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Das Grab des Mose 


Erscheinungsdatum: 2005
Entwickler: fhb
Publisher: Deutsche Bibelgesellschaft
Spielsprache: Deutsch

USK: keine Altersbeschränkung

Boxshots


 

Ein Review von slydos   02. Dezember 2005

 

'Nach 'Geheimakte Jesus' hat die Deutsche Bibelgesellschaft ein weiteres Adventure herausgegeben, das sich mit biblischen Themen beschäftigt. Das Spiel ist speziell als Begleitung für den Religionsunterricht gedacht um das Interesse an biblischer Geschichte zu wecken. Für Lehrer gibt's ein 40seitiges Begleitheft mit didaktischen Hinweisen.

Zwar geht es um das Leben und Wirken des Religionserneuerers Mose und seinen Einfluß auf die Israeliten, aber man muß absolut keine Kenntnisse über die Bibel oder diese Geschichten haben, um dem Spiel folgen zu können. Missionarische Tendenzen waren ebensowenig zu entdecken wie erhobene Lernzeigefinder. Das war auch nicht nötig, hat man sich doch einen der spannendsten Teile des alten Testamentes als Thema gewählt, der in seiner Dramatik ganz von selbst wirkt von Moses Leben als Findelkind über die Plagen der Ägypter bis hin zum Durchzug durch das Rote Meer und den Empfang der Gesetzestafeln.

Verpackt wird das Ganze in eine Rahmenhandlung von heute: Der Forscher Professor Fog (er heißt Ägidius, ist also nicht zu verwechseln mit dem Jules Verneschen Phileas Fogg) ist schon seit Jahren auf der Suche nach dem Grab des Mose. Nachdem er meldet, das Grab gefunden zu haben, verschwindet er spurlos. Wir finden verschlüsselte Hinweise und Briefe von ihm vor, in denen er uns hilft, auf seiner Spur zu bleiben. Es geht darum, an 4 Orten die Position von 4 Eisenrädern zu ermitteln, um einen verborgenen Grabmechanismus zu bedienen. Skrupellose Grabräuber sind dem Professor ebenfalls auf der Spur, denen wir zuvorkommen sollen.

 

Installation/Technisches

Die Installation von 1 CDROM funktioniert reibungslos. Gleich im Handbuch wird auf lange Ladezeiten hingewiesen, die je nach Ausstattung bis zu 30 Sekunden dauern können. Und diese langen Wartezeiten nerven wirklich. Denn jedesmal nach Neustart eines Spiels muß man nach den Logos auf das Laden der Anfangslocation (Theater) warten und kann dann nach Abbrechen eines Einstiegsbriefes von Professor Fog die Ladetaste F3 drücken um eines der 5 Savegames zu laden. Die Savegames sind nur durchnumeriert und können nicht selbst beschriftet werden, so daß man nach längerer Spielzeit und häufigerem Speichern auch schon mal den falschen Spielstand auswählt und dann natürlich nochmals eine halbe Minute laden muß. Außerdem kann ein Neustart auch durch einen der Spielabbrüche verursacht sein, die oft aber nicht regelmäßig beim Benutzen der in den Schauplätzen aufgestellten Telefone und beim Einblenden der entsprechenden animierten Gesprächspartner passieren.

Obwohl man nach einem Abbruch nur zur Windowsoberfläche zurückgeworfen wird, empfiehl sich allerdings ein Systemneustart, da sich das Spiel gerne nach einem direkten Neustart aufhängt.

Ein weiteres Problem hatte ich mit der Steuerung. Es handelt sich um eine Kombination aus direkter Tastatur- und Maussteuerung in Egoperspektive, die mich schwindelig machte, so daß ich nach 10-15 Minuten schneller Bewegung - besonders in den labyrinthartigen Kapiteln der Bibliothek oder des Schatzhauses - zu einer Unterbrechung gezwungen war.

 

Steuerung/Handling

Womit wir beim Handling wären, das unter dem Motto stehen könnte "Warum einfach, wenn's auch umständlich geht"! Wir können uns frei in alle Richtungen bewegen und drehen, auf Kisten oder andere Erhöhungen springen, bzw. uns in relativ hohe Schächte fallen lassen ohne zu sterben. Zunächst mal sind die Richtungstasten auf die Buchstaben "W, S, A und D" gelegt worden. Warum nicht auf die sonst üblichen Pfeiltasten oder eventuell selbst wählbar?

