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Games Convention Special

 


Release Deutschland: voraussichtlich 2. Quartal 2007

 

Entwickler: House of Tales
Publisher: Anaconda

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Overclocked - A Story of Violence

Ein Preview von  MaryScots   09. September 2006

 

 

Ich bitte um Handzeichen: wer von Euch hat den Film Memento schon mal gesehen? Danke, das waren also doch schon einige. Und wer hat die Story auf Anhieb verstanden - und ich meine, in der richtigen Reihenfolge – also rückwärts? Nun? Ja, ich sehe, da ziehen doch schon einige ihre Hände wieder zurück. Keine Sorge, ihr seid nicht die einzigen. Denn obwohl ich äußerst konzentriert, bei ausgehängtem Telefonhörer und vor allem ohne Gesellschaft zugeschaut habe, muss ich doch zugeben, dass mir einige Dinge erst wirklich klar wurden, als ich später die DVD erneut, dann jedoch mit dem eingebauten Trick in der falschen Reihenfolge, nämlich vorwärts laufen ließ. Verwirrt? Das verstehe ich.

Aber jetzt kommt’s noch besser! Was, wenn man ein Adventure zu spielen bekäme, das beides macht – die Story also sowohl richtig herum, von heute bis in ein paar Tagen, als auch falsch herum, von gestern bis vor ein paar Monaten erzählt? Das geht nicht, meint Ihr? Geht doch und zwar in Overclocked, dem neuesten Projekt des deutschen Entwicklerteams House of Tales. Auf der Games Convention durften wir uns einen Ausschnitt des 3rd-Person Point & Click - Adventures näher anschauen, während Martin Ganteföhr, der sich diese kompliziert klingende Geschichte ausgedacht hat, Einzelheiten zum Gameplay erläuterte.

Aber fangen wir mit der Story an. Zunächst zum Teil „von heute bis in ein paar Tagen" und dem ersten von insgesamt sechs Charakteren, die wir in Overclocked steuern werden: David McNamara kümmerte sich als Psychiater bei der US Army um infolge von Kampfhandlungen schwerst traumatisierte Soldaten. Seine cholerischen Ausbrüche machen ihm seither das Leben schwer und als wäre das nicht genug, steckt er auch noch in einer schweren Ehekrise; scheinbar nicht gerade die besten Voraussetzungen, um die Aufgabe zu bewältigen, vor die ihn nun das forensische Krankenhaus auf Staten Island stellt.

Dort wurden nämlich fünf völlig verstörte junge Leute eingeliefert, die man über das Stadtgebiet von New York verteilt aufgefunden hat - allesamt schreiend und verängstigt, ohne Erinnerungen oder eine Ahnung, wo sie sich befanden. Als Spezialist in Forensik soll McNamara nun herausfinden, wer sie sind und was ihnen widerfuhr. Behutsam hilft er ihnen Sitzung für Sitzung, ihr Gedächtnis wiederzuerlangen, indem er mittels Hypnose mit ihnen schrittweise in der Zeit zurückgeht. Während dieser Therapieeinheiten schlüpfen wir jeweils in die Rollen der fünf Patienten, und spielen ihre Geschichte rückwärts in der Vergangenheit, wodurch McNamara wichtige Anhaltspunkte erhält, um seinerseits Nachforschungen auch außerhalb der Klinik anzustellen. Damit wäre ebenfalls der „von gestern bis vor ein paar Monaten" -Anteil ansatzweise erklärt. David McNamara muss jedoch während seiner Arbeit mit den jungen Menschen feststellen, dass sein eigenes Schicksal seltsamerweise mit dem ihren in Verbindung zu stehen und die Lösung dieses Rätsels nicht ohne Gefahr für ihn selbst möglich zu sein scheint.

