Dieses Freeware Krimiadventure, das zur Zeit
von Dreamagination entwickelt wird, trumpft auf vielerlei Art auf, besonders aber durch
zwei hervorstechende Eigenschaften: eine ausgeklügelte Krimistory, die neugierig macht
und einen speziellen Grafikstil, der sich an den Werken von Josh Agle alias SHAG orientiert.
Die Umsetzung und Ausführung der Grafik, Animationen im
Zusammenspiel mit Sound und Musikauswahl läßt keinen Zweifel am Können des Entwicklers,
der uns eine Geschichte amgesiedelt in der Welt des Retrokünstlers SHAG präsentiert.
Während ein jüngeres Publikum, das Zeitabschnitte in Konsumkategorien einzuteilen
pflegt, das Design im Cocktail-Lounge-Stil der 50er bis 60er einfach nur cool und kultig
empfinden wird, erinnern die Älteren zumindest ansatzweise die Wirtschaftswunderzeit mit
ihrer strammen Scheuklappenmentalität, die weder nach hinten noch zur Seite schauen
wollte. Abgesehen vom Einsatz in Werbegrafiken fand man damals ähnliches Design in vielen
Filmintros von seichten bis leichten US-Komödien mit Figuren wie Elvis, Doris Day, Audrey
Hepburn oder Pink Panther. Während die Mächtigen mit der Atombombe spielten,
beschäftigte sich der immer wohlhabender werdende Teil der westlichen Gesellschaft mit
dem Geldausgeben für Toast Hawaii und Dauerwellen, Urlaubsreisen und Modejournals,
Plüsch und Plunder.
Unser Adventure spielt Anfang der 60er. Privatdetektiv Alan Baxter
bekommt es mit einem Kriminalfall im Milieu der Schönen und Reichen zu tun. Dr. Bedford
war Mrs. Vanderbuilts Schwiegersohn in spe. Der Schönheitschirurg, der mit ihrer Tochter
liiert war, wurde ermordet. Nun, das würde Frau Vanderbuilt nicht unbedingt in
Depressionen stürzen, wenn nicht die Polizei ihren Sohn des Mordes verdächtigen würde.
Sie schaltet Alan Baxter ein, um den Verdacht von ihrem Sohn zu nehmen. Baxter, ein
früherer Polizist, nutzt zunächst seine Beziehungen zu ehemaligen Kollegen aus um die
Details des Falls zu erfahren. Er stößt tatsächlich auf Informationen, die von der
Polizei nicht berücksichtigt wurden, und seine Ermittlungen führen ihn nach Las Vegas
und New York.
Das Adventure hat einen auf den ersten Blick humorvollen Look und
Stil, will aber eine durchaus ernsthafte, spannende Geschichte erzählen. Die
überwiegenden Objekt-, Inventar- und Dialogrätsel bewegen sich im leichten Bereich und
sind vor allen Dingen für Einsteiger und genrefremde Spieler geeignet. Die Krimistory
wird aber sicher auch erfahrene Adventurefreunde unterhalten.
Die Steuerung unseres Hauptakteurs erfolgt in 3rd-Person-Sicht per
Point&Click. Hotspots werden bei Mausberührung mit einem Bildschirmtext beschrieben.
Durch einen Klick auf die rechte Maustaste erscheint ein 3teiliges Icon-Kontext-Menü. Man
kann mit dem Handicon Dinge manipulieren oder ins Inventar aufnehmen, Personen mit dem
Mundicon ansprechen oder Hotspots und Charaktere mit dem Augeicon betrachten. Die Dauer
der Textanzeige kann im Optionsmenü bestimmt werden. Man kann aber auch einfach die
Multiple-Choice-Dialoge oder andere Textanzeigen weiterklicken, wenn man das Spiel
beschleunigen möchte. Bereits geführte Dialogzeilen werden abgedunkelt, können aber bei
Bedarf erneut verwendet werden.
Das Inventar erscheint als Iconleiste am oberen Bildschirmrand. Auch
hier können wir das 3teilige Kontextmenü verwenden, um nähere Beschreibungen von
Gegenständen zu erhalten oder auch den automatisch geführten Notizblock zu lesen, der
uns auch Hinweise zu den anstehenden Aufgaben gibt. Das Inventar kann gescrollt werden und
Inventarobjekte sind kombinierbar, bevor wir sie im Spielbereich anwenden. Szenenausgänge
werden durch große rote Pfeile markiert und ermöglichen auch Mehrfachauswahlen zu
verschiedenen Zielen.
Das Hauptmenü erreichen wir über die Escape-Taste. Dort können
wir in einer scrollbaren Liste den aktuellen Spielstand mit einem Mausklick unter dem
momentanen Szenenbild ablegen. Wie ich immer in solchen Situationen erwähne, wäre es
angenehmer, wenn der neueste Spielstand als erster angezeigt würde und man nicht scrollen
müßte. Über die anscheinend unbeschränkte Speicher- und Ladefunktion hinaus finden wir
das Optionsmenü mit 4 Lautstärkereglern, der Möglichkeit, die Untertitel abzustellen
als auch die Textanzeigedauer zu beeinflussen.
Das Spiel selbst steht kurz vor der Betatestphase. Es wird nicht nur
mit einem originellen Soundtrack im Jazz- bzw. Loungestil ausgestattet sein sondern
letztlich auch eine vollständige Sprachausgabe auf deutsch und englisch beinhalten, die
sowohl von Laien- als auch Berufsschauspielern beigetragen werden soll. Die
Preview-Version beinhaltete bisher noch keine Sprachausgabe oder Videosequenzen.
Dirty Split soll nach Fertigstellung 24 Schauplätze beinhalten und
laut Entwickler ein Spiel von mittlerer Spiellänge werden. Ich habe mich bis jetzt einige
Stunden damit beschäftigt und hoffe, daß die fertiggestellte Version das hält, was die
Previewversion bereits versprochen hat, nämlich richtig gute Adventure-Unterhaltung.
Dirty Split soll Freeware bleiben, obwohl es bereits das Zeug zur kommerziellen
Vermarktung in sich trägt. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann auf der
Homepage spenden. Die Veröffentlichung des Comic-Krimis ist für Mai/Juni 2008 geplant.