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Der Schatz von Venedig


Erscheinungsdatum: 1997
Entwickler: De Agostini / Daniele Panebarco
Publisher: Sunflowers
Spielsprache: Deutsch

Boxshots

USK: geeignet ohne Altersbeschränkung

 

Ein Review von   André   10. August 2003

 

Ebay - Unendliche Weiten! Unerforschtes Gebiet! Heimat zahlreicher Rari- und Obskuritäten, die es zu ersteigern gilt! Und so ergatterte ich eines schönes Tages auch dieses vorher nur mit spärlicher "Beschreibung für den Bieter" versehene Spiel, lediglich wissend, dass es sich um ein Adventure für Kinder handelt. Was würde mich erwarten?

Eines Tages flatterte also ein Maxibrief ins Haus. Ich riss ihn - den Inhalt
ahnend - begierig auf und legte die darin befindliche CD in das
entsprechende Fach meiner heimischen Rechenmaschine.

Um es kurz zu machen: Der Schatz von Venedig ist nicht wirklich eine
Rarität, aber zumindest eine etwas rarere Obskurität, und zwar keine uninteressante.



Grafik + Rätsel

Denn wer das Spiel erwirbt, sollte es vielleicht mit anderen Augen spielen.
Die Grafik ist eindeutig sehr kindgerecht. Sie erinnert mich ein wenig an
"Herr Rossi sucht das Glück", auch wenn das Spiel auf jeden Fall eigenständig für sich bestehen kann. Ich habe diese psychedelische Kinder-Fernsehserie, welche seinerzeit in den Siebzigern lief, als Kind geliebt, ohne sie damals wirklich verstanden zu haben. Ich habe auch gehört, dass die Serie damals eigentlich für Erwachsene konzipiert wurde, aber wegen des großen Erfolgs dann auch ins Kinderprogramm aufgenommen wurde. Von geschnittenen Sequenzen ist die
Rede. Gerüchte...

Wie auch immer, die Grafik von "Der Schatz von Venedig" erinnert mich also von der Atmosphäre her ein wenig an besagte, legendäre Kinderserie, kommt aber mit durchaus eigenständigen Bildern und Machart daher. Sie ist ebenso knatschbunt und einfach gehalten.

Dennoch gelingt es dem Autor trotz der Grafik, auch den einen oder anderen erwachsenen Spieler mit einzubeziehen. Und so gibt es neben dem offensichtlichen Humor für Kinder schon mal den etwas versteckteren, durchaus anarchistischen Humor.

Es gibt in dem Spiel aber auch einige für Kinderadventures typische
Hotspots, welche man anklickt und irgendwas Albernes, Unsinniges passiert. Das ist für die Kleinsten, für die das Spiel ja konzipiert wurde, aufregend und für den erwachsenen Spieler ein wenig peinlich, aber da müssen wir wohl durch!

Richtig harte Rätsel sind natürlich Fehlanzeige. Dennoch sind die Rätsel so einfach auch wieder nicht. Dabei liegt es anfangs auch nicht unbedingt an den Rätseln selbst, sondern an der etwas ungewöhnlichen Steuerung. Denn gerade am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man Gegenstände bzw. anpacken und durch eine Tür in einen anderen Raum ziehen muss. Dabei wechselt die Perspektive durchaus schon mal von der 3rd- auf die Egoansicht. Aber man gewöhnt sich schnell an die Steuerung und kennt man sich aus, steigt dann auch langsam der Schwierigkeitsgrad der Rätsel.

Aber auch vom Spielfluss hat das Spiel einiges zu bieten. Denn eigentlich
rennt man die ganze Zeit irgendwelchen Gegenständen hinterher. Und wenn man mal was gefunden hat, geht der Gegenstand meist schon wieder verloren. Das verleiht dem Spiel viel Tempo. Es gibt auch einige Zeit-Sequenzen und auch hier nimmt der Schwierigkeitsgrad im Laufe des Spiels zu.

Irgendwann im Spiel gibt es auch immer wieder kleine Actionsequenzen. Und so gibt´s z.B. ein Bootsrennen oder man muss mit ein paar fönbetrieben Ballons ein Gebäude hinauffliegen.

Eine Sequenz, an die ich mich erinnerte, habe ich beim zweiten Durchspielen vermisst und so gehe ich davon aus, dass "Der Schatz von Venedig" nicht linear verläuft. Das bestätigt  Leo auch noch mal am Ende des Spiels persönlich, indem er uns dezent darauf hinweist, dass wir noch nicht alles gesehen haben und sich ein zweites Durchspielen lohnt.

