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The Secrets of Da Vinci -
Das verbotene Manuskript


Erschienen: Mai 2006
Entwickler: Kheops Studios / Mzone / Totem Studio / Elektrogames
Publisher: Nobilis

Spielsprache und Handbuch: Deutsch

Boxshot

Homepage

Altersfreigabe: USK ohne Alterbeschränkung


 

 

Ein Review von  MaryScots   26. Mai 2006

 

Leonardo da Vinci (1452-1519), Naturforscher, Wissenschaftler, Erfinder, Konstrukteur, Maler, Bildhauer und Schriftsteller - ein Universalgenie. Vieles von dem, was er vor einem halben Jahrtausend entdeckte und erfand, hat heute noch Gültigkeit, wird angewendet und weiterentwickelt.

Um seine raffinierten Mechanismen ranken sich die wildesten Theorien, wobei ich eher zu der Vermutung neige, dass es sich um technische Experimente handelt. Was seine geheimnisvollen, verschlüsselten Schriften angeht? Nun, ein Mann seines Wissensstandes lief sicher oft genug Gefahr von anderen als Bedrohung angesehen zu werden - Dummheit hat sich schon immer vor Verstand gefürchtet - und so musste Leonardo sicher einige Entdeckungen sowie Informationen über seine Person irgendwie schützen; ganz abgesehen von seinen Beziehungen und Freundschaften zu berühmten und mächtigen Persönlichkeiten seiner Zeit. Ehrlich gesagt, wundere ich mich, dass die Werke Leonardos bisher noch keinen Spielentwickler zu einem Adventure inspiriert haben, denn Material für interessante Geschichten und Rätsel bietet das Leben und Werk des Meisters in Hülle und Fülle.

 

Story

Wir schreiben das Jahr 1522. Drei Jahre nach dem Tod von Leonardo da Vinci, bewohnt die Mätresse König Franz I. von Frankreich, Marie Babou de la Bourdaisière, das Château du Clos Lucé, in dem der Meister seine letzten Jahre verbracht hat. Wir schlüpfen in die Rolle von Valdo, einem jungen Italiener, der bei seinem Meister Francesco Melzi, seines Zeichens Lieblingsschüler und Erbe da Vincis, in Ungnade gefallen ist, weil er ein Gemälde von Leonardo kopiert hat und verkaufen wollte. Ein mysteriöser Unbekannter heuert Valdo an, um auf dem Landsitz nach einem geheimnisvollen Manuskript zu suchen, welches der Meister dort versteckt haben soll und von dem allgemein angenommen wird, dass es nie existiert hat. Durch seine Ausbildung ist Valdo der am besten geeignete Mann, sich unter dem Vorwand, da Vincis Erfindungen erforschen zu wollen und damit ohne Verdacht zu erregen, im Haus und dessen ausgedehntem Park nach dem Dokument umsehen zu können.

 

Installation/Steuerung

„The Secrets of Da Vinci" installiert sich zügig, problemlos und komplett von zwei CDs, von denen die zweite während des Spielens im Laufwerk verbleiben muss. Im Hauptmenü finden wir alle notwendigen und bekannten Auswahlmöglichkeiten und können in den Optionen noch Grafik, Sound und Mausgeschwindigkeit einstellen. Etwas zu minimalistisch ist mir jedoch die Lautstärkeregelung ausgefallen. Es gibt hier keine Möglichkeit, Sprache, Effekte und Musik getrennt voneinander einzustellen, was nicht sehr schlimm ist, doch mir war die Musik stellenweise etwas zu laut. Die Tastatur können wir während des Spiels getrost an die Seite schieben, um Platz für einen eventuell benötigten Zeichenblock zu haben. Hier heißt es "Ran an die Maus" und nicht loslassen. :-)

Die französische Lilie zeigt uns als Cursor den Weg und erhält ein entsprechendes Icon, wenn wir an Hotspots etwas nehmen, näher anschauen oder tun können. Vier Firmen waren an der Entwicklung dieses Adventures beteiligt, aber jene unter Euch, welche "Rückkehr zur geheimnisvollen Insel" und/oder "Reise zum Zentrum des Mondes" gespielt haben, erkennen sofort, dass deren Entwickler Kheops Studio auch bei "Das Verbotene Manuskript" für das Inventar verantwortlich zeichnen. Herzstück sind 125 Felder, in die wir unsere gesammelten Gegenstände einsortieren können. Darüber liegt ein aufgeschlagenes Buch, welchem wir nach und nach Dokumentseiten beifügen. Es hat auch noch eine weitere sehr wichtige Funktion, auf die ich im Abschnitt "Rätsel" näher eingehe.

