Paradise
Erscheinungsdatum: 07/2006
Entwickler: White Birds Productions
Publisher: Micro
Application / dtp/Anaconda
Spielsprache: Deutsch
Homepage
Ein Review von André 16. August 2006
Vor einiger Zeit kursierten Pressemeldungen wie diese:
" 'Gelobt sei unser
ruhmreicher und hellsichtiger Herrscher' - so bejubelt das Volk des Königreiches
Mauranien sein Staatsoberhaupt, König Rodon. Im Internet können sich Reiselustige und
Fans des kommenden Benoît Sokal-Adventures Paradise einen ersten Eindruck von dem Land
verschaffen, in dem der kommende Genre-Hit spielen wird: Das Königreich Mauranien liegt
in Afrika, ist orientalisch geprägt und vereint die unterschiedlichsten Territorien
miteinander.Von den malerischen Straßen der exotischen Hauptstadt Madargane bis zur
unglaublichen Smaragdmine in Zamarat, von den unberechenbaren Fluten des Maurane-Flusses
bis zu den Wüsten im Inneren des Landes bietet Mauranien eine Vielfalt überwältigender
Landschaften und für Touristen hervorragende Ausflugsziele.
Allerdings dürfte Mauranien derzeit kein bevorzugtes Reiseziel sein, denn das Land wird
von Unruhen erschüttert: "Heute in einer Zeit, in der sich unsere Feinde an unseren
Grenzen sammeln, müssen wir mehr denn je unsere Solidarität und Entschlossenheit unter
Beweis stellen. Mein ganzes Leben lang habe ich die Interessen meiner Landsleute und die
Unabhängigkeit unseres Vaterlandes verteidigt. Mauranien ist heute auf dem Weg in die
Moderne. Durch eine mutige Politik der Raumplanung ist es uns gelungen, unsere
Bodenschätze und den Reichtum unseres Landes zu verdoppeln", gibt sich König Rodon
kämpferisch. "Wir werden uns den Rebellen nicht beugen", fügt General
Mussungur, Befehlshaber der mauranischen Streitkräfte, hinzu. Dies erklärt er auf der
offiziellen Internetseite des Königreiches Mauranien, die unter www.mauranie-gov.com zu erreichen ist."
und diese:
"Mit sofortiger Wirkung
sagt das Fußball-Nationalteam des Königreiches Mauranien die Teilnahme an allen
internationalen Fußball-Großveranstaltungen ab. Darauf weist der mauranische
Fußballverband im Hinblick auf die morgen beginnende Fußball-Weltmeisterschaft hin. Wie
Rodon, König von Mauranien, persönlich mitteilt, gibt es in de afrikanischen Land
derzeit zu starke Unruhen. "Die Männer müssen für ihr Land bereitstehen und
können sich derzeit nicht mit sportlichen Wettkämpfen auseinandersetzen", so ein
Sprecher des Königsstabes.
Zudem zeigte sich der mauranische Fußballverbund erstaunt, dass das Nationalteam des
Landes immer noch nicht von internationalen Fußballorganisationen anerkannt wurde. Die
Absage sei auch als Aussage für die Zukunft zu werten und damit gleichermaßen ein
Protest, hieß es."
Um es kurz zu machen: das Land Mauranien gibt es gar nicht, das Ganze war eine Finte und
diente nur dazu, auf das kommende Spiel Paradise aufmerksam zu machen, welches eben in
jenem fiktiven Staat spielt. Das nenne ich mal wirklich eine originelle und
unkonventionelle Idee, auf amüsante Art ein Spiel zu bewerben.
Mal sehen, ob Paradise denn auch so gelungen ist wie seine Werbung.
Denn selten lagen die Erwartungen bei einem neuen Adventure so hoch. Waren es früher die
Spiele von Sierra oder Lucas Arts, welche die meisten der Adventurespieler begeistern
konnten, so sind es bei den Adventures der neuen Generation zuletzt unter anderem Spiele
wie The Longest Journey von Funcom sowie die beiden Syberia-Teile des Comic-Künstlers
Benoît Sokal gewesen, die für mich deren Stelle eingenommen haben und auch einen
Großteil der Adventurespieler für sich gewinnen konnten.
