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Detective Conan - Die Mirapolis Ermittlung

Für WII


Releasedatum: 29.01.09

Entwickler: Marvelous Entertainment

Publisher: Electronic Arts / Nobilis
 
 

Spielsprache: Englisch oder Japanisch mit deutschen Bildschirmtexten

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Boxshots

 

Ein Review von  Jehane   31. März 2009

 

Zugegeben, ich hatte so meine Zweifel, als ich „Detective Conan: Die Mirapolis Ermittlung" in Angriff nahm – ein Spiel mit einem kindlichen Detektiv als Hauptfigur, ist das nicht eher was für Kinder? Hauptmanko zu Beginn des Spiels waren meine mangelnden Vorkenntnisse in Sachen Conan, die zunächst zu einiger Verwirrung meinerseits geführt haben – die gleichnamige äußerst erfolgreiche Anime-Serie, 1995 erstmals in Japan als Manga erschienen und seit 1995 auch als TV-Serie on air, scheint zwar auch hier zu Lande sehr bekannt zu sein, ist an mir als Nicht-Manga/Anime-Fan aber absolut spurlos vorübergegangen. Dabei ist „Detective Conan" preisgekrönt – allein vom Manga wurden bis Mitte 2007 in Japan sagenhafte 120 Millionen Bände abgesetzt, und die Serie wurde 2001 mit dem Shogakukan-Manga-Preis in der Kategorie Shonen (Mangas/Animes speziell für Jungs) ausgezeichnet.

Trotz meines äußerst mangelhaften Vorwissens habe ich es mir nicht nehmen lassen, das Spiel fürs Adventure-Archiv ausgiebig zu testen – man nimmt ja heutzutage in Sachen Adventures (fast) alles, was man kriegen kann, oder?

 

Hintergrund – wer ist eigentlich Conan Edogawa?

Ich musste mich zunächst schlau machen, was es mit Detective Conan auf sich hat – dank Wikipedia ein Klacks. Hier ein kurzer Abriss: Shinichi Kudo, 17 Jahre alt, ist der angehende Meisterdetektiv Japans und wird, als er in einem brisanten Fall ermittelt, von den Verbrechern überlistet – sie flößen ihm eine Droge ein, die ihn auf die Größe eines Volksschülers schrumpfen lässt. Somit ist der Meisterdetektiv, dessen größtes Vorbild übrigens der legendäre Sherlock Holmes ist, fortan im Körper eines Kindes gefangen, hat aber noch alle seine sieben detektivischen Sinne beinander. Shinichi legt sich den Namen Conan Edogawa zu – eine Mischung aus dem Namen von Arthur Conan Doyle und dem Namen des japanischen Krimiautors Edogawa Rampo – und taucht in der Agentur des relativ erfolglosen Detektivs Kogoro Mori unter. Dessen Tochter Ran ist Shinichis Sandkastenfreundin, die aber nichts von der wahren Identität des kleinen Buben weiß – was die Dinge natürlich nicht unbedingt unkomplizierter macht, da Conan sich keinesfalls verraten darf und obendrein in Ran verliebt ist. Lediglich der jugendliche Detektiv Heiji Hattori, gleichzeitig Freund und Rivale Shinichis, weiß um seine wahre Identität. Fortan unterstützt Conan Kogoro bei seinen Ermittlungen, allerdings ohne dass dieser etwas davon mitbekommt. Außerdem muss Shinichi wieder die Volksschule besuchen, wo er gemeinsam mit seinen Mitschülern Ayumi, Genta und Mitsuhiko die „Detective Boys" ins Leben ruft.

