt bzw. spannende Konversationen auslöst, die wiederum neue Spuren nach sich ziehen. Oft reden andere Figuren erst dann mit George, wenn er ihnen einen bestimmten Gegenstand unter die Nase gehalten hat – es ist schon sehr spannend, was z.B. so eine Visitenkarte alles ausrichten kann und wie redselig manche Figuren plötzlich werden. Andere sind von Haus aus äußerst mitteilsam und überfluten den guten George mit einer Fülle an Informationen über sich und ihr Leben, ohne dass man damit sofort etwas anfangen kann, geschweige denn danach gefragt hat, wieder andere verlangen eine Gefälligkeit, ehe sie mit George plaudern wollen. Generell gilt: In jedem Wust an Informationen findet sich der eine oder andere kleine Hinweis, der einen weiterbringt und den man unbedingt im Auge behalten sollte. In den meisten Fällen kann man Charaktere übrigens auch noch ansprechen, obwohl sie einem nichts Wichtiges mehr zu sagen haben.

Die Dialoge als solche sind stets lebendig, spritzig-witzig, abwechslungsreich und erlauben gute Einblicke in die Persönlichkeiten der jeweiligen Charaktere. Dabei tritt ein ganz eigener Humor zutage, der sicher mit ein Grund dafür ist, dass Baphomets Fluch auch heute noch Heerscharen von Fans hat. Besonders George hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen, aber auch Nico ist nicht gerade auf den Mund gefallen. Zwar hat George zusätzlich Standardsprüche parat, wenn er etwas nicht tun oder anfassen will, diese sind aber längst nicht so enervierend wie in anderen Spielen und werden oft auch mit einer gehörigen Portion Sarkasmus vorgetragen. Besonders lustig sind die Reaktionen einzelner Figuren auf diverse Inventargegenstände; man sollte auf jeden Fall versuchen, anderen Personen den Hand-Buzzer zu zeigen, über den man im Verlauf des Spiels stolpert, und auch ein verschmutztes Taschentuch oder eine rote Clownsnase rufen witzige Reaktionen hervor – mir ist es mehr als einmal passiert, dass ich grinsend oder gar laut lachend vor dem Computer gesessen habe. Dabei tritt die Handlung bei aller Komik nie in den Hintergrund; Ernsthaftigkeit und Humor halten sich hervorragend die Waage.

 

Fazit

Baphomets Fluch gehört zu Recht zu den Spieleklassikern, die man immer wieder gerne aus dem Regal holt, um sie erneut zu erleben. Denn selbst wenn man die Lösung jedes einzelnen Rätsels kennt – dieses Spiel wird nicht fad, und es gibt auch noch immer etwas Neues zu entdecken. Hauptdarsteller George Stobbart ist ein äußerst sympathischer Zeitgenosse, mit dem man gerne mal auf ein Bier gehen würde, wäre er nicht grade wieder dabei, die Welt zu retten, und auch Nico, die in den Nachfolge-Spielen deutlich mehr Handlungsraum zugestanden bekommt, ist eine sympathische, wenn auch mitunter etwas bissige und sarkastische junge Frau. Die Handlung ist von der historischen Seite her einwandfrei und gründlich recherchiert, die Fiktion greift nahtlos in die Historie über, und beide Seiten verschmelzen zu einer perfekten Einheit. Logische, gut in die Handlung integrierte Rätsel sorgen dafür, dass die grauen Zellen auf Trab bleiben, abwechslungsreiche Schauplätze und eine Vielzahl liebevoll gestalteter Charaktere machen das Spiel zu einem Hochgenuss.