Grafik
Paradise hat von der Handlung natürlich nichts mit Syberia zu tun,
aber der Grafikstil Sokals ist unverkennbar und so wurden einige Stilelemente
aufgegriffen, welche an den Vorgänger erinnert. Zunächst tut sich direkt am Anfang
wieder ein mechanisches, metallenes Menü auf. Und auch verschiedene Maschinen oder ein
Boot im Introfilm sehen so aus, als hätten Hans und Oskar die Nieten höchstpersönlich
ins Material versenkt.
Die Protagonistin sieht zumindest vom Typ her tatsächlich ein wenig
so aus wie Kate mit dunklerer Hautfarbe und neuem Kurzhaarschnitt und spricht und verhält
sich ähnlich wie Kate. Sie trägt ebenfalls wieder einen ähnlichen, in erdfarben
gehaltenen Strenge-Lady-Look inklusive der enganliegenden Stoffhosen. Und natürlich
dürfen auch die Reiterstiefel nicht fehlen. Ein heimliches Faible Sokals? Egal, seine
Sache, mir solls recht sein.
Somit ist Sokal damit auf Nummer sicher gegangen und hat keinen
wirklich komplett neuen Charakter geschaffen. Es wurde indirekt doch ein wenig grafisch
hier und da an Syberia angeknüpft und der Übergang von Kate Walkers Mechanikwelt hin zum
neuen Spiel mit der neuen Identifikationsfigur Ann Smith fällt nicht ganz so schwer.
Ansonsten dominieren nach eigenen Angaben orientalische und
indische" Einflüsse, die hier "kunstvoll zu einer Einheit vermischt
werden". Ja, das kann man so stehen lassen. Man merkt, dass Sokal aus dem
Comic-Kunstbereich kommt. Er hat es einfach drauf und so wird auch dieses Mal das Auge des
Spielers mit seinen prachtvollen Grafiken und teilweise umwerfenden Animationen verwöhnt,
die ihm ja zu Recht schon genug Anerkennung gebracht haben. Allerdings lässt sich kaum
Mimik in den Gesichtern der Personen, die man oftmals auch nur im Dunkeln oder von hinten
sieht, ablesen. Anns Mimik erkennt man nur in den Nahaufnahmen der Zwischensequenzen. Und
auch die eine oder andere Bewegung, speziell das Aufnehmen/Benutzen von Gegenständen,
wird nur angedeutet und sieht etwas holprig aus.
Natürlich dürfen auch Tierdarstellungen wieder nicht fehlen. Diese
konnte man ja schon in Sokals Erstlingswerk Amerzone bewundern und sie ziehen sich seitdem
durch seine Spiele. Dabei ist offensichtlich, dass Sokal nicht immer Anspruch auf
Realitätsnähe stellt, denn viele dieser Tiere existierten gar nicht. Ich fand es immer
schon faszinierend, wie Sokal präzise bei der Natur Bewegungsabläufe und
Verhaltensweisen real existierender Tiere studiert hat und sie nun auf sein"
Getier (oft überzogen karikierend) kunstvoll überträgt. So mancher Spieler wird sich
sicher noch an merkwürdig, grinsende Wassersaurier in Amerzone oder völlig
überdimensionierte, gefährliche Pinguine und nicht zuletzt an das Yuki in Syberia 2
erinnern, dieser putzigen Mischung aus Hund und Eisbär.
Bei Paradise ist es ein schwarzer Leopard - in Expertenkreisen auch
Panther genannt - der nicht nur zu Dekorationszwecken eingebaut wurde, sondern eine
wichtige Rolle in der Handlung einnimmt und ins Spieldesign miteinbezogen wurde. Eine
schöne Studie des Kopfes des Miezekätzchens in Bewegung und Großaufnahme kann man schon
direkt auf dem Startbildschirm bewundern.
Und dann gibt es wieder zahlreiche der typischen Eigenkreationen.
Sokal hat eine Menge äußerst bizarrer Kreaturen entworfen, angefangen von einem fiktiven
Nager mit einer vom Verzehr alkoholischer Früchte geprägten Schnapsnase bis hin zum
Wüstenplattfisch, der sich statt durch Wasser durch den Wüstensand bewegt, wobei Sokal
es sich wohl zum Ziel gesetzt hat, die Tierchen aus Syberia in Sachen Phantasie noch zu
übertreffen.
