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Darkness Within - In Pursuit of Loath Nolder


Erscheinungsdatum: 11/2007
Entwickler: Zoetrope Interactive  
Publisher: Lighthouse Interactive / dtp
Spielsprache: Deutsch

Homepage
Boxshots

USK: ab 16 Jahren
PEGI: 7+

 

 

Ein Review von   André   1. Januar 2008

Neues Spiel, neues Glück? Das erhoffe ich mir zumindest, denn Darkness Within gehört zu der von mir äußerst geschätzten Kategorie der „Ego-Gruseladventures", so möchte ich sie mal nennen, da man sie in selbiger Perspektive spielt. Seit dem Erfolg von Darkfall hat ja in der letzten Zeit so manches „kleinere" Gruselspiel in dieser Art den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat. So jetzt also auch Darkness Within von dem kleinen türkischen Independententwickler Zoetrope, die aber direkt mit einem für Independentverhältnisse ziemlich aufwändig inszenierten und innovativen Abenteuer überraschen. Und nicht zuletzt ist Darkness Within verdammt gruselig ...

 

Handlung

Man kann Darkness Within aber noch einer zweiten Kategorie zuordnen: den H.P.-Lovecraft-Adventures. Denn von denen gibt es ja angefangen von Shadow of the Comet bis Necronomicon auch schon eine ganze Reihe. Genauer gesagt ist die Story des Spiels an die Werke des Schriftstellers angelehnt. So steht es auf dem Cover.

Wir sind jedenfalls Police Detective Howard E. Loreid und leiden seit einiger Zeit an heftigen bizarren und realitätsnahen Alpträumen. Da passt es doch, dass der aktuelle Fall des Detectives, der Mord an Clark Field, einer dem Okkulten nahestehenden Person, ist. Der Hauptverdächtige, ein gewisser Loath Nolder, ist auf der Flucht. Der wiederum war bislang eigentlich ein unbescholtener und angesehener Privatdetektiv, welcher allerdings seinen letzten Fall vor fünf Jahren erfolglos abbrechen musste und von der Bildfläche verschwand. Nun taucht er also wieder auf, nur dieses Mal als Verdächtiger und Detective Loreid muss ihn finden. Je weiter wir in dem Fall vordringen, desto mehr müssen wir feststellen, dass er sich nicht so einfach gestaltet, wie er auf den ersten Blick aussieht. Zudem werden auch Loreids Alpträume und Visionen immer heftiger, so dass der Detektiv irgendwann einen Punkt zwischen Wahnsinn und Realität erreicht. Das Spiel fängt harmlos an und der Grusel entwickelt in einigen Momenten eine atmosphärische Dichte von extremer Intensität. Zumal das Böse nicht nur wie bei vielen Spielen latent bleibt, sondern in zwei-drei Sequenzen die bedrohliche Stimmung langsam gesteigert wird, um dann in geschickt aufgebauten Schockeffekten auch ein „Gesicht" zu bekommen. Mehr sei an der Stelle natürlich nicht verraten ...

 

Sound

Nicht zuletzt „Schuld" an einer ordentlichen Gänsehaut ist die Sounduntermalung, die maßgeblich dazu beiträgt, dass sich die düstere Atmosphäre entwickeln kann. Das ist zum einen die stimmungsvolle und abwechslungsreiche Musik. Sie hält sich getreu dem Motto „Weniger ist mehr" dezent im Hintergrund und sorgt so unterschwellig für das richtige Ambiente. Noch viel mehr sind es aber die gekonnt eingesetzten Geräusche, die einen erschaudern lassen. Noch viel mehr als bei Barrow Hill knarzt, stöhnt und hustet es ständig in den einsamen und dunklen Gewölben und Gemäuern, oftmals auch dann, wenn man gerade nichts macht und somit entwickelt sich eine noch unheimlichere Atmosphäre.

 

Grafik

Bei Darkness Within betrachtet der Spieler das schaurige Geschehen wie gesagt aus der Ich-Perspektive. Das Spiel ist um einiges aufwändiger gestaltet als die vielen Standbild-Gruselabenteuer der anderen Kollegen von der Independentfraktion. Denn im Gegensatz zu den meisten oben genannten Spielen dieser Art, bei denen die Hintergründe starr sind, klickt man sich hier zwar auch Abschnitt für Abschnitt weiter, jedoch kann man sich wie bei professionellen Spielen wie Dracula oder den Abenteuern der Atlantis-Reihe innerhalb der Abschnitte flüssig um 360° in alle Richtungen drehen.

