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Perry Rhodan


Releasedatum:
02/2008

Entwickler: Braingame / 3D-IO

Publisher: Koch Media (Deep Silver)

Spielsprache und Anleitung: deutsch

Homepage


USK: ab 6 Jahren

 

 

Ein Review von  slydos   22. April 2008

 

Wer noch nichts von Perry Rhodan gehört hat, muß tatsächlich von einem anderen Stern kommen. Es handelt sich um die weltweit größte Science-Fiction-Serie im Groschenheftformat, die seit 1961 ein unaufhörlich wachsendes Universum aufbaut. Eine kaum abschätzbare Fangemeinde setzt seitdem Tausende im PR-Universum tätige Menschen in Lohn und Brot. Neben einer Fülle von Printprodukten finden auch Audio- und Digitalmedien den Weg zur Zielgruppe. Zwei  Adventurespiele haben bereits vor 10 Jahren unseren Weltraumhelden zum Thema genommen - mit wenig Erfolg. Das will die aktuelle Veröffentlichung von Koch Media ändern.

Bei echten Fans sollte man damit sowieso offenen Türen einrennen, denn diesen muß kein spezieller Kaufbefehl erteilt werden. Es gehört zum Automatismus der Sammler, auch das Spiel zur Serie zu erwerben, unabhängig von der Qualität.

Dieser Review wendet sich also an die anderen, die Sci-Fi- oder Adventurefreunde, die wissen wollen, ob sie mit einem Spiel klarkommen werden, hinter dem ein solch komplexes und über Jahrzehnte gewachsenes Universum steht. Diese interessierten Zweifler will ich nicht bis zum Fazit auf die Folter spannen, sondern umgehend Entwarnung geben: ja, auch Sie werden ausgezeichnet mit dem neuen Perry-Rhodan-Adventure zurecht kommen und sogar einen kosmischen Spaß daran haben! Lesen Sie also weiter, warum das PR-Adventure auch etwas für Sie ist, auch wenn Sie sich nicht primär zu den Hardcore-Realitätsflüchtern in eine futuristische Parallelwelt zählen.

 

Story

Robert Feldhoff und Oliver Wronka haben bekannte Schauplätze, Figuren und technische Details der Print-Serie mit neuen Charakteren, fremden Szenarien und natürlich einem noch unentdeckten Geheimnis zu einer neuen Geschichte verbunden, die sich in das Perry-Universum und seine bestehende Zeitachse einfügt. Zu Beginn des Spiels wird von uns nicht erwartet, uns mit Perrys interessanter Vergangenheit zu beschäftigen, denn die spannenden und rasanten Intros - ja davon hätten wir gleich zwei - und die Ausgangssituation zwingen die Spieler dem sympathischen Helden zunächst bei den offensichtlich dringend zu erledigenden Aktionen behilflich zu sein.

Das Jahr 1346 neuer galaktischer Zeitrechnung wäre das Jahr 4934 nach unserer. Ein Angriff hat die Solare Residenz erschüttert und stark beschädigt. In einem actionreichen Intro können wir verfolgen, wie Kampfroboter Mondra Diamond vom Dach der Residenz entführen, wobei sie die akrobatischen Talente ihrer Zirkusabstammung nicht verleugnet. Perry und Mondra - die beiden haben übrigens einen Sohn, den Perry aber nie gesehen hat - haben nie geheiratet (anscheinend heiratet Perry keine Unsterblichen, wie er selbst - er wird wissen warum) und die Liebe ist einer tiefen Freundschaft gewichen, obwohl ....

Wie konnten die Angreifer den Schutzschild durchdringen? Wer hat sie beauftragt und warum? Perry muß den Fragen schnellstens nachgehen, aber seine Freunde glänzen entweder durch Nichtanwesenheit oder hindern ihn sogar daran, wie sein alter Kumpel Reginald Bull, genannt 'Bully', der eine Kommunikationssperre über die Residenz gelegt hat und ebenfalls nicht erreichbar ist.

