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Das Jesus-Pergament


Erscheinungsdatum: 24.10.2009

Entwickler: fhb
Publisher: Deutsche Bibelgesellschaft


Spielsprache: deutsch

Boxshots

USK: ohne Altersbeschränkung

 

 

Ein Review von   Thelma   10. November 2009

Nach "Geheimakte Jesus" und „das Grab des Mose" bringt die Deutsche
Bibelgesellschaft nun das dritte unterrichtsbegleitende Bibel-Adventure
heraus: „Das Jesus-Pergament" ist eine Edutainment-Software, die sowohl
flankierend zum Religionsunterreicht eingesetzt werden soll als auch „stand
alone" als Adventure unterhalten will. Ob letzteres der Fall ist, habe ich
getestet und berichte hier.



Geschichte

Die Handlung führt sowohl die laut Bibelgesellschaft als Zielgruppe
avisierten 8-12-jährigen Religionsschüler als auch mich ins antike Galiläa,
ca. 40 Jahre nach der Kreuzigung Christi. Wir, die Kids und ich, schlüpfen
in die Rolle des Knaben Silas, dem ein vor römischen Soldaten flüchtender
Christ ein Pergament in die Hand drückt, verbunden mit der dringenden Bitte,
er möge die Schrift zum Schreiber Markus bringen und damit für die
Überlieferung retten. Dieser Bitte nachzukommen, versucht die Spielfigur
Silas auf sechs Level und damit in 6 verschiedenen Spielearealen mit 6
verschiedenen Aufgaben. Alternativ zur Spielehandlung kann man auch via
online-Verbindung in kindgerechten Bibeltexten schmökern.



Spielsteuerung, Handling


Das normale Spielgeschehen im Jesus-Pergament erinnert nicht an ein
Adventure, sondern an eine Kombination aus Strategiespiel und Jump & Run
einfachster Machart: Die Spielfigur Silas muss durch ein getuschtes Areal
aus Straßen, Häusern, Stadtmauern, Feldern, etc. bewegt werden und dabei
immer auf drei Dinge achten: a) Ein Button, der die Kraftreserven anzeigt,
sollte im grünen Bereich gehalten werden, d.h. man muss permanent Nahrung,
die in Form von Obstkörben, Fressbündeln und Wassereimern überall
herumliegt, aufsammeln und von Zeit zu Zeit zu sich nehmen. Wer verhungert,
landet (warum eigentlich?) im Gefängnis. b) Ständig droht die Gefangennahme durch eine Patrouille römischer Soldaten. Auch die bösen Römer
werfen einen ins Gefängnis, nicht ohne vorher das Inventar zu plündern. c)
Zu allem Überfluss wird Silas auch noch von Zeit zu Zeit beklaut und seiner
mühsam verdienten Schekel beraubt. Alle drei Misslagen haben keinen
Einfluss auf das Bewältigen eines Levels: Neue Nahrung liegt überall rum,
aus dem Gefängnis kommt man wieder raus und neues Geld kann man verdienen.
Aber immer geht Zeit drauf. Kostbare Lebenszeit. Nicht die der Spielfigur,
sondern die des Spielers!

Dieser drei Widrigkeiten immer eingedenk, müssen nun diverse Personen,
Gegenstände und Locations angesteuert werden, um die verschiedenen
Aufgabenhäppchen des jeweiligen Levels abzuarbeiten. Beispiel: etwas finden,
was einen Esel vertreibt, der mit seinem Karren den Eingang zu einem Haus
versperrt, in dem ein Christ wohnt, den wir sprechen müssen.

Silas bewegt sich nur auf direkten Wegen, d.h. es reicht nicht, einen
Zielpunkt anzuklicken. Hindernisse werden nicht automatisch umgangen. Die
Figur kann sowohl mit der Maus als auch mit der Tastatur gesteuert werden.
Zwischen den verschiedenen Aktionsarten „laufen", „sprechen", „Gegenstand
nehmen" und „Gegenstand einsetzen" muss in einem Menü am unteren
Bildschirmrand hin- und her geschaltet werden, auch das funktioniert
alternativ mit den Tasten L für laufen, S für sprechen, N für nehmen und E
für einsetzen. Um Zeit zu sparen, wurde bei mir die Tastatur ziemlich
schnell zum Steuerungsmittel der Wahl.

