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Coraline (WII-Konsole)


Releasedatum Deutschland: 31.07.2009

Entwickler: Papaya Studio  
Publisher: Koch Media
 
 

Spielsprache: Deutsch

Boxshot

USK: ab 6 Jahren
PEGI: 12+

 

 

Ein Review von  Jehane   31. Januar 2010

 

Der US-Schriftsteller Neil Gaiman ist mittlerweile auch in unseren Breitengraden kein Unbekannter mehr; dass eines seiner Bücher erst den Weg auf die Kinoleinwand und dann auf die Konsolen finden würde, erscheint nur logisch. „Coraline" ist definitiv eines meiner liebsten Bücher, auch wenn es eigentlich für Kinder gedacht ist – aber ganz ehrlich: einem kleinen Kind würde ich das Buch nicht unbedingt in die Hand drücken. Dafür ist es stellenweise zu gruselig und zu düster, aber vielleicht sind Kinder auch härter im Nehmen, als ich mir das vorstelle. Sei es, wie’s sei: „Coraline" lief vergangenen Sommer nicht nur in den heimischen Kinos, sondern wurde auch gleich für die Nintendo Wii umgesetzt. Klar, dass ich mir das Spiel nicht entgehen lassen wollte und es fürs Adventure-Archiv getestet habe.

 

Handlung


Coraline Jones – sagen Sie nie Caroline zu ihr – ist mit ihren Eltern in den „Pink Palace" gezogen – ein mehr als euphemistischer Name für ein im Grunde einfaches Wohnhaus, das zufällig dezent rosa angestrichen ist. Coralines Eltern haben wenig Zeit für ihre lebhafte Tochter, und so kommt es, dass Coraline das Haus auf eigene Faust erkundet. Sie begegnet den seltsamen Nachbarn und entdeckt schließlich eine kleine Tür, die wer weiß wohin führt. Dass sich die neugierige Coraline dieses Abenteuer nicht durch die Lappen gehen lassen möchte, liegt auf der Hand, und so krabbelt sie kurzentschlossen durch die Tür. Dahinter findet sie eine andere Welt, die der ihren zwar gleicht, aber sich doch völlig unterscheidet. So ist das Haus plötzlich nicht mehr trist und fade, sondern bunt, voller seltsamer Dinge, fliegender Origami-Vögel und dergleichen mehr. Auch Coralines Eltern sind hier – ihre „anderen Eltern", wie sie sich selbst nennen, die an Stelle der Augen Knöpfe haben. Egal, die andere Mutter macht leckere Pfannkuchen und hat vor allem Zeit für Coraline, etwas, das das Mädchen gar nicht mehr gewohnt ist. Was anfangs noch fasziniert und begeistert, entpuppt sich jedoch rasch als Bedrohung, denn Coralines andere Eltern wollen sie nicht mehr gehen lassen. Es ist an Coraline, einen Weg zurück in ihre Welt zu finden und ihre wirklichen Eltern zu retten.

Die Handlung bietet für Leser des Buches wenig Neues, wurde aber mit zusätzlichen Charakteren wie dem Buben Wybie aufgefettet und durch zahlreiche Minispiele gestreckt. Was bei Neil Gaiman grade mal 185 Seiten in Anspruch nimmt, die man im Grunde in wenigen Stunden gelesen hat, dauert auf der Wii vielleicht sechs oder sieben Stunden, je nachdem, wie geschickt man sich bei einzelnen Minispielen anstellt. Und das macht trotz der bisweilen sehr düsteren, beklemmenden Stimmung jede Menge Spaß – na ja, meistens jedenfalls. Ein Kritikpunkt zur Story: Manchmal tun sich klaffende Logiklöcher auf, die man besser gestopft hätte und die Kenner des Buches sicher ohne Probleme füllen können. Manche Zwischenpassagen werden in Form von Standbildern und mit Hilfe einer männlichen Stimme aus dem Off erzählt, wobei auch hier nicht immer auf logische Zusammenhänge geachtet wurde. Bisweilen wurde also etwas schlampig gearbeitet, was ich sehr schade gefunden habe, denn das hat die Story nicht verdient.

