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Cold Case Files


Erscheinungsdatum: 09/2004
Entwickler: Gunnar Games
Publisher: Activision

Spielsprache und Handbuch: englisch

Boxshots

ESRB: T - Teen


Ein Review von slydos   13. November 2004

 

Im Windschatten der CSI-Serien wurde vom amerikanischen Fernsehsender A&E und vom Erfolgsproduzenten Jerry Bruckheimer versucht, noch ein paar Dollars mehr herauszuholen und die Serie Cold Case Files entstand. Und obwohl die Krimiserie einen interessanten Ansatz hat - ungelöste Kriminalfälle der Vergangenheit werden mit neuen Indizien oder durch die Möglichkeiten der neuen Technologie wieder aufgerollt - kann sie dem Vergleich mit CSI nicht standhalten. Zwar bringt sie für den deutschen TV-Sender Kabel recht gute Einschaltquoten, ich persönlich finde sie langweilig. Ob also eine relativ fade Fernsehserie als Dritt- oder Viertaufguß dann plötzlich ein spannendes Computerspiel hervorbringen kann, ist von vorneherein eher zweifelhaft. Aber solche Dinge können natürlich passieren, siehe Wild, Wild West, bei dem das Spiel besser als der Film war.

Activision hat Cold Case Files, das von der Garagenfirma Gunnar Games erstellt wurde,  in seiner Activision Value-Reihe herausgebracht und traut dem Spiel zur Serie wohl auch selbst nicht besonders viel zu, denn es gab keinen spürbaren Werbeaufwand dafür. Weshalb wir Activision dafür sogar dankbar sein müssen, erfahren Sie im Folgenden.

 

Installation/Start

Während der automatischen und fast fehlerfreien (eine überspringbare Fehlermeldung erschien) Installation und auch an vielen Stellen des Spiels gibt es recht großflächige und unpassende Werbeflächen für A&E, den Heimatsender von Cold Case Files und auch für den Virgin Mega Store. Wir gelangen zunächst ins Hauptmenü des Spiels, wo uns gleich die 6 spielbaren Fälle per Screenshot zur Auswahl angeboten werden. Die Reihenfolge, in der wir die Fälle spielen, darf frei gewählt werden und wir können sogar einen 7. Bonusfall kostenlos aus dem Internet herunterladen (47,4 MB).

Während der jeweiligen Intros der Fälle erklingt die Stimme von Bill Kurtis, der dem amerikanischen Publikum durch seine Tätigkeit als Journalist und auch Produzent und Host einiger Justiz-/Investigativserien bekannt ist. Er führt uns in die Fallakte ein und übergibt uns dann an unseren Chef, der mit uns nochmal kurz über die neuen Fakten spricht, die uns den "Kalten Fall" wieder aufrollen lassen.

 

Die Fälle

Die Fälle heißen Murder Motel, Happy Hour, To Tell the Truth, Friend or Foe, The Apartment und Death Benefit und spielen in verschiedenen Städten der USA. Sie werden von uns erneut aufgerollt, weil z. B. seinerzeit Fingerabdrücke nur per Hand ausgewertet werden konnten und heutzutage ein maschineller Vergleich zum einen genauer ist und eventuell auch ein vorher noch nicht erfaßter Verdächtiger auftauchen könnte. So ermitteln wir beim ersten Fall, einer Schießerei in einem Motel im Jahr 1979, bei der ein Angestellter getötet wurde, in Windeseile neue Tatverdächtige. In anderen Fällen tun sich durch die Ermittlungen eines Privatdetektivs neue Erkenntnisse auf oder es es melden sich neue Zeugen.

 

Bedienung/Aufgaben

Nach dem Intro können wir dann jeweils in 1st-Person-Sicht loslegen. Cold Case Files ist mausgesteuert. Viel steuern müssen wir allerdings nicht, da wir pro Schauplatz maximal 3 Möglichkeiten haben, uns per Klick weiter zu bewegen. Hotspots werden uns durch eine Zeigerveränderung angezeigt.