 

Technisches/Aufmachung

So einfach sollte das bei PC-Spielen auch funktionieren: Die Disc wird einfach in die Wii-Konsole geschoben, und schon kann es losgehen! Langwierige Installation und technische Probleme entfallen komplett, was das Spielen sehr angenehm gemacht hat. Die Aufmachung ist wie bei allen Wii-Spielen unspektakulär: In einer DVD-Box befindet sich die Spieledisc, dazu gibt’s ein recht umfangreiches Handbuch, in dem die Grundlagen des Spiels erläutert werden, nicht aber ausreichende Hintergrundinfos, die man als Nicht-Kenner der Serie durchaus gebrauchen könnte. Das Handbuch ist in schmucklosem Schwarz-Weiß gehalten, was so gar nicht zum Comic-Flair des Spiels passt, aber gut, das ist man ja inzwischen gewohnt. Ein Pluspunkt sind die sehr kurzen Ladezeiten zwischen einzelnen Spielabschnitten – es dauert lediglich ein paar Sekunden, bis der nächste Handlungsort geladen wird.

 

Handlung

Das Spiel beginnt mit einer längeren Eröffnungssequenz, in der einige finstere Gestalten ein Verbrechen planen; ihre Gesichter bleiben dabei im Schatten verborgen. Es folgt ein Zeitsprung von zwölf Jahren und wir befinden uns mit Conan und seinen Gefährten im Mirapolis, einer Mischung aus Hotel und Freizeitpark. Der Komplex wurde von Tadaki Kai auf einer Insel errichtet und steht kurz vor der Eröffnung; nur geladene Gäste oder solche, die das Glück hatten, in einer Tombola eine Einladung zu gewinnen, sind dabei zugelassen. Im Mirapolis – das bis 1991 tatsächlich existierte, allerdings im französischen Cergy-Pontoise – gibt es so ziemlich alles, was das Herz begehrt, und wer sich in den zahllosen angebotenen Spielen und Attraktionen den Highscore sichern kann, bekommt auf Lebenszeit Zutritt zum Mirapolis. Nur gestaltet sich der Aufenthalt im Mirapolis nicht annähernd so entspannend wie gedacht, denn bald geschehen mysteriöse Morde, die Conan aufklären muss. Die Handlung folgt dabei dem klassischen „Whodunnit", wobei gerade das erste Kapitel äußerst mühsam zu absolvieren ist und den Spieler erst einmal in die Grundlagen des Spiels bzw. der Steuerung einführt. Es gilt, Indizien zu sammeln und diese logisch zu verknüpfen, um dem Mörder auf die Spur zu kommen.

Vier Kapitel lang ist man dem Killer auf den Fersen; das Ganze gipfelt in einer recht unspektakulären Endsequenz, deren Ausgang man auch als ungeübter Adventure-Spieler spätestens ab Kapitel 3 erahnen kann. Dennoch muss man sich natürlich brav durch alle Indizien arbeiten und akribisch Beweise sammeln. Wirkliche Spannung kam bei mir eigentlich zu keinem Zeitpunkt auf, und die permanente Rekapitulation bereits gelöster Zusammenhänge trägt eher dazu bei, dass sich das Spiel dahinschleppt und man sich als Spieler langweilt, nach dem Motto „Weiß ich doch eh schon". Auch ärgerlich: Man untersucht einen Tatort und weiß als Spieler, dass ein bestimmter Gegenstand absolut essenziell ist, aber Conan selbst braucht dafür unfassbar lange und macht die passende Feststellung erst, wenn man besagten Gegenstand mehrmals angeklickt hat. Meistens ist es auch notwendig, durch eine bestimmte Aktion oder einfach nur durch das Aufsuchen eines bestimmten Teils des Mirapolis eine Zwischensequenz auszulösen, um weiter zu kommen – da das Mirapolis aber riesig ist, kann man schon mal was übersehen, was dann damit endet, dass man frustriert durch die Gegend irrt. Das alles trübt den Spielspaß gewaltig, und man fragt sich schon, was sich die Entwickler dabei gedacht haben; die Logik lässt bisweilen gewaltig zu wünschen übrig.

