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Die Kunst des Mordens 3 -
Karten des Schicksals


Releasedatum: 28.01.2010

Entwickler/Publisher: City Interactive (Detalion)

Spielsprache: deutsch

 

USK: ab 12 Jahren

 

Ein Review von  slydos   02. Februar 2010

 

Im Jahresrhythmus erscheinen die Fälle der FBI-Agentin Nicole Bonnet bei City Interactive. Seit dem Erstling im Jahre 2008 hat sich wirklich einiges getan. Während ich mich beim Start der Serie durch die Groschenheft-Qualität glattweg veräppelt fühlte, hatte sich Teil 2 durchaus schon zu einem guten Durchschnittskrimi gemausert. Wenn man dann noch die Aufwärtsentwicklung der Parallelserie um die Archäologin Sylvie Leroux in Betracht zieht, hat sich City von Spiel zu Spiel merklich gesteigert. Man hat tatsächlich das Gefühl, daß die Polen mit aller Kraft an Verbesserungen feilen. Und da ist er nun, der dritte Teil der Saga: Karten des Schicksals!

 

Geschichte

Nicole macht Urlaub. Gerade ist sie von ihren Eltern zurückgekehrt, da klingelt der Postbote. Ein mysteriöses Päckchen setzt sie auf die Spur eines Serienmörders: des "Card Man". Diesen Namen erhält der Killer aufgrund seiner Visitenkarten in Form von französischen Spielkarten in der Farbe Herz, die er an den Tatorten zurückläßt. Nicht Neues im Krimigenre, habe ich doch gerade gestern wieder einen TV-Serienmörderfall nach Val McDermid mit demselben gern verwendeten Sujet registriert. Zuschauer, Leser und Spieler lieben dieses Thema - das Spiel eines Killers mit seinen Verfolgern. Die Spielkarten zeigen, daß der Täter sich noch einiges vorgenommen hat und die Polizei, oder in unserem Fall das FBI, kommt immer ganz knapp zu spät, wenn der nächste Mord passiert. Das Spannende an den Fällen ist jeweils die Frage, ob und wie die Guten dem Bösen zuvorkommen können, also die Verhinderung eines zukünftigen Verbrechens.

Genau dies versuchen wir zusammen mit Nicole. Die Umsetzung des Themas durch City bzw. die früheren Detalion-Leuten ist ausgezeichnet gelungen. Dabei spreche ich nicht nur von überraschenden Wendungen, immer wieder wechselnden Verdächtigen, einem spannenden Duell zwischen Jäger und Gejagtem, sondern auch von einer großen Spieltiefe und viel Hintergrundpolsterung. Die Geschichte fesselt von Anfang bis Ende und das will bei ca. 25-30+ Stunden Spielzeit schon was heißen!

Viele Videoszenen übernehmen die Action. Der Rhythmus zwischen den automatischen Storyelementen und Interaktion bindet die Spieler als respektierte Mitwirker in die Handlung ein und versteht es, freiwillig gegebene Informationen und erarbeitete Fortschritte zu einem gelungenen Gesamterlebnis zusammenzufügen. Die Linearität der Handlung wird zumindest innerhalb einzelner Schauplätze durch Nichtlinearität bei der Rätsellösung aufgelockert, jedenfalls da, wo es möglich und sinnvoll erscheint.

Auch diesmal muß sich Nicole manchmal durch einiges Hin und Her offensichtlich brauchbare Dinge beschaffen, doch hat man ihr viel mehr als früher erlaubt, Greifbares sofort zu requirieren und auch die Folge der notwendigen Einzelschritte logisch zu erden. Und wenn ich diesmal wirklich begeistert klinge, so mag meine analytische Aufmerksamkeit, die sonst vielleicht noch das eine oder andere Logikloch zu entdecken in der Lage gewesen wäre, durch meine Hingerissenheit von der Aufgabenstellung tatsächlich abgelenkt gewesen sein, was wiederum ganz und gar kein schlechtes Qualitätszeichen ist.

