Zugegeben, ich hatte so meine Zweifel, als ich Detective
Conan: Die Mirapolis Ermittlung" in Angriff nahm ein Spiel mit einem
kindlichen Detektiv als Hauptfigur, ist das nicht eher was für Kinder? Hauptmanko zu
Beginn des Spiels waren meine mangelnden Vorkenntnisse in Sachen Conan, die zunächst zu
einiger Verwirrung meinerseits geführt haben die gleichnamige äußerst
erfolgreiche Anime-Serie, 1995 erstmals in Japan als Manga erschienen und seit 1995 auch
als TV-Serie on air, scheint zwar auch hier zu Lande sehr bekannt zu sein, ist an mir als
Nicht-Manga/Anime-Fan aber absolut spurlos vorübergegangen. Dabei ist Detective
Conan" preisgekrönt allein vom Manga wurden bis Mitte 2007 in Japan
sagenhafte 120 Millionen Bände abgesetzt, und die Serie wurde 2001 mit dem
Shogakukan-Manga-Preis in der Kategorie Shonen (Mangas/Animes speziell für Jungs)
ausgezeichnet.
Trotz meines äußerst mangelhaften Vorwissens habe ich es mir nicht
nehmen lassen, das Spiel fürs Adventure-Archiv ausgiebig zu testen man nimmt ja
heutzutage in Sachen Adventures (fast) alles, was man kriegen kann, oder?
Hintergrund wer ist eigentlich Conan Edogawa?
Ich musste mich zunächst schlau machen, was es mit Detective Conan
auf sich hat dank Wikipedia ein Klacks. Hier ein kurzer Abriss: Shinichi Kudo, 17
Jahre alt, ist der angehende Meisterdetektiv Japans und wird, als er in einem brisanten
Fall ermittelt, von den Verbrechern überlistet sie flößen ihm eine Droge ein,
die ihn auf die Größe eines Volksschülers schrumpfen lässt. Somit ist der
Meisterdetektiv, dessen größtes Vorbild übrigens der legendäre Sherlock Holmes ist,
fortan im Körper eines Kindes gefangen, hat aber noch alle seine sieben detektivischen
Sinne beinander. Shinichi legt sich den Namen Conan Edogawa zu eine Mischung aus
dem Namen von Arthur Conan Doyle und dem Namen des japanischen Krimiautors Edogawa Rampo
und taucht in der Agentur des relativ erfolglosen Detektivs Kogoro Mori unter.
Dessen Tochter Ran ist Shinichis Sandkastenfreundin, die aber nichts von der wahren
Identität des kleinen Buben weiß was die Dinge natürlich nicht unbedingt
unkomplizierter macht, da Conan sich keinesfalls verraten darf und obendrein in Ran
verliebt ist. Lediglich der jugendliche Detektiv Heiji Hattori, gleichzeitig Freund und
Rivale Shinichis, weiß um seine wahre Identität. Fortan unterstützt Conan Kogoro bei
seinen Ermittlungen, allerdings ohne dass dieser etwas davon mitbekommt. Außerdem muss
Shinichi wieder die Volksschule besuchen, wo er gemeinsam mit seinen Mitschülern Ayumi,
Genta und Mitsuhiko die Detective Boys" ins Leben ruft.
Technisches/Aufmachung
So einfach sollte das bei PC-Spielen auch funktionieren: Die Disc
wird einfach in die Wii-Konsole geschoben, und schon kann es losgehen! Langwierige
Installation und technische Probleme entfallen komplett, was das Spielen sehr angenehm
gemacht hat. Die Aufmachung ist wie bei allen Wii-Spielen unspektakulär: In einer DVD-Box
befindet sich die Spieledisc, dazu gibts ein recht umfangreiches Handbuch, in dem
die Grundlagen des Spiels erläutert werden, nicht aber ausreichende Hintergrundinfos, die
man als Nicht-Kenner der Serie durchaus gebrauchen könnte. Das Handbuch ist in
schmucklosem Schwarz-Weiß gehalten, was so gar nicht zum Comic-Flair des Spiels passt,
aber gut, das ist man ja inzwischen gewohnt. Ein Pluspunkt sind die sehr kurzen Ladezeiten
zwischen einzelnen Spielabschnitten es dauert lediglich ein paar Sekunden, bis der
nächste Handlungsort geladen wird.