 

Technisches/Aufmachung

Wie gehabt ist „Coraline" für die Wii einfach zu handhaben – es ist fast schon langweilig, wenn man, im Unterschied zum PC, mal keine Fehlermeldungen bekommt, einfach nur die Disc einschieben muss und loslegen kann. Aber nur fast.

Die Aufmachung ist selten fade; das Handbuch, auf Französisch und Deutsch, ist sehr dünn, in ödem Schwarz-Weiß gehalten (alles andere hätte mich ehrlich gesagt auch überrascht, denn farbige Handbücher sind dann doch eher die Ausnahme als die Regel) und obendrein sehr knapp – es bietet einen Überblick über die wichtigsten Steuerelemente, die anhand der Wiimote und des Nunchuck dargestellt werden; auf Screenshots sind wichtige Elemente wie das Hauptmenü, der Spielbildschirm, interaktive Symbole, das Album, der Laden und die Optionen kurz umrissen. Das Spiel lässt sich jedoch auch ohne die Lektüre des dünnen Heftchens problemlos in Angriff nehmen, denn sobald neue Steuerungselemente auftauchen, werden sie kurzerhand im Spiel erklärt – entweder vom Erzähler, der die Zwischenpassagen moderiert, oder von den handelnden Personen selbst. Das ist sehr praktisch und erlaubt einen zügigen Einstieg ins Spiel. Eine abschließende Bemerkung zum Handbuch: Wirklich sauber wurde hier nicht gearbeitet. So findet sich bei der Beschreibung des Ladens – mehr dazu weiter unten – ein englischer Satz, der offensichtlich bei der Übersetzung durch den Rost gerutscht ist – lustigerweise sowohl im französischen als auch im deutschen Text. Drei leere Seiten dienen schließlich dazu, etwaige Notizen festzuhalten, und das entspricht vom Umfang her im Grunde der gesamten Spielanleitung, die auch nur drei Seiten umfasst. Tja, das nennt man dann wohl Prioritäten setzen…

 

Steuerung

Zum Spielen benötigt man sowohl Wiimote als auch Nunchuck; Coraline kann entweder mit Hilfe des Steuerkreuzes (Wiimote) oder des Control Sticks (Nunchuck) bewegt werden, dasselbe gilt für die Navigation durch Menüs. Der C-Knopf am Nunchuck aktiviert Coralines Laterne, der darunter liegende Z-Knopf wird in der Regel für Interaktion benötigt – sei es Sprechen, etwas aufnehmen, einen Gegenstand ansehen oder ein Minispiel auslösen. Auf der Wiimote ist vor allem der A-Knopf spannend: Damit kann man Coraline klettern oder springen lassen, außerdem kann sie damit Gegenstände annehmen; im Menü dient der A-Knopf der Auswahl des gewünschten Menü-Punktes. Der B-Knopf auf der Rückseite bringt Coraline dazu, gegen Gegenstände zu treten oder die Schleuder abzuschießen, sofern diese aktiviert ist. Außerdem lassen sich damit Zwischensequenzen überspringen. Apropos Schleuder: Diese wird mit dem Plus- bzw. Minus-Knopf de- bzw. aktiviert. Der 1-Knopf bringt uns ins Menü, der 2-Knopf lässt uns das Album aufrufen, in dem im Verlauf des Spiels einige Schnappschüsse unserer Heldin sowie weitere Bilder landen.

