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Geisterjäger Delaware St. John 3 -
Die Seacliff-Tragödie


Erscheinungsdatum: 08/2007
Entwickler: Bigtime Games
Publisher: Lighthouse Interactive / dtp
Spielsprache: Deutsch

Homepage
Boxshots

USK ab 12 Jahren
PEGI: 12+

 

 

Ein Review von   André   01. Oktober 2007


Wer die ersten beiden Folgen gespielt hat, hat ihn ja schon kennen gelernt: Den sympathischen Delaware St. John, den es durch seine Albträume und Vorahnungen immer wieder zu von Geistern bewohnten Orten führt, so dass er sich inzwischen mehr oder weniger unfreiwillig zum Geisterjäger entwickelt hat.

 

Handlung

Wer hätte es vermutet, auch dieses Mal wird Delaware wieder von einer seiner Visionen heimgesucht. Es erwischt ihn auf dem Weg zum Bäcker. Denn kurz bevor er die heimelige Backstube erreicht, verwandelt sich die verschneite Straße in einer Vision in einen sommerlichen Vergnügungspark. Eine spätere Recherche ergibt, dass es in der Nähe einen solchen Vergnügungspark gibt, der geschlossen wurde, weil dort ein Unglück passierte, welches über hundert Menschen das Leben gekostet hat – die Seacliff-Tragödie!

Beim Bau des Parks in den 60ern hat man die unterirdischen Höhlen nicht bemerkt und daher kam es während eines Bebens zur Katastrophe. Hier ist also Delawares nächste Ziel! Dort angekommen stellt er fest, dass der Park mit sogenannten Schattenmenschen, unheimlichen Wesen, besiedelt ist, die ihm das Leben nicht unbedingt leichter machen.

Als ob das nicht genug wäre, stößt er auf weiteres Unheil: Ein Haus im Park scheint bewohnt zu sein und dort findet er den untoten Besitzer des Parks, Kandell, vor. Der beklagt, dass offenbar seine ganze Familie ausgelöscht worden ist. Warum aber verschweigt er nur einen seiner beiden Söhne?

Ausgesprochen positiv zu verzeichnen ist, dass die Story der Seacliff-Tragödie etwas umfangreicher als bisher und das Spiel nicht nur wegen der schwereren Rätsel über eine längere Spielzeit verfügt. Ebenfalls schön, dass seit dem zweiten Teil Simon mit an Board ist. Denn während Kelly zusammen mit Simon den Geisterjäger bislang nur von zu Hause aus per Kommunikationsgerät unterstützt hat, übernimmt Simon jetzt komplett ihren Part an der Homebase, so dass man Kelly nun aktiv mit in die Handlung eingebunden hat. Man kann sie also erstmals selber steuern, da sie sich heimlich in Dels Jeep versteckt hat, um ihn so auf seinem Gruseltrip zu begleiten. Der ist davon anfangs allerdings wenig begeistert.

 

Grafik

Ja, es war ja schon anhand der Entwicklung zwischen den ersten beiden Teilen abzusehen: Grafisch wird Delaware immer ansprechender. Diese ist im dritten Teil inzwischen ziemlich professionell, also etwa auf einem Niveau von guten Gruseladventures wie etwa Darkfall oder Barrow Hill, was man z.B. auch an den gelungenen Zwischensequenzen festmachen kann. Die Bewegungen der Figuren in den Sequenzen sind noch mal deutlich besser animiert als noch beim Vorgänger. Die Mimik hingegen ist zwar noch etwas starr, Bewegungen der Augen quasi nicht vorhanden und die Grafik etwas unscharf, was aber auch an der Dunkelheit liegen könnte und dem ziemlich gelungenen Gesamteindruck keinen Abbruch tut.

Auch Delaware oder seine Begleiterin Kelly sind jetzt erstaunlich oft zwischendurch in den Sequenzen zu sehen. Denn wie der Geisterjäger selbst und seine fleißigen Helfer aussehen, davon konnte man sich bislang nur ein schwaches Bild machen, da sie meistens immer nur kurz in gezeichneter Form in Standbildern zu sehen waren.

Die eigentliche Spielgrafik besteht wie gesagt nach wie vor aus soliden, düsteren und kaum animierten Standbildern, wie man es von den Vorgängern kennt. Es erinnert also von der Machart ein wenig an oben erwähnte andere Gruseladventures oder das grandiose und unterbewertete Amber von 1996. Letzteres steht übrigens den besagten Spielen trotz des Alters grafisch und spielerisch in nichts nach!

Aber wir sind ja hier bei der Seacliff-Tragödie. Nicht dass Delaware 3 für erwachsene Spieler der absolute Schocker wäre, ganz so gruselig ist es nun auch wieder nicht. Aber bemerkenswert finde ich, dass die USK das Spiel für 12-Jährige freigegeben hat. Ich kann mir vorstellen, es könnte in Kinderhände gelangend schon ein paar Ängste aus dem Unterbewusstsein hervorrufen bzw. diese in selbiges hineinbringen. Wenn im Debüt nur die Verfolgungsszenen für ein wenig Aufregung gesorgt haben, die Monster ansonsten aber eher unterhaltenden bis belustigenden Charakter hatten, so ist hier die Grundatmosphäre nachts im Funpark schon recht düster, besonders für Menschen, die mit einer Clownphobie zu kämpfen haben. Damit sich aber die richtige Gruselstimmung einstellt, empfiehlt es sich natürlich, solche Spiele möglichst abends im Dunklen zu spielen.

