Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

This page in English (coming soon)

 

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren


Erscheinungsdatum: 09/2004
Entwickler/Publisher: Cornelsen Software


Spielsprache: Deutsch


Boxshots

USK: ohne Altersbeschränkung


 

Ein Review von   André   14. Januar 2005



Alle Jahre wieder ...

... kommt nicht nur das Christkind zur Weihnachtszeit, sondern seit neuestem scheinbar auch ein Märchenadventure von Cornelsen raus. So ist es fast exakt ein Jahr her, dass ich ein Review zum Vorgänger "Zwerg Nase" geschrieben habe, welches mir sehr gefallen hatte. Und so habe ich mich schon im Vorfeld sehr auf dieses Spiel gefreut. Denn was passt besser zu Weihnachten und den kalten Wintertagen als gemütlich im warmen Zimmer vor dem Computer zu liegen und in die herrlich beschauliche und wundervolle Welt der Märchen einzutauchen?

Cornelsen ist übrigens vielen bestimmt noch ein Begriff, da sie für
diese unglaublich spannenden Schulbücher verantwortlich waren. Diese fand ich so klasse, dass ich sie damals nach Beendigung meiner schulischen Laufbahn feierlich auf einem extra für diesen Zweck angelegten Scheiterhaufen verbrannt habe. Aber man ist ja nicht nachtragend und so werde ich diesen Umstand selbstverständlich nicht in den Review einfließen lassen.



Handlung

Wieder einmal schließt sich bei mir eine Bildungslücke. Denn "Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren" kenne ich noch viel weniger als "Zwerg Nase" und mir war bis zur Veröffentlichung des Spiels noch nicht mal der Name des Märchens der Gebrüder Grimm geläufig. Und da ich jetzt einfach mal spekuliere, dass es dem einen oder anderen ähnlich wie mir gehen mag, ist eine kurze Beschreibung des Inhalts vermutlich nicht ganz unangebracht:

Die Reise als Aufgabe eignet sich hervorragend, um Stoff für ein Adventure
abzugeben und wie bei Adventures üblich, ist der Weg das Ziel. In diesem Fall heißt der Reisende Felix, wegen seines unverschämten Glückes von allen nur Glückskind genannt.

In einer Weissagung erfährt der König, dass Felix eines Tages seine Tochter heiraten soll. Um dieses Geschehnis zu verhindern, stellt er ihm eine Aufgabe: Er muss die drei goldenen Haare des Teufels holen und der wohnt bekanntlich in der Hölle. Damit dürfte dann auch das Ziel seiner Reise klar sein und so macht sich Felix auf, die drei Haare zu besorgen. Es ergibt sich natürlich, dass diese Aufgabe nicht ganz reibungslos verläuft.



Handling/Steuerung

"Der Teufel..." verhält sich nicht viel anders als schon Zwerg Nase.
Gespielt wird wieder in der dritten Person. Im Gegensatz zur Ich- oder auch Egoperspektive sehen wir also unseren Helden und der lässt sich wieder einfach mit der Maus per Point+Click steuern und wieder erhält man über einige Gegenstände nur weitere Informationen, wenn man sie mit der am unteren Bildschirmrand befindlichen Lupe anschaut. Erneut muss man vor Spielbeginn in der Systemsteuerung umständlich auf 800 x 600 Bildpunkte umstellen.

Geblieben ist auch, dass man sich vor Spielbeginn für einen der zwei
Schwierigkeitsgrade entscheiden muss. Und wieder weise ich zumindest darauf hin, dass es nett gewesen wäre, wenn es noch einen dritten
Schwierigkeitsgrad für Erwachsene gegeben hätte. Denn grafisch spricht das Spiel doch sicher auch den einen oder anderen erwachsenen Spieler an. Schließlich gibt es nicht nur 18-jährige Zocker, die sich nur für die
neueste Ego-Shooter-Grafik begeistern lassen.

