This page in English

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

Post Mortem - Die Affaire Whyte 


Erscheinungsdatum: 12/2002
Entwickler/Publisher: Microids
Homepage
Boxshots

USK: Geeignet ab 16 Jahren

 

 

Ein Review von slydos   04. Januar 2003

 

Nach Syberia stellt uns Microîds diesmal ein 1st-Person-Adventure im Film-Noir-Stil vor: Post Mortem. Post Mortem ist ein dunkler Thriller mit paranormalen Elementen in der dekadenten Atmosphäre des Paris der 20er Jahre. Die Handlung dieses Mystery-Thrillers richtet sich an ein erwachsenes Publikum.

Story

Hauptfigur ist der Amerikaner Gus McPherson, früher Privatdetektiv - spezialisiert auf besonders ungewöhnliche Fälle. Hilfreich dabei waren Visionen die ihn jedesmal überkamen, wenn etwas Gewalttätiges in seiner Nähe geschah. Nachdem er bei einem besonders kniffligen Fall selbst in den Verdacht kam, ein Serienkiller zu sein, zog er sich aus dem Detektiv-Business zurück und lebt jetzt als Maler in Paris. Aber das ändert sich, als Sophia Blake auftaucht ...

Sophia Blake ist die geheimnisvolle Frau, die in keinem Film-Noir-Krimi fehlen darf. Sie beauftragt McPherson, den Mord an ihrem Schwager und ihrer Schwester - den Whytes - zu untersuchen, denn anscheinend tut die Polizei nicht viel, das blutige Verbrechen aufzuklären. Das Tat war nicht nur blutig, das Paar wurde geköpft und in ritueller Weise angeordnet. Sind diese Morde ein Einzelfall? McPherson vermutet mehr dahinter und wird in den mysteriösesten Fall seiner Laufbahn verwickelt, der ihn auf die geheimnisvolle Spur der Templer und ihrer Baphomet-Verehrung bringt.

 

Installation/Start

Das Spiel kommt auf 2 CDs inklusive deutscher Anleitung in einer DVD-Box. Wir haben bei der automatisch ablaufenden Installation die Wahl zwischen einer Minimalinstallation von 270 MB, einer mittleren von 600 MB oder der vollständigen Installation von 1100 MB. Eine Readme-Datei gibt gleich Auskunft über Grafikkompatibiltäten und Support. Auch bei der Vollinstallation müssen wir CD 2 im Laufwerk belassen.

Nach dem kurzen Vorspann, der uns bild- und soundmäßig auf die kommenden mysteriösen Vorgänge in Form einer stummfilmartigen Zusammenstellung der verschiedensten Geheimwissenschaften einstimmt, gelangen wir ins Hauptmenü. Hier können wir neben den Standardfunktionen auch bereits gesehene Videosequenzen nochmals abrufen und im Optionsmenü Einstellungen zur Sound, Grafik und Untertiteln treffen.

Starten wir ein neues Spiel, so werden wir mit einer aufregenden Kamerafahrt über die Dächer des regnerischen, nächtlichen Paris zum Schauplatz des Verbrechens geführt - dem Hotel Orphée, einer Nobelherberge in einem der besseren Bezirke. Die Kamera schwenkt über einige achtlos im Hotelzimmer fallen gelassene Kleidungsstücke eines ins Liebesspiel vertieften Pärchens, das sich kichernd im Bett vergnügt als das Unvorstellbare geschieht ... Wir erleben MacPhersons Vision eines unglaublich grausamen Verbrechens, die durch das Klopfen an seiner Ateliertür unterbrochen wird. Sophia Blake möchte den ehemaligen Detektiv in Anspruch nehmen und von nun an können wir den Lauf des Spiels beeinflussen.

 

Steuerung

Post Mortem ist vollkommen mausgesteuert. In 1st-Person-Perspektive können wir in 360 Grad Panoramasicht schwenken. Der veränderliche Cursor zeigt uns Möglichkeiten zur Interaktion und zum Szenenwechsel an. Ein Rechtsklick öffnet eine Leiste am unteren Bildschirmrand, die sowohl das scrollbare Inventar als auch die Icons für das Hauptmenü und MacPhersons Notizbuch enthält.

Für die Bewegung unseres Charakters verwendeten die Entwickler die gleiche Engine wie beim direkten Vorgänger "Road to India", die damit ebenso intuitv und einfach zu handhaben ist. Auch der Rechtsklick fürs Inventar ist beibehalten worden.

Allerdings ist die Handhabung des Inventars und des Notizbuchs nicht so angenehm wie bei Road to India. Man bekommt nur wenige Gegenstände gleichzeitig angezeigt und muß bei neu dazu gekommenen immer langwierig scrollen, bis man sie näher untersuchen kann um eine Beschreibung oder bei Dokumenten den Inhalt erfährt. Ebenfalls umständlicher ist das Suchen und Blättern im Notizbuch, wo zwar alle wichtigen Informationen bis hin zu allen Dialogen gespeichert werden, aber halt in einer Reihenfolge, die wiederholtes Blättern nötig macht.