 

Menü und Album


Das Hauptmenü lässt uns die Wahl zwischen Fortsetzen, Neues Spiel, Optionen und Laden (damit ist der Shop gemeint); gespeichert wird automatisch nach jedem Level, zusätzlich kann man über das Hauptmenü selbst speichern – allerdings ist mir das Spiel bei dem Versuch, an einer kritischen Stelle zu speichern, einfach abgestürzt, und ich wurde beim nächsten Mal an einen früheren Punkt zurückkatapultiert. Man ist also auf der sicheren Seite, wenn man einfach bis zum nächsten Savepoint spielt – allerdings ist das schon ärgerlich, denn es kann ja mal vorkommen, dass man schon müde ist oder einfach keine Lust mehr hat. Zudem wird jeder Spielstand automatisch überschrieben; man kann insgesamt fünf Spielerprofile anlegen, die aus jeweils einem Spielstand bestehen – so ist gewährleistet, dass mehrere Personen das Spiel zocken können. Dass es nur einen Spielstand gibt, ist dann ärgerlich, wenn man z.B. zurückgehen und sich an einem Minispiel noch mal versuchen oder sich eine Sequenz noch mal ansehen möchte.

Über das Hauptmenü gelangt man auch in den Laden. Hier kann man, vorausgesetzt man hat im Spiel genug Knöpfe gesammelt, ein neues Outfit für Coraline kaufen, man hat Zugriff auf Bonusmaterial und – es gibt einen eigenen Menüpunkt für Cheats. Richtig gelesen: Das Spiel stößt einen quasi mit der Nase drauf, wo man etwaige Cheats eingeben bzw. mit den im Spiel gesammelten Knöpfen kaufen kann. Irgendwie finde ich das ja widersinnig, denn mit Cheats spielt es sich natürlich leichter, aber die Entwickler werden wohl einen guten Grund gehabt haben, das einzubauen. Die Cheat-Codes kann man übrigens auch über das Optionenmenü eingeben – es scheint fast, als wollten die Entwickler, dass man Cheats verwendet… wie gesagt, nachvollziehbar ist das für mich nicht so ganz, aber sei’s drum.

Apropos Optionen: Viel gibt’s hier nicht zu sehen. Man kann Untertitel zu- oder abschalten, die Lautstärke ändern und sich über das Entwicklerteam informieren. Das war’s dann auch schon.

Zu erwähnen ist schließlich noch das Album, das einerseits diverse Bilder speichert, andererseits auch anzeigt, welche Aufgaben noch offen sind, welche Coraline bereits abgeschlossen hat und wie viele Knöpfe sie bereits gesammelt hat. Man könnte auch sagen, das Album ersetzt in gewisser Weise ein Notizbuch, allerdings kann man auf manche Funktionen wie die Bilder nur dann zugreifen, wenn man wieder eine bestimmte Anzahl Knöpfe opfert. Ein Inventar gibt es übrigens nicht. Wird ein Gegenstand aufgenommen, muss Coraline ihn entweder sofort verwenden oder später holen, wenn sie ihn braucht.

 

Grafik und Sound

Der Eröffnungsfilm ist wunderschön gestaltet und wäre auch auf der Leinwand gut aufgehoben. Die In-Game-Grafik kann da nicht ganz mithalten; gerade der Einstieg ins Spiel war durchaus ernüchternd, denn Coralines neues Zuhause erstrahlt in Grau, Grau und nochmals Grau. Kein Wunder, dass die Kleine sich da langweilt… Bunter geht’s da schon bei den Nachbarn sowie natürlich in der anderen Welt zu, wo glitzernde Origami-Vögel durch die Luft schwirren, ein Feuer im Kamin knistert und sämtliche Räume viel mehr Farbe haben als in Coralines realer Welt. Allerdings gibt es in dieser Welt auch bösartige Wesen wie große Ratten mit roten Augen oder drachenartige Pflanzen, die Coraline ans Leder wollen. Das alles wurde sehr phantasievoll umgesetzt, und auch wenn die comichafte 3D-Grafik nicht unbedingt state of the art ist, ist sie doch sehr hübsch anzusehen. Auch auf Mimik wurde geachtet – Coraline kann skeptisch die Augenbraue hochziehen oder auch mal verängstigt bzw. nachdenklich dreinschauen, während ihre Mutter meist einen etwas gestressten und leicht missbilligenden Eindruck macht.