Bei einer so komplexen Geschichte brauchen wir nicht auch noch eine komplizierte Steuerung. Ehrlich gesagt, hatte ich fast mit einer ungewöhnlichen solchen gerechnet, als ich zum ersten Mal Informationen bekam, worum es in diesem Spiel ungefähr geht. Doch House of Tales bleiben sich treu und in diesem Punkt klassisch, also alles mit der Maus per Point & Click. Auf der Rätselseite soll Overclocked für jeden etwas bieten - Untersuchung von und Interaktion mit Hotspots, Inventar- und Objekträtsel, mechanische sowie auf Dialogen basierende Rätsel. Diesmal bieten viele Hotspots verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, die durch eine Art Kontextmenü mit Piktogrammen dargestellt werden. Nehmen wir beispielsweise eine Tür, an der man die Auswahl hat zwischen „Lauschen", „Öffnen" oder „Ansehen". Anders als im Vorgänger werden Gesprächsthemen jetzt in Form von Icons angezeigt und passend zum Inhalt der Story kommt es besonders im Dialog mit den Patienten auch darauf an, wie man sich ihnen nähert; ob man z.B. gleich durch einen Klick auf das Pendel-Icon mit der Sitzung beginnt oder sie erst mal fragt, wie sie sich fühlen, um Vertrauen zu gewinnen und sie zur Mitarbeit zu bewegen. Ich bin zwar noch nie hypnotisiert worden, stelle es mir aber ungefähr so vor, wie es hier umgesetzt wurde. Denn während wir einen der Patienten spielen, können wir die Stimme des Psychiaters hören, tun was er vorschlägt und ihm antworten. Aber nicht nur das, wir können sogar den Bildschirm längs in der Mitte teilen, um dann in der einen Hälfte den Arzt und in der anderen Hälfte den Patienten zu steuern.

House of Tales haben sich die Kritik an ihrem letzten Werk The Moment of Silence zu Herzen genommen, was im Klartext bedeutet, dass Szenenausgänge nun bei Mouseover durch einen Pfeil angezeigt werden, der den jeweiligen Spielcharakter umgehend ins nächste Bild befördert. Interessant hierbei ist, dass der Szenenwechsel wirkt wie im Film, da wir den Charakter weggehen und ins neue Bild hereinkommen sehen. Überhaupt lässt der dynamische Einsatz der Kamera durch Perspektivwechsel, Zooms und kinoreife Kamerafahrten die vorgerenderten 2D-Schauplätze sehr räumlich wirken und unterstützt dabei Stimmung und Atmosphäre ebenso wie das neue Echtzeit-Licht-/Schatten-System.

Besonders dramatisch wirken die Übergänge in die Vergangenheit, wenn also McNamara seine Patienten hypnotisiert und der Spieler damit den Spielcharakter wechselt. Dessen „Ankunft" in seinen Erinnerungen wird auch farblich hervorgehoben, indem ihm – und auch uns – zunächst alles in Schwarz/Weiß bzw. Sepiatönen erscheint und die Umgebung erst langsam an natürlicheren Farben gewinnt. All diese Effekte werden erstmals in einem 2,5D-Adventure in Echtzeit berechnet. Stark beeindruckt war ich auch von den detaillierten Texturen, deren Wirkung man oft allzu leicht unterschätzt, obwohl sie sehr wichtig für die Atmosphäre sind. Momentan wird u.a. fieberhaft an der Animation der 3D-Charaktere gearbeitet, übrigens auch wieder mithilfe von Motion-Capturing. Was zu sehen war, sah schon sehr natürlich und flüssig aus, aber viel mehr lässt sich noch nicht sagen.

Alles in allem legt House of Tales wieder großen Wert darauf, beim Gameplay nah an der Realität zu bleiben und was ich sah und erfuhr hat mich davon überzeugt, dass uns hier erneut ein ganz besonderes Abenteuer mit einer sehr starken Story bevorsteht.

Ich kann jedenfalls den ersten Hypnosetermin – voraussichtlich im 2. Quartal 2007 – kaum noch erwarten.

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 09. September 2006

 

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