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1) Wie erklären Sie es sich, dass bei der Produktion von Myst IV Revelation so viele Frauen hohe Positionen innehaben?

Geneviève Lord (Produzentin): Myst ist kein gewalttätiges Spiel. Es verfügt über außerordentlich schöne Grafiken und eine bewegende Geschichte. Dadurch spricht es Frauen sehr an - seien es Frauen, die daran arbeiten oder es einfach spielen. Es waren 20 % mehr Frauen an den wichtigen Produktionsphasen von Myst beteiligt, als bei anderen Spielen. Außerdem spielen mehr Frauen Videospiele - das ist eine Tatsache. Wenn in Zukunft mehr frauenorientierte Spiele entwickelt würden, könnte es eventuell dazu führen, dass auch mehr Frauen in dieser Berufssparte Fuß fassen. Hoffentlich werden sie Einfluss auf die Spieleentwicklung haben und ihren Teil dazu beitragen, dass die Vielseitigkeit dieses Mediums noch weiter ausgebaut wird. Zumindest hoffe ich das!

2) Könnten Sie uns die Abenteuer des Myst-Projekts vom weiblichen Standpunkt aus schildern?

Geneviève Lord: Ich selber bin dem Team beigetreten, nachdem ich mich vier Jahre um unsere Jungs gekümmert habe. Die frühere Producerin, Catherine Roy, ging in Erziehungsurlaub. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, beides zu kombinieren: das sehr intensive berufliche Leben mit einer Phase, die der Erziehung unserer Kinder gewidmet ist. Vor diesem Problem stehen viele Frauen, die versuchen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Während der Produktionszeit kamen insgesamt zehn Kinder zur Welt, allerdings waren nicht alle Mütter Teil des Teams, manchmal auch die Väter.

3) Können Sie uns eine Anekdote aus der Produktionsphase erzählen, die "typisch weiblichen" Ursprungs ist?

Geneviève Lord: Sonia, eine unserer Animations-Designerinnen, musste ein gefährliches Raubtier entwerfen, das läuft und knurrt. Allerdings findet sie alle kleinen Tiere süß, so dass ihr Raubtier eher aussah, als würde es frieren. Wir mussten lachen, als wir uns vorstellten, wie eine solche Animation piepsen würde. Wir haben ihn zwar „gefährlicher" gemacht, aber den Spitznamen hat er behalten: „Das frierende Raubtier".

 

1) Ist es schwierig, ein Videospiel zu erschaffen, das beide Geschlechter anspricht?

Mary De Marle (Autorin): Ich glaube, dass das Schwierigste daran ist, Frauen überhaupt dazu zu bewegen, zu spielen. Ich spiele am liebsten Diablo – ein Spiel mit recht schauerlichen Darstellungen, von dem die meisten denken könnten, dass es Frauen nicht besonders ansprechen würde. Mir gefällt das Spiel wegen seines Gameplays, es macht einfach Spaß. Aber bevor ich Diablo wirklich spielte, hätte ich mir nie träumen lassen, dass es mir gefallen würde. 

2) Welche besonderen neuen Elemente können Sie als Frau einem Spiel hinzusteuern?

Mary De Marle: Ich nehme an, eine Art Sensibilität, über die männliche Designer nicht verfügen. Dabei rede ich jetzt nicht davon, dass alles süß und knuddelig sein muss. Frauen spielen genauso gerne, wie Männer und können - wenn sie die Gelegenheit dazu haben - genauso stundenlang mit wachsender Begeisterung Halo oder Half-Life 2 spielen.

Aber Frauen stellen sich diesem Medium völlig anders als Männer. Da ich weiß, wie Frauen denken, glaube ich, dass ich Spiele erschaffen kann, die ein viel breiteres Publikum ansprechen. Ich kann mit meinen männlichen Kollegen arbeiten, um die Elemente zu integrieren, die Männern Spaß machen, während ich gleichzeitig neue Elemente einführen kann, die auch den Frauen zusagen. 

3) Glauben Sie, dass Myst eher von Frauen bevorzugt wird?

Mary De Marle: Ich habe Myst noch nie als Frauen-Spiel gesehen, da es das nicht ist. Sowohl Männer als auch Frauen mögen die Serie, da in ihr viele Elemente zu finden sind, die ein gutes Spiel ausmachen. Was für mich interessant ist, ist der unterschiedliche Spielansatz, den ich beobachtet habe. Frauen reden mehr über ihre Erfahrungen. Sie denken laut, reden über alles Interessante, das sie sehen, stellen viele Fragen, bevor sie Rätsel lösen und, wenn sie in Gruppen spielen, ermutigen sie ihre Freunde, andere Lösungsansätze zu wählen. Männer reden nur sehr wenig. Sie geben nur sehr wenig Auskunft darüber, was in ihren Köpfen vor sich geht und bitten nur sehr selten um Hilfe. Aber Männer fragen ja auch nie, wo es langgeht, wenn sie sich verfahren haben ... ;-)

 

 

 

adventure-archiv 30-08-04

 

 

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