Soundtechnisch kann man dem Spiel nichts vorwerfen. Die Musik ist abwechslungsreich gestaltet, reicht von überkandidelt-fröhlich über leicht melancholisch bis hin zu düster-bedrohlich, wobei sie sich nicht immer der aktuellen Szenerie anpasst. So kann bei Coralines Streifzügen durch das Haus schon mal eine etwas bedrohlichere Musik erklingen, auch wenn in Wahrheit gar keine Gefahr besteht. Die Sprachausgabe ist sehr gut gelungen, die Sprecher machen ihre Sache wirklich gut und wissen zu überzeugen. Auch auf einige passende Hintergrundgeräusche wurde geachtet – die oben erwähnten Ratten fiepen bösartig vor sich hin, die Drachenpflanzen fauchen, Coralines Schritte sind zu hören, das Geräusch geschobener Kisten und dergleichen mehr.

 

Rätsel, Aufgaben und Minispiele

Die Aufgaben in „Coraline" sind größtenteils sehr einfach zu lösen und werden durch das Spiel explizit vorgegeben – so wird Coraline von ihrem Vater ausgeschickt, um sieben blaue Gegenstände im Haus zu sammeln, sie muss für ihre andere Mutter die Zutaten für Pfannkuchen suchen, die Nachbarn besuchen, Äpfel pflücken und so weiter. Immer wird einem gesagt, was als Nächstes zu tun ist; Sackgassen sind somit ausgeschlossen, und auch der Frust hält sich doch sehr in Grenzen, wenn man nicht zum x-ten Mal einen Ort abgrasen muss auf der Suche nach etwas, das man vielleicht übersehen haben könnte. Gespräche laufen automatisch ab, sobald man sich zur Interaktion entschließt; Einfluss kann man auf die Gespräche dabei nicht nehmen, es gibt kein Dialogsystem.

Ein Inventar gibt es wie gesagt nicht; Gegenstände, die Coraline aktuell benötigt, kann sie zwar aufnehmen, aber immer nur einen auf einmal. Wird ein Gegenstand also vorerst nicht gebraucht, sollte man ihn einfach an seinem Platz lassen und später wiederkommen. Auch das fehlende Inventar senkt den Frustfaktor natürlich um einiges, da langes Herumprobieren mit verschiedenen Gegenständen erspart bleibt. Obendrein werden Dinge, mit denen man interagieren kann, durch leuchtende Rufezeichen angezeigt – je nach Farbe des Rufezeichens handelt es sich dabei um benötigte Gegenstände (rot/orange) oder Gegenstände, die ein Minispiel auslösen (blau). Zusätzlich kann man mit Druck auf die Taste Z am Nunchuck die aktuelle Aufgabe am oberen Bildschirmrand einblenden lassen, und bei manchen Aufgaben bekommt man außerdem Instruktionen von NPCs, z.B. wie ein Minispiel zu bewältigen ist oder worauf man beim Durchqueren eines gefährlichen Parks achten muss. Man wird also permanent an der Hand genommen, was den Schwierigkeitsgrad natürlich entsprechend beeinflusst.

Aber ist „Coraline" deswegen ein kinderleichtes, frustfreies Spiel? Nein. Denn manche Minispiele müssen innerhalb eines bestimmten Zeitlimits geschafft werden, was in den meisten Fällen problemlos gelingt – gut, man wird vielleicht zwei, drei Versuche brauchen, aber in der Regel hält sich der Stress in Grenzen. Da wird das Gedächtnis im Mäuse-Memory getestet, Coraline muss Äpfel vom Baum schießen, bevor sie sich lila verfärben oder Pfannkuchen mit dem Teller auffangen. Nicht alle Minispiele laufen auf Zeit; manche sind übers Haus verteilt und mit einem blauen Rufezeichen gekennzeichnet – diese Minispiele kann man beliebig oft wiederholen und so wertvolle Knöpfe sammeln. Da müssen z.B. Bücher alphabetisch sortiert werden, ein Puzzle will richtig zusammengesetzt werden, ein Bild muss erraten werden, und aus einem Blatt Papier soll man einen Papierflieger basteln. Diese Aufgabe war etwas nervtötend, da weder Wiimote noch Nunchuck richtig reagiert haben und es eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis der Flieger endlich fertig war. Zur Belohnung gibt’s aber auch hier ein paar Knöpfe, die man z.B. gegen einen Passierschein (bei manchen Minispielen) oder gegen coole neue Klamotten (im Shop) tauschen kann.