Aber Perry wäre nicht Perry wenn er nicht Mittel und Wege fände, Mondras Spur und die der Entführer aufzunehmen. Sie führt ihn weg vom Planeten Terra in die Labore der Waringer Akademie, auf einen Museumsplaneten der Arkoniden, die Minen von Gom Callaedus und zu weiteren Welten in den Tiefen der Galaxis.

Die Geschichte wird vom grandiosen Auftakt bis zum spektakulären Ende spannend erzählt, bietet einem nebenher die Möglichkeit, zwanglos einige Hintergründe des Perry-Rhodan-Universums zu erfahren, wenn man möchte, aber auch die Freiheit dies und andere ausführlichere Beschreibungen zu meiden, wenn man sich nicht tiefer auf die vielen Anspielungen und die Terminologie dieser Zukunftswelt einlassen will - und das unterscheidet das Spiel vom Gedruckten, das fast ausschließlich auf die Wirkung des Wortes angewiesen ist.

Trotz der ihm von "ES" verliehenen relativen Unsterblichkeit und der dadurch über die Jahrhunderte erworbenen vielfältigen Kenntnisse bleibt Perry einer von uns, ein guter Kumpel, kein abgehobener, fremder Superheld und auch keine kühle Denk- und Kampfmaschine. Sein kraftvoller Impetus und seine erfahrene Gelassenheit geben uns zwar die Sicherheit, daß er verläßlich gewinnen wird, dabei ist er aber trotzdem fehlbar, äußerst menschlich, hat Witz und wird von einer auch nach 3000 Jahren unbezwingbaren Neugier auf das unentdeckte Großartige genauso wie das versteckt Banale vorangetrieben - den Eigenschaften, aus denen beliebte Serienhelden gegossen werden. Er ist das Urbild des Abenteurers, der sich den Gefahren mit funkelnden Augen stellt.

Ich habe mich äußerst wohl in diesem kraftvollen Alter Ego gefühlt, das übrigens dank der Unsterblichkeitstechnologie körperlich immer 39 Jahre alt bleibt und einen Selbstheilungsmechanismus hat. Nicht, daß er nicht tödlich verletzt werden könnte, aber die Sicherheit des Zellaktivators läßt einen ruhigen Mutes Dinge ausprobieren, die andere Helden meiden würden. Und dabei stellt das Schnüffeln diverser Drogen-Flavours bis zum Umfallen - natürlich alles im Dienste der Sache - nur einen kleinen Ausschnitt im weitaus größeren Gefahrenspektrum dar.

 

Sound/Effekte/Sprache

Der Soundtrack von Martin Rosengarten hält sich zurück bis auf actionreiche Zwischenszenen oder auf die an sich schon überwältigende Konfrontation mit neuen gigantischen Schauplätzen. Ein wiederkehrender sakral-sphärischer, wortloser Gesang begleitet das Hauptmenü, in dessen Hintergrund unser Held durch das Panoramafenster der Solaren Residenz sinnend in den von unzähligen Raumschiffen bevölkerten Himmel blickt. Wir können nicht wissen, welche Gedanken ihn bewegen, werden jedoch durch den einsam-mystischen Sound und das bewegende Bild ehrfurchtsvoll auf die kommenden Geschehnisse, auf die Weite des Weltraums eingestimmt und den einen Mann an der Schwelle zu einem neuen, großen Abenteuer.

Den monumentalen Filmszenen wird eine filmreife Geräuschkulisse zur Seite gestellt, die einen tatsächlich vergessen lässt, daß man eigentlich nur Zuschauer an einem lächerlich kleinen Rechner ist und nicht Pilot eines schnellen Raumgleiters. Auch innerhalb des Spieles stehen die Geräuscheffekte in Einklang mit den Bildern von fremden Welten: da kommen zwischen den Riesenbauten der Minenstadt leichtmanövrierbare Miniraumer angeschossen, die scheinbar neugierig von einer Sekunde auf die nächste stoppen, abdrehen und wieder abdüsen. Eine düstere Bladerunneratmosphäre löst die pulsierende, helle Waringer Akademie ab oder das magisch-technische Museum in dem Perrys Schritte einsam hallen.

