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Paradise


Erscheinungsdatum: 07/2006
Entwickler: White Birds Productions
Publisher: Micro Application / dtp/Anaconda
Spielsprache: Deutsch


Homepage

 

 

Ein Review von   André   16. August 2006

 

Vor einiger Zeit kursierten Pressemeldungen wie diese:

" 'Gelobt sei unser ruhmreicher und hellsichtiger Herrscher' - so bejubelt das Volk des Königreiches Mauranien sein Staatsoberhaupt, König Rodon. Im Internet können sich Reiselustige und Fans des kommenden Benoît Sokal-Adventures Paradise einen ersten Eindruck von dem Land verschaffen, in dem der kommende Genre-Hit spielen wird: Das Königreich Mauranien liegt in Afrika, ist orientalisch geprägt und vereint die unterschiedlichsten Territorien miteinander.Von den malerischen Straßen der exotischen Hauptstadt Madargane bis zur unglaublichen Smaragdmine in Zamarat, von den unberechenbaren Fluten des Maurane-Flusses bis zu den Wüsten im Inneren des Landes bietet Mauranien eine Vielfalt überwältigender Landschaften und für Touristen hervorragende Ausflugsziele.
Allerdings dürfte Mauranien derzeit kein bevorzugtes Reiseziel sein, denn das Land wird von Unruhen erschüttert: "Heute in einer Zeit, in der sich unsere Feinde an unseren Grenzen sammeln, müssen wir mehr denn je unsere Solidarität und Entschlossenheit unter Beweis stellen. Mein ganzes Leben lang habe ich die Interessen meiner Landsleute und die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes verteidigt. Mauranien ist heute auf dem Weg in die Moderne. Durch eine mutige Politik der Raumplanung ist es uns gelungen, unsere Bodenschätze und den Reichtum unseres Landes zu verdoppeln", gibt sich König Rodon kämpferisch. "Wir werden uns den Rebellen nicht beugen", fügt General Mussungur, Befehlshaber der mauranischen Streitkräfte, hinzu. Dies erklärt er auf der offiziellen Internetseite des Königreiches Mauranien, die unter www.mauranie-gov.com zu erreichen ist."

und diese:

"Mit sofortiger Wirkung sagt das Fußball-Nationalteam des Königreiches Mauranien die Teilnahme an allen internationalen Fußball-Großveranstaltungen ab. Darauf weist der mauranische Fußballverband im Hinblick auf die morgen beginnende Fußball-Weltmeisterschaft hin. Wie Rodon, König von Mauranien, persönlich mitteilt, gibt es in de afrikanischen Land derzeit zu starke Unruhen. "Die Männer müssen für ihr Land bereitstehen und können sich derzeit nicht mit sportlichen Wettkämpfen auseinandersetzen", so ein Sprecher des Königsstabes.
Zudem zeigte sich der mauranische Fußballverbund erstaunt, dass das Nationalteam des Landes immer noch nicht von internationalen Fußballorganisationen anerkannt wurde. Die Absage sei auch als Aussage für die Zukunft zu werten und damit gleichermaßen ein Protest, hieß es."

Um es kurz zu machen: das Land Mauranien gibt es gar nicht, das Ganze war eine Finte und diente nur dazu, auf das kommende Spiel Paradise aufmerksam zu machen, welches eben in jenem fiktiven Staat spielt. Das nenne ich mal wirklich eine originelle und unkonventionelle Idee, auf amüsante Art ein Spiel zu bewerben.

Mal sehen, ob Paradise denn auch so gelungen ist wie seine Werbung. Denn selten lagen die Erwartungen bei einem neuen Adventure so hoch. Waren es früher die Spiele von Sierra oder Lucas Arts, welche die meisten der Adventurespieler begeistern konnten, so sind es bei den Adventures der neuen Generation zuletzt unter anderem Spiele wie The Longest Journey von Funcom sowie die beiden Syberia-Teile des Comic-Künstlers Benoît Sokal gewesen, die für mich deren Stelle eingenommen haben und auch einen Großteil der Adventurespieler für sich gewinnen konnten.