Aber zunächst müssen wir mal das Büro des Chefs verlassen um z. B. ins Labor oder unser eigenes Büro zu gelangen. Das geschieht durch Klick auf eines der Icons in der unteren linken Ecke des Bildschirms (die knappe Dokumentation macht hier sogar noch einen Fehler und gibt die 'rechte' untere Ecke an). Vorrätig haben wir hier immer das Labor mit der Laborassistentin, dem Mikroskop und einem Recherchecomputer, unser Büro mit Asservatenkammer, der Fallakte und einer Pinwand mit relevanten Schauplätzen sowie unseren Chef. In unserem eigenen Büro können wir auf dem Schreibtisch die Fallakte öffnen und dann sogar übersichtlicher als in den ähnlichen Law&Order-Spielen studieren. Lesen wir dort oder auch irgendwo anders etwas Interessantes zu einer neuen Location oder einem neuen Zeugen, werden sie automatisch hier hinzugefügt aber auch auf der Pinwand im Büro.

Wir müssen einfach nur alle Punkte in unserer Fallakte anklicken, dann bekommen wir Einblick in Unterlagen, Beweise oder Zeugenaussagen. Alte Beweismittel können unter Umständen heute ein neues Ergebnis bringen, da sich die Kriminaltechnik ja ständig verbessert. Neue Informationen vergleichen wir dann - auch einfach nur per Klick - im Laborrechner. Finden sich dort Übereinstimmungen mit Datenbanken, können wir sicher sein, daß wieder neue Zeugen/Verdächtige oder Orte in unserer Fallakte automatisch hinzugefügt werden.

Und so geht's halt weiter. Fast alles läuft automatisch ab bei Cold Case Files. Selten können wir mal einen Tatort etwas genauer absuchen und auch neue Indizien zur Untersuchung/zum Vergleich mitnehmen oder das Telefon in unserem Büro, das wir sonst nicht benutzen können, wird dann plötzlich zum Hotspot und erlaubt, andere Behörden um Hilfe zu bitten. Das gehört allerdings bereits zu den spieltechnischen Highlights. Gespräche, die auch mehrmals geführt werden können, offerieren zwar Multiple-Choice-Texte, aber letztlich müssen sowieso alle Punkte abgearbeitet werden. Wirkliche Aufgaben oder Rätsel sucht man vergeblich.

Falls wir meinen, den Täter überführen zu können, wählen wir das Handschellen-Icon eines Verdächtigen in der Fallakte. Reichen die Beweise nicht, bekommen wir die entsprechende Schelte und können über das Fallauswahlmenü diese oder eine andere Aufgabe auswählen. Im positiven Fall erhalten wir Glückwüsche und eine Beförderung. Selbst speichern können wir bei Cold Case übrigens nicht, sondern steigen automatisch an der aktuellen Spielposition nach einer Unterbrechung wieder ein. Es ist auch kaum notwendig, bei einem solch kurzen Spiel (Gesamt-Spieldauer ca. 2 Stunden!) noch Zwischenstände anzulegen.

Dokumentiert werden die einfache Installation und Bedienung in einem 2seitigen Jewelcase Einleger.

 

Grafik/Sound

Auch über Grafik und Sound sind keine Glückstränen zu vergießen. Ziemlich durchschnittliche Hintergrundgrafiken beherbergen ziemlich durchschnittliche Charaktergrafiken, die mir mit ihren gerundeten Knetgummischultern Erinnerungen an Law&Order aber besonders an Black Mirror aufkommen lassen. Die Charaktere wirken steif und haben ausgesprochen unrealistische Proportionen, die dem an sich ernsthaft gemeinten Spiel mehr als einen Hauch von Lächerlichkeit anhängen.