Man kann Sprache, Effekte und Musik getrennt regeln, so daß man die immer leise orchestrale Untermalung auch abschalten kann, um nur noch die nicht wirklich faßbaren Umgebungsgeräusche wie technisches Summen, Rauschen oder die fernen, vagen Laute von Menschen in einer Cafeteria und den Hallen der Akademie als Hintergrund wahrzunehmen. Jedes technische Gerät piepst und zirpt genau wie jeder Menüklick. Darüber liegen die bewußten Geräusche wie Schritte, Türen, ein vorbeirauschender Schnellzug oder die watteweichen Ansagen von Elke Schützhold.

Die erstklassige Sprachausgabe des Spiels basiert auf einer adventure-erfahrenen, professionellen Sprechercrew, die angefangen vom brillanten Martin Schäfer als Perry bis in die kleinsten Rollen ausgezeichnet besetzt ist. Die meisten Stimmen werden einem irgendwie vertraut vorkommen und das liegt nicht nur daran, daß ihre Sprecher sich in Werbe- und sonstigen TV-Produktionen tummeln, sondern wohl auch daran, daß sie von Simon the Sorcerer über Moment of Silence, Keepsake, Grim Fandango und Monkey Island bis Overclocked zu hören waren. Beispielsweise findet man Erik Borner (Simon) als coolen Barkeeper-Bot hinter dem Tresen eines Nachtclubs. Sie wissen wie man's macht und sie können sich dabei auf die ausgezeichneten Dialoge von Oliver Wronka verlassen.

 

Grafik

Die überwältigende Hintergrundgrafik der über 300 Szenen in 5 sehr unterschiedlichen Hauptschauplätzen erinnerte mich stark an Benoit Sokal-Adventures. Ein golden-monumentales Museum auf Titan mit hochstrebender Architektur scheint sich geradezu an den Sinking Island-Turm anzulehnen und auch die Idee einer in endlose Tiefen gehenden Minenstadt kommt mir aus Sokals Paradise bekannt vor, bei Perry Rhodan allerdings dunkel- futuristisch mit viel technischem Metall-Schnick-Schnack dem heute beliebten Steam-Look angepaßt.

Die Waringer-Akademie erinnert an moderne lichtdurchflutete Massenbauten wie Flughäfen, die mit Schnellbahnverbindungen und Datenterminals ausgestattet sind. Beam-Lifte sorgen für schnelle Ortswechsel. Hier und da treffen wir auf Hologramm-Charaktere, die Kommunikationsaufgaben übernehmen, kleine Putzroboten, die überall schwebend mit ihren Reinigungsstrahlern herumwieseln oder frei im Raum schwebende Projektionen von Fußballspielen. Viele Dienstleistungsfunktionen werden von Robotern oder Automaten wahrgenommen, aber das sollte uns nicht überraschen, ist unsere Realität doch eigentlich nicht mehr sehr weit entfernt von diesem Szenarium. Unser Multikulti-Alltag beschränkt sich allerdings noch auf ein munteres Durcheinander von Erdenbürgern am Hauptbahnhof, die sich noch nicht mit Miniraumschiffen über unsichtbare Himmelsstraßen fortbewegen. Da punktet die Welt von PR richtig fett, denn neben Terranern und vielen menschenähnlichen Lebewesen lernen wir hier und da auch mal ein Mitglied einer etwas fremdländischer aussehenden Spezies kennen. Aber auch da bleibt's bei den 'normalen' StarTrek- oder Babylon5-Völkern, also aufrecht gehenden Zweibeinern mit zwei Armen an den üblichen Stellen und einem Kopf, der zum Sehen und Sprechen benutzt werden kann.

Überall ist Bewegung und eine lebendige Geräuschkulisse wo es dem Zuschauergefühl nach auch so sein sollte. Neben einer Vielzahl von Animationen wie Rauch, Staub, Funken, laufenden Monitoren, geschäftigen Robotern und dem immerwährenden autobahnähnlichen Luftverkehr finden wir speziell in der belebten Akademie ein äußerst geschäftiges Treiben vor. Haben wir im Optionsmenü die Anzahl der Hintergrundcharaktere hochgesetzt, so scheint es dort von Passanten nur so zu wimmeln. Wir können übrigens jeden von Ihnen ansprechen und erhalten unterschiedliche Entgegnungen aus einem ausreichend großen Pool von Statisten-Antworten, sogar abhängig von ihrer galaktischen Herkunft. Die Waringer-Akademie ist allerdings der einzige Ort, an dem das Treiben so richtig aus dem Vollen schöpft. An anderen Orten ist Perry entweder entsprechend der Handlung allein oder trifft nur wenige auch tatsächlich spielrelevante Charaktere, wie beispielsweise in der schummrigen Minenstadt. 

