Grafik
Ja, man hat viel getan seit den ersten Bildern und das nun
vorliegende, endgültige Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Es fällt beim ersten
Blick zwar auf, dass manch grobe Polygonfläche noch etwas matschig, die Bilder manchmal
auch etwas überladen bunt wirken. Aber nach kurzer Zeit konnte mich die Art der
grafischen Umsetzung mit ihren vielen verspielten Details immer mehr überzeugen. So gibt
es ein paar Licht-, Wasser- und andere Effekte, viele kleine Zwischensequenzen und
Perspektivwechsel und besonders wenn man einen neuen Ort betritt, oft nette Schwenks über
die jeweilige Spielszenerie.
Ceville steht in der Tradition klassischer 3D-Comic-Adventures. Es
gibt auch immer wieder nicht nur optisch zahlreiche Anspielungen auf Adventures aber auch
anderer Spieleklassiker und weitere bekannte Figuren aus Film, Funk und Fernsehen - So zum
Beispiel der Geisterpirat, der natürlich an Guybrushs Erzfeind Chuck aus Monkey Island
angelehnt ist. Der mir nur wenig bekannte Dungeon Keeper bekommt ebenfalls einen Auftritt
und unser zweiter Protagonist bzw. Protagonistin, die putzige Lilly ist dabei sogar im
Manga-Stil gehalten und sieht wie ein Charakter aus einem Rollenspiel à la Final Fantasy
aus.
Dabei wirkt Ceville aber zum Glück keineswegs wie ein Klon der
genannten Spiele. Man bedient sich vielmehr fröhlich, quasi satirisch aus dem Fundus
vergangener Abenteuer wartet dabei mit eigenständiger Grafik auf.
Die Figuren hätten in der eigentlichen Spielgrafik vielleicht noch
einen Tacken filigraner umgesetzt werden können. D.h. es ist relativ wenig Mimik
vorhanden und auch die Körperbewegungen sind besonders bei so manchen Nebencharakter
etwas grobschlächtig, was aber eher mit der geringen Größe der Figuren zusammenhängt,
während es zwischendurch immer Naheinstellungen der Hauptfiguren gibt und hier sowohl
Bewegungen als auch Mimik besser ausgearbeitet und schön anzusehen sind. Als ich Ceville
nach dem Intro steuern durfte, musste ich mich auf jeden Fall amüsieren. Er hat, wenn er
mit seinem gedrungenen Körperbau und der Feder im Haar loswatschelt, nicht wirklich viel
von einem würdevollem Adeligen (soweit es die in der Realität überhaupt gibt), während
Lilly, die sich die Hauptrolle mit Ceville teilt, einfach nur niedlich aussieht.
Ein richtiges Intro gibt es nicht. Das interaktive Spielgeschehen
beginnt in der Kulisse der kurzen Anfangssequenz.
Insgesamt ist die Grafik also teilweise noch ein kleines Bisschen
ausbaufähig, doch grundsätzlich macht es ordentlich Spaß, in die Welt von Fairyanis mit
ihren vielen skurrilen Schauplätzen und Figuren einzutauchen. Das Gesamtbild kommt
wirklich überzeugend und in sich stimmig rüber und das ist bekanntlich das Wichtigste
bei einem guten Adventure.
Handlung
Der bösartige Herrscher Ceville befindet sich gerade in seinem
Schloss, als er von einer Revolution überrascht wird. Seine Untertanen haben sich gegen
den Tyrannen aufgelehnt und so bleibt ihm nur noch die Flucht. Zunächst scheint sie zu
gelingen, doch schließlich landet er doch im Gefängnis. Glücklicherweise hilft ihm
Lilly, ein kleines Mädchen, aus der misslichen Lage, indem sie ihn befreit. Die junge,
hübsche Lilly ist mit ihrer guten Art genau das Gegenteil des bösen Ceville. Doch
scheinen sich Gegensätze anzuziehen und so begleitet das Mädchen ihn auch weiter bei der
Flucht. Dabei scheint sich das ungleiche Paar" bestens zu ergänzen. Wird Lilly
mit ihrer entwaffnenden Liebenswürdigkeit es schaffen, aus dem bösartigen Ceville einen
besseren Menschen zu machen? Die Gegensätzlichkeit der beiden ist eines der zentralen
Themen des Spiels und es macht Spaß, zu beobachten, wie ihre unterschiedlichen
Lebenseinstellungen aufeinanderprallen dabei bleibt der Stil der Geschichte leicht
und heiter.
