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Chewy - Escape from F5

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein klobiger, unförmiger Pausenclown. Beim näheren Hinsehen stellt man aber fest, daß dieses pinkfarbene, außerirdische Etwas durchaus liebenswert ist. Chewy, so der Name des urkomischen Zeitgenossen, sitzt zu Beginn des gleichnamigen Blue-Byte-Adventures in seiner Zelle auf dem Planeten F 5 fest. Sein Knastgenosse ist bereits skelettiert und scheint zu Lebzeiten etwas Besseres gewesen zu sein, denn seinen Schädel ziert noch immer ein Monokel. Während sich Chewy in der näheren Umgebung umschaut und unter anderem den von der Decke tropfenden Spinat (würg) betrachtet, öffnet sich eine Klappe neben der Hochsicherheitstür, und ein Schlauch mit einem Kameraauge kommt hereingefahren, gefolgt von einer weiteren Sonde, die Chewy kurzerhand mit Spinat füttert. Das läßt sich der Pinkfarbene aber nicht lange gefallen, und nachdem er die Kamera mit Spinat und den Fütterungsschlauch mit einem Kopfkissen außer Betrieb gesetzt hat, entkommt er schließlich seiner unwirtlichen Behausung.

Persiflage
Als nächstes steht die Erforschung des restlichen Gebäudes auf dem Programm, und schnell macht man Bekanntschaft mit den Borx den Bösewichtem in diesem Spiel. Sie sehen nicht nur ekelhaft aus, sie benehmen sich auch dementsprechend. Folglich weiß ein jeder sofort Dies sind keine Guten, also vertrimmen, vernichten oder ...

Und hier zeigt Blue Bytes Werk bereits einen gewaltigen Unterschied zu all dem, was uns in den letzten Monaten abgetörnt und die BPjS beschäftigt hat: Es fließt kein Blut, und die “Gewalt“ ist so schlimm wie in den Comics der siebziger Jahre. Der beste Beweis dafür wird in einer Sequenz in einem Hotelflur gegeben. Dort tauchen einige Borx auf, und wenn man sie unter Beschuß nimmt, wechselt plötzlich die Perspektive. Man schaut nicht mehr auf Chewy, sondern mit dessen Augen über den Lauf einer Wumme hinweg, und es macht “doom“. Verletzt, geschweige denn getötet, wird bei dieser Aktion niemand.

Ernst nehmen darf man das ganze sowieso nicht, denn kurz nachdem man einen Bork unter Strom gesetzt hat, landet man mit etwas Geschick in einer Folterkammer. Dort trifft Chewy einen Nimoyaner, und wer jetzt nicht blickt, auf wen diese Figur gemünzt ist, dem ist nicht zu helfen - und wird wohl kaum die zum Teil großartige Verulkung von Kultfilmen und -serien erkennen. Sie findet sich später auch in zahlreichen Dialogen wieder.

Zurück zur Natur
Nach diversem Aufnehmen und Benutzen von Gegenständen entkommt Chewy schließlich und landet nahe des Dorfes “Small Town“ im Keller von Howard. Dieser ist ein verkannter Schriftsteller, der seit Jahren vergeblich versucht, ein Buch mit dem Titel (Satire on) "Esc from F5“ (Satire off) auf dem Markt zu bringen.
Über den Bemühungen ist er in eine Art Koma gefallen, und Chewys Aufgabe wird es sein, zunächst das brennende Raumschiff zu löschen, mit dem er gekommen ist, und dann Howard von den Toten zu erwecken. Gemeinsam mit ihm wird der pinkfarbene E. T. noch zahlreiche Abenteuer an schillernden, gefährlichen, aber auch witzigen Schauplätzen erleben. Und wenn die beiden erfolgreich sind, dann wird Howards Buch eines Tages einen Spitzenplatz erreichen.

Deutsche Sprache - gute Sprache
Dafür, daß Chewy ein rein deutsches Produkt ist, bekommt es schon mal Bonuspunkte. Wie oft hat man sich zum Beispiel über mangelhafte Übersetzungen geärgert, wenn Wortspielereien nur unzulänglich ins Deutsche übertragen wurden. Hier kann man sie in Schrift und Sprachausgabe genießen und herzhaft darüber lachen, wenn etwa ein Computerterminal zu philosophieren beginnt wie einst die sprechende Bombe im Film "Dark Star“ von John Carpenter.
Für jeden Schauplatz, ja für jeden einzelnen Raum, gibt es eine ureigene Musik. Die Wiederholungsgefahr ist dementsprechend gering, es sei denn, man hält sich an einem Ort gar sehr lange auf (was dank der knackigen Rätsel durchaus mal passieren kann). Alle Charaktere haben einen Sprechpart, und die Stimmen passen verdammt gut zu dem, was sie verkörpern sollen.
Die Grafik - tja, da wäre als vergleichbares Beispiel "Day of die Tentacle" zu nennen. Schräge Möbel, urkomische Animationen, ein fast expressionistischer Einschlag und dazu viele Cut-Scenes; das sind Animationssequenzen, auf die der Spieler weiter keinen Einfluß hat. Zurücklehnen und köstlich amüsieren heißt hier die Devise. Übrigens: Was nach SVGA aussieht, ist “nur“ VGA!

Der Comic-Stil von Tex Avery (“Bugs Bunny"), an dem sich bekanntlich schon LucasArts gesund verdiente, wird auch hier geboten, und zwar gekonnt.
Die Rätsel stecken voller Überraschungen, und was einem auf den ersten Blick unlogisch erscheint, mag vielleicht das einzig Richtige sein. Aber wer fragt schon nach Logik wenn das ganze doch eher den Zweck hat, altbekanntes so richtig schön durch den Kakao zu ziehen?
Die Story, von der an dieser Stelle bewußt nicht mehr erzählt werden soll (bissi Spannung muß sein), weiß ebenfalls zu begeistern - Herz, was willst du mehr?

Was uns auffiel:
+ abgefahrene Story
+ gelungene Persiflage
+ Grafik und Sound Top!

Bewertung:

  • Grafik: 4 von 5
  • Sound: 4 von 5
  • Komfort: 4 von 5
  • Gesamt: 4 von 5

Systemvoraussetzungen:
486/33 (empfohlen), 8 MB RAM, 2x CDROM-Laufwerk

Hersteller: Blue Byte

kate

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