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Beneath a Steel Sky
Erscheinungsdatum: 1994
Entwickler: Revolution
Publisher: Virgin
Spielsprache: deutschUSK: geeignet ab 12 Jahren
Ein Review von André 03. April 2005
Schon lange wollte ich das Uralt-Comic-Adventure "Beneath a Steel Sky" gespielt haben, da von Revolution ist, also dem Hersteller von Baphomets Fluch, dessen erste beiden Teile nach wie vor zu meinen absoluten Lieblingsadventures zählen. Zudem sehen die Screenshots so beeindruckend aus, dass diese auch heute noch zum Spielen verlocken. Doch leider war es mir bislang verwehrt, das Spiel unter Windows fehlerfrei zum "Laufen" zu bringen.
Ich habe schon nicht mehr geglaubt, BASS jemals durchspielen zu können, als ich dann in einem Geschäft die Spielesammlung "Amiga Classix 3" entdeckte. Hinter diesem Namen verbirgt sich nicht anderes als die Emulationssoftware UAE (welche es ermöglicht, alte Amiga-Spiele auf einem Windows/Mac-Rechner zu spielen) sowie hundert passende Original-Spiele.
Installation
Mit DOS bin ich leider nicht vertraut, aber die Installation von Amiga Classix sowie dem Spiel als Amiga-Version unter Windows ist wirklich supereinfach. Man installiert einmal das Programm. Danach sind dann der Emulator sowie alle hundert Spiele bereits auf dem Rechner. Nun wartet der Emulator förmlich darauf, dass man ihn startet. Ist dieses geschehen, sucht man sich nur noch das entsprechende Spiel wie zum Beispiel "Beneath a Steel Sky" aus einer Liste raus und schon kann man nach Herzenslust bis in die frühen Morgenstunden daddeln. Die Installation geht so einfach, dass sie sogar mir gelungen ist.
Zu erwähnen sei an der Stelle noch, dass man alternativ sowohl die Emulationssoftware UAE als auch BASS kostenlos und legal downloaden kann.
Nun gut, die Installation wäre bewältigt. Nun wäre es doch gelacht, wenn wir jetzt nicht noch einen schmissigen Review für dieses Kleinod fertig bekämen.
Handlung
Der Originalversion liegt noch ein Comicheft bei, in dem eine Art Einleitung erzählt wird. Leider wurde der Comic in den neueren Versionen des Spiels, die sich meist auf Compilationen (Amiga Classix 3 oder auch Revolution Classic Adventures) befinden, eingespart. So entgeht dem Spieler ein wenig von der Vorgeschichte, die er sich dann im Laufe des Spiels mehr oder weniger selbst zurechtreimen muss.
Fangen wir also bei Introfilm an: Das Spiel findet irgendwann in der Zukunft
in einem totalitären Überwachungsstaat statt. Unser Held Robert Forster sitzt als Gefangener in einem Hubschrauber, der auf einem gigantischem Gebäude unsanft notlanden muss. Unser Held überlebt den Absturz unverletzt und kann entkommen. Jedoch ist der Abstieg nach unten blockiert, da sich das Gebäude in der Hand seines Gegenspielers befindet, von dem wir anfangs nur wissen, dass es ein Computersystem namens Linc ist. Überall befinden sich Terminals von Linc und das ganze Gebäude wird von Kameras und Personen überwacht. Zudem wurde die Stromzufuhr für die Aufzüge nach unten gekappt.
Deshalb muss sich unser Held den Abstieg in Richtung Freiheit Etage für Etage erkämpfen bzw. besser gesagt errätseln und erfährt nebenbei immer mehr über seine eigene Geschichte und wieso der Angriff ihm galt. Überhaupt finde ich sehr schön, wie der Spieler nach und nach immer mehr mit der Handlung vertraut gemacht wird und von den Zusammenhängen erfährt.
Der von mir so geschätzte trockene Humor, der sich durch das ganze Spiel zieht, ist mir noch aus Baphomets Fluch vertraut. Eventuell ist er sogar noch etwas derber als bei Baphomet. Überhaupt geht es nicht immer ganz so filigran zur Sache, denn auch an Toten mangelt es nicht.
Grafik
Auch bei scheinbar schnelllebigen Produkten wie PC-Spielen setzt sich Qualität durch, denn die Grafik ist heute - also immerhin über zehn Jahre nach Erscheinen des Spiels -zumindest für Adventure-Liebhaber immer noch eine Augenweide. Schließlich brauchte sich die Grafik schon damals hinter Besten des Genres (also z.B. Sierra und Lucas Arts) nicht zu verstecken, auch wenn damals alle Firmen ihren ganz eigenen Stil gefunden hatten. Am ehesten lässt sich BASS vom grafischen Erscheinungsbild und der Qualität aber mit Spielen wie Gabriel Knight 1, Innocent until Caught oder auch The Dig vergleichen.
Bei BASS dominieren am Anfang des Spiels, das in einer eher
lebensverneinenden Umgebung spielt, kalte Blau-, Grau- und düstere Brauntöne des riesigen Baus aus Stahl und Beton. Nur selten erschließen sich dem Spieler auch ein paar idyllischere Fleckchen. Besonders wenn die Gegend mal ein wenig natürlicher wird, lässt sich erahnen, dass hier die gleiche Firma am Werke war, welche dann später Baphomets Fluch erschaffen sollte. BASS spielt sich wie dieses auch in der 3rd-Person-Perspektive.