Die Charaktere kommen über platte Klischees selten hinaus – da gibt es den (natürlich) verdächtigen finsteren Gesellen mit einer auffälligen Narbe im Gesicht, die geheimnisvolle Unbekannte, zwei Artistinnen, die in ein Liebesdreieck mit einem Magier verstrickt sind, den etwas zwielichtigen Besitzer des Mirapolis, seine treu ergebene ehrgeizige Sekretärin, ein ambitioniertes, aber naives Dienstmädchen, das sich als Hobbydetektivin betätigt und so weiter. Und: Selbst wenn die Figuren unter Stress stehen bzw. ankündigen, dass sie ganz furchtbar dringend etwas erledigen müssen und keine Zeit zum Plaudern haben, bleiben sie brav wie festgenagelt an ihrem aktuellen Standort stehen, bis man durch weitere Dialoge oder eine Untersuchung ein Ereignis auslöst, dass die Figur an einen anderen Ort versetzt – ein höchst unrealistisches, unlogisches Verhalten. Kurz: Wir haben es hier mit einem strikt linearen Krimi zu tun, der brav nach Schema F gestrickt wurde und so gar keine Überraschungen zu bieten hat.

 

Steuerung

Die Steuerung mit Hilfe der Wiimote gestaltet sich überraschend angenehm. Conan wird per Fadenkreuz bewegt, wobei er ab einem bestimmten Zeitpunkt auch auf ein motorisiertes Skateboard zurückgreifen kann – ein Gegenstand, der die Fortbewegung immens erleichtert bzw. beschleunigt, denn die Laufwege sind mitunter sehr lang und mühsam. Um Conan zu bewegen, kann man entweder das Fadenkreuz der Wiimote oder den Steuerknüppel des an die Wiimote angeschlossenen Nunchuk benutzen – ich habe auf letzteres verzichtet, weil die Steuerung via Wiimote hervorragend geklappt hat und sämtliche anderen Funktionen ohnehin darüber zu bedienen waren. Mitunter war die Kameraführung beim Erkunden des riesigen Komplexes nicht unbedingt hilfreich, und es kann auch passieren, dass ein NPC genau vor Conan steht und man nicht an ihm vorbeikommt bzw. durch einen raschen Kamerawechsel kurzfristig die Orientierung verliert. Im Großen und Ganzen fand ich die Steuerung aber sehr komfortabel und nach einer kurzen Gewöhnungsphase leicht zu handhaben.

Will man mit jemandem reden, etwas untersuchen oder eine Tür öffnen, muss man sich vor der Person, dem Gegenstand oder der Tür positionieren und die A-Taste auf der Wiimote drücken. Mit der Taste 1 kann man das Hauptmenü aufrufen, wo man unter anderem Zugriff auf eine Karte des Mirapolis-Komplexes hat sowie auf Conans Notizbuch, eine grafische Darstellung der Beziehungen und die Indizienkette bzw. das Speicher-Menü und die Optionen – alles wird mit der Wiimote markiert und mit A ausgewählt. Ein kurzer Druck auf B bringt einen wieder zurück.

Ein Inventar gibt es nicht. Unten rechts befinden sich Conans Detektivwerkzeuge, als da wären: das Skateboard und eine Anstecknadel, mit deren Hilfe Conan jederzeit Kontakt zu den anderen Detective Boys aufnehmen kann. Mit der Plus- und der Minustaste kann man zwischen beiden Gegenständen wechseln bzw. sie aktivieren. Wählt man die Anstecknadel, erscheint ein Menü der verfügbaren Gesprächspartner, die per Fadenkreuz und Druck auf die A-Taste ausgewählt werden.
Hinweise zur Lösung des Falls werden fast ausschließlich in Form von Zeugenaussagen gesammelt, die anschließend im Notizbuch eingesehen und in der Indizienkette verbunden werden können – auch hier ist die A-Taste die erste Wahl. Man schleppt also keinen unübersichtlichen Berg an Gegenständen mit sich herum, was ich zur Abwechslung auch ganz angenehm fand. Gleichzeitig reduziert dieses Manko aber natürlich auch die Handlungsmöglichkeiten innerhalb des Spiels und drückt den Schwierigkeitsgrad gewaltig nach unten.

