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Remedy 


Erscheinungsdatum: 11/2004
Entwickler/Publisher: MDNA Games

Boxshots

Spielsprache Englisch

Keine USK/ESRB/PEGI Altersfreigabe

 

Ein Review von slydos   18. Januar 2005

 

"Remedy" ist ein neues Independent Adventurespiel aus Schweden, daß mit Adventure Maker erstellt wurde und sich genauso wie 'A Quiet Weekend in Capri' aus einer großen Menge von Fotos (über 1000) zusammensetzt, durch die wir uns im 1st-Person-Stil hindurchbewegen.

 

Story

Carol Reed ist eine junge Engländerin - nicht zu verwechseln mit dem englischen Filmregisseur gleichen Namens ('Der dritte Mann'). Sie macht einen längeren Urlaub in Schweden. Ihr Freund, der Privatdetektiv Conrad Vogel, ist gestorben, gerade als er an einem größeren Fall arbeitete. Sie ist begierig, Conrads Untersuchungen weiterzuführen, weiß aber nicht wirklich, wo sie ansetzen soll in einem Land, das ihr kaum bekannt ist. Wirtschaftsspionage, Erpressung und Entführung scheinen mit Conrads Tod in Zusammenhang zu stehen. Carol geht jedem Hinweis nach und gerät schließlich selbst in Schwierigkeiten ...

 

Grafik/Sound

Wir erkunden Teile der schwedischen Stadt Norköpping. Dabei finden wir nicht nur eine einfache Fotodokumentation vor, sondern jedes Einzelbild ist mit Effektfiltern nachbearbeitet worden so daß wir auf einen durchgehenden impressionistischen Aquarellstil mit kräftigen, kontrastreichen aber immer warmen, meist hellen Farben treffen. Nordische Leichtigkeit und Lichtdurchflutung verwandeln sogar düstere Keller oder Abstellkammern in freundliche Schauplätze. Alle Bilder wurden aber nur soweit abgetupft, verwischt und in Lichteinfall und Farbe verändert, daß sie zwar einen sehr einheitlichen und auf den ersten Blick undeutlichen Eindruck vermitteln aber tatsächlich feine Details nur soweit verschwinden lassen, daß das Auge die Szenen wieder zu realistischen Bildern interpolieren kann. Geschickt hat man so eventuell auffällige Retuschen und Bildmanipulationen verstecken können. Eine wie ich finde ausgezeichnete Technik, bei den Betrachtern die notwendigen Endorphine freizusetzen, um sie positiv zu stimmen, auch wenn das Sujet selbst ernst, ja eher schon melancholisch ist.

Wichtige Hotspots, Vergrößerungen und eingefügte Fotografien von Gesprächspartnern sind allerdings detailliert und vor allem scharf, also gut erkennbar belassen worden. Innerhalb der Einzelbilder gibt es keine Animationen. Der Anschein von Bewegung wird durch automatisch ablaufende Fotosequenzen hergestellt.

Sich wiederholende Klavierthemen in verschiedenen Variationen erzeugen eine ruhige, melancholische Atmosphäre. Die Geräuschkulisse ist sehr zurückgenommen - wenige, leise Sounds begleiten den Umgang mit Objekten und manchmal hören wir Vogelgezwitscher oder Musik aus einem Kopfhörer.

Carols Kommentare und die Gespräche mit einer Reihe von Dialogpartnern wurden zwar nicht von Profis dargestellt und synchronisiert, geben aber keinen echten Anlaß zu einer negativen Kritik. Die leichten Akzente hie und da wirken sogar realistischer als es eine Sprachausgabe durch englische Profisprecher zu leisten imstande gewesen wäre.

 

Steuerung/Handling

Das Spielhandbuch soll sich auf der CD befinden. Nun, dort finden wir eine Readme-Datei, die sowohl das Handling beschreibt, als auch bei einigen Problemen technischer und inhaltlicher Art hilft. Aber tatsächlich habe ich keinen Blick hineinwerfen müssen, die Steuerung ist leicht zu erfassen und es gab weder technische noch die Rätsel betreffende Probleme.

Nach der automatischen und reibungslosen Installation von ca. 300 MB gelangen wir in ein kleines Launcher-Menü, das uns einen Neustart des Spiels oder das Laden eines Spielstandes anbietet. Während des Spiels können wir die Hauptmenüzeile am oberen Bildschirmrand mit der rechten Maustaste erreichen und dort speichern, laden oder das Spiel verlassen. Savegames legt man über ein Windows-Fenster ab und ist dabei weder in der Namensvergabe noch der Anzahl beschränkt.

"Remedy" hat eine reine Maussteuerung. Standardcursor in unserem 1st-Person-Spiel ist ein großer Punkt der sich in eine Lupe verändert, wenn wir etwas näher betrachten können, in eine Hand oder Zahnräder, wenn wir etwas aufnehmen oder manipulieren können. Pfeile markieren die Bildausgänge.

