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Delaware St. John Volume 2 -
The Town with no Name


Erscheinungsdatum: 11/2005
Entwickler/Publisher: Bigtime Games
Spielsprache: Englisch

Homepage
Boxshots

Keine Angabe zur Altersbeschränkung

 

 

Ein Review von   André   21. Januar 2006

Addendum zur deutschen Version,  27. August 2006

 

Der Comic-Horror-Trash geht in die zweite Runde! Wer den ersten Teil von Delaware, "The Curse of Midnight Manor", schon gespielt hat, weiß so ungefähr, was ihn erwartet: Auch "Vol. 2 - The Town with No Name" ist wieder ein kleines, nettes, gruseliges Independent-Adventure im B-Movie Style, das man aus der Ego-Perspektive spielt und bisher nur auf Englisch erschienen ist.



Story

Es könnte ja sein, dass die Entwickler rund um Big Time Games den Namen John bewusst als eine Anspielung auf die bekannte Horror-Trash-Literatur-Figur John Sinclair gewählt haben. Passen würde es, denn dieser hat ebenfalls in unzähligen Groschenromanen Geister, Ghouls und Golems bekämpft. Und sowohl von der Story als auch grafisch ergeben sich offensichtlich einige Korrelationen zwischen dem Spiel und den besagten literarischen Meisterwerken. Das fängt schon bei der Gestaltung des Coverbildchens an. Das passt zwar schon zum Spiel, ich bin mir aber sicher, dass so manch künstlerisch halbwegs geschickter Schüler es schafft, während einer langweiligen - sagen wir mal - Chemie-Stunde heimlich unter dem Tisch qualitativ Vergleichbares zu erstellen.

Man beachte dabei nicht nur den sauber ausgearbeiteten schamanenähnlichen Manitugeist links und die zauselige Knochengestallt mit den zahlreichen Augen rechts im Himmel, die dieses Mal zwei der Gegner im Spiel darstellen, sondern auch die Taschenlampe, mit welcher der ängstlich dreinblickende Delaware die namenlosen Straße ausstrahlt. Dieses Gerät ist nur ein Teil des Equipments, das Delaware wieder standardmäßig mit sich führt. Er benutzt natürlich wieder das "Voice Imaginary Communicator" - kurz "VIC" - benannte Multifunktionstool, das ihm schon im letzten Spiel bis zur Schlusssequenz wertvolle Dienste geleistet hat.

Und das ist auch gut so, denn ohne seinen VIC könnte er kaum so professionell Kontakt mit seiner charmanten Begleiterin Kelly sowie einem gewissen Simon halten. Ihre Dialoge bringen wieder die nötige Abwechslung ins Spiel, wenn Delaware durch die recht einsame Ortschaft läuft. Aber mit VIC kann er nicht nur telefonieren, sondern praktischerweise auch noch ein paar übersinnliche Dinge erledigen. Denn das Gerät ermöglicht ihm ebenfalls Geister im Bild festzuhalten und diese Bilder sowie Tonproben direkt an Kelly zu schicken. Allerdings ist es ein bisschen verwunderlich, warum VIC verhältnismäßig selten zum Einsatz kommt, wenn man schon ein so tolles Gerät als Feature in seiner Menüleiste eingebaut hat. Solch ein Gerät ist theoretisch doch dazu prädestiniert, als Teil des Rätseldesigns ordentlich miteinbezogen zu werden.

Delaware 2 besteht wieder aus zwei kleinen Storys, wobei die zweite wieder erst dann freigeschaltet wird, wenn wir die erste durchgespielt haben. Aber nun zur eigentlichen Geschichte: Nach seiner ersten Begegnung mit dem Übersinnlichen ist Delaware nachdenklich geworden, denn er fragt sich, was seine Visionen zu bedeuten haben. Und noch während er Kelly zur Ablenkung ein wenig in ihrer Bibliothek hilft, geschieht es schon wieder: Ein alter Atlas fällt ihm in die Finger und während er in dem Buch blättert, zeichnen sich plötzlich aus dem Nichts Umrisse einer Stadt auf einer Seite ab. Eine geheimnisvolle Stadt soll sich angeblich mitten in einem Waldgebiet befinden. Delaware macht sich auf die Suche und wird tatsächlich fündig. Beim näheren Erkunden der verlassen wirkenden Kleinstadt macht er wieder schnell Bekanntschaft mit dem ersten Geist. Es bleibt nicht aus, dass er ein paar Wiedergängern aber auch sich selbst aus der Patsche helfen muss. Scheinbar hat es auch der unheimliche Gegner vom letzten Spiel auf ihn abgesehen, der ihn immer noch hartnäckig verfolgt.



