Wer hat noch nicht von ihnen gehört, von den wilden
Kerlen? Denn auch wenn man wie ich keinen Film gesehen, kein Buch vom Erschaffer der
Reihe, Joachim Masannek, gelesen hat, kommt man kaum an ihnen vorbei. Zu präsent sind sie
inzwischen, da groß beworben, in allen Medien vertreten und bekannt wie kaum eine andere
aktuelle deutsche Kinder- bzw. Jugendreihe. Angefangen hat alles mit der Kinderbuchreihe
Die wilden Fußballkerle". Inzwischen gibt es man erahnt es bei der Zahl
5 hinter DWK eine ebensolche Anzahl an Filmen, mehrere Videospiele und sicherlich
noch zahlreiche weitere Devotionalien, welche das Kinderherz höher schlagen lassen.
Story
Dabei ist DWK 5 bereits das zweite Adventure, welches von den Kerlen
erschienen ist. 2004 ist von Tivola Die wilden Fußballkerle Abenteuer in den
Grafittiburgen" veröffentlicht worden. Das solide gemachte Kinderadventure
vermittelte damals recht authentisch das Lebensgefühl und aufregende Leben der Kinder,
die auf den Hinterhöfen, Bolzplätzen und selbstgezimmerten Buden in zugewucherten
Feldern ihre Freizeit verbrachten. Soviel kann ich aus eigener Kindheitserfahrung sagen,
auch wenn ich speziell den Fußball- bzw. Vereinssport schon immer - damals intuitiv,
heute bewusst aus meinem Leben fern hielt.
Doch 'das Leben ist eine Rennebahn', wusste schon der Dichter
Andreas Gryphius vor 300 Jahren. Ja, ja, die Zeit, sie rast, und mit der Serie sind auch
die Kiddies groß" geworden. Nun gut, noch nicht ausgewachsen, so befinden sie
sich aber zumindest in dem für Außenstehende wie Beteiligte gleichermaßen
furchteinflößenden Lebensabschnitt der Pubertät, wo sich bekanntlich andere Thematiken
in den Vordergrund drängeln. Und so hat sich auch die Serie längst ihren mitwachsenden
Fans angepasst, wobei das Spiel an den gleichzeitig erschienenen Film angelehnt ist.
Sprich, aus den Kindern von nebenan sind jetzt Jugendliche geworden,
die sich, aus welchen Gründen auch immer, in merkwürdigen Motorradlederkluften im
futuristisch überladenen Fantasystyle kleiden. Ich weiß zwar nicht genau, was Kids heute
tragen, aber so sehen sie nicht aus. Optisch erinnert das Ganze jetzt vielleicht ein wenig
an die wilden Kerle unter der madmaxschen Donnerkuppel. Man wartet nur, das Mel Gibson und
Tina Turner aus dem Gebüsch springen. Zudem führen sie jetzt offensichtlich ein Leben
als in den Wäldern kampierende und umherziehende Nomaden. Nun gut, warum nicht. Auch die
Kiddies von heute wollen halt cool rüberkommen und die Thematik dürfte der Neigung der
Jugendlichen nach Abnablung vom Elternhaus und Unabhängigkeit entsprechen.
Der Fußballthematik wiederum ist man treu geblieben. Sie spielt
später noch eine entscheidende Rolle in dem Adventure. Und schon in der
Einführungssequenz üben die Kerle im Wald jenen beliebten Breitensport aus. Der Ball
fliegt an eine kaum erreichbare Stelle in einen Tümpel. Die Vier strömen aus, den Ball
zu suchen und rein zufällig sind jetzt Vanessa und Leon alleine. Das ist natürlich die
Gelegenheit für die beiden, ein wenig die zwischenmenschlichen Beziehungen zu vertiefen.
Gerade als sie sich der Liebe versprechen, springt Maxi, einen Vampir spielend, aus dem
Gebüsch. Und auch im weiteren Verlauf der kurzen Einführung fällt der Fokus immer
wieder auf Vampire. Am nächsten Morgen ist Leon verschwunden und wieder wird der Verdacht
mehr oder weniger unterschwellig auf eben jene Blutsauger gelenkt. Die Serie mit
bodenständigen Kindern von nebenan und Working-Class-Attitüde hat sich also jetzt zu
einer mit Fantasyeinschlag entwickelt. Hui, aber warum nicht.
Man spielt übrigens hauptsächlich Vanessa, um später auch noch in
die Rolle von Raban zu schlüpfen.
