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Carte Blanche -
First Episode: For a Fistful of Teeth ...


Erscheinungsdatum: 12/2006

Entwickler: Absurdus
Publisher: G2 Games

Spielsprachen: Englisch oder Französisch


Homepage

Boxshots

 

PEGI: 12+

 


Ein Review von   André   31. Januar 2007

 

Was bedeutet eigentlich Independent? Wenn man auf ein verkaufsträchtiges Format pfeift und das Spiel komplett in schwarz-weiß veröffentlicht. So geschehen bei "Carte Blanche" dem neuen und wieder äußerst skurrilen und humorvollen Adventure von Absurdus, die 2002 mit „Eye of the Kraken" bereits ein achtbares Debüt vorlegten.

 

Handlung

Wir schreiben das Jahr 1920. Der junge Edgar verlässt seine Heimatstadt Quebec, um in der Großstadt Montreal einen Beruf zu erlernen. In Montreal angekommen steht bereits eine eher fragliche Unterkunft bereit. Da sein Onkel, ein Abenteurer und Präparator, sich gerade auf Expedition befindet, zieht Edgar in dessen Zimmer, welches er sich mit ausgestopften Tieren teilen muss. Dort angekommen genügt ein kurzer Blick in die Zeitung, um einen geeigneten Job zu finden. Er bewirbt sich bei einer Detektei und wird trotz des Fehlens jeglicher beruflicher Erfahrung direkt genommen. Edgar wird sofort ins kalte Wasser geworfen und bekommt zwei Fälle aufs Auge gedrückt. Der erste, eine untreue Ehefrau auf frischer Tat zu erwischen, ist - soviel sei verraten - schnell gelöst. Um den zweiten, einen Raub bei einem zwielichtigen Kunsthändler, geht es eigentlich in dem Spiel.

 

Grafik

Carte Blanche spielt sich eher wie ein 3rd-Person-Adventure, aber genau genommen wechseln sich 3rd- und 1st-Person-Perspektive ab. Nur wenige Details wie Icons oder Texte im Inventar bzw. Menü sorgen dafür, dass Carte Blanche nicht komplett farblos bleibt. Carte Blanche ist wie Eye of the Kraken ein Comic-Adventure wobei dieses Mal noch eine gehörige Portion Film-Noir-Atmosphäre hinzukommt. Hierbei ist die Umsetzung in schwarz-weiß natürlich passend. Das Spiel lässt sich somit grafisch ein wenig mit Case of the Crabs oder Discworld Noir vergleichen, besitzt aber einen ganz eigenen, experimentellen Stil. Besonders auffällig sind die Gesichter der Figuren, die so wirken, als seien sie aus echten Bildern entstanden, verzerrt und auf andere Weise nachgearbeitet worden. Sie sehen auf jeden Fall ziemlich skurril aus.

Carte Blanche ist allerdings ein semiprofessioneller Indie. Das heißt, da sind schon noch deutliche Unterschiede zu kommerziellen Produktionen. Es gibt einige kleine 3D-Animationen. Ansonsten wirkt Carte Blanche etwas starr, da man den Protagonisten auch in der 3rd-Person-Sicht nicht frei bewegen kann, sondern dieser unbeweglich an einer Stelle des Bildes eingebaut wurde. Die Lippenbewegungen beim Sprechen sind ebenfalls nicht so gut gelungen, da eigentlich kaum vorhanden. Und auch die Mimik fehlt komplett.

 

Musik / Sprachausgabe

Auch wenn Carte Blanche wegen der verschiedenen Perspektiven und vom Schnitt professioneller als Eye of the Kraken rüberkommt, wirkt es - und das ist vielleicht der größte Kritikpunkt am Spiel - bei vielen Dialogsequenzen oft recht zäh und schleppend. Das liegt vor allem daran, dass zumindest auf meinem Rechner bei Dialogen schon längst das Sprechende sowie entsprechende Untertitel erscheinen, die Sprachausgabe selber aber etliche Sekunden verzögert kommt.

Die Musik ist ruhig und entspannt. Ab und zu hört man kleine, schöne Melodien vom Keyboard oder auf der Gitarre, manchmal jedoch auch keinen Ton. Auch wenn ich normalerweise gar nicht so gerne mag, wenn der Sound alles zukleistert, hätte es in diesem Fall von der musikalischen Begleitung noch ein wenig mehr sein können.