Die sechs Level können parallel bearbeitet werden, d.h. hat man in einem
Level keine Lust mehr, kann man abspeichern und ohne eine chronologische
Abfolge einhalten zu müssen, in einen anderen beginnen.

Das Stichwort „keine Lust mehr" ist bei dieser Spielsteuerung dann auch das,
was mir nach ca. 10 Minuten sofort in den Sinn gekommen ist! Um gleich mit
der Tür ins Haus zu fallen: Nie nie nie hätte ich diese zähe Mischung aus
Rumsucherei und Frustration absolviert, wenn ich keine Rezension versprochen
hätte.

Die Summe dieser Stolpersteine: Festname durch die Römer, verhungern wegen
nix gegessen und neuen Job suchen wegen ausgeraubt, all das macht das Spiel
weder spannender noch schwieriger. Bloß langweiliger. Das Jesus-Pergament
wird schnell zu einer richtig zähen Nummer.



Grafik, Musik, Sprache

Eigentlich fand ich den Grafikstil des Spieles sehr gelungen. Es muss ja
nicht immer alles dem detailverliebten Mainstream folgen. Ebenso wie „Edna
bricht aus" entwickelt das Jesus-Pergament einen eigenen, puristischen, aber
gefälligen Stil aus zarten Tuschezeichnungen. Das Intro und einige Zwischensequenzen sind nicht animiert, sondern comicartige Bildergeschichten
aus langsam aufeinander folgenden Zeichnungen.

Eigentlich schön, aber auch für Adventures gilt: form follows function.
Leider stößt die Art der Darstellung immer wieder an funktionelle Grenzen:
Es gibt keine Hotspots, die zart getuschten Personen und Gegenstände sind
für jede Form der Interaktion viel zu winzig. Bei den kleinen Figuren ist
nicht zu erkennen, ob es sich um Männer oder Frauen, Junge oder Alte, Knaben
oder Mädchen handelt. Erst wenn es gelungen ist, jemanden mittels „Sprechen"-Aktionsmodus zu aktivieren, erscheint eine Detailzeichnung in einem Nahaufnahme-Button.

Kurz: Man muss jeden undefinierbaren Fleck ansteuern und ausprobieren, ob
man damit reden oder es essen oder mitnehmen oder sonst verwenden kann. Das
ist schrecklich umständlich, weil jedes Mal eine andere Aktionsart angeklickt werden muss. Wenn die Bemühung kein Ergebnis zeitigt, kann das auch immer daran liegen, dass man zu weit entfernt oder zu nah dran steht. Anstrengend! Ein Beispiel: ein grauer Sack, in dem ich Nahrungsvorräte wähnte, entpuppte sich beim tapferen Durchdeklinieren aller Aktionsarten als gelähmter Christ!

In Relation zur Laufgeschwindigkeit der Spielfigur sind die Wege viel zu weit und die Spielareale der 6 Levels viel zu groß.

Die Hintergrundmusik besteht aus kurzen melodisch-quäkigen Sequenzen, die
immer wieder von vorn beginnen. Absolut nervtötend! Wer da nicht nach wenigen Minuten die Musik ausschaltet, ist taub oder schmerzfrei.

Gut gelungen hingegen ist die Synchronisation. Professionelle, unaufdringliche, sympathische Stimmen geben den agierenden Charakteren einen passenden Ton. Charaktere? Ja, kaum zu glauben, die gibt es auch! Leider kommt man mit ihnen viel zu selten in Berührung. Dabei sind sie, wenn man denn mal in den Genuss kommt, einen aus dem sympathischen Christenhaufen reden zu hören, wirklich liebevoll gezeichnet, toll gesprochen und sehr sympathisch inszeniert. Die Dramaturgie entfaltet sich völlig ohne missionarischen Eifer, man beginnt sich ehrlich dafür zu interessieren, wie sich diese eingeschworene Gemeinschaft aus sozialen Außenseitern durch Leben und durchs Schicksal schlägt, sich gegenseitig hilft und ihrem Vorbild, dem Zimmermann-Sohn aus Nazareth, nacheifert. Man hat sie sofort gern und ist auf ihrer Seite. So ein schöner Ansatz! So schade, dass alles von einem ungesüßten Griesbrei einer nervtötenden
Spielsteuerung zugekleistert wird und dass sich höchstwahrscheinlich niemand
die Mühe machen wird, sich da durchzufressen. Von mir weiß ich es, von den
8-12-jährigen Religionsschülern vermute ich es.



