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Blue Force 


Erscheinungsdatum: 1993
Entwickler/Publisher: Tsunami
Spielsprache Englisch
Boxshots

 

Ein Review von slydos   18. August 2002

 

"Blue Force" ist ein 3rd-Person Point&Click-Polizei-Adventure vom Macher der ersten drei Police-Quest-Folgen. Jim Walls hatte sich nicht im Guten von Sierra getrennt und schien es seinem ehemaligen Arbeitgeber mit "Blue Force" noch mal zeigen zu wollen. Sierra aber konterte mit "Police Quest 4 - Open Season" von Daryl F. Gates und hatte nicht nur durch den bekannten Seriennamen die Nase vorn. "Blue Force" ist kaum einem Adventure-Spieler bekannt, wohl nicht zuletzt durch die geringe Werbung, die Tsunami, das übrigens von ehemaligen Sierra Mitarbeitern gegründet wurde, seinem Produkt angedeihen ließ.

Vorgeschichte

15. Mai 1984. Wir sehen im Intro, wie ein Geschäftmann mit Aktenkoffer einem anderen Mann in einer Kneipe eine Diskette zuschiebt und dann verschwindet. Kurz darauf treffen die Polizisten John Ryan und Lyle Jamison ein und wollen mit dem Mann am Tisch sprechen, der aber ergreift die Flucht und verschwindet auf einem Motorrad. Er verliert dabei eine Diskette, die John Ryan einsteckt. Die beiden verfolgen den Flüchtenden, aber der kann entkommen.

19. Mai 1984. Es ist dunkel. Ein langhaariger Mann macht sich am Fenster eines Hauses zu schaffen und dringt ein. Kurz darauf hören wir Schüsse. Es ist das Haus der Ryans und John und seine Ehefrau wurden an diesem Abend erschossen. Nur ihr Sohn Jake überlebte.

Elf Jahre später wird Jake in die Polizeiakademie aufgenommen und tritt damit in die Fußstapfen nicht nur seines Vaters, sondern einer Anzahl weiterer Vorfahren. Das Verbrechen an seinen Eltern wurde nie aufgeklärt. Lyle Jamison, John Ryans Partner und bester Freund, war wie ein zweiter Vater für Jake. Er hat nie aufgegeben, nach dem Killer zu suchen. Als man ihn zwingen wollte, die Akte zu schließen, quittierte er den Polizeidienst und gründete ein privates Detektivbüro. Jake wurde von seiner Großmutter, Frannie Ryan großgezogen und Lyle blieb immer in seiner Nähe. Lyle unterstütze Jake, die Familientradition fortzuführen und Polizist zu werden.

Story

Es ist Jakes erster Tag im Dienst. Wir begleiten ihn ins Polizeigebäude und das Spiel beginnt. Jake hegt die Hoffnung, irgendwie doch noch auf die Spur der Mörder seiner Eltern zu kommen. Wir begleiten den Motorradpolizisten auf seiner Streife, während er seiner normalen Arbeit nachgeht und gleichzeitig Puzzleteile in eigener Angelegenheit zusammensetzt. Dabei muß man sich, wie auch in den Police-Quest-Spielen, an die Polizeivorschriften halten, Polizeicodes eingeben und Verhaftungsprozeduren einhalten.

Installation

Das Spiel kommt auf zehn 3,5"-Disketten, dazu ein ausführliches Handbuch im gut gefütterten Karton. 2 neue Patch-Disketten liegen direkt bei. Später wurde auch eine CDROM-Version herausgebracht, auf der es, soweit ich weiß, noch einen Extra-Soundtrack gibt. Man muß von der Startdiskette das Installationsprogramm aufrufen, wie auch bei allen anderen DOS-Spielen üblich. Dann wird man durch eine komfortable, automatische Installationsprozedur geführt, die einen gleich auch die Soundkarte und das Installationsverzeichnis wählen läßt.

Man benötigt 20 MB freien Speicherplatz auf der Festplatte. "Blue Force" ließ sich sowohl unter Windows 95 als auch unter Windows XP problemlos installieren. Hinzu kommt noch, daß man, wie bei anderen Tsunami-Spielen auch, während des Spiels die Soundkartenauswahl wechseln kann - sehr gut! Sollte man die CD-Version besitzen, ist es möglich, das Spiel direkt von der CD zu spielen, allerdings kann das Spiel dann nicht gespeichert werden. Die Installation der 10 Disketten benötigt ca. 10 Minuten. "Blue Force" ist ausdrücklich nicht kopiergeschützt, so daß man sich auch leicht eine Kopie auf Disketten oder CD anfertigen kann.

Ich hatte überhaupt keine Probleme, das Spiel zum Laufen zu bringen, sollte es aber Schwierigkeiten geben, so stehen einem mehrere Kapitel im Handbuch zur Verfügung, die einem ausführlich und klar Hilfestellung leisten, z. B. zu DOS-Speicher-Einstellungen oder Soundkarten oder zur Erstellung einer DOS-Startdiskette.

