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In the Shadow of the Raven 
(Ve Stinu Havrana)


Erscheinungsdatum: 1999/2002
Entwickler: Rainbow Rhino
Publisher: Cinemax

Sprache: tschechisch mit englischen Untertiteln

Boxshots
Homepage

Das Spiel kann über die Homepage erworben werden
für $19,95 oder 16,20 Euro.

 

 

Ein Review von slydos   04. November 2002

 

In unserem Nachbarland Tschechei gibt es eine Reihe kreativer Spieleschmieden. Leider gelangen die oft humorvollen und einfallsreichen Adventurespiele von dort nur selten in unsere Ladenregale. Zumindest bis in meine Hände gelangte aber diesmal "In the Shadow of the Raven" von Rainbow Rhino, veröffentlicht von cinemax. Es handelt sich bei diesem 3rd-Person Point&Click Adventure um eine Neuauflage des bereits 1999 veröffentlichten Titels. Neben der original tschechischen Sprachausgabe wurde das Spiel diesmal englisch untertitelt.

 

Geschichte

Severin ist ein junger Ordensbruder, der den Schlaf des Gerechten schläft, während ein paar Klosterschüler sich mit einschlägiger Literatur vergnügen. Als er erwacht und das erotische Schriftgut an sich nimmt, wird er von seinem vorgesetzten Abt der schlimmsten Sünden bezichtigt. Der fackelt auch nicht lange - wir haben schließlich düsteres Mittelalter - und will den "Günstling des Teufels" um einen Kopf kürzer machen. Severin kann sich nur durch einen beherzten Sprung (dazu legt er sein Rambo-Tuch an) aus dem Fenster retten. Während er bewußtlos am Boden liegt, träumt er - wie bereits zuvor - seltsame Träume, die ihn irgendwie auf den Weg seiner Berufung bringen wollen ...

Als er erwacht, befindet er sich in einem fremden Wald, ohne eine Ahnung, was er tun soll, aber entschlossen den Sinn des Lebens zu ergründen und seinen Weg zu finden. Wie er sich mit Schläue, Neugier, Witz und einem dicken Pelz auf die Spur der Frage aller Fragen begibt und was bei all dem herauskommt, erfahren wir in diesem Adventurespiel.

 

Installation

"In the Shadow of the Raven" kam auf 1 CD in einer DVD-Box zusammen mit einem wunderschönen Poster, das auf der Rückseite die tschechische Spiel-Anleitung enthält. Leider ist dieses Poster bei der aktuellen Version nicht mehr beigelegt, wie ich gehört habe und wird auch nicht mehr neu gedruckt. Nun - wenige werden etwas davon verstehen und auch ich mußte da weitestgehend passen.

Aber auch wenn Verpackung und Anleitung in einer fremden Sprache verfaßt sind, gibt's bei der Installation keine Probleme. Ist die Windows-Autostart-Funktion nicht ausgeschaltet, verläuft die Installation problemlos. Man benötigt für die Minimalinstalltion nur 20 MB auf der Festplatte. Mit dem Schrei des mysteriösen Raben, der unseren Helden während des Spiels immer wieder heimsucht, erscheint das Installationsfenster. Wir können zunächst aussuchen, ob wir nur 20 oder 100 MB auf der Festplatte installieren wollen. Danach können wir die Spielsprache (Tschechisch oder Englisch) und das Zielverzeichnis bestimmen. Das Spiel ist für Windows 95/98 oder ME gedacht. Unter XP lief es bei mir nicht.

 

Start

Während des Intros erleben wir Severins Traum bis zu seinem Aufwachen und dem Wahnsinnssprung aus dem Klosterfenster. Dazu begleitet uns ein Sprecher - und wir können den englischen Text in gut lesbarer Schrift verfolgen:

"At the beginning there was a word, - nobody knew it. But many were looking for it: hermits in their caves, poets in hysterical poems, ordinary people in sex, ascetes in self-denial, kings in streams of blood, prophets in crowds, children in fairy-tales, medicine-men in dreams, all of them were looking for the word.
But try to find it without searching. Flow as a river. Try to slap the water - it will accept your hit. Become a stone on the road, a flower on the meadow or a smell of waking wood.
Feel the joy of neverending fusion and forget yourself. Close your eyes and breathe your soul out into the sunny morning."

Das Intro kann mit der ESC-Taste abgebrochen werden und man gelangt ins Hauptmenü. Neben den Standardmenüpunkten "New", "Save", "Load", "Quit", Credits" und "Return", gibt es noch die Punkte "Setup" und "Help". Im Hilfe-Menü werden alle Funktionen des Spiels in Englisch erklärt. Der Menüpunkt "Setup" beinhaltet ebenfalls auf englisch die Möglichkeit die Musik- und Sprachlautstärke zu verändern, Mausrratio und Laufgeschwindigkeit einzustellen und man kann hier nochmals die Sprache der Textausgabe wählen. Einmal getroffene Auswahlen werden auch beim Verlassen des Spiels beibehalten.

Nach Anwahl eines neuen Spiels erwacht Severin im Wald und wir können beginnen.

 

Steuerung

"In the Shadow of the Raven" ist vollständig mausgesteuert, es gibt allerdings zusätzlich die Möglichkeit, einige Kurztasten zu benutzen, wie z. B. "I" für Inventar. Unser Standardcursor hat Pfeilform und ändert sich in eine animierte Hand, ein Gebiß oder eine Lupe, je nachdem, wie oft wir mit der rechten Maustaste klicken. Ist der Cursor ein Pfeil, können wir unseren Helden auf dem Bildschirm bewegen. Einige Locations scrollen dabei zur Seite. Perspektiv- oder Szenenwechsel werden durch einen animierten Pilz (ähnlich wie bei Gilbert Goodmate) angezeigt.

Hotspots können wir gleich erkennen, da beim Darüberfahren mit der Maus jeweils eine gut lesbare englische Textbeschreibung neben dem Objekt angezeigt wird. Wir können uns zwar viele Objekte mit der Lupe näher ansehen, allerdings nicht mit allen Hotspots auch wirklich etwas sinnvolles anfangen. Man bekommt aber meist einen witzigen Kommentar dazu. Es werden nicht übermäßig viele Objekte im Inventar herumgetragen, es gibt Gegenstände, die nicht verwendet werden und solche, die man im oder außerhalb des Inventars kombinieren kann.

Das Inventar bleibt solange unsichtbar, bis man mit dem Cursor in die linke untere Bildschirmecke fährt. Dann erscheint dort ein kleiner Rucksack auf den man klicken kann und das Inventar öffnet sich und nimmt fast den ganzen Bildschirm ein. Auch die anderen 3 Bildschirmecken verbergen hilfreiche Funktionen: links oben kann man das Hauptmenü erreichen, rechts oben die Hilfefunktion und rechts unten wird uns eine Karte angezeigt. Sobald man die Orte der Karte während des Spiels erreicht hat, kann man dort per Mausklick den Schauplatz schnell wechseln.

Die Steuerung des Inventars und der Spielfigur ist leicht und intuitiv begreifbar. Günstig ist auch, daß Objekte, die durch Severin verdeckt werden, trotzdem angeklickt und ausgewählt werden können und wir den kleinen Mönch nicht immer erst wegschicken müssen.

Es gibt insgesamt 6 Speicherplätze für Savegames zu denen jeweils ein kleines Szenenbild und eigener Text abgespeichert wird. Mehr Speicherplätze wären zwar wünschenswert, aber man kommt durch.

 

Rätsel

Hauptsächlich handelt es sich beim "Schatten des Raben" um Objekt-/Inventarrätsel. Es geht darum, wie man Objekte findet, wie man sie kombiniert und wann man sie wo einsetzt. Die Inventarrätsel sind teils recht knifflig, teils schnell ersichtlich, und größtenteils logisch ableitbar. Ich hatte einen Hänger, aber nach 2 x überschlafen, war auch diese Schwierigkeit überwunden. Und das zeigt schon, daß das Spiel logisch aufgebaut ist, denn die versuche-alles-mit-allem-Methode würde tatsächlich ewig dauern, da es sehr viele Hotspots ohne Spieleinfluß gibt.

Es müssen Dialoge geführt und auch die richtigen Auswahlfragen gestellt werden. Allerdings sind die Gespräche nicht sehr häufig und auch nie sehr lang.

Das Spiel kann man grob in 3 Teile aufteilen, zwischen denen jedesmal das Inventar von überflüssigen Gegenständen entsorgt wird. Es gibt keine Kodier- oder Maschinenrätsel, kein Labyrinth, keine Schalter oder Ähnliches. Nur kurz vor Schluß wird ein Bißchen Zielgenauigkeit und Reaktion gefordert und hier gibt es auch eine Stelle, an der Severin sterben kann.

Die Rätsel haben mir allesamt Spaß gemacht. Besonders dadurch, daß die Entwickler sichtlich versuchten, einen auf falsche Fährten zu locken, indem man jede Menge höchst interessanter aber völlig überflüssiger Objekte, Tiere und sogar Personen einbaute, die absolut nichts zur Rätsellösung beitrugen aber die Fantasie immer wieder anregten - herrlich gemein!

