Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

This page in English (coming soon)

 

 

Dracula Origin


Releasedatum:
geplant Anfang Juni 2008

Entwickler: Frogwares

Publisher:
Focus Interactive / Deep Silver

Spielsprache Previewversion: Englisch mit deutschen Untertiteln und Spieltexten

Homepage
Boxshot

 

Ein Preview von  Jehane   28. April 2008

 

Wenn es ein Thema gibt, das in Literatur, Kunst, Film und ja, auch im Adventuregenre, fast schon zu (Un)Tode zelebriert wurde, dann ist das wohl die Geschichte des Blutsaugers schlechthin: Dracula, von Bram Stoker im gleichnamigen Roman eindrucksvoll zum „Leben" erweckt, feiert demnächst wieder fröhliche Urständ’ auf den Computern eingefleischter Adventurefans.

Neben einer Fortsetzung der bekannten First-Person-Adventures aus dem Hause Microids bzw. Wanadoo, die von den Kheops-Studios vorbereitet wird, treibt der berühmteste Vampir aller Zeiten ab Juni auch in einem neuen 3rd-Person-Adventure von Frogwares sein Unwesen. „Dracula: Origin" beleuchtet dabei den Ursprung jenes Fluches, der aus einem transsylvanischen Adeligen einen Furcht erregenden und blutrünstigen Vampir machte.

In der Haut des nicht minder berühmte Vampirjägers Professor Van Helsing ist es am Spieler, Dracula aufzuhalten, denn dieser ist auf der Jagd nach einem geheimnisvollen Manuskript, das eine verlorene Seele aus dem Jenseits zurückbringen kann. Der Graf hat dabei nichts anderes im Sinn als seine große Liebe wieder zum Leben zu erwecken, die ihn einst verlassen hat. Aus Kummer darüber schloss Dracula einen Pakt mit dem Teufel und wurde zum Vampir – ein ähnliches Motiv wurde bereits in Francis Ford Coppolas Dracula-Film aus dem Jahr 1992 benutzt. Der Vampir erhält so fast menschliche Züge, seine Motivation ist zumindest nachvollziehbar – wer hat denn noch nicht aus Liebeskummer die seltsamsten Dinge angestellt, um den/die Angebetete(n) wieder für sich zu gewinnen? Gut, ein Pakt mit dem Teufel und Nekromantie sind vielleicht etwas übertrieben; dennoch wird hier offensichtlich der Versuch unternommen, Dracula nicht als Schablone, als das pure Böse darzustellen, sondern seine Handlungen nachvollziehbar zu gestalten. Dementsprechend heißt es auch bei der Beschreibung des Grafen auf der offiziellen Homepage, er sei eine verlorene und verdammte Seele, die zugleich Furcht und Mitleid erregt.

Besonders die weiblichen Spieler dürften übrigens mit ihm ihre helle Freude haben – war Dracula in den beiden Microids-/Wanadoo-Spielen noch alt und etwas runzelig, so tritt er uns in „Dracula: Origin" als knackiger Jüngling entgegen, als Dandy, der sich auf dem Cover der Verpackung und auch bei Spielstart lasziv auf einer Couch räkelt. Wo, sagten Sie, darf ich mich anstellen, um Blut zu spenden?