Grafik

Paradise hat von der Handlung natürlich nichts mit Syberia zu tun, aber der Grafikstil Sokals ist unverkennbar und so wurden einige Stilelemente aufgegriffen, welche an den Vorgänger erinnert. Zunächst tut sich direkt am Anfang wieder ein mechanisches, metallenes Menü auf. Und auch verschiedene Maschinen oder ein Boot im Introfilm sehen so aus, als hätten Hans und Oskar die Nieten höchstpersönlich ins Material versenkt.

Die Protagonistin sieht zumindest vom Typ her tatsächlich ein wenig so aus wie Kate mit dunklerer Hautfarbe und neuem Kurzhaarschnitt und spricht und verhält sich ähnlich wie Kate. Sie trägt ebenfalls wieder einen ähnlichen, in erdfarben gehaltenen Strenge-Lady-Look inklusive der enganliegenden Stoffhosen. Und natürlich dürfen auch die Reiterstiefel nicht fehlen. Ein heimliches Faible Sokals? Egal, seine Sache, mir soll’s recht sein.

Somit ist Sokal damit auf Nummer sicher gegangen und hat keinen wirklich komplett neuen Charakter geschaffen. Es wurde indirekt doch ein wenig grafisch hier und da an Syberia angeknüpft und der Übergang von Kate Walkers Mechanikwelt hin zum neuen Spiel mit der neuen Identifikationsfigur Ann Smith fällt nicht ganz so schwer.

Ansonsten dominieren nach eigenen Angaben „orientalische und indische" Einflüsse, die hier "kunstvoll zu einer Einheit vermischt werden". Ja, das kann man so stehen lassen. Man merkt, dass Sokal aus dem Comic-Kunstbereich kommt. Er hat es einfach drauf und so wird auch dieses Mal das Auge des Spielers mit seinen prachtvollen Grafiken und teilweise umwerfenden Animationen verwöhnt, die ihm ja zu Recht schon genug Anerkennung gebracht haben. Allerdings lässt sich kaum Mimik in den Gesichtern der Personen, die man oftmals auch nur im Dunkeln oder von hinten sieht, ablesen. Anns Mimik erkennt man nur in den Nahaufnahmen der Zwischensequenzen. Und auch die eine oder andere Bewegung, speziell das Aufnehmen/Benutzen von Gegenständen, wird nur angedeutet und sieht etwas holprig aus.

Natürlich dürfen auch Tierdarstellungen wieder nicht fehlen. Diese konnte man ja schon in Sokals Erstlingswerk Amerzone bewundern und sie ziehen sich seitdem durch seine Spiele. Dabei ist offensichtlich, dass Sokal nicht immer Anspruch auf Realitätsnähe stellt, denn viele dieser Tiere existierten gar nicht. Ich fand es immer schon faszinierend, wie Sokal präzise bei der Natur Bewegungsabläufe und Verhaltensweisen real existierender Tiere studiert hat und sie nun auf „sein" Getier (oft überzogen karikierend) kunstvoll überträgt. So mancher Spieler wird sich sicher noch an merkwürdig, grinsende Wassersaurier in Amerzone oder völlig überdimensionierte, gefährliche Pinguine und nicht zuletzt an das Yuki in Syberia 2 erinnern, dieser putzigen Mischung aus Hund und Eisbär.

Bei Paradise ist es ein schwarzer Leopard - in Expertenkreisen auch Panther genannt - der nicht nur zu Dekorationszwecken eingebaut wurde, sondern eine wichtige Rolle in der Handlung einnimmt und ins Spieldesign miteinbezogen wurde. Eine schöne Studie des Kopfes des Miezekätzchens in Bewegung und Großaufnahme kann man schon direkt auf dem Startbildschirm bewundern.

Und dann gibt es wieder zahlreiche der typischen Eigenkreationen. Sokal hat eine Menge äußerst bizarrer Kreaturen entworfen, angefangen von einem fiktiven Nager mit einer vom Verzehr alkoholischer Früchte geprägten Schnapsnase bis hin zum Wüstenplattfisch, der sich statt durch Wasser durch den Wüstensand bewegt, wobei Sokal es sich wohl zum Ziel gesetzt hat, die Tierchen aus Syberia in Sachen Phantasie noch zu übertreffen.

