Wir schreiben den x-ten Mai 2008. Es ist Sommer. Die
Sonne scheint und das Wetter ist herrlich... eigentlich. Nur für den Rezensent ist es
kalt und dunkel und er treibt sich in dunklen Gängen und Erdlöchern rum. Warum nur? Die
Antwort ist einfach: Er spielt und testet den zweiten Teil von Penumbra. Ob sich das
Unterfangen gelohnt hat und welche Schädigungen psychischer Art er dieses Mal davon
getragen hat gleich wissen wir mehr.
Grafik
Also gut, hastig das Zimmer abgedunkelt, damit das Spiel auch
richtig zur Geltung kommt und los gehts. Denn auch im zweiten Teil ist die Grafik in
düsteren, vorwiegend grauen und braunen Tönen gehalten, um ein beängstigendes Klima zu
erzeugen. Vom Ambiente her erinnert es an Action-Adventures wie Resident Evil und Co. bzw.
noch mehr an Shooter, da man es wie diese in der Egoperspektive spielt und es auch weitere
Spielelemente aus dem Genre besitzt. Zwischendurch sind immer wieder kleine Schockeffekte
eingebaut, die mich eiskalt erwischt haben. Außerdem sind einige Gegner und die
Darstellungen von sagen wir mal - Körpern wirklich unheimlich, das Spiel mächtig
gruselig.
Und Überraschung schnell zeigt sich ein erster
Unterschied zum ersten Teil: Black Plague sieht bezüglich der Texturen um einiges besser
aus als Teil 1 und wurde auch abwechslungsreicher gestaltet. Und nicht nur das - es läuft
jetzt im Gegensatz zum ersten Teil problemlos, obwohl ich bei den Grafikoptionen normale
Werte eingestellt hatte. "Im Halbschatten" lief auf meinem Rechner erst dann
ohne Ruckeln, nachdem ich bei den Grafikoptionen die niedrigsten Werte gewählt hatte.
Hier hat man wohl noch mal an der Grafik rumgeschraubt.
Auch der zweite Teil von Penumbra unterscheidet sich von anderen
Adventures. Denn es beruht wiederum auf physikalisch korrekten Regeln". Dabei
wurden alle Bewegungen in Echtzeit berechnet.
Wir können fast jeden Gegenstand anheben, aufnehmen oder zur Seite
schieben. Z.B. können wir einen Stuhl nehmen und ganz stupide auf einen Tisch werfen, so
dass dieser, je nachdem wie er geworfen wurde, darauf liegen bleibt oder langsam
runterfällt. Ob eine Flasche, die wir anheben und fallen lassen, kaputt geht, hängt
davon ab, aus welcher Höhe wir sie runterdonnern lassen. Solcherlei Details lassen die
kleine Spielreihe tatsächlich physikalisch enorm realistisch erscheinen.
Ich weiß nicht, in wie weit dieses Spielen mit physikalischen
Regeln schon in anderen Genres wie etwa reinen Ego-Shootern oder Action-Adventures Einzug
gehalten hat. Im Adventure-Bereich fällt mir dazu nur das allerdings ebenfalls recht
actionlastige Evil Days of Luckless John" ein, wo etwa schon in Echtzeit
physikalisch recht realistisch Räder weggerollten, wenn man sie angestoßen hat und
ähnliches. Auf jeden Fall ist das ein interessanter Ansatz und ich bin gespannt, ob bzw.
eher wann und in welchem Maße dieses in weiteren Adventures verwand wird. Ich gehe davon
aus, dass diese Technik mit der Zeit nicht nur in Spielen mit einem gewissen Actionanteil
sondern auch zumindest in einigen ganz normalen 3D-Adventures Einzug halten wird.
Handlung
Bevor wir zur eigentlichen Handlung kommen, noch ein paar Infos. Es
gibt bisher zwei Teile als normale Verkaufsversionen auf jeweils einer CD im DVD-Case mit
Handbuch, sowie ein Add-On namens Requiem, welches nur als Downloadversion zu erwerben
ist. Letzteres werde ich daher auch nicht besprechen, da mich solche Spiele nicht
interessieren. Wenn ich ein Spiel kaufe, möchte ich es auch auf CD bzw. DVD mit
Verpackung und allem Drum und Dran.
