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Casanova - Das Duell der schwarzen Rose 


Erscheinungsdatum: 08/2001
Entwickler: Arxel Tribe
Publisher: Wanadoo Edition

 

Ein Review von slydos   22. Oktober 2001

 

Mit Casanova begibt sich Arxel Tribe, bekannt durch die Verarbeitung epischer Stoffe wie Faust oder Der Ring des Nibelungen in 1st Person-Perspektive, zum ersten Mal auf das Terrain der 3rd Person-Spiele. Das Spiel wird von den einen als Adventure von anderen als Action-Adventure bezeichnet. Mal sehen, was es damit auf sich hat.

Casanova trifft Isabella
Casanova trifft Isabella

Der Barbier kuriert die Kampfverletzungen
Der Barbier kuriert die Kampfverletzungen

Installation

Die Installation (2 CD's) funktionierte reibungslos unter Windows ME, aber nach kurzer Zeit hing sich mein Held beim Laufen auf und konnte nicht mehr von der Stelle bewegt werden. Es gab auch einige Spielabbrüche, so daß ich mich entschied, den Patch (deutsch) von der Homepage zu laden. Leider waren danach die Savegames nicht mehr brauchbar und ich mußte von vorn beginnen. Deshalb sollte man den Patch gleich zu Beginn laden. Von da an lief das Spiel ohne nennenswerte Abbrüche, jedoch an einigen Stellen bewegte sich Casanova immer noch ruckelig und in Zeitlupe.

Die Story

Um das Jahr 1750 - Casanova wird auf einer Schiffsreise nach Venedig Zeuge der Ermordung seiner Mutter durch mongolische Piraten. Als einziger Überlebender erwacht er schwer verletzt im Hause eines Gönners, des Herzogs Grimani. Casanova wird dort mit einem großzügigen Kreditbrief ausgestattet und hat auch gleich eine Verabredung mit der Tochter des Hauses. Er trifft die charmante Isabella in einem Café am Markusplatz. Sie deutet an, daß es eine Verschwörung in Venedig gäbe und daß auch der Tod seiner Mutter in irgendeinem Zusammenhang damit stände, aber ihr Vater könne ihm mehr erzählen. Er erfährt, daß zur Zeit in Venedig Spiele stattfinden, in denen junge Männer ihre Kräfte messen können. Da wird Casanova von einem verarmten Adeligen am Nachbartisch angepöbelt und hat auch gleich seinen ersten Duelltermin am Hals. Isabella rät ihm, vorher unbedingt Tybalts Fechtschule aufzusuchen und bittet ihn zum Schluß, später seine Einladung zu einem Fest ihres Vaters im Café abzuholen. Es beginnt die Suche nach den Mördern seiner Mutter und seinem unbekannten Vater und schließlich ist auch noch eine Verschwörung aufzudecken ...

Die Geschichte ist zwar reine Fiktion, könnte jedoch durchaus dem aufregenden und bewegenden Leben des Giacomo Casanova zugeschrieben werden. Dagegen sind die Schauplätze in Venedig meiner Erinnerung nach sehr gut und realitätsnah getroffen. Daß es sich auch hier um eine Fiktion handelt, bemerkt man erst wieder, wenn Casanova als Verkehrsmittel eine der "fliegenden" Gondeln wählt, deren Haltestellen über die ganze Stadt verteilt sind.

Grafik

Wir können zusammen mit Casanova zu Beginn des Spiels die Stadt zunächst nach Herzenslust zu Fuß erkunden. Der Marcusplatz, die Kanäle, Palazzi, Brücken - alles in prächtigen Farben und wunderschön detaillierter 2D-Grafik. Da ist wirklich jede Szene eine Augenweide! Die Straßen und Plätze sind von einer großen Zahl von NPCs (Nicht-Spieler-Charakteren) bevölkert, die ihren eigenen Geschäften nachgehen, arbeiten, schlendern, sich unterhalten ... Stößt unser Held mit einem von ihnen zusammen, hält die Person inne und schaut Casanova an - hier passiert es wirklich nicht, daß wir eine Person einfach umrennen oder durch sie hindurchlaufen. Doch die Straßen und Häuser sind nicht nur von Menschen belebt, sonder auch von den typischen venezianischen Tauben. Schwärme davon lassen sich auf Plätzen nieder und weichen den Schritten des Hauptdarstellers geschickt aus. Ebenso reagieren Schmetterlingsschwärme, die es hier und da zu bestaunen gibt. Eine wirklich prachtvolle, belebte Szenerie.