Ebenfalls unterscheidet sich das Spiel etwas von der üblichen Machart, da die Hintergründe schon mit ein paar Animationen versehen sind: Motten kreisen um eine Lampe, das Öffnen einer Schublade wird teilweise real animiert. Man hört also nicht nur das Geräusch und plötzlich ist sie offen, sondern man sieht es auch. Und die Grafik ist für einen kleinen neuen Independententwickler nicht nur erstaunlich professionell, sondern ebenso stimmungsvoll. Stimmung heißt hier natürlich, dass im richtigen Moment ein wunderbar morbides Gruselambiente erzeugt wird.

Personen tauchen wie so oft in Spielen dieser Art eher seltener auf, aber wenn, dann sind sie schon sehr gut animiert. Genau wie die Wolken, die sich an einem Schauplatz am Himmel bewegen oder der Regen in einem anderen Gebiet. Wenn man zwischen den Szenen wechselt, wird das in kurzen ansprechenden Sequenzen dargestellt.

 

Handhabung + Rätsel

Neben dem üblichen Untersuchen, Einsacken und Verwenden von Gegenständen gibt es so manche ungewöhnliche Herangehensweise bei der Rätselgestaltung, die für frischen Wind sorgt. So wurde das ausgesprochen interaktive Inventar mit seinen vielen Möglichkeiten sehr mit einbezogen. Z.B. muss man sich bei einem Rätsel einen Raum genauer auf Fotos anschauen und mit dem „realen" Raum vergleichen und immer wieder in Unterlagen mit einem Stift wichtig erscheinende Wörter unterstreichen, um auf diese Weise Informationen herauszuarbeiten.

Eine Funktion fällt besonders aus dem Rahmen: Man kann in einem separaten Feld im Inventar nicht nur Gegenstände, sondern auch die Gedanken des Detektivs miteinander kombinieren. Hierzu gehe man im Inventar auf das Feld „Howards Gedanken", wähle zwei zu kombinierende Gedanken aus einer Liste und füge beide dann jeweils mit dem Plus-Icon (oder per Drag & Drop) zu dem rechten Feld. Jetzt kombiniere man diese wie gesagt nur noch mit dem entsprechenden Button, so dass diese im Idealfall eine logische Folgerung ergeben.

So weit so gut. Leider ergibt sich durch diese Funktion auch eine der wenigen Schwächen des Spiels, da man bei einigen Gedankenkombinationen kaum erkennen kann, welcher Zusammenhang bestehen soll und es manchmal mehr mit Glück zu tun haben scheint, wenn man die richtige Kombination trifft. Überhaupt muss man viel herleiten und diese Rätsel sind nicht selten recht heftig, wenn man etwa aus einem Eintrag in einer Notiz in unserem Büro Rückschlüsse über einen Code zu einem Koffer in einem anderen Haus ziehen soll. Zwischendurch gibt es immer mal wieder ein Rätsel dieser Art, die zumindest für mich kaum noch nachvollziehbar sind.

Wie auch immer, im Inventar kann man auch Gegenstände mit der Lupe-Funktion anwählen, drehen und mit dem Mausrad oder mit den Inventar-Pfeiltasten näher heranzoomen. Trotz der vielen Features bleibt die Steuerung dabei trotzdem immer vorbildlich übersichtlich.

Das gilt auch für das Optionsmenü, welches ebenfalls mit vielen Features versehen wurde: So kann man sich anfangs für einen von drei Schwierigkeitsgraden entscheiden. Weiter kann man auch während des Spiels noch einmal individuell verschiedene Schwierigkeitsoptionen ändern bzw. auswählen, etwa, ob man ein Hinweissystem beanspruchen möchte. In den ersten Szenen bekommt man während des Spielens in einem Tutorial ganz nebenbei in Untertiteln noch einmal die Benutzung einiger Funktionen erklärt.