Perry ist in der Milchstraße als gewählter Anführer der Terraner und 3000jähriger Unsterblicher so bekannt wie ein bunter Hund. Deshalb schlüpft er ab und an automatisch mittels DNA-Konverter in die Rolle eines anderen Terraners, wenn er mal nicht sofort erkannt werden will. Das geht inklusive Wäschewechsel so schnell wie Beamen und macht aus dem blonden Residenten einen unauffälligen brünetten Studenten. Hat man in den Grafikoptionen die Höchsteinstellungen für Kantenglättung gewählt, so schmiegt sich seine energievoll aktive Figur absolut nahtlos in die Umgebung ein, wie übrigens auch alle anderen 3D-Charaktere- und -Objekte. Auch wenn seine Grundhaltung bzw. das In-Bewegung-Setzen noch manchmal etwas soldatenhaft wirkt, so sind seine sonstigen Aktionen und die der ebenfalls niemals eingerosteten NPCs sonst fließend und realistisch. Gerade bei der Figur von Perry hat man sich stark an den einprägsamen Coverbildern der Printserie orientiert, die ihn immer markig und männlich darstellen. Während die Lippensynchronität fast immer gut gelungen ist, so fehlt es vielfach doch noch an unterstützender Mimik und Bewegungen. Das fällt wiederum nicht wirklich unangenehm ins Auge, da auf Super-Großaufnahmen à la Culpa Innata oder Sherlock Holmes dann auch verzichtet wurde.

Wer alle Grafikoptionen auf Maximum setzen kann, und dann noch immer glatte Bewegungen und einen leichtgängigen Cursor hat, wird vom optischen Eindruck und der Gesamtatmosphäre begeistert werden. Setzt man die Grafik mangels Rechnerleistung auf Minimum, so wird man mit einem eher pixeligen Helden ohne Kantenglättung in einem groberen Gesamtzusammenhang Vorlieb nehmen müssen. Ganz perfekt ist aber auch Perry Rhodans Darstellung im Deluxe-Modus nicht: hier und da wurde das Umgebungslicht nicht korrekt auf den Charakter übertragen (siehe Screenshot), Perry tippt z.B. bei Tastaturen in der Luft herum, Objekte sind bei Übergaben und Manipulationen nicht sichtbar und wie erwähnt, hätten Gesten und Mimik noch Feinpolitur vertragen können.

Gefallen haben mir die meist festen Kameraperspektiven, die nur dann dynamisch werden, wenn etwa der Bildschirm in einer größeren Szene zur Seite scrollt oder wir in eine andere, meist nähere Ansicht wechseln. Die Mischung aus bis zu 3 Kamerapositionen pro Szene mit einer Reduzierung auf wenige Schwenks und Zooms ist wundervoll ausgewogen und bietet dem Spieler ohne übertriebene Selbstdarstellung das Gefühl der vollen Kontrolle über die Spielwelt. Hollywoodtheater mit rasanten Kamerafahrten und -schwenks zeigen dafür die außerirdisch guten Filmszenen, die wir immer wieder an Schlüsselpunkten und Kapitelwechseln und natürlich zu Beginn und Ende verfolgen dürfen. Hätte man hier noch für Untertitel gesorgt, über die Hörbehinderte sicher froh wären, hätte ich gesagt, man kann es nicht besser machen.

Ein kleiner grafischer Leckerbissen ist auch die Inventaranimation. Fährt man horizontal mit der Maus über die Objekte in der immer sichtbaren Inventarleiste am unteren Bildschirmrand, dann werden die Objekte in einer Wellenbewegung vergrößert und aus ihrer monochromen Graudarstellung in die Farbigkeit hervorgehoben. Mit einem Rechtsklick der Maus erhalten wir eine fast bildschirmfüllende Darstellung auf einer durchscheinenden Ebene inklusive ausführlicher Beschreibung des gewählten Objektes.