Gleiches gilt für ein ganz neues Feature, die Gewissensanzeige mit Punktestand, hübsch und sehr passend verziert mit Engelchen und Teufelchen. Im rechten oberen Bereich sehen wir ein Portrait unseres Alter Ego, welches wir je nach Erfordernissen im Spiel als Anziehpuppe verwenden und direkt darunter noch Valdos Notizbuch, das uns hilft unsere nächsten Aufgaben, aber auch die anderen Charaktere im "Blick" zu behalten. Bleibt noch der Kompass zu erwähnen, über den wir zurück ins Menü gelangen, um von dort zu speichern, zu laden oder das Spiel zu verlassen.

 

Rätsel

Häufig wird an Adventure-Spielen bemängelt, dass entweder eine dünne Story um die Rätsel herum entworfen wurde oder die Rätsel nachträglich unlogisch in eine fertige Story eingebaut wurden. Nichts davon kann man dem "Verbotenen Manuskript" vorwerfen, weil Story und Rätsel / Rätsel und Story schon aufgrund des Themas eine natürliche Allianz bilden. Es ist Valdos - und somit unsere - Aufgabe, sich mit Leonardos Schriften und Erfindungen zu beschäftigen, sie zu verstehen und in Gang zu setzen bzw. anzuwenden. Das riesige Inventar deutet bereits darauf hin, dass viele Gegenstände eingesammelt, kombiniert und angewendet werden können und müssen. Wie schon in den beiden vorgenannten Spielen, ist es auch hier möglich, sich nötige Dinge zu erwerben, zu finden oder auch selbst herzustellen.

Teilweise bieten uns die Dokumente da Vincis die Anleitungen. Sie stellen ebenfalls einen wichtigen und sehr interessanten Teil der Rätsel dar. Beispielsweise dann, wenn wir eine Apparatur in Gang bringen sollen, deren Schaltplan Leonardo mit allen erforderlichen Elementen in einer technischen Zeichnung hinterlassen hat. Wir können die Bauteile auf dem Papier anklicken und müssen sie dann an die korrekte Position im Schaltplan ziehen. Zwischendurch kann immer wieder der Antrieb angeklickt werden, um zu sehen, ob alles am rechten Platz ist.

Einige Bauteile müssen erst noch in der Werkstatt des Meisters hergestellt werden. Dafür stehen uns verschiedene Werkzeuge zur Verfügung; sogar eine Druckerpresse findet sich hier. In Leonardos Arbeitszimmer wiederum gibt es ein kleines Labor, um nützliche Substanzen zusammenzubrauen. Wir können aber auch mit Marie oder dem Gutsverwalter Saturnin sprechen, um Informationen erhalten. Der Techniker der Renaissance hat uns auch ein paar physische Mechanismen hinterlassen, die wir entschlüsseln müssen und zur Krönung "dürfen" wir auch noch den Pinsel auf ungewöhnliche Art schwingen. Kurz, es gibt Rätsel für jeden Geschmack - selbst Fans von Schiebe- und Schalterrätseln kommen auf ihre Kosten. Hey, es gab sogar ein Klangrätsel, das selbst ich ohne Probleme lösen konnte - damit komme ich sonst nie klar! :-)

Um die Vielfalt noch interessanter zu gestalten, haben wir auch schon mal die Wahl, wie wir an bestimmten Stellen weiterkommen. Verhalten wir uns vorbildlich, gibt es nämlich Pluspunkte auf der Engelchenseite der oben erwähnten Skala. Entscheiden wir uns jedoch für Lug und Trug, gewinnen wir Teufelchenpunkte. Da wir aber für jede erfolgreich gelöste Aufgabe Punkte im separaten Zähler erhalten, können wir uns damit wiederum einen Ausgleich der beiden Gewissenshälften erkaufen und somit ein wenig den Verlauf unseres Abenteuers beeinflussen.

Eine Anmerkung: normalerweise beziehe ich die Erfahrungen anderer nicht in meine Reviews ein, aber diese scheint mir wichtig. Man sollte tunlichst den Versuch vermeiden, Dinge aus mehreren Zutaten herstellen zu wollen, solange man noch nicht alles Nötige in seinem Besitz hat, denn das könnte in eine Sackgasse führen, aus der nur ein früherer Speicherstand heraushilft.

 

Grafik/Sound

Unser Abenteuer spielt im September. Dazu und zum Thema passend sind die vorgerenderten Kulissen des Spiels in den warmen herbstlichen Rot- und Brauntönen der Renaissancegemälde gehalten. An eben diese erinnern die liebevoll detailliert gestalteten 2D-Locations, denen die 360°-Rundumsicht ein Gefühl von Räumlichkeit verleiht. Zwar wirken sie zuweilen auch genauso starr wie ein Gemälde, doch einige realistische Animationen mit dazu passenden Geräuschen hauchen den Umgebungen Leben ein. Die Begleitmusik hingegen stört hin und wieder. Sie ist manchmal etwas zu laut und kann nicht separat leiser oder abgestellt werden. Ich hielt auch anfangs die leisen Schritte für sehr passend, die man immer mal wieder im Hintergrund hört, weil sie die Spannung erhöhten - schließlich schnüffeln wir ja in geheimer Mission. Da sich die Schleife aber recht häufig wiederholt, fand ich sie bald eher ein wenig nervig.