Handlung
Das Spiel beginnt mit einer längeren Eröffnungssequenz, in der
einige finstere Gestalten ein Verbrechen planen; ihre Gesichter bleiben dabei im Schatten
verborgen. Es folgt ein Zeitsprung von zwölf Jahren und wir befinden uns mit Conan und
seinen Gefährten im Mirapolis, einer Mischung aus Hotel und Freizeitpark. Der Komplex
wurde von Tadaki Kai auf einer Insel errichtet und steht kurz vor der Eröffnung; nur
geladene Gäste oder solche, die das Glück hatten, in einer Tombola eine Einladung zu
gewinnen, sind dabei zugelassen. Im Mirapolis das bis 1991 tatsächlich existierte,
allerdings im französischen Cergy-Pontoise gibt es so ziemlich alles, was das Herz
begehrt, und wer sich in den zahllosen angebotenen Spielen und Attraktionen den Highscore
sichern kann, bekommt auf Lebenszeit Zutritt zum Mirapolis. Nur gestaltet sich der
Aufenthalt im Mirapolis nicht annähernd so entspannend wie gedacht, denn bald geschehen
mysteriöse Morde, die Conan aufklären muss. Die Handlung folgt dabei dem klassischen
Whodunnit", wobei gerade das erste Kapitel äußerst mühsam zu absolvieren ist
und den Spieler erst einmal in die Grundlagen des Spiels bzw. der Steuerung einführt. Es
gilt, Indizien zu sammeln und diese logisch zu verknüpfen, um dem Mörder auf die Spur zu
kommen.
Vier Kapitel lang ist man dem Killer auf den Fersen; das Ganze
gipfelt in einer recht unspektakulären Endsequenz, deren Ausgang man auch als ungeübter
Adventure-Spieler spätestens ab Kapitel 3 erahnen kann. Dennoch muss man sich natürlich
brav durch alle Indizien arbeiten und akribisch Beweise sammeln. Wirkliche Spannung kam
bei mir eigentlich zu keinem Zeitpunkt auf, und die permanente Rekapitulation bereits
gelöster Zusammenhänge trägt eher dazu bei, dass sich das Spiel dahinschleppt und man
sich als Spieler langweilt, nach dem Motto Weiß ich doch eh schon". Auch
ärgerlich: Man untersucht einen Tatort und weiß als Spieler, dass ein bestimmter
Gegenstand absolut essenziell ist, aber Conan selbst braucht dafür unfassbar lange und
macht die passende Feststellung erst, wenn man besagten Gegenstand mehrmals angeklickt
hat. Meistens ist es auch notwendig, durch eine bestimmte Aktion oder einfach nur durch
das Aufsuchen eines bestimmten Teils des Mirapolis eine Zwischensequenz auszulösen, um
weiter zu kommen da das Mirapolis aber riesig ist, kann man schon mal was
übersehen, was dann damit endet, dass man frustriert durch die Gegend irrt. Das alles
trübt den Spielspaß gewaltig, und man fragt sich schon, was sich die Entwickler dabei
gedacht haben; die Logik lässt bisweilen gewaltig zu wünschen übrig.
Die Charaktere kommen über platte Klischees selten hinaus da
gibt es den (natürlich) verdächtigen finsteren Gesellen mit einer auffälligen Narbe im
Gesicht, die geheimnisvolle Unbekannte, zwei Artistinnen, die in ein Liebesdreieck mit
einem Magier verstrickt sind, den etwas zwielichtigen Besitzer des Mirapolis, seine treu
ergebene ehrgeizige Sekretärin, ein ambitioniertes, aber naives Dienstmädchen, das sich
als Hobbydetektivin betätigt und so weiter. Und: Selbst wenn die Figuren unter Stress
stehen bzw. ankündigen, dass sie ganz furchtbar dringend etwas erledigen müssen und
keine Zeit zum Plaudern haben, bleiben sie brav wie festgenagelt an ihrem aktuellen
Standort stehen, bis man durch weitere Dialoge oder eine Untersuchung ein Ereignis
auslöst, dass die Figur an einen anderen Ort versetzt ein höchst unrealistisches,
unlogisches Verhalten. Kurz: Wir haben es hier mit einem strikt linearen Krimi zu tun, der
brav nach Schema F gestrickt wurde und so gar keine Überraschungen zu bieten hat.