Körperbewegungen und Mimik halten sich in engen Grenzen und eine einfach zu große Zahl der Charaktere schielt. Dafür ist die Sprachausgabe gelungen, die neben den Videoszenen zum besseren Teil des Spiels gehört. Allerdings wird teilweise schneller, undeutlicher Slang gesprochen, der ohne Untertitelung und direkte Wiederholungsmöglichkeit der Dialoge die Sache für andersprachige Spieler erschwert. In den Videoszenen gibt es einige blutige Mordszenen, die Cold Case Files eine ESRB-Einstufung für Teens einbrachte. Wie bereits erwähnt stören die unpassend plazierten Werbeflächen des Fernsehsenders und der Firma Virgin. Die Hintergrundmusik ist weniger auffallend, stört aber auch nicht.

 

Fazit

Auch wenn man sich in Cold Case Files an den CSI- bzw. Law&Order-Adventures orientiert hat, so wird deren Qualität auch nicht annährend erreicht. Die Plazierung der Reklame ist eine Frechheit, bedenkt man, daß für das Spiel immerhin knapp 20 Dollar zu berappen sind. Und 20 Dollar sind definitiv zu viel für ein Produkt, das man eher als interaktive Falldokumentation bezeichnen könnte. Mag sein, daß die Strafverfolgungsbehörden in den USA nur darauf gewartet haben, Cold Case Files als Lehrmaterial einzusetzen (was sie auch tatsächlich tun!), ich kann es Adventurespielern nicht empfehlen, es ist allenfalls eine traurige Memorabilie für Serienfans oder Sammler.

 

Bewertung: 38 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/2000/Me/XP
  • DirectX 9.0
  • Pentium III 500 MHz
  • 128 MB RAM
  • 400 MB auf der Festplatte
  • 8x CDROM-Laufwerk
  • Grafikkarte 16 MB DirectX kompatibel
  • Soundkarte DirectX kompatibel

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 13. November 2004

 

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Einstiegsmenü
Einstiegsmenü

 

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Das Fallauswahlmenü - Fälle können jederzeit verlassen und wieder aufgenommen werden
Das Fallauswahlmenü - Fälle können jederzeit verlassen und wieder aufgenommen werden

 

Unser Vorgesetzter gibt uns jeweils zu Beginn eine Einführung
Unser Vorgesetzter gibt uns jeweils zu Beginn eine Einführung

 

Das Labor
Das Labor


Von unserem Büro aus sind Fallakte, Beweismittel, Zeugen, Tatorte und auch das Hauptmenü zugänglich
Von unserem Büro aus sind Fallakte, Beweismittel, Zeugen, Tatorte und auch das Hauptmenü zugänglich

 

Speziell im Schulterbereich haben alle Charakterdarstellungen ihre Probleme
Speziell im Schulterbereich haben alle Charakterdarstellungen ihre Probleme

 

Klickt man eine der 4 Recherchemöglichkeiten an, gibt der Rechner bereits die gesuchte Person vor, selbst hier muß man keine grauen Zellen anstrengen
Klickt man eine der 4 Recherchemöglichkeiten an, gibt der Rechner bereits die gesuchte Person vor, selbst hier muß man keine grauen Zellen anstrengen

 

Die Fallakte ist übersichtlicher als bei Law&Order
Die Fallakte ist übersichtlicher als bei Law&Order

 

Sehen Sie die 'dezente' Werbung im Hintergrund?
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Beweismittel
Beweismittel

 

Ein Schauplatz, der mit mehr als 2 Klicks untersucht werden kann, nämlich mit dreien
Ein Schauplatz, der mit mehr als 2 Klicks untersucht werden kann, nämlich mit dreien

 

Betrachtet man diese Dame in Originalgröße, erkennt man die Perspektivzerplitterung besser - Haare, Kopf, Oberkörper und beide Beine haben unterschiedliche perspektivische Bezugspunkte -  das ist 'kubistisch' aber nicht realistisch.
Betrachtet man diese Dame in Originalgröße, erkennt man die Perspektivzerplitterung besser - Haare, Kopf, Oberkörper und Beine haben unterschiedliche perspektivische Bezugspunkte -  das ist 'kubistisch' aber nicht realistisch.

 

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