Drawn 2 - Flucht aus der Dunkelheit
Erscheinungsdatum: 22.11.2010
Entwickler: BigFish Game Studios
Publisher: Astragon
Spielsprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
Boxshots
USK: Geeignet ab 6 Jahren
PEGI: 7+ (Angst)
Ein Review von Thelma 02. Januar 2011
Um Missverständnissen vorzubeugen: Drawn
2 Flucht aus der Dunkelheit ist zwar ein "Casual Game" (Definition
Wikipedia: "einfache (...) Spiele, die sich durch eine besonders leichte
Zugänglichkeit, intuitive Eingabemethoden, das kooperative Gameplay sowie schnelle
Erfolgserlebnisse auszeichnen...").aber definitiv kein Wimmelbildspiel.
Ebenso wenig wie der erste Teil der Geschichte um die kleine Prinzessin Iris Drawn der
Turm. Beide Spiele bewegen sich auf einer Genre-Gradwanderung zwischen Adventure und
einer Art Grafik-Puzzle. Beim Testen interessierte mich vor allem: Werden Liebhaber des
ersten Teils auch vom zweiten Teil begeistert sein?
Die Fortsetzung
Drawn 2 Flucht aus der Dunkelheit ist ein
klassisches "Sequel". Es folgt dem Vorgänger so genau, dass ich nach dem Start
kurz das Gefühl hatte, aus Versehen den ersten Teil gestartet zu haben: das gleiche
Intro, die gleiche Musik, der gleiche Franklin, der uns mit sonorer Stimme in die
Geschichte einführt. Doch schnell wird klar, dass meine Hauptaufgabe als Spieler eine
andere ist: Im ersten Teil musste ich rauf auf die Turmspitze, um unsere Heldin Iris zu
befreien. Klare Ansage: immer nach oben, oben ist gut. Jetzt muss ich drei Feuer auf drei
Türmen anzünden. Aber wo sind die?? Orientierungslegastheniker wie ich, die sich schon
mal auf dem Rückweg vom Müllrausbringen verlaufen, verheddern sich leicht bei der Suche
nach den drei Turmspitzen. Die gute Nachricht für alle, die schnell dabei sind, sich
lauthals über Unterforderung zu beschweren: das dauert länger. Nicht nur bei der
räumlichen Orientierung werden bei mir die Bedenken, der zweite Teil sei eine variierte
Kopie des ersten Teils, schnell zerstreut. Die Rätsel sind neu und originell. Einzig die
Geschichte hing für mich etwas in den Seilen, denn so richtig habe ich nicht kapiert,
warum meine heldenhafte erste Rettungsaktion ganz umsonst war. Warum hat sich Iris denn
jetzt schon wieder fangen lassen?!
Story
Königstochter Iris, die wir im ersten Teil der Geschichte
glücklich vom Dach des Turms befreit hatten, hat sich schon wieder vom bösen Tyrannen
lumpen lassen - unvorsichtiges kleines Ding! Diesmal hat sie sich vor ihm in einem
magischen Buch versteckt. Uns wieder müssen wir sie raushauen, ist doch Ehrensache. Auch
der treue Diener Franklin ist wieder dabei, immer noch als umgestürzte Statue am Fuße
des ersten Turms, ist er wie eh und je mit klugen Ratschlägen bei der Hand bzw. dem
Mausklick.
Im zweiten Teil des Spiels ist der Bösewicht eine Allianz
mit einem mystischen Rabenwesen eingegangen, das nach Art der "Todesser" in den
Harry-Potter-Filmen schwarze Flatterschlieren durch die Gegend schleudert und den Himmel
verdunkelt. Und so ist es diesmal unsere Hauptaufgabe, auf den drei Türmen der Stadt
Feuer anzuzünden, um eben jene Dunkelheit zu vertreiben. Dieses "Erleuchten"
ermöglicht im Spiel unser Fortkommen, denn jedes neue Turmlicht vertreibt dunkle Schatten
und macht uns neue Wege frei, die vorher von gruselig waberndem Rabenschwarz versperrt
waren.
So sind Licht, Feuer, Drachen und Phönixe auch die
gegenständlichen und allegorischen Hauptthemen der Aufgaben. Weitere Leitmotive sind
Stein, Wasser, Papier, Farben, Kunst, Musik, Bücher und die vier Jahreszeiten. Wie im
ersten Teil bewegen wir uns durch eine Reihe von Gemälden, die beim Einsatz der richtigen
"magischen Tür" zum Leben erwachen.
Installation, Steuerung
Installation, Spielsteuerung, Gameplay und Atmosphäre
unterscheiden sich so gut wie gar nicht vom ersten Teil. Ein einfaches Menü am unteren
Bildschirmrand (s. Screenshots) liefert den Ausgang zum Hauptmenü, ein Inventar und einen
Button für Hinweise. Das Speichern geschieht automatisch: wenn wir das Spiel verlassen,
beginnen wir beim nächsten Start genau dort, wo wir aufgehört haben.
Es gibt ein paar kleine Unterschiede: jetzt gelangt man in jedem Minispiel über ein
"?"-Button oben rechts zu einer kurzen Spielanleitung. Was auch sinnvoll ist,
denn die Rätsel im zweiten Teil sind schwerer und gelegentlich erläuterungsbedürftig.
Außerdem erfolgen Franklins Tipps im zweiten Teil ohne "Zeitstrafe". Wer mag,
kann sich alle Tipps zur aktuellen Aufgabe (meist zwei) sofort und hintereinander geben
lassen. Der erste von zwei Tipps ist noch vage, der zweite wird konkreter.
Bei Drawn 2 Flucht aus der Dunkelheit habe ich die
fehlende Möglichkeit, Spielstände zu speichern, schmerzlich vermisst. Nicht nur wegen
