Bei den Drei Fragezeichen ist seit geraumer Zeit der
Wurm drin. Sony liefert sich gerade bezüglich der Rechte auf Kosten der Fans einen
Rechtsstreit (oder sollte man besser sagen eine Schlammschlacht?) mit Europa bzw. dem
Kosmos-Verlag. Und was die Qualität der Adventures anbelangt, war die Welt noch nie so
recht in Ordnung. Denn die waren im Gegensatz zur legendären Buch- bzw. Hörspielreihe
schon von Anfang an von eher zweifelhafter Qualität. Was man sonst noch aus einer
Jugendbuchserie zaubern kann, zeigte uns z.B. Ravensburger mit den tollen (wenn auch
teilweise extrem kurzen) Fünf Freunde-Serie sowie CDV mit den aus gleichem Holz
geschnitzten und zudem längeren Schreckenstein-Umsetzungen. Und obwohl die TKKG-Reihe,
was die Hörspiele anbelangt, eigentlich mehr die deutsche Nachmachserie von Justus, Peter
und Bob war, waren selbst deren mäßigen Adventureumsetzungen den äußerst mau
umgesetzten Werken qualitativ bislang zumindest etwas voraus. Die Zeit war also reif, um
nicht zu sagen überreif für Veränderungen, wie ein mehrere Monate auf einer Heizung
gelagerter Harzer Roller. Und diese gibt es jetzt in Form eines Wechsels des Entwicklers
und damit einhergehend auch des Stils. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass diese
Veränderung auch eine Verbesserung bedeutet ...
Grafik
Grafisch hat das neue Spiel nichts mehr mit den alten Teilen
gemeinsam, denn man ist beim Entwickler Exozet komplett neue Wege gegangen. Statt wie
bisher in Egoperspektive und 2D spielt "Das Gold der Inkas" in der dritten
Person und in 3D. Ich finde, der 3rd-Person-Stil passt grundsätzlich schonmal besser zu
der Serie und das wurde alles auch sehr ansprechend umgesetzt. Nicht, dass das neuste
Abenteuer mit der aktuellsten Mördergrafik aufwartet, doch schon der erste Eindruck auf
dem Schrottplatz bzw. dem Wohnwagen, also der legendären Zentrale der drei ???
überrascht positiv. Zumal ich mit dem Schlimmsten gerechnet habe, da mir Exozet mit ihren
beiden gruseligen Adventure-Umsetzungen der RTL-Serie "Hinter Gittern" noch
nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.
Wie dem auch sei, das Quartier der drei Detektive wirkt so richtig
schön runtergekommen, wie so ein alter verschrotteter Wohnwagen nun mal auszusehen hat
und wurde in stimmigen Bildern so umgesetzt, wie ich mir dieses immer vorgestellt habe.
Ebenso die Deponie selbst, deren Autos den Eindruck erwecken, als hätte sie jemand vor
dreißig Jahren dort abgestellt und seitdem sei die Zeit stehen geblieben. Fast alle
weiteren Schauplätze und von denen gibt es viele sind ebenfalls wirklich
sehr schön anzusehen. Beim Laufen scrollen die Hintergründe in die entsprechende
Richtung. Ansonsten wurde allerdings nichts animiert, keine Wolken am Himmel, oder Wasser,
nichts. Dadurch erscheint die Szenerie manchmal auch etwas karg und leblos.
Die Figuren selbst haben jetzt also auch endlich ein Gesicht und ich
denke, man kann sich damit gut anfreunden. Gestik und Körper wurden recht ansprechend
umgesetzt. Die drei wirken nicht starr, da sie immer etwas rumhibbeln, wenn auch etwas
übertrieben stark.
Im Intro wurden die drei Detektive als stilisierte Schatten in den
Farben der Fragezeichen Weiß (das erste Fragezeichen, also Justus), Blau (für Peter) und
Rot (für Bob) animiert. Das nicht unbedingt teurer inszenierte, dafür irgendwie
schlicht, aber klassisch gestaltete Intro mit der typischen Hörspieltrashmusik spiegelt
damit gut den Charakter der Europa-Hörspielreihe wieder.
