Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

This page in English (coming soon)

 

 

Diabolik - The Original Sin


Releasedatum:
26.06.2009

Entwickler: Artematica

Publisher: Black Bean Games/Lago Srl.


Spielsprache: deutsch

Boxshots

USK: ab 12 Jahren
PEGI: 16+

 

 

Ein Review von  slydos   01. Juli   2009

 

Die Comicvorlage

Bereits im Oktober 2007 erschien das Adventurespiel Diabolik in Italien, der Heimat auch seiner Vorlage. Dies ist nämlich die Comicbuch-Reihe der Schwestern Angela und Luciana Guissani, die im November 1962 erstmals bei Astorina erschien. Comics haben in Italien eine lange Tradition, sie heißen dort Fumetti (= kleine Rauchwolken), ein Begriff, der in anderen Ländern spezielle Fotocomicgeschichten beschreibt. Diabolik gehört zu den bekanntesten literarischen Serien-Bösewichten und liegt moralisch zwischen dem eleganten Meisterdieb Arséne Lupin und dem skrupellosen Fantomas. Im Gegensatz zu Lupin schreckt der Juwelendieb Diabolik zwar nicht vor Mord zurück, beschränkt sich dabei allerdings auf die teilweise selbst kriminellen Superreichen und deren Hilfspersonal, während er die Unterschicht und auch die Polizei verschont. Genau wie seine blonde Geliebte und Diebespartnerin Eva Kant fährt er einen Jaguar, benutzt darüber hinaus viele technische Gadgets und tritt wie Fantomas in hautengen Anzügen auf. Er hat eine spezielle Technik entwickelt, die ihm erlaubt, sich in jedes menschliche Gegenüber mittels hauchdünner Gesichtsmasken zu verwandeln. Sein Gegenspieler ist Inspektor Ginko, der ihm letztlich immer unterlegen ist. Die Diabolik-Geschichten spielen in und um Clerville, einem fiktiven Ort irgendwo in den Alpen.

 

Story Diabolik - The Original Sin

Es ist bereits das dritte Mal nach Druuna und Martin Mystére, daß das italienische Entwicklungsstudio Artematica ein Adventure nach einer Comicvorlage erstellt hat. Und es wird auch nicht das letzte sein, da sie bereits am nächsten arbeiten, basierend auf der Detektivserie Julia, die im Bonelli-Verlag erscheint. In dieser neuen Geschichte von Riccardo Cangini ist Diabolik zwar grundsätzlich auch kein positiv angelegter Held, aber diesmal wird er von einem noch wesentlich kaltblütigeren Bösen zu Diebstählen und Gewalttaten gezwungen, denn dieser hat seine Partnerin Eva als Geisel genommen und droht sie zu töten, falls Diabolik ihm nicht das Gemälde "Original Sin" verschafft. Dies ist zumindest der Beginn der in 7 Kapitel unterteilten Spielstory. Ebenfalls am Beginn verkörpern wir Eva, die versucht ihrem Verließ zu entkommen. Sie schafft es nicht - schlimmer noch, die Leiche ihres Geliebten Diabolik wird ihr vor die Füße geworfen. Es ist an uns herauszufinden, wie es dazu kam und was in den letzten 72 Stunden davor geschah ...

Wir schlüpfen dazu nicht nur in die Rolle von Diabolik, sondern auch von seiner Freundin Eva und einer mysteriösen Fremden namens Helena. Dabei wechseln sich die über 100 betont im schwarz-weiß gezeichneten Diabolik-Comicstil gehaltenen Bildfolgesequenzen und kurzen Animationsfilme ständig mit den interaktiven Quests ab, an deren jeweiligem Ende die Spieler selbst im Action-Adventure-Modus jeweils in aller Ruhe aufatmen können. Denn Diabolik kann als reines Adventurespiel ohne Zeitdruck und GameOvers oder als auch für Adventurepuristen recht anspruchsloses Action-Adventure gespielt werden, abhängig von einer einmaligen Entscheidung vor dem Start des Spiels. In beiden Modi werden die rasanten Actionteile der Geschichte in den Comicbildabfolgen erzählt, also jedesmal wenn es zu den zahllosen typischen "Zacks" und "Bums" kommt oder Diabolik atemberaubende Stunts vollbringt, dann schaltet die Präsentation auf automatische Comicbildsequenzen um.