Will man mit der linken Hand schneller laufen, d. h. zusätzlich die Shift-Taste betätigen und gleichzeitig mit der rechten Hand und der Maus eine Drehung durchführen, dann muß man sich schon mal das Handgelenk verbiegen. Mit Anlauf springen (Leertaste) ist ebenfalls eine akrobatische Leistung, da man dazu gleich 3 Tasten drücken muß. Aber es ist machbar und bei den groben Hotspot- bzw. Bereichsabgrenzungen findet man die richtigen Ansatzpunkte schnell und muß nicht allzu genau sein.

Speichern/Laden bereitet nach einiger Zeit Probleme, da man sich immer die Nummer des letzten Spielstandes merken muß, eine Beschriftung der Savegames hätte hier abgeholfen. Die ESC-Taste bringt einen zum Optionsmenü, wo man die Auflösung und die Gesamtlautstärke einstellen kann. Von hier können wir das Spiel auch verlassen, was gegenüber dem Laden erstaunlich schnell geht. Warum man außerdem extra noch die beiden Funktionstasten F2 bzw. F3 mit den Speicher- bzw. Ladefunktionen belegen mußte anstatt das über's Menü zu regeln, ist unverständlich.

Ebenfalls nicht so ganz einsichtig die umständliche Inventarsteuerung. Um ein Objekt anzuwenden, müssen wir zunächst den Anwendungsbereich festlegen mit der rechten Maustaste. Dabei wird das Bild fixiert und das Inventar öffnet sich. Nun müssen wir ein Objekt mit der linken Maustaste anklicken und dann noch die Taste 'E' drücken. Puuh! Fehlt nur noch, daß man sich gleichzeitig mit dem linken Daumen von hinten am rechten Ohrläppchen kratzen muß!

Übersichtlich und deutlich allerdings die Änderung der Cursoranzeige über Hotspots, allerdings muß man dazu das Bild mit der rechten Maustaste vorher fixiert haben. Beim Türen-Öffnen kann man sich manchmal selbst den Weg versperren und wenn man die Türe nicht mehr schließen kann, bleibt nur noch ein Neustart des Spiels.

Mit einigen Vereinfachungen des Handlings wäre eine merkliche Verkürzung des Spiels erreicht worden. Das ständige Hin und Her zwischen Drehung/Vorwärtslauf und Stop/Fixieren mit Hotspotsuche war unangenehm und kann bei empfänglichen Gemütern zu Schwindelgefühl führen.

 

Grafik/Sound

Die 3D-Grafik hat größtenteils sehr grobe Umrisse und ist ebenfalls grob texturiert. Dafür sind allerdings die 7 Hauptschauplätze sehr weitläufig und bieten viel Raum für Untersuchungen und Erkundungen. Man wird ca. 2 Stunden im Durchschnitt für jedes der 7 Kapitel benötigen. Die Angabe von 5-7 Stunden Spielzeit auf der Verpackung liegt wie beim Vorgängerspiel am ganz unteren Rand der Meßlatte. Denn wenn man ohne Hinweise und alleine spielt, wird man ein großes Laufpensum und eine Reihe von vergeblichen Lösungsversuchen hinter sich bringen und locker auf die doppelte Spielzeit kommen.

Dabei begegnen einem so gut wie keine anderen Charaktere, außer einigen eingeblendeten Helfern, die man per Feldtelefon rufen kann. Sonst wird sowohl auf Animationen als auch Filmsequenzen verzichtet und trotz des großen Spielareals wirkt die Grafik von "Das Grab des Mose" eher wie die eines Independent-Adventures, also noch semiprofessionell.

Das nimmt einem allerdings nicht den Spaß, den man tatsächlich beim Erkunden erlebt, wenn man Ecken und Ansichten von allen Seiten betrachtet und auch versucht, sie zu begehen. Doch Vorsicht, obwohl wir als Spieler einen Beschützer haben, der uns weich abfedert, wenn wir aus 10 Meter Höhe herunterfallen, so gibt es Situationen, in denen wir sterben können und dabei an den Anfang des Kapitels zurückgeworfen werden, falls wir nicht zwischendurch gespeichert haben.

Die wenigen Animationen wie Feuer und Wasser wirken nicht echt, besonders das Wasser sieht in allen Ausprägungen eher wie grauschwarze Lava oder hellblaue Plastikplane aus. Auch tiefes Wasser können wir immer ohne Ärger durchqueren, als wenn es wirklich einen anderen Aggregatzustand hätte.

