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Chaos am Set


Erscheinungsdatum: 11/2002
Entwickler: bvm
Publisher: Heureka-Klett
Spielsprache: Deutsch

Boxshots


 

Ein Review von slydos   04. November 2002

 

"Chaos am Set" ist das zweite 3rd-Person Krimiadventure nach "Brand im Hafen" von bvm und Heureka-Klett. Die Zielgruppe sind Jugendliche ab 11 Jahren und Erwachsene.

 

Geschichte

Jo hat einen Wettbewerb gewonnen und darf an den Dreharbeiten seiner Lieblingssoap teilnehmen. Sogar ein Gastauftritt mit Linda Flores, dem Star der Serie ist geplant. Aber Linda Flores ist verschwunden! Keiner der Kollegen äußert sich näher und schließlich findet Jo heraus, daß Linda entführt wurde. Jo macht sich auf die Suche nach Indizien und Hinweisen ...

 

Installation/Start

"Chaos am Set?" kommt auf einer CDROM mit ausführlichem deutschen Handbuch in dem wie üblich bei Heureka-Klett wunderbar gestalteten Klappenkarton. Nach der reibungslosen Installation der ca. 464 MB gibt es einen Vorspannfilm mit dem eingängigen Titelsong, der auch gleichzeitig den Titelsong der Soap darstellen soll, um die es hier geht: "Tragisches Treiben". In der Eingangs- und auch in der Schlußsequenz sehen wir einen alten Bekannten aus "Brand im Hafen" wieder, den Reporter Thomas Schneider, der hier die Sendung Trash and Soaps des Kanal 3 moderiert. Er erzählt uns, daß ein geplantes Interview mit dem Regisseur Theo Flanders und der Hauptdarstellerin Linda Flores abgesagt wurde. Von ihm erfahren die Zuschauer ebenfalls, daß Jo in einem Casting-Wettbewerb einen Gastauftritt in der Soap gewonnen hat. Das Intro kann mit der ESC-Taste abgebrochen werden und man gelangt danach ins Hauptmenü.

Gegenüber dem Vorgängerspiel finden wir hier gleich eine Verbesserung: Zwar ist hier das Prinzip der durchsichtigen Sphären nicht geändert worden, aber man steht nicht mehr vor einem so großen Bedienungsproblem, wie im ersten Spiel, denn wenn man einfach unwissend klickt, kann man trotzdem das Spiel direkt starten bzw. einen Spielstand laden. Kennt man das Menüprinzip noch nicht aus "Brand im Hafen" und will einen der anderen Menüpunkte wählen, sollte man das Handbuch vorab zu Rate ziehen, denn die Bedienung ist nicht intuitiv erkennbar. Die einzelnen rotierenden und sich durch Mausbewegungen verschiebenden durchscheinenden Kreise müssen per Halten der linken Maustaste in den Vordergrund gezogen werden.

 

Handling/Steuerung

"Chaos am Set?" ist teils tastatur-/teils mausgesteuert. Unser 3D-Darsteller Jo wird mit den Pfeiltasten bewegt, die Shift-Taste läßt ihn schneller laufen. Dabei wurde ganz besonderen Wert darauf gelegt, daß er nicht in Gegenstände oder Wände hineinläuft, was oft der Effekt einer 3D-Darstellung in Spielen ist. Allerdings bleibt er öfters an eben diesen Gegenständen hängen, ein automatisches Ausweichen und Abdrehen vor Hindernissen gibt es hier nicht. Jo zu steuern, besonders ihn zu drehen ist mühsam, denn es dauert ausgesprochen lange.

Man muß Jo in der Nähe von Personen oder Gegenständen bringen, um interagieren zu können. Die richtige Position erkennt man am Aufleuchten einer Statuszeile am unteren Bildschirmrand. Eine Interaktion wird durch die Returntaste eingeleitet. Manche Gegenstände können so aufgenommen oder manipuliert werden, oft gelangt man so auch in eine Nahaufnahme des betrachteten Bereichs und kann dort Dinge anschauen, manipulieren oder aufnehmen.