Der zweite Teil setzt da an, wo der erste aufhört. Daher empfiehlt
es sich natürlich, diese auch in der richtigen Reihenfolge zu spielen, aber das ist kein
Muss, um die Handlung von Black Plague zu verstehen.
Wir erinnern uns an Penumbra 1: Als Philipp einen mysteriösen Brief
von seinem tot geglaubten Vater bekommt, begibt er sich auf die Suche. Die Spur führt
nach Grönland. Dort angekommen, stößt er mitten im Eis auf eine mysteriöse Türe, die
in ein unterirdisches Tunnelsystem führt. Er öffnet sie, springt hinein. Was im ersten
Teil noch alles passiert ist, wird nicht verraten, aber die letzte Sequenz endet mit einem
Cliffhanger.
In Black Plague wacht Philipp in einem Raum auf, ahnungslos, wo und
warum er dort ist. Bei seinen Untersuchungen in den Katakomben findet er Aufzeichnungen
über eine Infektion und Mitarbeiter, die sich angesteckt haben. Diese Infektion macht aus
den Mitarbeitern wahnsinnige, unmenschliche Monster. Pech aber auch, dass auch Philipp
bereits betroffen ist und immer mehr zum Zombie mutiert ...
Die Handlung wird überwiegend durch einige in den Gängen gefundene
Notizen, vorangetrieben, sowie später von einer Helferin und seinem wahninnigen zweiten
Ich, die sich von Zeit zu Zeit melden.
Steuerung, Rätsel und andere Aufgaben
Es sei mir vorab direkt die Frage gestattet, warum man auch in
diesem Spiel wieder mit zwei Eingabegeräten rumhampeln muss. Warum nur bekommen es
Hersteller von Adventures mit Actionelementen für PCs eigentlich nur so selten hin,
alternativ noch eine Steuerung für das Gamepad anzubieten? Wie einfach könnte es sein,
wenn man den Helden nur per Pad durch das Spiel steuern müsste? Bei dem vom Spielprinzip
zumindest etwas verwandten Fahrenheit, war das schließlich auch möglich. Dennoch muss
ich zugeben, dass ich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gut mit den von mir belegten
Tasten zurechtkam und sich unser Held auch sehr zielgenau durch die Spielwelt steuern
lässt. Die Standardtastaturbelegung kann aber manuell geändert werden, wovon ich als
Linkshänder auch fleißig Gebrauch gemacht habe und quasi alle Tasten neu belegt habe.
Im zweiten Teil gibt es ein kurzes Tutorial. Diejenigen, die den
ersten Teil noch nicht gespielt haben, testen hier schon mal in Ruhe in einer
übersichtlichen und ungefährlichen Umgebung mit einfachen Übungen ein paar der
wichtigsten Funktionen.
In Punkto Einfallsreichtum bezüglich der Aufgaben lässt Penumbra
keine Wünsche offen: zu den vielfältigen Geschicklichkeitseinlagen gehört etwa das
Schleppen, das zielgerichtete Bewegen oder Werfen eines Gegenstandes. Es gibt
Schleichelemente, wir müssen über bewegte Plattformen springen, Kisten und Kartons so
zusammenstellen, dass wir über ein Hindernis hüpfen können oder schnell rennend ein
gewisses Ziel erreichen usw..
Und was ist mit richtigen Rätseln, fragt sich natürlich der
geneigte Adventurespieler? Auch die gibt es neben den oben beschriebenen Aufgaben und zwar
in einer äußerst breit gefächerten Palette. Man muss nicht nur jede Menge Hebel
betätigen, auch sind Türcodes zu knacken, Maschinen und Computer müssen bedient oder
repariert, Chemikalien zusammengerührt, Gegenstände wie Werkzeuge aufgehoben und an
richtiger Stelle benutzt werden, manchmal auch im Inventar miteinander und vieles mehr.
Dabei ist der Schwierigkeitsgrad ab und zu schon etwas schwerer. Das Suchen nach dem
richtigen Weg in den Gängen des Stollensystems ist ebenfalls ein Bestandteil der
Aufgaben, jedoch helfen hier Schilder, die an jeder Ecke den rechten Weg weisen.
Das wirklich Einzigartige und Innovative an Penumbra ist aber, dass
die Rätsel bestens mit den Geschicklichkeitsaufgaben kombiniert wurden und man wie bei
Fahrenheit Bewegungen nachahmen muss - nur dass bei der Durchführung der Aufgaben, wie
schon im Punkt Grafik beschrieben, noch wesentlich mehr die physikalisch korrekten Regeln
mit einbezogen werden.