Es ist schwer, die Grafiklastigkeit der Geschichte bei einer Beurteilung der reinen Handlung außen vor zu lassen, weil sie sich stark in den Vordergrund drängt. Diabolik läßt eindeutig das Mittel der gezeichneten Bildgeschichte mittels Panels die anderen, vertrauteren Methoden der Adventureerzählung dominieren, als da sind: automatische Videosequenzen, interaktive 2D-Dialoge mit Sprechblasen, 2D-Nahansichten mit Dokumenten, Interaktion und Kommentaren und schließlich interaktive Spielszenen mit freier Charaktersteuerung in einer 3D-Umgebung.

 

Tempo, die unbekannte Größe

Es ist gar nicht so einfach, einen statischen Comicstrip in ein Spiel umzusetzen, da den Autoren die Kenntnis mindestens einer Unbekannten ganz fehlt: nämlich der Rezeptionszeit der Spieler. Für ein Comicbuch kann es dem Designer egal sein, bei welchem Tempo der Betrachter sich wohl fühlt. Der hat auf Papier alle Zeit der Welt, kann zurückblättern, die Augen hin und her schweifen lassen, Panels quer oder in anderer Reihenfolge 'lesen', und, und, und ... In der Spielumsetzung von Diabolik werden die Comic-Panels, die ja genauso einen Teil der Geschichte bilden, wie die interaktiven Teile, in einer festgelegten Geschwindigkeit ein- und überblendet ohne daß die Spieler hierauf Einfluß hätten. Ich fühlte mich davon anfangs überumpelt, gewöhnte mich aber mit der Zeit an die Art und Weise, wie die meist bis auf lautmalerische Schallwörter textfreien Einspielungen zu meinem nächsten, persönlich kontrollierten Einsatz hinüberführten. Sie erfordern durch die schnelle Abfolge Konzentration um die notwendigen Handlungsinfos aufzuschnappen bei gleichzeitigem Zwang zur Untätigkeit. Eine unangenehme, weil rücksichtslose Kombination! Da bringt es einem während des Spiels auch nichts, wenn man weiß, daß man jede dieser Sequenzen nachträglich über ein spezielles Videomenü erneut abrufen kann.

Die dynamischen, grellen Comicschnipsel zerreissen die Story wie Werbescheibchen einen Film im Kommerz-TV und bedienen vorrangig die Liebhaber der Originalcomics während klassische Adventurefans wohl lieber auf das ständige stilistische Hin- und Her zwischen düsterer 3D-Noir-Spielumgebung und Schwarz-Weiß-Zeichnungen zugunsten automatischer Videosequenzen mit den 3D-Spielcharakteren verzichten würden. Grafisch wesentlich ansprechender wurden solche Zwischensequenzen in dem ebenfalls auf einer Comicvorlage basierenden Nikopol umgesetzt. Dummerweise ist aber die künstlerisch ansprechendere Umsetzung keine Garantie für eine gut erzählte und verständliche Story. Und hier kann dann Diabolik letztlich wieder ausgiebig punkten: man muß niemals einen Diabolik-Comic gelesen haben um 'The Original Sin' folgen zu können und bekommt auch alle im aktuellen Spiel auftauchenden Fragen zufriedenstellend erklärt. Auch die, warum man in den Credits schon vor Spielbeginn lesen kann, daß Diabolik zurückkehren wird, obwohl er doch am Anfang bereits tot ist ...