Unter Jos Kommentar gelangen eine Reihe von Gegenständen ins Inventar, das mit der Taste "I" aufgerufen werden kann. Bevor ein Gegenstand endgültig verstaut wird, kann man ihn betrachten oder auch gleich benutzen oder kombinieren. An dieser Stelle, wie auch in vielen anderen Zoom-Ansichten und allen Dialogen, kommt die Maus zum Einsatz. Inventargegenstände können in Großansicht betrachtet und mit der Maus rotiert werden.

Die Entwickler nennen den interaktiven Bereich, in dem Gegenstände und Informationen gespeichert werden "Braintool". Das Braintool hat genau wie das Hauptmenü die Form von durchscheinenden, übereinanderliegenden Sphären und erscheint in der rechten unteren Bildschirmecke, wenn man einen Dialog beginnt oder die Tasten "I" für Inventar oder "B" für Braintool drückt. Wieder trifft man seine Wahl durch gleichzeitiges Drücken und Ziehen der linken Maustaste, um ein Inventarobjekt oder das Bild eines der Hauptcharaktere in den Vordergrund zu bekommen, um z. B. seinen aktuellen Gesprächspartner danach zu befragen.

In Gesprächen erscheinen die möglichen Themen neben einem kleinen Bild der Person, mit der man spricht. Fährt man mit der Maus über ein Thema, wird die Frage gleichzeitig bereits in der Statuszeile formuliert und man kann sich so entscheiden, ob man sie durch Klick auch wirklich stellen will. Auch hier wieder die gleichen Schwierigkeiten, wie bei der Benutzung des Hauptmenüs, man versucht aus dem Durcheinander von übereinanderliegenden, durchscheinenden Objekten oder Personengrafiken, etwas Bestimmtes zu wählen, klickt das vermeintlich oben Liegende an und hat dann nicht selten genau das Falsche gewählt.

Hat man sich bereits mit einigen Personen unterhalten, erscheint im Braintool auch eine kurze Zusammenfassung der Fakten, die man durch Drüberfahren mit der Maus im großen Braintool-Kreis lesen kann. Dabei werden natürlich durch die Kreisform Sätze links und rechts abgeschnitten - ebenso unübersichtlich wie im Vorgängerspiel.

Neben dieser mühsamen Steuerung aber noch etwas Positives: Die Taste "K" ruft eine übersichtliche Karte der zugänglichen Schauplätze in Form eines Notizzettels auf. Zu Beginn finden wir darauf nur das Filmstudio, später kommen noch einige andere Hauptschauplätze hinzu. Durch Mausklick gelangt man hier schnellstens von Ort zu Ort.

Außerdem ist man ohne Aufwand mit der ESC-Taste schnell wieder im Hauptmenü und kann dort Speichern oder Laden oder das Spiel schnellstens verlassen. Beim Aufruf der Speicher-Blase wird der aktuelle Spielstand automatisch zusammen mit dem Ort gespeichert. Die Speicherplätze scheinen nicht zahlenmäßig beschränkt.

 

Grafik

Neben Jo treffen wir noch auf 6 andere 3D-Charaktere mit denen wir auch interagieren können. Im Gegensatz zu "Brand im Hafen" gibt es diesmal sogar einige NPCs, die nur zur Belebung der Szene dienen, aber nicht angesprochen werden können. Die Bewegungen aller Personen sind sehr lebensnah und ausgezeichnet getroffen. Zwar gibt es sehr wenig Mimik aber die Texte werden recht lippensynchron gesprochen.

Auch die Zeichnung der Figuren kann gefallen und ist bis auf die wie eine 12jährige wirkende Melanie Precht wirklichkeitsnah. Wenn wir unseren Helden mit der Shift-Taste schneller laufen lassen, dann weht sogar sein dunkles Haar im Wind.

Jo bewegt sich in vorgerenderten 2D-Hintergründen, die wirklich phantastisch detailliert sind. Auch wenn es diesmal wieder nicht gerade die feinen Gegenden sind, so sind doch die Bilder eine Augenweide. Eine Kulisse mit deutschen Autos, Verkehrsschildern und deutschen Briefkästen. Allerdings ist mir die blaue Uniform des Polizisten zum Schluß doch sehr fremdartig wie aus einer Bananenrepublik vorgekommen. Ein kleiner Bruch in der Grafik-Kontinuität ist mir auch noch aufgefallen: Jo muß die Tür eines Wohnwagens öffnen, dabei sieht man in der Totalen einen Türknauf, während es sich in der Großaufnahme um einen glatten Beschlag handelt. Das ist besonders deshalb interessant, weil Jo ein ausführliches Gespräch zum Thema Kontinuität mit der Kamerafrau hat.

