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Opera Fatal 


Erscheinungsdatum Erstausgabe: 1996
Erscheinungsdatum Budgetversion: 02/2004

Entwickler: Ruske & Pühretmaier
Publisher: Heureka-Klett

Homepage

Spielsprache: deutsch

 

USK: geeignet ohne Altersbeschränkung

 

 

Ein Review von slydos   19. März 2004

 

Zum 10jährigen Bestehen gibt's in diesem Jahr von Heureka-Klett jede Menge Sondereditionen der älteren Edutainment-Titel, diesmal nicht im edlen Karton sondern in knapper DVD-Verpackung ohne greifbares Handbuch, dafür aber auch zum bemerkenswerten Tiefstpreis von 10 Euro pro Spiel. In diesen Jubiläumsausgaben sind Handbuch inklusive Lösungsweg als PDF-Datei auf der jeweiligen CDROM beigefügt. Ich möchte mir diesmal das erste und somit älteste Adventure aus dieser Reihe vornehmen: Opera Fatal.

 

Geschichte

Die Spieler schlüpfen in die Rolle des Maestro: Am Vorabend der Premiere von Beethovens Fidelio stellt er fest, daß seine Partitur verschwunden ist. Er hetzt ins nächtliche Theater und ihm flattert das Schreiben eines scheinbar verrückten aber musikbesessenen Widersachers entgegen, der die Noten versteckt hat. Nur wenn man seine wiederum versteckten Fragen beantwortet, kann man sich Hoffnungen auf die Rückgabe der Partitur machen. Der Maestro folgt einer Spur von Rätseln und Fragen aus der Welt der Musik vom Keller bis zur Bühne des Opernhauses. Viele Türen sind zunächst verschlossen und geheime Winkel warten darauf, entdeckt zu werden. Durch geschicktes Kombinieren und den richtigen Einsatz gefundener Gegenstände findet er schließlich die numerierten Zettel mit den Fragen des Unbekannten ...

 

Installation/Start

Opera Fatal läuft komplett von der CD (Hybrid-CD PC/MAC). Es werden keine Programmgruppen/Desktopicons angelegt oder Daten auf die Festplatte kopiert. Nur bei Macintosh benötigt man QuickTime2 und IndeoCodec. Beides kann man nötigenfalls von der CD installieren. Zur Aufnahme der Spielstände wird im Handbuch empfohlen, ein Verzeichnis auf der Festplatte anzulegen. Hat man sich nicht selbst ein Icon angelegt, kann man die Datei opera.exe auch einfach über das Ausführen-Fenster aus der Windows-Startleiste aufrufen.

Beim Start läuft jedesmal das Intro ab, in dem der Dirigent den Diebstahl feststellt und schließlich das Opernhaus erreicht. Man kann den Startfilm überspringen, indem man während des kurzen Ladevorgangs die Maustaste gedrückt hält. Hier sollte man allerdings schnell handeln, sonst muß man sich das Intro bis zum Schluß ansehen. Auch danach müssen wir jedesmal mit 3 Klicks unsere Maus bemühen, bevor wir im Theater sind und endlich das Icon des Hauptmenüs unten rechts unter dem Spielbildschirm benutzen, so daß wir hier einen gespeicherten Spielstand laden können. Dieses unbequeme Handling gleich zu Beginn hat nichts mit dem Alter des Spiels zu tun, es hätte auch bereits vor gut 7 Jahren angenehmer gestaltet werden können.

 

Handling/Steuerung

Opera Fatal ist rundum mausgesteuert, drückt man die ESC-Taste wird man allerdings von jedem Spielbereich aus direkt (und ohne Speicheraufforderung) zur Windowsoberfläche zurückkatapultiert. Das ist auf der einen Seite absolut begrüßenswert, auf der anderen Seite kann man hier leicht mal vergessen, den aktuellen Spielstand zu sichern und wird bestimmt 1-2mal geflucht haben, bevor man diese Funktionsweise verinnerlicht hat.

In Egoperspektive bewegen wir uns durch das Haus. Dabei müssen wir auf Cursorveränderungen achten. Entweder verwandelt sich der Standardcursor in unterschiedliche Pfeilsymbole oder in eine kleine Hand. Die möglichen Bewegungsrichtungen sind sehr unterschiedlich und oft können wir nicht einfach wieder zurückgehen, sondern müssen über 2-3 Vorwärts-/Seitwärtsklicks umkehren. Über die Richtungspfeile erreichen wir neue Szenen aber oft auch neue Blickwinkel oder Großaufnahmen innerhalb der Standbilder. Der Handcursor erscheint dort, wo Objekte betrachtet, benutzt, bewegt oder aufgenommen werden können.

Die wenigen (meist nicht mehr als 3-5) aufgenommenen Objekte werden im Inventar verstaut, das als Leiste ständig am unteren Bildschirmrand zu sehen ist. Manchmal kann man nur ahnen, um was es sich dabei handelt, da es zu den einzelnen Werkzeugen und Gegenständen weder vor noch nach der Aufnahme im Inventar eine Beschreibung gibt. Inventarobjekte verschwinden nach einmaligem Gebrauch und können auch nicht miteinander kombiniert werden.

Auf der rechten Seite der Inventarleiste findet man von Beginn an einen Schalter für das Hauptmenü. Dort kann man neben verschiedenen Bild- und Toneinstellungen den Sprecher in den Lernteilen an- bzw. ausschalten. Speichern und Laden erfolgt über ein normales Windows-Fenster, in dem man beliebige Namen bis zu 8 Buchstaben vergeben kann. Nach jedem neuen Spielstart muß man das Verzeichnis der Savegames erneut suchen, da das Programm grundsätzlich zum Spieleverzeichnis auf der CD zurückkehrt. Daneben hat man über das Hauptmenü einen schnellen Zugang zum Lernteil.

Die Sicherungsfunktion und die etwas eingeschränkte Steuerung (man kann sich z. B. nicht umdrehen) sind nicht gerade komfortabel. Alles in allem keine vorbildliche aber auch keine abschreckende Steuerung.

 

Lernteil

Antworten auf alle gestellten Fragen findet man in der Bibliothek, im Instrumentenraum oder im Zimmer des Maestro in dessen umfangreicher CD-Sammlung.

Diese einzelnen Lernbereiche sind aber auch direkt über das Hauptmenü anwählbar: Die Bibliothek beantwortet alle Fragen zu den Themen der Musiktheorie und Musikgeschichte mit Hilfe von sieben Büchern für die jeweils eine einfache Pfeilnavigation vorgesehen ist. Dabei ist ein Nachschlagen von gesuchten Begriffen manchmal je nach Kapitellänge und Animationen sehr langwierig. In der Navigationsleiste befindet sich ein niedlich animierter Navigator. Sein gelbes Punktgesicht verzieht sich, wenn wir in den Trainingssequenzen etwas falsch machen und er lächelt bei richtigen Eingaben. Die Möglichkeit zum Üben haben wir sehr oft und zusammen mit dem Navigator macht das Klimpern auf der Klaviatur richtig Spaß, wie z. B. das Anschlagen von verschiedenen Intervallen.

Verschiendene Gruppen von Instrumenten werden im Bereich Instrumentenkunde vorgestellt. Hier finden wir allerdings nur die Standardinstrumente eines Orchesters beschrieben, die wird allerdings ergänzt durch 3D-Filme mit Hörprobe und eine Vermessungsmöglichkeit der Instrumente.

Im Zimmer des Maestro befindet sich in einem Regal die CD-Sammlung des Dirigenten. Öffnet man eine CD und bewegt die Maus über die angegebenen Musiktitel, so verwandelt sich der Cursor in ein Ohr. Durch Mausklick ertönt das angewählte Stück in einem kurzen Ausschnitt. Verwandelt sich der Cursor zu einem stilisierten Blatt Papier mit dem Buchstaben „I", so kann man Informationen über die jeweiligen Musikbeispiele abrufen. Der zugehörige Text lässt sich durch Klicken und Ziehen der Maustaste vor- und zurückscrollen. Zum laufenden Musikbeispiel werden Titel und Komponist am unteren Bildrand angezeigt.