Steuerung
Die Steuerung mit Hilfe der Wiimote gestaltet sich überraschend
angenehm. Conan wird per Fadenkreuz bewegt, wobei er ab einem bestimmten Zeitpunkt auch
auf ein motorisiertes Skateboard zurückgreifen kann ein Gegenstand, der die
Fortbewegung immens erleichtert bzw. beschleunigt, denn die Laufwege sind mitunter sehr
lang und mühsam. Um Conan zu bewegen, kann man entweder das Fadenkreuz der Wiimote oder
den Steuerknüppel des an die Wiimote angeschlossenen Nunchuk benutzen ich habe auf
letzteres verzichtet, weil die Steuerung via Wiimote hervorragend geklappt hat und
sämtliche anderen Funktionen ohnehin darüber zu bedienen waren. Mitunter war die
Kameraführung beim Erkunden des riesigen Komplexes nicht unbedingt hilfreich, und es kann
auch passieren, dass ein NPC genau vor Conan steht und man nicht an ihm vorbeikommt bzw.
durch einen raschen Kamerawechsel kurzfristig die Orientierung verliert. Im Großen und
Ganzen fand ich die Steuerung aber sehr komfortabel und nach einer kurzen Gewöhnungsphase
leicht zu handhaben.
Will man mit jemandem reden, etwas untersuchen oder eine Tür
öffnen, muss man sich vor der Person, dem Gegenstand oder der Tür positionieren und die
A-Taste auf der Wiimote drücken. Mit der Taste 1 kann man das Hauptmenü aufrufen, wo man
unter anderem Zugriff auf eine Karte des Mirapolis-Komplexes hat sowie auf Conans
Notizbuch, eine grafische Darstellung der Beziehungen und die Indizienkette bzw. das
Speicher-Menü und die Optionen alles wird mit der Wiimote markiert und mit A
ausgewählt. Ein kurzer Druck auf B bringt einen wieder zurück.
Ein Inventar gibt es nicht. Unten rechts befinden sich Conans
Detektivwerkzeuge, als da wären: das Skateboard und eine Anstecknadel, mit deren Hilfe
Conan jederzeit Kontakt zu den anderen Detective Boys aufnehmen kann. Mit der Plus- und
der Minustaste kann man zwischen beiden Gegenständen wechseln bzw. sie aktivieren. Wählt
man die Anstecknadel, erscheint ein Menü der verfügbaren Gesprächspartner, die per
Fadenkreuz und Druck auf die A-Taste ausgewählt werden.
Hinweise zur Lösung des Falls werden fast ausschließlich in Form von Zeugenaussagen
gesammelt, die anschließend im Notizbuch eingesehen und in der Indizienkette verbunden
werden können auch hier ist die A-Taste die erste Wahl. Man schleppt also keinen
unübersichtlichen Berg an Gegenständen mit sich herum, was ich zur Abwechslung auch ganz
angenehm fand. Gleichzeitig reduziert dieses Manko aber natürlich auch die
Handlungsmöglichkeiten innerhalb des Spiels und drückt den Schwierigkeitsgrad gewaltig
nach unten.
Ein Tatort kann nur dann untersucht werden, wenn das Spiel es
zulässt dann wechselt der Bildschirm in eine Nahaufnahme des Tatorts, der mithilfe
einer Lupe untersucht wird. Diese wird über die Wiimote gesteuert und leuchtet rot auf,
wenn es etwas zu entdecken gibt ein kurzer Druck auf A genügt, um das jeweilige
Indiz zu finden, wobei man mitunter auch zwei- oder dreimal hinsehen muss. Hat man alle
Indizien an einem Tatort entdeckt, wechselt die Ansicht automatisch zum normalen
Spielbildschirm oder zu einer Zwischensequenz.
Ein weiteres nützliches Tool ist der Menüpunkt
Beziehungen". Hier wird grafisch dargestellt, wie die einzelnen Verdächtigen
zueinander in Beziehung stehen. Mit Hilfe der Lupe kann man ein Bild auswählen und dann
mit der Plus- bzw. der Minus-Taste in den verfügbaren Informationen blättern. Diese
können sich je nach Spielfortschritt ändern; es lohnt sich also, öfter mal einen Blick
auf die Beziehungen zu werfen. Stehen neue Informationen zur Verfügung, wird dies im
Hauptmenü mit einem roten Rufezeichen über dem Menüpunkt Beziehungen"
angezeigt ebenso ist das übrigens auch beim Notizbuch der Fall, wenn neue Aussagen
hinzugekommen sind.