der Testsituation. Um einen Erzähltext nochmals zu lesen oder eine schöne Animation
nochmals zu bewundern, muss der Spieler ein zweites Profil anlegen und sich tapfer ein
zweites Mal zu der entsprechenden Stelle durchkämpfen. Das dauert bis zum Spielende,
selbst wenn man Wiederholungsspieler ist und alle Minispiele auslässt, mindestens eine
Stunde. Schade. Vieles hätte ich gern mehrmals gesehen. Z.B. hatte ich mich in die
Animation eines kleinen gezeichneten Laternenanzünders, der aus seiner Zeichnung
heraushüpft. so verliebt, dass ich sie mir gern immer wieder angeschaut hätte!
Sound, Sprache, Grafik
Das musikalische Leitthema zu Beginn des Spieles ist das
gleiche wie im ersten Teil. Die Hintergrundmusik ist wieder professionell und wunderbar
gelungen. Fast noch filigraner und abwechslungsreicher. So wird sie diesmal u.a. in das
musikalische Thema eines Musikrätsels verwoben, und das sehr anspruchs- und kunstvoll.
Wenn man vier kleinen Musiker-Marionetten ihre Instrumente übergibt, "bedankt"
sich jedes Instrument mit einer Variation des Leitmotivs. Wieder sind viele stimmige
Soundeffekte harmonische Begleiter der Rätsel, Gemälde und Animationen.
Während der Diener Franklin im ersten Teil die einzige
Sprecherrolle übernommen hatte, bekommt er im zweiten Teil Unterstützung vom bösen
Tyrannen und von Iris selbst, die sich nun auch einmal zu Wort melden darf. Alle drei
(Profi-)Sprecher verlesen - zu Beginn und jeweils am Ende eines Spielabschnittes - die
Geschichte zur Handlung auf englisch, während die deutsche Übersetzung in langsamen
Untertiteln simultan abrollt.
Die Grafik ist genau wie im ersten Teil ein Augenschmaus.
Die fröhlichen, manchmal zart, manchmal kräftig getuschten Gemälde liefern einen
schönen Kontrast zur düsteren Stimmung im Turm. Bei den Animationen wird der erste Teil
nach meinem Geschmack sogar um einiges getoppt. So z.B. bei zwei herzallerliebsten
Papiertheatern (s. Screen 02 und 13), die man auf- und zuklappen und drehen und schieben
und an ausziehbaren Schnipselchen zupfen kann (und auch muss). Wunderschön!
Rätsel
Wie schon angedeutet: Die Rätsel sind etwas schwerer als
in Drawn der Turm, aber auf eine angenehme Art. Insbesondere bei den Minispielen
fand sich die eine oder andere harte Nuss, vor der auch routinierte Adventurespieler
Respekt haben werden. Aber gerade die Minispiele sind nicht nur schwer, sondern auch
intelligent und originell. Da wartet ein Mosaik der Königin darauf, dass in seinen
Hohlräumen die richtigen Farben zusammen fließen, indem man kleine Schleusen öffnet und
schließt. Da müssen Kerzen nach einem verlangten Muster aus einem Drachenmaul entzündet
und weiter bewegt werden. Gelegentlich war ich ehrlich gesagt erleichtert, dass es die
Option "Rätsel überspringen" gab. Andere Puzzle hingegen waren ein Genuss. Und
wieder ist die ruhige Hand des Spielers verlangt: er malt und zeichnet und schneidet und
näht, mit Kohle, Tinte, Pinsel, Wachsmalstift, Messer, Nadel und Faden. Diesmal zielt und
schießt er auch: als kleiner Pirat mit Kokosnüssen auf Haie, als kleine Papier-Iris mit
Feuer auf Laternen. Gerade die Originalität der Rätsel sorgt dafür, dass Drawn 2
Flucht aus der Dunkelheit kein müder Abklatsch des ersten Teils ist, sondern eine
ganz eigene Spielsubstanz erhält.
Fazit
Drawn 2 Flucht aus der Dunkelheit hat mich
vollkommen überzeugt. Es ist ein würdiger Nachfolger des ersten Teils. Die Rätsel sind
mindestens genauso originell, legen bei ihrer Symbol- und Bilderkraft sogar noch zu und
haben es gelegentlich in sich. Meine absolute Spielzeit hat sich dadurch fast verdoppelt.
Mein Spielvergnügen war genauso groß wie bei der "Erstbesteigung" des Turmes.
Wer Drawn der Turm mochte, wird auch an Drawn 2 Flucht aus der Dunkelheit
seine Spielfreude haben.
Bewertung: 84%
Bewertungssystem Adventure-Archiv:
- 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
- 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
- 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
- 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
- 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für
Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
- 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)
Systemvoraussetzungen:
- Windows XP (SP3)/Vista/7
- CPU: 2.0 GHz
- RAM: 1280 MB
- DirectX: 9.0
- Festplattenspeicher: 600 MB
Gespielt auf:
- Windows 7
- ATI Radeon HD5670 DirectX 11 Grafikkarte mit 1024 MB
- 4 GB DDR3 SDRAM Arbeitsspeicher
- AMD Phenom II X4 925 Quad Core Prozessor - 2,8 GHz
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Der gute alte Franklin sagt uns wieder, was geschah und was zu tun ist