 

Handhabung

Weggelassen wurden die andauernden Wiederholungen bei Standardsituationen, wo man sich bei jeder geschlossenen Tür immer wieder die wenigen selben Sätze anhören durfte. Danke! Denn diejenigen, welche die englische Version gespielt haben, erinnern sich bestimmt noch: „The Door is locked"…Aargh!

Jetzt stört eigentlich neben der verwirrenden Orientierung, auf die ich im Absatz „Rätsel" noch explizit eingehen werde, eigentlich nur noch, dass man Gespräche oder Sequenzen nicht abbrechen kann.

Des weiteren ist die Steuerung durch das Spiel wie gehabt praktisch und bedienerfreundlich: Schließlich handelt es sich um die bewährte Point&Click-Steuerung, wie sie in ähnlicher Form bei den meisten Adventures vorhanden ist - erweitert um die drei Sonderfunktionen des Kommunikators. Mit diesem auf der unteren Leiste eingebautem Tool kann man Fotos von Geistern schießen, Tonaufnahmen von diesen machen, beides direkt zu Simon nach Hause schicken oder mit selbigem in Kontakt treten. Allerdings hätte man die beiden Geisterjäger fast genau so gut mit einem einfachen Handy ausstatten können, denn neben der Kommunikation kommt auch im dritten Teil das Gerät leider wieder viel zu wenig zum Einsatz.

Bei Delaware kann man Musik und Stimmen getrennt regeln. Auch gibt es neben der deutschen Sprachausgabe Untertitel zum Mitlesen. Von Zeit zu Zeit so auch an der Stelle möchte ich mal wieder auf den Nutzen von Untertiteln hinweisen, da dadurch z.B. auch hörgeschädigte Menschen an dem Adventure teilhaben können. Aber auch wenn es mal Probleme mit dem Sound geben sollte, kann man so notfalls auf die Untertitel zurückgreifen.

Und diese haben sich tatsächlich als nützlich erwiesen: Da mein Hauptrechner eine Zeit lang ausgefallen war, habe ich das Spiel auf meinem alten Pentium III-Rechner installiert. Der reicht eigentlich von den Voraussetzungen aus, aber hier kam es tatsächlich zu Ausfällen des Tons. Auf meinem halbwegs aktuellen Rechner, für den das Spiel ja geschrieben wurde, lief es aber wie gewohnt fast fehlerfrei.

 

Rätsel

Hatte ich da nicht gelesen, dass einige Spieler Probleme hatten, sich im letzten - also im zweiten Teil zu orientieren? Obwohl mein quasi überhaupt nicht vorhandener Orientierungssinn berüchtigt ist, hatte ich beim Vorgänger diesbezüglich eigentlich wenig Schwierigkeiten. Jedoch im aktuellen Spiel verhält es sich anders. Man gelangt direkt am Anfang in einen stockdunklen, recht umfangreichen Vergnügungspark, in dem man sich besonders wegen der merkwürdigen Perspektiven kaum orientieren kann. Und so habe ich zunächst meine Zeit nur damit verbracht, durch den Park zu laufen ohne mich zurecht zu finden, auf dem Weg nur einen Gegenstand oder zumindest auch nur ein paar Anhaltspunkte zu finden. Und wenn das Spiel vom ersten Eindruck im Vergleich zu seinen Vorgängern zunächst sogar noch an düsterer Grundstimmung gewonnen zu haben scheint, so wird diese immer wieder durch das frustrierende Umherirren zerstört. Zumal auch der niedrige Hotspotanteil auffällt. Denn während der Suche im ganzen Park kann man sich kaum etwas ansehen oder einen Gegenstand aufheben. Zusätzlich sind einige der wenigen Gegenstände so klein, dass man sie glatt übersieht, auch wenn man sich in dem betreffenden Bild genau umgeschaut hat.

Und weiter geht’s mit der Sucherei - in zwei Labyrinthen, wie das, durch welches wir uns mit Kelly durchkämpfen müssen. Als ob wir in dem Spiel nicht schon genug umhergeirrt wären! Zumal Labyrinthe eh nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben in Adventures gehören. Das ist natürlich Geschmackssache, aber weniger Suchen und mehr konkrete Rätsel hätte einem flüssigeren Spielverlauf sicher gut getan.

Hat man erst einmal einen Ort, etwa ein Haus gefunden, an dem es etwas zu erledigen gibt, werden auch die Rätsel wieder konkreter, wie man es von den Vorgängerspielen gewohnt ist. Die Aufgaben bestehen etwa aus dem Knacken eines Codes oder aus dem üblichen Aufsammeln und Benutzen bzw. Verbinden von Gegenständen. Dabei hat man aber immer nur eine recht überschaubare Anzahl von Gegenständen in seinem Inventar.