In den ersten beiden Kapiteln beschäftigt sich Diabolik mit dem Diebstahl des Gemäldes aus einem Zug. Auch wenn versucht wurde, diesen Teil der Geschichte rasant zu inszenieren, habe ich mich gelangweilt, da die gleichartigen Aufgaben wie Türen öffnen und Wachen überwinden in einer uninteressanten Umgebung nicht wirklich originell sind und man erwarten kann, daß Diabolik seine Aufgabe letztlich schaffen wird. Nach dem zähen Start fängt die Geschichte aber an, Fahrt aufzunehmen und tatsächlich spannend zu werden. Unvorhergesehene Wendungen, neue Charaktere und Locations bauen sich um das Geheimnis des Auftraggebers auf. So kommt Neugier auf und man will die Auflösung erfahren, was sich dank der leichten bis maximal mittelschweren Rätsel und der kurzen Spielzeit recht schnell bewerkstelligen läßt - in nicht mehr als 9-10 Stunden ist Diabolik im einfachen Adventuremodus vorbei. Im Gegensatz zum vergleichbaren Nikopol brauchen Adventurepuristen keine Angst vor GameOvers und zeitabhängigen Sequenzen haben. Dies wurde bei Diabolik fast ausschließlich in den Action-Adventuremodus verbannt und man muß sich im Adventuremodus schon dumm anstellen, um mehr als zwei, drei Spielabbrüche zu erleben. Diabolik ist wie Nikopol zwar auch ein Spiel im Noir-Stil, bietet aber neben Comicstrip-Lautmalereien wesentlich mehr erklärenden Text zum Verständnis der Vorgänge, seien es Dialoge, Kommentare oder Dokumente und eine größere Zahl von handelnden Charakteren und interaktiven NPC. Comicfans oder Spieler, die dem Genre aufgeschlossen gegenüberstehen, werden mit Diabolik kurz und unkompliziert unterhalten, so wie sie es von den Printgeschichten kennen bzw. erwarten. Darüber hinaus werden sowohl Charaktere als auch Handlung all jene ansprechen, die auch mal in einen nicht so liebenswerten Charakter schlüpfen möchten, der seine Gegner kaltblütig ausschaltet.

 

Charaktere

So hundertprozentig kaltblütig ist aber auch Diabolik nicht entworfen worden. Auch bei ihm menschelt es zuweilen, wenn er sich um seine Partnerin grämt oder auch die eine oder andere gute Tat an anderen Charakteren vornimmt. Er ist halt kein Oberschlimmling wie Fantomas, obwohl er manchmal fast so abgeleckt wie dieser aussieht. Wirklich hübsch wirkt er nicht in seinem hautengen schwarzen Überzug à la Spiderman, der nur seine Augen frei läßt. Er ist kein Glatzentyp und ohne Haare macht er nicht viel her, jedenfalls in der Spielhandlung noch weit weniger als in den Comicszenen. Vielleicht schlüpft er deshalb in so viele andere Rollen? Auch Eva Kant ist in ihrer 3D-Figur nicht unbedingt ganz die Schönheit, als die sie verkauft werden soll. Sowohl ihre als auch Diaboliks Gesichtszüge wirken hier und noch etwas mehr in den automatischen 3D-Animationssequenzen, als ob sie sich einen Strumpf übers Gesicht gezogen hätten. Am ehesten liebenswert und nett kommt die mysteriöse, dunkelhaarige Helena daher. Ihr halblanges Haar schwingt bei ihren Bewegungen und verbirgt nur zu oft ihr Gesicht.

 

Lokalisation/Sound

Hätte Helena doch auch ihre Stimme verbergen können! Ihre Synchronsprecherin hat nicht nur eine unausgebildete, kindlich junge Sprechstimme, sondern betont auch unerträglich daneben, was nicht etwa mit fehlender Dialogregie bzw. fehlender Kenntnis der Zusammenhänge entschuldigt werden kann. Die anderen Sprecher können mit ihren wenigen Textzeilen meist nichts falsch machen, einzig Diaboliks Sprecher, den ich trotz fehlender deutscher Sprecherliste als Michael Frieske idenfizieren konnte, da ich ihm tags zuvor noch in einem netten Werbehörspiel von Antenne Düsseldorf lauschen durfte, kommt seiner Aufgabe als markiger Diabolik auf professionelle Weise nach. Sehr gute Sprechstimmen können ein mittelmäßiges Spiel aufwerten oder zumindest einen angenehmen Beigeschmack verleihen, schlechte Synchronisation zieht selbst gute Spiele mit in den Abgrund!