Weitere Aufgaben beinhalten das Herumschieben bzw. –tragen von Kisten, und diese Aufgabe kommt so oft vor, dass ich mich unweigerlich an „Baphomets Fluch 3" erinnert fühlte – nur dass die Kistenrätsel in „Coraline" um einiges schneller gelöst werden können. Etwas einfallslos fand ich sie trotzdem, zumal sie fast in jedem Kapitel auftauchen, meist, um für Coraline eine Art Treppe zu bauen. Irgendwann hatte ich das dumpfe Gefühl, dass diese Aufgaben nur einem Zweck dienten, nämlich, Zeit zu schinden.

Eine der schwierigsten Aufgaben im ganzen Spiel besteht darin, Coraline über dünne Rohre balancieren zu lassen, um ans andere Ende einer Scheune zu gelangen. Was beim ersten Mal schon furchtbar mühsam war, weil Coraline dank des sensibel reagierenden Nunchuck permanent abstürzt – sie bleibt dann am Rohr hängen und hangelt sich wieder hoch -, geriet beim zweiten Mal zur Plage. Denn beim zweiten Mal läuft das Ganze auf Zeit, und viel hat man davon nicht – maximal eine Minute, und das ist bei weitem nicht ausreichend, wenn der Controllstick des Nunchuck schon auf den leisesten Druck reagiert und Coraline in die Tiefe purzeln lässt. Klarerweise kann diese Aufgabe auch nicht mittels Passierschein übersprungen werden, und auch hier hatte ich das Gefühl, dass sie nur eingebaut wurde, um mehr Spielzeit herauszuschinden. Denn zu dem Zeitpunkt, als diese Aufgabe ein zweites Mal akut wurde, hatte ich bereits mehr als die Hälfte des Spiels um – nach nicht einmal vier Stunden.

Derartige Aufgaben häufen sich. So muss Coraline nach jedem Besuch bei ihren anderen Eltern durch eine albtraumhafte Welt entfliehen, in der die oben erwähnten Ratten und Drachenpflanzen auf sie lauern. Das ist nicht besonders schwierig, denn die Biester sind etwas, nun sagen wir mal, lichtempfindlich. Aber es ist langweilig, wenn man die Flucht immer und immer wiederholen muss, auch wenn sich das Setting ändert. Wirklich einfallsreich ist das jedenfalls nicht, und spätestens beim dritten Mal hat es mich fürchterlich genervt. Noch mühsamer waren eigentlich nur noch die verschiedenen Balanceakte und Geschicklichkeitsspiele, die Coraline hinter sich bringen musste.

In Summe sind die Aufgaben in Coraline nicht wirklich schwierig, manche wiederholen sich, und durch Minispiele wird zusätzlich Zeit geschunden. Was mir in der ersten Spielhälfte noch Spaß gemacht hat, hat spätestens ab der Mitte begonnen zu nerven, weil die Einfallslosigkeit der Entwickler geradezu aus Wii und Fernseher quoll. Schade, denn die Geschichte ist an sich spannend und hätte sicher auch mit interessanteren Aufgaben angereichert werden können als den immer gleichen Geschicklichkeitseinlagen, Minispielen und zeitbasierten Rätseln, die obendrein teilweise mit der Handlung nicht das Geringste zu tun haben und irgendwie aufgepfropft wirken.

