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Rhiannon -
Curse of the Four Branches


Erscheinungsdatum:
Oktober 2008

Entwickler: Arberth Studios
Publisher: Got Game Entertainment

Spielsprache und Handbuch: Englisch

Altersfreigabe: ESRB = Teen

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Boxshots

 

 

Ein Review von  MaryScots   10. November 2008

mit einem Addendum vom 26.09.09 zur deutschen Version

 

„Schuster, bleib bei deinen Leisten" oder etwas Ähnliches muss sich die Familie Bruton/Lee, Gründer des walisischen Entwicklerteams Studios Arberth, wohl gedacht haben, als sie sich Story und Setting für ihr erstes Adventureprojekt ausgesucht haben. Das wildromantische Wales im Westen der britischen Insel bietet mit seinem reichen Sagenschatz aus seiner keltischen Vergangenheit mehr als genug Stoff für mythische und unheimliche Rätselgeschichten. Eine Sammlung dieser Sagen ist z.B. das Mabinogion, das ursprünglich auch im Untertitel des Spielnamens „Beyond the Mabinogion" genannt werden sollte, dann aber, möglicherweise der für alle Nicht-Waliser schwierigen Aussprache wegen, in das einfachere „Curse of the Four Branches" geändert wurde. Nichtsdestotrotz nimmt das Mabinogion in diesem Adventure nicht nur einen zentralen Platz ein, vielmehr bildet es die Grundlage der Story.

 

Story

Die Familie Sullivan hat unser Alter Ego Chris als Housesitter für das idyllische „Ty Pryderi" (sprich: Ti Prideri) angeheuert, um während ihrer Abwesenheit von Haus und Hof dort nach dem Rechten zu sehen und die ziemlich verfressene und zickige Katze zu füttern, die wir zwar nie sehen, welche uns aber regelmäßig tote Mäuse in die Küche schleppt, falls ihr Napf nicht gefüllt wird. Die Katze ist allerdings unser kleinstes Problem, wie wir sehr bald herausfinden sollen. Sobald wir uns nämlich in unserer vorübergehenden Behausung umsehen wollen, machen wir Bekanntschaft mit dem Grund unseres Hierseins: im Haus spukt es! Diese Entdeckung hat vor uns schon die titelgebende Rhiannon gemacht, die 15-jährige Tochter der Sullivans. Ihr Wohlbefinden litt darunter so sehr, dass die besorgten Eltern, die ihrerseits nichts von all den unheimlichen Erscheinungen und Stimmen, die ihre Tochter beunruhigten, mitbekamen, kurzerhand mit ihr verreisten. Jetzt ist es unsere Aufgabe, dem Spuk auf den Grund zu gehen und ihm hoffentlich ein Ende zu setzen.

 

Installation/Steuerung

Das Adventure kommt in der US-Version auf einer DVD in einer dicken DVD-Box im Klappschuber. Hübsche Verpackung, nur leider spart man hier am falschen Ende, denn das wenig umfangreiche Handbuch befindet sich nur als PDF-Datei auf der Spiel-DVD und sollte der eigene PC die zugegebenermaßen für heutige Verhältnisse recht geringen Systemanforderungen nicht erfüllen, erführe man dies erst nach einem Blick in besagte Datei; auf dem Cover hat man sich diese Info nämlich unverständlicherweise geschenkt. Die Installation geht schnell; nach ca. 2-3 Minuten ist das Spiel bereit und man kann in einem Systemfenster vor dem eigentlichen Spielstart noch diverse Hardwareeinstellungen vornehmen, von denen ich eine, weil mir bis dato neu, besonders erwähnen möchte: die Möglichkeit der Sprachausgabe von Ingame-Texten. Für sehbehinderte Menschen ist das ein großes Plus, da es in diesem Adventure enorm viel Lesestoff gibt, ohne den man keinen Schritt weiterkommt.