Durch Linksklick können wir Gegenstände aufnehmen. Das Inventar erwischen wir mit einer Mausbewegung in den oberen schwarzen Bildrahmen nicht immer gleich auf Anhieb. Wenn sich die Inventarleiste öffnet, können wir mit der Maus auf einen Gegenstand zeigen und erhalten eine Textbeschreibung. Per Drag&Drop ziehen wir einen Gegenstand auf den Spielbildschirm oder kombinieren so Objekte innerhalb des Inventars miteinander.

 

Rätsel

Die meisten Aufgaben in "Remedy" gehören zur Sorte Objekt-/Inventarrätsel. Zur klassischen Objektsuche kommt allerdings in diesem Spiel noch die Suche von Szenenausgängen hinzu, die bei der Vielzahl der Fotos schnell übersehen werden können. Oft ist beispielsweise eine Kammer mit wichtigen Dingen nur aus einer anderen, oft überraschenden Perspektive zu betreten, also sollte man sich an jedem Punkt des Spiels in alle Richtungen umschauen und auch hinter Carol, Richtung Decke oder am Boden einen Hotspot vermuten.

Neue Schauplätze auf unserer Karte (sie erscheint automatisch, wenn wir einen Hauptschauplatz verlassen) bekommen wir nur hinzugefügt, wenn wir die zugehörigen Informationen schriftlich oder mündlich erhalten haben. Dadurch, daß wir nicht alle Orte von Anfang an besuchen und Rätsel nur in einer bestimmten Reihenfolge lösen können, beschränkt sich die Nichtlinearität bei "Remedy" auf das variable Einsammeln von Gegenständen in der aktuellen Umgebung. Gespräche, sind sie einmal geführt, können nicht wiederholt werden. Gesprächspartner sind auch zeitweise abwesend oder an anderen Schauplätzen zu finden, je nach Rätselfortschritt.

Es gibt keine unnützen Inventarobjekte. Nicht mehr benötigte Dinge werden auch gleich nach erfolgreichem Einsatz aus unserem Inventar entfernt. Aufgelockert und interessant wird "Remedy" allerdings durch die wirklich große Menge von Szenen, die wir genau untersuchen müssen und in denen es jede Menge auch für den Spielfortschritt völlig nutzlose Hotspots gibt. Dann erhalten wir einen Kommentar von Carol, können aber z. B. ein Handy weder benutzen noch mitnehmen. Mehrere Dekodierrätsel runden die Rätselkost ab, die sowohl logisch als auch gut integriert die Spieler mit einem leichten bis mittleren Schwierigkeitsgrad fordert. In "Remedy" kann man nicht sterben und kommt ganz ohne GameOvers aus.

Das Spiel beinhaltet weder Action- noch Geschicklichkeitseinlagen und ist unblutig. Es würde aber - auch wenn wir keine Altersempfehlung vorfinden - wegen leichter Darstelllung von Gewalt und Alkoholgebrauch die Einstufung 'Teens' erhalten und ist meiner Einschätzung nach ab 12 Jahren zu empfehlen. Auch Adventureeinsteiger sollten (mit den Tipps in der Readme-Datei) nicht mehr als 8 Stunden mit "Remedy" beschäftigt sein.

 

Fazit

Geschichte, Rätsel und Ausführung dieses Erstlingswerkes von Mikael und Eleen Nyquist sind durchdacht, sorgsam bearbeitet und fehlerfrei. Es ist eine Art von ruhigem Spaziergang und ein Fest für alle, die sich gerne ausgiebig mit Exploration beschäftigen. "Remedy" hat mir trotz der Kürze gefallen. Es reicht zwar nicht an den Umfang und Schwierigkeitsgrad von 'A Quiet Weekend in Capri' heran, bringt einem aber ebenfalls die Heimat der Autoren auf eine sehr gefällige Art näher. Der Preis von $15 inklusive Versand geht in Ordnung. Das Ende von "Remedy" deutet auf ein eventuell geplantes neues Detektivspiel mit Carol hin. Von mir aus gerne und ruhig verzwickter!

 

Gesamtwertung: 65%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Pentium 500 MHz
  • Windows 98/ME/2000/XP
  • 128 MB RAM
  • 16 MB Videokarte
  • 8x CDROM-Laufwerk
  • 16-bit Soundblaster kompatible Soundkarte
  • 700 MB Speicherplatz auf der Festplatte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel
 

Startmenü
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Carol findet eine Postkarte vor
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Lichtdurchflutete Räume stellen einen Gegensatz zu manch' düsterem Adventure dar
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Den Mörser kann Carol gebrauchen
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Wir können auch die Blumen gießen - aber das bringt uns nicht weiter
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Wir finden immer wieder Dokumente
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Das war Conrad
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Die Überreste der mittelalterlichen Johannisburg
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Hier hat jemand einige Zeit verbracht
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Ein Code muß geknackt werden
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Kann uns der Friedhofsgärtner weiterhelfen?
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Die Karte erscheint beim Verlassen eines Ortes
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Mehr Screenshots

 

 

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 18. Januar 2005

 

 

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