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Desperate Housewives


Erscheinungsdatum Deutschland:  Oktober 2006

Entwickler: Liquid Entertainment

Publisher: Buena Vista Games

Homepage

Boxshots

Spielsprache und Handbuch getestete Version: Deutsch

USK: 16+

 

 

Ein Review von  Sherlock   04. Februar 2007

 

Nun ist, wie bei beinahe jeder erfolgreichen TV-Serie, das Spiel zu Desperate Housewives erschienen. Ob das als Adventure angekündigte Spiel das hält, was es verspricht, habe ich unter die Lupe genommen.

 

Story

Sie sind neu in der Wisteria Lane, der skandalträchtigsten Straße der Vorstadt. Sie können sich nicht an Ihre Vergangenheit erinnern. Stück für Stück kommt die Wahheit aber doch ans Licht. Und das wird einigen nicht gefallen ... Jeder der Anwohner dieser Straße hat manch mysteriöse, schreckliche, pikante oder aber auch harmlose Geheimnisse, die es zu lüften gilt. Man entscheidet selbst, wen man zum Freund haben will und wen nicht, wen man hintergeht, bei wem man sich einschleimt. Einfach alles!

Man selbst spielt eine junge Frau, die nach und nach ihr eigenes dunkles Geheimnis entdeckt. Durch einen Autounfall hat sie ihr Gedächtnis verloren und hat alles was sie weiß nur von ihrem Mann erfahren. Ob das so gut ist und was noch dahinter steckt - selbst rausfinden!

 

Installation

Das Spiel ist zusammen mit dem gedruckten Handbuch in einem DVD-Case zu erstehen. Die Installation bereitet keine Probleme. Ladezeiten werden mit kleinen Fragen zur TV-Serie aufgelockert.

 

Menüs

Nach dem Spielstart hat man die Möglichkeit, sich eine Familie zurechtzubasteln, mit der man spielen möchte. Dabei kann man zwischen Hautfarbe, Kleidung und Frisur der Hauptakteurin wählen. Für deren Ehegatten und Sohn kann man lediglich das Aussehen ändern. Der Familie kann man dann noch einen Namen geben und das Spiel starten. Es folgt eine etwas längere Ladezeit vor dem ersten Tag. Nach dem Tages-Intro fängt das Spiel endlich an. Links unten auf dem Bildschirm erscheinen einige Symbole: Aufgaben, Inventar, Geheimnisse und dergleichen. Auf der rechten unteren Seite kann man wiederum anhand von Symbolen den momentanen Geselligkeitsstatus zu anderen bekannten Charakteren der Wisteria Lane, Körperpflege-Status und alle Stati aufrufen, die das eigene Empfinden wiederspiegeln. Ähnlich wie bei "Die Sims" ist darauf zu achten, diese Stati im grünen Bereich zu halten.

Mittels der Karte, die ebenfalls über ein Icon am rechten unteren Bildschirmrand aufgerufen werden kann, gelangt man an sämtliche Orte der Wisteria Lane. Leider wird aber trotzdem genausoviel Zeit abgezogen wie bei einem manuellen Ortswechsel.

 

Steuerung

Wer "Die Sims" kennt und mag, wird sich bei diesem Spiel sehr wohl fühlen. Die Steuerung ist sehr ähnlich. Es wird auf Objekte oder Personen geklickt und dann erscheint eine Liste mit Aktionen, die möglich sind. Man bewegt sich fort, indem man einfach auf eine Stelle des Bildschirms klickt. Die Hauptakteurin geht dann zur angeklickten Stelle, die durch einen Kreis gekennzeichnet ist. Nicht begehbare Orte werden durch einen roten Pumps gekennzeichnet, wenn man mit der Maus darüberfährt. Durch Bewegen des Mauszeigers an den linken oder rechten Bildschirmrand kann man die Kameraperspektive beliebig verändern. Am oberen und unteren Bildschirmrand kann der Neigungswinkel verstellt werden. Es wird auf übliche Art und Weise gespeichert. Das Spielmenü wird mit der ESC-Taste aufgerufen. Dort kann man unter anderem das Speichermenü mit unbegrenzt möglichen Speicherständen finden. Bei Beendigung des Spiels wird automatisch abgefragt, ob man den Spielstand vorher speichern will. Bei erneutem Spielstart mit der angelegten Familie, startet das Spiel automatisch von der zuletzt gespeicherten Stelle aus.

