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Clever & Smart - A Movie Adventure


Erscheinungsdatum Spanien: 10/2003
Erscheinungsdatum Deutschland: 11/2004
Entwickler: Alcachofa Soft
Publisher: Crimson Cow


Spielsprache: Deutsch

Homepage
Boxshots

USK: ab 6 Jahren


 

Ein Review von   André   27. November 2004



Welche Generation vor mir hatte eigentlich schon das Glück, dass sie ihre
Kindheit und Jugend so dermaßen bis ins Detail aufarbeiten konnte? Dank
Ikea, Ebay und Sperrmüll bastele ich mir meine 70er-Jahre-Wohnung zusammen, wie sie selbst in den 70ern nicht originaler hätte sein können, die passenden Klamotten gibt´s bei H+M und eines meiner Lieblingscomics von damals kann ich jetzt nicht nur lesen sondern sogar interaktiv als Adventure spielen. Mal sehen, wie die Umsetzung gelungen ist und ob ich immer noch so viel Spaß an Clever & Smart habe.



Wissenswertes

Endlich gibt´s das erste Clever & Smart-Adventure auch auf Deutsch. Denn bisher habe ich immer neidisch auf unsere spanischen Nachbarn geschaut, welche schon seit 1998 bisher 4 Teile sowie zwei weitere Teile als Doppelfolgen mit "Mortadelo y Filemón" (so der spanische Originaltitel der Reihe) spielen durften. Dieses Spiel wiederum setzt sich auch aus
ursprünglich zwei einzelnen Teilen zusammen, welche erstmals in Spanien erschienen sind.

Die Vorlage, also die Comics gibt´s schon lange. Um genau zu sein, erschien der erste Band 1972 in Deutschland, und der Clever & Smart-Erfinder und Zeichner heißt F. Ibañez.

Was sehr viele Buch-Bände gemeinsam haben, sind die unglaublichen deutschen Titel wie "Harry Herz macht wieder Terz!", "Wir werden kühner - jetzt geht's um Hühner!", "Der kleine Rocker haut uns vom Hocker!", "Hosen runter - jetzt wird's munter!" oder auch "Wir sind auf Zack und packen den Sack!" (kein Witz, die Folge heißt wirklich so!).

Die Hauptfiguren der bis heute erfolgreichen Serie sind die Geheimagenten
Fred Clever und Jeff Smart. Clever hat die angenehme Eigenschaft, sich
gelegentlich in die verschiedensten Personen verwandeln zu können. Ihre
Aufträge erhalten sie von Ihrem Boss Mister L. Ansonsten steht ihnen in den Folgen (so natürlich auch im Spiel) der Wissenschaftler Dr. Bakterius mehr oder weniger hilfreich zur Seite. Last but not least wäre da noch die grazile Sekretärin Frau Ophelia zu erwähnen.

Was die Serie auszeichnet und angenehm von den braven Disney-Comics wie Micky Maus oder Kaukas Fix und Foxi, unterscheidet, ist der manchmal gewalttätige und überdrehte Humor. Was ich genau so witzig finde, lässt sich schwer beschreiben. Ich glaube, genau das vollkommen Überzogene macht den Witz aus. Aber Humor sollte man bekanntlich nicht zerreden, also belassen wir es dabei.



Handlung

Dr. Bakterius hat eine neue Maschine namens "Teledingens" erfunden. Das Gerät ist in der Lage, Dingens - pardon Dinge und Personen aus Filmen ins wirkliche Leben und auch umgekehrt aus dem Leben in die Filme zu teleportierten. Nachdem wir einen für das Funktionieren der Maschine dringend benötigten Diamanten besorgt haben, beginnt Bakterius mit der Teleportation.

Doch schon der erste Versuch scheitert und anstatt einen ägyptischen Schatz in die Realität zu holen, landet eine Mumie namens Impoteh direkt im Hauptquartier. Diese ergreift alsbald erfolgreich die Flucht, verwandelt
sich in einen normalen Menschen und sollte natürlich eingefangen werden,
zumal sie - besitzergreifend wie antike ägyptische Könige nun mal sind - die Herrschaft über die Welt an sich reißen will.

Und wer wäre da als Mumienfänger besser geeignet als unsere hyperaktiven Topp-Agenten Clever und Smart. Und so erhalten die beiden von Mister L ihren Auftrag und eher unfreiwillig geht die Jagd durch ganz viele Locations aus der Filmwelt, wo sie einige bekannte Personen wie Charlie Chaplin oder Humphrey Bogart und viele mehr, so auch eine ganze Menge Filmmonster treffen.


Grafik

Leider sind Spiele zu Filmen oder Comic-Serien manchmal lediglich ein lauer Aufguss des Originals. Mit flauen Gefühlen denke ich da z.B. an RTL-Serien wie "Der Clown", wo schnell ein Billig-Adventure, welches noch nicht mal über eine Sprachausgabe verfügt, quasi als Nebenprodukt einer wirtschaftlich effektiven und vollkommen sympathiefreien Markt-Maschinerie produziert wird, nur um noch ein bisschen mehr Kohle rauszuholen.