 


Story

Das Spiel trägt noch den neugierig machenden Untertitel "Leo auf der Jagd
nach dem Geheimnis der Tempelritter". Die Story ist auch für größere Spieler gar nicht mal so uninteressant, auch wenn sie nicht nur in dem recht langen Intro sondern auch im weiteren Spielverlauf sehr anschaulich und kindgerecht erzählt wird:

Wir spielen Leo Leoni und studieren Geschichte. Der Vater Leos, sowie dessen Freund Professor Pannelotti haben sich eingehend mit den Tempelrittern beschäftigt. Eines Tages findet Pannelotti in einer Bibliothek hinter einem Regal ein Kästchen mit einem Pergament und einem seltsamen Stück Seife. Am nächsten Tag stirbt (!) Pannelotti unter mysteriösen Umständen. Zudem wird unsere Freundin, die Tochter des Professors entführt. Und auch andere scheinen sich für das Pergament zu interessieren. Eine Spur führt nach Venedig und Leo versucht natürlich, die Entführte zu befreien und stößt dabei auf ein Geheimnis der Tempelritter.

Soweit die Kurzform. Die Geschichte wird spannend erzählt und nebenbei
erhalten wir auch einige Informationen über die Tempelritter. Daher erhielt es zu Recht auch eine Wertung von 5 Mäuse vom Ratgeber Kinder-Software. 



Ton

Schon direkt am Anfang schallert mir der flotte Titelsong entgegen. Danach hört man zwischendurch immer wieder einen eingängigen Instumentaltrack im typisch italienischen Easy-Listenig-Stil. Und auch im Laufe des Spiels gibt es wirklich viele, auf die Situation abgestimmte abwechslungsreiche Sounds und Melodien. 

Leider gibt´s keine einblendbaren Untertitel. Untertitel finde ich bei
Adventures eigentlich immer sehr wichtig. Zum einen kann es immer mal Probleme mit der Sprachausgabe geben, zum anderen möchte ich mal wieder darauf hinweisen. dass es ja auch hörgeschädigte Spieler geben soll, denen ein solches Spiel dann verwährt bleibt. Und gerade Adventures könnten doch eigentlich ein wunderbares Medium für diese Zielgruppe sein.



Was gibt´s sonst noch zu berichten?

Viel gibt es sonst nicht mehr zu schreiben. Außer, dass "Der Schatz von
Venedig" den einfachen Rätseln entsprechend in ein paar Stunden durchgespielt ist.
Ach ja, der Autor Daniele Panebarco ist laut Kurzbio im Handbuch in seiner Heimat Italien wohl einigermaßen bekannt, denn er hat 1996 den Andersen-Preis (benannt nach dem Märchen-Autor?) eingeheimst.
Und noch was: Für Kinder ist das Spiel natürlich nicht nur gemacht worden, sondern dem entsprechend bedenkenlos empfehlenswert, da es keine wirklich fiesen oder brutalen Sequenzen enthält. 



Fazit

Tja, und wie soll ich das Spiel jetzt bewerten?
Kinder sind wahrscheinlich begeistert und so würde ich es auf die Eignung
für die entsprechende Altersgruppe mit 85% bewerten.

Der erwachsene Spieler, der das Spiel erwirbt, sollte jedoch eine gewisse
Toleranz gegenüber Kindersendungen aufbringen. Prägung ist nicht alles, aber sicherlich nicht verkehrt ist es, wenn man als Kind beispielsweise von "Herrn Rossi" oder "Barbapapa" beeinflusst wurde und sich auch heute noch mal ohne rot zu werden vor der Sendung mit der Maus erwischt.
Daher bleibt es wohl Ansichtssache, ob einem das Spiel gefällt.

Mir hat dieses kleine, aber kurzweilige Spiel wegen der erstaunlich guten
Story und des teilweise verstecktem, sarkastischem Humors aber einige Stunden viel Spaß bereitet, so dass ich es für diesen Review noch einmal rausgekramt und durchgespielt habe. Es wartet mit einigen schönen Überraschungen und Dynamik auf, und daher kann ich mir vorstellen, dass "Der Schatz von Venedig" auch bei einigen Nicht-Nostalgikern Dank der liebenswerten Grafik seinen eigenen Charme verbreiten dürfte. Wer jetzt noch nicht abgeschreckt ist, sollte für ein paar Euro durchaus zugreifen. Mein persönliches Urteil lautet auf jeden Fall:

Bewertung: 73 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen PC:

  • Windows 3.1 oder höher
  • 486/DX2 mit 66 MHz Prozessor
  • 8 MB RAM
  • 2x CDROM-Laufwerk
  • Sound Blaster kompatible Soundkarte
  • 256 Farben, SVGA Grafikkarte
  • Maus

 

Minimale Systemvoraussetzungen MAC:

  • System 7.0 oder höher
  • 14" Monitor mit 256 Farben
  • 8 MB RAM
  • 2x CDROM-Laufwerk

 

Gespielt unter:

  • Win 98
  • Pentium III
  • 64 MB Ram
  • Soundblaster Pro
  • 40x CDROM-Laufwerk

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 10. August 2003

 

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