Es hätten ruhig noch mehr und längere Musikbeispiele sein können. Da werden wirklich nur die bekanntesten Stücke angespielt von Vivaldi bis Verdi und manches ist sogar gut für eine Rätselfrage, z. B. wie man das Element nennt, das die treibende Kraft in Ravels Bolero bildet.

Für Leute, die nicht Noten lesen können und auch sonst Musikunterricht mehr aus Distanz genossen haben, birgt der Lernteil eine Einführung in den Stoff mit manch harten Nüssen. Wer zumindest ein Instrument gelernt oder sich sonst mit Musiktheorie beschäftigt hat, gibt es sicher noch unberührte Bereiche, nehmen wir nur mal die vielen Bezeichnungen von Tempo, Dynamik und Übergängen - oder wüßten Sie auf Anhieb den Unterschied zwischen 'con anima', 'animato' und 'con brio'?

Der Lernteil macht auch ganz für sich allein gesehen Spaß. Im Gegensatz zu manch anderem einschienigem Lernspiel sind hier nicht nur Augen sondern auch Ohren gefordert. Ein Teil der Rätsel basiert auf Musikerkennung und der Fähigkeit, Tonfolgen nach Gehör richtig zu spielen.

 

Rätsel

Es geht darum, in jedem Kapitel oder Level eine Reihe von Fragen richtig zu beantworten, damit sich neue Räume mit neuen Rätseln auftun. Die jeweils passenden Antworten auf die Fragen müssen im Sekretariat in das Lösungsbuch eingetragen werden. Erst wenn man alle Fragen gefunden und richtig beantwortet hat, wird das Geheimnis der verschwundenen Noten schließlich gelüftet.

Die Antworten auf die Fragen können wir dem Lernteil entnehmen. Aber bevor man das tun kann, muß man erst mal die Fragen kennen. Die stehen auf teilweise einfach, teilweise gut verborgenen Zetteln. Man muß manchmal mechanische, manchmal Inventarrätsel lösen, um Türen zu öffnen, Licht zu machen oder z. B. eine Hebebühne zu steuern. Da gilt es beispielsweise, auf Heizungsrohren einen bestimmten Dreiklang nach Gehör zu erzeugen, um das Wasser wieder zum laufen zu bringen, was wiederum der Zugang zu einer weiteren Rätselfrage bedeutet.

Die teilweise verschachtelten Rätsel sind innerhalb eines Levels in unterschiedlicher Reihenfolge lösbar und einige Rätsel der höheren Levels können bereits am Anfang vorbereitet werden. Man kann natürlich die Antworten nach jeder Lösung einzeln ins Buch eintragen, aber schnell merkt man, daß man sich viel Gelaufe sparen kann, wenn man damit wartet, bis man zumindest alle Fragen zusammengetragen hat.

Opera Fatal verzichtet auf Spaßbremsen wie Labyrinthe usw. und die Spieler werden auch nicht durch Game-Overs zur Wiederholung von Spielszenen gezwungen. Die Quizelemente werden unterhaltend in eine Adventureumgebung mit Erkundung des Theaters eingebettet. Mechanischen oder objektorientierten Rätsel sind leicht zu lösen, während die musikalischen Rätselteile es schon mal in sich haben können und besonders gegen Ende des Spiels schwieriger werden. Die Antworten auf die Wissensfragen wird man nur zu Beginn und später nicht mehr ohne die Hilfe des Lernteils bewältigen, wodurch gewährleistet ist, daß die Spieler den Lernteil zumindest für die Lösung der Rätsel öffnen. Ca. 70% der Fragen stammen dabei aus dem Bereich der Musiktheorie, für den Rest muß man sich mit Komponisten, Musikgeschichte und Instrumenten auskennen.

Ich würde ca. 20+ Stunden für die Spieldauer veranschlagen, je nachdem, wie gründlich man den Info-/Lernteil durchforstet.