 

Hotspots/Inventar/Dialoge

Beinahe alles kann in diesem Spiel angeklickt und verwendet werden. Das ist auch nötig, denn es ist immer auf den jeweiligen Status des Körperbefindens geachtet werden. Mit einem Fernsehprogramm kann man die Stimmung heben. Am Schminktisch kann man sein Körperempfinden ebenfalls verbessern. Dies alles ist nötig, aber nicht gerade adventure-typisch! Inventarobjekte werden automatisch angewandt, wenn man auf die passende Person oder den passenden Gegenstand klickt. Im Dialog mit anderen Gesprächspartnern werden die Themen im Multiple-Choice-System als Smileys angezeigt, die gleichzeitig auch die Stimmung wiederspiegeln.

 

Rätsel und Aufgaben

Zu Beginn wird man gleich erstmal von vielen Anwohnern begrüßt und gleich zu einer Frauenrunde eingeladen. Diese Einladung sollte man auch nicht abschlagen, weil einem ansonsten viele Sympathiepunkte verlorengehen.

Der Abschnitt über Rätsel des Spiels in diesem Review ist sicher einer der kürzesten aller Zeiten sein. Es gibt keine! Ein paar Minispielchen, zum Beispiel, das Abendessen für die Familie oder die Gartenpflege erwarten uns, das war's aber auch schon. Je nachdem, wie schnell und professionell wir das Abendessen zubereiten, desto schneller steigen wir beim Kochen auf Level 2 und können andere, schwierigere Gerichte kochen. Genauso im Garten. Je öfter wir uns um unseren Garten kümmern, desto schneller steigt der Gartenlevel und es können schönere Pflanzen eingepflanzt werden. Das einzig Gute daran ist, dass man zu jedem dieser Minispiele ein Tutorial abrufen kann, das man auch jederzeit wieder abbrechen kann. Sowohl Gartenpflege als auch Kochen beanspruchen sehr viel Zeit am Spieltag. Das Schaffen aller Aufgaben an einem Tag ist so gut wie unmöglich.

Die Aufgaben (z.B. mit Bree, Susan etc. reden, im Internet surfen usw.) sind offensichtlich und einsehbar. Neben deren Erledigung darf man aber das eigene Wohl und das seiner Familie nicht aus den Augen verlieren. Die Handlung ist zwischen diesen Aufgaben recht spärlich gesäht und hat nicht wirklich etwas mit der Handlung der TV-Serie zu tun. Lediglich die Anwohner der Wisteria Lane sind dieselben.

Einige Aufgaben erscheinen mir auch sehr abstrus. So hat zum Beispiel einer von Lynettes Söhnen ein Bild von Susan geklaut, das wir als neue Nachbarin nun in Susans Haus zurückschaffen sollen, ohne erkannt zu werden, während Lynette Susan ablenkt. Lynette und Susan sind doch so gute Freundinnen und Susan kennt Lynettes Kinder doch. Warum sollte Susan also sauer auf Lynette sein, wenn sie ihr die Wahrheit sagt und das Bild so zurück gibt?

Um 22.00 Uhr gehen alle in der Wisteria Lane gleichzeitig zu Bett und man kann entscheiden, ob man auch schlafen geht oder in eines der anderen Häuser einbricht. Jeder Einbruch kommt allerdings auf die Liste der eigenen "schrecklichen" Geheimnisse, die niemand lüften darf.

Jeden Tag findet man im Briefkasten einen realen Online-Gutschein, den man bei Gefallen einlösen kann. Mit dem Auto gelangen wir ins Einkaufszentrum, bei dem sich unser Ehegatte auch als praktizierender Arzt betätigt. Dort kann man sich neu einkleiden und damit sein Befinden verbessern. Leider wirkt das Einkaufszentrum aber wie ausgestorben, weil man die einzige Kundin ist, es sei denn, man hat sich mit seinen Freundinnen verabredet.

Die anderen Charaktere sind immer gleich gekleidet - wieder ein Minuspunkt. Zudem wäscht sich weder unser werter Gatte noch unser Sohn. Hausarbeiten bleiben nur an uns hängen. Da türmt sich halt der Abwasch oder die Wäsche - was soll's.

Bei "Die Sims" muss man erst noch das Haus erstellen und einrichten. Hier ist das alles bereits erledigt. Viele Objekte können dafür aber für verhältnismäßig viel Geld "verbessert" werden, d.h. dass man zum Beispiel luxuriösere Möbel kaufen kann. Auch beim Kleidungskauf im Einkaufszentrum sollte man vorsichtig mit dem Geld sein. Dieses steht nicht in unbegrenzter Höhe zur Verfügung, auch wenn man täglich etwas hinzu bekommt. Die Zeit verfliegt, ähnlich wie bei "Die Sims", wie im Fluge. Da dauert es schon mal 3-4 Stunden Spielzeit, um zum Nachbarhaus zu gelangen. Man kann die Spielgeschwindigkeit zwar ähnlich wie bei einem Videorecorder erhöhen, aber gleichzeitig vergeht die Zeit im Spiel auch schneller. Minuten vergehen im 2-Sekunden-Takt.