Besonders hervorzuheben aber, da alles andere als üblich für diese Art der Grafik, sind die Charakteranimationen der NPCs. Sobald man sich einem anderen Spielcharakter nähert, blickt dieser in unsere Richtung. Ein weiteres Beispiel wäre die Klappe der Druckerpresse - in ähnlichen älteren Spielen würde der Gegenstand immer gleich aussehen, egal, ob wir die Klappe offen gelassen haben oder nicht - in diesem Spiel sieht ein Gegenstand auch aus der Entfernung immer so aus, wie wir ihn verlassen haben. Ein Feuer, welches wir an einem Tag angezündet haben, glüht am nächsten Morgen nur noch schwach. Von einem "billig" gemachten 1st-Person-Spiel ist "The Secrets of Da Vinci" also sehr weit entfernt.

Das Highlight des Spiels ist und bleibt jedoch das Château du Clos Lucé selbst. Da Vincis letztes Zuhause wurde getreu dem Original bei Amboise in Frankreich nachgebildet und der Reiz wäre jetzt schon groß für mich, mir das echte Château einmal anzusehen. Was man dort aber wohl nicht machen kann, ist, mit Leonardos Erfindungen herumspielen und verborgene Gänge entdecken und freilegen. Aber dafür gibt es ja das Spiel, nicht wahr? Und es gibt noch einen erwähnenswerten Aspekt - jedes Mal, wenn wir eines von Da Vincis Dokumenten gefunden haben, setzt eine Filmszene ein, in der uns der Meister selbst einen Teil der Geschichte erzählt und uns ein paar Informationen zu seinen Handlungen sowie Hinweise für unsere Suche gibt. Alle Charaktere wurden professionell und von gut ausgesuchten Sprechern vertont, was ja leider immer noch nicht zur Norm gehört.

 

Fazit

"The Secrets of Da Vinci - Das verbotene Manuskript" ist eine solides Adventure, das auch fortgeschrittene Spieler mindestens 15 Stunden gut unterhält. Eine interessante Geschichte und fordernde Rätsel bilden eine natürliche Einheit, unterstützt und ergänzt von wunderschön gestalteten Locations und gut animierten Charakteren. So wünsche ich mir ein historisches Adventure und ich kann es nicht nur jedem empfehlen, dem die anderen Spiele von Kheops Studio gefallen haben, sondern allen, die historische Settings und Inventarrätsel in Ihren Adventures mögen.

 

Bewertung: 83%

 

(Wer sich das Château du Clos Lucé genauer anschauen möchte, ohne gleich nach Frankreich zu fahren, sollte der offiziellen Webseite mal einen Besuch abstatten.)

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98SE/ME/2000/XP
  • Pentium III 800 MHz
  • 64 MB RAM
  • 16x CD-ROM-Laufwerk
  • 64 MB DirectX 9 kompatible Grafikkarte
  • 1,2 GB freier Festplattenspeicher
  • Tastatur und Maus

Gespielt auf:

  • Windows XP Professional SP2
  • Pentium IV 2,6 GHz
  • 1024 MB (1 GB) RAM
  • 16x DVD-ROM SD-616 Samsung
  • ATI Radeon 9550 256 MB Grafikkarte
  • Creative Soundblaster Live! 5.1 Soundkarte

 

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 26. Mai 2006

 

 

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Hauptmenü
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Château du Clos Lucé - Da Vincis letzte Residenz
Château du Clos Lucé - Da Vincis letzte Residenz

 

Saturnin, der Gutsverwalter
Saturnin, der Gutsverwalter

 

Des Meisters Laboratorium
Des Meisters Laboratorium

 

Manchmal muß Valdo auch ein Nickerchen machen
Manchmal muß Valdo auch ein Nickerchen machen

 

Marie Babou de la Bourdaisière - Babou für Freunde
Marie Babou de la Bourdaisière - Babou für Freunde

 


Leonardos Werkstatt
Leonardos Werkstatt

 

Für Freunde mechanischer Rätsel
Für Freunde mechanischer Rätsel

 

Das Inventar
Das Inventar

 

Schön wie ein Renaissancegemälde - der Schlossgarten
Schön wie ein Renaissancegemälde - der Schlossgarten

 

Die Dokumentenmappe
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Seine Majestät, König Franz I. von Frankreich
Seine Majestät, König Franz I. von Frankreich

 

Teufel, ist das dunkel hier!
Teufel, ist das dunkel hier!

 

Wachen! Wie komme ich an denen vorbei?
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