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DWK5 - Hinter dem Horizont


Erscheinungsdatum: 31.10.2008

Entwickler: Silver Style Entertainment
Publisher: The Games Company/Atari


Spielsprache: deutsch

Boxshots

USK: ab 6 Jahren
PEGI: 3+

 

Ein Review von   André   12. November 2008

Wer hat noch nicht von ihnen gehört, von den wilden Kerlen? Denn auch wenn man wie ich keinen Film gesehen, kein Buch vom Erschaffer der Reihe, Joachim Masannek, gelesen hat, kommt man kaum an ihnen vorbei. Zu präsent sind sie inzwischen, da groß beworben, in allen Medien vertreten und bekannt wie kaum eine andere aktuelle deutsche Kinder- bzw. Jugendreihe. Angefangen hat alles mit der Kinderbuchreihe „Die wilden Fußballkerle". Inzwischen gibt es – man erahnt es bei der Zahl 5 hinter DWK – eine ebensolche Anzahl an Filmen, mehrere Videospiele und sicherlich noch zahlreiche weitere Devotionalien, welche das Kinderherz höher schlagen lassen.

 

Story

Dabei ist DWK 5 bereits das zweite Adventure, welches von den Kerlen erschienen ist. 2004 ist von Tivola „Die wilden Fußballkerle – Abenteuer in den Grafittiburgen" veröffentlicht worden. Das solide gemachte Kinderadventure vermittelte damals recht authentisch das Lebensgefühl und aufregende Leben der Kinder, die auf den Hinterhöfen, Bolzplätzen und selbstgezimmerten Buden in zugewucherten Feldern ihre Freizeit verbrachten. Soviel kann ich aus eigener Kindheitserfahrung sagen, auch wenn ich speziell den Fußball- bzw. Vereinssport schon immer - damals intuitiv, heute bewusst – aus meinem Leben fern hielt.

Doch 'das Leben ist eine Rennebahn', wusste schon der Dichter Andreas Gryphius vor 300 Jahren. Ja, ja, die Zeit, sie rast, und mit der Serie sind auch die Kiddies „groß" geworden. Nun gut, noch nicht ausgewachsen, so befinden sie sich aber zumindest in dem für Außenstehende wie Beteiligte gleichermaßen furchteinflößenden Lebensabschnitt der Pubertät, wo sich bekanntlich andere Thematiken in den Vordergrund drängeln. Und so hat sich auch die Serie längst ihren mitwachsenden Fans angepasst, wobei das Spiel an den gleichzeitig erschienenen Film angelehnt ist.

Sprich, aus den Kindern von nebenan sind jetzt Jugendliche geworden, die sich, aus welchen Gründen auch immer, in merkwürdigen Motorradlederkluften im futuristisch überladenen Fantasystyle kleiden. Ich weiß zwar nicht genau, was Kids heute tragen, aber so sehen sie nicht aus. Optisch erinnert das Ganze jetzt vielleicht ein wenig an die wilden Kerle unter der madmaxschen Donnerkuppel. Man wartet nur, das Mel Gibson und Tina Turner aus dem Gebüsch springen. Zudem führen sie jetzt offensichtlich ein Leben als in den Wäldern kampierende und umherziehende Nomaden. Nun gut, warum nicht. Auch die Kiddies von heute wollen halt cool rüberkommen und die Thematik dürfte der Neigung der Jugendlichen nach Abnablung vom Elternhaus und Unabhängigkeit entsprechen.

Der Fußballthematik wiederum ist man treu geblieben. Sie spielt später noch eine entscheidende Rolle in dem Adventure. Und schon in der Einführungssequenz üben die Kerle im Wald jenen beliebten Breitensport aus. Der Ball fliegt an eine kaum erreichbare Stelle in einen Tümpel. Die Vier strömen aus, den Ball zu suchen und rein zufällig sind jetzt Vanessa und Leon alleine. Das ist natürlich die Gelegenheit für die beiden, ein wenig die zwischenmenschlichen Beziehungen zu vertiefen. Gerade als sie sich der Liebe versprechen, springt Maxi, einen Vampir spielend, aus dem Gebüsch. Und auch im weiteren Verlauf der kurzen Einführung fällt der Fokus immer wieder auf Vampire. Am nächsten Morgen ist Leon verschwunden und wieder wird der Verdacht mehr oder weniger unterschwellig auf eben jene Blutsauger gelenkt. Die Serie mit bodenständigen Kindern von nebenan und Working-Class-Attitüde hat sich also jetzt zu einer mit Fantasyeinschlag entwickelt. Hui, aber warum nicht.