Ein einfaches Beispiel: Will man eine Schublade oder ein Ventilrad
öffnen, muss man mit der linken Maustaste den entsprechenden Gegenstand jeweils
festhalten und die Öffnen"-Bewegung mit der Maus nachmachen. Bei dem Ventilrad
muss man dafür eine kreisförmige, bei der Schublade eine gerade Bewegung machen. Wenn
wir sie zu feste zuknallen, geht sie wieder ein stückweit auf. Denn auch das können wir
mit Hilfe der sensiblen Steuerung bestimmen. Und so lässt sich ein leichter Karton nur
mit Hilfe der Maus bewegen, während wir bei einer schweren Kiste zusätzlich mit den
Richtungstasten nachhelfen müssen. Bis man hinbekommt, wie man z.B. ziemlich zu Beginn
des Spiels einen Stein aufhebt und an eine andere Stelle trägt, wird an entsprechender
Stelle aber jeweils genau beschrieben und benötigt nur anfangs ein bisschen Übung,
Hierzu gibt es den Interaktionsmodus, den man per R-Taste aktivieren
sollte, um besser mit kleinen Gegenständen hantieren zu können. Kann man einen
Gegenstand verwenden, verwandelt sich der Cursor in eine zupackende" Hand, kann
man einen Gegenstand betrachten, wird er zum Auge"-Cursor.
Normalerweise bewegt man sich wie gewohnt mit WASD durch den Raum,
während man gleichzeitig mit der Maus die Perspektive in Rundumsicht verändert. Mit Q
und E kann man sich zusätzlich nach rechts und links lehnen, mit Umschalt rennen, mit der
Leertaste springen und mit der Steuerungstaste kriechen. F schaltet die Taschenlampe ein
und G den Leuchtstab. Auch gibt es ein Notizbuch (N-Taste) und ein weiteres Dokument für
persönliche Notizen (P-Taste). Ins Inventar kommt man mit Tab.
Ein paar kleine Unterschiede zum Vorgänger bezüglich der Steuerung
gibt es natürlich. D.h. eigentlich sind nur zwei-drei Funktionen dazugekommen. So kann
man jetzt einen Gegenstand, den man anhebt, rotieren lassen, was die Präzision erhöht.
Außerdem gibt es jetzt einen Punkt, der immer die Mitte des Monitors markiert.
Neben den Gegenständen, die man mit einem Doppelklick verwenden
kann, befindet sich hier wie gewohnt noch eine Anzeige über den Batteriestatus der
Taschenlampe sowie eine Befindlichkeitsanzeige. Wir müssen auf unseren Helden also immer
gut acht geben ...
Gegner
... denn die Befindlichkeit kann sich durch verschiedene Umstände
verschlechtern und letztendlich kann man auch sterben - nicht nur wenn man in einen
Abgrund einbricht oder von einem Metallblock plattgewalzt wird. Wie bei Ego-Actionspielen
muss man auch im zweiten Teil mit Gegnern fertig werden. Dabei können wir sie diesmal
nicht einfach per Waffe eliminieren. Es geht vielmehr darum, sie auszutricksen. Hierfür
gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Im ersten Teil konnte ich die meisten
Gegner noch problemlos schlagen, indem ich einfach den aus dem Netz gezogenen
Unsterblichkeitscheat verwandt und dann so lange mit einer Waffe schnöde auf sie
eingedroschen habe, bis sie Geschichte waren.
Die Zahl solcher Situationen hat im Vergleich zum Vorgänger
abgenommen, was puristische Adventurespieler eigentlich freuen sollte, dennoch habe ich
die Situationen als mindestens genauso, wenn nicht noch heftiger empfunden, da sie mehr an
die Substanz gehen. Da steigt der Blutdruck schon mal in ungeahnte Höhen, so dass ich
teilweise nur in Etappen gespielt habe, wenn ich es vor Anspannung nicht mehr ausgehalten
habe.
Weitere Optionen Einstellungssache
Ob´s gut läuft im Spiel, das ist auch eine Frage der Einstellung.
