"Die Schule der kleinen Vampire -
Knoblauchalarm" ist das PC-Spiel zur Buch- bzw. Fernsehtrickserie, die zunächst im
Tigerentenclub gelaufen ist und nun als KIKA-Serie und auf DVDs vermarktet wird. Ein
Kinofilm soll auch in Planung sein. Die Berliner Animationsfirma Hahn Film hat auch die
Umsetzung des Computerspiels gemacht, das von Tivola veröffentlicht wurde. Bei der
Recherche zum Spiel fiel mir auf, daß von Seiten der Publisher und Hersteller wenig Wert
darauf gelegt wird, klarzustellen, dass Buchstoff und Filme nichts mit der sehr
erfolgreichen Kinderbuchserie Der kleine Vampir" von Angela-Sommer-Bodenburg zu
tun haben, anders ist es wohl nicht zu erklären, dass ein Teil der Rezensenten in die
Fußangel einer Verwechslung geraten. Nun, deshalb will ich hier noch mal ausdrücklich
vermerken, daß das hier vorliegende Spiel und die aktuelle Fernsehserie auf der
Kinderbuchserie Die kleine Schule der Vampire" von Jackie Niebisch basieren.
Der Autor, der sich angeblich z.Zt. in China wegen eines Chinesischkurses aufhält, liebt
Serientitel mit niedlichen Verkleinerungsformen: Der kleine Punker, Die kleinen Wilden,
Die kleine Fußballmannschaft usw. sind Titel aus seiner Feder. Die Abwesenheit des Autors
ist aber nicht schlimm, da sich ein ganzes Heer von Schreibern in vielen Ländern der
Ausarbeitung von Charakteren und Stoff angenommen haben. Soviel zu den Hintergründen
eines industriell geplanten und ausgeführten Medienproduktes.
Welche weiteren, heute nicht mehr ungewöhnlichen
Marketingstrategien Hahn-Film dabei einsetzt, findet man heraus, wenn man sich die
sogenannten 'Kundenrezensionen' beim Online-Händler der mit 'A' beginnt genauer ansieht:
da schreibt der in den Credits des Spiels ausgewiesene Projektleiter Sascha Lienert Folgendes:
Ich habe Knoblauchalarm für meinen Sohn gekauft und muss sagen, dass es ein durch
und durch gelungenes Spiel ist. Mein Sohn (9) ist großer Fan der Serie und freute sich
natürlich, alle Charaktere, Orte und Stimmen der Serie wieder zu finden. Das Spiel ist
manchmal ein wenig kompliziert, weswegen es vielleicht nicht wirklich für 6-jährige
funktioniert. Andererseits hat man auch ein wenig mit den Rätseln zu knobeln was die
Spieldauer und -freude verlängert. Ich habe es zusammen mit meinem Sohn gespielt und als
alter Adventure-Fan mindestens genauso viel Freude daran gehabt wie er. Eines muss man
noch sagen. Der Look und die Grafik des Spieles sind einfach sensationell und bei Spielen
in diesem Preissegment sonst nicht zu finden."
(Anm.: Die Löschung dieses und weiterer Beiträge u.a. auch beim Spiel "Genius"
aus dem gleichen Hause mit den gleichen Kunden-Rezensenten wurden beantragt.)
Lienert und seine Freunde schieben nicht nur die negative Kritik
echter Kunden mit ihren Beiträgen auf die 2. Anzeigen-Seite, sondern wollen den Lesern
Glauben machen, da hätten echte Käufer das Spiel tatsächlich erworben und für
ausgezeichnet befunden. Der Projektleiter des Spiels scheint also der Meinung zu sein,
daß das Produkt diese Art von unseriösen Pushs nötig hat! Interessant, daß er das
Spiel für einen 6-jährigen selbst zu schwierig hält
wobei man ihm tatsächlich
nur zustimmen kann. Aber dazu später.