Es gibt 6 Hauptschauplätze, die wiederum in viele Szenen und Ansichten unterteilt wurden, vom Filmstudio auf einem alten Fabrikgelände über den Drehort in einem zum Internat umfunktionierten Hotel bis zu einem Selbstbedienungsrestaurant und einem Campingplatz. Hier und da haben die Entwickler einige "Gags" eingebaut: Das Logo der Entwickler "bvm" erscheint als Leuchtschriftzug in der Spielhalle. Da heben sich Gulli- oder Mülleimerdeckel und gefährlich aussehende rotglühende Augen schauen heraus - schade, daß Jo sie nicht bemerkt und sie auch sonst nichts mit der Handlung zu tun haben!

Unaufdringliche, passende Perspektivwechsel machen die Erforschung der Gegend noch interessanter und geben ein wenig Filmfeeling. Diesmal sind die Locations erst nach und nach zugänglich, je nach den Fortschritten, die Jo macht.

 

Sprache/Sound/Musik/Texte

Während des Spiels gibt es so gut wie keine Musikuntermalung, dafür allerdings eine dezente Geräuschkulisse. Bei den Synchronstimmen ist auf Qualität geachtet worden. Sie sind mit professionellen Sprechern charaktergenau besetzt. Grafik, Bewegungsabläufe, Sound und Sprachausgabe stimmen. Bei den Texten, besonders den abwiegelnden Antworten der Gesprächspartner hätte ich mir allerdings mehr Einfallsreichtum gewünscht. Da wiederholt sich doch vieles allzuoft und wirkt etwas ermüdend und manchmal auch eigenartig, wenn die Antworten so gar keinen Zusammenhang zur Frage haben. Sicherlich wird Jo als Neuling kaum beachtet, daß er allerdings mit niemandem über das Entführerschreiben, das er ihnen unter die Nase hält sprechen kann, finde ich schon befremdlich.

 

Rätsel

Der Schwerpunkt des äußerst linear aufgebauten Spiels liegt in den Dialogrätseln. D. h. es müssen die richtigen Fragen an die richtigen Personen in der richtigen Reihenfolge gestellt werden, um im Spiel weiterzukommen. Deshalb kann es Hänger im Spiel geben, wenn man noch nicht alle Fragen an die richtigen Personen gestellt hat. Es gibt aber keine Sackgassen. Ebenfalls verzichtet wurde wiederum auf zeitabhängige Rätsel, komplexe mechanische oder Schalterrätsel.

Die Objekt-/Inventarrätsel sind von leichtem Schwierigkeitsgrad. Objekte werden entweder als Gesprächsthema eingesetzt, beinhalten mehr oder weniger verschlüsselte Hinweise oder können auf Personen oder andere Objekte angewandt werden. Eine Neuerung gegenüber dem Vorgängerspiel: Diesmal gibt es wesentlich mehr Inventarobjekte, die im Inventar nicht nur manipuliert sondern auch kombiniert werden können. Durch die Unübersichtlichkeit des Inventars wird die Auswahl der Objekte jedoch manchesmal zur Qual, wenn man zum X-ten Mal das falsche Objekt in den Vordergrund gestellt (d. h. ausgewählt) hat.

Die Merkfähigkeit wird auf die Probe gestellt, wenn man sich an Details aus Gesprächen erinnern muß. Ein englisches Telegramm sollte verstanden werden, römische Ziffern in arabische umgesetzt und Schachzüge interpretiert werden. Nichts, was den durchschnittlichen Adventurespieler aus der Ruhe bringen kann. Es gibt ein Orientierungsrätsel und einige Türcodes müssen mit Hilfe von Hinweisen geknackt werden. Eine einfallsreiche Abwechslung ist ein Primzahlen-Kartenspiel, bei dem man sich eine gewisse Strategie zurechtlegen muß.