Handling

Man spielt mit der Maus aber kann zusätzlich einige Hotkeys (Help, Save, Restore, Restart, Pause, Sound, Exit) verwenden. Um eine der 4 möglichen Aktionen wie Gehen, Anschauen, Sprechen oder Nehmen/Manipulieren auszuführen, klickt man mit der rechten Maustaste und das Aktions-Menü in Form einer Polizeimarke erscheint. Hier kann man das entsprechende Icon auswählen (die Marke verschwindet dann wieder) und am Bildschirm mit Linksklick anwenden.

Es gibt keine markierten Hotspots am Bildschirm. Man sollte sich also alles sehr genau mit dem Augenicon anschauen und auch mit dem Handicon untersuchen. Es gibt keine Bereiche und Objekte, zu denen man nicht mindestens eine Erklärung - jeweils in Textform - erhält. Gegenüber "modernen" Adventures wird hier noch mit dem "mündigen" Spieler gerechnet, der nicht alle Hotspots gleich mundgerecht serviert bekommt. So bekommt man eine Menge von Objektbescheibungen, auch wenn diese nicht für das Fortkommen des Spiels notwendig sind und wird auf der anderen Seite sicherlich auch zunächst den einen oder anderen spielwichtigen Gegenstand übersehen.

Das Sprechicon ruft automatische Dialoge ab. Es gibt keine Auswahlfragen/-antworten. Dafür kann man wiederum mit bestimmten Inventarobjekten Gespräche einleiten, indem man z. B. ein Dokument anwählt und es auf eine Person anwendet. Manchmal erhält man neue Informationen, wenn man das Sprechicon mehrmals anwendet, manchmal jedoch kann ein Satz auch zuviel sein und den schnellen Tod bedeuten. Auch im Dialogbereich also einiges an Wahlfreiheit.

Im Aktions-Menü gibt es noch einen Link zum Hauptmenü, in dem man neu starten, sichern, laden, das Spiel verlassen oder die Soundkartenauswahl oder Lautstärke ändern kann. Leider kann man nur ganze 8 Spielstände sichern. Das ist ein bißchen wenig, da das Spiel durch die Nichtlinearität hier und da in einige Sackgassen führt, in denen man dann oft den richtigen Spielstand vermißt.

Das Inventar ist immer am unteren Bildschirmrand sichtbar, zeigt gleichzeitig immer nur 4 Objekte an und kann mit Pfeiltasten (rechts daneben) gescrollt werden. Hat man eins der Inventaricons mit Linksklick ausgewählt, kann man es entweder am Bildschirm einsetzen oder das sonst inaktive Fragezeichen-Icon anklicken um eine Beschreibung zu erhalten. Handelt es sich um ein Dokument, wird auch oft der gesamte Inhalt angezeigt. Inventarobjekte können nicht miteinander kombiniert werden. Wir tragen auch meist nicht soviel Objekte mit uns herum, daß die Anzeige unübersichtlich würde. Grundsätzlich haben wir unsere Handschellen und die Dienstwaffe mit Munition bei uns. Gestört hat mich, daß man nicht weiß, welche Objekte man am Bildschirm eingesammelt hat, bevor man sie im Inventar ausgewählt und das Fragezeichen gedrückt hat.

Die Fortbewegung zwischen einzelnen Szenen wird durch kleine Pfeile angezeigt. Verläßt man einen der Hauptschauplätze, das geschieht durch anklicken eines Fahrzeugs, so kann man über eine Luftaufnahme von Jackson Beach per Klick die anderen Locations erreichen.

Der Spieler/die Spielerin kann den Spielfortschritt durch eine Punkteanzeige in der Inventarleiste verfolgen.

Das Handling ist wirklich einfach, gut und schnell, trotzdem wird jede mögliche Aktion im Handbuch ausführlich, manchmal sogar mit Beispielen beschrieben. Hier, und nur hier, sind auch die Zahlencodes angegeben, die man bei der Kommunikation über Funk verwenden muß.

Grafik

Während die Hintergründe, VGA mit 256 Farben, handgezeichnet sind, hat man für die Charaktergrafiken ein Video-Capture-Verfahren eingesetzt, das eine ausgesprochen lebensechte Wirkung erzeugt. Die realen Schauspieler fügen sich ausgesprochen nahtlos in die Umgebung ein, was für das Erscheinungsdatum erstaunlich perfekt gelungen ist. Allerdings haben sie nicht den Realismus, wie man ihn in "Police Quest 4" finden kann. Die Porträtvideo-Einschnitte bei Gesprächen sind sehr gut gemacht und auch die Videozwischensequenzen haben eine gute Qualität.

Musik/Sound

Leider gibt es nur Soundeffekte und Musik, auf eine Sprachausgabe ist - auch bei der CD-Version - leider verzichtet worden. Die wenigen Musikthemen und Sounds sind Durchschnitt.

Rätsel

Insgesamt haben die Rätsel einen mittleren Schwierigkeitsgrad. Besonders wichtig ist es, alle Polizeiprozeduren, wie Verhaftungen oder  Befragungen nach den Vorschriften auszuführen, sonst kann man leicht sterben. Wir müssen Jake an die richtigen Orte dirigieren, dort mit den richtigen Leuten sprechen und natürlich müssen auch eine Reihe von Gegenständen gesammelt und benutzt werden. Die Rätsel sind allesamt logisch.