Ein Tatort kann nur dann untersucht werden, wenn das Spiel es zulässt – dann wechselt der Bildschirm in eine Nahaufnahme des Tatorts, der mithilfe einer Lupe untersucht wird. Diese wird über die Wiimote gesteuert und leuchtet rot auf, wenn es etwas zu entdecken gibt – ein kurzer Druck auf A genügt, um das jeweilige Indiz zu finden, wobei man mitunter auch zwei- oder dreimal hinsehen muss. Hat man alle Indizien an einem Tatort entdeckt, wechselt die Ansicht automatisch zum normalen Spielbildschirm oder zu einer Zwischensequenz.

Ein weiteres nützliches Tool ist der Menüpunkt „Beziehungen". Hier wird grafisch dargestellt, wie die einzelnen Verdächtigen zueinander in Beziehung stehen. Mit Hilfe der Lupe kann man ein Bild auswählen und dann mit der Plus- bzw. der Minus-Taste in den verfügbaren Informationen blättern. Diese können sich je nach Spielfortschritt ändern; es lohnt sich also, öfter mal einen Blick auf die Beziehungen zu werfen. Stehen neue Informationen zur Verfügung, wird dies im Hauptmenü mit einem roten Rufezeichen über dem Menüpunkt „Beziehungen" angezeigt – ebenso ist das übrigens auch beim Notizbuch der Fall, wenn neue Aussagen hinzugekommen sind.

Gespeichert wird, indem man mit der Taste 1 das Hauptmenü aufruft, die Wiimote über den Punkt „Speichern" bewegt und A drückt; anschließend kann man zwischen acht Speicherständen wählen – mehr sind auch nicht nötig -, die verschiedene Informationen bereit halten: In welchem Kapitel befindet man sich, wie viele Punkte hat man gesammelt, wie viele Indizien zusammengetragen, wie lange hat man bereits gespielt und was ist der aktuelle Standort.

 

Grafik, Sound

Die Grafik ist, wie bei so vielen Wii-Spielen, mehr als bescheiden. Die 3D-Figuren wirken eckig und werfen allesamt runde Schatten. Dabei wurde die Grafik im typischen Anime-Stil gehalten, sprich, große Kulleraugen dominieren die einzelnen Figuren, die in ihrer 3D-Ausführung über keinerlei Mimik verfügen. Bei Dialogen werden die sprechenden Personen im Vordergrund als 2D-Zeichnungen eingeblendet, was ich persönlich weitaus gelungener fand als die 3D-Grafik. Dabei drücken die 2D-Avatare zumindest ansatzweise den aktuellen Gefühlszustand der jeweiligen Person aus – die Standbilder wechseln einfach von fröhlich zu betroffen oder dergleichen.

Die 3D-Grafik hat trotz ihrer offensichtlichen Mängel den Vorteil, dass man sich innerhalb des Mirapolis mehr oder weniger frei bewegen und per Druck auf B auch die Perspektive wechseln kann. Die Animationen von Springbrunnen und Figuren lassen allerdings sehr zu wünschen übrig, lediglich Conans Bewegungen, wenn er mit dem Skateboard gegen ein Hindernis prallt, wurden einigermaßen realistisch umgesetzt; alles andere wirkt eckig, unausgegoren und vorgestrig – kein Wunder, ist die Wii doch technisch längst nicht auf dem Level, das andere Konsolen bereits erreicht haben. Grafik-Fetischisten werden mit „Detective Conan" also nicht unbedingt ihre helle Freude haben, eher im Gegenteil. Immerhin wurde eine sehr umfangreiche Umgebung geschaffen, in der es einiges zu erkunden gibt; dennoch wirken die Räume allesamt steril und unbelebt, die Hotelzimmer gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Hie und da tummeln sich diverse namenlose NPCs, die sich aber nicht von der Stelle bewegen und lediglich reglos in der Gegend herum stehen oder sitzen – nur wenige wagen ein paar zaghafte Schritte vor und zurück, aber das war’s dann auch schon. Eine Ausnahme bilden die Verdächtigen, das relevante Personal des Mirapolis und natürlich Conans Begleiter; diese wechseln immer wieder den Standort, bewegen sich dort aber auch nicht vom Fleck, sondern stehen wie Statuen an ihrem Platz.