Die dreidimensionalen Figuren wurden wunderbar in die
zweidimensionalen Szenen integriert, in denen sich die Protagonistin frei bewegen kann,
wobei die Hintergründe beim Laufen oft mitscrollen. Sowohl Menschen als auch Tiere wurden
abwechslungsreich und lebensecht gestaltet. Auch die Hintergründe wurden mit vielen
kleinen Details ausgestattet. Mal qualmt es oder regnet es, wobei die auf dem Boden
aufkommenden Tropfen sehr schön animiert wurden. Oder es wird feiner Nebel im Dschungel
sichtbar.
Handlung
Ort des Geschehens ist also Mauranien, irgendwo in Afrika. Das Land
ist von Krisen stark gebeutelt, da dem herrschsüchtigen, aber alterndem König Rodon
langsam die Zügel aus den Händen gleiten und Nachbarstaaten nun versuchen, den Thron mit
Macht an sich zu reißen. Deswegen bittet König Rodon seine Tochter, die im Ausland -
genauer gesagt in Genf - lebt und die er schon lange nicht mehr gesehen hat, um Hilfe.
Diese kommt der Bitte des Vaters nach. Auf dem Weg nach Mauranien wird ihr Flugzeug jedoch
von Bodenkämpfern angegriffen und stürzt ab. Sie wacht irgendwo in einem Harem auf, wo
sie feststellen muss, dass sie ihr Gedächtnis verloren hat. Von einer Dienerin bekommt
sie vorläufig den Namen Ann Smith.
Während Ann nun versucht, herauszufinden, wer sie wirklich ist und
sich bemüht, nach Europa zurückzugelangen, geschieht Unerwartetes. Sie begibt sich auf
eine abenteuerliche Reise quer durch Mauranien und stellt fest, dass sie längst schon
mehr mit den Ereignissen im Lande verbunden ist, als es scheint. Die Geschichte ist
spannend erzählt und es sind die vielen geheimnisvollen Orte und die vielen kleinen
Handlungsstränge, wodurch die Geschichte besonders im letzten Drittel immer mehr Dynamik
bekommt und zu begeistern weiß.
Übrigens schön, dass wir endlich auch mal eine farbige
Protagonistin spielen dürfen. Eigentlich ist es schade, dass das im dritten Jahrtausend
überhaupt noch thematisiert werden muss, aber ich erinnere mich auf Anhieb nicht, je ein
Adventure mit einer/em farbigen Darsteller/in gespielt zu haben. Nun, zumindest
Abenteuerspiele scheinen generell immer noch eine Domäne der Weißen zu sein.
Rätsel und andere Probleme
Hotspots bzw. Stellen in Szenenbildern, zu denen man Erklärungen
bekommt, wenn man sie anwählt, dienen ja normalerweise dazu, den Spielern die gewisse
Interaktivität und den Zugang zu der jeweiligen Spielwelt zu ermöglichen. Es gibt wie
bei Spielen von Sokal üblich, im Vergleich zu den meisten anderen Adventures, nach wie
vor sehr wenige dieser Stellen pro Bild. Ein Bisschen interaktiver könnte es zwar sein,
aber das stört mich speziell bei diesem Spiel gar nicht mal so sehr, denn Paradise
versetzt den Spieler wieder in eine Traumwelt, die faszinierend genug ist, ohne viele
Beschreibungen auszukommen.
An Rätseln ist alles vertreten: Die Palette reicht dabei von
einfach bis relativ schwer. Beim Baumdorf der Ureinwohner - wie ich sie mal nennen möchte
- kann es nicht schaden, wegen der ständig wechselnden Perspektiven eine Karte zu
zeichnen. Es gibt einige Laufwege und wieder die typischen, leicht antiquiert wirkenden
Maschinen im Antiklook, die man reparieren, modifizieren oder einfach nur benutzen muss. Ein Film
will z.B. entwickelt und ein Bild vergrößert werden. Ein Auto braucht Teile für den
Motor und ein merkwürdiges Dampfbad soll für die Hauptfrau des Harems vorbereitet werden
usw.. Es gibt wirklich sehr, sehr viele kleine Aufgaben und Rätsel. Darunter findet man
auch ein-zwei einfache, kurze Passagen, in denen halbwegs schnell gehandelt muss. So
rennen wir im rechten Moment an ein paar uns nicht sehr wohl gesonnenen Tierchen vorbei
oder hüpfen grazil wie die junge Biene Maja von Seerosenblatt zu Seerosenblatt über
einen Teich.