Bei Clever & Smart haben wir es nicht nur mit einem vollwertigem Spiel zu
tun und da wird schon auf der Verpackung vollkommen zu Recht selbstbewusst mit "100 vollgepackten Schauplätzen", "350 Hotspots" und einigen weiteren Superlativen geworben.

Was wiederum die Qualität anbelangt, begeistert schon der geniale Introfilm - quasi eine Comic-Adaption des typischen Agenten/Krimi-Themas - welches ich als eines der gelungensten seit langem bezeichnen möchte. Ebenfalls gelungen sind die vielen Locations im besten Comic-Stil. Dass die Grafik so schön gefällt, liegt nicht zuletzt daran, dass F. Ibañez persönlich über das Projekt sein Auge geworfen hat. Allerdings sind die Locations nur schwach und einige Bilder gar nicht animiert.

Was zudem auffällt, ist, dass sich beide Protagonisten im nicht aktiven
Zustand schlicht und ergreifend ebenfalls gar nicht bewegen. Der Körper
wippt nicht und sie blinzeln noch nicht mal mit den Augen. Interessanterweise stört das aber kaum und spätestens bei den gelungenen Animationen, wenn sie sprechen oder laufen oder wenn Clever sich gerade mal wieder in einen Schotten, Holmes oder sonst wen verwandelt, ist dieses kleine Manko schnell ausgeglichen.



Musik

Mehr als lobenswert auch die tolle und absolut passende Film-Musik, mit der man ebenfalls schon im Intro verwöhnt wird. Da lohnt es sich endlich mal, dass ich irgendwann mal so gute Lautsprecher geschenkt bekommen habe, welche ich unwillkürlich lauter gedreht habe.

Die wirklich brillante Musik ist von nun an ständiger Begleiter durch das
ganze Spiel. Besonders in der Westernstadt erfreuen verschiedenste gute
Laune verursachende Tracks des Spielers Ohren, welche ein "Mr. Happy Sound" James Last nicht besser hinbekommen hätte.

Dafür verantwortlich zeigt sich Emilio de Paz, welcher die 45 (!) Lieder von
einer 12-köpfigen Big Band einspielen ließ. Besagter Emilio de Paz zeigte
sich schon für den Soundtrack von "The Westerner" verantwortlich und ist
ganz nebenbei bemerkt auch noch Chef von Alcachova Soft. Überhaupt ist er für das halbe Spiel (Script, Gestaltung, Spielablauf usw..) verantwortlich.
Ich finde, der Soundtrack ist ihm noch besser gelungen, als den, den er für
The Westerner arrangiert hat.


Sprachausgabe

Ebenso aufwändig und bestimmt auch nicht ganz billig war die Umsetzung der deutschen Sprachausgabe. Crimson Cow hat aus dem Vollen geschöpft und eine Reihe der hochkarätigsten Namen aus der Filmwelt für die Synchronisation engagiert. Zwar hat zuletzt die meines Erachtens eher schlechte deutsche Synchronisation von Tony Tough bewiesen, dass bekannte Namen noch kein Garant für eine gelungene Sprachausgabe sind, was aber eher an dem Inhalt, sprich an den wirklich lauen Witzchen (zumindest in der deutschen Übersetzung) und an dem schier endlos scheinendem Gebrabbel lag.

Glücklicherweise wurde der Humor der Originalserie erhalten und die Texte
wie nicht anders zu erwarten gekonnt eingesprochen. Hier hat sich der
Aufwand auf jeden Fall gelohnt und sowohl Clever als auch Smart haben zum Charakter passende Stimmen bekommen. Daher wird die Reise durch die Dialoge keine peinliche Rhetorik-Odyssee, vorrausgesetzt man mag es, wenn der Humor auch mal nicht ganz so filigran ist ...

Ich habe nichts anderes erwartet und so kommt von der ersten Minute an
sowohl grafisch als auch akustisch richtiges Clever & Smart-Feeling auf.


Rätsel

"Clever & Smart" eignet sich natürlich von Haus aus ausgezeichnet, um ein Adventure daraus zu basteln, da man bereits eine Vorlage mit zwei
Protagonisten hat. Deswegen ist es aus Adventurersicht geradezu zwingend, diese auch beide auf unterschiedliche Weise einzusetzen.

Kompetent haben die Entwickler diese Eigenschaften hervorragend mit in das Spielkonzept eingearbeitet. Ähnlich wie beispielsweise Julio und Miguel in "Road to El Dorado" haben beide unterschiedliche Fähigkeiten und so erzielt Clever bei der Interaktion mit einer Person beispielsweise Erfolge, wo Smart sich die Zähne ausbeißt und umgekehrt. Clever und Smart müssen auch nicht selten kooperieren, um zum Erfolg zu gelangen. Mir gefallen solche "Doppelbesetzungen" in Adventures sehr und alleine dadurch wird das Spiel noch um einiges interessanter und abwechslungsreicher.