Die Steuerung in der Ich-Perspektive ist einfaches und leicht verständliches Point and Click mit einer übersichtlichen Anzahl von Aktionscursoricons: Pfeile geben die Laufrichtung vor, eine Lupe weist auf Nahansichten hin, mit einer Hand kann man Dinge aufnehmen oder einfache Aktionen ausführen und zwei Zahnräder zeigen an, wenn ein weiterer Gegenstand am Hotspot angewendet werden muss. Hierbei zeigt eine leuchtende Umrandung an, ob man den richtigen Gegenstand ausgewählt hat. Unser Inventar befindet sich neben dem Menüzugang am oberen Bildschirmrand und besteht aus einer nach links und rechts scrollbaren Leiste, die bei Mouseover erscheint. Gegenstände und Dokumente, die wir dort gesammelt haben, benutzen wir per Linksklick und schauen sie uns per Rechtsklick in Großansicht an.

Genauso abgespeckt wie die Cursorauswahl ist auch das Menü: man kann ein neues Spiel beginnen, Speichern, Laden und das Spiel verlassen – das war’s, keine technischen Optionen wie Lautstärkeregelung oder ähnliches. Immerhin gibt es 100 Speicherplätze, was mehr als ausreichend ist.

 

Technische Probleme

Ziemlich zu Anfang des Spiels kam mir ein sehr ärgerlicher – aber wohl bereits bekannter – Bug unter, der dem Spielen ein Ende bereitet, falls nicht von irgendwoher einen Speicherstand bekommen kann. Wenn man im Haus zum ersten Mal Rhiannons Zimmer betreten möchte, sollten wie von Geisterhand geschnitzt, Wörter auf der Zimmertür erscheinen. Das taten sie bei mir jedoch nicht, was dumm ist, da man hier einige Buchstaben anklicken muss, damit sich die Tür öffnet. Nachdem ich in einem englischsprachigen Forum gelesen hatte, dass es sich hier um einen Fehler handelt, den man daran erkennt, dass ein Zettel, den man im Buch Mabinogion findet und in sein Inventar übernimmt, sich nach nochmaligem Aufschlagen des Buches immer noch dort (und im Inventar!) befindet, was bei mir der Fall war, habe ich das Spiel zunächst noch mal auf meinem Laptop installiert, mich zu der Stelle gespielt und festgestellt, dass der Zettel jetzt nach Aufnahme nicht mehr im Buch zu finden war. Ich habe dann mit einem Savegame von meinem Laptop auf dem normalen PC weiterspielen können und vermute, dass dieser Bug (nur?) unter Windows XP mit SP3 auftaucht, da auf meinem Laptop noch SP2 installiert ist. Das Wiedererscheinen des Zettels könnte auch durch eine der nachfolgenden Aktionen ausgelöst werden, die offenbar notwendig sind, um die Buchstaben erscheinen zu lassen, aber ich überlasse es den Entwicklern und ihren Testern, dies genau herauszufinden. Der Bug war ärgerlich genug und ich habe besseres zu tun, als jede nur erdenkliche Kombination von in unterschiedlicher Reihenfolge ausführbaren Aktionen durchzutesten – das würde Ewigkeiten dauern.

 

Rätsel

Die Lösung des großen Rätsels um den Spuk auf Ty Pryderi ist auf fünf Storykapitel verteilt, die jedes für sich wiederum ein zum Titel des Abschnitts passendes Rätsel beinhalten, was bedeutet, dass man sich sozusagen in den Kapiteln die Dinge zusammensammelt, die für das Grande Finale benötigt werden. Dabei müssen Haus und Grundstück akribisch abgesucht, alles, was geht, durchgelesen und untersucht werden, wobei man viele Gegenstände zwar ansehen, aber erst mitnehmen kann, wenn man deren Einsatzort gefunden hat. Es lohnt sich also Notizen zu machen, wenn man kein Elefantengedächtnis hat. Mir erging es oft so, dass ich zwar genau wusste, was für einen Gegenstand ich brauchte, auch dass ich ihn schon gesehen hatte, aber wo? Im Wesentlichen geht es also darum, Dinge zu finden und am richtigen Hotspot einzusetzen, was schon mal eine sehr voll gestopfte Inventarleiste zur Folge hat, bevor man sich an das Kapitelschlussrätsel machen kann. Immerhin bleiben die Gegenstände nur so lange darin, bis man sie wirklich nicht mehr braucht.