Die 3 verpflichteten Synchronsprecher versehen ihre Aufgaben gut und ausdrucksvoll. Die Geräuscheffekte gefallen, weil sie z. B. die Fußtritte relativ realistisch wiedergeben und mit vielerlei Knarren, Quietschen oder Rauschen auch bei der Lösung weit auseinander liegender Rätselteile aufschlußreiche Hinweise geben. Der Stereoton wechselt realistisch mit dem Blickwinkel von links nach rechts und umgekehrt. Besonders fällt es einem bei längeren Sprechpassagen der Radiosendungen oder beim Abspielen von Bandaufnahmen auf.

 

Rätsel

Gut gemischt sind Inventar-/Objekträtsel mit Dekodierrätseln und Maschinen- und Schalterrätseln á la Myst. Hinweise und Aufgabenstellung werden uns durch schriftliche Notizen, Buchseiten, Diktaphonansagen und telefonische Erklärungen geliefert. Die 3D-Umgebung wird wirklich ins Rätselgeschehen einbezogen, Lösungen finden wir oft erst beim Betrachten von allen Seiten und aus allen Blickwinkeln. GameOvers sind möglich und auch labyrinthartige Schauplätze haben es in sich. Der Schwierigkeitsgrad steigt leicht an und liegt insgesamt zwischen leicht und mittelschwer. Die Rätsel sind mit den biblischen Themen um Moses verknüpft, setzen aber kein Wissen darum voraus. Für den Religionsunterricht gibt es Anknüpfungspunkte in den offensichtlichen In-Frage-Stellungen der biblischen Situationen und Reaktionen. Auch wenn wir weitgehend Freiheit in der Erforschung der einzelnen Kapitel haben, so ist der Rätselablauf trotzdem linear. Wirklich neu oder ins Auge stechend originell sind die Rätsel kaum, dafür logisch und mit Kombinationsgabe gut lösbar. Eine durchweg solide Rätselkost mit überraschend mehr Spielzeit als auf der Verpackung angegeben.

 

Fazit

"Das Grab des Mose" haut den geübten Adventurespieler von Handlung und Spannungsbogen nicht um, er reiht es bestenfalls in seine Trophäensammlung ein und hakt es ab. Es hat allerdings durchaus seine guten Momente und fordert zum Weiterspielen und Durchhalten heraus. Gelegenheitsspieler mit Interesse am Thema, die wenig Erfahrung mit dem Adventurespielen haben, werden aber nur mit Einschränkungen am Genre an und für sich Geschmack finden da das Handling und die grafische Aufbereitung zu wünschen übrig lassen. Knapp 35 Euro sind um 5 Euro zu hoch gegriffen, schaut man sich vergleichbare Spiele an und damit rangiert "Das Grab des Mose" insgesamt nur im Mittelfeld der Bewertungen.

 

Meine Gesamtbewertung: 65%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • PC mit Windows 98SE/ME/2000/XP
  • mind. 1 GHz Prozessor
  • 256 MB RAM Arbeitsspeicher
  • 1GB freier Festplattenplatz
  • DirectX 9.0c (enthalten)
  • DirectX 7 kompatible Grafik (mind. 64 MB Grafikspeicher)

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 02. Dezember 2005

 

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Bevor wir einen Spielstand laden können, gibt's immer dieses Bild
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Der Hinterhof des Theaters
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Aufträge erhalten wir z. B. so
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Über Telefon erhalten wir Hinweise, manchmal bricht das Spiel hier ab
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Eine kleine Seilbahn
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Es gibt leider nur 5 Spielstände
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Den Schlüssel zum Brunnenhof müssen wir unbedingt finden
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Der Plan des Katharinenklosters
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Ein Buch, ein Notizzettel, ein Diktaphon - das sind die Zutaten die uns öfters begegnen
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Von oben hat man gute Einblicke
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Der Altar scheint ein Geheimnis zu verbergen
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Eine Ausgrabungsstätte in der Wüste
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Wasser wirkt in diesem Spiel nie wirklich flüssig
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Wir sind auf der Suche nach solchen Scheiben
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Tödliche Spitzen erwarten uns unter den Räumen der Zehn Gebote
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Fast ein Labyrinth dieser alte Dom
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