Story
Die Geschichte fängt wenig spektakulär an mit einem Referat, das
der Zweite, Peter Shaw, für die Schule vorbereiten soll, und kommt erst nach und nach so
richtig in die Gänge. Für das Referat soll Peter jedenfalls etwas über Golddublonen und
deren Transport nach Spanien in Erfahrung bringen. Die Thematik klingt für die meisten
Nicht-Numismatiker vermutlich eher dröge, doch die beiden anderen Detektive zeigen guten
Willen und helfen Peter. Gut, dass Bob Beziehungen zum historischen Forschungsinstitut
hat, da sein Vater den dort arbeitenden Professor Haimsworth kennt. Als sie diesem einen
Besuch abstatten, liegt dort auf dem Tisch eine Goldstatue nebst einer Familienchronik,
die ein gewisser Walter Smith während Renovierungsarbeiten seines Neuerwerbs, einer Ranch
in Rocky Beach, gefunden hat. Die Herkunft der Statue ist unklar. Die näheren
Untersuchungen werfen weitere Fragen auf und ergeben nur wenige Resultate, etwa dass die
jetzige Farm von Smith eine ehemalige Hazienda der spanischen Familie Herreros war. Also
nehmen sich die drei Fragezeichen des Falls an. Die zunächst harmlosen Untersuchungen
nehmen immer größere Dimensionen an und werden zunehmend gefährlicher, da sie
panamaischen Kriminellen in die Quere kommen und sogar in deren Fänge geraten.
Handhabung
Ich bin noch einmal angenehm überrascht, denn wenn ich mich recht
entsinne, waren die Hinter Gittern-Spiele (wie gesagt von derselben Spieleschmiede) noch
mit einer waghalsigen Fingerbruchsteuerung ausgestattet. Glücklicherweise hat man sich
beim Abenteuer mit den drei Detektiven davon verabschiedet und ist zu einer angenehmen
Point&Click-Steuerung übergegangen. Zur Bedienung wurde das Spiel zwar mit allen
wichtigen, aber keinen unnötigen Funktionen ausgestattet. Sie ähnelt anderen aktuellen
3D-Spielen wie der Ankh-Serie oder Jack Keane von Deck 13, und ist ebenso vorbildlich
praktisch umgesetzt worden.
Man spielt also mit der Maus und kann mit der linken Taste fast alle
Aktionen durchführen, angefangen vom Sprechen über das Ansehen oder Benutzen von Dingen
bis hin zum Abbrechen von Dialogen. Letzteres finde ich besonders erfreulich, da sich in
letzter Zeit selbst bei früher diesbezüglich vorbildlichen Spielen wie der
Baphomets-Fluch-Reihe die Unsitte eingeschlichen hat, dass man Dialoge bis zum Schluss
anhören muss, auch wenn man sie schon einhundertfünfzig mal gehört hat. Auch eine
Rennfunktion gibt es, die man wie üblich per Doppelklick der linken Taste aktiviert. Die
rechte Maustaste muss man im Endeffekt nur bei den Geschicklichkeitsaufgaben einsetzten.
Wenn man einen Gegenstand anwählt, kann man sich die zugehörige Beschreibung nur einmal
anzeigen lassen. Bei der Betrachtung von Gegenständen sollte man also gut aufpassen.
Kommt man bei einer Person oder mit einem Gegenstand nicht weiter, so verändert sich der
Cursor recht eindeutig zu einem roten Verbotsschild"-Icon. Unten links befindet
sich das Inventar, welches man gegebenenfalls per Knopfdruck verschwinden lassen kann.
Was die Optionen anbelangt, so gibt es neben den Saves einen
praktischen Spiel fortsetzten"-Knopf, so dass man direkt zum aktuellen Spiel
gelangt. Man kann je nach Rechnerleistung die Grafikqualität individuell bestimmen, hat
dabei drei verschiedene Wahlmöglichkeiten bei der Auflösung von 600 x 800 bis 1280 x
1024, kann Texturqualität sowie Effekte beeinflussen. Beim Sound kann man neben der
Master- (also der allgemeinen Lautstärke) noch separat Stimmen, Musik und Nebengeräusche
justieren, während alles Gesprochene automatisch untertitelt ist.
Synchronisation verkehrte Welt
Dem Rezensent fremdelt. Klar, wenn man die drei ??? kennt, erwartet
man die vertrauten Stimmen von Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich.
Interessanterweise wurde ja der Hauptdarsteller von "Ankh" also Assil -
von Rohrbeck eingesprochen, während für die drei ??? andere Sprecher gewählt wurden.