Gespeichert wird, indem man mit der Taste 1 das Hauptmenü aufruft,
die Wiimote über den Punkt Speichern" bewegt und A drückt; anschließend kann
man zwischen acht Speicherständen wählen mehr sind auch nicht nötig -, die
verschiedene Informationen bereit halten: In welchem Kapitel befindet man sich, wie viele
Punkte hat man gesammelt, wie viele Indizien zusammengetragen, wie lange hat man bereits
gespielt und was ist der aktuelle Standort.
Grafik, Sound
Die Grafik ist, wie bei so vielen Wii-Spielen, mehr als bescheiden.
Die 3D-Figuren wirken eckig und werfen allesamt runde Schatten. Dabei wurde die Grafik im
typischen Anime-Stil gehalten, sprich, große Kulleraugen dominieren die einzelnen
Figuren, die in ihrer 3D-Ausführung über keinerlei Mimik verfügen. Bei Dialogen werden
die sprechenden Personen im Vordergrund als 2D-Zeichnungen eingeblendet, was ich
persönlich weitaus gelungener fand als die 3D-Grafik. Dabei drücken die 2D-Avatare
zumindest ansatzweise den aktuellen Gefühlszustand der jeweiligen Person aus die
Standbilder wechseln einfach von fröhlich zu betroffen oder dergleichen.
Die 3D-Grafik hat trotz ihrer offensichtlichen Mängel den Vorteil,
dass man sich innerhalb des Mirapolis mehr oder weniger frei bewegen und per Druck auf B
auch die Perspektive wechseln kann. Die Animationen von Springbrunnen und Figuren lassen
allerdings sehr zu wünschen übrig, lediglich Conans Bewegungen, wenn er mit dem
Skateboard gegen ein Hindernis prallt, wurden einigermaßen realistisch umgesetzt; alles
andere wirkt eckig, unausgegoren und vorgestrig kein Wunder, ist die Wii doch
technisch längst nicht auf dem Level, das andere Konsolen bereits erreicht haben.
Grafik-Fetischisten werden mit Detective Conan" also nicht unbedingt ihre helle
Freude haben, eher im Gegenteil. Immerhin wurde eine sehr umfangreiche Umgebung
geschaffen, in der es einiges zu erkunden gibt; dennoch wirken die Räume allesamt steril
und unbelebt, die Hotelzimmer gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Hie und da tummeln
sich diverse namenlose NPCs, die sich aber nicht von der Stelle bewegen und lediglich
reglos in der Gegend herum stehen oder sitzen nur wenige wagen ein paar zaghafte
Schritte vor und zurück, aber das wars dann auch schon. Eine Ausnahme bilden die
Verdächtigen, das relevante Personal des Mirapolis und natürlich Conans Begleiter; diese
wechseln immer wieder den Standort, bewegen sich dort aber auch nicht vom Fleck, sondern
stehen wie Statuen an ihrem Platz.
Um sich zu orientieren bzw. um zu sehen, wer sich gerade wo
aufhält, wechselt man am besten über die Taste 1 ins Hauptmenü und wählt hier die
2D-Karte an. Mit Hilfe des Fadenkreuzes kann man zwischen den einzelnen Komplexen des
Mirapolis hin- und herwechseln bzw. auf einen Blick sehen, wer sich in welchem Komplex und
auf welchem Stockwerk aufhält. Ebenfalls mit der Taste 1 kann man bequem von einem
Komplex zum anderen wechseln, was einem unter Umständen längere Laufwerke erspart.
Der Spielbildschirm ist wie folgt aufgeteilt: Oben rechts befindet
sich eine Minikarte vom aktuellen Standort, der sämtliche verfügbaren Ausgänge und
Hindernisse anzeigt das ist gerade im Eislabyrinth äußerst hilfreich, erleichtert
einem aber auch sonst die Orientierung. Unten links wird nach Druck auf die A-Taste der
Spielfortschritt in Form eines sich füllenden Balkens eingeblendet; darüber befinden
sich Karteireiter mit dem schattenhaften Kopf Conans, welche die Anzahl der noch
verfügbaren Hinweise angeben bis zu fünf Hinweise stehen zur Verfügung, weitere
müssen im Shop gekauft werden. Unten rechts schließlich sind die Detektivwerkzeuge
das motorisierte Skateboard und die Anstecknadel eingeblendet.
