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Dark Fall 2 - Schatten der Vergangenheit
(Lights Out - US-Titel)


Erscheinungsdatum Nordamerika: 08/2004
Erscheinungsdatum: Deutschland: 11/2004

Entwickler: XXv Productions
Publisher: The Adventure Company

Spielsprache: deutsch

 

USK: ab 6 Jahren

Homepage Entwickler
Homepage Publisher

 

Ein Review von slydos   05. Dezember 2004

 

Wir wissen bereits, was Jonathan Boakes imstande ist, als Stand-Alone-Spieleentwickler zu leisten. Deshalb hat Dark Fall 2 auch nicht mehr den Vorteil der Überraschung auf seiner Seite. Und eine Überraschung war es allemal, daß da ein Engländer im Alleingang eines der gruseligsten Abenteuer des Jahres 2002 geschaffen hatte. Nach einer kurzen Reaktionszeit erkannte das auch Dreamcatcher und wurde Publisher des bereits vorher als Independentspiel veröffentlichten Dark Fall 1. Mit Dark Fall 2 - Schatten der Vergangenheit wird nun die Zusammenarbeit fortgesetzt.

Jonathan Boakes 'spielt Misty für uns' - Nebelschwaden wabern um die Häuserecken des kornischen Fischerortes Trewarthan in einer Aprilnacht des Jahres 1912, so wie Gruselfreunde es mögen. Der Kartograph Benjamin Parker ist hierher geschickt worden, um eine Gegend abzubilden, die scheinbar sehr gefährlich ist, denn schon eine Reihe von Fischern ist verschwunden. Und Parker hat einiges zu tun - noch nicht mal der Leuchtturm der nahegelegenen Felseninsel Fetch Rock ist auf den existierenden Karten eingezeichnet.

Der Arzt des Dorfes schickt ihn mitten in der Nacht auf eine geheimnisvolle Mission zu diesem Leuchtturm, auf dem 3 Leuchtturmwächter Dienst tun. Viel mehr, als daß sich dort Mysteriöses tut, erfahren wir jedoch nicht von ihm ...

Mal ehrlich, würden Sie das machen? Wenn Dr. Demarion den Leuchtturmwärtern nachspionieren will, soll er das doch gefälligst selbst tun - ich würde mich bis zum nächsten Morgen in mein warmes Bett verkrümeln. Aber Parker macht sich tatsächlich mit einem Boot in Dunkelheit und Nebel auf - das bedeutet Null Sicht auf dem Wasser - und erreicht auch Fetch Rock.

Der Leuchtturm ist dunkel und verlassen. Zwar lassen die vorgefundenen Spuren vermuten, daß die 3 Wächter gerade erst verschwunden sind - aber wohin? Parker untersucht ihre Hinterlassenschaft und erfährt durch Aufzeichnungen von den mysteriösen Vorkommnissen der letzten Tage. Außerdem scheint er dort doch nicht so ganz allein zu sein. Immer wieder hört er Geräusche, mysteriöse geflüsterte Worte oder Musik, kurz gesagt es scheint zu spuken.

Also Vorsicht, sollten Sie sich entscheiden, Parker zu folgen um weiter in die Geheimnisse von Fetch Rock einzudringen, dann werden Sie vielleicht auch in Kürze von Ihren Lieben vermißt werden ... weil dieses Adventurespiel eine äußerst spannende und überraschende Geschichte hat, die Sie an den Monitor fesseln wird.

 

Sound/Sprache

Wenn das noch möglich war, so hat Jonathan Boakes eine noch aufregendere Atmosphäre geschaffen, als in seinem ersten Spiel. Die Geräuschkulisse kann spannender nicht sein, von leise hallenden Schritten über ein Hüsteln ganz in der dunklen Nähe bis hin zu einem elektrisierenden plötzlichen Lachen. Und es geschieht immer genau dann, wenn wir am wenigsten darauf gefaßt sind. Das genaue Timing setzt eine ausgezeichnete Spielerkenntnis voraus. Das ist wirklich meisterhaft! Schweigen der Lämmer war gestern - heute setzt Dark Fall 2 - Schatten der Vergangenheit Thrillersound-Maßstäbe. Und dabei hält sich Boakes auf den Spuren des ebenfalls minimalistisch arbeitenden Vorbildes John Carpenter, so daß nicht nur vom Schauplatz her ("The Fog") Erinnerungen aufkommen, was wohl ebenso gewollt ist wie geschickt genutzt wird.