Um sich zu orientieren bzw. um zu sehen, wer sich gerade wo aufhält, wechselt man am besten über die Taste 1 ins Hauptmenü und wählt hier die 2D-Karte an. Mit Hilfe des Fadenkreuzes kann man zwischen den einzelnen Komplexen des Mirapolis hin- und herwechseln bzw. auf einen Blick sehen, wer sich in welchem Komplex und auf welchem Stockwerk aufhält. Ebenfalls mit der Taste 1 kann man bequem von einem Komplex zum anderen wechseln, was einem unter Umständen längere Laufwerke erspart.

Der Spielbildschirm ist wie folgt aufgeteilt: Oben rechts befindet sich eine Minikarte vom aktuellen Standort, der sämtliche verfügbaren Ausgänge und Hindernisse anzeigt – das ist gerade im Eislabyrinth äußerst hilfreich, erleichtert einem aber auch sonst die Orientierung. Unten links wird nach Druck auf die A-Taste der Spielfortschritt in Form eines sich füllenden Balkens eingeblendet; darüber befinden sich Karteireiter mit dem schattenhaften Kopf Conans, welche die Anzahl der noch verfügbaren Hinweise angeben – bis zu fünf Hinweise stehen zur Verfügung, weitere müssen im Shop gekauft werden. Unten rechts schließlich sind die Detektivwerkzeuge – das motorisierte Skateboard und die Anstecknadel – eingeblendet.

Was den Sound angeht, so hat „Detective Conan" die zweifelhafte Ehre, das erste Spiel zu sein, in dem ich die Hintergrundmusik nach 20 Minuten abgedreht habe – schlicht und ergreifend deswegen, weil sie unfassbar nervtötend ist. Es handelt sich dabei zwar offensichtlich um die Original-Musik aus der Serie, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieses jahrmarktsartige Gedudel einem Nicht-Fan mit der Zeit gehörig auf die Nerven gehen kann. Die Stimmen wurden dagegen sehr gut umgesetzt, auch wenn sich die Sprachausgabe auf die Zwischensequenzen beschränkt. Dabei wurde das Spiel in Englisch synchronisiert, was allerdings insofern kein Problem darstellt, als das gesprochene Englisch exzellent verständlich ist und zusätzlich deutsche Untertitel zur Verfügung stehen, die vor allem in jenen Dialogen hilfreich sind, die über keine Sprachausgabe verfügen. Warum man lediglich die Zwischensequenzen mit einer Sprachausgabe versehen hat, ist mir rätselhaft; das Spiel bleibt dadurch weitgehend fleischlos und unatmosphärisch, auch wenn sich die Sprecher bemühen, die Emotionen der jeweiligen Personen zu transportieren. Wer möchte, kann übrigens in den Optionen die originale japanische Sprachausgabe zuschalten – mit deutschen Untertiteln natürlich. Das ist insofern von Vorteil, als die Namen dann auch japanisch bleiben – in der englischen Lokalisation wurden sie anglifiziert. So wird aus Heiji kurzerhand Harley, Ran mutiert zu Rachel, aus Tadaki Kai, dem Besitzer des Mirapolis, wird Jack Chase und so weiter – auch das ein Faktor, der die Atmosphäre des Spiels empfindlich stört, denn immerhin befindet sich das Mirapolis in Japan, und sämtliche handelnden Figuren sind japanischen Ursprungs. Warum die Namen hier geändert wurden, ist mir ebenfalls unbegreiflich.