Ein weiterer Minuspunkt liegt im Handling der Dialoge. Dadurch, daß wir sehr unterschiedliche Spielverläufe, je nach Dialogauswahl erhalten, werden wir häufig Szenen wiederholen wollen. Leider kann in diesen Fällen der Dialog nicht abgebrochen werden, sondern es müssen alle angebotenen Möglichkeiten durchgespielt und bis zum Ende angehört werden.

Die Speichermöglichkeiten sind meines Wissens nicht begrenzt, ein Szenenbild wird automatisch mit Zeit und Datum gespeichert. Der Abruf von gespeicherten Spielen und das Verlassen des Spiels geht ohne Verzögerungen. Schnell auch die Bewegung von Ort zu Ort über die Paris-Karte.

 

Grafik/Atmosphäre

Post Mortem bringt nicht nur durch die Charakterzeichnung von gebrochenen Charakteren sondern auch durch Grafik und Sound die angesprochene Film-Noir-Atmosphäre rüber. Düster und drohend ist der Himmel über Paris, wie in Syberia beginnt alles auf regennassen Straßen. Post Mortem spielt aber ausschließlich bei Nacht, im Luxushotel mit Barmann und Nachtportier, in einer Szenekneipe in der sich lichtscheue Leute ein Stelldichein geben oder z. B. auf dem Polizeirevier, in dem ein leicht bestechlicher Gendarm seinen Dienst schiebt.

Während die Hintergrundgrafiken in der Normalansicht meist leicht verschwommen wirken sind die vielen Dialogszenen, in denen wir Gus und seine Gesprächspartner erleben, detailliert und relativ ausdrucksstark. Leider haben die 3D-Charaktere nicht die Qualität von Syberia und ihre Gestik und Mimik wirkt teilweise hölzern. Lebendigkeit und Kinofeeling werden jedoch durch die passend gewählten und wechselnden Kameraperspektiven erzeugt.

Besonders stark trägt die Hintergrundmusik zur spannenden, dunklen Atmosphäre bei mit melancholischen Jazzklängen, mal orchestral, mal nur am Piano. Störend war allerdings eine sich ständig wiederholende Radioeinspielung an manchen Stellen des Spiels, die immer wieder abrupt aufhörte, um dann wieder unvermittelt einzusetzen.

Erstklassig wiederum die Qualität der ausdrucksstarken Videosequenzen, die speziell jeden neuen Schauplatz einleiten. Wesentlich besser als in Road to India und ebenso gut wie in Syberia hat Microids es wieder geschafft, eine mitreißende Atmosphäre zu schaffen, die keinen Spieler kalt lassen wird. Da kommt tatsächlich Gänsehaut auf!

 

Sprache/Texte

Die Sprecherauswahl für die Synchronisation ist passend und sehr gut gelungen. Die Sprecher sind oft ausddrucksvoller als ihre grafischen Gegenstücke. Die Lippensynchonität der deutschen Sprachausgabe ist zufriedenstellend aber eben nicht so exakt gelungen, wie es gewünscht war. Hinzu kommen einige durchgängige Aussprachefehler bei den Eigennamen, z.B. Lebrun und Beauvais, und einige Fehler bei der Übersetzung der schriftlichen Texte: während man z. B. mehrmals das Wort "Vision" hört, wird es schriftlich jedesmal mit "Version" wiedergegeben. Diese Flüchtigkeitsfehler können zwar das positive Gesamtbild nicht sehr trüben, wären aber trotzdem bei einiger Sorgfalt nicht nötig gewesen. Positiv - nicht nur für hörgeschädigte Spieler - die zuschaltbaren Untertexte, die in deutlich lesbarer Schrift und bei längeren Dialogen auch in passendem Tempo eingeblendet werden.

 

Rätsel

Die Rätsel selbst hängen zum Teil von der Art der Dialogführung ab. Recht ausgefallen, zumindest für das Adventure-Genre, das flexible Dialogsysystem. Es bietet dem Spieler/der Spielerin die Möglichkeit, die Art der Interaktion und das Ergebnis zu beeinflussen. Das beginnt gleich zu Anfang wenn Gus Sophia eine Absage erteilt und sie einfach wieder geht. Will man das Spiel also weiterspielen, muß man auf andere Weise wieder Kontakt mit ihr aufnehmen. Das Spiel nimmt einen anderen Verlauf, je nachdem, ob wir das Gegenüber verstimmen oder ihm schmeicheln. Dabei kann es z. B. geschehen, daß ein Gesprächspartner nicht mehr reden will oder eben ein ganz anderes Verhalten annimmt und wir daraufhin eine Aufgabe anders angehen müssen.