Die diesmal wesentlich umfangreichere Sprachausgabe und besonders die gruselige Bearbeitung der Stimmen (Hall, Verzerrung) ist sehr gut gelungen. Auch die Musik, gänsehautproduzierende Cello- oder Klavierklänge, trägt ihr Scherflein zur Gruselstimmung bei.

 

Grafik

Die realistisch vorgerenderten Szenen sind noch besser gelungen als in Dark Fall 1. Sowohl die nebligen Nachtszenen, die von Kunstlicht erhellten Räume, schimmernd-glimmernde Wasserhöhlen oder die in strahlendes Sonnenlicht getauchten Gestade von Fetch Rock - das alles sieht sehr gut aus. Daneben die vielen Objekte und Gegenstände, die wir untersuchen können und die dabei immer öfter animiert sind ... man merkt, daß Jonathan sich Schritt für Schritt grafisch weiter vorwagt und diesmal auch die Charakterdarstellung nicht mehr ausschließt.

Da gibt es Puppen in einem Museum und wenn man kurz wegschaut, dann scheinen sie sich zu bewegen ... nein, sie verändern sich ... täuscht uns das Auge? ... Sie werden den Dingen sicher auf den Grund kommen.  Parker kann auch mit einem realen Menschen kommunizieren, aber bei der Gesichtsanimation wurde vorsichtshalber der Mund ausgespart - Vielleicht wird Jonathan Boakes bis zum nächsten Spiel auch das beherrschen und uns mit perfekter Lippensynchronität überraschen.

In Dark Fall 2 - Schatten der Vergangenheit dürfen wir im Introvideo einen Blick auf Benjamin Parker erhaschen, der von schlechten Träumen heimgesucht wird. Gut zu wissen, wie wir aussehen, denn wir werden ja  viele Stunden in seinem Körper verbringen und die Szenerie durch seine Augen sehen.

Vorbild für Trewarthan ist der reale kornische Fischerort Polperro. Trewarthan und die weiteren Schauplätze sind allerdings neu erdacht worden und nicht einfach eine Kopie der bestehenden Landschaft. Mit über 50 Orten hat Boakes eine beeindruckende Spielumgebung geschaffen, die in vier verschiedenen Zeitepochen stattfindet. Für die deutsche Version sind alle Ingame-Grafiktexte übertragen worden, so daß wir ein nahtloses Spielerlebnis haben und nicht durch On-screen-Übersetzungen oder Nachlesen im Handbuch, wie beispielsweise bei Bad Mojo, abgelenkt werden.

 

Handling/Steuerung

Wie in Dark Fall 1 nehmen wir Egoperspektive ein und navigieren per Maussteuerung. Im Prinzip kann man sich vollkommen unkompliziert bewegen und interagieren: der Cursor verändert sein Aussehen über Hotspots (Lupe, Werkzeug, Hand) oder über Szenenausgängen (Pfeile), die Inventarobjekte sind immer sichtbar am unteren Bildschirmrand und das Menü zum Speichern, Laden und Beenden des Spiels immer am oberen Bildschirmrand.

Aber Hotspots und Szenenübergänge sind vielfach gut versteckt in der Dunkelheit, eng nebeneinander oder in der Nähe des Bildschirmrandes plaziert oder erscheinen erst nach Entdeckung gewisser Dinge oder Lösung von Aufgaben. Nimmt man noch hinzu, daß es oft nicht die 'normalen' 4 Himmelsrichtungen zum Navigieren gibt, finden wir ungeahnt viele Möglichkeiten unsere Bewegungsrichtung zu ändern, was uns in einer sukzessive größer werdenden Spielumgebung schon mal Orientierungsprobleme bereiten kann. Diese Orientierungshürden sind wohlgemerkt beabsichtigt und zwingen die Spieler zu einer von 2 Vorgehensweisen: entweder jedes Bild/Blickrichtung planmäßig und genau abzusuchen oder viel Gelaufe auf sich zu nehmen.

