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Das Geheimnis der vergessenen Höhle


Erscheinungsdatum: 07/2005
Entwickler: Kheops Studio/Mzone Studio/Totem Studio
Publisher: The Adventure Company

USK: geeignet ohne Altersbeschränkung


Spielsprache: Deutsch


Boxshots


Ein Review von   slydos   14. Juli 2005

 

Das letzte Spiel von Kheops Studio war zwar "Die Rückkehr zur geheimnisvollen Insel", ein Spiel nach einem Jules-Verne-Stoff, aber thematisch folgt "Das Geheimnis der vergessenen Höhle" eher auf "Egypt 3" und ist ein Geschichtsadventure, obwohl der Zeitraum auch nicht annähernd bestimmbar ist, an dem sich die dargestellten Ereignisse zugetragen haben mögen. Und die zugrunde liegenden Ereignisse, nämlich die Ausschmückung der Lascaux-Höhlen im Südwesten von Frankreich mit Höhlenzeichnungen, sind das zentrale Thema dieses Spiels.

 

Geschichte

Mit der (mittlerweile wieder umstrittenen) Radiokarbonmethode wollen Archäologen das Alter der 1940 entdeckten Höhlenzeichnungen von Lascaux in die Zeit zwischen 17.000 und 15.000 vor Christus legen. Wer etwas tiefer in diese Materie einsteigen möchte oder seinen nächsten Urlaub in das schöne Périgord plant, dem sei die Homepage von Lascaux empfohlen, die in französischer, deutscher und englischer Sprache vorliegt.

Kheops Studio hat nun um diese Höhlen und die darin befindlichen Zeichnungen herum in Abstimmung mit Wissenschaftlern eine Geschichte entwickelt, die sich um den jungen Helden Arok rankt.

Arok, auf der Pirsch nach einem Hirschen, wird von einem pumaähnlichen Höhlenlöwen in eine Höhle getrieben. Die dort befindlichen Malereien erinnern ihn an Klem, den er als Kind getroffen hat. Klems Zeichnungen und seine eigene Erinnerungsgabe veranlassen ihn, sich auf Klems Spur zu begeben. Dabei muß er so schlichte Aufgaben wie Feuer machen aber auch anspruchsvollere Herausforderungen bewältigen, wie z. B. wilde Tiere bezwingen, bis er sich seinem Vorbild nähern kann.

Die Spieler müssen dazu einige Fähigkeiten erlernen, die der steinzeitliche Jugendliche bereits beherrscht, z. B. Waffen anfertigen oder Nahrung beschaffen. Aber auch Arok lernt viel Neues hinzu und trifft auf seiner Wanderung ins Unbekannte fremde Menschen. Dabei ist Arok sehr zutraulich. Ich persönlich habe gleich nach einer imaginären Waffe in meinen Gedanken gesucht, als es sich plötzlich ein fremder Mann an meinem Lagerfeuer gemütlich gemacht hatte.

 

Grafik/Sound

Dafür, daß es nicht sehr viele verschiedene Schauplätze gibt, wurde in deren Detailgrad viel Arbeit gesteckt. Bäume, Sträucher, Kräuter, Pflanzen, Schmetterlinge, Vögel, Fische, Pferde, Bachläufe, Materialoberflächen von Holz, Ästen, Stein, Leder, Horn, Fell oder Knochen sind detailreich und sehr genau wiedergegeben. Da flackern die Öllampen in den dunklen Höhlen und der kleine Fluß mit seinen Stromschnellen rauscht sehr realistisch.

Die tatsächlichen Höhlenmalereien von Lascaux bilden nicht nur den Hintergrund sondern sind auch direkt in das Rätseldesign einbezogen. Sie werden in oftmals rauschhaften Animationen zum Leben erweckt.

Die sparsamen Geräusche bilden einen echten Hintergrundsound, der von Zeit zu Zeit von einfachen Klängen wie denen der ebenfalls rätselmäßig eingesetzten Klangsteinen begleitet wird. Manchmal ertönt gruseliges Wolfsheulen oder geisterhafte Eulenrufe. Bei dieser lebendigen Fülle hätte man sich gewünscht, diese Welt ohne programmtechnische Grenzen frei erkunden zu können. Aber die Handlung hat sich auf den vorgegebenen Pfaden abzuspielen.

Sprache und Sprecher wirken nicht ganz so perfekt wie sonst alles in diesem Spiel. Arok und die anderen Charaktere betonen etwas laienhaft und sein Freund Klem scheint aus dem französischen Sprachraum zu stammen. Die beigefügte Enzyklopädie weist darauf hin, daß sich die Menschen zu dieser Zeit höchstwahscheinlich mittels Sprache verständigt haben und man kann sich vorstellen, daß es da sicher nicht so hochsprachlich zugegangen ist wie man es in anderen Adventurespielen erwarten kann. Dafür drücken sich die wenigen Darsteller - das Areal war damals nur dünn besiedelt, nimmt man an - schon sehr gewählt, ja fast episch weitschweifig und grammatikalisch gegenwartsmäßig richtig aus.