 

Grafik/Sound

Die Grafik der nur wenig animierten Hintergrundzeichnungen ist tatsächlich schon ein wenig angestaubt und gegenüber den neueren Spielen von Heureka-Klett merkt man den etwas körnigen Bildern die 7-8 Jahre an. Mehr comicartig verspielt als realistisch deutet der Stil der Grafik auf Kinder als Zielgruppe, die auch sicher ihren Spaß an den putzigen Animationen von sonst leblosen Gegenständen wie Kaffeekannen, Perücken oder Gemälden haben werden. Eine Anzahl von Hotspots sind so als Unterhaltungselemente mit lustigen Animationen und Geräuschen eingefügt.

Das Opernhaus ist menschenleer. Die Anwesenheit anderer Personen wird uns durch Platzhalter wie eine gerade angesteckte Zigarette oder eine frische Tasse Kaffee suggeriert. Ab und zu hören wir gespenstische Laufgeräusche oder Türenklappen. Aber da diese Sounds sich an immer den gleichen Stellen wiederholen, vergeht der Schreckeffekt rasch. Das einzige lebendige Wesen (neben unserem Maestro) ist eine Maus, die wir überraschenderweise in einer Schublade finden.

Obwohl wir es grundsätzlich mit klassischer Musik zu tun haben, werden zur Untermalung der verschiedenen Schauplätze meist moderne Stücke angespielt oder man beschränkt sich auf die Geräuschkulisse. Manche Titel sind beim wiederholten Betreten von Räumen nervig, besonders das übertrieben muntere Lied in der Cafeteria welches sich ständig wiederholt.

 

Bugs

Es gab 2 oder 3 Spielabbrüche, aber man konnte nach einem Neustart des Spiels normal weitermachen. Keine "fatalen" Fehler also in "Opera Fatal".

 

Fazit

Opera Fatal ist ein Lernadventure. Nanu - wird sich der eine oder die andere fragen - lernt man nicht bei jedem Adventure etwas, und sei es nur die Ausdauer, nach dem 18 vergeblichen Versuch eine Tür zu öffnen, auch noch den 19 folgen zu lassen? Sicher tut man das bei jedem Adventure. Aber Lernadventure werden nicht nur von Ihren Herstellern so bezeichnet, weil sie damit einen leichteren Zugang zu Omis Portemonnaie finden. Dahinter steckt eine didaktisch durchdachte Auswahl von Themen, die dann auch noch in einem Lern- oder Enzyklopädieteil zusammengefaßt und immer wieder abgerufen werden können, wie auch in diesem Fall.

Nun war Opera Fatal lange Zeit für den stolzen Preis von 98 DM zu haben und deshalb sicher nicht häufig auf der Einkaufsliste von Normalspielern zu finden. Eher selten also werden betuchte Schenker zugegriffen haben und die Zielgruppe selbst konnte es sich kaum leisten. Das ist heute anders - für ganze 10 Euro ist die aktuelle Ausgabe erhältlich und beinhaltet sogar die Komplettlösung (auf CD). Jetzt kann es sich also jeder leisten, der auf unterhaltsame Weise Musiktheorie und klassische Kompositionen näher kennenlernen möchte. Auch für die Klassikmuffel unter den Musikfreunden zu empfehlen, da die Themen der Musiktheorie unabhängig von der Stilrichtung ihre Gültigkeit haben und natürlich einfach für Adventurefans, die auf der Suche nach preiswertem Rätselnachschub sind und dabei keinen gesteigerten Wert auf die neueste Grafik legen. 

 

Gesamtwertung: 73%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen PC:

  • Windows 3.1/95/NT/Me/2000/XP
  • ab 486er 50 Mhz
  • 8 MB RAM
  • 4 MB freier Platz auf der Festplatte
  • 2x CDROM-Laufwerk
  • Soundkarte

Minimale Systemanforderungen MAC:

  • System 7.1
  • Power PC ab 50 Mhz
  • 8 MB RAM
  • 4 MB freier Platz auf der Festplatte
  • 2x CDROM-Laufwerk
  • Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel
 

 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 19. März 2004

 

 

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