Fazit


Das Spiel bietet in erster Linie das, was ich persönlich aus meiner
schulischen Laufbahn – egal, ob im Religions- oder anderem Unterricht - als
Allerschlimmstes in Erinnerung habe: gähnende Langeweile. Dafür, dass die
8-12-jährigen Religionsschüler und ich uns so tapfer durch einige oder sogar
alle Level gequält haben, sollten wir unbedingt in dem Himmel kommen!

Ich habe die beiden Vorgängerspiele nicht gespielt, aber ein Blick auf ihre Screenshots und die Reviews macht deutlich, dass mit dem Jesus-Pergament ein
ganz anderer Weg der Dramaturgie und der Spiele-Architektur eingeschlagen
wurde. Meiner Überzeugung nach kein gelungener. Der epische Gehalt ist schön
und fesselnd, aber er ist leider tief unter einem allzu nervigen und langweiligen Spielverlauf verbuddelt.

Mit einer Bewertung tue ich mich schwer. Spontan möchte ich irgendwas
zwischen 0 und 15 Punkten vergeben, aber dabei tut es mir sehr Leid um die
schönen Geschichten.

Vielleicht wird man den positiven Ansätzen des Jesus-Pergaments am ehesten
gerecht, wenn man sagt: "Story und Dramaturgie schön, aber Genre verfehlt:
eigentlich war das gar kein Adventure."




 Gesamtwertung  38%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • CPU 1,5 GHz
  • 512 MB
  • DirectX 9
  • NVIDEA-GeForce oder ATI Radeon 64 MB RAM, DirectX-kompatibel
  • 1 GB freier Festplattenspeicher
  • DVDROM-Laufwerk
  • Maus, Tastatur
  • DirectX-kompatible Soundkarte

 

Gespielt auf:

  • Windows XP
  • NVIDEA-GeForce 6200
  • 512 MB
  • Pentium 4 CPU 1700 MHz

 

 

 

 

Der Startsceen: von hier aus kann man jeden beliebigen Level laden oder
Der Startsceen: von hier aus kann man jeden beliebigen Level laden oder
einfach nur in der Kinderbibel schmökern

 

 

So sieht das Spielareal meist aus. Rechts in weißer Toga: Silas, unsere
So sieht das Spielareal meist aus. Rechts in weißer Toga: Silas, unsere Spielfigur. Die Figuren, die von vorn zu sehen sind, können noch befragt
werden. Die abgewandten sind schon abgefühstückt. Unglücklicherweise drehen
sie sich nach einiger Zeit wieder nach vorn :-(

 

 

Erst beim Sprechen sieht man den Dialogpartner in einer kleinen
Erst beim Sprechen sieht man den Dialogpartner in einer kleinen Detailansicht

 

 

Im Haus bei Rebecca und ihren Christenfreunden
Im Haus bei Rebecca und ihren Christenfreunden

 

 


Zack, schon wieder im Gefängnis! Jetzt ist das Inventar wieder
Zack, schon wieder im Gefängnis! Jetzt ist das Inventar wieder geplündert. Auf zu neuer Nahrung und neuem Geld

 

 

 

Ein Dieb schlägt zu: Zack, schon wieder Geld weg
Ein Dieb schlägt zu: Zack, schon wieder Geld weg

 

 

 

Wenn man die Muschel aus dem Inventar benutzt, kann man den Fischer vom
Wenn man die Muschel aus dem Inventar benutzt, kann man den Fischer vom
See Genezareth herbeirufen

 

 

 

 

Mehr Screenshots

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © Thelma für Adventure-Archiv, 10. November 2009

 

 

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