Die dreidimensionalen Figuren wurden wunderbar in die zweidimensionalen Szenen integriert, in denen sich die Protagonistin frei bewegen kann, wobei die Hintergründe beim Laufen oft mitscrollen. Sowohl Menschen als auch Tiere wurden abwechslungsreich und lebensecht gestaltet. Auch die Hintergründe wurden mit vielen kleinen Details ausgestattet. Mal qualmt es oder regnet es, wobei die auf dem Boden aufkommenden Tropfen sehr schön animiert wurden. Oder es wird feiner Nebel im Dschungel sichtbar.

Handlung

Ort des Geschehens ist also Mauranien, irgendwo in Afrika. Das Land ist von Krisen stark gebeutelt, da dem herrschsüchtigen, aber alterndem König Rodon langsam die Zügel aus den Händen gleiten und Nachbarstaaten nun versuchen, den Thron mit Macht an sich zu reißen. Deswegen bittet König Rodon seine Tochter, die im Ausland - genauer gesagt in Genf - lebt und die er schon lange nicht mehr gesehen hat, um Hilfe. Diese kommt der Bitte des Vaters nach. Auf dem Weg nach Mauranien wird ihr Flugzeug jedoch von Bodenkämpfern angegriffen und stürzt ab. Sie wacht irgendwo in einem Harem auf, wo sie feststellen muss, dass sie ihr Gedächtnis verloren hat. Von einer Dienerin bekommt sie vorläufig den Namen Ann Smith.

Während Ann nun versucht, herauszufinden, wer sie wirklich ist und sich bemüht, nach Europa zurückzugelangen, geschieht Unerwartetes. Sie begibt sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch Mauranien und stellt fest, dass sie längst schon mehr mit den Ereignissen im Lande verbunden ist, als es scheint. Die Geschichte ist spannend erzählt und es sind die vielen geheimnisvollen Orte und die vielen kleinen Handlungsstränge, wodurch die Geschichte besonders im letzten Drittel immer mehr Dynamik bekommt und zu begeistern weiß.

Übrigens schön, dass wir endlich auch mal eine farbige Protagonistin spielen dürfen. Eigentlich ist es schade, dass das im dritten Jahrtausend überhaupt noch thematisiert werden muss, aber ich erinnere mich auf Anhieb nicht, je ein Adventure mit einer/em farbigen Darsteller/in gespielt zu haben. Nun, zumindest Abenteuerspiele scheinen generell immer noch eine Domäne der Weißen zu sein.

 

Rätsel und andere Probleme

Hotspots bzw. Stellen in Szenenbildern, zu denen man Erklärungen bekommt, wenn man sie anwählt, dienen ja normalerweise dazu, den Spielern die gewisse Interaktivität und den Zugang zu der jeweiligen Spielwelt zu ermöglichen. Es gibt wie bei Spielen von Sokal üblich, im Vergleich zu den meisten anderen Adventures, nach wie vor sehr wenige dieser Stellen pro Bild. Ein Bisschen interaktiver könnte es zwar sein, aber das stört mich speziell bei diesem Spiel gar nicht mal so sehr, denn Paradise versetzt den Spieler wieder in eine Traumwelt, die faszinierend genug ist, ohne viele Beschreibungen auszukommen.

An Rätseln ist alles vertreten: Die Palette reicht dabei von einfach bis relativ schwer. Beim Baumdorf der Ureinwohner - wie ich sie mal nennen möchte - kann es nicht schaden, wegen der ständig wechselnden Perspektiven eine Karte zu zeichnen. Es gibt einige Laufwege und wieder die typischen, leicht antiquiert wirkenden Maschinen im Antiklook, die man reparieren, modifizieren oder einfach nur benutzen muss. Ein Film will z.B. entwickelt und ein Bild vergrößert werden. Ein Auto braucht Teile für den Motor und ein merkwürdiges Dampfbad soll für die Hauptfrau des Harems vorbereitet werden usw.. Es gibt wirklich sehr, sehr viele kleine Aufgaben und Rätsel. Darunter findet man auch ein-zwei einfache, kurze Passagen, in denen halbwegs schnell gehandelt muss. So rennen wir im rechten Moment an ein paar uns nicht sehr wohl gesonnenen Tierchen vorbei oder hüpfen grazil wie die junge Biene Maja von Seerosenblatt zu Seerosenblatt über einen Teich.