Sehr schön ist auch, wie flexibel die Non-Player-Charaktere
programmiert sind. Hat man ein Gespräch mit dem Gärtner geführt, kann es sein, dass er
vor deinen Augen loslatscht und man ihn in einer anderen Gartenszene wiederfindet, wo man
ihn dann gegebenenfalls wieder ansprechen kann.
Allerdings wirken viele Rätsel oft unausgegoren und es gibt sehr
viele Kleinigkeiten, die den Spieler fragend im Regen stehen lassen. Zum einen ist die
Aufgabenstellung oft schwammig und man weiß gar nicht, was denn die Zielsetzung ist oder
die Lösung ist abwegig. Etwa wenn man mit einer merkwürdigen Maschine Kokosnüsse
spalten soll und es partout nicht gelingen will. Und auch ein Angelspiel hat mehr mit
Glück bzw. Geduld als mit Können zu tun. Mal sind die Dialoge gelinde ausgedrückt
äußerst kryptisch und aus den Gesprächen ist nicht viel Sinnvolles zu entnehmen. Viele
der Nebencharaktere geben sich äußerst wortkarg, pflaumen einen an oder geben lediglich
ein paar nervige Zischlaute von sich, so dass ich nach einer Weile gar keine Lust mehr
hatte, ihnen Antworten zu entlocken.
Auch begeisterte nicht wirklich, dass man - besonders anfangs - die
Schauplätze immer wieder einfach nur ablaufen muss, um einen Trigger auszulösen. Und
etliche Male fand ich auch das Pixelhunting nervig: Im Palast gibt es z.B. einen riesigen,
mehrere Bildszenen umfassenden Pool. Aber nur aus einer bestimmten Perspektive an einer
verhältnismäßig kleinen Stelle kann man Wasser schöpfen, obwohl alle anderen Stellen
theoretisch genausogut geeignet wären. Aber es geht noch kleiner und so sucht man sich
auch in vielen anderen Szenen einen Wolf. Denn viele Gegenstände heben sich kaum vom
Hintergrund ab. Das Ganze endet in einem magischen Ritual mit dem Voodoopriester in Form
einer Pixelsuchorgie als einer Art Haupträtsel, wo sich die Hotspots zudem noch
überschneiden.
Probleme: Mein Bug, Dein Bug - Bug ist für uns alle da!
Oft stellen sich die Spieler ja die Frage, warum denn der
Veröffentlichungstermin für dieses oder jenes Spiel denn schon wieder verschoben würde.
Man arbeite an den Feinheiten, heißt es dann oft von Seiten der Hersteller. Letzte Fehler
seien noch auszuräumen. Bei Paradise kommt allerdings der Wunsch auf, es wäre noch ein
Weilchen bis zur endgültigen Fertigstellung in der Adventure-Reparatur-Werkstatt
geblieben.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass die beschriebenen
Schwierigkeiten sowohl mit der Previewversion als auch mit der fertigen Version auftraten.
Es lässt sich im Internet bereits nachlesen, dass alle von mir beschriebenen Fehler auch
bei anderen Spielern auftraten. Sie sind auch in der endgültigen Version noch nicht
behoben. Es ist sinnvoll, nach jedem Schritt abzuspeichern. Hier ist etwas richtig im
Argen.
Achtung Spoiler: Die ausführliche
Bugbeschreibung folgt auf einer Extraseite.
Ansonsten sind es Kleinigkeiten, die auffallen: Aicha, eindeutig dem
weiblichen Geschlecht zugehörig, wird in Texten manchmal mit maskulinen Pronomen
versehen. Obwohl: Bei dem ganzen Genderchanging heutzutage kann man sich ja so genau nicht
sicher sein :). Und es gibt auch schon mal lustige Wortgebilde wie: "Möchten Sie die
Nacht den Leoparden beenden, um in die Abenteuer weiter zu gehen?". Einmal ist mein
Charakter auch schlicht und ergreifend mir nichts dir nichts von der Bildfläche
verschwunden.
Mit der Steuerung kann man leben, aber als optimal habe ich sie
wegen ihrer Ungenauigkeit nicht empfunden. So klickt man beispielsweise mehrmals eine
Pfeiltaste an, ohne dass Ann sich auch nur im Geringsten genötigt sieht, in die
entsprechende Richtung zu schlendern. Es gibt aber auch die andere Möglichkeit, dass wir
in die eine Richtung klicken und Ann in die entgegengesetzte läuft, wenn man nicht genau
den Bildausgang trifft.