Die Sprachausgabe an sich ist sehr gut gelungen, von der Sekretärin vielleicht mal abgesehen. Dass diese die ganze Zeit völlig hysterisch und unerträglich rumschreit, gehört bei Absurdus vermutlich zum guten Ton. Schließlich ist der Firmenname Programm und man will den Ruf wahren, nämlich als ordentlich durchgeknallt zu gelten. Davon abgesehen haben viele Sprecher lustige Akzente, was bei Absurdus-Spielen einen Teil des Humors ausmacht. Überhaupt gibt auch in den Dialogen diesbezüglich immer wieder kleine witzige Anspielungen und fast jede Nationalität bekommt ihr Fett weg.

 

Rätsel

Man findet bzw. bekommt gelegentlich Gegenstände für das Inventar. Dort kann man diese auch genau anschauen, aber nicht direkt auswählen und benutzten. Das Benutzen folgt automatisch, wenn man sich an der richtigen Stelle befindet. Denn die Rätsel in Carte Blanche sind sehr dialoglastig und ein Teil der Aufgabenstellung ist es, die richtigen Antworten zu geben, um im Spiel weiterzukommen. Oft muss man zur Lösung eines Rätsels erst den richtigen Hinweis erhalten. So kann man beispielsweise das Schloss an einen Kellereingang nur knacken, wenn man von jemanden die Informationen erhält, mit welchem Gegenstand man das machen kann, obwohl man den Gegenstand eigentlich schon lange im Inventar hat. Eine Lösung habe ich übrigens nicht benötigt, da der Schwierigkeitsgrad gemäßigt ist.

 

Charakterentwicklung

Eine feine Sache und ebenfalls Teil der Aufgabenstellung ist die sogenannte Charakterentwicklung. Man kennt das ja von Rollenspielen: Je nachdem, wie man handelt, erwirbt man gewisse Eigenschaften und Fähigkeiten. Bei jedem Spieler entsteht dadurch ein individueller Spielablauf. Neu ist das zwar nicht, aber bei Adventures doch eher selten. Das sorgt für Abwechslung.

So kann man eine Sache oft erst machen (etwa Personen auf die verschiedensten Arten manipulieren), wenn man in der betreffenden Fähigkeit genügend Punkte gesammelt hat. Wobei dieses System hier natürlich genau so humorvoll und unterhaltsam umgesetzt wurde wie eigentlich das ganze Spiel und mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten ist. So bekommt man etwa schon musikalische Fähigkeiten zugeschrieben, wenn man beim Pförtner nur auf eine Glocke haut. Am Ende des Spiels erhält man ein individuelles Save von Edgar, den man im nächsten Teil von Carte Blanche einkopieren und weiterspielen kann.

 

Handhabung

Carte Blanche ließ sich problemlos installieren und ist dann in den Sprachen Englisch und Französisch inklusive der jeweiligen Sprachausgabe installiert. Man kann vor Spielbeginn auswählen, in welcher Sprache man das Spiel spielen möchte. Carte Blanche lief auf meinem Rechner absolut fehlerfrei - bis auf die bereits erwähnte Verzögerung bei der Sprachausgabe natürlich. Es gab keine Abstürze. Dafür war der Text öfter mal nicht ganz identisch mit dem gesprochenen Wort. Nur, falls das für jemanden wichtig sein sollte.

Ansonsten funktioniert die Steuerung einfach und problemlos. Mit der rechten Maustaste gelangt man ins Menü, welches stilecht für ein Detektivadventure in Form eines Aktenordners dargestellt wird. Dort findet man die Spielstände, Optionen, die Werte der Charakters, die Beschreibung der laufenden Fälle sowie das Inventar übersichtlich als einzelne Akten vor. Inventargegenstände sind dort nur namentlich aufgelistet und wenn man sie anwählt, bekommt man jeweils ein Dokument, wo der Gegenstand genau und natürlich mit dem typischen Absurdus-Humor erklärt wird.

Zu den Optionen sei noch vermerkt, dass beim Sound Sprachausgabe, Musik, Geräusche und Untertitel einzeln justierbar sind. Untertitel sind generell vorhanden und werden lang genug eingeblendet.

Ach, ja. bei den Speicherständen kann man die Spielzeit ablesen. Sie betrug bei mir etwa 7 Stunden. Leute die pfiffiger sind, generell mit höherer Geschwindigkeit spielen und/oder besser Englisch verstehen, sind vermutlich schneller durch.

 

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Frage: Ich bin selber Publisher und würde gerne mit einfachen Mitteln die Spieler verprellen und eine Abwertung in der Bewertung bekommen. Wie schaffe ich das?