Die Hauptaufgabe besteht im Spiel lediglich darin, für das eigene Wohlbefinden zu sorgen und "schreckliche" Geheimnisse der anderen Bewohner der Wisteria Lane herauszufinden. Dadurch verliert es unheimlich an Tiefe und die Handlung an Bedeutung. Die Erkundung des eigenen Geheimnisses steht aber auch im Vordergrund. Nach einem Autounfall hat unsere Hauptakteurin ihr Gedächtnis verloren und hat von Ihrem Ehegatten alle Ereignisse (ob Schein, ob Sein) eingebleut bekommen. Es ist von vornherein zu ahnen, welches Geheimnis da auf einen zukommt.

Im Laufe eines Spieltages kommen einige Aufgaben hinzu (mit Bree reden, mit Susan reden, Edie Medikamente geben, ...). Sobald all diese Aufgaben erledigt sind, fängt ein neuer Spielabschnitt an, der stets mit einem kleinen Filmchen eingeleitet wird. Die Spielzeit ist aufgrund der rasch vergehenden Zeit im Spiel und der damit verbundenen dahinschleichenden Aufgabenerledigung unheimlich in die Länge gezogen worden und liegt etwa bei 30 bis 40 Stunden. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht sehr hoch.

 

Altersfreigabe

Wie man bei der PEGI auf eine Altersfreigabe ab 16 Jahren kommt, ist mir schleierhaft. Sämtliche Nacktszenen (Dusche, ins Bett gehen) werden verschwommen unkenntlich gemacht. Ohne Altersbeschränkung würde ich das Spiel zwar auch nicht einstufen, da die Dame des Hauses hin und wieder im "kurzen Schwarzen" auftritt und damit ihren Mann verführt. Auch die Aufgabenverteilung ist komplex (nicht schwer), aber ansonsten sehe ich hierfür keine Probleme bei der USK-Einstufung. Gewalthandlungen gibt es nur in Form von Ohrfeigen.

 

Grafik/Sound

Die Grafik kommt besonders in den kleinen Tages-Intros sehr gut zur Geltung. Dort kann man kaum zwischen Realität und Spiel unterscheiden. Die Gesichtsausdrücke kamen sehr authentisch daher. Anders im Spiel selbst. Da legt sich unser Ehemann schon mal mit seinem Arztkittel ins Bett. Der Soundtrack der TV-Serie wurde 1:1 übernommen. Leider aber nicht die Synchronsprecher. Durch andere Stimmen verliert das Spiel einiges an Authenzität. Sowohl Ehegatte als auch Sohn unserer Hauptfigur können mal sprechen - dann mal wieder nicht. Ansonsten ertönen, wie es heutzutage Standard sein sollte, wenn man sich z.B. Wasser nähert, plätschernde Geräusche und dergleichen.

 

Fazit

Ich hatte mir einiges mehr versprochen. Aus der bestehenden Handlung der Serie hätte man im Spiel doch etwas abkupfern können. Für mich ist es mehr eine Mischung aus Strategie, Simulation und Adventure zu ungleichen Teilen. Sehr schade war auch, dass für die Synchronisation nicht dieselben Profis wie für die TV-Serie herangezogen wurden. Mich erinnern zu viele Aktionen an "Die Sims"! Das Spiel ist eine echte Enttäuschung und hat nur sehr wenig mit einem Adventure gemein. Ein großes Minus stellt für mich neben den neuen Synchronsprechern die in die Länge gezogene Spielzeit dar. Daher bleibt nur eine

 

Gesamtbewertung: 41%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium III mit 800 MHz
  • 128 MB RAM
  • 32 MB DirectX 9.0 kompatible 3D-Grafikkarte
  • 32-fach CD-ROM Laufwerk

 

Getestet auf:

  • Windows XP Servicepack 2
  • AMD Semperon 3000+ mit 2,0 GHz
  • 768 MB RAM
  • ATI RADEON 9250 Grafikkarte mit 128 MB RAM
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • 16-fach DVD-ROM Laufwerk

 

Copyright © sherlock für Adventure-Archiv, 04. Februar 2007

 

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