Technisches/Ausstattung

Im schönen silbernen Miniklappkarton finden wir in einer Kartonhülle die Spiel-DVD und das 44seitige, farbig illustrierte Handbuch in dem man durch zwei freundliche pizzaköpfige Blues, eins der außerirdischen Völker, begrüßt wird. Gestaltung und Inhalt des Handbuchs sind vorbildlich! Mußte ich noch in meinem letzten Review das Fehlen jeglicher Informationen über die Auswirkungen der Grafikeinstellungen bemängeln, so zeigt das Perry-Rhodan-Handbuch ganz genau, wie es richtig gemacht wird. Jeder einzelne Menüpunkt des umfangreichen Optionsbildschirms wird allgemeinverständlich erläutert, beispielsweise, daß die Schatteneinstellung 'Blob' bedeutet, daß der Charakterschatten immer kreisförmig bleibt. Neben der Handhabung wird die Perry-Rhodan-Welt beschrieben und man stellt uns ihre Hauptcharaktere und Völker vor. Mit einer farbig bebilderten Lösung findet man den Einstieg in etwa die Hälfte des ersten Kapitels. Auch der Abschnitt zum Thema 'Problembehandlung' ist ausgesprochen hilfreich und ausführlich. Sollte das Spiel einmal abstürzen, was mir allerdings nicht passiert ist, so wird beschrieben, was das dann automatisch erscheinende Fenster des Bug-Reports macht, der direkt an die Entwickler geschickt wird, wenn man eine Internetverbindung hat. Die angegebenen Hotlinenummern sind im Bereich Technik mit 62 Cent/Minute (Deutschland) preislich o.k., die Tipps-Hotline für 1,86 Euro/Minute ist dafür aber wirklich nur etwas für Leute, die keinen Internetanschluß haben und sich wirklich nicht mehr zu helfen wissen. Das kann ich mir aber bei den Rätseln von Perry Rhodan nicht vorstellen.

 

Rätsel

Man steigt bei einem mittleren Schwierigkeitsgrad ins Rätselgeschehen ein und erreicht einige Rätselspitzen mit schweren Aufgaben im Verlauf des Spiels. Perry Rhodan macht gleich klar, daß er seine Fans nicht unterschätzen möchte. Gut so, und gut so, daß die Rätsel eigentlich nur auf den ersten Blick schwieriger scheinen als sie sich dann letztlich herausstellen. Hinweise sind zumindest im Anfangsstadium immer leicht auffindbar, mal in den Tiefen von Perrys Allround-Datenbank, seinem tragbaren Computer, der einem Kurzinfos von Inventargegenständen anzeigt, aber auch in der Spielumgebung selbst, durch Grafik- Text- und Dialoghinweise. Im übrigen handelt Perry nach dem gesunden Menschenverstand und damit kommt er gut voran. Vielfalt und Komplexität der Rätsel sind wiederum vorbildhaft. Von Inventar-/Objekträtseln über Logikaufgaben, Dekodierungen, Maschinenrätseln à la Myst und sogar einem stark abgewandelten Schieberätsel ist alles so überzeugend und einfallsreich eingebunden, daß gerade die schwierigeren Hürden Spaß machen statt zu demotivieren.

Sollte man mal den Faden verloren haben, so kann man die erledigten bzw. noch nicht erledigten Aufgaben in Perrys Notizbuch nachschlagen. Eine weitere Ingame-Hilfe besteht aus Perrys Scanner, der ebenfalls in seinem Armband integriert ist. Wird diese Funktion mit der Taste 'S' aufgerufen (die Funktionen des Armbandes werden dem Spieler über einen Rechtsklick erläutert), dann wird die Umgebung von oben nach unten in einem blauen Licht gescannt und relevante Hotspots gelb leuchtend markiert. Diese Funktion ist psychologisch so geschickt konstruiert, daß sie relativ langsam durchgeführt wird und den Spielcursor erst nach einiger Verzögerung freigibt. Dadurch wird es sich der ungeduldige Spieler zweimal überlegen, ob er nicht zunächst selbst suchen soll und erst zuletzt die Hilfefunktion verwendet, wenn es wirklich unumgänglich sein sollte.