Reine Objekt-/Inventarrätsel machen einen großen, wenn auch nicht überwiegenden Teil aus. Je nachdem, welchen Ausgang die Dialoge nehmen, müssen wir auch auf unterschiedliche Arten die uns gestellten Aufgaben lösen. Dazu gibt es unterschiedliche Objekte, die in mancher Verzweigung der Geschichte gar nicht oder auch an anderer Stelle angewendet oder gefunden werden. Das ist ausgesprochen reizvoll und regt auf jeden Fall zur Spielwiederholung an.

Neben dem Finden und Auswerten von Dokumenten und der richtigen Anwendung von Gegenständen gibt es durchaus noch andere interessante und neuartige Rätsel. Da müssen nicht nur einfach Schlüssel gefunden, sondern ein Dietrichset sehr realistisch angewendet werden. Man muß Mixturen zusammenstellen und Kodierrätsel lösen. Es gibt ein aus Zeitungen bekanntes "Original und Fälschung"-Rätsel und Gus muß auch seine künstlerischen Fähigkeiten mit einer Phantomzeichnung nach Zeugenaussagen unter Beweis stellen.

Ein sehr hoher Wert wurde auf Nichtlinearität gelegt, so daß den Spielern große Bewegungsfreiheit bei der Lösungsreihenfolge und auch manchmal der Lösungsweise der Rätsel geboten wird bis hin zu verschiedenen Spielausgängen. Hinzu kommt, daß man auch in die Rolle eines weiteren Charakters schlüpfen muß, um die Geschichte voran zu bringen. Es gibt kein Game-Over und auch meines Wissens keine Sackgassen.

An einigen Stellen, wie z. B. der Phantomzeichnung, hat man unter Umständen längere Zeit zu knabbern, aber durch den nichtlinearen Spielverlauf ist es möglich, langwierigere Rätsel zunächst zu unterbrechen und an anderer Stelle erst mal weiterzuforschen. Die Rätsel sind ausgesprochen abwechslungsreich und gut in die Geschichte integriert, zudem bis auf eine Ausnahme auch durch logische Hinweise statt Versuch und Irrtum lösbar.

 

Fazit

Ein wirklich abwechslungsreiches und packendes Adventure! Nichts ist wirklich, wie es scheint! Die Spannung bleibt von Anfang bis Ende erhalten und die ausgefeilte Story ist filmreif. Seit Text Murphy aber endlich mal wieder eine großartige und dazu spannende Detektiv-Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen und außergwöhnlicher Atmosphäre. Auch wenn Post Mortem noch nicht perfekt ist, so kann man es trotzdem allen empfehlen, die besonderen Wert auf eine gut erzählte Story legen, denn die ist hier vom Feinsten! Hinzu kommt die große Bewegungsfreiheit und daß die angesetzen 15 Stunden+ Spielzeit durch den Wiederspielwert der verschiedenen Handlungszweige um einiges verlängert wird.

 

Gesamtwertung: 81%

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • CPU 350 Mhz / 500 Mhz empfohlen
  • 64 MB RAM / 128 MB empfohlen
  • 16x CDROM Laufwerk (24x empfohlen)
  • 16 MB Direct3D kompatible Grafikkarte / 32 MB empfohlen
  • 500 MB freier Festplattenspeicher
  • DirectSound kompatible Soundkarte


Kompatible Grafikkarten:

NVidia Geforce MX/Geforce 2 / Geforce 3 - 3DFX Voodoo Banshee & Voodoo 3 - Matrox Millenium G550 - Power VR Kyro II - ATI Radeon

 

gespielt auf:

  • WindowsME
  • Pentium III 850
  • 128 MB RAM
  • Sound- und Grafikkarte DirectX-kompatibel
  • Toshiba DVD-ROM

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Hauptmenü
Hauptmenü

 

Auf Bilder klicken zum Vergrößern

Madame Hellouin sucht ihrern "kleinen Jungen"
Madame Hellouin sucht ihrern "kleinen Jungen"

 

Die Whytes
Die Whytes

 

Dialogauswahl per Registertab
Dialogauswahl per Registertab

 

Gus muß ein Phantombild anfertigen
Gus muß ein Phantombild anfertigen

 

Auf der pariser Karte kommen immer mehr Schauplätze hinzu
Auf der pariser Karte kommen immer mehr Schauplätze hinzu

 

BéBé hat eine Menge Qualitäten
BéBé hat eine Menge Qualitäten

 

Kommissar Lebrun ist wohl keine große Hilfe
Kommissar Lebrun ist wohl keine große Hilfe

 

Es kommen noch einige Tote hinzu
Es kommen noch einige Tote hinzu

 

In der Alchemistenküche
In der Alchemistenküche

 

Eine verlassene Metrostation
Eine verlassene Metrostation

 

Mehr Screenshots

 


Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 04. Januar 2003

 

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite