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Die Schöne oder das Biest 


Erscheinungsdatum: 08/2002
Entwickler: EMME / Lexis Numerique
Publisher: Cornelsen Software

für Kinder ab 8 Jahren

Boxshots
Franz. Homepage


 

Ein Review von slydos   08. September 2002

 

Cornelsen Software hat nach "Alice im Wunderland" (siehe Adventure-Archiv Review) einen weiteren Klassiker, hier von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, von den französischen Entwickler-Studios EMME und Lexis Numerique in ein Multimedia-Abenteuerspiel verwandeln lassen - "Die Schöne oder das Biest". Eigentlich war das märchenhafte Thema an Erwachsene gerichtet (man denke an die berühmte Verfilmung mit Josette Day und Jean Marais von Jean Cocteau aus dem Jahr 1946), wurde aber nicht zuletzt durch Hollywood zu einem Stoff speziell für das junge Publikum. Die Schöne oder das Biest hat allerdings nichts mit dem lustig-bunten Disneytitel zu tun, sondern hält sich nahe an der romantisch-fantastischen Vorlage. Es ist für Kinder ab 8 Jahren gedacht.

Ja - Sie haben richtig gelesen, es heißt "oder" und nicht "und". Denn im Spiel geht es darum, entweder als die schöne Belle oder als Biest die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu durchleben.

Aber egal, aus welcher Perspektive wir die Geschichte betrachten, sie wird letztlich zu demselben Ende führen.

Die junge Belle ist auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater. Sie reitet durch einen dunklen Wald und trifft auf ein geheimnisvolles verwunschenes Schloß. Sie findet dort Hinweise auf ihren Vater und ist mutig genug, sich ganz allein hineinzuwagen. Sie weiß noch nicht, daß der Schloßherr ein Edelmann ist, der durch einen bösen Fluch in ein schrecklich aussehendes Biest verwandelt wurde.

Sie ahnt, daß ihr Vater dort gefangen gehalten wird und es gelingt ihr nach vielen Mühen ihn zu befreien. Aber in diesem Moment taucht das Biest auf und verlangt für die Freiheit des Vaters die Tochter als Pfand. Belle geht auf den Handel ein und der Vater kann gehen.

So bleibt Belle im Schloß, die Jahreszeiten wechseln und sie lernt das Biest nicht als schreckenerregendes Ungeheuer sondern als feinsinnigen Kunstkenner und Wissenschaftler kennen. Das Biest ist von Belles Offenheit und Freimut und natürlich von ihrer Schönheit angetan. Welche Zukunft ihnen bevorsteht und wie sie ihr Schicksal meistern soll nicht weiter verraten werden.

Videosequenzen

Den größten Teil der Handlung erfahren wir durch eine Reihe von Videosequenzen, angefangen von beiden längeren Intros. Diese Sequenzen, insgesamt mehr als 20 Minuten, sind sehr stimmungsvoll und dramatisch, mit ebensolcher Musik unterlegt. Leider kommen die unverzichtbaren und an sich sehr guten Filmteile in der Vollbildschirmanzeige nur verwaschen und grob herüber. Wie schade! Die Sequenzen sind im Gegensatz zu den golden-warmen Farben des übrigen Spiels in einem kalten grau-blauen Ton gehalten und haben Ähnlichkeit mit fernöstlichen Produktionen. Man spürt hier einen deutlichen Bruch zum interaktiven Teil des Spiels.

Installation

Bei "Die Schöne oder das Biest" handelt es sich um eine Hybrid-Version für Mac und PC, die in einem aufwendig gestalteten, stabilen Klappkarton geliefert wird, wie wir es von Cornelsen-Software gewöhnt sind. Das kleine Handbuch ist ein Jewelcase-Inlet und ebenfalls grafisch prächtig und in Farbe gestaltet. Es gibt einen knappen Überblick über die Installation und Handhabung.

Ca. 96 MB Speicherplatz wird auf der Festplatte benötigt. Die Installation des Spiels von einer CD lief unter Windows XP zunächst reibungslos. Jedoch gab es gleich von Anfang an Probleme mit dem Ton, der mehr dem Sound einer alten Schellack-Platte glich und kaum verständlich war. Hier kommt uns zugute, daß das Spiel bereits in Frankreich erschienen ist und einige Probleme bereits erkannt und in der mitgelieferten Liesmich-Datei beschrieben wurden. Es gibt hier Inkompatibilitäten zwischen Quicktime und der Soundkarte, die durch eine Umkonfiguration von Quicktime behoben werden können. Allerdings bin ich mir sicher, daß dies nicht von einem 8jährigen Kind bewerkstelligt werden kann. Hier sind also in jedem Fall die Eltern gefordert!

Start

Gleich zu Anfang gelangt man in das Auswahlmenü der Spielfiguren. Von mittelalterlichen Lautenklängen untermalt fragt uns unsere Hilfe und unser Begleiter während des Spiels - die Eule Walther Huldelied - ob wir Belle oder das Biest spielen möchten. Durch einfaches Anklicken der Spielfigur geht's weiter zur Namenseingabe. Hiermit kann man sozusagen die Anzahl der Savegames bestimmen, denn in diese Datei wird während des Spiels gesichert - eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Danach erleben wir einen der beiden eindrucksvollen Introfilme und gelangen dann schließlich ins Schloß. Je nachdem, ob wir Belle oder das Biest gewählt haben, befinden wir uns in unterschiedlichen Räumen des Schlosses und die Eule Huldelied gibt uns Tipps, was wir als nächstes tun können. Wir müssen zuerst die Karte das Schlosses in das Inventar legen. Über die Karte können wir sehen, welche Teile des Gebäudes wir bereits betreten haben und welche Bereiche uns noch verschlossen sind. Von nun an können wir unsere Spielfigur steuern.

Wir müssen nicht als Belle oder Biest durchspielen, sondern können zwischendurch auch die Spiefigur wechseln. leider müssen wir dazu jedesmal das Spiel verlassen und mit neuem Namen starten.

Steuerung/Handling

"Die Schöne oder das Biest" ist vollkommen mausgesteuert. Hotspots im Spielbereich werden nicht durch Textanzeigen verdeutlicht, jedoch verwandelt sich der Cursor in eine Hand, wenn wir Objekte nehmen oder bewegen können. Pfeile zeigen die Richtung an, in der wir die Szene verlassen können.

Das Inventar befindet sich in der Navigationsleiste, die sich am oberen Bildschirmrand verbirgt. Klickt man auf einen immer sichtbaren Haken dort, so öffnet sie sich. Dort kann man Speichern und das Spiel beenden.  Ebenfalls gibt es im Nevigationsmenü die Objektleiste, also das Inventar, in dem man gesammelte Gegenstände ablegt bzw. werden dort automatisch eingesammelte Objekte verstaut. Man kann durch Darüberfahren mit der Maus das Inventar am linken und rechten Rand scrollen. Jedoch wird es nicht nötig sein, weil "Die Schöne oder das Biest" mit ausgesprochen wenig Inventargegenständen auskommt. Außerdem finden wir in der Navigationsleiste noch ein Icon für die Eule, die wir anklicken können, um hilftreiche Tipps zu erhalten.

In der 3rd Person-Perspektive steuern wir unsere Helden, die allerdings nicht automatisch Hindernisse umgehen, sondern hier und da gerne mal an einem Türrahmen hängenbleiben, was man durch einen kleinen Schmerzlaut mitgeteilt bekommt. Während der vielen Minispiele müssen wir uns drauf einstellen, daß die Steuerung nicht nur vom Klicken und Ziehen am richtigen Ort abhängt, sondern die reine Mausbewegung selbst schon Objekte oder unsere Helden steuert. Dabei ist es oft schon ein Rätsel, herauszufinden, wie man nun das Minispiel am Besten steuert.