Egal, wo die Gründe hierfür zu suchen sind - ob sie rechtlicher oder finanzieller Natur
sind oder die Originalsprecher beim bisherigen Output schlicht kein Interesse hatten - sie
sind mit ihren markanten Stimmen natürlich nicht wirklich zu ersetzten. So stellen die
Ersatzsprecher, egal wie gut sie ihre Sache machen, immer nur einen Kompromiss dar. Und im
Prinzip tun sie dieses auch zufriedenstellend. Allerdings hätte ich mir etwas
jugendlich-enthusiastischere Stimmen gewünscht, zumal die etwas erwachsenerer klingenden
Stimmen auch nicht mit den noch sehr jugendlichen Gesichtern übereinstimmen. Aber
vermutlich liegt es auch schlicht daran, dass die drei Fragezeichen mit anderen Sprechern
einfach ungewohnt wirken. Nach einer Weile habe ich mich mit den Stimmen recht gut
anfreunden können.
Hintergrundbeschallung gibt es leider so gut wie gar nicht. Während
des Spiels kann man nur Nebengeräusche wie z.B. ein sonores Rauschen von Autos oder das
Zirpen von Grillen hören. Eine emsige Soundschleife, die man in der zweiten Hälfte des
Spiels fast ständig im Hintergrund vernimmt, bricht immer wieder unsanft abrupt ab, um
dann wenige Sekunden später erneut ihr rastloses Treiben fortzusetzen.
Rätsel
In Punkto Rätsel geht es ausgesprochen vielseitig zu. Es werden
nicht nur die unterschiedlichsten klassischen Aufgaben, angefangen von
Senso-Tastenmerkspielchen über ein Verschiebepuzzle bis hin zu klassischen
Inventarrätseln, sondern noch vieles mehr geboten. Gelegentlich wurden zur Auflockerung
auch einige mehr oder weniger kleine Actioneinlagen eingestreut. So muss man wie bei
"Fahrenheit" Bewegungen nachstellen, indem man die Tasten, die auf der auf dem
Bildschirm dargestellten Maus aufleuchten, im richtigen Moment drückt. Etwa wenn Peter
über einen Abgrund springen oder über eine Mauer balancieren muss. Nur dass man im
Gegensatz zu "Fahrenheit" nur die Maus und nicht alle Finger an der Tastatur
bzw. dem Gamepad bewegen muss und die Aufgaben damit (zumindest anfangs) auch um einiges
einfacher sind. Weiter gibt es Schleichpassagen und einige andere Stellen, an denen man
aufpassen muss, dass man nicht das Falsche tut, da man sonst die Szene noch einmal von
vorne beginnen muss. Einige Gegenstände sind ganz gut versteckt worden und wenn sie dann
im Inventar gelandet sind, müssen sie dort gelegentlich miteinander kombiniert werden.
Wir sollten stets mit den anderen beiden Detektiven kommunizieren.
Denn nicht jeder hat dieselben Fähigkeiten und durch den Austausch erfahren wir, wer
welche Aufgaben als nächstes übernehmen kann. So ist Justus bekanntlich das Superhirn,
dessen Motor aber manchmal durch etwas zu viel kohlenhydrathaltige Kost geschmiert wird
und er dadurch nicht so gut springen kann wie etwa Peter, der unter anderem für den
sportlichen Teil zuständig ist. Bleibt an der Stelle natürlich noch Bob zu erwähnen,
der genau, Fans wissen es für Recherche und Archiv" zuständig
ist.
Das Spiel ist über weite Strecken linear, sehr linear. Es ist nicht
nur in acht einzelne kurze Kapiteln unterteilt, die wir hintereinander absolvieren
müssen. Wir haben in jedem Kapitel zunächst immer nur wenige Räume zur Verfügung.
Meistens finden oder bekommen wir also in den ersten Kapiteln jeweils nur ein paar
Gegenstände, die wir auch direkt verwenden müssen. Komplexere Aufgaben, die einen
größeren Handlungsspielraum zulassen würden, sucht man zunächst vergebens. Und somit
kann man sich beim "Das Gold der Inkas" in der ersten "Halbzeit"
entspannt zurücklehnen um nacheinander ein paar meist einfache Aufgaben zu absolvieren.
