Bei den Penumbra-Spielen handelt es sich um aus
vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Adventures. Nicht nur, da die Spiele auf
physikalisch korrekten Regeln beruhen", sie vereinen auch die Elemente
verschiedenster Genres. Ob ich sie auch außergewöhnlich gut gefunden habe gleich
wissen sie es.
Vorab noch ein paar Infos
Es gibt bisher zwei Teile als normale Verkaufsversionen auf jeweils
einer CD im DVD-Case mit Handbuch, sowie ein Add-On namens Requiem, welches nur als
Downloadversion zu erwerben ist. Dieses werde ich daher auch nicht besprechen, da mich
solche Spiele nicht interessieren. Wenn ich ein Spiel kaufe, möchte ich es auch auf CD
bzw. DVD mit Verpackung und allem Drum und Dran.
Abgesehen davon gibt es diesen ersten Teil, Im
Halbschatten", schon in abgespeckter Version als Gratis-Downloadadventure, nur dass
ich es leider nicht spielen konnte, da es auf meinem alten Rechner partout nicht laufen
wollte. In wie weit sich die alte Download- und diese Kaufversion voneinander
unterscheiden, kann ich daher nicht sagen.
Handlung
Die Handlung steht nicht unbedingt im Mittelpunkt des Spiels, da
unser Held ohnehin alleine durch die Gänge schleicht abgesehen von ein paar
sagen wir mal - Kreaturen. Es geht vorrangig darum, Spannung bzw. Angst aufzubauen. Als er
einen mysteriösen Brief von seinem tot geglaubten Vater bekommt, begibt er sich auf die
Suche. Die Spur führt nach Grönland. Dort angekommen, stößt er mitten im Eis auf eine
mysteriöse Türe, die in ein unterirdisches Tunnelsystem führt. Er öffnet sie, springt
hinein und ist von nun an auf sich alleine gestellt. Die Handlung wird nun größtenteils
nur durch einige Notizen, die er in den Gängen findet, sowie später von einem
mysteriösen Helfer namens Red, der sich von Zeit zu Zeit per Funk meldet, vorangetrieben.
Grafik
Die Grafik ist in düsteren Tönen gehalten, um ein beängstigendes
Klima zu erzeugen und erinnert vom Ambiente her an Action-Adventures wie Resident Evil und
Co. bzw. noch mehr an Shooter, da man es wie diese in der Egoperspektive spielt und es
auch weitere Spielelemente aus diesem Genre gibt.
Dafür, dass das Spiel komplett in 3D gestaltet ist und ich bei den
Grafikoptionen die niedrigsten Werte gewählt habe bzw. besser gesagt wählen musste, sah
es auch die Texturen betreffend noch halbwegs okay aus. Wenn man einen starken Rechner und
somit die Möglichkeit hat, es mit der besten Auflösung zu spielen und alle Effekte
reinzuknallen, siehts richtig gut aus.
Schon im ersten Raum, in einer vom Wellengang schwankenden Kajüte,
zeigt der Hersteller, was er kann und was Penumbra von anderen Spielen unterscheidet. Denn
das Spiel beruht wie gesagt auf physikalisch korrekten Regeln". In der Praxis
wurde das stark berücksichtigt. Dabei wurden alle Bewegungen in Echtzeit berechnet: Eine
offene Türe bewegt sich im Wellengang hin und her, ebenso eine an einer Kette hängende
Deckenleuchte. Wir können hier fast jeden Gegenstand wie etwa einen Seesack anheben,
aufnehmen oder zur Seite schieben. Z.B. können wir einen Stuhl nehmen und ganz stupide
auf einen Tisch werfen, so dass dieser, je nachdem, wie er geworfen wurde, darauf liegen
bleibt oder langsam runterfällt. Ob eine Flasche, die wir anheben und fallen lassen
kaputt geht, hängt davon ab, aus welcher Höhe wir sie runterdonnern lassen. Solcherlei
Details lassen das Spiel tatsächlich physikalisch enorm realistisch wirken. Es empfiehlt
sich, schon mal in der übersichtlichen und ungefährlichen Umgebung der Kajüte
auszuprobieren, was alles möglich ist und wie man es anstellt.