Was den Sound angeht, so hat Detective Conan" die
zweifelhafte Ehre, das erste Spiel zu sein, in dem ich die Hintergrundmusik nach 20
Minuten abgedreht habe schlicht und ergreifend deswegen, weil sie unfassbar
nervtötend ist. Es handelt sich dabei zwar offensichtlich um die Original-Musik aus der
Serie, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieses jahrmarktsartige Gedudel einem
Nicht-Fan mit der Zeit gehörig auf die Nerven gehen kann. Die Stimmen wurden dagegen sehr
gut umgesetzt, auch wenn sich die Sprachausgabe auf die Zwischensequenzen beschränkt.
Dabei wurde das Spiel in Englisch synchronisiert, was allerdings insofern kein Problem
darstellt, als das gesprochene Englisch exzellent verständlich ist und zusätzlich
deutsche Untertitel zur Verfügung stehen, die vor allem in jenen Dialogen hilfreich sind,
die über keine Sprachausgabe verfügen. Warum man lediglich die Zwischensequenzen mit
einer Sprachausgabe versehen hat, ist mir rätselhaft; das Spiel bleibt dadurch weitgehend
fleischlos und unatmosphärisch, auch wenn sich die Sprecher bemühen, die Emotionen der
jeweiligen Personen zu transportieren. Wer möchte, kann übrigens in den Optionen die
originale japanische Sprachausgabe zuschalten mit deutschen Untertiteln natürlich.
Das ist insofern von Vorteil, als die Namen dann auch japanisch bleiben in der
englischen Lokalisation wurden sie anglifiziert. So wird aus Heiji kurzerhand Harley, Ran
mutiert zu Rachel, aus Tadaki Kai, dem Besitzer des Mirapolis, wird Jack Chase und so
weiter auch das ein Faktor, der die Atmosphäre des Spiels empfindlich stört, denn
immerhin befindet sich das Mirapolis in Japan, und sämtliche handelnden Figuren sind
japanischen Ursprungs. Warum die Namen hier geändert wurden, ist mir ebenfalls
unbegreiflich.
Conan selbst wurden zwei verschiedene Stimmen verpasst die
eines Kindes und die eines Erwachsenen, was mich zu Beginn gehörig irritiert hat. Dieser
scheinbare Widerspruch erklärt sich aber aus der Vorgeschichte, die ich weiter oben
skizziert habe. Spricht Conan mit seinen Freunden, kommt die kindliche Stimme zum Einsatz;
seine Gedanken zum Fall werden aus dem Off mit der Stimme des erwachsenen Shinichi
wiedergegeben. Die weiblichen Figuren haben piepsige Stimmen, die anfangs etwas nerven;
mit der Zeit gewöhnt man sich aber halbwegs daran. Mit A kann man übrigens Dialoge
wegklicken bzw. beenden. Zwischensequenzen kann man mit gleichzeitigem Druck auf A und B
überspringen.
Gespart wurde bei den Hintergrundgeräuschen: Man hört lediglich
das Zischen des Skateboards, wenn Conan auf diesem durch die Räume düst, und die
Geräusche von Schritten, die allerdings mehr an ein Klopfen erinnern sowie ein kurzes
bump"-Geräusch, wenn Conan mit seinem Skateboard gegen ein Hindernis donnert.
Weder im Garten noch in den einzelnen Hotelräumen gibt es irgendeine Form von
Geräuschen, die für so etwas wie Atmosphäre sorgen würden lediglich bei den
Minispielen wurden Geräusche eingebaut, z.B. das Schaben des Besens auf dem Eis beim
Curling. Durch die extrem reduzierte Geräuschkulisse wirkt das Spiel furchtbar blutleer
und unatmosphärisch. Allerdings könnte dies auch eine Eigenart japanischer Produktionen
sein aus meiner Erfahrung mit japanischen Horrorfilmen weiß ich, dass
Hintergrundgeräusche hier nur sehr sparsam eingesetzt werden, was allerdings in den
Filmen durchaus für Atmosphäre und Spannung sorgt. Im Fall von Detective
Conan" wurde dieses Ziel hingegen meilenweit verfehlt.