Bereits beim Start der Demo besticht das umwerfend schön gestaltete Menü. Da fallen sachte Rosenblätter von Sträuchern zu Boden und ähneln dabei Blutstropfen, die Regler funkeln hell wie Diamanten, wenn sie bewegt werden, der Cursor ist passenderweise blutrot. Das Ganze spielt sich vor einem düsteren Hintergrund in Grabstein-Optik an und erinnert frappierend an die Ästhetik der Goth-Szene, etwa an die Werke der Künstlerin Victoria Frances. Dunkelheit und Romantik gehen eine wilde und dabei funktionierende Ehe ein, schon im Menü wird so die nötige Atmosphäre erzeugt und durch die schöne Musik unterstrichen. Auch die Regler des Menüs geben helle Klänge von sich, wenn man mit der Maus über sie fährt.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang in Van Helsings Labor, wo er dem Spieler bereits zu Beginn wertvolle Hinweise auf Waffen gibt, die Vampire vernichten können. Leider lief der sehr schön gestaltete Eröffnungsfilm gänzlich ohne Ton ab; der gute Professor bewegt zwar die Lippen, man hört ihn aber nicht sprechen, und auch die Untertitel haben sich hier einen kurzen Urlaub gegönnt. Nach den stummen Ausführungen des Professors zum Wesen der Vampire und ihrer Vernichtung erhält Van Helsing einen Brief von Jonathan Harker, der nach Transsylvanien gereist ist, um Dracula zu vernichten. Ein Zeitungsausschnitt, der mitsamt dem Brief unter der Tür durchgeschoben wird, berichtet von einem blutigen Doppelmord, der sich erst kürzlich in London ereignet hat. Weil Jonathan ihn in seinem Brief darum bittet, sieht Van Helsing bei Mina, Jonathans Verlobter, nach dem Rechten – und ab hier übernimmt der Spieler die Regie.

Gesteuert wird Van Helsing ganz klassisch mit der Maus, wobei die Steuerung der ähnelt, die in „Sherlock Holmes: Das Geheimnis des silbernen Ohrrings" verwendet wurde. Besonders praktisch: Ein Doppelklick lässt Van Helsing sich schneller bewegen, er wechselt sofort ins nächste Bild, wenn dies möglich ist. Man hat übrigens auch die Möglichkeit, das Spiel via Tastatur zu spielen, muss sich dafür aber einige Befehle merken. Die Maussteuerung hingegen ist intuitiv ausgefallen und erfordert keine Lektüre des Handbuchs. Bereits im ersten Abschnitt erwarten den Spieler einige Rätsel, für die wiederum, ganz in Sherlock-Holmes-Manier, verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung stehen. So muss Van Helsing, nachdem er weitere Zeitungen eingesammelt hat, die Schauplätze mehrerer Morde mit jenen Orten verbinden, in deren Richtung laut Zeitungsberichten der geheimnisvolle Mörder geflohen ist. Das bewerkstelligt Van Helsing, indem er auf einer Karte von London mit einem roten Stift herumfuhrwerkt; so erhält er auch seinen nächsten Anhaltspunkt, der weitere Rätsel parat hält.

Über den Schwierigkeitsgrad der Rätsel lässt sich nach der vergleichsweise kurzen Demo, die das erste Kapitel des Spiels anreißt, wenig sagen; fest steht aber, dass sie logisches Denken und vor allem sehr viel Aufmerksamkeit erfordern. Sämtliche Hinweise, die man im Verlauf des Spiels erhält, werden aber ohnehin im Inventar unter „Dokumente" oder „Berichte" bzw. „Dialoge" abgespeichert, auch das eine Gemeinsamkeit mit den Sherlock-Holmes-Spielen (aufmerksamen Spielern und Holmes-Fans dürfte übrigens die kleine Anspielung auf „Das Geheimnis des Silbernen Ohrrings" in einem der Zeitungsartikel nicht entgehen). Das Inventar wird mit der rechten Maustaste aufgerufen und geschlossen, Gegenstände können innerhalb des Inventars miteinander verbunden werden, sofern das Sinn macht. Dazu muss man wie bereits in „Die Spur der Erwachten" einen Gegenstand anwählen und mit gedrückter linker Maustaste auf den zu kombinierenden Gegenstand ziehen – ein einfaches, aber bewährtes System, das wie die Steuerung sehr intuitiv gehalten wurde. Per Escape-Taste gelangt man ins Hauptmenü, wo man speichern, laden und Optionen einstellen kann; ebenfalls mit der Escape-Taste, aber auch mit der linken Maustaste lassen sich Gespräche bzw. Zwischensequenzen abbrechen.

Die Rätsel, die ich im ersten Kapitel des Spiels lösen durfte, lassen erahnen, dass den Spieler über das gesamte Spiel verteilt eine ausgewogene Mischung aus Inventar- bzw. Objekträtseln und Schieberätseln, mechanischen Rätseln, Zeichenrätseln und anderen erwartet; für Abwechslung dürfte gesorgt sein. Auch die Dialoge dürften eine gewichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Handlung voranzutreiben.