Grafik

Das Spiel findet wieder in der Egoperspektive statt, was bekanntlich bedeutet, dass wir unseren Alter Ego während des Spiels nicht zu Gesicht bekommen. Nur in wenigen kurzen Sequenzen, die aus einer Folge von handgemalten Bildern bestehen, sehen wir ihn kurz. Die Figuren, denen Delaware begegnet - meist allerlei Untote verschiedenster Couleur - sehen nicht nur besser aus als die vom Frontcover, sondern wurden auch im Gegensatz zu denen des Vorgängerspiels mit Bewegungen versehen.

Die Hintergrundgrafik ist mit ähnlichen Spielen zu vergleichen, am ehesten wieder mit dem vielzitierten Darkfall. Besonders die Optik und der Aufbau des weitläufigen Klosterinternats der zweiten Geschichte ähnelt doch sehr dem Hotel in Darkfall 1. Die Idee mit dem Telefon-Gruseleffekt aus Dark Fall 1 wurde bei dieser Gelegenheit ebenfalls "entliehen". Die Umgebung des Internats fand ich - nachts im Dunkeln gespielt - recht unheimlich.

"The Town with No Name" ist umfangreicher als sein Vorgänger und es werden auch einige Außenansichten gezeigt. Dadurch gewinnt das Spiel im Gegensatz zum Vorgänger, der nur in den beengten Verhältnissen eines Hauses spielt, mehr an Weite. Die Hintergründe bestehen ebenfalls wieder aus zahlreichen handgemalten Standbildern, die kaum animiert wurden. Dem Genre entsprechend, werden natürlich keine farbenfrohen Blumenwiesen unter blauem Himmel gezeigt, sondern ein weniger lebensbejahendes Ambiente bestehend aus düsteren, trostlosen Straßen in fahler nächtlicher Beleuchtung. Man verbringt aber trotzdem noch die meiste Zeit in den dunklen Fluren und Räumen der Gebäude der Stadt. Bewegung wird, wie schon bei Midnight Manor, nur dann als stilistisches Mittel eingesetzt, wenn einige kurze, hektische Kamerafahrten durch die Gänge ankündigen, dass etwas ganz Furchtbares hinter uns her ist, das uns am liebsten direkt mit Haut und Haaren aufmampfen möchte.



Handling

Wieder gibt es keine Untertitel. So reichte meine Englisch zwar aus, mich durch das Spiel zu wurschteln. Von der Hintergrundstory habe ich aber manche Teile nicht ganz verstanden. Mit Untertiteln hätte ich wesentlich mehr mitbekommen. Schade, dass der Hersteller auch dieses Mal wieder nicht berücksichtigt hat, dass es auch Spieler gibt, die des Englischen nicht hundertprozentig mächtig sind. So viel Aufwand kann diese Funktion doch nicht machen.

Auch sonst hat sich bezüglich der an sich bequemen Handhabung nicht viel verändert. Wieder gibt es eine Einführung, in der die Steuerung erklärt wird. Dieses nette Feature gefällt mir, auch wenn es hauptsächlich für Leute notwendig ist, die noch nie ein Adventure gespielt haben, denn eigentlich erklärt sich die Steuerung von selbst. Mit der Maus bewegen wir uns per Point+Click durch die Stadt. Wir benötigen nur die linke Maustaste, um sämtlich Aktionen bis hin zum Speichern auszuführen.