So, das waren nur die Fehler, die während meines
Spiels auftraten. Hoffen wir also, dass ein Patch schleunigst Abhilfe schafft. Denn alles
in allem sorgten die ganzen Fehler im Zusammenhang mit manch frustrierender
Rätselgestaltung, dass ich nach einer Weile, sobald es stockte, schnell misstrauisch den
nächsten Fehler vermutend zur Komplettlösung gegriffen und hinterher große Teile nur
noch so gespielt habe!
Sound
Es gibt zahlreiche Hintergrundmusiken, die mir gut gefielen und die
sich meistens unaufdringlich, aber sehr gut ins Spiel einfügten. Die meist orientalischen
Tracks sind im Stile von Filmmelodien gehalten und einer besitzt nach kurzer Zeit einen
recht hohen Wiedererkennungswert, auch wenn er mit dem schönen Soundtrack von Syberia
nicht mithalten kann. Geschehen wichtige Ereignisse, wird es spannend oder dramatisch,
werden diese Situationen gekonnt von entsprechender Musik begleitet.
Die Stimmen wurden gewohnt professionell eingesprochen. Ann Smith
wird von der Schauspielerin und Synchronsprecherin Kerstin Draeger (u.a. Tatort Tod
im Elefantenhaus") und König Rodon von Hörspielsprecher Holger Löwenberg
synchronisiert. So manch verschrobener Nebencharakter wurde ebenfalls passend besetzt. Und
auch die anderen Sounds und Effekte sind stimmig. Im Dschungel knackt, fiept und
zwitschert es überall professionell und auch das Kätzchen auf dem Startbildschirm knurrt
amtlich.
Handling
Auf die etwas schwammige Steuerung bin ich ja bereits im Abschnitt
Probleme" eingegangen. Paradise spielt generell in der dritten Person. Bereiche
mit wichtigen Informationen oder Aufgaben bekommt man noch einmal in der Egoperspektive
gezeigt, um sie genauer untersuchen zu können. In dieser Perspektive erscheint dann unten
rechts ein Steuerkreuz mit den vier Richtungstasten und einem X in der Mitte. Mit dem
Steuerkreuz lassen sich die jeweils erforderlichen Aufgaben verrichten. Bei einem Buch
kann man z.B. mit den Pfeiltasten schlicht und ergreifend umblättern. X steht für
verlassen der Nahansicht. So einfach ist das.
Es gibt wie gesagt das typische Sokal-Metall-Menü", in
welchem man in gewohnter Weise übersichtlich aus allen wichtigen Optionen auswählen
kann. Darunter befinden sich auch so wichtige Funktionen wie ein- bzw. ausschaltbare
Untertitel und getrennte Regelung von Effekten und Musik. Speicherplätze gibt es
unbegrenzt. Man muss vorher einen von vier möglichen Ordnern anlegen und Spielstände
werden dann nur mit Datum und Uhrzeit sowie zugehörigem Mini-Bildchen der jeweiligen
Spielposition in diesen Ordner gespeichert.
Im Menü findet man auch noch andere Funktionen wie die Darstellung
der Schatten in 2D oder 3D, falls die Grafikkarte so langsam schlappmachen sollte.
Antialiasing, 3D SFX und sogar die Farbe der Untertitel kann man ebenfalls auswählen.
Per Doppelklick wechselt Ann von Trab in den Galopp. Man kann
zwischen einem animierten und unanimierten Cursor auswählen, wobei der animierte etwas
langsam aufbaut und dadurch die Befehle nicht so schnell eindeutig erkennbar sind. Ich bin
mit dem unanimierten besser klar gekommen und habe schnell darauf umgestellt. Wir
kontrollieren vorübergehend noch einen weiteren Charakter, wobei die Steuerung noch
ruckeliger wird.
Installation
Falls das Spiel nicht direkt starten sollte, könnte es daran
liegen, dass die Überprüfung auf eine aktuelle Version von Direkt X nicht funktioniert
hat. Nach einem zweiten Versuch startete das Spiel bei mir allerdings ordnungsgemäß.