Ein Knopf ermittelt automatisch die optimalen Grafik-Einstellungen für den jeweiligen Rechner. Man kann diese aber auch manuell einstellen. So kann man die Gammakorrektur, Vollbildeffekte, eine Funktion namens „Rauschen", die eine Art Flimmern wie bei alten Horrorfilmen simuliert, sowie aus drei verschiedenen Auflösungen zwischen 1024 x 768 bis 1280 x 1024 den idealen Wert für sich genau justieren. Beim Gameplay lässt sich fast alles angefangen vom Cursorstil über die Mausgeschwindigkeit und Dialoggeschwindigkeit bis zum Ein- bzw. Ausschalten des Tutorials alles einstellen. Und es gibt noch erweiterte Optionen, bei denen sich Werte wie Partikel-, Shader-, Leuchteffekte und Antialiasing einstellen lassen. Es sind also viele keine Details, mit denen Darkness Within bedacht wurde, so dass man einfach merkt, wieviel Mühe sich die Hersteller gegeben haben.

Die weitere Herangehensweise funktioniert wie bei vielen anderen Adventures: Man bewegt sich mit den Pfeiltasten von Bild zu Bild und kann auch schon mal näher an eine bestimmte Stelle heranfahren. Verändert sich der Mauscursor bei einem Gegenstand, kann man ihn aufnehmen oder man erhält Informationen, die dann im Inventar vermerkt werden.

Zum Optionsmenü kommt man über die Escapetaste und hier findet man natürlich auch die Speicher- und Ladefunktion, wobei hierfür bis zu 50 individuell beschriftbare Plätze vorgesehen sind. Wenn es „Vielspeicherern" (zu denen ich mich auch zähle) nicht genügen sollten, kann man sie natürlich auch überschreiben. Aber eigentlich sollten die Plätze auch so völlig ausreichen.

 

Verpackung, Installation und Fehler

Darkness Within kommt erstaunlicherweise nicht etwa auf einer DVD sondern auf 2 CD-ROMs in einem DVD-Case und einem ausführlichen Handbuch. Es ließ sich problemlos installieren und nach der Installation wird die DVD nicht mehr im Laufwerk benötigt.

Es gibt für die englische Version bereits einen Patch. Bei mir lief das Spiel so gut wie fehlerfrei - mit der Ausnahme, dass auf meinem Rechner sämtliche kurzen Zwischensequenzen bei Ortswechseln nicht abgespielt wurden.

Bemerkenswert sind übrigens die unten auf dem Case abgebildeten Hinweissymbole der Organisationen PEGI und USK: So sieht man zwei stilisierte Zeichen der PEGI, eine Spinne und eine Faust, die soviel wie „Achtung Horror und Gewaltdarstellung" bedeuten. Außerdem erklärt ein weiteres Zeichen der gleichen Organisation, dass das Gruseladventure in deren Augen trotzdem tatsächlich für Spieler ab sieben empfohlen ist. Horror und Gewalt - und dann ab Sieben empfohlen? Komisch! Von dem Symbol der USK erfährt man wiederum, dass Darkness Within ab 16 Jahren freigegeben ist. Hier herrscht eine merkwürdige Diskrepanz zwischen den Angaben von PEGI und der USK, wobei ich stark geneigt bin, in diesem Fall der USK bei der Altersfreigabe für das Gruselspiel zuzustimmen, da ich mir gut vorstellen kann, dass so manches kindliche Gemüt Probleme bekommen dürfte, das morbide und stellenweise extrem unheimliche Spiel zu verarbeiten.

 

Fazit

Darkness Within ist schon außergewöhnlich für ein Debüt einer kleinen Independentfirma. Grafisch hat Zoetrope erstaunlich gute Arbeit geleistet. Was die Qualität anbelangt, kann es locker mit vielen Spielen professioneller Hersteller mithalten. Wenn ich es z.B. mit CSI 3 vergleiche, macht dieses Spiel ganz locker das Rennen. Der Spieler bewegt sich durch eine düstere, größtenteils in Braun- und Grautönen gehaltene Umgebung, welche in ziemlich ausgereifte, in sich stimmungsvolle Bilder in 360°-Rundumsicht umgesetzt wurde. Darkness Within unterscheidet sich auch durch die umfangreiche Bedienung und Optionen von vielen anderen Indie-Adventures. Hier bleiben wirklich keine Wünsche offen.