Ab dem fünften Kapitel, also etwa ab der Hälfte steigt der
Schwierigkeitsgrad plötzlich deutlich an. Es gibt hier eine ziemlich heftige, sehr lange
Sequenz unter Zeitdruck zu meistern, wo wir zudem auch viele der bisher erlernten
Fähigkeiten, wie das Balancieren auf einer Mauer, einsetzten müssen. Grundsätzlich ist
die Sequenz sehr abwechslungsreich gestaltet. Sie ist aber leider ganz schön
demotivierend, denn wenn wir an bestimmten Stelle scheitern oder die Zeit zu knapp wird,
dürfen wir die ganze Sequenz immer wieder von vorne durchexerzieren. Man hätte sie etwas
entschärfen können. Hier ist der Schwierigkeitsgrad jedenfalls nicht mehr viel einfacher
als in "Fahrenheit". Die Spannung wird ab diesem Punkt jedenfalls aufrecht
erhalten, zumal wir ab diesem Zeitpunkt auch deutlich mehr Handlungsspielraum und
Bewegungsfreiheit haben.
Fazit Vom Saulus zum Paulus
Na, bitte, es geht doch! Die deutschen Originalsprecher gingen ja
mit ihrem Programm schon erfolgreich vor vorwiegend adultem Publikum auf Live-Tour und
auch ich bin einer der vielen Erwachsenen, die zum Entspannen gerne mal ein Hörspiel der
Jugendbuchreihen laufen lassen und sich damit dieses kleine Andenken aus der
Adoleszenzphase herübergerettet haben. Denn die Bücher und Hörspiele machen einfach
Spaß und daher stand ich auch den Adventures theoretisch eigentlich immer ebenso
aufgeschlossen gegenüber. Nur wurde mir dieser bei den bisherigen Spielen ziemlich
verdorben.
Meine positive Erwartungshaltung wurde tatsächlich nicht
enttäuscht. Lange hat es gebraucht, aber jetzt endlich gibt es den ersten Teil, der mir
richtig Spaß gemacht hat. Den Schritt hätte man auch schon eher gehen können, denn
immerhin ist "Das Gold der Inkas" der bereits siebte Teil der Serie.
Man merkt, dass sich die neuen Hersteller die Serie genau angehört
bzw. gelesen haben, denn das Spiel schafft es tatsächlich, die Atmosphäre der
Jugendbuchreihe gut einzufangen und wiederzugeben. Die Eigenarten der drei verschiedenen
Charaktere werden in die Story aufgenommen und eingearbeitet. So gibt es von den anderen
beiden Detektiven Anspielungen und Sticheleien auf Justus' regen Appetit. Natürlich
werden auch die eigentlich wichtigen Eigenschaften in Hinsicht ihrer
Ermittlungsfähigkeiten bedacht, so stellt z.B. Justus als Hauptdetektiv, den altklugen
aber dennoch sympathischen Nerd mit seinen überdurchschnittlichen
Kombinationsfähigkeiten dar. Dieses fließt auch bei der Gestaltung der Rätsel ein, wo
jeder der Detektive für sein Fachgebiet zuständig ist. Die Rätsel sind ausgesprochen
abwechslungsreich - von klassischen Inventarrätseln bis hin zu Schiebepuzzles oder
Sensospielchen gibt es die ganze Palette an typischen Adventureaufgaben. Etliche,
teilweise gar nicht so einfache Schleich-, Rennpassagen und Geschicklichkeitsaufgaben im
Stil von "Fahrenheit" sind ebenfalls zu bewältigen.
Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel bleibt über weite Strecken
ziemlich leicht. Komplexere Aufgaben mit einem größeren Handlungsspielraum gibt es in
der extrem linearen und dialoglastigen ersten Halbzeit nicht. Und so wirkt sie wie eine
entspannende visualisierte, etwas interaktive Drei-Fragezeichen-Geschichte ganz im Stile
der Hörspiele, während der Schwierigkeitsgrad und die Spannung in der zweiten Hälfte
zunimmt.
Grafisch ist der neue Teil nicht unbedingt toppaktuell oder extrem
aufwändig umgesetzt, trotzdem gefällt der neue stimmige 3D-Stil bis auf die Tatsache,
dass es so gut wie keine Animationen gibt. Das schmälert den optischen Gesamteindruck
aber nur unwesentlich. Eine halbwegs ordentliche Spielzeit (zumindest für ein
Jugendadventure, die ja oft, warum auch immer, sehr kurz sind) von etwa 8 Stunden, in
einem übrigens fehlerfreien Adventure, rundet den positiven Gesamteindruck ab.