Sehr schön ist auch, wie flexibel die Non-Player-Charaktere programmiert sind. Hat man ein Gespräch mit dem Gärtner geführt, kann es sein, dass er vor deinen Augen loslatscht und man ihn in einer anderen Gartenszene wiederfindet, wo man ihn dann gegebenenfalls wieder ansprechen kann.

Allerdings wirken viele Rätsel oft unausgegoren und es gibt sehr viele Kleinigkeiten, die den Spieler fragend im Regen stehen lassen. Zum einen ist die Aufgabenstellung oft schwammig und man weiß gar nicht, was denn die Zielsetzung ist oder die Lösung ist abwegig. Etwa wenn man mit einer merkwürdigen Maschine Kokosnüsse spalten soll und es partout nicht gelingen will. Und auch ein Angelspiel hat mehr mit Glück bzw. Geduld als mit Können zu tun. Mal sind die Dialoge gelinde ausgedrückt äußerst kryptisch und aus den Gesprächen ist nicht viel Sinnvolles zu entnehmen. Viele der Nebencharaktere geben sich äußerst wortkarg, pflaumen einen an oder geben lediglich ein paar nervige Zischlaute von sich, so dass ich nach einer Weile gar keine Lust mehr hatte, ihnen Antworten zu entlocken.

Auch begeisterte nicht wirklich, dass man - besonders anfangs - die Schauplätze immer wieder einfach nur ablaufen muss, um einen Trigger auszulösen. Und etliche Male fand ich auch das Pixelhunting nervig: Im Palast gibt es z.B. einen riesigen, mehrere Bildszenen umfassenden Pool. Aber nur aus einer bestimmten Perspektive an einer verhältnismäßig kleinen Stelle kann man Wasser schöpfen, obwohl alle anderen Stellen theoretisch genausogut geeignet wären. Aber es geht noch kleiner und so sucht man sich auch in vielen anderen Szenen einen Wolf. Denn viele Gegenstände heben sich kaum vom Hintergrund ab. Das Ganze endet in einem magischen Ritual mit dem Voodoopriester in Form einer Pixelsuchorgie als einer Art Haupträtsel, wo sich die Hotspots zudem noch überschneiden.

Probleme: Mein Bug, Dein Bug - Bug ist für uns alle da!

Oft stellen sich die Spieler ja die Frage, warum denn der Veröffentlichungstermin für dieses oder jenes Spiel denn schon wieder verschoben würde. Man arbeite an den Feinheiten, heißt es dann oft von Seiten der Hersteller. Letzte Fehler seien noch auszuräumen. Bei Paradise kommt allerdings der Wunsch auf, es wäre noch ein Weilchen bis zur endgültigen Fertigstellung in der Adventure-Reparatur-Werkstatt geblieben.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass die beschriebenen Schwierigkeiten sowohl mit der Previewversion als auch mit der fertigen Version auftraten. Es lässt sich im Internet bereits nachlesen, dass alle von mir beschriebenen Fehler auch bei anderen Spielern auftraten. Sie sind auch in der endgültigen Version noch nicht behoben. Es ist sinnvoll, nach jedem Schritt abzuspeichern. Hier ist etwas richtig im Argen.

Achtung Spoiler: Die ausführliche Bugbeschreibung folgt auf einer Extraseite.

Ansonsten sind es Kleinigkeiten, die auffallen: Aicha, eindeutig dem weiblichen Geschlecht zugehörig, wird in Texten manchmal mit maskulinen Pronomen versehen. Obwohl: Bei dem ganzen Genderchanging heutzutage kann man sich ja so genau nicht sicher sein :). Und es gibt auch schon mal lustige Wortgebilde wie: "Möchten Sie die Nacht den Leoparden beenden, um in die Abenteuer weiter zu gehen?". Einmal ist mein Charakter auch schlicht und ergreifend mir nichts dir nichts von der Bildfläche verschwunden.