Conan selbst wurden zwei verschiedene Stimmen verpasst – die eines Kindes und die eines Erwachsenen, was mich zu Beginn gehörig irritiert hat. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich aber aus der Vorgeschichte, die ich weiter oben skizziert habe. Spricht Conan mit seinen Freunden, kommt die kindliche Stimme zum Einsatz; seine Gedanken zum Fall werden aus dem Off mit der Stimme des erwachsenen Shinichi wiedergegeben. Die weiblichen Figuren haben piepsige Stimmen, die anfangs etwas nerven; mit der Zeit gewöhnt man sich aber halbwegs daran. Mit A kann man übrigens Dialoge wegklicken bzw. beenden. Zwischensequenzen kann man mit gleichzeitigem Druck auf A und B überspringen.

Gespart wurde bei den Hintergrundgeräuschen: Man hört lediglich das Zischen des Skateboards, wenn Conan auf diesem durch die Räume düst, und die Geräusche von Schritten, die allerdings mehr an ein Klopfen erinnern sowie ein kurzes „bump"-Geräusch, wenn Conan mit seinem Skateboard gegen ein Hindernis donnert. Weder im Garten noch in den einzelnen Hotelräumen gibt es irgendeine Form von Geräuschen, die für so etwas wie Atmosphäre sorgen würden – lediglich bei den Minispielen wurden Geräusche eingebaut, z.B. das Schaben des Besens auf dem Eis beim Curling. Durch die extrem reduzierte Geräuschkulisse wirkt das Spiel furchtbar blutleer und unatmosphärisch. Allerdings könnte dies auch eine Eigenart japanischer Produktionen sein – aus meiner Erfahrung mit japanischen Horrorfilmen weiß ich, dass Hintergrundgeräusche hier nur sehr sparsam eingesetzt werden, was allerdings in den Filmen durchaus für Atmosphäre und Spannung sorgt. Im Fall von „Detective Conan" wurde dieses Ziel hingegen meilenweit verfehlt.

 

Dialoge

Sämtliche Gespräche laufen automatisch ab; ein Dialogsystem, in dem man verschiedene Fragen und Antworten bzw. Themen auswählen kann, gibt es nicht. Um mit einer Person zu sprechen, muss man sich wie oben erwähnt genau vor ihr positionieren und A drücken, damit der Dialog startet. Dabei passiert es mehr als einmal, dass die verschiedenen Charaktere lediglich einen Standardsatz zum Besten geben bzw. nichts Neues mehr erzählen, sofern man noch etwas Wichtiges übersehen bzw. nicht erledigt hat. Dialoge, die man bereits geführt hat, verschwinden also nicht, sondern können beliebig oft abgespielt werden; mit der A-Taste kann man sie jedoch weiterklicken. Das gilt auch für die spärlichen Kommentare von Conan selbst, wenn man z.B. einen Bereich nicht betreten kann. Mit pseudo-lustigen Aussagen wie „Das kann ich nicht benutzen, ich habe mein Taschenmesser vergessen" wird man Gott sei Dank verschont. Hin und wieder kommt ein kurzer Hinweis von Conan, was man als nächstes tun sollte, und auch im Tagebuch findet man kurze Instruktionen, was zu tun ist.

 

Aufgaben

Wirklich schwierige Rätsel gibt es in „Detective Conan" nicht – man muss lediglich mit den richtigen Personen zur richtigen Zeit sprechen, die richtigen Indizien logisch kombinieren und fertig. Je schneller man die passenden Indizien zusammenfügt, umso besser – für jede richtige Verbindung gibt es nämlich Bonuspunkte, die sich wiederum in Bonus-Items oder zusätzliche Hinweise umsetzen lassen (sofern diese im Shop nicht wieder ausverkauft sind). Macht man auch nur einen Fehler, wird die Zahl dieser Punkte automatisch auf Null zurückgesetzt. Man sollte sich also gut überlegen, welche Indizien man miteinander in Verbindung bringt – es empfiehlt sich daher, die Notizen in Conans Tagebuch regelmäßig und genau zu studieren. Kommt man mal überhaupt nicht weiter, besteht die Möglichkeit, sich einen Hinweis von Conan geben zu lassen. Das funktioniert aber nur, wenn man bereits genügend relevante Informationen gesammelt hat. Ich habe lediglich im Zusammenhang mit der ersten Indizienkette, die als eine Art Tutorial zu verstehen ist, auf diese Möglichkeit zurückgegriffen, einfach, um zu sehen, wie sie funktioniert. Da die Aufgaben nicht besonders schwierig sind, kommt man auch gut ohne Conans Hinweise aus. Die einzige Schwierigkeit im ganzen Spiel besteht unter Umständen in der Größe des Mirapolis, das so weitläufig ist, dass man schnell mal was übersieht.