Die Schönheit der Hintergrundgrafik wird jedoch ein wenig beeinträchtigt durch die 3D-Darstellungsweise der Charaktere. Casanovas Figur scheint überzeichnet im Stil einer Holzpuppe á la Pinocchio und wenig lebensecht. Auch die vielen Damen, denen sich Casanova nähert, um ihnen Avancen zu machen, sind alles andere als Schönheiten. Mit ihren vielfarbigen Hochfrisuren und den teilweise gestreckten und kantigen Körpern wirken sie mehr wie Geisterbahnbewohner. Ob nun gewollt oder durch die 3D-Umsetzung bewirkt, kann die Darstellung der Charaktere nicht überzeugen. Lebensechtere Beispiele findet man z.B. im 3D-Game "Dragon Riders".

Unser Held ist jedoch häufig nur aus einiger Entfernung zu sehen, je nach Kameraposition. Der Blickwinkel aus dem wir ihn verfolgen, ändert sich öfters - aber recht ausgewogen, so daß man sich immer recht leicht orientieren kann, das wiederum wesentlich leichter, als im vorgenannten "Dragon Riders", das zusätzlich in einer 3D-Umgebung spielt.

Orientierung

Orientieren kann man sich recht leicht in Venedig - mit der F2-Taste kann man das Inventar und dort über ein Icon die Übersichtskarte von dem Teil von Venedig aufrufen, in dem sich Casanova aufhält. Der Held wird darauf mit einem roten Kreis markiert und alle wichtigen Orte sind eingezeichnet.

Von der Übersichtskarte kann man mit einem Mausklick zu einer To-Do-Liste wechseln. Sollte man vergessen haben, was zu tun ist, findet man hier eine Aufstellung der anstehenden Aufgaben. Ist eine Aufgabe erledigt, wird sie abgehakt.

Handhabung

Das Spiel ist tastatur- und mausgesteuert. Jedoch leuchtet es einem manchmal nicht ein, warum mal Tastatur und mal die Maus verwendet werden muß. Casanova wird mit den Pfeiltasten gesteuert und man kann ihn mit gedrückter Shifttaste zum Laufen bringen.

Und ebenso typisch in Tastaturspielen - Aktionen, wie Sprechen, Ansehen, Aufnehmen usw. werden mit der Leertaste ausgeführt. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von Tasten, die sich mit dem Springen, Fechten und der Armbrustbehandlung befassen. Alle Tasten können vom Spieler selbst neu belegt werden, über einen Menüpunkt im Hauptmenü, das über F1 zu finden ist. Das war auch lebenswichtig für mich, da ich es auf einem Laptop spielte, auf dem einige Standardfunktionen nur mit Tastenkombinationen aufgerufen werden können.

Die Belegung der Tasten prägt sich einem erst langsam ein, und es ist wirklich notwendig, die Fechtschule längere Zeit zu besuchen, um zu üben. Die Armbrust wird, z.B. auf dem Jahrmarkt, mit der Maus gesteuert. Hier war ich einige Male der Verzweiflung nah, da der Mauszeiger ruckelig und übertrieben auf meine Bewegungen reagierte. Kein schönes Feature bei zeitbegrenzten Aufgaben! Muß Casanova mal einen weiten Sprung ausführen, sollte man die drei benötigten Tasten mit Gefühl anschlagen - auch keine leichte Aufgabe. Die Drehungen des Helden mit der Tastatur sind ziemlich grob, deshalb empfiehlt es sich, wenn er z.B. über eine Planke balancieren muß, dafür die Maus einzusetzen. Hört sich kompliziert an - ist es auch!

Rätsel/Action

Während unser Held zu Beginn zum größten Teil die Stadt erforscht, Damen anspricht und seinen Aufgaben nachgeht, die zunächst mal aus einfacher Rätselkost bestehen, wie Türen öffnen, einen bestimmten Gegenstand oder die richtige Person für eine Unterhaltung zu finden, geht es im weiteren Verlauf viel actiongeladener zu. In der ersten Hälfte des Spiels überwiegen noch die Rätsel, es gibt nur ganz wenige Jump&Run-, Schieß- oder Fechtkampfelemente und man ist die meiste Zeit frei, das Geschehen auf sich wirken zu lassen ohne gehetzt jede 10 Sekunden speichern zu müssen.