Interessant ist noch, dass manche Hotspots im Bild erst angezeigt werden, wenn wir mit dem richtigen Gegenstand darüber fahren, also beispielsweise, wenn wir ein Gemälde aus unserem Inventar holen, um es mit unserem Cursor auf die kahle Stelle an der Wand zu ziehen, an der das Bild aufgehangen werden muss.

Es gibt nur zehn Speicherplätze, die leider nur durch das Datum zu unterscheiden sind. Diese sollten aber für das Spiel ausreichen.



Sound

Mindestens ein Track ist gleich geblieben und stellt eine Art Titelmelodie dar, wie wir es von vielen anderen Serien (z.B. Nancy Drew) gewohnt sind. Es haben sich zu diesem aber wieder ein paar neue, das Ambiente sehr gut verstärkende Tracks hinzugesellt, die der Thematik des Spiels entsprechend natürlich entweder etwas ruhiger, klaviermäßig düster oder etwas aufpeitschender, orchestraler daherkommen.

Die Sprachausgabe von Delaware, Kelly und Co. ist wie gewohnt deutlich und sehr angenehm. Auf die fehlenden Untertitel bin ich ja schon eingegangen. Etwas störend ist wieder, dass man die Sprachausgabe nicht abbrechen kann. Denn auch beim zweiten Teil gibt es z. B. wieder massenhaft verschlossene Türen. Versuche, diese zu öffnen werden immer wieder mit den gleichen Standardfloskeln ("The door is closed" oder in leichten Abwandlungen wie "Surprise, surprise the door ist closed") bedacht, die nach einer Weile völlig abnerven.


Rätsel

Die Rätsel sind nicht revolutionär neuartig, das Rad wird schließlich auch nicht alle Nase lang neu erfunden. Sie wurden aber gut gemischt, abwechslungsreich und unterhaltsam präsentiert. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad wie gehabt im einfachen bis selten mal im mittleren Bereich angesiedelt. Man muss wieder viele Räume suchen und gefundene Schlüssel müssen an verschlossenen Türen benutzt werden. Bei einer Moorhuhn-ähnlichen Sequenz an einem Arcadeautomaten, der aus den 80ern übrig geblieben zu sein schien, kommt es ausnahmsweise nicht darauf an, die Figuren möglichst schnell zu treffen, sondern die Punkte richtig zu addieren. Es gibt leichte mechanische Rätsel, eine Notiz muss entschlüsselt werden und ein Geist hat nichts besseres zutun, als vor einem Kreuzworträtsel festzusitzen. Na ja, als Geist hat man halt viel Zeit. Soviel auch zur Ernsthaftigkeit des Adventures.

Einige Passagen, bei denen man besser die Beine in die Hand nehmen sollte, gibt es auch wieder. Wie schon beim Vorgänger tauchen solche Einlagen eher selten auf und sorgen dann dafür, dass der Blutdruck kurzzeitig ansteigt. Sie sind ebenfalls gut zu bewältigen.



Fazit

Auch Delaware 2 ist genau wie sein Vorgänger wieder ein klasse Spiel auch wenn diesmal der Reiz des Neuen vorbei ist. Ich meine, die Schauplätze sind etwas umfangreicher. Außerdem wirkt das Spiel durch einige Außenlocations nicht mehr ganz so beengt. Zudem sehen die Figuren etwas besser aus und wurden "lebendiger" animiert, soweit das bei Untoten überhaupt möglich ist. Die einfachen Rätsel machen ebenfalls Spaß und es gibt wieder wenige nennenswerte Kritikpunkte, bis auf die, welche ich schon beim ersten Teil bemängelt habe. Als erstes wären da wieder mal die nervigen Wiederholungen der immer gleichen Standardfloskeln, die man nicht abbrechen kann. Außerdem hätte das Spiel ebenfalls wieder länger sein könnte. Ansonsten soll man sich halt ein bisschen gruseln und grübeln und wird dabei sehr schön unterhalten. Und so ist "The Town with No Name" eine gelungene Fortführung der Serie mit einer netten, nicht allzu tiefgründigen, der Groschenromanoptik angepassten Story - quasi Gabriel Knight light. Dieses Ziel wurde wieder erreicht und so kann ich es kaum erwarten, wenn es im nächsten Teil wieder heißt: "Surprise, surprise, the door is locked."