Grafik
Ha, was lese ich da - mehrstufige Rätselhilfe? Das klingt doch
schwer nach Simon the Sorcerer 4-Entwickler Silver Style. Schnell ein Blick auf den
Beipackzettel geworfen und tatsächlich zeigen eben jene sich für das Spiel
verantwortlich. Doch diesmal werden wir tatsächlich von einer wie sonst in fast jedem
Spiel des Herstellers auftauchende und immer gleich aussehende barbusige Bayerin im
Dirndl-Outfit verschont. Man hat natürlich die optische Umsetzung der Filmvorlage
angepasst. Geblieben ist aber eine gewohnt solide, wirklich nett gemachte, vielleicht
nicht allzu aufwendig inszenierte Comicgrafik. So gibt es z.B. keinen wirklichen,
separaten Introfilm, sondern man sieht nur eine kurze Einführung, die in den zwei, drei
Bildern stattfindet, welche dann gleichzeitig auch die ersten Bilder der Spielgrafik
darstellen. Sonst bietet DWK5 recht ansprechende solide Comicgrafik. Die 3D-Figuren, die
sich auf 2D-Hintergründen bewegen, sind zwar kaum mit Mimik, aber zumindest mit recht
flüssigen Bewegungen ausgestattet. So wippelt Vanessa´s Körper recht authentisch, wenn
sie irgendwo steht.
Auch die gelegentlich beim Laufen mitscrollenden Hintergründe sind
zweckmäßig und ebenso ansprechend gestaltet. Nicht, dass sich hier die Äste der Bäume
im Wind, die Wolken oder Ähnliches bewegen. Nur selten gibt es animierte Elemente, wie
z.B. die ordentlichen Wassereffekte an einem Fluss. Sonst fliegt bestenfalls gelegentlich
mal hier ein Schmetterling umher und dort krabbelt eine Spinne, so dass die Bilder
zumindest etwas lebendiger wirken.
Rätsel
Zunächst einmal gibt es hauptsächlich klassische Inventarrätsel
sowie ein kleines Schiebepuzzle, wobei der Schwierigkeitsgrad grundsätzlich im eher
leichten bis moderaten Bereich liegt, und nur gelegentlich etwas kniffliger ist. Ab und an
muss man auch schon mal zwei Gegenstände innerhalb des Inventars verbinden.
Man kann selbstständig zwischen Tag auf Nacht hin- und herschalten,
was sich der Vampirthematik entsprechend anbietet. So passieren tagsüber natürlich
andere Dinge als nachts. Man trifft z.B. andere Personen und auch die Sicht wurde der
Tageszeit angepasst. Entsprechend muss man je nach Tageszeit andere Dinge herausfinden und
Aufgaben erledigen.
Nur einmal ist mir eine unnötige Verkomplizierung aufgefallen. Ich
denke, ich verrate nicht zuviel, wenn ich schreibe, dass man an einer Stelle zwei
Gegenstände verbinden und über einen Fluss werfen soll. Soweit so gut. Ich verbinde die
Gegenstände also miteinander. Nur wenn ich sie nehme und dann auf die andere Flussseite
werfen will, geht das nicht! Der Trick" ist folgender: Man muss den jetzt
verbundenen Gegenstand nehmen, dann obwohl man ihn ja schon längst abwurfbereit in
der Hand hält - noch einmal als Symbol aus dem Inventar kramen und dann darf man ihn
endlich als Symbol gnädigerweise auf die andere Seite werfen. Glücklicherweise ist diese
Aktionen aber die Ausnahme, denn die Rätsel sind grundsätzlich logisch und sollten auch
von einer jugendlichen, vielleicht nicht ganz jungen Klientel zu bewältigen sein.
Allerdings sind die Szenen im Prinzip nur mit den notwendigen
Hotspots ausgestattet. Nahezu alles, was man betrachten kann, ist spielrelevant, wird also
irgendwo in den Rätseln verwurstet. Es gibt also kaum spielauflockernde Elemente ohne
Funktion, welche man einfach nur so" anklicken kann, um das Spiel etwas
aufzulockern. Auch gibt neben den (ich glaube) acht spielrelevanten Figuren keinen
einzigen weiteren Non-Player-Charakter, der das Spiel eventuell beleben könnte. Trotzdem
erreicht man einen recht dichten Handlungsaufbau und Spielfluss.
Zum Ende hin gibts quasi als Finale noch einmal ein spannendes
Fußballspiel, bei dem man die Figuren im Stil eines Brettspiels strategisch anordnen muss
und noch ein paar weitere Faktoren, wie Flugbahn des Balls, beachten muss, um als Gewinner
die Schlusssequenz betrachten zu können.
Spielzeit
Hinter der allgemein recht schönen Fassade verbirgt sich wie bei
vielen Kinderadventures mal wieder ein relativ kurzes Spiel. Es gibt nicht allzu viele
Locations und nach drei kurzen Zockabenden war der unterhaltsame Vampirspuk für mich
schon wieder vorbei. Kinder werden vielleicht etwas länger brauchen, aber ich finde, das
ist ein bisschen zu wenig für einen Preis von ca. 30 Euro. Da bieten viele andere
Adventures zum gleichen Preis doch wesentlich mehr. Wie auch immer - die Nachfrage bei den
lieben Kleinen dürfte geweckt sein und so manche/r dieser wird vermutlich ordentlich
Druck machen, so dass Mami oder Papi zähneknirschend ein paar Scheine über die
Ladentheke reichen dürften.