Glaubwürdiger empfand ich vergleichsweise das Geschichten-Erzähl-Rätsel, weil es zeigt, welche Verständigungsmöglichkeiten es gab, wenn sich fremde Menschen in dieser Zeit begegnet sind, die nicht das gleiche Vokabular hatten. Und werden es nicht die gleichen Möglichkeiten gewesen sein, die wir auch heute noch haben, nämlich Mimik, Gestik, Bewegungen, Laute und natürlich Zeichnungen? In dieser Hinsicht sind die Akteure in unserem Spiel allerdings recht zurückhaltend und vertrauen eher auf die akustischen Signale der Sprache als auf ausdrucksvolle Bewegungen.

 

Steuerung

Das Geheimnis der vergessenen Höhle ist vollkommen mausgesteuert. Man kann sich fließend um sich selbst drehen und auch nach oben bzw. unten schwenken. Dabei hält sich das Schwindelgefühl definitiv in Grenzen, daß man schon mal in so manch unübersichtlichem anderen Spiel (Beispiel Salammbo) erleben mußte. Es ist zusätzlich möglich, über das Optionsmenü hierzu die Kamerageschwindigkeit zu verändern.

Szenenausgänge und andere Interaktionsflächen lassen den Cursor unterschiedliche Gestalt annehmen, je nach Aktionsmöglichkeit. Während die linke Maustaste Aktionen ausführt, liefert die rechte Maustaste alles andere auf einen Klick, nämlich das Inventar, daß als Icon-Leiste am unteren Bildschirmrand erscheint und gleichzeitig links daneben 4 Symbole für die restlichen Spielfunktionen als da wären: Enzyklopädie, Tagebuch, Hauptmenü und eine Lupe, um Inventargegenstände vergrößert darzustellen. Wenn wir ins Tagebuch oder die Enzyklopädie schauen sollen, erscheinen in der rechten oberen Bildschirmecke die entsprechenden Symbole für einen Moment eingeblendet.

Spielstände kann man unbegrenzt sichern. Das geschieht automatisch über den entsprechenden Menüpunkt mit Zeit und Bild. Angenehm beim Laden ist es, daß immer das zuletzt gespeicherte Spiel als erstes angeboten wird. Leider ist nur die Gesamtlautstärke veränderbar.

Das Handling ist sehr einfach zu beherrschen und bedarf auch für Einsteiger keiner Einarbeitungszeit.

 

Enzyklopädie

Endlich mal wieder ein Adventurespiel mit einer Enzyklopädie, werden sich manche freuen, die neben dem Erfahren von Situationen und der beiläufigen Informationsvermittlung innerhalb des Spiels gerne etwas 'Reales, Handfestes, Nachprüfbares und Geordnetes nach Hause tragen möchten'. Kontextsensitiv wird den Spielern per Symboleinblendung mitgeteilt, daß es zur aktuellen Spielsequenz einige zusätzliche Informationen gibt. Beispielsweise erfährt man auch etwas über die Entdeckung der Höhle durch einige Jugendliche und wird dann auch verstehen, wie es zu dem englischen Titel des Spiels, nämlich "Echo" gekommen ist.

Es ist angenehm, daß man in der auch unabhängig vom Spiel aufrufbaren Enzyklopädie nicht dauernd mit als Wahrheiten deklarierten Annahmen bombadiert wird, sondern es in den meisten Fällen ersichtlich ist, wo die Wissenschaft Vermutungen und Thesen aufstellt und wie sie dazu gekommen ist.

Anmerkung: Mir persönlich ist die Bezeichnung der gefundenen Überbleibsel als 'Kostbarkeiten' und 'Meisterwerke' suspekt, wenn ich mir vorstelle, wie irreführend beispielsweise entsprechende Rückschlüsse von aktuellen Graffitis auf unsere heutige Kultur wären. Ich stelle mir weiter vor, wie man z. B. die Knöpfe einer Jeansjacke in einem zukünftigen archäologischen Museum ausstellt nur weil sie jede Chanelkreation überdauert haben. Allein bei der Phantasie der heutigen Wissenschaftler kann man sich eine enorme Interpretationsbreite vorstellen. Also Künstler, wollt ihr noch in hunderten von Jahren beachtet werden, dann arbeitet in Stein und Metall und nicht in Holz oder womöglich Bits und Bytes.

 

Rätsel

Zu Beginn muß Arok überwiegend Inventar-/Objekträtsel lösen. Dabei geht's oft darum, Hilfsmittel oder Instrumente zu erstellen, wie z. B. einen Pinsel. Die Kombination der zugehörigen Materialien geschieht allerdings nicht im Inventar sondern am Spielbildschirm, meistens auf einem größeren, flachen Stein.

Im Verlauf des Spiels nimmt die Anzahl der Puzzler und Logikrätsel zu und mit ihnen steigert sich auch der Schwierigkeitsgrad auf mittelschwer. Schwieriger wird's immer dann, wenn man wenig oder keine Hinweise auf die Vorgehensweise bei Rätseln erhält und erst mal herausfinden muß, wie die Dinge reagieren, wenn wir mit ihnen umgehen. Das ist beim Malen der Fall und wenn man seine Bilder 'zum Klingen' bringen soll. Ich halte die Rätsel für gelungen und besonders lehrreich, um die Bedeutung von Wasser, Feuer, Nahrung, Werkzeug und speziell die Freizeitaktivitäten steinzeitlich lebender Menschen zu begreifen.

Es gibt einige Reihenfolge-, Kodier- oder mechanische Rätsel. Auch Klang-/Erkennungsrätsel sind dabei, abgewandelte Puzzles, Schieberätsel und mal wieder die Türme von Hanoi. Eine sehr leichte Geschicklichkeitsaufgabe braucht den Puristen unter den Adventurefans keine Sorge zu machen, schwerer sind eher die unscheinbaren, zeitlich begrenzten Rätsel bei denen sich Höhlenmalereien zu Visionen mausern. In einem Höhlenlabyrinth kann Lichtverlust zum Game Over führen.

Man hat dafür gesorgt, daß alle Rätsel gut in die Geschichte eingebettet sind. Es kann sich niemand beschweren, daß die Aufgaben unabhängig von der Story ersonnen und erst dann verknüpft wären. Lösungsansätze und Hinweise auf die nächsten Aufgaben findet man im automatisch geführten Tagebuch, seltener in der Enzyklopädie oder im wiederholten Dialog mit anderen Charakteren. Die Dialoge sind unverzweigte Multiple Choice-Unterhaltungen bei denen bereits abgehandelte Texte farblich markiert werden.

Die durchschnittliche Spieldauer wird bei 15-18 Stunden liegen.

 

Installation/Technisches

Die Installation von 2 CDROMs funktionierte automatisch und reibungslos genau wie das ganze Spiel in dem mir nicht das kleinste technische Problem begegnete.

 

Fazit

Das Geheimnis der verlorenen Höhle ist kein direktes Einsteigerspiel. Obwohl die Rätsel nirgendwo unlogisch auf- und eingebaut sind, werden Einsteiger durch Vorsicht und Unkenntnis, wie man Funktionsweisen von Rätseln herausbekommt, an manchen Stellen dank der starken Linearität hilflos hängen bleiben und mangels einer wirklich fesselnden Geschichte das Spiel zu früh beiseite legen. Wer allerdings bereits Erfahrung mit ähnlichen Spielen gesammelt hat, sei es von der Firma Kheops oder Cryo, wird das Höhlenadventure als willkommene Unterhaltung in dieser Tradition empfinden.



Bewertung:
75 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemanforderungen:

  • Windows 98/SE/ME/2000/XP
  • 64 MB Grafikkarte
  • Pentium III 800 MHz
  • 64 MB RAM
  • 16x CDROM Laufwerk
  • 1,2 GB Festplattenspeicher
  • DirectX 9-kompatible Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 14. Juli 2005

 

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Hauptmenü
Hauptmenü

Arok auf der Flucht
Arok auf der Flucht

 

Im Höhlenlabyrinth
Im Höhlenlabyrinth

 

Hirsche in Form eines vorzeitlichen Comics
Hirsche in Form eines vorzeitlichen Comics

 

Am Ende der Höhle eine idyllische Welt
Am Ende der Höhle eine idyllische Welt

 

Filigrane Farne
Filigrane Farne

Fischfang
Fischfang

Ein Werkzeugmacher
Ein Werkzeugmacher

Felsenhöhlen bieten Sicherheit und Überblick
Felsenhöhlen bieten Sicherheit und Überblick

Über den Fluß und in die Wälder ...
'Über den Fluß und in die Wälder ...'

Eine sichere Höhle mit romantischem Ausblick
Eine sichere Höhle mit romantischem Ausblick

Endlich bei Klem
Endlich bei Klem

Arok muß die Bilder zum Klingen bringen
Arok muß die Bilder zum Klingen bringen

Ein verzwickter Tormechanismus
Ein verzwickter Tormechanismus

Inventargegenstände können mit der Lupe vergrößert werden
Inventargegenstände können mit der Lupe vergrößert werden

Enzyklopädie
Enzyklopädie

 

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