Das meiner Meinung nach schwierigste Rätsel ist eine Kombination aus Klangfolge und Dekodierrätsel mit ein paar zusätzlichen Lösungstricks. Wer den Film 'Unheimliche Begegnung der dritten Art' kennt, wird wissen, um welche Klangfolge es geht. Ich gebe zu, daß auch ich immer meine Probleme bei solchen Klangrätseln habe, selbst wenn ich die Tonfolge ganz genau zu wissen glaube. Da das Rätsel auch noch andere Lösungsansätze bietet, ist es nicht ganz so gemein, wie es anfänglich scheint.

Die Inventarrätsel erhalten eine weitere Dimension durch die Kombinationsmöglichkeiten der Objekte untereinander, denn auch Personen oder Dialogthemen werden als Inventarobjekte abgelegt. Man kann diese Dialogthemen mit jedem der gegenständlichen Inventarobjekte aber auch jeder Person oder jedem Hotspot verwenden. Die erhaltenen Kommentare sind erfrischenderweise fast immer kontextbezogen und damit oft überraschend humorvoll, besonders wenn's eine eigentlich unsinnige Kombination ist. Zu häufig und nervend kam allerdings eine der Standardfloskeln "Da könnte ich mir auch ein Loch ins Knie bohren und Milch hineingießen'.

Einen gravierenden Handlungs- und Rätselbug durfte ich allerdings auch entdecken: In einer Klinik der Minenstadt müssen wir einem Patienten ein Objekt bringen. Wir können uns sowohl vor als auch nach der Objektübergabe mit ihm unterhalten. Wenn man mit ihm nach der Übergabe über etwas anderes als ein ganz bestimmtes Thema redet, dann macht das gesamte Spiel einen Zeitsprung zurück und wiederholt die bereits abgearbeitetete Handlung inklusive Auftritt eines Charakters, der nicht mehr auftauchen darf, und läßt Perry nicht mehr mit dem Patienten über das relevante Thema sprechen. Damit ist eine Sackgasse erreicht, bei der ein weiterer Spielfortschritt unmöglich ist. In diesem Augenblick habe ich die geringe Anzahl von 7 Speicherplätzen für Savegames verflucht, da ich eine sehr lange Sequenz wiederholen durfte. Nun, dieser Fehler ist mir nur widerfahren, weil ich möglichst alle Variationen des Dialogs durchspielen wollte anstatt das aktuell Logische und Geforderte zu tun. Deshalb wird der Bug beim normalen Spielen nicht unbedingt auffallen.

Savegames benötigt man sonst nur für Spielunterbrechungen, denn GameOvers gibt es nicht. Perry Rhodan ist ein reines Adventurespiel ohne Geschicklichkeitseinlagen oder Zeitdruck beim Lösen. Je nachdem, wieviel man sich von den vielen angebotenen Informationen der Datenbanken oder der Spielumgebung anschaut, sollte man das Spiel in etwa 18-20 Stunden beenden können. Das Verhältnis von spielrelevanten zu nicht spielrelevanten Hotspots ist ausgewogen und befriedigt das Informationsbedürfnis was Hintergrundgeschichten der Charaktere und Schauplätze angeht. Handlung und Rätselablauf sind überwiegend linear, im Museum können allerdings mehrere Rätsel gleichzeitig angegangen werden.