Neben der üblen Sprecherinnenwahl fällt weiter die nicht immer gelungene Übersetzung auf, wobei manchmal Untertitel von gesprochenem Text abweichen, Texte teils sinngemäß falsch übersetzt wurden, italienisch verblieben oder ganz fehlten. Hier und da irritierten falsche Hotspotbeschriftungen bei der Rätsellösung.

Soundeffekte und Musik geben wenig Grund zur Beanstandung, sind sie mit Sicherheit nicht vom Lokalisationsteam behelligt worden. Heraus sticht das von Patrizia Figlioli gesungene Titellied, ganz im jazzigen 60er-Stil wie die anderen 11 Instrumentalthemen.

 

Grafik

Eigentlich hatte ich nach Martin Mystére und Belief & Betrayal zumindest keinen grafischen Rückschritt erwartet. Zugegeben, die anderen beiden Spiele lassen ihre 3D-Protagonisten in detailreich vorgerenderten Hintergründen agieren, die man opulent mit Einzelheiten, Texturen und Farben ausgestattet hat. Aber die 3D-Spielszenen von Diabolik, denen man die Farben bis auf jeweils einen leicht dominierenden Ton ausgesaugt hat um ein Noir-Feeling zu produzieren, haben mich nicht überzeugt. Zu verwaschen, dunkel und gleichartig sind die Hintergründe, zu wenig Einzelheiten oder gar Hotspots bieten sie meist, als dass sie mehr als Durchgangsstationen darstellen können. Mit Ausnahme von Diaboliks Heim und dem kleinen Städtchen Denvon rufen wenige Locations den Drang zur Erforschung wach. Hinzu kommt, daß Diabolik auf eine künstlerische Art mit den Grafikbrüchen spielen will, die durch den Kontrast der Schwarz-Weiß-Comiczeichnungen, der farbig unterlegten Dialogzeichnungen und dem realistisch entworfenen, wenngleich abgedunkelten Rest des Spiels entsteht. Hie und da erkennt man den Versuch, einen Übergang und damit Zusammenhang mit den 3D-Szenen herzustellen, doch dies wirkt zu zaghaft und inkonsequent.

Auch wenn ich sonst wenig wirklich lobenswerte Eigenschaften im Vergleichspiel Nikopol gefunden habe, so zeigen dort die genialen Zwischensequenzen (übrigens in wunderbar fliessenden Panelübergängen) ein ausgesprochenes Gefühl für richtiges Timing - genau das, was mir bei Diabolik fehlt.

Halten wir im Hinterkopf, daß Diabolik primär für Konsolen gedacht ist, dann wird klar, warum Grafik, Inventarhandling, Rätsel, Spielintervalle, Speicherung und die kurze Spieldauer auf das Konsolenpublikum zugeschnitten wurde. Adventurefans können in diesem Zusammenhang dankbar sein, daß sie die Wahl haben, ihre Rätsel unter Zeitdruck im Action-Adventuremodus oder geruhsam lösen zu können und eine recht bequeme Maussteuerung zur Verfügung gestellt bekommen.

 

Bedienung

Die 3 Protagonisten können nacheinander per Point&Click frei bewegt werden. Hält man die linke Maustaste dabei gedrückt, rennt der Charakter zum Zielpunkt wobei er oder sie im Wege stehende Hindernisse automatisch umgeht. Diabolik und die Damen sind dabei so geschmeidig, daß sie so gut wie nie hängen bleiben. Es passiert recht selten, daß sie in ein Möbelstück oder eine Wand laufen. Es kommt vor allen Dingen dann vor, wenn man den Charakter in unwegsame Ecken schickt, um herauszufinden, ob dort ein Szenenwechsel möglich ist. Dies wird nämlich nicht per Mauszeiger signalisiert, sondern muß eigenständig herausgefunden werden. Das kann ein einfaches Sidescrolling des aktuellen Bildes bewirken als auch das Laden einer neuen Szene auslösen, sobald man in einen passenden Randbereich geklickt hat. Da einem per Mauscursor bereits viele Überlegungen abgenommen werden und die Rätsel auch nicht gerade einen brillanten Verstand voraussetzen, ist zumindest die Suche nach neuen Orten und Szenen eine gern akzeptierte Herausforderung.