Das Handling insgesamt hat sich gegenüber dem Vorgängerspiel "Alice im Wunderland" schon um einiges verbessert, läßt allerdings bei einigen Minispielen noch zu wünschen übrig. In einigen dieser Spielsequenzen mußten sowohl durch das Mausziehen Bewegungen eingeleitet werden als auch gleichzeitig durch Klicken und Ziehen. Da diese Bewegungen oftmals in entgegengesetzte Richtungen laufen mußten, konnte man schon mal in Verwirrung geraten: Beispiel: ein Schmetterling muß eigentlich nach links fliegen per Mausbewegung, aber es muß gleichzeitig eine Spinne unterhalb des Tierchens mit einem Klick abgewehrt werden, so daß der Schmetterling sich dadurch ebenfalls nach unten in Richtung des Feindes bewegt. Dieser doch etwas komplexere Zusammenhang muß zunächst erst mal erkannt werden.

Außerdem kam man öfter mal mit dem Inventar in Kollision, wenn man die Maus zu weit nach oben geschoben hat, denn dann öffnet sich das Inventar automatisch und verdeckt einen Teil des Bildschirms.

Rätsel

Prinzipiell sind die Rätsel und Aufgaben recht leicht, jedoch ist die Handhabung und Durchführung manchmal nicht gleich ersichtlich. Es gibt nur ganz wenige inventar-/objektbasierende Rätsel und bei diesen wird einem dann noch die Lösung direkt von Walther Huldelied verraten. Wirklich anstrengen muß man sich nur bei den ca. 30 Minispielen oder Spielsequenzen, die zum einen eine gewisse Geschicklichkeit verlangen, um z. B. einen Schmetterling aus einem Spinnennetz zu befreien, sich unter Angriff von Fledermäusen abzuseilen oder Frösche über rotierende Seerosenblätter hüpfen zu lassen. Aber es gibt auch sehr originell gestaltete Denkaufgaben, wie z. B. das Herausfinden der richtigen Sternbilder im Observatorium. Daneben gibt es Schiebepuzzle und Zuordnungsaufgaben im Stil eines Memory-Spiels. Die Minispiele sind sehr gut in die Story integriert und man hat hier nicht das Gefühl, durch die Spielsequenzen aus der eigentlichen Handlung herausgerissen zu sein. Wenige Rätsel sind gleich bei Belle und Biest, einige ähnlich, die meisten jedoch sehr unterschiedlich und bieten langen Spielspaß.

Grafik

Sowohl die vorgerenderten 2D-Hintergrundgrafiken der mehr als vierzig Schauplätze sind herrlich gestaltet und eine Augenweide, auch die verschiedenen 3D-Charaktere können gefallen. Die Animationen der Bewegungsabläufe unserer Charaktere sind an einigen Stellen zwar stockend aber generell lebensnah gestaltet. Die fantastischen Kulissen mit ihren zum Leben erwachenden Rüstungen und sprechenden Wasserspeiern lassen einen staunen, Troll Gunter, der witzige Begleiter von Biest, läßt einen schmunzeln und spezielle Effekte wie z. B. Feuer unterstützen die fantastische Atmosphäre des Spiels. Leider gibt es einen spürbaren Bruch, wie bereits oben schon erwähnt, zur Qualität der Videosequenzen.

Sprache/Musik/Sound

In "Die Schöne oder das Biest" gibt es keine Dialogauswahlen, jegliche Sprachausgabe, seien es die Gedanken unserer Darsteller oder kleine Gespräche, laufen automatisch ab. Die Synchronstimmen sind zwar ausdrucksvoll und professionell, jedoch denke ich, daß selbst der beste Sprecher überfordert ist, wenn er fast alle männlichen Rollen sprechen muß. So werden sowohl Biest, als auch Walther Huldelied und Belles Vater und noch einige andere von ein und demselben Sprecher synchronisiert. Das fällt natürlich sofort auf, besonders wenn man die Stimmen gleich nacheinander hört. Auch Belles Stimme dient gleichzeitig auch der Darstellung ihrer Schwestern. Ich denke, daß Kinder, die Vater als Weihnachtsmann identifizieren, auch diesen sparsamen Stimmeneinsatz sofort enttarnen werden. Nichts für ungut, aber man hätte zumindest für die Hauptdarsteller unterschiedliche Sprecher einsetzen können.