 

Handhabung

Die Point&Click-Steuerung von Perry Rhodan wird ergänzt durch die ESC-Taste für das Hauptmenü und einige Tasten für Hilfsfunktionen, darunter die Taste 'S' für den erwähnten Raumscanner. Der Cursor ändert seine Form und manchmal auch seine Farbe über Hotspots. Perry kann seine Wege nicht frei planen, sondern ist auf bestimmte Hotspots (Gehen-Cursor) angewiesen, zu denen er sich hinbewegen kann. Das tut er dann beim Anklicken ganz automatisch, meist läuft er bereits, aber ein Doppelklick versetzt ihn auf jeden Fall in schnelleren Trab. Ein wenig hat mich gestört, daß ein schnöder Linksklick auf einen dieser Beam-Aufzüge den Helden automatisch und ohne Vorwarnung dazu bringt, sich hineinzustellen und zur nächsten Szene zu verschwinden. Schließlich will man vorher untersuchen, was das eigentlich für ein Ding ist, vielleicht noch andere Hotspots betrachten und erst mal sichergehen, daß einem beim Beamen nichts Böses widerfährt. Möchte man nicht solcherart überrascht werden, hätte man vorher das Handbuch studieren oder gleich selber darauf kommen können, daß Anschauen und Untersuchen ausschließlich der rechten Maustaste überlassen wurde. Also Rechtsklick für einen Kommentar oder die Auskunft zu einem Hotspot (es gibt keine Vorabinformationen durch Bildschirmtexte), Linksklick für eine Aktion, die sich aus der Art des Hotspots ergibt: mit Personen wird geredet, Objekte werden genommen oder bedient und Lifte halt benutzt.

Verwandelt sich der Mauszeiger in den Raumwechselcursor, erscheint gleichzeitig ein recht großes Fenster an der entsprechenden Stelle. Hat man diesen Raum vorher schonmal betreten, wir in diesem Fenster eine Voransicht gezeigt. Mit einem Rechtsklick betritt Perry den Raum sofort. Hier und da können wir Objekte fernsteuern. Für ihre Positionierung gibt es einen zusätzlichen gelben Cursor.

In der Perry-Rhodan-Spielumgebung wird manche Rätsellösung durch nah beieinander liegende Hotspots schwieriger gestaltet. Ich habe es hiermit erwähnt. Mir fällt es sehr schwer, daran etwas Schlimmes zu finden. Persönlich habe ich nichts gegen nah zusammenliegende Hotspots. Ich finde das Geweine über so etwas oder das Auffinden von besonders kleinen Hotspots, genannt Pixelsuche, lächerlich. Und wenn ich ganz ehrlich bin, halte ich Hotspothilfen, in diesem Fall die Scannerhilfe, für einen Adventurefan von altem Schrot und Korn beleidigend - noch bin ich nicht verkalkt und in der Lage, ohne Hilfe die Maus zu führen! Wenn ich mal 10 Dioptrien haben sollte, darf man mir ein Akustik-AddOn anbieten. Zum Glück werde ich nicht gezwungen, diese Hilfe zu benutzen und der Spaß des Selberfindens, eigentlich ein Hauptspaß in Adventureumgebungen, bleibt erhalten (es soll ja Leute geben, die in sogennannten Casual Games nichts anderes tun, als Hotspots zu finden, und die verkaufen sich ja anscheinend auch!). Zusammengefaßt heißt das: sowohl Pixelsucher wie ich als auch Personen, die sich dazu außerstande sehen, können ausgezeichnet mit dem Angebot dieses Spiels leben.

Es wurde kaum etwas falsch gemacht beim Implantieren der Bedienungselemente. Auch das Inventar funktioniert entsprechend der sonstigen Spielsteuerung - mit Links wird genommen und agiert mit Rechts angesehen und informiert.

Das geniale Optionsmenü mit seinen zig Einstellungsmöglichkeiten, die dann auch noch alle im Handbuch erklärt sind, verdient Applaus.
Mäkeln möchte ich allerdings an der Anzahl und Präsentation der Savegames. 7 eigene Speichermöglichkeiten plus Schnellspeicherung plus Autosave sind zuwenig. Und wenn man schon die Spielstände nicht selbst beschriften kann, dann sollte zumindest der Spielort zusätzlich zur Speicherzeit vermerkt werden. So genau kann man den in den kleinen Screenicons nämlich nicht erkennen (vielleicht bin ich aber auch nur näher an den 10 Dioptrien, als ich dachte).

 

Fazit

Perry Rhodan kann sich sehen, hören und vor allen Dingen spielen lassen! Mehr davon! Eine tolle Leistung aller Beteiligten beschert uns ein ganz außergewöhnliches Adventure - Danke!

