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zur Adventure-Archiv Startseite Pilgrim Adventure mit Tiefgang Wenn das Gürteltier (Nein, nicht unser Chefred. kurz vor Redaktionsschluß ohne Hosenträger. Anm. d. Red....) sich auf meinem Monitor die Ehre gibt, kommt bei mir so richtig Stimmung auf. Dann schließe ich die Tür ab, lege Junk-Food-Vorräte neben der Tastatur an und entzünde die Kerzen: Ein neues Adventure von lnfogrames! Von Alone in die Dark bis hin zu Time Gate, schafften es die Abenteuerspiele des Labels mit dem genannten Viech im Wappen allesamt, mich der sozialen Verelendung ein Stückchen näher zu bringen. Die 3-D-Polygoncharaktere nahmen mich einfach zu sehr in Beschlag. Na, man sieht ja, wohin so was führt ...
Doch diesmal keine Spur von kämpfenden
Polygon-Helden. Pilgrim ist kein Action-Adventure aus der 3-D-Karneraschwenk-Abteilung,
vielmehr stehen Spiele wie die Legend-Adventures Shannara oder Death Gate Pate, zumindest
was die Handhabung angeht. Sie bewegen sich mit Hilfe der Maus schrittweise innerhalb von,
aus vielen Einzelbildern zusammengesetzter Locations. Um mit anderen Personen reden oder
mit der Spielumgebung sonstwie interagieren zu können, stehen Ihnen drei Menüs zur
Verfügung:
Beispielsweise sehen Sie ein Seil in einem Wagen, können es im Moment aber nicht an sich nehmen. Sie klicken auf den Hanfstrang und schwupps, befindet sich in Ihrem Erinnerungsspeicher ein Seilsymbol. Zockeln Sie nun einige Bilder weiter und brauchen "zufällig" dringend ein Seil, können Sie mit einem Klick auf das Seilsymbol im Erinnerungsspeicher einer anderen Person Ihre Beobachtung mitteilen - vielleicht um eine "Seilschaft" zu bilden, um gemeinsam die stranglosen Zeiten zu beenden .Durch dieses "Themenmenue" ist das Interface komfortabler und vor allem flexibler geworden als in vergleichbaren Spielen. Es ergeben sich mehr Kombinationsmöglichkeiten bzw. ein schnellerer Zugriff auf Dinge außer Reichweite oder Beobachtungen aus vorhergehenden Szenen. Historisch korrekt Von Zeit zu Zeit stoßen Sie während einer der häufigen Konversationen auf historische Namen oder Ereignisse, die eine Verbindung zu einer beeindruckend umfangreichen Enzyklopädie herstellen, die sich dieses Themas dann mit erschöpfender Ausführlichkeit annimmt. So erhalten Sie direkt im Spiel historische Fakten zu Vorkommnissen, die Sie in der digitalen Haut Ihrer Spielfigur gerade durchleben. Pilgrim versetzt Sie nämlich ins ziemlich finstere 13. Jahrhundert, und das historisch absolut korrekt. Ob Sie nun wissen wollen, welches intrigante Süppchen Papst lnnocent III zum Köcheln brachte, wie das eigentlich war mit der lnquisition oder wie die Menschen damals Ihren Alltag bewältigten: Pilgrim sagts Ihnen. Wobei die Betonung auf "wenn Sie wollen" liegt. Diese vertiefenden Informationen stehen auf Wunsch per Mausklick zurVerfügung, müssen aber nicht abgerufen werden. Pilgrim ist in erster Linie ein Spiel und keine Edutainmentsoftware, kann aber so genutzt werden. Damit entsteht für interessierte Spieler die ziemlich einmalige Gelegenheit, ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge innerhalb der Spielwelt zu gewinnen.
Was Sie in dieser Welt erwartet, läßt sich folgendermaßen kurz umreißen: Sie übernehmen die Rolle von Simon, Sohn des Adalard de Lancrois. Papa ist Anführer eines Geheimbundes namens Die Tradition und ist über einen abtrünnigen Tempelritter in den Besitz einer geheimen Schrift gelangt. Da es sich bei diesem Manuskript um das verloren geglaubte Evangelium handeln soll, sind gleich mehrere Parteien dahinter her, wie der Teufel hinter der armen Seele. Als Adalard erkrankt beauftragt er Sie - in Gestalt seines Sohnes Simon - das mysteriöse Pergament nach Toulouse, zu einem Freund namens Petrus zu bringen. Gleichzeitig macht sich der Inquisitor Diego DOsma auf die unheiligen Socken, um im Auftrag des Papstes den "Ketzern" das Schriftstück abzujagen... Der Name Paulo Coelho bürgt dafür, daß diese Geschichte nicht mal eben mit der heißen Nadel zusammengestrickt wurde, um einer Grafikengine etwas Seitenhalt zu geben und das Ganze dann Spiel zu nennen. Er zeichnet verantwortlich für die Handlung in Pilgrim wobei er den meisten Lesern eher durch seinen Bestseller Der Alchimist bekannt sein dürfte. Auch was die optische Präsentation angeht, hat man sich bei lnfogrames nicht Lumpen lassen. Die französische Comiczeichner-lkone Möbius gestaltete die wunderschönen Hintergründe. Häufiger als in bisherigen Vertretern dieser Machart, gerät Bewegung in die ansonsten stillen Bilder. Da werden die Charaktere zu Animateuren und durch mehrschrittige Rätsel Marke "Kopfnuß" zusammengepuzzelte Konstruktionen, setzen ausgeklügelte Mechanismen in Gang. Diese Animationen sind ein wahrer Augenschmaus und mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt worden.
Eins nach dem Anderen Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Leider haben die Entwickler bei Infogrames durch einige Ungereimtheiten bei Handhabung und Gameplay die Chance auf einen Platin-Award vertan. So ist die Handhabung des Spiels durch die durchdachte Menuekonstruktion im Prinzip flexibler geraten, als in vergleichbaren Spielen. Dieser Vorteil wird aber in manchen Szenen durch eine ungenügende Koordination leichtfertig verspielt. So funktionieren Gegenstände nicht immer aus dem Erinnerungsmenü heraus. Obwohl deren konkrete Anwesenheit logisch nicht erforderlich wäre, ignoriert das Spiel kommentarlos ihre Präsenz im "virtuellen Gedächtnis". Erst im Inventar untergebracht, kann ich plötzlich Bezug auf sie nehmen. Das Rätseldesign ist insgesamt in ein zu starres, lineares Korsett gezwängt, wodurch das an sich ausgeklügelte Interface unnötig ausgebremst wird. Das Spiel läßt sich nur beschränkt auf Ihre persönlichen Bedürfnisse einstellen. Geht Ihnen mit der Zeit die mittelalterlich angehauchte Hintergrundmusik auf die Nerven, haben Sie nur die Möglichkeit, den Sound insgesamt, also samt deutscher Sprachausgabe und Geräuschen abzuschalten. Eine Vollbilddarstellung ist nur in der Auflösung 640 X 480 möglich, die optional höheren Auflösungen laufen nur in entsprechend kleinerer Fenstern. Summa summarum ist Pilgrim ein Adventure mit knackigen Rätseln und historisch einzigartiger Tiefe. Die erwähnten Handling- und Designmängel führen allerdings zu Punktabzügen. Alternativen: Hersteller: Infogrames Preis: ca. 90 Mark Minimum: Pentium 75, 16MB RAM, SVGA, Windows 3.1 oder 95 Pro Kontra
Spiel-/Dauerspaß: 39 von 50 Gesamtwertung: 77 PC Power Januar 1998
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