Geschichte
Tatsächlich stimmt es nicht, dass Kinder alle Charaktere der Serie
im Spiel wiederfinden, sondern nur 5 der Vampirschüler namens Oscar, Tinto, Fletcher,
Klot und Gruftine. Die Lehrer sind wegen der Teilnahme an einem Kongress ausgeflogen und
haben die Kleinen in die Obhut von Nestor, einer Art Hausmeister, gegeben, der seine
Anweisungen einem Brief des Grafen entnimmt. Das Schreiben besagt, dass die Kinder nichts
unternehmen sollen und vor allen Dingen die Burg nicht verlassen dürfen. Da aber just mit
Abflug der Erzieher eine mysteriöse Kiste vor dem Tor abgestellt wurde, wird zumindest
die Neugier von Oscar geweckt, der diese Kiste unbedingt inspizieren will. Daß diese
Eigenmächtigkeit sehr gefährlich für ihn selbst und die anderen werden kann, zeigt sich
im Laufe der Geschichte, denn natürlich steckt Vampirjäger Polidori dahinter
Die Spieler schlüpfen in die Rolle des Vampirschülers Oscar, dem
man zunächst dabei hilft, Mittel und Wege zu finden, die Vorschriften zu umgehen
ein bisschen Urkundenfälschung hier, ein kleiner K.O.-Trunk dort, kleine Spieler sollen
hier nicht nur Spaß finden sondern auch fürs Leben lernen, damit sie sich später
bestens im Dickicht von Recht und Unrecht zurecht finden. Danach gehts
dem angreifenden Polidori an den Kragen mit einem hilfreichen Geist, einem Werwolf und
manchem Zaubertrick.
Der Untertitel Knoblauchalarm" kokettiert mit seiner
Ähnlichkeit zum werbewirksamen Ausruf Fruchtalarm", hat darüber hinaus nur im
Knoblauchgewehr von Polidori Beziehung zur Geschichte. Die Story wird spannend und witzig
erzählt, und nur durch die noch zu beschreibenden Handlingprobleme gebremst.
Moralisch zweifelhaft in einem Spiel für Kinder ab 6 Jahren ist es
allerdings, wenn man einen Kumpel mal eben mit ein paar versteckten K.O.-Tropfen
niederstreckt, weil er einem nicht geben will, was man von ihm verlangt und sich dann noch
über den Deppen lustig macht. Natürlich sollen die Kleinen heute schon
so früh wie möglich Rücksichtslosigkeit lernen, dann aber doch bitte mit Mitteln, an
die sie in ihrem Alter auch schon herankommen können!
Installation/Technisches/Bugs
Als die Installation von 1 CDROM nach 20 Minuten immer noch nicht
beendet war, war ich geneigt, sie abzubrechen. Als ich dann schließlich eine
Fehlermeldung erhielt, habe ich den ganzen Vorgang nochmals durchgeführt und siehe da,
nach derselben Zeit und längerem Rödeln während der Startphase wurde tatsächlich das
Startmenü angezeigt. Das Spiel hat relativ geringe Mindestanforderungen, da sollte mein
Rechner eigentlich schnurren. Die Readme-Datei weist allerdings bereits auf bekannte
Startprobleme hin und empfiehlt in solchen Fällen über das Startmenü die
Open-GL-Version zu verwenden. Mir sagt das nichts weiter, als dass man einen Grafikpatch
nicht ins Spiel integrieren konnte und deshalb als Zusatz anbietet. Diese Open-Gl-Version
hilft allerdings bei den während des Spiels auftretenden Performenceproblemen und Crashs
auch nicht weiter.
Lange Ladezeiten und Verzögerungen zwischen Klickbefehlen und deren
Ausführung sind unangenehm. Mein Screenshotprogramm konnte nicht vorher gestartet werden
und führt wie andere Hintergrundprogramme zu Fehlermeldungen oder Hängern.