Der Starforce-Kopierschutz der Previewversion wurde in der
Verkaufsversion durch einen sanfteren" Kopierschutz ersetzt. Ich muss gestehen,
dass ich nie Probleme mit Starforce hatte. Allerdings gab es wohl bei vielen anderen
Spielern massive Schwierigkeiten mit diesem Programm, so dass ein anderer,
sanfterer" Kopierschutz durchaus Sinn ergibt. Bei mir funktionierte das Spiel
mit beiden Kopierschutzfunktionen einwandfrei.
Fazit
Syberia ist eines dieser Spiele gewesen, bei dem alle Faktoren
gestimmt haben, um diesen ganz besonderen Klassiker entstehen zu lassen. Es war natürlich
klar, dass es mit Paradise sehr schwer sein würde, das Niveau des Vorgängers zu halten
bzw. zu überbieten, und dieses Ziel wird wegen etlicher Schwächen auch nicht erreicht.
Fangen wir mit den Rätseln an: Eigentlich ist alles von sehr einfachen bis relativ
schwierigeren Aufgaben vertreten und viele der Rätsel sind logisch aufgebaut. Dem
gegenüber stehen aber auch viele eher kryptische Rätsel mit teilweise merkwürdigen
Lösungen oder frustrierenden Pixelsuchereien.
Es gibt extrem viele technische Probleme. Hier sollte ein großer
Patch schleunigst Abhilfe schaffen.
Davon abgesehen - Paradise ist auch unverkennbar ein echter Sokal!
Das heißt, die Grafik ist natürlich einzigartig. Der malerische und kunstvolle Stil
Sokals ist unverkennbar und zog mich schnell in ihren Bann. Die märchenhafte Spielwelt
ist wie gewohnt wunderschön gelungen und besonders die Zwischensequenzen sehen teilweise
umwerfend gut aus. Und so ist ihm losgelöst vom Vorgänger ein schönes Spiel gelungen,
das vom Grund her genügend Qualitäten besitzt, um nach wie vor aus der Masse der
Adventures herauszustechen. Paradise verfügt über eine ordentliche Spielzeit und die
Geschichte an sich ist auf jeden Fall sehr spannend. Aber während Syberia mich von der
ersten Minute an gepackt hatte, kommt die Handlung im Harem verhältnismäßig langsam ins
Rollen, gerät mit zunehmender Spieldauer erst in Fahrt um in einem sehr überraschenden
Finale zu enden.
Allerdings beschleicht mich der dringende Verdacht, dass Sokal zwar
bemüht war, sein Soll zu erfüllen, nämlich ein Spiel nach dem Schema von Syberia zu
schaffen, ansonsten aber etwas lustlos beim Ausarbeiten der Details bzw. Charaktere war.
So gibt es keine so intensiven Gänsehautmomente und Schlüsselszenen. Und nicht zuletzt
beim Hauptcharakter hätte man ebenfalls etwas mutiger sein können und einen etwas
eigenständigeren erschaffen können. Uns wird Ann emotional nicht ganz so nahe gebracht,
wie das bei Kate gelungen ist. Und auch so ausdrucksstarke Neben"-Charaktere
wie Hans oder Oskar (welche ja fast schon Hauptcharaktere sind), mit denen man gelitten
und sich gefreut hat, fehlen. Es liegt nicht zuletzt auch am Fehlen der tiefergehenden
Dialoge, dass man wenig über die Charaktere erfährt. Wenn es ausladendere Gespräche
gibt, sind diese meist zweckdienlich, aber eher belanglos und der Spieler erfährt
eigentlich nichts über Anns Gedankenwelt oder Gefühle. Was unterm Strich übrig bleibt,
ist neben vielen starken Momenten also auch ein zwiespältiger Eindruck, den ich bei den
anderen Spielen Sokals zuvor nie hatte. Er kann es definitiv besser!
Gesamtwertung: 74%
Bewertungssystem
Adventure-Archiv:
- 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
- 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
- 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
- 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
- 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für
Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
- 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)
Systemvoraussetzungen:
- Windows 98SE/ME/2000/XP
- Pentium III 800 MHz
- 256 MB RAM
- Geforce 2/Radeon 7000, 64 MB Grafikkarte (DirectX 9.0c
kompatibel)
- DirectX 9.0c kompatible Soundkarte
- 2 GB freier Festplattenspeicher
Gespielt unter:
- Win XP
- AMD Athlon XP 1800
- 512 MB RAM
- Grafikkarte Radeon 9200 Series
- DVD-Laufwerk
Festplatte 60 GB
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