Über Hotspots verändert der Mauszeiger seine Form, je nachdem, welche Interaktion möglich ist. Gleichzeitig wird eine Textbeschreibung des Hotspots angezeigt und vom Hauptcharakter kommentiert. Mit der rechten Maustaste kann man dabei zur nächsten möglichen Aktion wechseln, also zunachst mit Diaboliks Augen anschauen und danach mit der offenen Hand aufnehmen usw.. Neben Standardmausicons wie Schalter drücken, Tür öffnen oder mit Personen sprechen gibt's noch das Mausicon 'Hindernis überwinden'. Kommt selten vor, sollte aber nicht vergessen werden.

Falls Diabolik mit anderen Personen spricht - ja, er schlägt relativ selten sofort zu - wird der aktuelle Spielbildschirm im Hintergrund ausgeblendet und die beiden Gesprächspartner erscheinen als bildschirmfüllende, gezeichnete Figuren, deren Themen in großen Sprechblasen mit der rechten Maustaste gescrollt und mit der linken ausgewählt werden können.

Das scrollbare Inventar mit gleichzeitig 5 sichtbaren Objekten taucht in der rechten unteren Bildschirmecke auf wenn man das Mausrad oder die Leertaste drückt. Mit dem Mausrad kann man durch die Inventarobjekte scrollen. Ärgerlicherweise funktionierte die Bewegungsrichtung der Objekte immer genau andersherum als ich drehte und ich konnte mich erst nach einigen Kapiteln daran gewöhnen. Die rechte Maustaste scrollt auch im Inventar wieder durch Interaktionsmöglichkeiten wie 'benutzen' oder 'kombinieren'. Wichtig, wenn man z.B. eine Karte oder ein Gerät näher untersuchen oder benutzen möchte.

Man kann dann mit der linken Maustaste Objekte an den Mauscursor kleben um sie entweder am Spielbildschirm oder mit einem anderen Inventargegenstand zu verwenden. Leider bleibt kein Objekt länger als eine Aktion am Cursor und auch den zwischengeschaltete Klick auf das Mausrad fand ich unbequem - es wäre angenehmer gewesen, wenn sich das Inventar durch eine Mausbewegung in die Ecke geöffnet hätte, genauso wie das mit den beiden anderen Optionen in der linken oberen Ecke der Fall ist: dort erweckt eine Mausberührung nämlich zwei Symbole. Das eine, ein Buch mit einem Fragezeichen, erklärt den Spielern die aktuelle Aufgabenstellung und weist dezent auf Lösungsmöglichkeiten hin. Das andere hatte ich zunächst für einen Toaster gehalten, es soll wohl aber einen Rechner oder eine Festplatte symbolisieren: hier kann man mit einem Klick automatisch ein Savegame anlegen.

Das Hauptmenü erreichen wir mit der ESC-Taste. Hier können wir im Ladebereich sehen, daß jeder unserer Sicherungsklicks ein Savegame mit einem Screenshot, der Zeit und einer Beschreibung angelegt hat. Das letzte Savegame liegt an der ersten zugänglichen Position - gut so! Das Hauptmenü birgt neben einem umfangreichen Optionsmenü mit Grafik- und Soundeinstellungen auch noch den Menüpunkt 'Extra' um die bisher angesehenen Videosequenzen bzw. die bisher gehörten Musiktitel erneut zu sehen oder zu hören. Hier finden wir auch die Credits und eine Galerie mit Artwork. Über das Hauptmenü können wir auch eine mehrseitige Charakterisierung der Hauptfiguren sowie die Missionsbeschreibungen der 7 Kapitel aufrufen.

Die insgesamt leichtgängige Bedienung hat nur Schwachpunkte im Inventarhandling. Darüber hinaus hätte man sich für die langen Bildladezeiten etwas mehr einfallen lassen können - dem schwarzen Bildschirm mit der kleinen Diabolikmaske in der rechten unteren Bildschirmecke hätte etwas Artwork während der Wartezeit sicher gut getan.