Übrigens gibt es auch eine Lebensanzeige, die im unteren rechten Eck eingeblendet wird; Coraline verliert dann Lebensenergie, wenn sie z.B. von den bösartigen Ratten angegriffen wird. Sinkt die Lebensenergie auf Null, dürfen wir einen Game Over-Screen bewundern. Danach geht’s einfach ab dem letzten Savepoint weiter.

 

Fazit

„Coraline" ist ein nettes Spiel für zwischendurch - nicht wirklich gut, aber auch nicht richtig schlecht. Was am meisten stört, ist die Einfallslosigkeit im Hinblick auf die Story und das damit verbundene Rätseldesign. Die Story hält sich zwar weitgehend an die Romanvorlage, weist aber oft auch Logiklücken auf und hätte sicher etwas spannender gestaltet werden können. So hangelt man sich im Grunde von Level zu Level, von Aufgabe zu Aufgabe und von Minispiel zu Minispiel. In den ersten vier Stunden des Spiels hat mir das alles noch großen Spaß gemacht; gegen Ende war ich ziemlich genervt, vor allem von so spannenden Aufgaben wie „Drücke zwei Tasten gleichzeitig, um eine Reaktion auszulösen, und das mehrmals hintereinander, mit wechselnden Tasten" – die kamen nämlich gerade in der zweiten Spielhälfte gehäuft vor, mussten innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters gelöst werden und traten oft so knapp hintereinander auf, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob es so eine Art Vielflieger-Bonus für das Wiederholen der immer gleichen Rätselart gibt und ob die Entwickler von „Coraline" diesen Bonus einstreifen konnten.

Gut getroffen wurde die Stimmung des Buches; vor allem das wahre Gesicht der anderen Mutter ist nichts, was man unbedingt jeden Tag sehen möchte und entspricht ziemlich genau dem Bild, das ich von ihr während des Lesens hatte. Nur schade, dass der düstere Aspekt der anderen Welt nicht noch etwas stärker herausgearbeitet wurde, aber das liegt vermutlich daran, dass sich das Spiel in erster Linie an Kinder und nicht an Erwachsene und erst recht nicht an erfahrene Adventurespieler richtet, die dann doch etwas schwerere Kost gewohnt sind.

Wie gesagt: Für zwischendurch ist „Coraline" ein nettes Spiel, das mich aber nicht restlos überzeugt hat. Dafür war es einerseits zu einfach, andererseits gab es durch sich wiederholende bzw. zeitbasierte Aufgaben und Geschicklichkeitseinlagen auch einen gewissen Frustfaktor, der vor allem in der zweiten Hälfte den Spaßfaktor doch ziemlich pulverisiert hat. Ich würde „Coraline" auch nicht als reinrassiges Adventure beschreiben; es vermischt Aspekte des Adventures mit Elementen des Jump-and-Run, ist dabei aber weder Fisch noch Fleisch. Insgesamt bekommt „Coraline" daher von mir als

 

Gesamtbewertung: 67%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Copyright © jehane für Adventure-Archiv, 31. Januar 2019

 

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Der Startbildschirm
Der Startbildschirm

 

 

 

 


Bevor wir loslegen können, müssen wir ein Spielprofil anlegen
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Das Hauptmenü gibt sich äußerst minimalistisch
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Gestatten: Coraline Jones, auf der Suche nach Abenteuern in ihrem neuen Zuhause
Gestatten
: Coraline Jones, auf der Suche nach Abenteuern in ihrem neuen Zuhause

 

 

 

 

Diese beiden Damen waren einst gefeierte Bühnenstars
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Schrullige Charaktere sind an der Tagesordnung
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Am Ende jedes Levels wird Bilanz gezogen
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Dieses Puzzle muss vervollständigt werden
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Das Falten dieses Blattes Papier gerät zur Geduldsprobe
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Bei Mr. Bobinsky ist immer was los!
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Selten war ein Game Over-Screen so bedrohlich…
Selten war ein Game Over-Screen so bedrohlich…

 

 

 

 

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