Ton
Was die Filme bzw. Bücher anbelangt, war und bin ich aufgrund
meines Alters definitiv keine Zielgruppe und kenne diese daher nicht. Das gilt ebenfalls
für den Film zu diesem Spiel. Das bedeutet, mir ist es ziemlich schnurz, dass es nicht
die Originalstimmen von Jimmy Blue Ochsenknecht und Co. sind, die hier die Charaktere
einsprechen, da sie mir eh nicht wirklich vertraut sind. Mir war es sogar recht, dass so
akustisch (aber auch optisch) der Abstraktionsgrad zu den eigentlichen
Nachwuchsschauspielern höher war.
Was ich stattdessen höre, sind, wie zu erwarten, professionell
eingesprochene, und zu den jugendlichen Charakteren passende Synchronstimmen. Besonders
markant sticht die Stimme von Vanessa heraus. Die Dialoge sind auf eine jugendliche
Zielgruppe zugeschnitten, aber man kann ihnen, wenn man so manche übertriebene
jugendliche bzw. kindgerechte Ausdrucksweise ignoriert, durchaus als erwachsener Spieler
zuhören und dabei vielleicht ein wenig wehmütig an die eigene Jugend denken.
Die der Thematik entsprechend getragene, etwas düstere, aber nicht
gruselige Musik erfüllt im Hintergrund eher unauffällig aber passend ihre Aufgabe.
Handhabung
Was die Handhabung anbelangt, hat man gewohnt gute Arbeit geleistet
und so ist DWK5 mit einfacher, aber praktischer Point & Click-Steuerung, also mit
allem, was ein schönes Comic-Adventure benötigt, ausgestattet. Mit der rechten Maustaste
betrachtet man Gegenstände und der Protagonist gibt einen entsprechenden Kommentar ab.
Das macht dieser auch, wenn man einen Gegenstand mit der linken Taste anwählt. Es sei
denn und das ist meistens der Fall der Gegenstand lässt sich aufheben oder
benutzen. Ebenso wählt man mit Links die Gegenstände aus dem Inventar aus. Wenn man mit
besagter Taste eine Person anklickt, öffnet sich wie bei Baphomets Fluch am unteren
Bildschirmrand eine kleine Dialogleiste mit Symbolen, welche das Dialogthema darstellen,
mit denen man sich also über das jeweilige Thema mit seinem Gegenüber unterhalten kann.
Sonst zeigt sich rechts unten in der Leiste ein Symbol, mit dem man zwischen Tag- und
Nachtzeit wechseln kann und ein weiteres in Form eines Buches, mit dem man die Spielhilfe
aufruft. Klickt man bei einem Thema, zu dem man Hilfe benötigt hier auf einen von drei
Bällen, bekommt man jeweils einen Hinweis.
Mit der Escapetaste gelangt man ins Menü, wo man alle wichtigen
Einstellungen vornehmen kann. Hier kann man auch einen der selbstbeschreibbaren
Spielstände anlegen und laden. Weiter kann man die Lautstärke der Geräusche, Musik und
der Stimmen separat regeln, je nach Leistung des Rechners die Auflösung entsprechend
verändern und Antialiasing, Schatten- und Postprocesseffekte einschalten. Ansonsten gibt
es noch ein paar nette Funktionen: Zum einen kann man bei den Untertiteln zwischen normal,
ausgeschaltet und Sprechblase auswählen. Zum anderen kann man das automatische Öffnen
des Inventars ein- und ausschalten.
Gut gefällt mir auch, wie so manche praktische Umsetzung im Spiel
ausgefallen ist. So rennt Vanessa (und später natürlich auch Raban) per Doppelklick (und
oft auch selbstständig ohne Doppelkick) los und wenn man bei Dialogen die Maustaste
drückt, beendet die entsprechende Person ihren jeweiligen Vortrag. Das sollte ja
eigentlich selbstverständlich sein, aber solche Dinge wie ewig lahme Protagonisten oder
nicht enden wollende und nicht abbrechbare, sich immer wiederholende Wortschwalle haben
schon ganze Spiele zerstört. Übrigens auch solche von revolutionären"
Herstellern, die lange dabei sind und eigentlich wissen müsste, wo die No-Gos liegen.
Bleibt zuletzt noch erwähnt, dass DWK 5 absolut fehler-, absturz-
und störungsfrei lief und im DVD-Case mit Handbuch erscheint. Ein nachträglicher Blick
in letzteres offenbarte mir übrigens, dass man auch einige Hotkeys anstatt der
entsprechenden Mausfunktionen verwenden kann. Interessant sind besonders für
Adventureneulinge, aber auch wenn es mal nicht weitergehen sollte, die Tasten H, G &
E, welche Hints, Gegenstände und Exits im jeweiligen Bild anzeigen.
Fazit
Die wilden Kerle 5 ist wenn man mal die Thematik und die
Zielgruppe, für die es erstellt wurde, außer Acht lässt