Carol Reed 6 - Black Circle
Erscheinungsdatum: Dezember 2009
Entwickler: MDNA Games
Publisher: Merscom
Spielsprache: englisch
Altersempfehlung: keine Altersempfehlung vorhanden
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Ein Review von André 11. Januar 2010
Es ist doch erstaunlich, dass es zu jedem Teil der Carol Reed-Serie
immer zumindest ein bisschen was Neues zu berichten gibt, auch wenn ich diesbezüglich vor
dem Schreiben des Reviews zunächst nicht ganz sicher war. Denn die Reihe - und das ist
gewiss nicht böse gemeint stagniert seit dem ersten Teil und zwar auf
gleichbleibend hohem Niveau. Es ist halt Verlass auf MDNA. Dennoch verzeihen sie mir
hoffentlich, wenn ich mich wieder einmal aus Teilen meiner alten Reviews zur Serie
bediene, da dessen Grundgerüst einfach unverändert ist.
Grafik
Ja, irgendwie ist die Detektivin Carol Reed schon das
englisch-nordische Pendant zu ihrer amerikanischen Berufskollegin Nancy Drew. Nur, dass
besagte Nancy bzw. die Adventure-Serie mit ihr seit ihrer Geburtsstunde deutlich mehr
Metamorphosen vollzogen hat. Das gilt auch oder sollte man besser sagen
insbesondere für die grafische Gestaltung.
Denn im Großen und Ganzen ist Mikael Nyquist, seines Zeichens
Hauptverantwortlicher hinter der Carol-Reed-Reihe, seinem Grafikstil seit dem Debüt treu
geblieben. Das zeigt eigentlich nur, wie ausgereift dieses bereits war. Wobei ausgereift
im Fall der Carol Reed-Adventures wie immer bedeutet, dass derjenige, der noch keinen Teil
gespielt hat, nicht erwarten sollte, 3D-Sequenzen in High-End-Qualität präsentiert zu
bekommen. Denn nein, mit Nichten und Neffen, genau das Gegenteil ist der Fall. Auch der
sechste Teil ist, was die Technik anbelangt wieder mit sparsamsten Mitteln erstellt
worden. Denn zu sehen gibt es wie gehabt nur" Standbilder. Nichts ist animiert.
Selbst Gespräche mit Personen werden lediglich in einer Folge von Standbildern
dargestellt. Und das reicht wie immer völlig aus, den Spieler von Spielbeginn an in eine
ganz eigene magische Welt zu ziehen. Eines der Hauptmerkmale des Spiels ist wieder einmal
die wundervolle Grafik, welche die Serie einzigartig und unverwechselbar macht. Falls es
jemanden gibt, der nicht versteht, was Adventures mit Kunst zu schaffen haben könnten, so
präsentiere man ihm dieses Spiel.
Und wie jedes Jahr stellt sie sich sofort ein, nachdem ich mich
durch die ersten Bilder geklickt hatte, diese spezifische Stimmung, die typisch ist für
die Carol-Reed-Adventures. Ein Spieler beschrieb diese im Internet gar als meditativ.
Grundsätzlich bin ich wenig esoterisch veranlagt, finde diesen Gedanken aber recht
treffend. Auf jeden Fall ist das Spiel eine Zeitreise und versetzt den Spieler in eine
eigentlich reale Welt, die aber durch die kunstvolle Bearbeitung unwirklich erscheint.
Dabei hat man sich der bewährten Stilmittel bedient. Sprich: In
erster Linie wurden die Farben wieder kunstvoll retouchiert, übersteigert. Genauso
wichtig sind sicher auch die sorgsam ausgesuchten Locations. Gezeigt werden typisch
schwedische Ortschaften. Da sind oft verträumte kleine Sträßchen und Feldwege mit
verwilderten Gärten und typische Häuser, die an romantische Gartenlauben erinnern, in
denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Und natürlich wühlen wir wieder im Dreck. Wir wissen ja ob
runtergekommene Fabrikgeländer oder gar alte Höhlen, in denen die Berber hausen, kein
Ort ist Carol zu gefährlich und zu schmutzig, ihn nicht zu erkunden. Die Fünf Freunde
sind nichts dagegen. Eine ganz besondere düstere, unwirkliche, ja bedrohliche Atmosphäre
strahlt in Black Circle z.B. das umfangreiche verlassene Fabrikgelände aus: menschenleer
und an allem hat der Zahn der Zeit deutlich genagt. Die Werkzeuge liegen verstreut, als ob
sich da noch Menschen aufhielten und noch immer gearbeitet würde. Dazu im Hintergrund die
sphärische Musik: eine tolle Industrial-Atmosphäre Klasse!
Aber natürlich sind daneben längst schon genauso viele ganz
gewöhnliche, oft typisch schwedische Produkte und Alltagsgegenstände in die Bilder
integriert und auch ganz normale Wohnungen und Wohnblocks werden dargestellt. Nyquist
findet immer neue Orte und die Sorgsamkeit, mit der diese ausgesucht und aufgenommen
wurden, setzt sich in den Details fort. Dabei ist es einzigartig, wie nahe die Wohnungen
dem Spieler gebracht werden. Sie wirken einerseits bewohnt und andererseits durch die
Menschenleere und die grafische Nachbearbeitung geheimnisvoll und fremd. Jeder Raum kann
genau erforscht werden und man kommt sich so vor, als würde man in einen sehr privaten
Bereich vordringen. Für den, der die Serie kennt, ist es natürlich schön zu beobachten,
wie Carol jedes Mal ihre Bude neu modifiziert hat. In Black Circle soviel kann ich
schon vorwegnehmen, ertappen wir sie sogar auf frischer Tat, also beim Renovieren.
Handlung
Jetzt gehts ab. Ich hatte ja vermutet, dass eigentlich schon
der letzte Teil sich im Sekten-Milieu auf Spurensuche begeben würde, da es am Schluss des
vorletzten diesbezüglich schon Andeutungen gab. Interessanterweise hat man erst jetzt die
Thematik aufgegriffen und so stößt Frau Reed bei ihren Ermittlungen u.a. auf einen
mysteriösen Madonnen-Kult.
Los geht´s im aktuellen Fall direkt erst einmal mit einem Mord. Das
behauptet zumindest der nette ältere Herr von nebenan, als er Carol um Hilfe bittet. Denn
als dieser in einer verlassenen Gegend rumstromert, stößt er auf einen Toten. Blöd nur,
dass die Leiche verschwunden ist, als die von Ihm gerufene Polizei eintrifft. Und da sie
ihm nicht glaubt, wendet er sich also hilfebittend an Carol, die der Sache nachgehen soll.
Rätsel
Es gibt viele Ansätze, man muss wieder einmal viel suchen und die
Orte müssen genauestens erkundet werden. Kann man ein Rätsel an einer Stelle nicht
sofort lösen, muss man vielleicht später noch einmal zu dem Ort zurückkehren, wenn sich
die Situation verändert hat oder man neue, hilfreiche Informationen oder Gegenstände
erhalten hat. Man muss wie gehabt viel selbst erarbeiten in den nicht selten recht
verschachtelten und interessanten Orten und Gebäuden. Dementsprechend gibt es wieder sehr
viel zu entdecken. Daher wurde auch dieses Mal netterweise wieder eine praktische
Rätselhilfe in Form eines Notizbuchs integriert, um den Spieler im Notfall, also wenn es
nicht mehr weiter geht, nicht ganz alleine zu lassen. Wenn man sich, wie ich, nur mäßig
Dinge merken kann, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich zusätzlich handschriftliche
Notizen zu machen, wo noch etwas ungelöst ist, etwa die obligatorische Tür noch
verschlossenen, um nicht permanent in die Hilfe lugen zu müssen.
Die Rätsel an sich bestehen also wieder aus viel
Exploration, nur wenig Kommunikation und natürlich müssen, wie bei fast jedem Adventure,
Gegenstände angewandt werden. Wobei - und das wollte ich in meinem letzten Review
eigentlich schon angemerkt haben - nach meinem Geschmack durchaus etwas mehr Interaktion
mit Personen stattfinden könnte. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass ein paar
zwischendurch eingestreute Minigames bzw. Puzzles mehr, wie in früheren Teilen, durchaus
etwas mehr Abwechslung ins Rätseldesign bringen könnten.
Sound + Sprachausgabe
Och Mönsch, eigentlich hatte ich ja gehofft, direkt die deutsche
Version zum Reviewen vorgelegt zu bekommen, aber irgendwie habe ich es schon erwartet:
Carol Reed ist auch dieses Mal zunächst erst einmal nur auf Englisch erschienen. Ob eine
deutsche Version heraus kommt, kann ich noch nicht sagen, doch die ersten vier Spiele sind
ja erst vor nicht allzu langer Zeit nachträglich übersetzt und dem deutschen Markt
zugänglich gemacht worden. Wobei lange Zeit ja ungewiss war, ob dieses überhaupt
passieren würde. Ich spiele ein Adventure zwar auch auf Englisch, aber ich gebe
freimütig zu, dass es mir auf Deutsch doch mehr Spaß macht, da es logischerweise
einfacher zugänglich ist.
Allerdings sind die vier ersten Teile ja nur mit deutschen
Untertiteln versehen worden, während die Sprachausgabe original belassen wurde. Nun ja,
bei Carol Reed ist das nicht ganz so dramatisch, denn zum einen wird ja nicht allzu viel
gesprochen, zum anderen macht es wie auch im aktuellen Teil wie immer Spaß, den Sprechern
mit ihren sympathischen schwedischen Akzenten zuzuhören.
Die Musik besteht wie immer aus ruhigen, meist sphärischen,
elektronischen Klängen. Es gibt gewisse Grundthemen, die seit dem ersten Teil, immer
wieder etwas modifiziert vorkommen und so als konstantes Element auch für Vertrautheit
sorgen.
Cover
Zumindest bleibt mir in der originalen Version so die deutsche
Covergestaltung, welche von eher zweifelhafter Ästhetik ist, erspart. Denn die pinken
deutschen Cover im Barbie-Stil mit einer jungen blonden Hauptdarstellerin, welche
anscheinend Frau Reed darstellen soll, erwecken im Gegensatz zu den wesentlich
ansprechenderen Originalcovern eher den Eindruck, als habe man in erster Linie junge
Mädchen im Bravo-Alter als Zielgruppe auserkoren. Außerdem wurden die Spiele in der
deutschen Version bisher fälschlicherweise auf drei Covern als Wimmelbild-Krimis und nur
auf einem als Krimi-Abenteuer angepriesen, was sicherlich eher zutrifft, da es sich ja um
ein solche Serie also genau genommen schlicht um Krimi-Adventures handelt.
Das Originalcover des aktuellen Falls ist in dunklen Tönen gehalten,
dafür kommt auch dieser Teil nicht mehr wie früher im schlicht-dezentem Slimcase,
sondern wie schon der letzte im normalen DVD-Case. Ein Booklet liegt wie immer nicht
dabei.
Handhabung
Im aktuellen Teil können wir wie beim Vorgänger wieder ein
ausführliches Tutorial nutzen, also eine Einführung in erster Linie für solche Spieler,
die noch nie mit einem Carol Reed-Spiel bzw. noch nie mit Adventures in Berührung
gekommen sind. Denn eigentlich ist die Steuerung wieder ebenso einfach wie intuitiv:
Wir benötigen vor allem die linke Maustaste zum Personen Ansprechen,
Dinge Aufheben, aus dem Inventar Nehmen und Verwenden sowie Laufen. Dabei kann man, wo
immer man gerade steht, den jeweiligen Ort immer in vier Richtungen durch Anwählen
der Pfeiltasten verlassen. Das Inventar geht auf, sobald wir den oberen Bildschirmrand
berühren. Mit der rechten Maustaste können wir uns im Inventar Gegenstände anschauen