Es begeistert ebenfalls durch so manche ungewöhnliche Herangehensweise und Einfallsreichsreichtum bei der Rätselgestaltung - nicht nur wegen eines recht interaktiven Inventars, dessen Möglichkeiten geschickt in die Rätselgestaltung mit einbezogen wurde. Hier fällt besonders das Feature der „Denkfunktion" positiv auf, um Gedanken miteinander logisch zu kombinieren. Diese neuartige Idee (mir ist zumindest kein Spiel bekannt, welches zuvor mit einem derartigen System gearbeitet hätte) eröffnet neue Möglichkeiten bei der Rätselgestaltung. Allerdings – und das ist eigentlich die einzige größere Schwäche des Spiels - fand ich zwischendurch immer wieder einige Rätsel kaum noch nachvollziehbar, zumal das zunächst überschaubare Areal von zu erkundenden Orten mit zunehmendem Spielverlauf immer größer wird und damit auch immer mehr Rätsel dieser Art vorkommen.

Der Spieler sollte auch nicht davor zurückschrecken zwischendurch recht viel nachzulesen, denn auch durch viele schriftliche Informationen eröffnet sich Schritt für Schritt eine Geschichte von sehr intensiver Stimmung rund um die Gedankenwelt des Protagonisten, die irgendwo zwischen Wahnsinn und Realität angesiedelt ist.

So ist das Spiel Menschen zu empfehlen, die für düstere, morbide, an die Grundfesten der Psyche gehende, unheilvolle Gruselstimmung empfänglich sind. Ich habe es nachts völlig im Dunkeln gespielt und daher kam es bei mir bei ein-zwei Stellen zu folgenden Reaktionen, die Sie vielleicht auch von anderen Spielen kennen: nach einer heftigen Sequenz habe ich erst einmal zumindest das Licht, besser noch den Fernseher zur Ablenkung eingeschaltet. Und vielleicht sollte man doch noch einmal kurz nachschauen, ob auch niemand da ist? Vorausgesetzt man traut sich dann wieder, das Zimmer zu verlassen ...

Auf jeden Fall ist dem kleinen unbekannten türkischen Independententwickler ein erstaunlich professionelles und einfallsreiches Spiel gelungen. Eine echte Überraschung!

 

Gesamtwertung: 82%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows 2000/XP/Vista
  • Pentium 1 GHz
  • 256 MB RAM (512 MB Vista)
  • DirectX-kompatible Grafikkarte mit 128 MB RAM
  • 4x CDROM-Laufwerk
  • 1,1 GB freier Festplattenspeicher
  • DirectX-kompatible Soundkarte

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 2400+
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

Der Startbildschirm
Der Startbildschirm

 

 

Unser Büro
Unser Büro

 

 

Mittels dieser Karte gelangt man zu den verschiedenen Orten
Mittels dieser Karte gelangt man zu den verschiedenen Orten

 

 


Zumindest unser gemütliches Zuhause bietet uns Schutz. Oder etwa nicht?
Zumindest unser gemütliches Zuhause bietet uns Schutz. Oder etwa nicht?

 


Bei so einem Hausflur kommt man gerne nach Hause!
Bei so einem Hausflur kommt man gerne nach Hause!

 

 

Clarks Haus
Clarks Haus

 

 

In Clarks Keller geht die Luzie ab
HIn Clarks Keller geht die Luzie ab

 

 

Die Küche in einer Hütte
Die Küche in einer Hütte

 

 

In was für einem Alptraum sind wir denn jetzt schon wieder gefangen?
In was für einem Alptraum sind wir denn jetzt schon wieder gefangen?

 

 

Der Ort ist überraschend hell
Der Ort ist überraschend hell!

 

 

Die Höhle in unseren Träumen können wir nicht verlassen
Die Höhle in unseren Träumen können wir nicht verlassen

 

 

Zu dem Gebäude kommt man durch einen idyllischen Weg
Zu dem Gebäude kommt man durch einen idyllischen Weg

 

 

Auch dieses Haus strahlt eine beunruhigende Atmosphäre aus
Auch dieses Haus strahlt eine beunruhigende Atmosphäre aus

 

 

Eine unheimliche Figur
Eine unheimliche Figur

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 1. Januar 2008

 

 

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