 

Rätsel

Vor dem Start des Spiels können wir zwischen reinem Adventuremodus und Action-Adventure wählen. Daß wir uns im Adventuremodus genüßlich Zeit nehmen und fast unbeschadet durch das Spiel gelangen, habe ich bereits erwähnt. Wählen wir Action-Adventure, dann müssen wir an vielen Stellen gegen eine ablaufende Uhr in der rechten oberen Ecke unsere Rätsel lösen. Beispiel: Diabolik hat die Wachmannschaft abgelenkt. Bis diese zurückkehrt, muß er gewisse Dinge erledigen, sonst wird er entdeckt und das Spiel ist zuende. Im Adventuremodus fällt diese Zeitbegrenzungen weg. Darüber hinaus wurde hier auch das eine oder andere Kodierrätsel ein wenig schwieriger gestaltet. Dann gibt es noch im Action-Adventure an bestimmten, spannenden Stellen Reaktionsaufgaben, die man mit Klicks zur richtigen Zeit absolvieren muß und zwei oder drei Minispiele, die Reaktionsfähigkeit und Genauigkeit verlangen. Die getimten Sequenzen sind auch für Adventurespieler machbar, zumindest nicht schwieriger als vergleichbare Zwangssequenzen in Nikopol. Trotzdem ist die Wahlmöglichkeit ein sehr angenehmes Feature für alle, die wie ich keine Lust haben, dauernd Rätsel im Akkord zu lösen.

Neben den typischen Inventarrätseln und Dekodieraufgaben muß man sich hier und da unter Nutzung von Schattenbereichen heranschleichen oder verstecken. Im Adventuremodus nörgelt Diabolik gleich herum, wenn wir was falsch machen wollen: Er begibt sich von vorneherein nicht in Gefahr und läßt uns nur sehr selten in ein GameOver laufen.

Im Adventuremodus liegt der Schwierigkeitsgrad meist im einfachen, selten im mittleren Bereich. Im Actionmodus sind auch die einfachsten Rätselabfolgen durch die Zeitbegrenzung jeweils eine Stufe höher anzusetzen. Sollte man sofort in diesem schwierigeren Modus beginnen, wird sich die Spielzeit vermutlich um 2-3 Stunden verlängern.

Besonders originelle oder einfallsreiche Rätsel sucht man vergebens. Die vielen Türöffnungsaufgaben werden zwar nicht nur durch Suchen & Finden von Schlüsseln gelöst, aber irgendwann habe ich mich gefragt, warum Diaboliks Dietrich eigentlich nicht auf die Standardverschlüsse von Elektronikkästen oder Abteiltüren paßt und er dafür erst mal eine Haarklammer finden muß, schließlich ist er doch ein Kenner und Liebhaber von technischen Hilfsmitteln, oder?

 

Sonstiges

Die Installation von der DVD verlief reibungslos. Der Datenträger muß während des Spiels nicht im Laufwerk verbleiben. Bei mir trat ein vorwarnfreier Spielabbruch mit direkter Rückkehr zu Windows auf. Nach einem Neustart das Spiels war die Stelle, das Laden einer neuen Szene, normal spielbar.

Die europäische PEGI-Einstufung ab 16 Jahren paßt besser zu den Mord- und Totschlaginhalten, speziell der damit verbundenen Kaltblütigkeit (entspricht in etwa James Bond-Filmen) als die deutsche USK-Wertung ab 12.

Das 36seitige Handbuch beinhaltet einen Comicstrip zur Vorgeschichte des Adventurespiels mit dem Titel "Der Ursprung der weißen Rose" und schwarz-weiß-bebilderte Informationen zu den Spielfunktionen.

 

Fazit

Die gute Nachricht: Diabolik entpuppt sich als richtiges Adventurespiel! Die Einwände: der Grafikstil ist gewöhnungsbedürftig, die Lokalisation eher schlecht als recht, die Rätsel abgegriffen, die Spieldauer sehr kurz. Charakteren, Schauplätzen und Story gelingt es manchmal zu überraschen aber nur selten zu fesseln. Mit diesem Adventure kann ich nicht warm werden. Comicfans mögen sich mehr darüber freuen und meiner Wertung einen Zielgruppenbonus von 5% hinzufügen. 