Dagegen sind Musik und Sound top. Die Musik im mittelalterlichen Gewand mit Lautenklängen und a capella Gesang, der manches Mal an den Cirque du Soleil erinnert, wird begleitet von vielen Geräuschen wie Käuzchenrufen, Glockenläuten, Wind und Vogelgezwitscher. Die fantastische Atmosphäre speziell der Videosequenzen wird damit besonders gut getroffen.

Fazit

"Die Schöne oder das Biest" birgt einige technische Schwierigkeiten und eine teilweise (bei einigen Minispielen) nicht ganz durchschaubare Steuerung.  Es ist trotz dieser Abstriche empfehlenswert für jüngere Spieler bis 11 Jahre. Die romantisch-fantastische Atmosphäre, die gut getroffenen Charaktere und gut integrierten Spielesequenzen bieten im Gegensatz zum Vorgänger "Alice" mit ca. 10 bis 12 Stunden Spieldauer mehr spielerisch leichte Unterhaltung ohne Frustfaktor und eine wunderschöne Geschichte. Ältere Kinder oder Erwachsene, die sich herausfordernde Rätsel wünschen, werden allerdings nicht zufrieden gestellt werden können, da Spiele und Rätsel sehr leicht sind und die Eulen-Hilfe kaum Spielraum läßt, auch mal etwas falsch zu machen.

  

Meine Bewertung: 64%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen Windows:

  • Windows 95 oder höher inkl. Windows XP
  • Pentium 166 Mhz oder höher
  • 32 MB RAM
  • High Color Grafikkarte, 640 x 480 Grafikauflösung
  • 16bit Soundkarte
  • 8x CDROM-Laufwerk

Systemvoraussetzungen Mac:

  • System 7.5.3 oder höher
  • iMac oder G3
  • 32 MB RAM
  • High Color Grafikkarte, 640 x 480 Grafikauflösung
  • 8x CDROM-Laufwerk

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 



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Zu Beginn wird die Spielfigur gewählt
Zu Beginn wird die Spielfigur gewählt

Belle betritt das Schloß
Belle betritt das Schloß


Die goldenen Frösche müssen über die rotierenden Seerosenblätter ans Ufer
Die goldenen Frösche müssen über die rotierenden Seerosenblätter ans Ufer, erst dann kann man das Kartenstück nehmen

 

Im Brunnen liegt der Schlüssel zum Verlies
Im Brunnen liegt der Schlüssel zum Verlies



Der unterirdische Fluß kann tückisch sein
Der unterirdische Fluß kann tückisch sein

 

Walther Huldelied, die Eule, sagt uns, wie Biest die Karte finden kann
Walther Huldelied, die Eule, sagt uns, wie Biest die Karte finden kann



Im Spinnennetz ist ein Teil einer Karte zu finden
Im Spinnennetz ist ein Teil einer Karte zu finden

 

Erst wenn die Rüstungen wieder zusammengebaut sind, verraten sie uns das Paßwort
Erst wenn die Rüstungen wieder zusammengebaut sind, verraten sie uns das Paßwort



Die Karte des Schlosses
Die Karte des Schlosses



Belle muß ein Rezept für den kranken Vater zusammenstellen
Belle muß ein Rezept für den kranken Vater zusammenstellen

 

Wie ein Safe muß diese Tür geknackt werden
Wie ein Safe muß diese Tür geknackt werden

 

Biest muß die Sonnentür öffnen
Biest muß die Sonnentür öffnen

 

Die beiden Waagschalen müssen gleichmäßig belastet werden, um das Gewicht hochzuziehen
Die beiden Waagschalen müssen gleichmäßig belastet werden, um das Gewicht hochzuziehen

 

Das Observatorium
Das Observatorium

 

Ein wirklich gelungenes Sternenrätsel
Ein wirklich gelungenes Sternenrätsel

 

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