Soviel zum Rätselaufbau im Allgemeinen, jetzt zu den Rätseln im Speziellen, die nicht immer wirklich logisch sind, insgesamt aber meist Spaß machen und dabei für den durchschnittlichen Adventurespieler auch nicht zu schwer sind. Malcolm und Jen Sullivan sind sehr naturverbunden und auch wir können an seinem Interesse Anteil nehmen bzw. in ihren Beruf hineinschnuppern, wenn wir uns mit einer Wünschelrute auf die Suche nach Wasser oder die Aura „toter" Gegenstände mit einer Kirliankamera sichtbar machen müssen. Wer sich damit nicht auskennt, findet hinreichen Dokumente, Notizen und Zeitungsartikel, die einem einen Schnellkurs in diesen Dingen verpassen. Töchterchen Rhiannon hingegen hat es mehr mit ihrem Computer, den wir ebenfalls benutzen werden, um Runeninschriften aus keltischer Vorzeit verstehen zu lernen, und natürlich mit allem, was sie auf der Suche nach der Ursache ihrer Erscheinungen weiterbringt. So beschäftigen wir uns mit Bäumen und ihrer Bedeutung und nicht zuletzt mit der Geschichte von Ty Pryderi und seinen früheren Bewohnern, denen wir sogar mal begegnen und deren Geheimnisse wir entdecken sollen. Dabei helfen uns moderne Gerätschaften, wie besagte Kirliankamera oder der PC, ein MP3-Recorder und – ob Ihr’s glaubt oder nicht – ein Backofen.

Trotz ihres Abwechslungsreichtums, hat man eine gewisse Routine im Ablauf der Kapitelrätsel relativ schnell heraus: herausfinden, was man sucht, suchen, richtig kombinieren. Ich will nicht direkt sagen, dass es langweilig wird, denn die gute Story hält das Interesse immer angefacht und die Art, aber noch mehr Kapitel in dieser Art wären öde geworden. So gehen die in meinem Fall ca. 17 Spielstunden auch völlig in Ordnung. Ich sehe es auch als Pluspunkt, dass das Rätseldesign eng mit der Story verbunden, auf praktischen teils esoterischen Aufgaben aufgebaut ist und dabei ohne die oftmals unbeliebten Schiebe- und Labyrinthpuzzle auskommt.

 

Grafik/Sound

Bei einem Erstlingswerk fällt es mir meist sehr schwer, Grafik und Sound zu beurteilen. Ich nehme mal Scratches als Beispiel. Dieses Gruseladventure war ein Independent-Projekt, dessen Untervertragnahme durch den deutschen Publisher Rondomedia die Fangemeinde arg in Erstaunen, aber auch Freude versetzt hat, weil es zeigte, dass die Publisher wieder verstärktes Interesse an unserem Lieblingsgenre hat. Und weil es eben ein Indie-Spiel war, hatte ich auch keine besonders hohen Erwartungen an Grafik und Sound. Keine Erwartungen sind aber auch relativ leicht zu übertreffen. Nun weiß ich zwar nicht, wie die Sache bei Rhiannon lag, aber etwas enttäuscht war ich schon. Obwohl die Hintergründe recht liebevoll gestaltet wurden, wirken sie größtenteils starr, ja eingefroren, wie auch die Klick-Dich-von-Bild-zu-Bild-Steuerung – ich fühlte mich stellenweise unvermittelt an das Ur-Myst erinnert, dessen Grafik ja seinerzeit bejubelt wurde, aber das ist immerhin 15 Jahre her. Animationen gibt es außer bei Wasser so gut wie gar nicht. OK, ein Vogel flog einmal durchs Bild, aber sonst regt sich gar nichts, was nicht durch eine Aktion bei der Lösung eines Rätsels ausgelöst wird bzw. mit den Spukerscheinungen im und das Haus zu tun hat; umso mehr wunderte ich mich nebenbei über die verhältnismäßig lange Dauer des Speichervorgangs.