 

Rätsel

City Interactive - oder sollte ich besser Detalion sagen - hat sich diesmal selbst übertroffen. Ein Feuerwerk von verschiedendsten Rätseln, Knobelaufgaben, und Analysetätigkeiten lassen das Adventurespielerherz höher schlagen. Da gibt es natürlich die vielen Objektmanipulationen, die nicht nur mit schnödem Rein ins bzw. Raus aus dem Inventar zu tun haben. Da muß jedes Objekt genau betrachtet, untersucht, möglicherweise behandelt, manipuliert oder kombiniert werden. Die manuell gesteuerte 3D-Rotationsansicht im Inventar hat somit nicht nur grafischen Wert! Im FBI-Labor nutzt man die vielen Möglichkeiten der Forensik und Datenbanksuche, stellt Vergleiche an, löst unterm Mikroskop 3D-Puzzles oder macht Audioanalysen. Einfallsreiche Logikrätsel, Dekodieraufgaben, mechanische Rätsel, eine pfiffige Faltaufgabe, atemberaubende Bombenentschärfungen mit viel Fingerspitzengefühl, Dokumentensichtung und vieles, vieles mehr sorgen dafür, daß wirklich keine Langeweile aufkommt und auch verwöhnte Knobler überrascht und herausgefordert werden.

Ja, wir müssen auch mal eine kleine Schießeinlage bewältigen und ja, wir können auch sterben. Aber in den ganz gefährlichen Situationen wird der Spielstand automatisch gesichert, was uns auch am Bildschirm kund getan wird. so daß uns ein GameOver nicht kalt erwischt. Die Vielfalt und Anzahl der ausgeklügelten Rätsel fordert in den Spitzen auch Adventureveteranen. Aber man kann sich auch gewitzt mit ein wenig Trial&Error durchbeißen, wenn man z.B. statt mit logischer Deduktion einen 4stelligen Code lieber durch Ausprobieren herausfindet, was die Spiellogik nicht verhindert. Spaß macht die wunderbare Knobelei allemal und stundenlange Hartnäckigkeit wird ausgiebig mit körpereigenen Glücklichmachern belohnt.

 

Grafik/Sound

Belohnt werden wir aber nicht nur durch das wohlige Gefühl, erfolgreich die Beckerfaust nach einem besonders kniffligen Rätselpart ballen zu dürfen, sondern auch durch die atemberaubenden Schauplätze. Ob es das nächtliche New York, Louisiana tief im Süden oder Maine hoch im Norden ist, man spürt die liebevoll feine Ausarbeitung der Hintergrundgrafik. Passend liegt Mitte Oktober in Maine der erste Schnee, während im Bayousumpf des Mississippideltas immer noch schwüle Hitze herrscht. Und hey, hey, hey ... diesmal hat man die kleinen Detailpatzer aus dem zweiten Teil der Serie fast wieder gut gemacht: Nicole spricht von Parishes, wenn sie die Distrikte von Louisiana meint. Geht doch! Auch an anderen Stellen merkt man, daß es eine intensivere Hintergrundrecherche zu den Spielorten gegeben hat - danke dafür. Die Wasseranimationen sind durchweg sehr gelungen, sei es das ruhige Wiegen der braungrünen Bayoubrühe oder die passend zum Sturmgetöse wirbelnden Wellen des Meeres. Licht, Farben und Umgebungssound präzisieren die Bilder weiter, so daß die zugehörigen Temperaturen und Gerüche leicht vorstellbar sind.