Optisch macht Baphomets Fluch so ziemlich alles richtig, was man nur richtig machen kann; die liebevoll gestaltete 2D-Grafik hat auch nach zwölf Jahren nichts von ihrem Charme verloren und versprüht im Gegensatz zu so manch modernem 3D-Spiel ein Übermaß an Flair und Seele. Beides wird durch die gelungene Lokalisation und die wunderschöne Musik perfekt unterstützt. Punkteabzüge gibt’s lediglich für die aus heutiger Sicht etwas schlechte Qualität des Sounds und die etwas umständliche Handhabung bei der Installation – auch unter Windows2000 bzw. auf älteren Rechnern kann das Spiel ordentlich rumzicken, wenn man eine ältere Ausgabe sein Eigen nennt, die Neuausgabe behebt etwaige Probleme aber im Handumdrehen. Abgesehen von diesen Kleinigkeiten ist Baphomets Fluch eines der wenigen Spiele, die ich als perfekt bezeichnen würde. Seine Qualität zeigt sich vor allem auch daran, dass es trotz seines Alters und auch bei wiederholtem Spielen noch immer zu begeistern vermag. Man hat bei jeder einzelnen Figur das Gefühl, alte Bekannte zu treffen, von denen man schon länger nichts gehört oder gesehen hat, die einem aber trotzdem noch sehr vertraut sind. Kurz: Wer Baphomets Fluch nicht mindestens einmal gespielt hat, hat definitiv was verpasst!

 

 Meine Gesamtbewertung: 93%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen 2-CD-Ausgabe:

  • Windows 95/98/XP
  • Pentium 90 oder höher mit 486 66 MHz
  • 8 MB Ram (Minimum, empfohlen: 16 MB Ram)
  • Vesa 2.0 kompatible SVGA Grafikkarte
  • 100% SoundBlaster kompatible Soundkarte
  • 210 MB Festplattenspeicher

Minimale Systemvoraussetzungen XP-kompatible Ausgabe:

  • Windows XP/Vista sowie alle Betriebssysteme, die ScummVM unterstützen
  • DirectX 8.1
  • Pentium III 750 MHz (empfohlen: Pentium III 1,2 GHz – bezieht sich auf Teil 3 der BF-Trilogie)
  • 128 MB Ram
  • 64 MB GeForce2 oder vergleichbar (empfohlen: GeForce 4 Ti 4200 oder vergleichbar)
  • Soundkarte mit 5.1 Surround Sound Unterstützung (empfohlen)
  • 4 GB Festplattenspeicher (für alle drei Spiele des Dreierpacks)
  • DVD-Rom-Laufwerk
  • Emulator: ScummVM

Gespielt mit:

  • Windows XP SP 2
  • Pentium 4 mit 3 GHz
  • 512 MB Ram
  • Optiarc DVD RW AM-71707
  • Nvidia GeForce 7300 SE/7200 GS
  • Emulator: ScummVM

 

Copyright © jehane für Adventure-Archiv, 27. August 2008

 

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Das Hauptmenü
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Hier nimmt eines der schönsten Adventures aller Zeiten seinen Anfang – George vor den Trümmern des Pariser Cafés.
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George und Nico im Gespräch – gleich lädt sie ihn in ihre Wohnung ein…
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… und schon hat er sich’s gemütlich gemacht.
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Dieses alte Manuskript bringt George auf eine heiße Spur.
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Nützlich: die Karte von Paris
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Slainte! George ermittelt in einem irischen Pub
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Georges Gegner sind nicht nur menschlich – diese Ziege ist nicht unbedingt eine Zierde ihrer Gattung
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Die obere Leiste zeigt das Inventar, unten finden wir die Dialogoptionen
Die obere Leiste zeigt das Inventar, unten finden wir die Dialogoptionen

 

 

 

 

Auch in Syrien trifft George die skurrilsten Figuren
Auch in Syrien trifft George die skurrilsten Figuren

 

 

 

 

Gestatten: Ultar, Taxifahrer und exzellenter Luxusführer
Gestatten: Ultar, Taxifahrer und exzellenter Luxusführer

 

 

 

 

Georges Suche führt ihn zu einer spanischen Gräfin
Georges Suche führt ihn zu einer spanischen Gräfin

 

 

 

 

Das fieseste Rätsel des Spiels
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Was erwartet unser dynamisches Duo in dieser Ruine?
Was erwartet unser dynamisches Duo in dieser Ruine?

 

 

 

 

Na, da macht aber jemand große Augen…
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