Gegen Ende gibt es eine kleine Geschicklichkeits- bzw. Schnelligkeitseinlage, die unter Umständen etwas Übung erfordert, aber auch keine wirkliche Hürde darstellt.

 

Minispiele

Insgesamt gibt es sechs Minispiele, die jedoch optional sind – für den Spielfortschritt ist es unerheblich, ob man die Minispiele besteht oder nicht. Sie dienen lediglich dazu, Punkte zu sammeln, mit denen man im Shop zusätzliche Hinweise und Gegenstände kaufen kann.

Zur Lösung des Falls sind diese Goodies aber nicht notwendig – außerdem sind die meisten von ihnen ohnehin ausverkauft, wenn man sie erstehen will. Hat man eine Indizienkette richtig zusammengefügt, gibt’s ebenfalls Bonuspunkte, die im Shop in zusätzlichen Items umgesetzt werden können. Auch am Ende eines Kapitels bzw. nach erfolgreicher Lösung des Falls werden Bonuspunkte und Items vergeben, aber diese sind wie gesagt weder essenziell noch immer erhältlich.

An Minispielen gibt es z.B Curling (wollte ich ja schon immer mal ausprobieren – und ich fand es genauso langweilig, wie es im Fernsehen immer rüberkommt; die Faszination dieses Sports wird mir also weiterhin verborgen bleiben), Futsol (eine Variante unseres Fußballs), das Eislabyrinth (Conan muss seine Freunde finden), Gunsuits Aguni (in der Spielhalle des Mirapolis müssen Roboter besiegt werden) oder Holey Moley Panic Room (Maulwürfe müssen zurückgedrängt werden). Man kann das Spiel wie gesagt bestreiten, ohne sich auf ein einziges dieser Minispiele einzulassen. Tut man sich das doch an, dann kommt der interaktive Part der Wii zum Tragen – beim Curling braucht man z.B. etwas Platz, um die Wiimote schwingen zu können, ebenso beim Futsal. Man sitzt also nicht bloß stur vor dem Fernseher und drückt die einzelnen Tasten der Wiimote, sondern bekommt sogar ein wenig Bewegung, wenn man sich auf die Minispiele einlässt.

 

