Neues Spiel, neues Glück? Das erhoffe ich mir
zumindest, denn Darkness Within gehört zu der von mir äußerst geschätzten Kategorie
der Ego-Gruseladventures", so möchte ich sie mal nennen, da man sie in
selbiger Perspektive spielt. Seit dem Erfolg von Darkfall hat ja in der letzten Zeit so
manches kleinere" Gruselspiel in dieser Art den Weg an die Öffentlichkeit
gefunden hat. So jetzt also auch Darkness Within von dem kleinen türkischen
Independententwickler Zoetrope, die aber direkt mit einem für Independentverhältnisse
ziemlich aufwändig inszenierten und innovativen Abenteuer überraschen. Und nicht zuletzt
ist Darkness Within verdammt gruselig ...
Handlung
Man kann Darkness Within aber noch einer zweiten Kategorie zuordnen:
den H.P.-Lovecraft-Adventures. Denn von denen gibt es ja angefangen von Shadow of the
Comet bis Necronomicon auch schon eine ganze Reihe. Genauer gesagt ist die Story des
Spiels an die Werke des Schriftstellers angelehnt. So steht es auf dem Cover.
Wir sind jedenfalls Police Detective Howard E. Loreid und leiden
seit einiger Zeit an heftigen bizarren und realitätsnahen Alpträumen. Da passt es doch,
dass der aktuelle Fall des Detectives, der Mord an Clark Field, einer dem Okkulten
nahestehenden Person, ist. Der Hauptverdächtige, ein gewisser Loath Nolder, ist auf der
Flucht. Der wiederum war bislang eigentlich ein unbescholtener und angesehener
Privatdetektiv, welcher allerdings seinen letzten Fall vor fünf Jahren erfolglos
abbrechen musste und von der Bildfläche verschwand. Nun taucht er also wieder auf, nur
dieses Mal als Verdächtiger und Detective Loreid muss ihn finden. Je weiter wir in dem
Fall vordringen, desto mehr müssen wir feststellen, dass er sich nicht so einfach
gestaltet, wie er auf den ersten Blick aussieht. Zudem werden auch Loreids Alpträume und
Visionen immer heftiger, so dass der Detektiv irgendwann einen Punkt zwischen Wahnsinn und
Realität erreicht. Das Spiel fängt harmlos an und der Grusel entwickelt in einigen
Momenten eine atmosphärische Dichte von extremer Intensität. Zumal das Böse nicht nur
wie bei vielen Spielen latent bleibt, sondern in zwei-drei Sequenzen die bedrohliche
Stimmung langsam gesteigert wird, um dann in geschickt aufgebauten Schockeffekten auch ein
Gesicht" zu bekommen. Mehr sei an der Stelle natürlich nicht verraten ...
Sound
Nicht zuletzt Schuld" an einer ordentlichen Gänsehaut
ist die Sounduntermalung, die maßgeblich dazu beiträgt, dass sich die düstere
Atmosphäre entwickeln kann. Das ist zum einen die stimmungsvolle und abwechslungsreiche
Musik. Sie hält sich getreu dem Motto Weniger ist mehr" dezent im Hintergrund
und sorgt so unterschwellig für das richtige Ambiente. Noch viel mehr sind es aber die
gekonnt eingesetzten Geräusche, die einen erschaudern lassen. Noch viel mehr als bei
Barrow Hill knarzt, stöhnt und hustet es ständig in den einsamen und dunklen Gewölben
und Gemäuern, oftmals auch dann, wenn man gerade nichts macht und somit entwickelt sich
eine noch unheimlichere Atmosphäre.
Grafik
Bei Darkness Within betrachtet der Spieler das schaurige Geschehen
wie gesagt aus der Ich-Perspektive. Das Spiel ist um einiges aufwändiger gestaltet als
die vielen Standbild-Gruselabenteuer der anderen Kollegen von der Independentfraktion.
Denn im Gegensatz zu den meisten oben genannten Spielen dieser Art, bei denen die
Hintergründe starr sind, klickt man sich hier zwar auch Abschnitt für Abschnitt weiter,
jedoch kann man sich wie bei professionellen Spielen wie Dracula oder den Abenteuern der
Atlantis-Reihe innerhalb der Abschnitte flüssig um 360° in alle Richtungen drehen.
Ebenfalls unterscheidet sich das Spiel etwas von der üblichen
Machart, da die Hintergründe schon mit ein paar Animationen versehen sind: Motten kreisen
um eine Lampe, das Öffnen einer Schublade wird teilweise real animiert. Man hört also
nicht nur das Geräusch und plötzlich ist sie offen, sondern man sieht es auch. Und die
Grafik ist für einen kleinen neuen Independententwickler nicht nur erstaunlich
professionell, sondern ebenso stimmungsvoll. Stimmung heißt hier natürlich, dass im
richtigen Moment ein wunderbar morbides Gruselambiente erzeugt wird.