Auch innerhalb der FBI-Innenräume wurden stumme NPCs eingesetzt und es gibt sogar Passanten und Verkehr auf New Yorks Straßen, jedenfalls tagsüber. Auch sonst ist Nicole nicht mehr so ganz allein. Ihr alter Partner Nick nimmt zu Beginn seinen FBI-Hut und wird durch einen neuen Partner namens Dick ersetzt. Na, da muß die Dame sich wenigstens nur einen neuen Anfangsbuchstaben merken. ;-) Nick, Dick, oder wie sie alle heißen mögen, zeichnen sich allerdings nicht wirklich durch signifikante Unterschiede aus. Ich hatte manches Mal meine Probleme, den einen Herrn vom anderen zu unterscheiden. Selbst in den kleinen Paßbildern neben den Textzeilen sehen sich viele der männlichen Charaktere verdammt ähnlich. Falls es bewußt verwirrungsstiftend gewählt wurde, hat es seinen Zweck erfüllt.

Auch die Stimmen der Darsteller sind weitgehend austauschbar und haben in der deutschen Version wohl nicht viel Dialogregie erfahren. Außer Nicoles Stimme und Interpretation, die auch nicht immer hundertprozentig auf den jeweiligen Situationen liegt, gab's nur wenige Herrschaften, die mich wirklich überzeugt haben, wie z.B. Ruth oder der Pfarrer. Aber deren Textmenge ist begrenzt. Besonders hat mich die Ausdruckslosigkeit des Bösewichtes gestört. Es wäre zwar möglich, wenn auch sehr unwahrscheinlich, daß ihm in seinem, sagen wir mal Wahnsinn, ein vollkommen teilnahmsloser Duktus zugedacht war. Aber trotzdem sollte dann zumindest die Betonung der Worte oder Satzteile sinngemäß zur Situation passen. In Dialogen klingen Antworten manchmal so, als ob der Gesprächspartner gar nicht mitbekommen hat, was sein Gegenüber vorher sagte. Die Regie hätte den Sprechern zumindest die Texte der anderen Beteiligten und eine Szenenbeschreibung zukommen lassen können.

Die Bewegungsabläufe und Pausengebärden bei unserer Hauptdarstellerin stellen zufrieden. Zwar macht sie wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen immer noch kleine Trippelschrittumwege, bevor sie sich in Richtung Ziel aufmacht, aber das ist zu verschmerzen. Vielleicht wird ja irgendwann mal ein 3rd-Person-Spiel entwickelt, bei dem sich die Charaktere wirklich immer realistisch in Bewegung setzen, wenn man ihnen den Mausbefehl dazu gibt.

In den etwas verschwommeneren Videosequenzen sind die Bewegungsabläufe der Charaktere zwar flüssiger, aber ihre Körperglieder ähneln immer noch Knetgummirollen. Sie bewegen sich ihrer Gestalt und damit nicht ganz dem Leben entsprechend. Diese Videos werden in großer Menge statt Ingameanimationen eingesetzt, möglicherweise als ein Ergebnis interner Arbeitsteilung der Entwickler. Trotz der leichten Diskrepanz zwischen Video- und Ingamegrafik sind die Filmszenen gut eingepaßt und bringen erhebliche Dramatik ins Geschehen.

Die Übersetzung und Platzierung der gesprochenen und geschriebenen Texte ist von guter bis sehr guter Qualität. Im Gegensatz zum Vorgänger fallen kaum Schnitzer mehr auf. Die 4-5 Kommentarphrasen wie "Ja, klar.", "Das geht nicht.", "Das paßt nicht.", über die Nicole für falsche Objektanwendungen verfügt, sind natürlich besser als keine. Die Phrase "Das wird nicht passieren." hat aber selten einen Sinn und wäre besser unter den Tisch gefallen. Ich hätte mir gern mehr situationsbezogene Texte gewünscht.

Innerhalb des interaktiven Spiels hat man dramaturgisch sehr passende Kamerawechsel eingesetzt, ohne mit übertriebenen Drehs, Cuts oder Schwenks zu verwirren. Von der Totalen bis zum Superzoom ist alles drin, rechtwinklige bis schräge Perspektiven von unten oder oben bringen Übersicht für die Spieler, weisen ihr Augenmerk auf Details, können aber auch als Mittel des Rätseldesigns für versteckte Hotspots sorgen, um es den Spielern nicht ganz so leicht zu machen. Für mich ein ausgezeichnetes, ausgewogenes Maß zwischen Abwechslung und Bildruhe.