Man spielt übrigens hauptsächlich Vanessa, um später auch noch in die Rolle von Raban zu schlüpfen.

 

Grafik

Ha, was lese ich da - mehrstufige Rätselhilfe? Das klingt doch schwer nach Simon the Sorcerer 4-Entwickler Silver Style. Schnell ein Blick auf den Beipackzettel geworfen und tatsächlich zeigen eben jene sich für das Spiel verantwortlich. Doch diesmal werden wir tatsächlich von einer wie sonst in fast jedem Spiel des Herstellers auftauchende und immer gleich aussehende barbusige Bayerin im Dirndl-Outfit verschont. Man hat natürlich die optische Umsetzung der Filmvorlage angepasst. Geblieben ist aber eine gewohnt solide, wirklich nett gemachte, vielleicht nicht allzu aufwendig inszenierte Comicgrafik. So gibt es z.B. keinen wirklichen, separaten Introfilm, sondern man sieht nur eine kurze Einführung, die in den zwei, drei Bildern stattfindet, welche dann gleichzeitig auch die ersten Bilder der Spielgrafik darstellen. Sonst bietet DWK5 recht ansprechende solide Comicgrafik. Die 3D-Figuren, die sich auf 2D-Hintergründen bewegen, sind zwar kaum mit Mimik, aber zumindest mit recht flüssigen Bewegungen ausgestattet. So wippelt Vanessa´s Körper recht authentisch, wenn sie irgendwo steht.

Auch die gelegentlich beim Laufen mitscrollenden Hintergründe sind zweckmäßig und ebenso ansprechend gestaltet. Nicht, dass sich hier die Äste der Bäume im Wind, die Wolken oder Ähnliches bewegen. Nur selten gibt es animierte Elemente, wie z.B. die ordentlichen Wassereffekte an einem Fluss. Sonst fliegt bestenfalls gelegentlich mal hier ein Schmetterling umher und dort krabbelt eine Spinne, so dass die Bilder zumindest etwas lebendiger wirken.

 

Rätsel

Zunächst einmal gibt es hauptsächlich klassische Inventarrätsel sowie ein kleines Schiebepuzzle, wobei der Schwierigkeitsgrad grundsätzlich im eher leichten bis moderaten Bereich liegt, und nur gelegentlich etwas kniffliger ist. Ab und an muss man auch schon mal zwei Gegenstände innerhalb des Inventars verbinden.

Man kann selbstständig zwischen Tag auf Nacht hin- und herschalten, was sich der Vampirthematik entsprechend anbietet. So passieren tagsüber natürlich andere Dinge als nachts. Man trifft z.B. andere Personen und auch die Sicht wurde der Tageszeit angepasst. Entsprechend muss man je nach Tageszeit andere Dinge herausfinden und Aufgaben erledigen.

Nur einmal ist mir eine unnötige Verkomplizierung aufgefallen. Ich denke, ich verrate nicht zuviel, wenn ich schreibe, dass man an einer Stelle zwei Gegenstände verbinden und über einen Fluss werfen soll. Soweit so gut. Ich verbinde die Gegenstände also miteinander. Nur wenn ich sie nehme und dann auf die andere Flussseite werfen will, geht das nicht! Der „Trick" ist folgender: Man muss den jetzt verbundenen Gegenstand nehmen, dann – obwohl man ihn ja schon längst abwurfbereit in der Hand hält - noch einmal als Symbol aus dem Inventar kramen und dann darf man ihn endlich als Symbol gnädigerweise auf die andere Seite werfen. Glücklicherweise ist diese Aktionen aber die Ausnahme, denn die Rätsel sind grundsätzlich logisch und sollten auch von einer jugendlichen, vielleicht nicht ganz jungen Klientel zu bewältigen sein.

Allerdings sind die Szenen im Prinzip nur mit den notwendigen Hotspots ausgestattet. Nahezu alles, was man betrachten kann, ist spielrelevant, wird also irgendwo in den Rätseln verwurstet. Es gibt also kaum spielauflockernde Elemente ohne Funktion, welche man einfach „nur so" anklicken kann, um das Spiel etwas aufzulockern. Auch gibt neben den (ich glaube) acht spielrelevanten Figuren keinen einzigen weiteren Non-Player-Charakter, der das Spiel eventuell beleben könnte. Trotzdem erreicht man einen recht dichten Handlungsaufbau und Spielfluss.