Ansonsten müssen wir in erster Linie jede Menge quasseln und Gegenstände finden und einsetzten. Das gestaltet sich als nicht immer einfach, zumal nicht alles logisch ist, was da kombiniert werden muss.

Dass ich zu guter Letzt sogar noch mit einem (glücklicherweise nur halbwegs kleinem) Labyrinth verwöhnt werde, habe ich mir doch gar nicht gewünscht. Um ehrlich zu sein, habe ich gehofft, dass keins vorkommt. Gibt es eigentlich irgend jemanden, der Labyrinthe mag?


Handling

Glücklicherweise scheint der Trend, der sich vor einiger Zeit abzeichnete,
mit den wildesten Tastatursteuerungen zu experimentieren, vorüber. Wir
bewegen uns mit einfacher, erstklassige Point+Click-Steuerung durchs Spiel.

Klicken wir das Kästchen oben rechts an, wechseln wir ganz einfach von
Clever auf Smart und natürlich auch umgekehrt. Ziehen wir den Cursor auf dem Spielbildschirm nach ganz oben links, plöppt ein übersichtliches, den ganzen Bildschirm einnehmendes Inventar auf. Unten rechts verschwindet es wie von Geisterhand. Sehr hilfreich ist der Doppelklick an den Ausgängen, der uns direkt ins neue Bild bringt und viel mehr benötigen wir nach wie vor nicht für ein gutes Adventure.

Ebenso einfach und praktisch ist das Optionsmenü, wo alle wichtigen
Einstellungen wie Laden und Speichern, Regelungen für Musik, Dialoge sowie Geräusche, einstellbare Untertitel (wichtig!) und noch ein-zwei weitere nützliche Funktionen vertreten sind.

Die Spielstände sind allerdings unübersichtlich, da ohne Beschriftung
angelegt. Gerade am Anfang muss man eher anhand des angefertigten
Screenshots raten, wo man gerade zuletzt war. Außerdem muss man jedes Mal beim Starten des Programms das Intro wegklicken, sei dieses auch noch so gelungen.



Multiplayer

Nicht unerwähnt soll der Multiplayer-Modus sein, auch wenn ich gestehen
muss, ihn noch nicht ausgetestet zu haben. Hier kann man zu zweit im
Internet spielen und dabei via Voice-Chat (hä?) oder gewöhnlicher Tastatur
miteinander kommunizieren. Soweit die Theorie.

Das ist im Adventurebereich wirklich eine Neuerung und grundsätzlich
verdient soviel Innovation natürlich Lob. Ich weiß nur noch nicht, ob ich
meine geliebten Adventures unbedingt im Netz spielen möchte.


Fazit

"Lange Zocken, da bleibt kein Auge trocken" - Irgendwie bekomme ich gar
nicht genug von den legendären Clever und Smart-Kalauern. Das liegt nicht zuletzt an der guten Laune, welche man von diesem gelungenen Adventure automatisch bekommt! Hochwertige Adventures gab es in der letzten Zeit ja genug, aber Comic-Adventures im klassischen 2D-Stil mit handgemalten Bildern im Stil von Galador, Runaway & Co. haben sich doch erstaunlicherweise rar gemacht - besonders richtig gute.

Grafisch wurde der Stil und Flair der Hefte gekonnt, wenn auch schwach
animiert in ein zeitgemäßes Adventure umgesetzt und dank der teilweise schon mal etwas schwierigeren Rätsel ist das Spiel für alle Altersstufen
gleichermaßen interessant. Die Thematik der Teleportation von der Realität in Filme (und umgekehrt) ist eigentlich nicht neu, so erinnere ich mich z.B. an den Film "Purple Rose of Cairo" von Woody Allen. Völlig egal, denn das Thema ist geradezu prädestiniert, um sie für das originelle und turbulente Comic-Adventure zu verwursten.

Ebenfalls nicht neu, aber auch jedes Mal erneut Spaß macht es mir, wenn man sich mit zwei Hauptdarstellern durch das Spiel bewegt und nur mit der jeweils richtigen Person passend zur Situation oder nur mit beiden Personen gleichzeitig weiter kommt. Denn das trägt ausgesprochen zur Abwechslung in der Rätselgestaltung bei.

Damit wurde nach Runaway und Westerner erneut ein tolles Comic-Adventure in Spanien entwickelt und es scheint sich ein Trend fortzusetzen, dass die schönsten Spiele in dem Genre aus diesem Land kommen.


Bewertung: 85 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/2000/XP
  • Pentium II 266 MHz
  • 64 MB RAM
  • 1,3 GB Festplatte + 200 MB für Savegames/Zwischenspeicherung
  • DirectX-kompatible 3D Grafikkarte mit mind. 16 MB Videospeicher
  • DirectX-kompatible Soundkarte
  • 8x CDROM-Laufwerk

Gespielt unter:

  • Win 98
  • AMD Athlon XP 1800
  • 256 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • 16x CDROM-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 27. November 2004

 

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