Denn das Spiel ist eigentlich für Kinder von 5 bis 10 Jahren gedacht. Und
für die Zielgruppe ist der Schwierigkeitsgrad angemessen und so sollte es ja auch sein. Aber das hält mich natürlich nicht im geringsten davon ab, den Teufel zu spielen und im zweiten Schwierigkeitsgrad, welchen ich wähle, bleibt das Spiel damit sehr einfach. Und so wird man dann als Erwachsener zwar nicht unbedingt gefordert, aber zumindest sehr schön und entspannt unterhalten.

Wegen des einfachen Schwierigkeitsgrades ist das Spiel dann allerdings nach nur einem bis maximal zwei kurzen Zockabenden zuende und damit - glaube ich - leider noch ein bisschen kürzer als sein Vorgänger. Auch Kinder dürften nicht viel länger mit dem Teufel beschäftigt sein.
Damit ist das Spiel nicht wesentlich länger als seinerzeit einige Ausgaben
der ansonsten sehr guten Fünf Freunde-Reihe, bei denen man bei einigen
Teilen unverschämterweise bereits nach zwei, drei Stunden den Abspann
bewundern konnte. Damit stellt sich wie bei so vielen Kinderspielen, welche so oft viel zu kurz geraten, wieder einmal die Frage, ob man unbedingt wie in dem Fall ca. 25 Euro als Neupreis ausgeben muss.

Bei Zwerg Nase hatte ich die extrem langsame Laufgeschwindigkeit des Helden kritisiert. Beim Teufel gibt es keinen Anlass zur Kritik mehr, denn Felix läuft in einer vernünftigen Geschwindigkeit und an einigen Stellen rennt er sogar weit ins nächste Bild hinein. Und auch andere kleine Schwächen in der Steuerung und die langen Ladezeiten zwischen den einzelnen Bildern sind zumindest auf meinem Rechner erfreulicherweise behoben.



Rätsel

Was das Rätseldesign anbelangt, hat man sich wieder einiges einfallen
lassen. Grundsätzlich sind die Rätsel noch ein bisschen einfacher als beim Vorgänger ausgefallen, aber zur Not befindet sich die Komplettlösung wieder als Datei auf der CD-Rom.

Viele der Rätsel lassen sich mit Hilfe der Gegenstände lösen, die wir
nach und nach einsacken und sorgsam in unser Inventar verstauen. Es gibt Fallen zu entschärfen und Türen mit geheimen Schließmechanismen zu öffnen.

Aber auch zahlreichen anderen Gegenständen müssen wir ihre Funktion
entlocken. Es gibt ein paar Bilder- und Worträtsel zu lösen und wie schon
beim Vorgänger haben wir eine Sanduhr im Inventar: Es darf also wieder auf Zeit gerätselt werden und wieder macht es wegen des moderaten
Schwierigkeitsgrades Spaß. Geblieben ist auch die Lupenfunktion, mit der wir uns Gegenstände genauer anschauen können und wenn wir den Erzähler anklicken, bekommen wir Hilfe. Bei einigen Gegenständen nützt es nichts, wenn man nur darauf klickt sondern einen Hebel muss man beispielsweise auch ziehen, um etwas zu bewirken.

Ein kleiner, weißer Hund ist unser ständiger Begleiter, hat aber sonst
leider keine weitere Funktion und ist damit anders als z.B. bei Galador nur
reine Deko.



Grafik

Großartig animierte Filmchen beispielsweise als Vor- oder Abspann gibt es nicht. Statt dessen sehen wir als Einführung, wie ein Erzähler in einer
einfachen Animation die Ausgangssituation des Märchens erklärt. Auch
Zwischensequenzen und sogar der Schluss werden einfach vom Erzähler
übernommen.

Die Spielgrafik an sich besteht wieder aus zahlreichen schönen handgemalten Bildern, die stilistisch ein wenig an Illustrationen aus alten
Märchenbüchern angelehnt sind Ich glaube, die Grafik gefällt mir bei "Der
Teufel" stellenweise noch ein bisschen besser, denn die verschneite Stadt
mit dem mittelalterlichen Hof sieht wirklich äußerst stil- und phantasievoll
aus. Und damit ist die grafische Umsetzung des Märchens in ein interaktives Spiel mit einfachen Mitteln generell sehr gut gelungen.