 

Menüs/Oberfläche/Handhabung

Die gute Bedienbarkeit des letzten Teils setzt sich fort. Savegames können unbegrenzt abgelegt werden. Ihre Speicher- und Ladezeiten bewegen sich in einem angenehm kurzen Rahmen. Die Spielstände werden als kleine Screenshots mit Datum und Zeitangabe zu jeweils neunt abgelegt, der neueste immer oben links. Bei mehr als 9 Speicherungen muß man per Pfeil auf- oder abwärts scrollen. An bestimmten Spielstellen wird eine automatische Speicherung vorgenommen.

Im Optionsmenü besteht die Möglichkeit, die Lautstärke von Musik, Sprache und Geräuschen getrennt oder insgesamt zu regeln. Auch Grafikeffekte, Bildformat und Untertitel können über ein Ingame-Menü geregelt werden. Starten und Verlassen des Spiels ist wenig zeitaufwendig. Neben den Credits finden wir im Hauptmenü den Punkt 'Filme', unter dem wir später die bereits gesehenen Videosequenzen nochmals aufrufen können.

Alle Steuerungsfunktionen laufen komfortabel über Mausklicks. Eine ständig sichtbare Inventarleiste mit Scrollfunktion am unteren Bildschirmrand wird diesmal durch 3 Funktionsicons ergänzt: den Zugang zum Hauptmenü, der Hilfefunktion, die alle relevanten Hotspots und Ausgänge anzeigt und Nicoles PDA mit Telefon, Dialogprotokoll, Tagebuch und Dokumentenarchiv.

Die Inventarbedienung wurde gegenüber dem Vorgänger erweitert: Gegenstände können per Drag&Draw horizontal gedreht und weiter sowohl in der Zoomansicht als auch in Iconformat manipuliert werden. Gerade die Manipulationen an den Objektvergrößerungen bieten Platz für viele interessante Rätsel.

 

Fazit

Die Kunst des Mordens 3 - Karten des Schicksals ist schon wieder eine ganze Stufe besser als sein Vorgänger. Wow! Genau wie von Teil 1 zu Teil 2 gibt's einen spürbaren Schritt nach vorne, diesmal zu einem richtig tollen, spannenden Thriller, der mitfiebern läßt und zum Mitdenken herausfordert. Das Preis- Leistungsverhältnis nähert sich mit der epischen Rätselstory dem Idealmaß. City Interactive hat mit dem dritten Teil ein bemerkenswertes Stück Real-Adventure geschaffen, das für sich alleine schon Respekt verdient, aber auch keinesfalls den Vergleich mit der Konkurrenz á la Still Life scheuen muß.

 

 

 Meine Gesamtbewertung: 91%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • 1,5 GHz Prozessor
  • 512 MB RAM
  • DVD-ROM
  • DirectX9-kompatible Grafikkarte, NVidia GeForce oder
    ATI Radeon mit 128 MB RAM
  • Soundkarte DirectX-kompatibel
  • 4,5 MB Festplattenspeicher
  • DirectX 9

 

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 02. Februar 2010

 

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Das Intro - nicht der einzige Ort, wo sich City Interactive verewigt hat
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Hauptmenü
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Nicole muß die vorgeschriebenen Schießübungen absolvieren
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Das FBI-Gebäude in einer Seitenstraße - von der Hauptstraße dringt Verkehrslärm herüber
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Ein Abgleich in der FBI-Datenbank - nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint
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Aktuelle politische Bezüge in den Dialogen werden Game-Historikern irgendwann Anhaltspunkte geben
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Bombenentschärfung im Video
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Ein einfallsreiches Falträtsel!
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Mit dem  Mikroskop löst man ein kniffliges, realitätsnahes Pflanzenpuzzle
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Im Sumpf
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Der Killer meldet sich
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Das winterliche Maine
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