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version of this pageBazooka Sue
Schwein gehabt! dachte sich Martin
Mirbach und verkrümelte sich zum Testen von Bazooka Sue in sein Büro. Und da ist er bis
heute nicht mehr rausgekommen...
Was lange währt, wird endlich gut. Dachte jedenfalls Klaus T. und feilte viele Jahre an
seinen journalistischem Tugenden. Recht erfolglos, leider. Gleiches dachte man aber auch
bei Starbyte Software und feilte jahrelang an der Fertigstellung eines Comic-Adventures.
Recht erfolgreich, zum Glück. Denn obwohl Bazooka Sue mit einigen Regeln in Sachen
Erzählstruktur bricht, ist dabei ein unterhaltsames, oft überraschendes und vor allem
überaus sehenswertes Spiel herausgekommen. So viel darf man ruhig vorab verraten. Warum
das so ist, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.
Ein Schweinchen namens...Sue!
Abgesehen von der pink-purpurnen Nase und einem dezenten Ringelschwänzchen läßt
eigentlich sehr wenig an Sue auf ihre schweinische Herkunft schließen. Schließen kann
man dank Mega-Dekolleté, Minirock und High-Heels viel eher auf die schwein... pardon,
erotische Phantasie des Grafikers Carsten Woeland. Denn der Mann, der schon Chewy erfand
und im Moment letzte Hand an die erotische Wirtschaftssimulation Wet legt (siehe Feature
unseres Chefpornographen weiter vorn im Heft), zeichnet auch für Bazooka Sue
verantwortlich. Eine Tatsache, die sich für das Spiel von Beginn an überaus positiv
auswirkt, wo es doch hauptsächlich Wielands Grafiken sind, die Bazooka Sue in der ersten
Spielphase attraktiv machen.
Gejagt von einem kleingeistigen Dorfsheriff und dem hartnäckigen FBI, findet sich Sue
eines dämmrigen Morgens in Swamp Rock wieder. Und das scheinbar verschlafene Kaff
inmitten der amerikanischen Südstaaten soll schnell zu ihrer zweiten Heimat werden.
Zwangsweise.
Denn leider besitzt Sue ebensowenig Benzin für eine Weiterfahrt wie Geld zum Nachtanken.
So sitzt sie also erst einmal fest in Swamp Rock, und mit ihr der Spieler. Ein klar
definiertes Spielziel ist zu diesem Zeitpunkt nicht in Sicht, es bleibt also nichts weiter
zu tun, als das Dorf zu erkunden und zu versuchen, irgendwie an Geld zu kommen.
Eigentlich könnte man befürchten, daß viele Spieler mit einem solch diffusen Einstieg
eher schlecht als recht zu Rande kommen. Dank der wirklich schönen, mit viel Aufwand und
Liebe zum Detail gestalteten Grafiken, wird aber schon die erste Sightseeing-Tour durch
Swamp Rock zu einem echten Erlebnis. Außerdem lassen das unheilvolle lntro, die
Gespräche mit verschiedenen Dorfbewohnern und nicht zuletzt die Lektüre des Handbuchs
darauf schließen, das Schlimmeres naht. Und tatsächlich: Hinter den hohen Gemäuern
einer uralten Villa entwickelt sich der verrückte Dr. Bruth zu einer Bedrohung für die
Menschheit.
Wenn ihn einer stoppen kann, dann Sue, Na bitte, da haben Sie doch ihr Spielziel!
Lassen Sie mich kurz nachdenken...
Bazooka Sue wäre kein Adventure, wenn es nicht auch Rätsel zu lösen gäbe. Es gibt
sogar sehr viele davon, und die auch noch mit stark variiertem Schwierigkeitsgrad. Einiges
fällt einem regelrecht in den Schoß, anderes bewegt sich hart am Rande der Unfairneß.
Besinnt sich der Spieler etwa auf Sues Erfahrungen als Schnapsbrennerin, die man ja zu
Geld machen könnte, geht ohne Äpfel gar nichts. Denn Sues Spezialität heißt
Apfelschnaps (was man bei Berentzen gar nicht gerne hören wird). Wer aber das Handbuch
nicht aufmerksam studiert hat, findet im Spiel darauf nicht den geringsten Hinweis
und wird somit zu viel Geduld und einigen Experimenten verdonnert.
Quasi als Entschädigung wird man bei diesen Experimenten und Recherchen abseits
ausgetretener Pfade mit vielen gelungenen Überraschungen konfrontiert. Man findet sich
etwa in den Räumen der Produktionsfirma Starbyte wieder oder in diversen Filmszenen. Oder
man begegnet verschiedenen Figuren der Zeitgeschichte, von Tex Avery bis Albert Einstein.
Man macht sogar die Bekanntschaft mit einer älteren Amiga-Grafik, die sich das Leben
nehmen will, weil man ihr den Job gekündigt hat.Viele dieser witzigen Ideen sind für den
Fortgang des Spiels im Grunde ohne jede Bedeutung, sie dienen einfach nur dem Amusement.
Falls Sie also bei dem ein oder anderen Rätsel stecken bleiben und mit dem Erwerb einer
Komplettlösung liebäugeln:Tun Sies lieber nicht, wer weiß was Sie alles verpassen
würden...
Im Alter gereift?
Obwohl Bazooka Sue bereits vor zwei Jahren angekündigt war, braucht sich das Spiel hinter
aktuelleren Titeln nicht zu verstecken. Grafisch und spielerisch mithalten kann es
allemal, die wenigen vorhandenen Schwächen haben mit dem Alter nichts zu tun. Es ist
natürlich schade, daß das Inventar sehr schnell sehr unübersichtlich wird. Und daß an
der ohnehin etwas nickeligen Steuerung bei einigen Hot-Spots nicht ganz sauber
programmiert wurde.Auch könnten einige der Rätselbrocken ganz zu Anfang so manchem
Genre-Neueinsteiger die Freude am Spiel etwas verleiden.Vielleicht wäre eine
USK-Empfehlung ab 16 jahren gegenüber der tatsächlichen ab 12 gerechter gewesen. Dann
hätte das Spiel auch eine kleine Spur schärfer ausfallen können, so wie es das Cover
vermuten läßt.
Im Vergleich zu dem, was man bei Bazooka Sue für sein Geld geboten bekommt, sind dies
alles aber zu vernachlässigende Kleinigkeiten. Jeder der auf Comic-Adventures im
Stil der klassischen Lucas Arts-Titel steht, wird an diesem Spiel nicht vorbeikommen.
Alternativen:
Leisure Suit Larry 7 - Sierra - ca. 100 Mark
Chewy - Escape from F5 - Blue Byte - ca. 70 Mark
Normality Inc. - Gremlin - ca. 100 Mark
Hersteller: Starbyte
Preis: 99 Mark
Pro
Fantastische Grafik
Viele versteckte Anspielungen
Großer Spielumfang
...und natürlich Sue!
Kontra
Unübersichtliches Inventar
PC Power April 1997 81%
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