Das kleinen Papiertheater: ganz
große Animationskunst!

Wieder wird gemalt und
gezeichnet: hier ein Brett, um einen Abgrund zu überbrücken

Der kleine Laternenanzünder - mein Liebling!

Eine "Bildergeschichte im
Bild": wir müssen dem kleinen Piraten helfen, mit Kanone und Kokosnüssen die Haie
des Papiermeeres zu dezimieren

Ein Musikrätsel - hübsch
verwoben mit der Hintergrundmusik

Einmal an der Strippe ziehen,
damit der Ritter den Drachen piekst

Puh, das erste Feuer brennt endlich

Der kleine Marionettenjunge möchte gern, dass
wir seinen Drachen reparieren. Nett: seine Augen folgen dem Cursor

Die roten Bücher, die jetzt an Ort und Stelle
in der Wand stecken, flatterten vorher durch die Bibliothek und mussten mit dem Kescher
eingefangen werden

Minirätsel mit rotierenden Scheiben

Klick auf den Drachenkopf: der Drache zündet eine
Kerzenreihe an, Klick auf den Hebel: die Kerzenreihe rotiert. Ein schönes Rätsel!

Das zweite Papiertheater: eine kleine Miniaturausgabe
der Bibliothek

Mein kleiner Laternenanzünder tut seinen Job! Für diesen
Screenshot musste ich mich lange auf die Lauer legen, denn Spielstände speichern kann man
nicht

Ein intelligentes und schönes Puzzle

Die Musiker-Marionetten wollen ihre Instrumente
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