Ich weiß nicht, in wie weit diese Art Spiel mit physikalischen
Regeln schon in anderen Genres wie etwa reinen Ego-Shootern oder Action-Adventures Einzug
gehalten hat. Im Adventure-Bereich fällt mir dazu nur das allerdings ebenfalls recht
actionlastige Evil Days of Luckless John" ein, wo etwa schon in Echtzeit
physikalisch recht realistisch Räder wegrollten, wenn man sie angestoßen hatte und
Ähnliches. Auf jeden Fall ist das ein interessanter Ansatz und ich bin gespannt, ob bzw.
eher wann und in welchem Maße dieses in weiteren Adventures verwand wird. Ich gehe davon
aus, dass diese Technik mit der Zeit nicht nur in Spielen mit einem gewissen Actionanteil
sondern auch in einigen ganz normalen 3D-Adventures Einzug halten wird.
Steuerung, Rätsel und andere Aufgaben
Sei mir an der Stelle vorab direkt die Frage gestattet, warum man
auch in diesem Spiel wieder mit zwei Eingabegeräten rumhampeln muss. Warum nur bekommen
es Hersteller von Adventures mit Actionelementen eigentlich nur so selten hin, alternativ
noch eine Steuerung für das Gamepad anzubieten? Wie einfach könnte es sein, wenn man den
Helden nur per Pad durch das Spiel steuern könnte? Bei dem vom Spielprinzip zumindest
etwas verwandten Fahrenheit, war das schließlich auch möglich. Dennoch muss ich zugeben,
dass ich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gut mit den von mir belegten Tasten
zurechtkam. Die Standardbelegung der Tasten kann manuell umbelegt werden, wovon ich als
Linkshänder auch fleißig Gebrauch gemacht und quasi alle Tasten neu belegt habe.
In Punkto Einfallsreichtum bezüglich der Aufgaben lässt Penumbra
keine Wünsche offen. Denn zu unserem Aufgabenfeld zählen die vielfältigsten
Geschicklichkeitseinlagen wie etwa das Schleppen und das zielgerichtete Werfen von
Steinen. Weiter gibt es Spring- und Schleichelemente, wir müssen durch Gänge kriechen,
über Balken balancieren oder schnell rennend ein gewisses Ziel erreichen.
Und was ist mit richtigen Rätseln, fragt sich natürlich der
geneigte Adventurespieler? Auch die gibt es neben den oben beschriebenen Aufgaben und zwar
in vielfältigster Art. Man muss nicht nur jede Menge Schalter betätigen, auch sind
einige Tür-, Morse- oder andere Codes zu knacken. Maschinen müssen bedient, Sprengsätze
zusammengebastelt, Gegenstände wie zahlreiche Werkzeuge müssen aufgehoben und an
richtiger Stelle benutzt werden, manchmal auch im Inventar miteinander und vieles mehr.
Dabei ist der Schwierigkeitsgrad nur ab und zu etwas schwerer, allerdings müssen wir
alles wie der Name des Spiels schon ansagt im Halbschatten bzw. Halbdunkel machen. Das
Suchen nach dem richtigen Weg in den Gängen des Stollensystems ist ebenfalls ein
Bestandteil der Aufgaben, jedoch helfen hier Schilder, die an jeder Ecke den rechten Weg
weisen.
Das wirklich Einzigartige und Innovative an Penumbra ist aber, dass
die Rätsel bestens mit den Geschicklichkeitsaufgaben kombiniert wurden und man wie bei
Fahrenheit Bewegungen nachahmen muss - nur dass bei der Durchführung der Aufgaben, wie
schon im Punkt Grafik beschrieben, noch wesentlich mehr die physikalisch korrekten Regeln
mit einbezogen werden.
Ein einfaches Beispiel: Will man eine Schublade oder ein Ventilrad
öffnen, muss man mit der linken Maustaste den entsprechenden Gegenstand jeweils
festhalten und die Öffnen"-Bewegung mit der Maus nachmachen. Bei dem Ventilrad
muss man dafür eine kreisförmige, bei der Schublade eine gerade Bewegung machen. Wenn
wir sie zu feste zuknallen, geht sie wieder ein stückweit auf. Denn auch das können wir
mit Hilfe der sensiblen Steuerung bestimmen. Und so lässt sich ein leichter Karton nur
mit Hilfe der Maus bewegen, während wir bei einer schweren Kiste zusätzlich mit den
Richtungstasten nachhelfen müssen. Bis man z.B. hinbekommt, wie man ziemlich zu Beginn
des Spiels einen Stein aufhebt, an eine andere Stelle trägt und auf ein bestimmtes Ziel
wirft, wird an entsprechender Stelle aber jeweils genau beschrieben und benötigt nur
anfangs ein bisschen Übung,
Hierzu gibt es den Interaktionsmodus, den man per R-Taste aktivieren
sollte, um besser mit kleinen Gegenständen hantieren zu können. Kann man einen
Gegenstand verwenden, verwandelt sich der Cursor in eine zupackende" Hand, kann
man einen Gegenstand betrachten, wird er zum Auge"-Cursor.
Normalerweise bewegt man sich wie gewohnt mit den WASD-Tasten durch
den Raum, während man gleichzeitig mit der Maus die Perspektive des Rundumsichtspiels
verändert. Mit Q und E kann man sich zusätzlich nach rechts und links lehnen, mit
Umschalt rennen, mit der Leertaste springen und mit der Steuerungstaste kriechen. F
schaltet die Taschenlampe ein und G den Leuchtstab. Ist ja logisch, es heißt ja
schließlich Faschenlampe und Geuchtstab. Auch gibt es ein Notizbuch (N-Taste) und ein
weiteres Dokument für persönliche Notizen (P-Taste). Ins Inventar kommt man mit Tab.
Neben den Gegenständen, die man mit einem Doppelklick verwenden
kann, befindet sich hier noch eine Anzeige über die Batterien der Taschenlampe sowie eine
Befindlichkeitsanzeige. Man muss also auf unseren Helden immer gut acht geben ...
Kampf
... denn seine Befindlichkeit kann sich durch die verschiedensten
Umstände verschlechtern und letztendlich kann man auch sterben - nicht nur, wenn man
einen Abgrund hinunterfällt oder Indy-like von einer Kugel stilecht überrollt wird. Wie
bei Ego-Actionspielen muss man auch mit Gegnern fertig werden. Hierbei gibt es
verschiedenste Herangehensweisen - etwa sich zu verstecken oder diese auszutricksen und
auf die unterschiedlichsten Arten niederzumeucheln. Und hierbei, also wenn man schnell
handeln muss, zeigt sich noch einmal der Schwachpunkt der Tastatur-Steuerung. Wo war noch
einmal der Aus-Schalter für die Taschenlampe, damit der Gegner mich nicht sieht? Uuups,
zu spät. Tot.
Als inzwischen recht puristischer Adventurespieler, der nur
äußerst selten Spiele mit Action-Anteilen spielt, bin ich selbst im einfachen
Schwierigkeitsgrad schon beim ersten Gegner einem Hund- tausend Tode gestorben. Das
fand ich nicht so wirklich prickelnd und ich habe mir flugs einen Trainer downgeloadet,
der den Spieler nahezu unsterblich macht und statt eines trüben Leuchtstabs unendlich
Batterien für eine ordentliche Funzel bereithält. So machte das Spiel auch deutlich mehr
Spaß und sicher auch für andere eher puristische Adventurespieler interessanter. Hier
der Link zum Cheat:
http://www.das-download-archiv.de/trainer_download_2499.html
Trotzdem gibt es auch im Gottmodus immer noch genug Möglichkeiten
zu sterben, etwa wenn man in einem Eissee einbricht und erfriert. Bei der Aufgabe im See
kommt es auf Geschicklichkeit und - wie in vielen weiteren Situationen - auf Schnelligkeit
an. So muss man z.B. in einer anderen Situation flotten Schrittes ein Labyrinth
durchqueren, um sich rechtzeitig unter ein sich langsam schließendes Tor durchzwängen zu
können.
Weitere Optionen Einstellungssache
Ob´s gut läuft im Spiel, das ist auch alles eine Frage der
Einstellung. Mit Esc gelangt man ins Optionsmenü. Hier kann man z.B. zahlreiche
Grafikeinstellungen wie Gamma, Auflösung, Entstörfilter usw. vornehmen. Und wer wie ich
mit anderen Begriffen wie Bloom, Shader-Qualität oder Vsync nichts anfangen kann: Was die
jeweiligen Einstellungen bedeuten, erfährt man, wenn man mit dem Cursor darüberfährt.
Und man sollte sich vor dem Spielen ruhig mal ein bisschen Zeit
nehmen und hier nach Herzenslust rumfummeln - dann klappt´s nicht nur in der Liebe
sondern auch im Spiel! Denn es ist entscheidend, wie die einzelnen Werte individuell auf
die Leistung des Rechners eingestellt sind, ob das Spiel zu hell oder zu dunkel ist oder
ob eine zu hohe Grafikqualität eventuell die Spielbarkeit beeinträchtigt und es in Folge
dessen zu Rucklern kommt usw.. Und natürlich spielen hier auch persönliche Vorlieben
bezüglich der Optik eine Rolle.