Sound
Die Nebencharaktere quatschen zwar nach dem Installieren des Patches
(auf den ich gleich noch näher eingehen werde) zumindest nicht mehr ins Wort, aber
meistens brabbelt irgendwer unaufhörlich irgendwelche Nichtigkeiten im Hintergrund, so
dass es auch akustisch noch etwas unruhig wirkt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Und wenn
die Texte zu Ende sind nerven manche einfach penetrant weiter indem sie ständig und in
voller Lautstärke Bla bla bla bla bla" sagen. Warum nur?
Sonst gibt es nicht wirklich etwas zu beanstanden. Ganz im
Gegenteil: Die Sprachausgabe wurde mit teilweise aus Filmen bekannten Stimmen bestens
besetzt, ist nicht nur bis in die Nebenrollen sehr professionell und immer passend leicht
überzogen, wie sich das gehört, um das Comic-Ambiente zu unterstützen.
Was den Humor an sich anbelangt, hat richtig guter subtiler in
Deutschland ja eher Seltenheitswert und auch in der Adventurewelt sieht es da oft leider
nicht anders aus. Sprich: Bei humorvollen Adventures machen viele deutsche Lokalisationen
schlapp und filigraner Humor im Stile von Baphomets Fluch 1 und 2, Sowjet Unterzögersdorf
oder Toonstruck ist rar gesät.
Im Falle Ceville befindet man sich aber durchaus im guten und
gesunden Mittelfeld. Die ganz großen Plattitüden und Peinlichkeiten deutschhumoriger
Prägung bleiben auf jeden Fall schon mal aus, allerdings so richtig subtiler Humor ist
dann auch eher selten. Aber die Dialoge sind in der Tat meistens sehr unterhaltsam. Und
auch wenn nicht jede Pointe der absolute Klopfer ist, so kann man sich bei der
unbeschwert-heiteren Art der beiden bzw. drei sympathischen Hauptcharaktere durchaus immer
wieder amüsieren. Zwischendurch wurden textlich recht dezent immer wieder kleine
Anspielungen untergebracht, wenn Lilly plötzlich Sonnendeck" von Peter Licht
schallert oder Ceville an der Tiki-Bar genüsslich einen Rob Zombie" schlürft.
Die Hintergrundmusiken sind abwechslungsreich und wollen gut zur
jeweiligen Situation passen, ohne dass sie mir sonderlich aufgefallen wären.
Rätsel
Einige Gegenstände wurden etwas zu gut versteckt. Wenn es mal nicht
mehr weiter geht, sollte man die Space-Taste drücken. So werden alle Gegenstände
angezeigt. Interessanterweise bekommt man dann auch wichtige Gegenstände angezeigt, die
man mit dem Cursor auf normalem Wege, also durch bloßes Absuchen kaum oder teilweise
sogar gar nicht finden kann, weshalb es ratsam ist von der Space-Taste regen Gebrauch zu
machen.
Die Rätsel sind in bester Comic-Adventure-Tradition extrem
phantasievoll. Ein Highlight ist dabei, dass man manchmal alleine unterwegs ist, manchmal
zu zweit und gelegentlich zwischen Ceville, Lilly oder Ambrosius als Protagonist
umschalten kann bzw. muss, da man manche Rätsel nur mit der richtigen Figur oder im Team
lösen kann. Gegenstände müssen dabei unter Umständen zwischen den handelnden Figuren
getauscht werden.
Meistens ist man aber als Duo Ceville/Lilly unterwegs und agiert und
redet auch als beide Personen gleichzeitig. Das Problem wurde so gelöst, daß die
Dialogzeilen farbig gekennzeichnet wurden. Wählt man eine rote Dialogzeile, spricht
Lilly, während mit einer weißen Ceville redet.
Es gibt einige Rätsel, die unter Zeitdruck gelöst werden müssen.
Obwohl ich solche Rätsel normalerweise nicht mag, haben sie mir bei Ceville Spaß
gemacht, da sie nur kurz eingestreut und auch meistens durchaus lösbar sind
meistens zumindest, denn ein paar Zeiträtsel haben es auch in sich. Der
Schwierigkeitsgrad reicht von einfach bis schwer, die meisten Rätsel sind aber logisch
nachvollziehbar und auch witzig.