Zum Ende hin gibt’s quasi als Finale noch einmal ein spannendes Fußballspiel, bei dem man die Figuren im Stil eines Brettspiels strategisch anordnen muss und noch ein paar weitere Faktoren, wie Flugbahn des Balls, beachten muss, um als Gewinner die Schlusssequenz betrachten zu können.

 

Spielzeit

Hinter der allgemein recht schönen Fassade verbirgt sich wie bei vielen Kinderadventures mal wieder ein relativ kurzes Spiel. Es gibt nicht allzu viele Locations und nach drei kurzen Zockabenden war der unterhaltsame Vampirspuk für mich schon wieder vorbei. Kinder werden vielleicht etwas länger brauchen, aber ich finde, das ist ein bisschen zu wenig für einen Preis von ca. 30 Euro. Da bieten viele andere Adventures zum gleichen Preis doch wesentlich mehr. Wie auch immer - die Nachfrage bei den lieben Kleinen dürfte geweckt sein und so manche/r dieser wird vermutlich ordentlich Druck machen, so dass Mami oder Papi zähneknirschend ein paar Scheine über die Ladentheke reichen dürften.

 

Ton

Was die Filme bzw. Bücher anbelangt, war und bin ich aufgrund meines Alters definitiv keine Zielgruppe und kenne diese daher nicht. Das gilt ebenfalls für den Film zu diesem Spiel. Das bedeutet, mir ist es ziemlich schnurz, dass es nicht die Originalstimmen von Jimmy Blue Ochsenknecht und Co. sind, die hier die Charaktere einsprechen, da sie mir eh nicht wirklich vertraut sind. Mir war es sogar recht, dass so akustisch (aber auch optisch) der Abstraktionsgrad zu den eigentlichen Nachwuchsschauspielern höher war.

Was ich stattdessen höre, sind, wie zu erwarten, professionell eingesprochene, und zu den jugendlichen Charakteren passende Synchronstimmen. Besonders markant sticht die Stimme von Vanessa heraus. Die Dialoge sind auf eine jugendliche Zielgruppe zugeschnitten, aber man kann ihnen, wenn man so manche übertriebene jugendliche bzw. kindgerechte Ausdrucksweise ignoriert, durchaus als erwachsener Spieler zuhören und dabei vielleicht ein wenig wehmütig an die eigene Jugend denken.

Die der Thematik entsprechend getragene, etwas düstere, aber nicht gruselige Musik erfüllt im Hintergrund eher unauffällig aber passend ihre Aufgabe.

 

Handhabung

Was die Handhabung anbelangt, hat man gewohnt gute Arbeit geleistet und so ist DWK5 mit einfacher, aber praktischer Point & Click-Steuerung, also mit allem, was ein schönes Comic-Adventure benötigt, ausgestattet. Mit der rechten Maustaste betrachtet man Gegenstände und der Protagonist gibt einen entsprechenden Kommentar ab. Das macht dieser auch, wenn man einen Gegenstand mit der linken Taste anwählt. Es sei denn – und das ist meistens der Fall – der Gegenstand lässt sich aufheben oder benutzen. Ebenso wählt man mit Links die Gegenstände aus dem Inventar aus. Wenn man mit besagter Taste eine Person anklickt, öffnet sich wie bei Baphomets Fluch am unteren Bildschirmrand eine kleine Dialogleiste mit Symbolen, welche das Dialogthema darstellen, mit denen man sich also über das jeweilige Thema mit seinem Gegenüber unterhalten kann. Sonst zeigt sich rechts unten in der Leiste ein Symbol, mit dem man zwischen Tag- und Nachtzeit wechseln kann und ein weiteres in Form eines Buches, mit dem man die Spielhilfe aufruft. Klickt man bei einem Thema, zu dem man Hilfe benötigt hier auf einen von drei Bällen, bekommt man jeweils einen Hinweis.

Mit der Escapetaste gelangt man ins Menü, wo man alle wichtigen Einstellungen vornehmen kann. Hier kann man auch einen der selbstbeschreibbaren Spielstände anlegen und laden. Weiter kann man die Lautstärke der Geräusche, Musik und der Stimmen separat regeln, je nach Leistung des Rechners die Auflösung entsprechend verändern und Antialiasing, Schatten- und Postprocesseffekte einschalten. Ansonsten gibt es noch ein paar nette Funktionen: Zum einen kann man bei den Untertiteln zwischen normal, ausgeschaltet und Sprechblase auswählen. Zum anderen kann man das automatische Öffnen des Inventars ein- und ausschalten.