Gesamtwertung: 79%

 

Addendum zur deutschen Version von Geisterjäger Delaware St. John Teil 1+2

Erscheinungsdatum: 07/2006 
Entwickler/Publisher:
Bigtime Games / Astragon Software
Spielsprache: Deutsch

Jetzt sind sie da, die ersten zwei Teile auf deutsch. Ein schönes Gefühl. Besonders angesichts der Tatsache, dass meine positiven Reviews (Teil 1 - The Curse of Midnight Manor, Teil 2 - The Town with no Name) eventuell auch ein wenig dazu beigetragen haben könnten, dass ein deutscher Publisher den Mut gefunden hat, die Serie in diesem Land zu veröffentlichen.

Ebenfalls angenehm ist sicherlich auch der Preis. Zwar sind die Spiele natürlich nicht so teuer in der Produktion wie die großen wesentlich aufwändiger animierten Adventures, aber mit etwa 10 -15 Euro direkt als Startpreis doch extrem günstig – günstiger als viele Spiele vergleichbarer Machart. Noch besser ist, dass beide Teile trotz des niedrigen Kurses sogar komplett ins Deutsche synchronisiert sowie mit Untertiteln versehen wurden. Diese kann man im Menü wahlweise ein- bzw. ausschalten. Und die Sprachausgabe kann sich wahrlich hören lassen. Die sympathischen charakteristischen Stimmen der beiden Hauptfiguren - Malah Helman als Kelly und besonders Martin Sabel als Del - wurden mindestens so gut besetzt wie in der amerikanischen Originalfassung. Die beiden ergänzen sich wunderbar – also bitte niemals austauschen! Dabei shakern und flapsen die beiden in der deutschen Übersetzung noch mehr rum und haben wie in trashigen 70er-Jahre-Krimiserien immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Es ist eine wahre Freude. Das größte bzw. einzige richtige Manko ist, dass man sich auch in der deutschen Fassung etwa bei den zahlreichen verschlossenen Türen immer die gleichen Kommentare anhören muss und dass man sämtliche Dia- bzw. Monologe nicht abbrechen kann. Ansonsten wurde eigentlich nichts wesentlich verändert. Es bleibt noch anzumerken, dass es inzwischen auch für die Originalspiele einen Patch gibt, so dass es nun auch für diese Version unter anderem möglich ist, Untertitel wahlweise einzustellen.

Mit dem deutschen Titel „Geisterjäger John Delaware – Das Haus der Toten" bzw „Stadt der Toten" plus zugehörigem Schriftbild wirken die Cover übrigens noch viel johnsinclairesker. Man ist geneigt, den Bastei-Schriftzug zu suchen. Wobei ich mutmaße, dass dem Macher die deutsche Groschenromanserie eventuell gar nicht bekannt ist?

Nicht zuletzt gefällt die Tatsache, dass die deutschen Ausgaben wie schon die englischsprachigen Versionen absolut reibungslos laufen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Serie in Deutschland viele Abnehmer findet, so dass es sich lohnt auch die nächsten, bereits angekündigten Teile wieder ins Deutsche zu übersetzten. Angesichts des tollen Preis-Leistungsverhältnisses sollte dieses eigentlich kein Problem darstellen.

So viel Neues gibt es über die deutschen Versionen nicht zu berichten, denn sie unterscheiden sich eigentlich auch in den wichtigen Bereichen kaum voneinander. Auch die Sprachausgabe gefällt mir ungefähr gleich gut. Von daher möchte ich nicht von meiner bewertung der englischen Versionen abweichen.

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemanforderungen:

  • Windows 98/ME/XP/2000
  • Pentium 600+
  • 256 MB RAM
  • 16x CDROM
  • SVGA Grafikkarte
  • Soundkarte
  • DirectX 9

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

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Copyright © André für Adventure-Archiv, 21. Januar 2006

 

 

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