Mit Esc gelangt man ins Optionsmenü. Hier kann man zahlreiche Grafikeinstellungen wie
Gamma, Auflösung, Entstörfilter usw. vornehmen. Und wer wie ich mit anderen Begriffen
wie Bloom, Shader-Qualität oder Vsync nichts anfangen kann: Was die jeweiligen
Einstellungen bedeuten, erfährt man, wenn man mit dem Cursor drüberfährt.
Und man sollte vor dem Spielen ruhig mal ein bisschen Zeit nehmen
und hier nach Herzenslust rumfummeln - dann klappt´s nicht nur in der Liebe sondern auch
im Spiel! Denn es ist entscheidend, wie die einzelne Werte individuell auf die Leistung
des Rechners eingestellt sind, ob das Spiel zu hell oder zu dunkel ist oder ob eine zu
hohe Grafikqualität eventuell die Spielbarkeit beeinträchtigt und es in Folge dessen zu
Rucklern kommt usw.. Und natürlich spielen hier auch persönliche Vorlieben bezüglich
der Optik eine Rolle.
Weiter kann man Sound sowie die Steuerung, also die Belegung der
Tastatur, regeln. Darüber hinaus können Untertitel und nicht zuletzt der
Schwierigkeitsgrad eingestellt werden. Selbst ob spielrelevante Gegenstände kurz durch
Aufleuchten sichtbar werden und noch vieles mehr kann man wählen. In Punkto Optionen
wurde wirklich an alles gedacht.
Das Speichern erfolgt wie bei vielen Spielen mit Actionanteil zum
einen automatisch - etwa vor einer schwierigen Situation oder wenn man ein neues Areal
betritt. Zum anderen gibt es auch noch an bestimmten Stellen Speicherpunkte, welche es dem
Spieler erlauben, den Spielstand manuell zu sichern.
Sound
Bleibt noch der Punkt Sound und auch hier unterstützt die
Geräuschkulisse das düstere Spiel bestens. Irres Flüstern, dunkles Gegrunze der Gegner
und gekonnt eingesetzte Hintergrundgeräusche wie Hundegebell und der düstere, ständige
Soundteppich, sorgen für die eine oder andere Gänsehaut.
Gesprochen wird wieder nur recht wenig und dieses mal auf englisch,
da Penumbra 2 im Gegensatz zum Vorgänger leider nur deutsch untertitelt ist.
Fazit
Auch der zweite Teil von Penumbra ist eher aufgeschlossenen
Adventurespielern zu empfehlen, denn er vereint so verschiedene Elemente wie Rätsel,
Sprung-, Kriech-, Schleichaufgaben mit Auseinandersetzungen mit Gegnern wie in Egoshootern
bzw. Action-Adventures. Für die Bewältigung der Aufgaben ist die kombinierte Steuerung
mit Tastatur und Maus recht gelungen und ebenso schnell zu beherrschen. Die Palette der im
zweiten Teil schwierigeren Rätsel ist wirklich vielfältig und enorm einfallsreich.
Die Art, wie physikalische Gesetze in die grafische Gestaltung und
besonders in das Aufgaben- bzw. das Rätseldesign einbezogen wurden, macht die
Adventure-Reihe wirklich innovativ und einzigartig! Einfallsreich wurden verschiedenste
Stilelemente miteinander gekreuzt. Die Breite der verschiedenen Lösungsansätze zur
Bewältigung der Aufgaben macht Black Plague" außerordentlich interaktiv und
realitätsnah. So ist man bei dem gruseligen Spiel noch näher am Geschehen.
Und das Spiel ist noch unheimlicher als der Vorgänger. Für
höchste Anspannung und Nervenkitzel sorgen geschickt platzierte Schockeffekte und die
ausgesprochen einfallsreichen Actioneinlagen sowie Auseinandersetzungen mit den
Gegnern, auch wenn solche Aufgaben nicht die Sache eines jeden Adventurespielers sein
dürften. Auch ich hätte gegen weniger Sterbemöglichkeiten und hektische Zeitsequenzen
nichts einzuwenden gehabt. Die zwar geringere Anzahl von Gegnern muss diesmal
grundsätzlich ausgetrickst werden, wobei ich es beeindruckend fand, auf welch
vielfältige Weise. Die gegenüber dem ersten Teil noch verbesserte und schönere Grafik und
die flüssigere Performance bei höheren Grafikeinstellungen sorgen für eine
Wertungssteigerung ...