Sichern kann man jederzeit und unbegrenzt über ein Windows-Fenster. Man sollte sich allerdings bei der Namensvergabe gleich ein System einfallen lassen, damit man sein letztes gespeichertes Spiel schnell wieder findet. Es gibt kein Game-Over und es kamen keine technischen Spielabbrüche vor, so daß ein ständiges Speichern nicht unbedingt erforderlich ist.

 

Rätsel

Inventargegenstände werden bei Mausberührung vergrößert dargestellt. Eine zusätzliche Textbeschreibung der manchmal fremdartigen Objekte wäre hilfreich gewesen. Der Einsatz von Objekten ist allerdings denkbar einfach: Nimmt der Cursor die Form eines Werkzeuges an, muß man nur auf einen Gegenstand klicken und der wird automatisch benutzt oder zurückgelegt, wenn er nicht paßt. Falls Sie also ein Anhänger der Trial-and-Error-Methode sind, kommen Sie damit zumindest bei den objektorientierten Rätseln in Dark Fall 2 schnell weiter.

Die zweite große Rätselkategorie, Coderätsel, ist allerdings ohne ein wenig Nachdenken und Kombinieren kein gutes Anwendungsobjekt für diese Methode. Übrigens sollte man gleich von Beginn ein paar Blatt Papier und einen Stift bereitlegen, es gibt einiges zu notieren und abzuzeichnen. Ohne Notizen geht gar nichts.

Durch die große Spielumgebung und geringe Linearität können sich die Spieler auf ein langes Spiel einstellen, das sie keinesfalls in weniger als 20 Stunden meistern werden. Richtige Hänger hat man dabei selten, da man sich fast überall frei bewegen kann, um sich erst mal eine andere Aufgabe zu suchen. Die Aufgaben entwickeln sich aus der komplexen Geschichte und sind für sich gesehen nicht schwierig. Knifflig ist eher das Aufstöbern der Rätsel, Wege, Gegenstände. Die Rätsel sind logisch nachvollziehbar, es gibt weder Action- noch Geschicklichkeitseinlagen, keine zeitabhängigen Rätsel und auch kein Labyrinth.

 

Installation/Technisches

Nach der unproblematischen Installation gelangt man ins Hauptmenü von Schatten der Vergangenheit. Leider war bei mir dort das Ende der Fahnenstange erreicht - ein Spielstart war nicht möglich und eine Macromedia-Fehlermeldung brachte mich zu Windows zurück. Es stellte sich dann heraus, daß Dark Fall 2 nur im Windows98-Kompatibilitäts-Modus gestartet werden kann, was schon recht eigenartig für ein neu erschienenes Spiel ist.

Darüber hinaus traten keine technischen Probleme auf.

 

Fazit

Die spannende Geschichte ist sehr ausgefeilt und in vielen Dokumenten ausgesprochen ausführlich erzählt. Da wurde genaue Hintergrundrecherche betrieben von Leuchttürmen über Fischfang zu kornischer Geschichte. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk für Gruselfans, die das Durchstreifen scheinbar einsamer Schauplätze in Egomanier mögen. Auch wenn der Überraschungseffekt des Newcomers vorbei ist, Dark Fall 2 ist wieder ein äußerst spannendes Adventure mit verblüffenden Wendungen.

 

Bewertung: 79 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium III 450 MHz+
  • 128 MB RAM
  • 24x CD-ROM- oder DVD-Laufwerk
  • SVGA-Grafikkarte (32 bit Farbe, 800 x 600)
  • DirectX9-kompatible Soundkarte
  • Maus, Lautsprecher, Tastatur

 

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 05. Dezember 2004

 

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Hauptmenü
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Das Handwerkszeug eines Kartografen
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Gespräch mit Dr. Demarion
Gespräch mit Dr. Demarion

 

 

Geisterhafte Nebelschwaden
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Das Innere des Leuchtturms
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Es sieht alles wie eben verlassen aus
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Gleicher Ort - andere Zeit
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Hier benötigen wir den richtigen Code
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Polly White - Geisterjägerin
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Ein archaisches Dorf
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Puppen können erschreckend echt aussehen
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Wir müssen eine Menge lesen
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