Handhabung
Die Steuerungen von Point&Click-Adventures dieser Machart
funktionieren ja mehr oder weniger ähnlich, da sich gewisse Funktionen als praktisch
durchgesetzt haben und auch Ceville macht da im Prinzip keine Ausnahme. Mit der linken
Maustaste läuft man, spricht andere Charaktere an oder benutzt Gegenstände. Per
Doppelklick laufen Ceville, Lilly oder Ambrosius etwas schneller und mit einem Klick auf
ein Türsymbol verlässt der jeweilige Protagonist die Szene. So erreicht man auch relativ
entfernte Orte recht flott, obwohl es keine Karte gibt.
Einige Tasten dienen ebenfalls der Steuerung: P für Pause benötigt
man nicht wirklich. Ebenso Tab: durch diese Taste wechselt man die Charaktere, wobei man
auch dafür auf dem Bildschirm ein entsprechendes Symbol benutzen kann. Interessanter ist
für viele da sicher schon die Leertaste, die alle im Bild befindlichen Gegenstände
anzeigt. Zuletzt sei noch erwähnt, dass man mit Esc ins Hauptmenü gelangt.
Eine praktische Funktion ist, dass die Schriftfarbe Aufschluss
darüber gibt, auf welche Art man mit den Gegenständen interagieren kann. Objekte, die
man nur betrachten kann, werden z.B. mit weißem Text, Gegenstände die man miteinander
benutzen kann, orange angezeigt, vorausgesetzt man hat im Optionsmenü Mögliche
Kombinationen anzeigen" ausgewählt.
Hotspots waren gelegentlich etwas undeutlich gekennzeichnet, so dass
ich manchmal versuchte einen Hotspot anzuwählen und stattdessen ein danebenliegender
angezeigt wurde. Andere Hotspots wurden wie schon erwähnt gar nicht angezeigt und waren
nur mit der Space-Taste ausfindig zu machen.
Was die weiteren Optionen anbelangt, so sind alle wichtigen
Funktionen vorhanden. Der Sound lässt sich getrennt nach Master, Musik, Sprache, Effekte
und Umgebungsgeräusche regeln. Man kann Untertitel ein- oder ausschalten. Auch die
Grafikoptionen kann man je nach Leistungsstärke des Rechners individuell einstellen. So
die allgemeine Auflösung und noch einmal speziell die Texturauflösung, Weiter kann man
Schatten und Shadereffekte einschalten und je nach Belieben den Gammawert justieren.
Ceville legt zusätzlich zu den manuellen Savegames alle 5 Minuten
einen Autosave an. Sehr schön, und sicher eine Hilfe für Speichermuffel, die dann immer
völlig entsetzt sind, wenn sich mal wieder der Rechner aufhängt und sich somit
plötzlich 3 Stunden Spielzeit in Wohlgefallen aufgelöst haben. Das bedeutet allerdings
auch, dass das Spiel zum Schluss gefühlte 750 Speicherstände angelegt hat. Ich möchte
aber nicht verschweigen, dass man die Spielstände auch löschen kann, wenn sie einem aus
welchen Gründen auch immer, zu zahlreich erscheinen.
Patch, icke hör dir trapsen...
...hatte ich mir nach kurzer Spielzeit gedacht, da mir zahlreiche
Unschönheiten sowie Fehler aufgefallen sind. Und tatsächlich ist dann - netterweise als
ich noch ziemlich am Anfang des Spiels war - tatsächlich ein dringend notwendiger Patch
erschienen, so dass ich Ceville fortan mehr oder weniger fehlerfrei spielen konnte. Es
fragt sich nur, wie alle diese Fehler vor der Veröffentlichung übersehen werden konnten.
So schien das Spiel z.B. von dem Deck 13-Syndrom (auch Morbus Ankhi
genannt) befallen zu sein; d.h. irgendwelche unwichtigen Non-Player Charaktere quatschen
im Hintergrund gnadenlos in voller Lautstärke in die eigentlichen Dialoge hinein
Ergebnis: unverständliches Kauderwelsch. Aber im Gegensatz zu Deck 13, wo das
Reinquatschen auch in der x-ten Veröffentlichung immer noch offensichtlich absichtlich
Bestandteil jedes Spiels ist, hat man dieses bei Kalypso direkt als störend erkannt und
beseitigt. Danke!