Rätsel
Die Rätsel sind interessant und abwechslungsreich gestaltet und zumindest bis etwa zum zweiten Drittel hin nicht leicht, aber lösbar. Sie sind in einem Schwierigkeitsgrad gehalten, dass dem Spieler stetig der Anreiz geschaffen wird, diese nach Möglichkeit selbstständig zu lösen.
Je weiter wir uns jedoch dem Ende des Spiels nähern, desto schwieriger
werden die Rätsel. Außerdem können wir gegen Ende immer häufiger sterben und das kommt dann wie im richtigen Leben ganz unerwartet. Ich musste feststellen, dass die häufigen Tode am Ende zusammen mit den nicht gerade einfachen Rätseln teilweise schon ein wenig frustrierten. Aber zur Not gibt´s ja dann auch noch Spielelösungen. Zumindest ist es aus diesem Grund nicht verkehrt, häufig zu speichern.
Ein Highlight ist es immer wieder, wenn sich Forster und sein Roboter mal
wieder ein paar Wortgefechte liefern. Aber der Roboter dient nicht nur zur Kommunikation, nein, er erfüllt durchaus seine Zwecke. Er besitzt nämlich
ein paar Fähigkeiten wie z.B. Schweißen oder Fliegen, was unser Held nicht kann. Andere Rätsel sind auch nur im Team teilweise sogar zeitgleich zu bewältigen.
Sound
Sprachausgabe gibt´s noch nicht, wir befinden uns adventuregeschichtlich
quasi noch in der prälingualen Ära. Der Rest ist auch schnell abgehandelt:
Es gibt jeweils eine kleine Melodie am Anfang und am Ende des Spiels und zwischendurch macht hier es mal pling oder auch plong etwa bei einem Hammerschlag. Aber das kommt eher selten vor. Meist wirst Du nicht viel mehr als das Rauschen Deines Lüfters hören.
Handling
Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen aus dieser Ära ist die Steuerung
durchs Spiel äußerst komfortabel. Denn anstatt wie bei anderen Spielen
mühselig aus zig einzelnen Befehlikons wie "Sprechen", "Ziehen", "Drücken", "Nehmen", "Geben" usw. auszusuchen zu müssen, werden die Befehle automatisch ausgeführt. Wenn wir also einen Gegenstand aus dem Inventar auf eine Person ziehen, dann bekommen wir automatisch eine Reaktion, ob bei der Person beispielsweise Interesse besteht oder ob sie etwas über den Gegenstand zu berichten weiß etc.. Diese Neuerung war damals im Gegensatz zu der Steuerung mit Hilfe von Icons eine sehr praktische und komfortable weil zeitsparende Angelegenheit.
Das Inventar öffnet sich ebenfalls praktisch, wenn man den oberen Bildschirmrand anklickt. Gespeichert wird auf gerade mal neun (natürlich überschreibbaren) Speicherplätzen. Aber die recht niedrige Anzahl war damals vermutlich nicht außergewöhnlich.
Fazit
Beneath a Steel Sky bringt bereits alle positiven Eigenschaften und stilprägenden Elemente mit sich, welche dann in den ersten beiden Teilen von Baphomets Fluch fortgeführt werden sollten und die Reihe nicht umsonst legendär gemacht haben: Es wird eine spannende, durchdachte Geschichte erzählt und die interessanten Rätsel wurden sehr schön in das Spiel integriert. Ein ausgesprochenes Vergnügen ist es, dem unterschwelligen, leicht flapsigen Humor und dem spitzfindigen Wortwitz zu folgen, der ebenfalls schon reichlich vorhanden ist, wenn z.B. unser Protagonist und sein Roboterfreund sich necken.
Die Grafik - für die damaligen Verhältnisse außergewöhnlich - ist nach wie
vor noch sehr schön anzusehen und trägt einen Grossteil dazu bei, eine einzigartige Atmosphäre entstehen zu lassen.
Genervt haben mich lediglich die häufigen unfreiwilligen vorzeitigen Spielenden durch Tod, da ich lieber angstfrei an die Rätsel rangehe. Aber das verhindert auch nicht, dass wir es hier mit einem absoluten Spieleklassiker zu tun haben, an den sich jeder Adventureliebhaber, der älterer Grafik gegenüber aufgeschlossen ist, versuchen sollte.
Bewertung: 87 %
Bewertungssystem Adventure-Archiv:
- 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
- 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
- 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
- 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
- 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
- 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)
Systemvoraussetzungen:
- 386er mit DOS 3.3
- 2 MB RAM, 550 KB Hauptspeicher
- VGA
- Soundkarte Adlib oder Soundblaster
Gespielt unter:
- Win 98
- AMD Athlon XP 1800
- 256 MB RAM
- Grafikkarte Radeon 9200 Series
- 16x CDROM-Laufwerk
Festplatte 60 GB
Copyright © André für Adventure-Archiv, 03. April 2005
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