Mit der Steuerung kann man leben, aber als optimal habe ich sie wegen ihrer Ungenauigkeit nicht empfunden. So klickt man beispielsweise mehrmals eine Pfeiltaste an, ohne dass Ann sich auch nur im Geringsten genötigt sieht, in die entsprechende Richtung zu schlendern. Es gibt aber auch die andere Möglichkeit, dass wir in die eine Richtung klicken und Ann in die entgegengesetzte läuft, wenn man nicht genau den Bildausgang trifft.

So, das waren nur die Fehler, die während meines Spiels auftraten. Hoffen wir also, dass ein Patch schleunigst Abhilfe schafft. Denn alles in allem sorgten die ganzen Fehler im Zusammenhang mit manch frustrierender Rätselgestaltung, dass ich nach einer Weile, sobald es stockte, schnell misstrauisch den nächsten Fehler vermutend zur Komplettlösung gegriffen und hinterher große Teile nur noch so gespielt habe!

 

Sound

Es gibt zahlreiche Hintergrundmusiken, die mir gut gefielen und die sich meistens unaufdringlich, aber sehr gut ins Spiel einfügten. Die meist orientalischen Tracks sind im Stile von Filmmelodien gehalten und einer besitzt nach kurzer Zeit einen recht hohen Wiedererkennungswert, auch wenn er mit dem schönen Soundtrack von Syberia nicht mithalten kann. Geschehen wichtige Ereignisse, wird es spannend oder dramatisch, werden diese Situationen gekonnt von entsprechender Musik begleitet.

Die Stimmen wurden gewohnt professionell eingesprochen. Ann Smith wird von der Schauspielerin und Synchronsprecherin Kerstin Draeger (u.a. Tatort „Tod im Elefantenhaus") und König Rodon von Hörspielsprecher Holger Löwenberg synchronisiert. So manch verschrobener Nebencharakter wurde ebenfalls passend besetzt. Und auch die anderen Sounds und Effekte sind stimmig. Im Dschungel knackt, fiept und zwitschert es überall professionell und auch das Kätzchen auf dem Startbildschirm knurrt amtlich.

Handling

Auf die etwas schwammige Steuerung bin ich ja bereits im Abschnitt „Probleme" eingegangen. Paradise spielt generell in der dritten Person. Bereiche mit wichtigen Informationen oder Aufgaben bekommt man noch einmal in der Egoperspektive gezeigt, um sie genauer untersuchen zu können. In dieser Perspektive erscheint dann unten rechts ein Steuerkreuz mit den vier Richtungstasten und einem X in der Mitte. Mit dem Steuerkreuz lassen sich die jeweils erforderlichen Aufgaben verrichten. Bei einem Buch kann man z.B. mit den Pfeiltasten schlicht und ergreifend umblättern. X steht für verlassen der Nahansicht. So einfach ist das.

Es gibt wie gesagt das typische „Sokal-Metall-Menü", in welchem man in gewohnter Weise übersichtlich aus allen wichtigen Optionen auswählen kann. Darunter befinden sich auch so wichtige Funktionen wie ein- bzw. ausschaltbare Untertitel und getrennte Regelung von Effekten und Musik. Speicherplätze gibt es unbegrenzt. Man muss vorher einen von vier möglichen Ordnern anlegen und Spielstände werden dann nur mit Datum und Uhrzeit sowie zugehörigem Mini-Bildchen der jeweiligen Spielposition in diesen Ordner gespeichert.

Im Menü findet man auch noch andere Funktionen wie die Darstellung der Schatten in 2D oder 3D, falls die Grafikkarte so langsam schlappmachen sollte. Antialiasing, 3D SFX und sogar die Farbe der Untertitel kann man ebenfalls auswählen.

Per Doppelklick wechselt Ann von Trab in den Galopp. Man kann zwischen einem animierten und unanimierten Cursor auswählen, wobei der animierte etwas langsam aufbaut und dadurch die Befehle nicht so schnell eindeutig erkennbar sind. Ich bin mit dem unanimierten besser klar gekommen und habe schnell darauf umgestellt. Wir kontrollieren vorübergehend noch einen weiteren Charakter, wobei die Steuerung noch ruckeliger wird.

Installation

Falls das Spiel nicht direkt starten sollte, könnte es daran liegen, dass die Überprüfung auf eine aktuelle Version von Direkt X nicht funktioniert hat. Nach einem zweiten Versuch startete das Spiel bei mir allerdings ordnungsgemäß.