Gut gefällt mir auch, wie so manche praktische Umsetzung im Spiel ausgefallen ist. So rennt Vanessa (und später natürlich auch Raban) per Doppelklick (und oft auch selbstständig ohne Doppelkick) los und wenn man bei Dialogen die Maustaste drückt, beendet die entsprechende Person ihren jeweiligen Vortrag. Das sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, aber solche Dinge wie ewig lahme Protagonisten oder nicht enden wollende und nicht abbrechbare, sich immer wiederholende Wortschwalle haben schon ganze Spiele zerstört. Übrigens auch solche von „revolutionären" Herstellern, die lange dabei sind und eigentlich wissen müsste, wo die No-Gos liegen.

Bleibt zuletzt noch erwähnt, dass DWK 5 absolut fehler-, absturz- und störungsfrei lief und im DVD-Case mit Handbuch erscheint. Ein nachträglicher Blick in letzteres offenbarte mir übrigens, dass man auch einige Hotkeys anstatt der entsprechenden Mausfunktionen verwenden kann. Interessant sind besonders für Adventureneulinge, aber auch wenn es mal nicht weitergehen sollte, die Tasten H, G & E, welche Hints, Gegenstände und Exits im jeweiligen Bild anzeigen.

 

Fazit

Die wilden Kerle 5 ist – wenn man mal die Thematik und die Zielgruppe, für die es erstellt wurde, außer Acht lässt ein ganz „normales", solides Adventure und somit sowohl für Kinder/Jugendliche geeignet als auch für aufgeschlossene Erwachsene, die manch kindliche Ausdrucksweise nicht stört, spielbar. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht so hoch wie bei „normalen" Adventures, und nur selten geht es bei DWK5 etwas kniffliger zur Sache. Es gibt eine ebenso solide wie ansprechende, wenn auch nicht übermäßig aufwendige, Comicgrafik und ein paar nette Einfälle, wie der selbstbestimmbare Tag und Nacht-Wechsel, welcher stark ins Rätseldesign eingebunden wurde. Silver Style verstehen halt ihr Handwerk, was sie ja schon mit Simon the Sorcerer 4 oder Everlight bewiesen haben. Wer also ein kleines, nettes und nicht allzu lange dauerndes Adventure für Zwischendurch sucht, kann es durchaus mal mit den wilden Kerlen probieren. Allerdings würde ich bei der nicht allzu langen Spieldauer warten bis man es zu einem angemesseneren Preis bekommt. Spaß gemacht hat’s aber auf alle Fälle, daher eine

 

 Gesamtwertung  71%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Mindest-Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • DirectX 9.0C
  • Pentium4 mit 2.0 GHz oder 100% kompatibler Prozessor
  • 512 MB RAM2 GB freier Festplattenspeicher
  • DirectX kompatible Grafikkarte mit Pixel Shader 2 CD/DVD-Laufwerk

 

Gespielt unter:

  • Windows XP
  • AMD Athlon 64X2 Dual Processor 36000+, MMX, 3D Now (2CPUs)
  • 1,8 GB RAM
  • Nvidia Geforce 7050 PV / Nvidia Gforce nforce 630 a
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 150 GB

 

 

 

Beim glubschäugigen Fledermausschädel des Nosferatu – Ein Vampir!
Beim glubschäugigen Fledermausschädel des Nosferatu – Ein Vampir!

 

 

 

 

Startbildschirm
Startbildschirm

 

 

 

 

Das Lager am Tag...
Das Lager am Tag ...

 

 

 

 

 

... und in der Nacht
... und in der Nacht

 

 

 

 


Der Schattenmann ist der hellen Stimme nach zu urteilen eher ein Schattenkind.
Der Schattenmann ist der hellen Stimme nach zu urteilen eher ein Schattenkind

 

 

 

 

 

Wir nähern uns dem Unterschlupf der Vampire.
Wir nähern uns dem Unterschlupf der Vampire

 

 

 

 

 

Hier haben sich die Vampire häuslich eingerichtet.
Hier haben sich die Vampire häuslich eingerichtet

 

 

 

 

 

 

In der Gruft ruhen die garstigen Blutsauger tagsüber.
In der Gruft ruhen die garstigen Blutsauger tagsüber

 

 

 

 

 

Hier haust das Schattenkind.
Hier haust das Schattenkind

 

 

 

 

 

 

Das Fußballspiel
Das Fußballspiel

 

 

 

 

Mehr Screenshots

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 12. November 2008

 

 

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