Dialoge
Sämtliche Gespräche laufen automatisch ab; ein Dialogsystem, in
dem man verschiedene Fragen und Antworten bzw. Themen auswählen kann, gibt es nicht. Um
mit einer Person zu sprechen, muss man sich wie oben erwähnt genau vor ihr positionieren
und A drücken, damit der Dialog startet. Dabei passiert es mehr als einmal, dass die
verschiedenen Charaktere lediglich einen Standardsatz zum Besten geben bzw. nichts Neues
mehr erzählen, sofern man noch etwas Wichtiges übersehen bzw. nicht erledigt hat.
Dialoge, die man bereits geführt hat, verschwinden also nicht, sondern können beliebig
oft abgespielt werden; mit der A-Taste kann man sie jedoch weiterklicken. Das gilt auch
für die spärlichen Kommentare von Conan selbst, wenn man z.B. einen Bereich nicht
betreten kann. Mit pseudo-lustigen Aussagen wie Das kann ich nicht benutzen, ich
habe mein Taschenmesser vergessen" wird man Gott sei Dank verschont. Hin und wieder
kommt ein kurzer Hinweis von Conan, was man als nächstes tun sollte, und auch im Tagebuch
findet man kurze Instruktionen, was zu tun ist.
Aufgaben
Wirklich schwierige Rätsel gibt es in Detective Conan"
nicht man muss lediglich mit den richtigen Personen zur richtigen Zeit sprechen,
die richtigen Indizien logisch kombinieren und fertig. Je schneller man die passenden
Indizien zusammenfügt, umso besser für jede richtige Verbindung gibt es nämlich
Bonuspunkte, die sich wiederum in Bonus-Items oder zusätzliche Hinweise umsetzen lassen
(sofern diese im Shop nicht wieder ausverkauft sind). Macht man auch nur einen Fehler,
wird die Zahl dieser Punkte automatisch auf Null zurückgesetzt. Man sollte sich also gut
überlegen, welche Indizien man miteinander in Verbindung bringt es empfiehlt sich
daher, die Notizen in Conans Tagebuch regelmäßig und genau zu studieren. Kommt man mal
überhaupt nicht weiter, besteht die Möglichkeit, sich einen Hinweis von Conan geben zu
lassen. Das funktioniert aber nur, wenn man bereits genügend relevante Informationen
gesammelt hat. Ich habe lediglich im Zusammenhang mit der ersten Indizienkette, die als
eine Art Tutorial zu verstehen ist, auf diese Möglichkeit zurückgegriffen, einfach, um
zu sehen, wie sie funktioniert. Da die Aufgaben nicht besonders schwierig sind, kommt man
auch gut ohne Conans Hinweise aus. Die einzige Schwierigkeit im ganzen Spiel besteht unter
Umständen in der Größe des Mirapolis, das so weitläufig ist, dass man schnell mal was
übersieht.
Gegen Ende gibt es eine kleine Geschicklichkeits- bzw.
Schnelligkeitseinlage, die unter Umständen etwas Übung erfordert, aber auch keine
wirkliche Hürde darstellt.
Minispiele
Insgesamt gibt es sechs Minispiele, die jedoch optional sind
für den Spielfortschritt ist es unerheblich, ob man die Minispiele besteht oder nicht.
Sie dienen lediglich dazu, Punkte zu sammeln, mit denen man im Shop zusätzliche Hinweise
und Gegenstände kaufen kann.
Zur Lösung des Falls sind diese Goodies aber nicht notwendig
außerdem sind die meisten von ihnen ohnehin ausverkauft, wenn man sie erstehen will. Hat
man eine Indizienkette richtig zusammengefügt, gibts ebenfalls Bonuspunkte, die im
Shop in zusätzlichen Items umgesetzt werden können. Auch am Ende eines Kapitels bzw.
nach erfolgreicher Lösung des Falls werden Bonuspunkte und Items vergeben, aber diese
sind wie gesagt weder essenziell noch immer erhältlich.