Doch obwohl ich einen ziemlich aktuellen Rechner habe und zunächst
nur eine mäßig hohe Grafikqualität eingestellt hatte, erwies sich die Steuerung
trotzdem als teilweise enorm träge, so dass ich so ziemlich die niedrigste
Grafikqualität wählen musste, damit es flüssig funktionierte. Sonst lief es ruckelig
und Texte, die eingeblendet werden, wenn man einen Gegenstand betrachtet, bleiben ewig
lange stehen oder man ist zeitweise handlungsunfähig. Das Benutzen von
Inventargegenständen per Doppelklick mit der linken Maustaste funktionierte ebenfalls
manchmal nicht richtig. Nachdem ich die für meinen Rechner optimalen Werte gefunden
hatte, funktionierte das Spiel nahezu problemlos.
Weiter kann man Sound sowie die Steuerung, also die Belegung der
Tastatur, regeln. Und es gibt die Spieloptionen, in denen man z.B. die Untertitel und
nicht zuletzt den Schwierigkeitsgrad einstellen kann. Selbst ob spielrelevante
Gegenstände kurz durch Aufleuchten sichtbar werden und noch vieles mehr kann man wählen.
In Punkto Optionen wurde wirklich an alles gedacht.
Das Speichern erfolgt wie bei vielen Spielen mit Actionanteil zum
einen automatisch - etwa vor einer schwierigen Situation oder wenn man ein neues Areal
betritt. Zum anderen gibt es auch noch an bestimmten Stellen Speicherpunkte, die es dem
Spieler erlauben, den Spielstand manuell zu sichern.
Sound
Bleibt noch der Punkt Sound und auch hier unterstützt die
Geräuschkulisse das düstere Spiel bestens. So sorgt ein gelegentlich irres Flüstern
für die eine oder andere Gänsehaut. Gesprochen wird kaum - eigentlich nur von einer
Person. Und die wurde professionell besetzt.
Fazit
Penumbra ist eher aufgeschlossenen Adventurespielern zu empfehlen,
denn es vereint verschiedenste Elemente wie Rätsel, Sprung-, Kriech-, Schleich- und
andere Aufgaben sowie Kampfpassagen wie in Egoshootern bzw. Action-Adventures. Für die
Bewältigung der Aufgaben ist die kombinierte Steuerung mit Tastatur und Maus recht
gelungen und ebenso schnell zu beherrschen. Eine alternativ angebotene Gamepadsteuerung
wäre jedoch sicherlich noch wesentlich einfacher und innovativer. Die Palette der nur
selten schweren Rätsel ist wirklich vielfältig. Die eher knappe Handlung wird
hauptsächlich von einigen gefundenen Notizen weitergeführt.
Die Art, wie physikalische Gesetze in die grafische Gestaltung und
besonders in das Aufgaben- bzw. das Rätseldesign einbezogen wurden, macht das Adventure
wirklich innovativ und einzigartig! Man war ebenso einfallsreich, wie man verschiedenste
Stilelemente miteinander kreuzt und auf welche verschiedenste Arten Aufgaben bewältigt
werden können, wodurch Im Halbschatten" außerordentlich interaktiv und
realitätsnah wird. Dadurch ist man bei dem gruseligen Spiel noch näher am Geschehen.
Nicht wirklich Sache eines jeden Adventurespielers dürften die
zahl- und teilweise ausgesprochen einfallsreichen Actioneinlagen sowie
Auseinandersetzungen mit den Gegnern sein. Auch hier fand ich es eigentlich beeindruckend,
auf welch unterschiedliche Weise man diese austricksen und eliminieren kann. Doch mir
gefiel dies recht heftige Spiel erst, nachdem ich mich eines Unendlich
Taschenlampenbatterien"- sowie Unsterblichkeits"-Cheats bedient hatte, um
so die düstere Atmosphäre genießen zu können, ohne permanent hilflos im Dunkeln
rumzutapern zu müssen und ohne tausend sondern nur ein paar Tode zu sterben. Daher
bewerte ich das Spiel mit Cheat, und das ergibt ein Endergebnis von 80 %.