Fazit

„Detective Conan" ist eindeutig nur etwas für Fans der gleichnamigen Serie oder für Kinder, die eine Vorliebe für detektivische Aufgaben haben. Erfahrene Adventurespieler sollten sich in Nullkommanichts beim Abspann wieder finden; ich selbst habe gerade einmal exakt 9 Stunden und 20 Minuten für das Spiel benötigt, und das auch nur, weil ich mich hin und wieder verlaufen oder etwas übersehen hatte. Persönlich konnte ich dem Spiel wenig bis nichts abgewinnen; schuld daran war der äußerst mühsame Einstieg, und der ist nicht ausschließlich auf mangelnde Vorkenntnisse zurückzuführen – die kann man sich dank Wikipedia in wenigen Minuten aneignen und dann trotzdem einen Zugang finden. Aber wenn sich über eine Stunde lang gar nichts tut, fragt man sich schon, wo man noch die Motivation hernehmen soll, weiter zu spielen bzw. worum es überhaupt geht. Das erzeugte bei mir von Anfang an eine äußerst negative Grundeinstellung zum Spiel, die sich zwar im weiteren Verlauf etwas gelegt hat, dennoch würde ich dieses Spiel nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Zwischendurch kam zwar durchaus so was wie Spielspaß auf, und besonders das motorisierte Skateboard hatte es mir angetan – das Teil zu steuern hat sich als durchaus nette Geschicklichkeitsübung erwiesen, und ich kann jetzt mit dem Steuerkreuz der Wiimote nahezu perfekt umgehen. Dennoch bleibt ein äußerst schaler Nachgeschmack, der durch die äußerst kurze Spielzeit und eine Menge vergeigter Chancen noch verstärkt wird. Was hätte man hier nicht alles machen können! Verschiedene Detektivwerkzeuge aus der Serie, wie ein Stimmwandler und ein „Narkosechronometer" kommen nur rudimentär zum Einsatz, und auch dann nur in automatisch ablaufenden Zwischensequenzen; die Beziehungen der einzelnen Figuren hätten für Nicht-Kenner der Serie besser ausgearbeitet werden können, die Story hätte um einiges mehr „Fleisch" vertragen, ein Inventar hätte das Adventure-Feeling deutlich erhöht… die Kritikpunkte sind wahrlich Legion.

Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier definitiv nicht – 45 Euro auszugeben und dann derart wenig geboten zu bekommen geht wohl nur für Fans von Mangas und Animes im Allgemeinen bzw. Detective Conan im Speziellen in Ordnung. Die Altersfreigabe – PEGI 7 Jahre aufwärts, USK 12 Jahre aufwärts – ist hingegen völlig in Ordnung; überhaupt hatte ich während des Spielens sehr stark den Eindruck, dass sich dieses Spiel mit seinem niedrigen Schwierigkeitsgrad vor allem an (männliche) Kinder richtet. Fans von Conan werden möglicherweise trotzdem ihre Freude an dem Spiel haben, allen anderen – vor allem Freunden von gut ausgearbeiteten, vielschichtigen Adventures – würde ich entweder vom Kauf abraten oder zumindest empfehlen, sich vorher ein paar Folgen der Serie reinzuziehen, damit man wenigstens die nötigen Hintergrundinformationen hat und nicht gleich in der ersten Spielstunde entnervt das Handtuch wirft.

 

  Meine Gesamtbewertung: 50%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

 

Copyright © jehane für Adventure-Archiv, 31. März 2009

 

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Der Startbildschirm
Der Startbildschirm

 

 

 

 


So sieht der Standard-Spielbildschirm aus
So sieht der Standard-Spielbildschirm aus

 

 

 

 

Conan hat keine Lust auf Videospiele und ermittelt lieber…
Conan hat keine Lust auf Videospiele und ermittelt lieber…

 


 

 

 

Ein Tatort wird unter die Lupe genommen
Ein Tatort wird unter die Lupe genommen

 

 

 

 

 

Conans Tagebuch – hier werden alle wichtigen Hinweise gesammelt…
Conans Tagebuch – hier werden alle wichtigen Hinweise gesammelt…

 

 

 

 

 

… und in der Indizienkette logisch verknüpft.
… und in der Indizienkette logisch verknüpft.

 

 

 

 

 

Wie stehen die Verdächtigen untereinander in Beziehung?
Wie stehen die Verdächtigen untereinander in Beziehung?

 

 

 

 

 

Dialoge laufen automatisch ab und können nicht beeinflusst werden
Dialoge laufen automatisch ab und können nicht beeinflusst werden

 

 

 

 

 

Über die Karte kann man sich von einem Gebäudekomplex zum nächsten bewegen bzw. feststellen, wer sich gerade wo aufhält
Über die Karte kann man sich von einem Gebäudekomplex zum nächsten bewegen bzw. feststellen, wer sich gerade wo aufhält

 

 

 

 

 

Am Ende jedes Levels wird angezeigt, wie gut man sich geschlagen hat
Am Ende jedes Levels wird angezeigt, wie gut man sich geschlagen hat

 

 

 

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