Der gesamte Schwierigkeitsgrad wird bewußt auf niedrigem Level gehalten, da es keine unnötigen Hotspots gibt. Wie gerne hätte man die vielen Gegenstände näher untersucht und von Jo einen Kommentar dazu gehört. Aber leider können wir nur mit den Dingen umgehen, die auch zur Rätsellösung dienen. Dabei gibt es eine Menge zu sehen. Unverständlich z. B., daß Jo endlich ins Hinterzimmer der Spielhölle eindringen kann und dann einen herumliegenden Geldkoffer nicht eines Blickes, geschweige denn eines Kommentars würdigt! Und so geht es weiter und weiter.

Es wird kein großartiges Hintergrundwissen verlangt. Beispielsweise kann man ein Farbrätsel durch einfaches Ausprobieren leicht lösen, ohne etwas über additive Farbmischung zu wissen und zu verstehen, daß es verschiedene Farbräume gibt. Das Warum einer Rätsellösung wird im Spiel meist nur angekratzt.

Wer allerdings mehr wissen will bekommt diesmal nach erfolgreichem Spielende einen Indizienkatalog in Form einer PDF-Datei auf seinem Desktop serviert (die beim Vorgänger leider nicht erzeugt wurde). Hier wird tatsächlich vertiefend auf verschiedene Aufgabenstellungen des Spiels eingegangen und es werden Hintergrundinformationen bereitgestellt.

Diese sind zum Teil sehr weitgehend, aber trotzdem nicht immer so hundertprozentig richtig: z. B. wie man an Hand des Sonnenstandes zu einer bestimmten Uhrzeit die Himmelsrichtung bestimmen kann. (Die Ersteller der Tabelle hätten zumindest angeben können, daß es sich auf der Südhalbkugel der Erde anders verhält als im Norden.) Das mag Erbsenzählerei sein, aber "Chaos am Set" beansprucht ja die Bezeichnung Lern-Adventure, deshalb sollten solche Erläuterungen schon stimmen.

 

Fazit

"Chaos am Set" ist von der Rätseltiefe und vom Schwierigkeitsgrad ein Spiel für Einsteiger. Fortgeschrittene Tüftler werden sich nicht sehr herausgefordert fühlen. Lediglich die extreme Linearität und das genaue Abarbeiten der Dialoge verlangen eine gewisse Konzentration und Ausdauer. Die Krimistory ist eher unglaubhaft und läßt auch wenig Spannung aufkommen im Gegensatz zum überzeugenderen Vorgänger. Obwohl es eine Verbesserung beim Hauptmenü gab, läßt die gemischte Tastatur-/Maussteuerung mit dem nervenzermürbenden Handling des Braintools keine Freude aufkommen. Positiv diesmal der Indizienkatalog zum Nacharbeiten der gelösten Rätsel und Vermittlung von Hintergrundwissen. Mit ca. 16 Stunden Spielzeit und einem um 10 Euro auf 39 Euro gesenkten Preis (gegenüber "Brand im Hafen") zwar immer noch kein Schnäppchen, aber ein akzeptableres Preis-Leistungsverhältnis.

 

Bewertung: 71 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Pentium III 450 Mhz
  • WIN 98/ME/2000/XP
  • 128 MB RAM
  • 600 MB freier Speicherplatz auf der Festplatte
  • 12-fach CDROM-Laufwerk
  • Soundkarte
  • 3D-fähige Grafikkarte mit 16 MB
  • DirectX 8.1 (mitgeliefert)

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 04. November 2002

 

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Den Reporter kennen wir bereits aus "Brand im Hafen"
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Jo schaut sich auf dem Gelände der Filmfirma um
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Gloria von Manten ist die Produzentin
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Aha, ein Geburtstagsfoto von Georg Keun
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Um das Fax der Entführer will sich keiner kümmern
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Jo versucht etwas aus dem Regisseur herauszubekommen
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Das Hotel ist ein weiterer Drehort
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Kamerafrau Iris im Gespräch mit Georg
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Ein auf den Schachregeln basierendes Rätsel ist auch dabei
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Jo muß auch in dunkle Seitengassen
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In der Spielhalle
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Im Selbstbedienungsrestaurant sieht's ziemlich schmuddelig aus
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In diesem Raum gibt's für Jo nur 2 Hotspots
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Detailreiche Hintergrundgrafiken - aber Jo kann weder in die Schränke noch in die Töpfe schauen
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Wem gehört der Wohnwagen?
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Liegt die Lösung auf dem Campingplatz?
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