In der ersten Hälfte wird man seltener sterben als in einem alten King's Quest Spiel. Mit zunehmender Spieldauer kehren sich die Dinge jedoch um. Der Rätselanteil, jetzt zwar anspruchsvoller, geht zurück und macht zum Schluß fast ausschließlich Elementen, wie Jump&Run, Armbrustschießen und Fechten Platz. Zwar ist es fast immer zwischendurch möglich und auch äußerst empfehlenswert, zu speichern, aber es reiht sich hier wirklich letztlich eine Actionsequenz an die nächste und natürlich ist der Tod immer nahe. Ein Rätsel in der zweiten Hälfte erinnerte mich stark an ein altes Access-Spiel "Countdown" – auch hier mußte der Spieler seinen Weg unter Zeitdruck an den Wachen vorbei in seine Zelle zurück finden – im Gegensatz zu "Countdown" ist der Spieler hier jedoch nicht gezwungen, zwischendurch noch einige Objekte einzusammeln. Das Inventar ist meist nur spärlich gefüllt - es ist in der Regel sofort klar, wo und wie ein Objekt einzusetzen ist.

Drei Punkte-Anzeigen sind immer am oberen Bildschirmrand sichtbar: Geld, Höflichkeit und Lebenspunkte.

Höflichkeitspunkte können sich erhöhen oder verringern, je nachdem wie erfolgreich Casanova mit den Damen spricht. Lebenspunkte verliert er bei jedem Fechtkampf und kann sich aber vom Barbier gegen Bezahlung wieder kurieren lassen. Das Geld dazu bekommt er zum einen durch den eingelösten Kreditbrief zum anderen durch die Spiele an den Jahrmarktsbuden. Außerdem findet er öfters einige Münzen irgendwo auf dem Boden.

Speichern kann man soviel Savegames, wie mal will, jedoch sind die Ladezeiten recht lang und auch manchmal kann man beim Szenenwechsel schon 2 Minuten oder länger den Ladebildschirm betrachten.

Zusammenfassung

Story und Dialoge sind wirklich gelungen, spannend und mitreißend. Eine Geschichte von Machthunger, verschmähter Liebe, Ehrgeiz, politischen Intrigen und sogar Geisterbeschwörung vor dem Hintergrund einer faszinierenden Stadt. Die Geschichte mit ihren überraschenden Wendungen fesselt den Spieler von Anfang an. Leider stellen die Rätsel für den erfahrenen Adventurespieler keine große Herausforderung dar und werden schließlich ganz von Kampf-, Schieß- und Springelementen überdeckt. Auch, wenn man sich durch viele Fechtszenen mit kleinen Tricks durchmogeln kann und bei den anderen Actionelementen eine Portion Überlegung Voraussetzung ist, macht es doch letztendlich keinen Spaß, hunderte von Male vor einem Ladebildschirm zu sitzen, weil Casanova wieder mal sein Leben ausgehaucht hat.

Die Spieldauer wird (ohne Benutzung einer Lösung) und je nach Fingerfertigkeit zwischen 30 und 40 Stunden liegen. Dabei ist es möglich, Nebenhandlungen und Rätsel auszulassen und trotzdem die Schlußsequenz zu erreichen.

Pro:
Endlich ein 3
rd-Person Spiel von Arxel Tribe, wunderbare 3D-Hintergründe und die spannende Story

Contra:
Zu viel Action und zu wenig herausfordernde Rätselkost für Adventurefreunde, Steuerung sehr kompliziert und unhandlich

Das Spiel ist etwas für alle, die sich bereits ins Genre Action-Adventure getraut haben und sich dabei auch von einer ungenauen und komplizierten Steuerung und vielen Toden nicht abhalten lassen. Dafür bekommt man eine grafisch opulente, fesselnde Mantel- und Degen-Story. Spieler, die bisher lieber ruhige, denksportbetonte Adventures im Stil von Schizm  bevorzugt haben oder glauben, das dieses Spiel den früheren Adventures von Arxel Tribe ähnelt, werden wohl eher frustriert und enttäuscht sein.

 

Meine Bewertung: 68%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/2000
  • Pentium 300 MMX
  • 64 MB RAM
  • 3D Grafikkarte
  • 500 MB freier Festplattenspeicher
  • Tastatur, Maus

Gespielt auf:

  • WindowsME
  • Pentium III 850
  • 128 MB RAM
  • Sound- und Grafikkarte DirectX-kompatibel
  • Toshiba DVD-ROM

 

Ein eigenartiges Labor
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Die Aufgabenliste
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Fest im Palazzo Grimani
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Wie kommt man an den Schlüssel?
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Weshalb holen so viele Leute ihr Geld von der Bank?
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Casanova - charmant, galant, elegant
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Eine Haltestelle für die fliegenden Gondeln
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"Über den Dächern von ... Venedig" mit Casanova, der "Katze" in der Hauptrolle
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Die Karte
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Das Hauptmenü
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Die Spiele von Venedig
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Zielen mit der Armbrust ist nicht einfach
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Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 22. Oktober 2001

 

 

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