Antwort: Ganz einfach. Machen sie es wie G2 Games. Versprechen sie den Kunden auf der Verpackung bzw. bei der Bestellung einen USB-Stick sowie eine exklusive Demo zu einem kommenden Spiel und legen sie beides einfach nicht bei. Fügen sie stattdessen lediglich einen Gutschein bei, auf dem vermerkt ist, dass man diesen beim Publisher einreichen muss, wenn man die versprochenen Dinge haben will! Vorrausgesetzt, der Vorrat reicht, denn auch diese kleine aber nicht unentscheidende Zusatzbedingung erfährt man ebenfalls erst, wenn man das Spiel bereits erworben hat. Bei mir ist bisher zumindest noch kein USB-Stick angekommen!

Ich bin mir aber sicher, nicht wenige Menschen haben das Spiel mit dem Hintergedanken bestellt, zumindest den versprochenen Datenträger zu haben, falls das Spiel nicht so gut sein sollte. Ich denke, das ist eine merkwürdige Praxis, gerade wenn man den Independentgedanken der Macher vor Augen hat. In meinen Augen ist das eine Sauerei und Bauernfängerei, was eine Kaufwarnung und Abwertung zur Folge hat! So nicht!

 

Fazit

Ich hatte bei Carte Blanche anfangs ein paar Probleme, ins Spiel zu finden, was vor allem daran lag, dass sich das Adventure zumindest auf meinem Rechner wegen des verzögerten Aufbaus – in erster Linie die Sprachausgabe betreffend - recht lahm verhielt. Hinzu kommt auch, dass öfters keine Hintergrundmusik läuft, die diese Wartezeiten hätte kaschieren können. Dadurch wirkt das Spiel noch leerer. Nach einer Weile habe ich mich aber daran gewöhnt bzw. eher abgefunden und die Vorzüge zu schätzen gelernt. Als da wäre der wie gehabt strange, schwarze und subversive Humor, wie man ihn von Eye of the Kraken kennt. Einige Male musste ich wirklich richtig lachen und auch sonst habe ich mich bestens amüsiert wie schon sehr lange mit keinem Adventure mehr! Die Charakterentwicklung sorgt ebenfalls für Abwechslung. Grafisch gefällt an dem Spiel die experimentelle, äußerst humorvolle und skurrile Gestaltung mit sehr eigenständigen Charakteren, so dass es trotz der Umsetzung in schwarz-weiß überhaupt nicht farblos wirkt. Grafikfetischisten sei aber gesagt, dass das in Eigenarbeit produzierte Independentadventure noch ein gutes Stück von einer professionellen Produktion entfernt ist.

Allerdings wäre da noch die Kaufwarnung sowie die versprochene Abwertung wegen des nicht vorhandenen USB-Sticks (und der ebenfalls fehlenden Demo), so dass wir bei 70% gelandet wären. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich meinen Edgar-Save für einen hoffentlich bald erscheinenden Nachfolger schon mal gut weggepackt habe.

 

 Gesamtwertung: 70%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • CPU 900 MHz GHz
  • Windows 98/2000/XP
  • 256 MB RAM
  • 128 MB Grafikkarte
  • 400 MB Festplattenspeicher
  • DirectX 9

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

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Der Startbildschirm
Der Startbildschirm

 

 

 

Die Anreise nach Montreal
Die Anreise nach Montreal

 

 

Edgar sucht in der Zeitung nach einem Job
Edgar sucht in der Zeitung nach einem Job

 

 

 

Mrs. Malaki
Mrs. Malaki

 

 

Hier wohnen die Strozzi-Brothers, Luigo und Mario
Hier wohnen die Strozzi-Brothers, Luigo und Mario


 

Geisterbeschwörung spielt in Carte Blanche eine eher untergeordnete Rolle
Geisterbeschwörung spielt in Carte Blanche eine eher untergeordnete Rolle

 

 

Ein Gespräch mit dem Barmann
Ein Gespräch mit dem Barmann

 

 

 

Der Hafenarbeiter ist sehr hilfsbereit
Der Hafenarbeiter ist sehr hilfsbereit

 

 

 

Das Inventar
Das Inventar

 

 

Verdächtig! Der zwielichtige Kunsthändler Telesphore.
Verdächtig! Der zwielichtige Kunsthändler Telesphore.

 

 

 

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Copyright © André für Adventure-Archiv, 31. Januar 2007

 

 

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