 

Meine Gesamtbewertung: 66%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 2000/XP/Vista
  • Pentium IV 1,6 GHz oder kompatibel
  • 512 MB RAM (1 GB bei Vista)
  • 1,5GB freier Festplattenspeicher
  • DVDROM-Laufwerk
  • DirectX 9.0c-kompatible Grafikkarte mit 128 MB VRAM
  • DirectX-kompatible 16 bit Soundkarte
  • Maus oder Tastatur

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 01. Juli 2009

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

 

 


 

Hauptmenü
Hauptmenü

 

Adventure oder Action-Adventure?
Adventure oder Action-Adventure?

 

Eva in ihrer Zelle. Oben links kann man Speichern oder Hilfe abrufen
Eva in ihrer Zelle.
Oben links kann man Speichern oder Hilfe abrufen

 

Diabolik ist tot!
Diabolik ist tot!

 

Die Kapitel werden immer mit einer kleiner Zusammenfassung eröffnet
Die Kapitel werden immer mit einer kleiner Zusammenfassung eröffnet

 

Diabolik muß erstmal in den Zug hinein
Diabolik muß erstmal in den Zug hinein

 

u Beginn des Spiels werden die einzelnen Funktionen online erklärt
Zu Beginn des Spiels werden die einzelnen Funktionen online erklärt

 

Das Lademenü
Das Lademenü

 

Diabolik (verkleidet) meint, der Kasten wäre ein "Durchgang in der Wand"!
Diabolik (verkleidet) meint, der Kasten wäre ein "Durchgang in der Wand"!

 

Die Hotspotbeschriftung tippt aber auf Metallkasten - stimm!
Die Hotspotbeschriftung tippt aber auf Metallkasten - stimmt, es ist ein Schaltkasten!

 

Sobald wir das Inventar aufrufen färbt sich der Spielbildschirm ein
Sobald wir das Inventar aufrufen färbt sich der Spielbildschirm ein

 

Eine neue Verkleidung - so, jetzt kann's wieder ein paar Minuten unbehlligt weitergehen
Eine neue Verkleidung - so, jetzt kann's wieder ein paar Minuten unbehelligt weitergehen

 

Inventargegenstände können vergrößert werden. Unser Charakter gibt uns dann eine genaue Beschreibung
Inventargegenstände können vergrößert werden. Unser Charakter gibt uns dann eine genaue Beschreibung

 

Hier mal von vorne - nicht nur Hintergründe sondern auch Charaktere wirken irgendwie verwaschen
Hier mal von vorne - nicht nur Hintergründe sondern auch Charaktere wirken irgendwie verwaschen

 

Ganz gegen das eherne Comicgesetz: wir finden relativ viel Lesestoff!
Ganz gegen das eherne Comicgesetz: wir finden relativ viel Lesestoff!

 

Lautmalerische Infos bleiben den Zwischensequenzen vorbehalten. Die Panels der Actionszenen bewegen sich über den Bildschirm und werden ein- und ausgeblendet.
Lautmalerische Infos bleiben den Zwischensequenzen vorbehalten. Die Panels der Actionszenen bewegen sich über den Bildschirm und werden ein- und ausgeblendet.

 

Leichen pflastern seinen Weg
Leichen pflastern seinen Weg

 

Da hinten ist Diaboliks Zuhause
Da hinten ist Diaboliks Zuhause

 

Un so sieht's von innen aus
Un so sieht's von innen aus

 

Wir schlüpfen ebenfall in die Rolle der mysteriösen Helena - hier in einer Unterhaltung mit einem NPC
Wir schlüpfen ebenfall in die Rolle der mysteriösen Helena - hier in einer Unterhaltung mit einem NPC

 

So sieht Helena in den 3D-Spielszenen aus
So sieht Helena in den 3D-Spielszenen aus

 

Sie bewegt sich in dem kleinen Ort Denvon
Sie bewegt sich in dem kleinen Ort Denvon

 

The Original Sin - das Gemälde um das es geht)
The Original Sin - das Gemälde um das es geht

 

Diaboliks Handkantenschläge sind tödlich - man hört's
Diaboliks Handkantenschläge sind tödlich - man hört's

 

Mehr Screenshots