Sound

Viel gibt's hier nicht zu berichten. Es gibt ein paar klassisch anmutende
Klänge zu hören und die Sprachausgabe ist wider einmal solide und bis in kleine Rollen stark besetzt, z.B. als Fährmann konnte man Jonathan Frakes' Synchronstimme Detlef Bierstedt erkennen.

Leider kann man lediglich die Musik um eine Stufe leiser stellen. Standard sollte heutzutage aber eigentlich eine separate Regulierung von Sprache, Musik und Soundeffekten, zumindest aber eine stufenweise Regulierung der Musik sein. Schließlich gab´s solchen Luxus bereits Anfang der Neunziger zu Sierrazeiten und das macht ja auch Sinn. Denn was ist schlimmer als Musik, welche die ganze Sprachausgabe "zumatscht"?.

 

Bonus

Sehr schön finde ich auch diese Beigabe: Auf einer separaten CD finden wir die akustische Version des Märchens, quasi ein Hörbuch, wie es seit geraumer Zeit so schön heißt. Gelesen wird es von Otto Sander, der mit seiner charakteristischen und charismatischen Stimme ein wenig verschmerzen lässt, dass der "König der Märchenerzähler" Hans Paesch, nicht mehr unter uns weilt.


Eignung für Kinder

Ich bin weder von irgendeiner Prüfstelle noch Pädagoge. Dennoch denke ich, dass ich "Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren" mit gutem Gewissen an die vorgesehene Altersgruppe empfehlen kann. Die Aufgaben regen zum Nachdenken an, ohne sie zu überfordern und sind sehr phantasievoll. Das Gleiche gilt für die schönen Illustrationen. Gewaltdarstellungen gibt es natürlich nicht. Ich zumindest hätte mich sicher gefreut, wenn ich als Kind so ein Spiel bekommen hätte.



Fazit

The same procedure as last year? Ja, das Spiel passt auch dieses Jahr zu Weihnachten wieder wie die Faust auf´s Auge: Oder anders und völlig
pathetisch formuliert wirkt das Märchen ein bisschen wie ein Gegensatz und als beständiger Wert in der hektischen und meist rastlosen Welt der
Computerspiele. Dazu passt auch wieder herrlich die altbackene, an alte
Illustrationen aus Märchenbüchern wirkende Grafik mit den tollen
handgemalten Hintergrundbildern. Dass das alles nicht mit aufwändigen
Effekten animiert wurde, stört mich dabei wenig.

Ärgerlicher ist da schon eher die sehr kurze Spielzeit. Es ist eigentlich
ein wenig schade, das Spiel nach so kurzer Zeit enden zu lassen, wenn man bedenkt, dass sich sicherlich viel Mühe mit der Illustration und der
Umsetzung gegeben wurde. Aber es wäre einfach unfair gegenüber Spielen mit längerer Spielzeit und höherem Arbeitsaufwand (wie etwa der
Nancy-Drew-Reihe), höher zu werten. Daher "nur"



Bewertung: 72 %

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen PC:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium II 266 MHz
  • 32 MB RAM
  • 150 MB freier Festplattenspeicher
  • 16 x CDROM-Laufwerk
  • 16-bit Soundkarte
  • Grafikauflösung 800 x 600, High Color

Systemvoraussetzungen Macintosh:

  • Power-PC 233 MHz
  • System 8.6 oder höher
  • Grafikauflösung 800 x 600, High Color
  • 32 MB RAM
  • 16 x CDROM-Laufwerk

 

Gespielt unter:

  • Win 98
  • AMD Athlon XP 1800
  • 256 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • 16x CDROM-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 14. Januar 2005

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

 


 


 


 


 


 

 


 


 


 


 

 


Mehr Screenshots