Das Spiel ist nur in Grenzen linear und so wird der Schwierigkeitsgrad dadurch erhöht, daß man in eine Sackgasse laufen kann. Allerdings bekommt man dann immer einen Hinweis darauf, was die Ursache war, z. B. kann man nicht weiterspielen wenn man an einer gewissen Stelle die eigenen Spuren nicht vollkommen verwischt hat, erfährt aber erst viel später durch ein Telefonat, das man vorher etwas falsch gemacht bzw. vergessen hat. Die Nichtlinearität läßt einen Rätsel in unterschiedlicher Folge lösen. Allerdings kann es sein, daß man innerhalb eines Rätsels eine bestimmte Reihenfolge unbedingt einhalten muß.

"Blue Force" zeigt zwar einige actiongeladene Szenen, ist aber selbst actionfrei, d. h. der Spieler muß keine Schnelligkeit, Zielgenauigkeit oder Reaktionsfähigkeit beweisen. Es gibt auch keine zeitabhängigen Sequenzen. Man kann allerdings durch falsches Aktionen sterben, bzw. auch aus dem Polizeidienst entlassen werden und muß dann per Savegame erneut versuchen, die Situation zu bewältigen. Im Gegensatz zu den frühen Police Quest-Spielen, muß unser Held auch nicht selbst auf einem Stadtplan sein Fahrzeug navigieren, sondern kann sich bequem per Mausklick von Ort zu Ort begeben.

Zusammenfassung

Ehrlich gesagt, hat es mich immer gewundert, warum es nicht mehr Polizei-Adventures gibt. Dieses Sub-Genre beinhaltet schließlich die ureigendsten Merkmale des Adventures: Untersuchen, Befragen, Beweise sammeln, Schlüsse ziehen. Genau das tut man auch in "Blue Force". Im Gegensatz zu "Police Quest 4 - Open Season" gibts hier eine große Freiheit der Vorgehensweise weil es viel weniger linear ist und übrigens auch keine technischen Bugs aufweist. Wer die Sierra-Police-Quest-Reihe gern gespielt hat, wird auf jeden Fall auch bei "Blue Force" seinen Spaß haben. Die Geschichte ist schlüssig und bietet viele Überaschungen. Es ist etwas für alle, die Interesse an realer Polizeiarbeit haben und auch für Spieler, die Adventures mit realen Schauspielern mögen. Freunde von besonders herausfordernder Rätselkost oder Liebhaber von 1st-Person-Spielen, die Schwerpunkt auf eine exzellente Grafik legen werden hier weniger befriedigt. "Blue Force" ist zudem mit ca. 16 bis 20 Stunden Spielzeit etwas zu kurz geraten.

Das Spiel ist nicht in Deutschland erschienen und gehört zu den etwas selteneren US-Spielen, die man allerdings hier und da per Auktion oder über Tauschseiten finden kann.

Gesamtwertung: 65%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • 386er und 100% Kompatible
  • 16 MHz oder besser
  • DOS 5.0
  • 640K, (590K freier Speicher im unteren Bereich)
  • Maus
  • VGA (256 Color) - MCGA nicht unterstützt
  • Unterstützt:
    Roland MT-32/LAPC-1, Ad Lib, Sound Blaster,
    External General Midi

gespielt mit:

  • Windows 95
  • PII 233 MHz
  • 64 MB RAM
  • 4 MB Grafikkarte
  • 16bit Soundkarte
  • 24x CDROM-Laufwerk
 

blueforcereview2.jpg (18532 Byte)


Die Vorgeschichte als Vidosequenz
Die Vorgeschichte als Vidosequenz

Jake im Polizeirevier- sein 1. Tag
Jake im Polizeirevier - sein 1. Tag

Allmorgendliches Briefing
Allmorgendliches Briefing

Die Polizeimarke bietet Zugriff auf Verbicons und das Hauptmenü
Die Polizeimarke bietet Zugriff auf Verbicons und das Hauptmenü

Jakes Großmutter ist seine einzige Verwandte
Jakes Großmutter ist seine einzige Verwandte

Das Hauptmenü
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Ein Bißchen Schreibtischarbeit
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So starten wir eine Fahrt mit dem Motorrad
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Höchste Vorsicht ist angesagt!
Höchste Vorsicht ist angesagt!

Einige "Tode" später
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Die Karte von Jacksonville
Die Karte von Jacksonville

Im Hafen
Im Hafen

Gesprächspartner werden eingeblendet
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Ein wenig Werbung für andere Tsunami-Spiele
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Jakes Erinnerungen an seine Kindheit in schwarz-weiß
Jakes Erinnerungen an seine Kindheit in schwarz-weiß

Zeugenbefragung
Zeugenbefragung

Wichtige Objekte werden in Zoom-Ansicht gezeigt
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In der Nähe des Verstecks der Gangster
In der Nähe des Verstecks der Gangster

Einer der möglichen Game-Over Screens
Einer der möglichen Game-Over Screens

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 18. August 2002

 

 

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