An Minispielen gibt es z.B Curling (wollte ich ja schon immer mal
ausprobieren und ich fand es genauso langweilig, wie es im Fernsehen immer
rüberkommt; die Faszination dieses Sports wird mir also weiterhin verborgen bleiben),
Futsol (eine Variante unseres Fußballs), das Eislabyrinth (Conan muss seine Freunde
finden), Gunsuits Aguni (in der Spielhalle des Mirapolis müssen Roboter besiegt werden)
oder Holey Moley Panic Room (Maulwürfe müssen zurückgedrängt werden). Man kann das
Spiel wie gesagt bestreiten, ohne sich auf ein einziges dieser Minispiele einzulassen. Tut
man sich das doch an, dann kommt der interaktive Part der Wii zum Tragen beim
Curling braucht man z.B. etwas Platz, um die Wiimote schwingen zu können, ebenso beim
Futsal. Man sitzt also nicht bloß stur vor dem Fernseher und drückt die einzelnen Tasten
der Wiimote, sondern bekommt sogar ein wenig Bewegung, wenn man sich auf die Minispiele
einlässt.
Fazit
Detective Conan" ist eindeutig nur etwas für Fans der
gleichnamigen Serie oder für Kinder, die eine Vorliebe für detektivische Aufgaben haben.
Erfahrene Adventurespieler sollten sich in Nullkommanichts beim Abspann wieder finden; ich
selbst habe gerade einmal exakt 9 Stunden und 20 Minuten für das Spiel benötigt, und das
auch nur, weil ich mich hin und wieder verlaufen oder etwas übersehen hatte. Persönlich
konnte ich dem Spiel wenig bis nichts abgewinnen; schuld daran war der äußerst mühsame
Einstieg, und der ist nicht ausschließlich auf mangelnde Vorkenntnisse zurückzuführen
die kann man sich dank Wikipedia in wenigen Minuten aneignen und dann trotzdem
einen Zugang finden. Aber wenn sich über eine Stunde lang gar nichts tut, fragt man sich
schon, wo man noch die Motivation hernehmen soll, weiter zu spielen bzw. worum es
überhaupt geht. Das erzeugte bei mir von Anfang an eine äußerst negative
Grundeinstellung zum Spiel, die sich zwar im weiteren Verlauf etwas gelegt hat, dennoch
würde ich dieses Spiel nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Zwischendurch kam zwar
durchaus so was wie Spielspaß auf, und besonders das motorisierte Skateboard hatte es mir
angetan das Teil zu steuern hat sich als durchaus nette Geschicklichkeitsübung
erwiesen, und ich kann jetzt mit dem Steuerkreuz der Wiimote nahezu perfekt umgehen.
Dennoch bleibt ein äußerst schaler Nachgeschmack, der durch die äußerst kurze
Spielzeit und eine Menge vergeigter Chancen noch verstärkt wird. Was hätte man hier
nicht alles machen können! Verschiedene Detektivwerkzeuge aus der Serie, wie ein
Stimmwandler und ein Narkosechronometer" kommen nur rudimentär zum Einsatz,
und auch dann nur in automatisch ablaufenden Zwischensequenzen; die Beziehungen der
einzelnen Figuren hätten für Nicht-Kenner der Serie besser ausgearbeitet werden können,
die Story hätte um einiges mehr Fleisch" vertragen, ein Inventar hätte das
Adventure-Feeling deutlich erhöht
die Kritikpunkte sind wahrlich Legion.
Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier definitiv nicht 45
Euro auszugeben und dann derart wenig geboten zu bekommen geht wohl nur für Fans von
Mangas und Animes im Allgemeinen bzw. Detective Conan im Speziellen in Ordnung. Die
Altersfreigabe PEGI 7 Jahre aufwärts, USK 12 Jahre aufwärts ist hingegen
völlig in Ordnung; überhaupt hatte ich während des Spielens sehr stark den Eindruck,
dass sich dieses Spiel mit seinem niedrigen Schwierigkeitsgrad vor allem an (männliche)
Kinder richtet. Fans von Conan werden möglicherweise trotzdem ihre Freude an dem Spiel
haben, allen anderen vor allem Freunden von gut ausgearbeiteten, vielschichtigen
Adventures würde ich entweder vom Kauf abraten oder zumindest empfehlen, sich
vorher ein paar Folgen der Serie reinzuziehen, damit man wenigstens die nötigen
Hintergrundinformationen hat und nicht gleich in der ersten Spielstunde entnervt das
Handtuch wirft.