und aufgenommen Gegenstände weglegen. Ebenfalls gelangt man mit ihr sowie mit Escape ins
Menü, wo wir speichern, laden und beenden können. Das Speichern erfolgt durch Anklicken
eines freien Speicherfeldes. Verlassen wir das Spiel, wird automatisch noch einmal
gespeichert. Beim nächsten Spielstart braucht man nur noch 'Continue' anzuwählen und
gelangt so direkt zum aktuellen Spielstand.
Außerdem gibt es erstmalig tatata! einen
Lautstärkenregler, mit dem wir Stimmen, Geräusche und Musik getrennt justieren können.
Hier können wir ebenfalls Untertitel ein- oder ausschalten.
Fazit
Seien wir mal ehrlich, gäbe es nur solche Spiele, Microsoft wäre
vermutlich längst pleite, da sich ein solches Abenteuer vom technischen Aufwand her
vermutlich noch für eine alte Pentium-I-Möhre verwirklichen ließe. Denn die
Carol-Reed-Reihe ist im Prinzip seit dem ersten Teil nur" ein Trip durch
wunderschön retouchierte, kunstvolle Standbilder. Und das reicht auch völlig aus, um
mich Jahr für Jahr in ihren Bann zu ziehen.
Denn Black Circle ist wie bisher jeder Teil der Serie ein
gutes Beispiel dafür, dass es nicht zwingend neuester grafischer Finessen und
aufwändiger Filmsequenzen bedarf, um ein stimmungsvolles Adventure zu erstellen. Hinzu
gesellen sich ruhige Musik und eine beschaulich erzählte Detektivgeschichte, um eine
tolle Stimmung zu erzeugen. So wird das Spiel zu einer Zeitreise und versetzt den Spieler
in eine eigentlich reale Welt, die aber durch die kunstvolle Bearbeitung unwirklich,
verträumt und zeitlos erscheint.
Vielleicht gibt es ja beim nächsten Mal wieder eine Prise mehr
Puzzles hier und ein Quäntchen mehr Nebencharaktere dort, die für etwas Abwechslung beim
Lösen des Falls sorgen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es auch dieses Mal
solide 77 % gibt.
Gesamtwertung: 77%
Bewertungssystem Adventure-Archiv:
- 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
- 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
- 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
- 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
- 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für
Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
- 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)
Systemanforderungen:
- Pentium 1 GHz
- WIN98/XP/Vista/7
- 128 MB RAM
- 800 MB freier Festplattenspeicher
- CDROM-Laufwerk
- Soundkarte
- 16 MB Grafikkarte, 1024 x 768 Auflösung
Gespielt unter:
- Win XP
- AMD Athlon XP 1800
- 512 MB RAM
- Grafikkarte Radeon 9200 Series
- DVD-Laufwerk
Festplatte 60 GB
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Nicht nur mein Faible für die tollen
alten Möbel lenken mich wie immer vom Fall ab...

...sondern auch junge Damen wie Milly!
Vad härligt!

Im Hause von Edvins Eltern interessiert
man sich für ganz andere Puppen

Verschlossene Zäune zu alten
Fabrikgeländen?

... gibt es für Carol nicht!

.Eine waghalsige
Kletterpartie

Jonas im eleganten
Oldschool-Stöffchen gekleidet - hat nur einen Gastauftritt, da er noch zur Adventure Game
Convention will! Soso! :-)

Milly beschäftigt sich mit Malerei

Vor ihrer Karriere als Popsternchen
baute Madonna Elektroherde

Crossdressing - Ein Mitglied des Kults
hat eine neue Identität angenommen. Na, erkannt?

Und zum Schluss noch mal Milly Weil´s
so schön war!
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Screenshots
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