Innerhalb des Spiels gibt es eine Reihe von leichteren bis schweren
Bugs, die an nicht korrekt definierten Hotspots auftreten. Es gibt nur sehr wenige
Hotspots im Spiel, aber diejenigen, die vorhanden sind, sind vielfach fehlerhaft. Man muß
erklären, dass aus einem unerfindlichen Grund Hotspots zunächst grundsätzlich nicht per
Mausberührung ersichtlich sind. Erst wenn sich Oscar genug genähert hat, oder man einen
Bildschirmbereich angeklickt hat, zeigt der Hotspot sich durch eine kleine Pop-Up-Blase
mit einem Mund oder einem Ausrufezeichen. Es gibt dann sowohl Hotspots, die keine
hinterlegten Aktionen haben, als auch Hotspots, die zwar reagieren aber nicht angezeigt
werden. Darüber hinaus gibt es Hotspots, bei denen man englische Scriptmeldungen erhält
oder Hotspots, bei denen zwar eine Blase und auch eine Beschreibung erscheint, aber im
Bild gar kein sichtbares Objekt vorhanden ist. Zum Ende des Spiels finden wir auch einen
Hotspot, der das Weiterspielen verhindert und das Spiel abbrechen lässt mit einer
Rückkehr zu Windows.
Wenn also etwas an Die Schule der kleinen Vampire
Knoblauchalarm" gruselig ist, dann ist es der technische Unterbau und die
Fehlerhaftigkeit des Spiels. Aber auch die Handhabung an sich ist von ihrer Struktur mit
spürbarem Gruselfaktor versehen.
Handling/Steuerung
Ich bin recht sicher, dass viele durchschnittliche Adventurespieler
das Spiel nach 10 Minuten Spielzeit abbrechen und deinstallieren werden, da Aufwand und
Ergebnis, also Unterhaltungsfaktor, in keinem Verhältnis stehen. Knoblauchalarm ist zwar
ein Point&Click Adventurespiel, was für die meisten schon eine einfache Handhabung
impliziert. In diesem Fall ist es aber anders.
Gut, dass es eine Beschleunigung unseres Charakteres per Doppelklick
gibt! Wir steuern den kleinen Oscar in 3rd-Person-Sicht. Wie bereits angesprochen, finden
wir Hotspots nicht durch direktes Mouseover sondern nur durch Annäherung an den
interaktiven Bereich und nochmaliges Klicken. Als einzige direkt sichtbare Hotspots zeigen
sich die Szenenausgänge. Szenenwechsel nach unten sind oft nur nach vielen vergeblichen
Versuchen möglich.
Amüsant fand ich die Funktion eines Paternosters in den Oscar mit
einem kleinen Ausruf hineinhopst.
Ein Linksklick beginnt Dialoge, die nicht abgebrochen oder
weitergeklickt werden können. Während eines Dialoges und mehrere Sekunden danach, kann
keine andere Mausaktion ausgeführt werden, man muß also nicht nur immer warten, bis
Kommentarsätze zuende gesprochen wurden, sondern auch solange, bis wieder die kleinen
Blasen über einem Hotspot erscheinen, dann kann man die nächste Aktion durchführen.
Aktionen werden mit der rechten Maustaste eingeleitet. Obwohl es
eine Beschreibung dieser Funktionen im Hauptmenü bzw. auch ansatzweise im beigelegten
farbigen Faltblatt gibt, habe ich mir nicht selten während des Spiels den Kopf
zerbrochen, wie ich eine beabsichtigte Aktion denn durchzuführen habe. Ein Iconsystem
macht das Bedienen des Spiels kompliziert und so war das größte zu lösende
Rätsel die Benutzung und vor allen Dingen die Reihenfolge der Iconeinsätze.
Nach einem Rechtsklick öffnet sich eine Denkblase in der man die
Icons am oberen linken Bildrand mit einem Hotspot kombinieren kann. Man kann auch mehrere
in unterschiedlicher Reihenfolge verwenden oder wieder aus der Denkblase entfernen. Da die
Icons nicht per Text oder Sprachausgabe beschrieben werden, muß man die Bildchen
interpretieren bzw. einfach Versuch&Irrtum anwenden. Beispielsweise soll man den
kleinen Klot veranlassen, einen Käfer zu erschrecken. Dazu muß man die Icons für Klot,
für Klots Erschrecken-Fähigkeit und das Käfericon anklicken. Warum die eine Reihenfolge
derselben Icons funktioniert und die andere nicht, habe ich nicht herausfinden können.