 

Grafik

Die 2D-Hintergründe und -Charaktere sind liebevoll im Aquarellstil handgemalt, nicht super-professionell aber fröhlich-farbenfroh und voll Charme. Es gibt 3 Hauptschauplätze mit ca. 40 Szenen. Darin treffen wir auf ca. 20 NPC's und können auch mit den meisten von ihnen einige Worte wechseln, z. B. Stadtwache, ein Händler, der Wirt, ein Fakir, ein Geist, der Müller oder eine Dorfschöne. Daneben gibt's auch Tiere, wie z. B. Vögel, Hasen, Frösche, Fische, die durchs Bild flattern oder hüpfen und die sonst stillen Bilder beleben. Ob es nur schöne Zugaben oder in Rätsel einbezogen sind, muß der Spieler/die Spielerin selbst herausfinden.

Auf einer mit Dschungel bewachsenen Insel fliegt sogar ab und zu ein Pseudotarzan an einer Liane durchs Bild. Wenn man längere Zeit nichts macht, fliegt der arme Kerl von innen gegen die Monitorscheibe und rutscht dann quietschend mit plattgedrücktem Gesicht herunter! Neben diesen Animationen gibt es einige Filmsequenzen an Schlüsselstellen des Spiels.

 

Sprache/Dialoge/Musik/Sound

Der gesamte gesprochene Text wird von einem einzigen Synchronsprecher interpretiert. Seine Stimme klingt professionell und ausdrucksvoll, mal leise und zurückhaltend mal laut intonierend, wenn der Wirt Severin hinauswirft, piepsig und dünn als hungriger Knabe oder flirtend als Dorfschöne. Es lohnt sich, sie nicht abzuschalten, auch wenn man die Worte nicht versteht, so hilft ihr Klang viele der ironisch gemeinten Untertöne zu verstehen. Denn Ironie und Witz spielen eine zentrale Rolle in diesem Adventure. Seien es die Anspielungen auf tschechische oder slowakische Spielemacher, auf die wohl bekannte Diskussion um Farben und Design in einem Adventure-Spiel und Seitenhiebe auf Bill Gates und sonstige Götter.

Mal ist Severin pathetisch, mal naiv, mal durchtrieben und freut sich trotz seiner Kutte über einen gelungenen Trick. In einem Augenblick kann er hilfsbereit und ehrlich sein, im anderen denkt er daran, dem unsympathischen Angler einen kleinen Schubs ins Wasser zu versetzen. Mit großen Augen folgt man seinen Wandlungen. Alles wird musikalisch untermalt von verschiedenen Gitarrrenthemen, melancholisch, spannend und lustig. Dazu gibt's die passenden Geräusche, hier ein plätschernder Bach, dort ein knisterndes Feuer.

 

Fazit

"In the Shadow of the Raven" ist ein im besten Sinne "altmodisches" Adventure für alle "Sinnsuchenden", die auch über sich selbst lachen können. Und nicht nur das Gemälde in dem verfallenen Haus zeigt ein Augenzwinkern. Das Spiel ist für all jene gemacht, die bei Rätseln nicht fest an die Hand genommen werden wollen in der Art: hier ist ein Hotspot - mache etwas damit, sondern hier sind viele Möglichkeiten - denke nach! Dabei sind die Rätsel von mittlerem Schwierigkeitsgrad. Severins Geschichte läuft fehlerfrei und absturzsicher. Sie wird die Spieler ca. 20 Stunden amüsieren.

 

Meine Bewertung: 74%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 95/98/ME
  • Pentium 90 Mhz
  • 16 MB RAM
  • 1 MB Grafikkarte DirectX-kompatibel
  • 6x CDROM-Laufwerk
  • Mindestens 20 MB freier Festplattenspeicherplatz
  • Maus

gespielt mit:

  • Windows 95
  • PII 233 MHz
  • 64 MB RAM
  • 4 MB Grafikkarte
  • 16bit Soundkarte
  • 24x CDROM-Laufwerk

 

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken

Severins Kloster (Intro)
Severins Kloster (Intro)

Severin schläft den Schlaf des Gerechten
Severin schläft den Schlaf des Gerechten (Intro)

Der Abt (Intro)
Der Abt (Intro)

Hauptmenü
Hauptmenü


Kann das Kräuterweib helfen?
Kann das Kräuterweib helfen?

Optionsmenü
Optionsmenü


Das Dorf ist gut bewacht
Das Dorf ist gut bewacht


Die Karte
Die Karte


Severin schaut sich im Dorf um
Severin schaut sich im Dorf um

Das Inventar
Das Inventar

Aber natürlich helfen wir der Dorfschönen!
Aber natürlich helfen wir der Dorfschönen!

Wie kann man die Tür öffnen?
Wie kann man die Tür öffnen?

Der Schmied hat kein Feuer mehr
Der Schmied hat kein Feuer mehr

Die Mühle steht still
Die Mühle steht still

Was läßt sich hier gebrauchen?
Was läßt sich hier gebrauchen?

Severin in den Katakomben
Severin in den Katakomben

Im Fischerdorf
Im Fischerdorf

Die Höhle sieht gefährlich aus
Die Höhle sieht gefährlich aus

 

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Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 04. November 2002

 

 

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