Personen tauchen wie so oft in Spielen dieser Art eher seltener auf,
aber wenn, dann sind sie schon sehr gut animiert. Genau wie die Wolken, die sich an einem
Schauplatz am Himmel bewegen oder der Regen in einem anderen Gebiet. Wenn man zwischen den
Szenen wechselt, wird das in kurzen ansprechenden Sequenzen dargestellt.
Handhabung + Rätsel
Neben dem üblichen Untersuchen, Einsacken und Verwenden von
Gegenständen gibt es so manche ungewöhnliche Herangehensweise bei der Rätselgestaltung,
die für frischen Wind sorgt. So wurde das ausgesprochen interaktive Inventar mit seinen
vielen Möglichkeiten sehr mit einbezogen. Z.B. muss man sich bei einem Rätsel einen Raum
genauer auf Fotos anschauen und mit dem realen" Raum vergleichen und immer
wieder in Unterlagen mit einem Stift wichtig erscheinende Wörter unterstreichen, um auf
diese Weise Informationen herauszuarbeiten.
Eine Funktion fällt besonders aus dem Rahmen: Man kann in einem
separaten Feld im Inventar nicht nur Gegenstände, sondern auch die Gedanken des Detektivs
miteinander kombinieren. Hierzu gehe man im Inventar auf das Feld Howards
Gedanken", wähle zwei zu kombinierende Gedanken aus einer Liste und füge beide dann
jeweils mit dem Plus-Icon (oder per Drag & Drop) zu dem rechten Feld. Jetzt kombiniere
man diese wie gesagt nur noch mit dem entsprechenden Button, so dass diese im Idealfall
eine logische Folgerung ergeben.
So weit so gut. Leider ergibt sich durch diese Funktion auch eine
der wenigen Schwächen des Spiels, da man bei einigen Gedankenkombinationen kaum erkennen
kann, welcher Zusammenhang bestehen soll und es manchmal mehr mit Glück zu tun haben
scheint, wenn man die richtige Kombination trifft. Überhaupt muss man viel herleiten und
diese Rätsel sind nicht selten recht heftig, wenn man etwa aus einem Eintrag in einer
Notiz in unserem Büro Rückschlüsse über einen Code zu einem Koffer in einem anderen
Haus ziehen soll. Zwischendurch gibt es immer mal wieder ein Rätsel dieser Art, die
zumindest für mich kaum noch nachvollziehbar sind.
Wie auch immer, im Inventar kann man auch Gegenstände mit der
Lupe-Funktion anwählen, drehen und mit dem Mausrad oder mit den Inventar-Pfeiltasten
näher heranzoomen. Trotz der vielen Features bleibt die Steuerung dabei trotzdem immer
vorbildlich übersichtlich.
Das gilt auch für das Optionsmenü, welches ebenfalls mit vielen
Features versehen wurde: So kann man sich anfangs für einen von drei Schwierigkeitsgraden
entscheiden. Weiter kann man auch während des Spiels noch einmal individuell verschiedene
Schwierigkeitsoptionen ändern bzw. auswählen, etwa, ob man ein Hinweissystem
beanspruchen möchte. In den ersten Szenen bekommt man während des Spielens in einem
Tutorial ganz nebenbei in Untertiteln noch einmal die Benutzung einiger Funktionen
erklärt.
Ein Knopf ermittelt automatisch die optimalen Grafik-Einstellungen
für den jeweiligen Rechner. Man kann diese aber auch manuell einstellen. So kann man die
Gammakorrektur, Vollbildeffekte, eine Funktion namens Rauschen", die eine Art
Flimmern wie bei alten Horrorfilmen simuliert, sowie aus drei verschiedenen Auflösungen
zwischen 1024 x 768 bis 1280 x 1024 den idealen Wert für sich genau justieren. Beim
Gameplay lässt sich fast alles angefangen vom Cursorstil über die Mausgeschwindigkeit
und Dialoggeschwindigkeit bis zum Ein- bzw. Ausschalten des Tutorials alles einstellen.
Und es gibt noch erweiterte Optionen, bei denen sich Werte wie Partikel-, Shader-,
Leuchteffekte und Antialiasing einstellen lassen. Es sind also viele keine Details, mit
denen Darkness Within bedacht wurde, so dass man einfach merkt, wieviel Mühe sich die
Hersteller gegeben haben.
Die weitere Herangehensweise funktioniert wie bei vielen anderen
Adventures: Man bewegt sich mit den Pfeiltasten von Bild zu Bild und kann auch schon mal
näher an eine bestimmte Stelle heranfahren. Verändert sich der Mauscursor bei einem
Gegenstand, kann man ihn aufnehmen oder man erhält Informationen, die dann im Inventar
vermerkt werden.
Zum Optionsmenü kommt man über die Escapetaste und hier findet man
natürlich auch die Speicher- und Ladefunktion, wobei hierfür bis zu 50 individuell
beschriftbare Plätze vorgesehen sind. Wenn es Vielspeicherern" (zu denen ich
mich auch zähle) nicht genügen sollten, kann man sie natürlich auch überschreiben.