Zum anderen müssen wir ab und zu einen flinken Finger haben, wenn wir z.B. zwischendurch immer mal wieder einen umherstreunenden Geist abwehren müssen. Eine zu langsame Reaktion schadet anfangs vielleicht unseren Ego, hat ansonsten zunächst aber keine weiteren direkten Folgen auf die Gesundheit unseres Charakters. Im späteren Spielverlauf wird es schon ernster und ein Zusammentreffen mit anderen Figuren kann das Ableben des Charakters zu Folge haben. Das hört sich jetzt aber dramatischer an als es tatsächlich ist, denn die Sequenzen sind glücklicherweise meistens wieder von einem halbwegs moderaten Schwierigkeitsgrad und so oft wiederholbar, bis man es geschafft hat. Trotzdem sorgt es für den einen oder anderen Adrenalinschub.

 

Sound

Die akustische Umsetzung kann man eigentlich gar nicht genug loben. Denn es ist doch sehr erfreulich, dass auch dieser Teil der Budget- also der von Anfang an sehr kostengünstigen Serie wie schon ihre Vorgänger wieder komplett mit deutscher Sprachausgabe ausgestattet ist. Und die Sprecher mit ihren sympathischen und prägnanten Stimmen machen ihre Sache wie gehabt wieder hervorragend.

Genauso gut gelungen ist wieder die musikalische Begleitung. Die klingt meistens ruhig wenn auch alles andere als beruhigend, um im richtigen Moment, etwa wenn die Gefahr akut wird, aufzupeitschen. Auch der eine oder andere Soundeffekt wie ein laut zuknallendes Tor wurde effektvoll eingesetzt.

 

Fazit

Im Dunkeln lässt sich vielleicht gut munkeln, aber manchmal auch weniger gut rätseln. Denn irgendwie will es im dritten Teil nicht richtig funktionieren: Zwar wird der Schwierigkeitsgrad angehoben, was ja grundsätzlich nicht verkehrt sein muss. Doch anstelle von konkreten Aufgaben verbringt der Spieler mehr Zeit mit andauerndem Suchen und Schleichen durch den riesigen, düsteren Funpark. Das erweist sich als ziemlich demotivierend. Zumal selbst der eine oder andere sonst orientierungssichere Spieler seine Probleme haben könnte, auf dem rechten Weg zu bleiben bzw. diesen erst einmal zu finden. Genau wie einige der winzig kleinen Gegenstände, die im Park versteckt sind. Das alles bremst dieses Mal den Spielfluss aus.

Dafür ist Del fortan nicht mehr alleine: Wenn er bisher einsam seine Erkundungstouren durch verwunschene Areale gemacht hat, sorgt jetzt Kelly als aktiv zu steuernde Figur für Abwechslung. Die daraus entstehende Kommunikation zwischen den beiden bereichert das Spiel sehr.

Dieses stärkere Miteinbeziehen des Charakters sowie die deutlich verbesserte, professionellere grafische Gestaltung und die an sich tolle, längere Story können das schwächere Rätseldesign allerdings nicht ganz aufwiegen. Ich bin zuversichtlich, dass Big Time Games es beim nächsten Mal hinbekommen, alle Stärken zu vereinen. Denn eigentlich haben sie in den ersten beiden Teilen gezeigt, dass sie es besser können.

Gesamtwertung: 64%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium II 300 MHz-Prozessor
  • 256 MB (512 MB bei Windows XP)
  • 800 MB freier Festplattenspeicher
  • 16x CDROM-Laufwerk
  • 16 MB SVGA-Grafikkarte mit 32 Bit Farbe
  • DirectX9-kompatible Soundkarte

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

Der Anfangsbildschirm
Der Anfangsbildschirm

 

 

Ah, hier lang gehts raus!
Ah, hier lang gehts raus!

 

 


 


Der Vergnügungspark
Der Vergnügungspark

 

 

Die Maps helfen uns auch nicht wirklich weiter
Die Maps helfen uns auch nicht wirklich weiter

 

 

 

Die Einführungsstory wird wieder durch ein paar handgemalte Bilder erzählt
Die Einführungsstory wird wieder durch ein paar handgemalte Bilder erzählt

 

 

 

Die unglückseelige Achterbahn
Die unglückseelige Achterbahn

 

 

 

Ein Dekodierungsrätsel
Ein Dekodierungsrätsel

 

 

 

Erst wenn wir Kapitel 1 durchgespielt haben, haben wir wieder das zweite freigeschaltet
Erst wenn wir Kapitel 1 durchgespielt haben, haben wir wieder das zweite freigeschaltet

 

 

 

Ha, habe ich eines dieser Biester!
Ha, habe ich eines dieser Biester!

 

 

 

Kennt noch jemand die Band Disneyland after Dark
Kennt noch jemand die Band Disneyland after Dark?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 01. Oktober 2007

 

 

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