Der Starforce-Kopierschutz der Previewversion wurde in der Verkaufsversion durch einen „sanfteren" Kopierschutz ersetzt. Ich muss gestehen, dass ich nie Probleme mit Starforce hatte. Allerdings gab es wohl bei vielen anderen Spielern massive Schwierigkeiten mit diesem Programm, so dass ein anderer, „sanfterer" Kopierschutz durchaus Sinn ergibt. Bei mir funktionierte das Spiel mit beiden Kopierschutzfunktionen einwandfrei.

Fazit

Syberia ist eines dieser Spiele gewesen, bei dem alle Faktoren gestimmt haben, um diesen ganz besonderen Klassiker entstehen zu lassen. Es war natürlich klar, dass es mit Paradise sehr schwer sein würde, das Niveau des Vorgängers zu halten bzw. zu überbieten, und dieses Ziel wird wegen etlicher Schwächen auch nicht erreicht. Fangen wir mit den Rätseln an: Eigentlich ist alles von sehr einfachen bis relativ schwierigeren Aufgaben vertreten und viele der Rätsel sind logisch aufgebaut. Dem gegenüber stehen aber auch viele eher kryptische Rätsel mit teilweise merkwürdigen Lösungen oder frustrierenden Pixelsuchereien.

Es gibt extrem viele technische Probleme. Hier sollte ein großer Patch schleunigst Abhilfe schaffen.

Davon abgesehen - Paradise ist auch unverkennbar ein echter Sokal! Das heißt, die Grafik ist natürlich einzigartig. Der malerische und kunstvolle Stil Sokals ist unverkennbar und zog mich schnell in ihren Bann. Die märchenhafte Spielwelt ist wie gewohnt wunderschön gelungen und besonders die Zwischensequenzen sehen teilweise umwerfend gut aus. Und so ist ihm losgelöst vom Vorgänger ein schönes Spiel gelungen, das vom Grund her genügend Qualitäten besitzt, um nach wie vor aus der Masse der Adventures herauszustechen. Paradise verfügt über eine ordentliche Spielzeit und die Geschichte an sich ist auf jeden Fall sehr spannend. Aber während Syberia mich von der ersten Minute an gepackt hatte, kommt die Handlung im Harem verhältnismäßig langsam ins Rollen, gerät mit zunehmender Spieldauer erst in Fahrt um in einem sehr überraschenden Finale zu enden.

Allerdings beschleicht mich der dringende Verdacht, dass Sokal zwar bemüht war, sein Soll zu erfüllen, nämlich ein Spiel nach dem Schema von Syberia zu schaffen, ansonsten aber etwas lustlos beim Ausarbeiten der Details bzw. Charaktere war. So gibt es keine so intensiven Gänsehautmomente und Schlüsselszenen. Und nicht zuletzt beim Hauptcharakter hätte man ebenfalls etwas mutiger sein können und einen etwas eigenständigeren erschaffen können. Uns wird Ann emotional nicht ganz so nahe gebracht, wie das bei Kate gelungen ist. Und auch so ausdrucksstarke „Neben"-Charaktere wie Hans oder Oskar (welche ja fast schon Hauptcharaktere sind), mit denen man gelitten und sich gefreut hat, fehlen. Es liegt nicht zuletzt auch am Fehlen der tiefergehenden Dialoge, dass man wenig über die Charaktere erfährt. Wenn es ausladendere Gespräche gibt, sind diese meist zweckdienlich, aber eher belanglos und der Spieler erfährt eigentlich nichts über Anns Gedankenwelt oder Gefühle. Was unterm Strich übrig bleibt, ist neben vielen starken Momenten also auch ein zwiespältiger Eindruck, den ich bei den anderen Spielen Sokals zuvor nie hatte. Er kann es definitiv besser!

 

Gesamtwertung: 74%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98SE/ME/2000/XP
  • Pentium III 800 MHz
  • 256 MB RAM
  • Geforce 2/Radeon 7000, 64 MB Grafikkarte (DirectX 9.0c kompatibel)
  • DirectX 9.0c kompatible Soundkarte
  • 2 GB freier Festplattenspeicher

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

 

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Copyright © André für Adventure-Archiv, 16. August 2006

 

 

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