Später kommen noch einige Zusatzfähigkeiten hinzu, die ebenfalls als Icons am Bildschirm
aufgelistet werden. Eine Beschreibung der Einsatzmöglichkeiten findet man in der
Anleitung, so dass man auch dort schließlich herausfindet, dass man bei der
Fledermausfähigkeit drei Sonarechos abwarten muß, um einen verborgenen Hotspot zu
finden. Selbsterklärend und intuitiv ist anders!
Besonders geärgert hat mich, dass man keine eigenen Savegames
anlegen kann. Wie in so vielen Kinderspielen üblich, hat man diese Funktion gar nicht
erst hineingenommen, sondern legt ein automatisches Savegame beim Verlassen des Spiels an.
Falls der Spieler von neuem beginnen sollte, wird dieses Savegames überschrieben. Leider
sichert die Autofunktion noch lange nicht alle Aktionen, die man bereits durchgeführt
hat. Vielfach mußte ich nach einem neuen Start 3-4 bereits ausgeführte Aktionen
wiederholen. Außerdem fängt Oscar nach einem Neustart immer wieder am Ausgangsschauplatz
an, egal an welchem Ort er sich beim Abspeichern befunden hat. Ein sehr irritierendes und
unverständliches Feature.
Fassen wir zusammen: Neben einer schlampigen Programmierung finden
wir eine undurchsichtige, komfortlose Steuerung vor, die in einem Familienspiel nichts zu
suchen hat.
Grafik/Sound
Hier kann Knoblauchalarm wenigstens zum Teil punkten. Die
stimmungsvollen, vorgerenderten Hintergründe der Burg Horrificus (das Gemäuer wird zwar
als Schloss bezeichnet, aber das ist es nun mal nicht) sind in dezent gehaltenen
Farbtönen und einem sehr individuellen Grafikstil gehalten, der zur Betrachtung und
Erkundung reizt. Leider gibt es so gut wie gar keine Hotspots, die dem Erkundungsdrang von
Kindern aber auch Erwachsenen Spielern Rechnung tragen würden. Animationen finden wir
fast nur in flackernden Leuchten oder vorbeiziehenden Cartoonwolken. Einige verwirrende
Perspektiven und Szenenwechsel stellen die logische Orientierung zunächst auf den Kopf,
sind später aber kein Problem mehr. Nette Kameraschwenks, eine passende Geräuschkulisse
mit Eulenrufen, Knistern und Knirschen und einigen kurzen spannenden Musikeinlagen
unterstützen die dunkle Vampiratmosphäre gut. Hinzu kommt die gute Profi-Sprechercrew,
die ihre Sache ausgezeichnet macht und keine Schuld daran trägt, wenn die Sprachausgabe
immer erst verzögert auf die Mausklicks folgt.
Die 3D-Cartoon-Charaktere sind sicher den Originalen gut
nachempfunden, verzichten aber gänzlich auf Lippenbewegungen oder Gestik. Das ist schwach
für Charaktere, die einer ausdrucksvollen Comicserie nachempfunden sind.
Rätsel
Knoblauchalarm ist ein reines Adventurespiel mit Auswahldialogen und
Inventarrätseln. Hinzu kommen einfallsreiche Kombinationen mit speziellen, erlernbaren
Fähigkeiten. Daß dies alles in ein sehr unübersichtliches, kompliziertes Iconsystem
gesteckt wurde, ist schade. An manchen Stellen führt ein GameOver zum Zurücktransport
zur Ausgangslocation. Bis zur Spielabbruchstelle würde ich etwa 3 Stunden Spielzeit
rechnen. Das ist wenig, aber zumindest Minispielfrei.
Fazit
Die Schule der Vampire Knoblauchalarm" ist
wirklich nur ausschließlich und ganz bedingt den Fans der Serie zu empfehlen. Es hat eine
schöne Grafik und gute Sprachausgabe gepaart mit einer sehr unangenehmen Steuerung. Mal
eben knapp 30 Euro auszugeben um dem Kind 3 Stunden Unterhaltung zu bieten na, das
sollte jeder selbst abschätzen können, vor allen Dingen, wenn da zweifelhafte
Umgangsformen in einem vebuggten Spiel geboten werden.