Orionburger

Wenn sich überzeugte Fast-Food-Fans über Nacht in Rohkostapostel verwandeln, dann könnte es an diesem komplett gezeichneten Adventure von Eidos bzw. Sanctuary Woods liegen: Hier können Hamburger wahrhaft tödlich sein!


Eine schöne Entführungsszene aus dem Intro

Die abgedrehte Idee zu dieser futuristischen Schauermär im Comic-Stil kam dem Produzenten Robert Aitken beim Genuß der amerikanischen Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier": Nach dem Erfolg mit dem Multimedia-Abenteuer „Das Rätsel des Master Lu" machten er und sein Entwicklungsteam von Sanctuary Woods sich daran, auch dem Spieler Déjà-vu-Erlebnisse am laufenden Band zu bescheren. Sollte es Held Wilbur nämlich nicht gelingen, in mehreren Anläufen fünf ungewöhnliche Intelligenztests zu bestehen, droht die gesamte Menschheit als Schnellimbiß für Außerirdische zu enden...

Das umfangreiche lntro präsentiert dem Spieler zunächst die beiden üblen Aliens Zlarg und Flumix, welche im Auftrag einer interstellaren Fast-Food-Kette auf der Suche nach Frischfleisch sind. Um die Menschheit als Space-Burger verarbeiten zu können, bedarf es jedoch des Nachweises, daß die Erdbevölkerung über keinerlei Intelligenz verfügt.


Von nahem wird die schlichte Einfärbung der Protagonisten offensichtlich

Also verschleppen Zlarg und Flumix kurzerhand einen amerikanischen Jüngling auf ihre Raumstation, wo er nun als irdischer Repräsentant seiner Spezies ein kollektives Ende auf dem Astro-Grill ersparen soll.

In der Sache muß Wilbur etwa eine außerirdische Sprache erlernen oder eine versteckte Boulette ausfindig machen. Die Prüfungen selbst finden jeweils in seinem Heimatort Boonsville statt, einer typischen US-Kleinstadt.

Dort besucht er mausgesteuert um die 70 Örtlichkeiten wie seine Bude, das Rathaus oder den Friseur, um in Anklicksatzkontakt mit rund 20 Figuren zu treten - darunter seine Tante, eine Rockergang oder ein Grundstücksmakler. Die durchgehend in deutscher Sprachausgabe geführten Interviews ziehen sich‘ dabei oft wie Schmelzkäse in die Länge, da der Redeschwall der arg geschwätzigen Gesprächspartner nicht mittels Mausklick abgekürzt werden kann. Gegenstände werden demgegenüber nur relativ wenige benötigt, es sind aber mehrere kleine Echtzeitaktionen zu absolvieren.


Per Mausklick gelangt man direkt in jedes Gebäude

Jede Handlung verschlingt nun eine gewisse Menge (nicht angezeigter) Zeit, und irgendwann wird Wilbur automatisch wieder zur Raumstation verfrachtet. Falls er bis dato nicht erfolgreich war, geht‘s in einer längeren und nach erneuten Fehlversuchen zunehmend verkürzten Zwischensequenz zurück zur Erde, um es diesmal besser zu machen. Zuvor wird jedoch sein Inventar um sämtliche für die Lösung nicht benötigten Gegenstände erleichtert, wobei das Wissen um die bereits geführten Unterhaltungen natürlich erhalten bleibt - auch bei den Einwohnern von Boonsville.

Originell und witzig oder bieder und albern?

Löst Wilbur seine Aufgabe dagegen vorzeitig, so kann man ihn jederzeit per Mausklick auf die in Gestalt eines riesigen Hamburgers gezeichnete Raumstation beamen. Diese Vorgehensweise ist ebenso originell wie einzigartig im Genre, vermag jedoch nur partiell über die mangelnde Logik einiger Rätsel hinwegzutrösten. So kann Wilbur etwa dann im Dunkeln sehen, wenn man den Jungen zuvor mit einigen Schnäpsen abgefüllt hat - wer kommt schon auf so was?


In einer seiner Echtzeitaufgaben muß man schießwütige Ratten übertölpeln

Zudem hat die Bevölkerung zwar unglaublich viel zu erzählen, sachdienliche Hinweise bekommt der Spieler dabei aber nur selten zu hören. Und auch die zumeist bildweise umschaltende und schlicht animierte Mixtur aus 2D- und 3D-Optik ist nicht voll befriedigend. Zusammen mit den allzu biederen Witzen erreicht das Spiel gerade mal das Niveau der Zeichentrickserien, die es am Wochenende vormittags im Fernsehen zu sehen gibt.


Die rechte grüne Taste führt jederzeit zurück auf die Raumstation

Die Soundbegleitung aus sehr dezenter Popmusik und den Stimmen einer illustren Schar von Synchronsprechern (Woody Allen, Duffy Duck oder Anthony Quinn) ist indessen recht amüsant und die Bedienbarkeit erfreulich einfach. Zumindest jüngere Abenteurer werden daher mit Appetit in den Onionburger beißen, die älteren Semester mögen das Spiel indessen zu albern finden. (md)


Das Zimmer von Wilburs Tante

 

  • Grafik: 68%
  • Sound: 79%
  • Steuerung: 80%
  • Motivation: 64%
  • Gesamt: 68%

 

  • Datenträger: 1 CD
  • System: ab einem 486 DX
  • Speicher: 8 MB RAM, 8 bis 500 MB auf der HD
  • Grafik: SVGA
  • Sound: SB Pro/16, ProAudio, Adlib Gold, MS Sound System, Soundscape, Roland RAP-10, General Midi, ESS Audiorave
  • Eingabe: Maus
  • Ausgabe: komplett deutsch



PC Joker, © 01/97


adventurearchiv - 24-02-01

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