Ich ziehe insgesamt 8 Prozentpunkte in den Bereichen Grafik und Handhabung und für den kleinen Dead-End-Bug von den perfekten 100% ab.

 

Meine Gesamtbewertung: 92%

 

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzunge:

  • Windows XP/Windows 2000 SP3/Vista
  • Pentium IV 1,5 GHz CPU oder ähnlich
  • 512 MB RAM für XP/2000, 1024 MB für Vista
  • ATI Radeon 8500 mit 64 MB / NVidia GeForce 3 mit 64 MB, mit aktuellem Grafiktreiber
  • 3,5 GB freier Festplattenspeicher
  • Soundkarte
  • DVDROM-Laufwerk

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 22. April 2008

 

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Hauptmenü
Hauptmenü

 

Der Überfall
Der Überfall

 

Mondra whrt sich
Mondra wehrt sich

 

Perry macht Bestandsaufnahme
Perry macht Bestandsaufnahme

 

Das erste Coderätsel
Das erste Coderätsel

 

Die Residenz ist schwer getroffen worden
Die Residenz ist schwer getroffen worden

 

Perrys Abenteuer (illustriert mit Bildern aus der Heftserie) im Residenzmuseum
Perrys Abenteuer (illustriert mit Bildern aus der Heftserie) im Residenzmuseum

 

Kumpel Bully sammelt Modellraumschiffe
Kumpel Bully sammelt Modellraumschiffe

 

Mondras Büro hat eine wunderbare Aussicht
Mondras Büro hat eine wunderbare Aussicht

 

Der Techniker hat immer einen coolen Spruch drauf, wenn Perry ihm irgendeinen Inventargegenstand unter die Nase hält
Der Techniker hat immer einen coolen Spruch drauf, wenn Perry ihm irgendeinen Inventargegenstand unter die Nase hält

 

Das Park-and-Ride-System der Waringer Akademie
Das Park-and-Ride-System der Waringer Akademie

 

Der Rainbow Dome der Akademie als Bahnplan
Der Rainbow Dome der Akademie als Bahnplan

 

Da ist Leben in der Akademie
Da ist Leben in der Akademie

 

Gegenstände der Spielumgebung werfen Schatten, Perry wird jedoch nicht entsprechend beleuchtet an dieser Stelle. Dadurch wirkt er wie eine Schwebefigur
Gegenstände der Spielumgebung werfen Schatten, Perry wird jedoch nicht entsprechend beleuchtet an dieser Stelle. Dadurch wirkt er wie eine Schwebefigur 

 

Eine interessante Speisekarte
Eine interessante Speisekarte

 

Die Begegnung mit dem Muurt-Burger muß man selbst erlebt haben
Die Begegnung mit dem Muurt-Burger muß man selbst erlebt haben

 

Auf zu neuen Zielen
Auf zu neuen Zielen

 

Irgendwann kommt Perry zur Erkenntnis: "Jemand ist da irgendwo und lenkt meine Schritte. Wsa bin ich, eine Spielfigur?"
Irgendwann kommt Perry zur Erkenntnis: "Jemand ist da irgendwo und lenkt meine Schritte. Wsa bin ich, eine Spielfigur?"

 

Das gigantische Museum auf Titan
Das gigantische Museum auf Titan

 

An solchen Stellen gibt es Kameraschenks und Perspektivwechsel
An solchen Stellen gibt es Kameraschwenks und Perspektivwechsel

 

Ein altes Spiel der Illohim
Ein altes Spiel der Illohim

 

Perry schaut in den fremden Datenbanken mal nach, was seine Feinde von ihm halten
Perry schaut in den fremden Datenbanken mal nach, was seine Feinde von ihm halten

 

Die Minenstadt Gom Callaedus
Die Minenstadt Gom Callaedus

 

Ungewöhnliche Architektur
Ungewöhnliche Architektur

 

Die Odor-Bar
Die Odor-Bar

 

Während des Odor-Trips sieht die Minenstadt ganz schön bunt aus
Während des Odor-Trips sieht die Minenstadt ganz schön bunt aus

 

Verhandlungen ...
Verhandlungen ...

 

... mit Mackro da Thrang
... mit Mackro da Thrang