Weiter tauchten viele Bezeichnungen von Gegenständen als
übereinandergelagerte Texte auf. Die Sprachausgabe wird gelegentlich zum Schluss hin
abgebrochen, es gibt Probleme beim Abspielen von Videos auf manchen PCs, Ambrosius ist
spielbar, aber die Kamera zeigt nur den Raum. Es erscheint der System-Mousecursor im
Hauptmenü und das Hauptmenü reagiert nicht auf Mausklicks. Es gibt noch eine Reihe von
anderen kleineren und größeren Fehlern, aber es würde den Rahmen des Reviews sprengen,
alle aufzuzählen, aber zum Glück wurde mit dem Patch nachgebessert.
Aber mir sind noch ein paar weitere Unschönheiten aufgefallen. Das
Inventar ist unpraktisch, da es irgendwie immer im Weg ist. Es verdeckt gerne wichtige
Gegenstände oder manchmal sogar ebensolche Spielszenen. Man kann zwar das Inventar mit I
immer ein- und ausschalten, aber es ist schon nervig, nur deshalb auf die Tastatur
zurückzugreifen, obwohl man Ceville sonst mehr oder weniger einfach mit der Maus spielen
könnte.
Grundsätzlich finde ich es schön, dass man Dialoge und kleine
Spielszenen mit der linken Maustaste abbrechen kann, um so diese langatmigen Sequenzen
abzukürzen, besonders wenn sie sich wiederholen.
Aber bei einem Rätsel in Form einer Dialogschleife ist es etwas
unpraktisch, da man, wenn man nicht aufpasst, gleich die gesamte Sequenzen weg ist. Hier
redet Paladin Ambrosius auf einem Platz mit den Bauern und da man immer wieder dieselben
Dialoge anwählen muss, bis man herausgefunden hat, worum es bei dem Rätsel geht. Da das
etwas nervig ist, habe ich die langwierigen Redesequenzen immer abgebrochen, bis ich mich
plötzlich merkwürdigerweise von der einen Sekunde auf die nächste in einem schaurigen
Kellerverlies befand. Ich habe dann noch einmal neu geladen und die Sequenz dann noch
einmal ohne Abbrechen der Dialoge gespielt, um festzustellen, was geschehen war und wie
ich dort hingekommen bin, aber das sollte ja eigentlich nicht sein, dass diese wichtige
Spielszene, wenn man nicht aufpasst, so einfach wegzuklicken ist.
Etwas suboptimal sind noch die Ladezeiten. Das ist auch dem
Hersteller bekannt, denn er überbrückt die Ladezeiten mit Hinweisen wie diesem:
Wussten Sie, dass die diese Texte hier über die langen Ladenzeiten hinwegtäuschen
sollen?" Gut wenn man über sich selbst lachen kann. :-).
Was sonst noch erwähnenswert ist
Ceville erscheint auf einer DVD mit Handbuch, die beide in einem
DVD-Case in einem Miniklappkarton stecken.
Bei den Speicherständen kann man die Spielzeit ablesen: Am Ende
betrug diese ca. 23 Stunden. Rechnet man die Zeit ab, die ich zwischendurch am Telefon, in
der Villeroy & Boch-Ausstellung oder in der Küche zwecks Organisation von Kaffee
sowie Essen verbracht habe, bleibt aber immer noch eine sehr ordentliche Spielzeit übrig.
Fazit
Ceville ist ein äußerst solides Adventure im oberen Bereich
geworden und wer bunte Comic-Adventures im Stile von Ankh mag, wird auf jeden Fall auf
seine Kosten kommen. Denn mit dieser Reihe kann das ebenfalls in 3D-Comic-Grafik gehaltene
Adventure von der Qualität her ganz locker mithalten auch was den Hang zu
farbenfroher, manchmal ein wenig überladener und manchmal auch noch ein wenig grober
3D-Grafik anbelangt. Die Grafik ist schon sehr überzeugend und vor allem in sich stimmig.
Man bedient sich fröhlich bei Charakteren anderer Spieleklassiker, ohne dass es ein
eigenständiges Erscheinungsbild verliert. Der Humor ist leicht und nicht zu tiefgründig,
aber unbeschwert und unterhaltsam, die Story ist nett erzählt und besonders die Rätseln
sind phantasievoll und abwechslungsreich. Lange Ladezeiten, ein paar technische Mängel,
die durch den Patch größtenteils behoben sind sowie Feinheiten, die bezüglich der
Steuerung noch verbessert werden könnten, können den positiven Gesamteindruck nur
unwesentlich schmälern. Insgesamt ist Ceville schlicht ein wirklich überraschend tolles
Spiel geworden.