Besonders gut an der englischsprachigen Demo haben mir die Stimmen gefallen, die unbestreitbar zum Flair des Spiels beitragen – ich habe direkt Lust bekommen, das Spiel auf Englisch zu spielen, auch, weil jeder Charakter einen anderen Akzent verpasst bekommen hat. So spricht Mina in wunderschönem, vorbildlichem britischem Englisch, während Van Helsing seine holländische Herkunft dank eines leichten Akzents noch anzumerken ist. Vertreter unterer sozialer Schichten wie ein Totengräber schwadronieren in schönstem Slang dahin – und an diesen Stellen war ich für die zuschaltbarendeutschen Untertitel äußerst dankbar, denn man braucht schon ein gutes Ohr für britische Dialekte, um das Nuscheln eines Vertreters der Unterschicht auf Anhieb verstehen zu können. Ebenfalls eingedeutscht wurden sämtliche Texte und Dokumente sowie die Menüführung, aber auch die Gesprächsoptionen, die oben rechts eingeblendet werden.

Optisch dürfte uns mit „Dracula: Origin" nicht nur wegen des bereits erwähnten ansehnlichen Obervampirs ein Augenschmaus erwarten; die vorgerenderten 2D-Hintergründe sind sehr schön anzusehen, und besonders der Friedhof verbreitet düster-herbstliche Stimmung, nicht zuletzt dank fallender Blätter. Am Himmel sieht man immer wieder Vögel vorbeiziehen, sodass die Szenerie nie gänzlich unbelebt bleibt. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet, und ich bin schon gespannt darauf, welche Orte im fertigen Spiel noch erkundet werden dürfen. Da es sich um ein 3rd-Person-Adventure handelt, sind die Wege allerdings strikt vorgegeben, sodass ein freies Erforschen der Umgebung leider nicht möglich ist. Aber man kann ja nicht alles haben. Ebenfalls sehr ansprechend: die 3D-Charaktere, die sich nahezu nahtlos in die Umgebung einfügen. Zwischensequenzen gab’s in der Demo leider keine zu bewundern; lediglich der Eröffnungsfilm in Van Helsings Labor deutet darauf hin, dass auch hier mit großer Sorgfalt vorgegangen wurde.

Insgesamt hat die kurze Demo einen sehr guten Einblick in das Spiel erlaubt; sie macht definitiv Lust auf mehr. „Dracula: Origin" verspricht, ein spannendes Adventure voller ansprechender Rätsel zu werden, das klare Anleihen bei den ebenfalls von Frogwares produzierten Sherlock-Holmes-Spielen nimmt, etwa im Ladescreen, der Inventargestaltung oder der Steuerung. Besonders die Gestaltung des Inventars mit den vier Unterabschnitten verspricht viel Interaktivität, die durch ausführliche, aber nicht zu lange Gespräche ergänzt wird. Auch die Story verspricht jede Menge Spannung; unklar ist noch, ob man in „Dracula: Origin" sterben kann oder ob es Sackgassen gibt. Auch ob ein gravierendes Manko von „Sherlock Holmes: Das Geheimnis des silbernen Ohrrings" – das leidige Pixelhunting, das aus Spielspaß schnell Spielfrust werden ließ – ausgemerzt wurde, konnte ich anhand der kurzen Demo nicht beurteilen, da ich auf Anhieb alle Hotspots gefunden habe, die es zu finden gab. Spätestens im Juni wissen wir mehr; dann sollte „Dracula: Origin" in den heimischen Läden stehen.

 

Gespielt mit:

  • Windows XP Home SP 2
  • Pentium 4 mit 3 GHz
  • 2 GB Ram
  • Optiarc DVD RW AM-71707
  • Nvidia GeForce 7300 SE/7200 GS mit aktuellem Grafiktreiber

 

Copyright © jehane für Adventure-Archiv, 28. April 2008

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

 


 

 

 


 

 

 


 

 

 


 

 

 


 

 

 


 

 

 


 

 

 

 

 

 

Mehr Screenshots