Aber eigentlich sollten die Plätze auch so völlig ausreichen.
Verpackung, Installation und Fehler
Darkness Within kommt erstaunlicherweise nicht etwa auf einer DVD
sondern auf 2 CD-ROMs in einem DVD-Case und einem ausführlichen Handbuch. Es ließ sich
problemlos installieren und nach der Installation wird die DVD nicht mehr im Laufwerk
benötigt.
Es gibt für die englische Version bereits einen Patch. Bei mir lief
das Spiel so gut wie fehlerfrei - mit der Ausnahme, dass auf meinem Rechner sämtliche
kurzen Zwischensequenzen bei Ortswechseln nicht abgespielt wurden.
Bemerkenswert sind übrigens die unten auf dem Case abgebildeten
Hinweissymbole der Organisationen PEGI und USK: So sieht man zwei stilisierte Zeichen der
PEGI, eine Spinne und eine Faust, die soviel wie Achtung Horror und
Gewaltdarstellung" bedeuten. Außerdem erklärt ein weiteres Zeichen der gleichen
Organisation, dass das Gruseladventure in deren Augen trotzdem tatsächlich für Spieler
ab sieben empfohlen ist. Horror und Gewalt - und dann ab Sieben empfohlen? Komisch! Von
dem Symbol der USK erfährt man wiederum, dass Darkness Within ab 16 Jahren freigegeben
ist. Hier herrscht eine merkwürdige Diskrepanz zwischen den Angaben von PEGI und der USK,
wobei ich stark geneigt bin, in diesem Fall der USK bei der Altersfreigabe für das
Gruselspiel zuzustimmen, da ich mir gut vorstellen kann, dass so manches kindliche Gemüt
Probleme bekommen dürfte, das morbide und stellenweise extrem unheimliche Spiel zu
verarbeiten.
Fazit
Darkness Within ist schon außergewöhnlich für ein Debüt einer
kleinen Independentfirma. Grafisch hat Zoetrope erstaunlich gute Arbeit geleistet. Was die
Qualität anbelangt, kann es locker mit vielen Spielen professioneller Hersteller
mithalten. Wenn ich es z.B. mit CSI 3 vergleiche, macht dieses Spiel ganz locker das
Rennen. Der Spieler bewegt sich durch eine düstere, größtenteils in Braun- und
Grautönen gehaltene Umgebung, welche in ziemlich ausgereifte, in sich stimmungsvolle
Bilder in 360°-Rundumsicht umgesetzt wurde. Darkness Within unterscheidet sich auch durch
die umfangreiche Bedienung und Optionen von vielen anderen Indie-Adventures. Hier bleiben
wirklich keine Wünsche offen.
Es begeistert ebenfalls durch so manche ungewöhnliche
Herangehensweise und Einfallsreichsreichtum bei der Rätselgestaltung - nicht nur wegen
eines recht interaktiven Inventars, dessen Möglichkeiten geschickt in die
Rätselgestaltung mit einbezogen wurde. Hier fällt besonders das Feature der
Denkfunktion" positiv auf, um Gedanken miteinander logisch zu kombinieren.
Diese neuartige Idee (mir ist zumindest kein Spiel bekannt, welches zuvor mit einem
derartigen System gearbeitet hätte) eröffnet neue Möglichkeiten bei der
Rätselgestaltung. Allerdings und das ist eigentlich die einzige größere
Schwäche des Spiels - fand ich zwischendurch immer wieder einige Rätsel kaum noch
nachvollziehbar, zumal das zunächst überschaubare Areal von zu erkundenden Orten mit
zunehmendem Spielverlauf immer größer wird und damit auch immer mehr Rätsel dieser Art
vorkommen.
Der Spieler sollte auch nicht davor zurückschrecken zwischendurch
recht viel nachzulesen, denn auch durch viele schriftliche Informationen eröffnet sich
Schritt für Schritt eine Geschichte von sehr intensiver Stimmung rund um die Gedankenwelt
des Protagonisten, die irgendwo zwischen Wahnsinn und Realität angesiedelt ist.
So ist das Spiel Menschen zu empfehlen, die für düstere, morbide,
an die Grundfesten der Psyche gehende, unheilvolle Gruselstimmung empfänglich sind. Ich
habe es nachts völlig im Dunkeln gespielt und daher kam es bei mir bei ein-zwei Stellen
zu folgenden Reaktionen, die Sie vielleicht auch von anderen Spielen kennen: nach einer
heftigen Sequenz habe ich erst einmal zumindest das Licht, besser noch den Fernseher zur
Ablenkung eingeschaltet. Und vielleicht sollte man doch noch einmal kurz nachschauen, ob
auch niemand da ist? Vorausgesetzt man traut sich dann wieder, das Zimmer zu verlassen ...
Auf jeden Fall ist dem kleinen unbekannten türkischen
Independententwickler ein erstaunlich professionelles und einfallsreiches Spiel gelungen.
Eine echte Überraschung!