Ähnlich verhält es sich mit dem Sound. Die Musikuntermalung beschränkt sich abgesehen von ein bis zwei Ausnahmen auf die Kapiteleinleitungen, was auch völlig ausreicht. Was die Geräuschkulisse betrifft, hört man das Wasser, mal ein paar Krähen oder geisterhaftes Flüstern und auch passende Laute zu jedem Handgriff, aber sonst herrscht Totenstille auf Ty Pryderi. Wer weiß, vielleicht sollte das so sein, aber es hätte etwas mehr sein dürfen und seien es nur ein paar mehr seltsame Geräusche zu rechten Zeit, damit es einen ein wenig auf der Sitzkante hält. Die wenigen gesprochenen Worte, die wir hören, sind sehr gut vertont, teilweise eingesprochen von den Entwicklern selbst, da gibt es nichts zu meckern. Auch nicht über die Menge, denn immerhin befinden wir uns allein auf dem Grundstück, weswegen wir auch keinem anderen Menschen begegnen, dessen Animationsqualität ich hier bewerten müsste.

 

Fazit

Rhiannon ist ein unterhaltsames Mysteryadventure mit einer interessanten, guten Story und solidem Rätseldesign. Von dem Bug zu Beginn mal abgesehen, gibt es eigentlich nicht viel zu bekriteln, aber auch nichts, was mich vor Begeisterung in die Luft springen ließe. Wer Spaß an alten Legenden und Esoterik hat, gerne liest und knobelt, dabei aber keine hohen Ansprüche an Grafik und Sound stellt, macht hier sicher nichts falsch. Rhiannon eignet sich auch schon für Genreanfänger, wenn sie bereit sind, sich auf das ruhige Tempo des Spiels einzulassen und auch das Preis-/Leistungsverhältnis von knapp 30 US-Dollar (z. Zt. ca. € 23,50) zzgl. Versand geht noch in Ordnung. Ich wünsche mir, wieder von Studios Arberth zu hören, mit einem neuen Adventure, bei dem dann hoffentlich alles so viel Pfiff hat wie die Story.

 

Bewertung: 73%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows ME/2000/XP/Vista
  • 1.0 GHz Prozessorgeschwindigkeit
  • 512 MB RAM
  • 32 MB Grafikspeicher

 

Gespielt auf:

  • Windows XP Pro SP 3 (bzw. SP2)
  • Pentium IV 2,6 GHz
  • 1 GB RAM
  • 16x DVD-ROM SD-616 Samsung
  • ATI Radeon 9550 256 MB Grafikkarte
  • Creative Soundblaster Live! 5.1 Soundkarte

 

 

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 10. November 2008

 

 

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Dann mal los!
Dann mal los!

Eine Nachricht der Familie Sullivan zu Beginn und dann sind wir auf uns allein gestellt.
Eine Nachricht der Familie Sullivan zu Beginn und dann sind wir auf uns allein gestellt.

Ein düsteres „Willkommen" auf Ty Pryderi
Ein düsteres „Willkommen" auf Ty Pryderi

 

Immer eine Herausforderung für den Abenteurer – verschlossene Öffnungen.
Immer eine Herausforderung für den Abenteurer – verschlossene Öffnungen.

 

Alles über die Zweige, die wir unterwegs finden…
Alles über die Zweige, die wir unterwegs finden…

 

…erklärt uns dieses Buch.
…erklärt uns dieses Buch.

 

Wow! Ganz schön was los in Rhiannons Zimmer, da wäre ich auch stiften gegangen!
Wow! Ganz schön was los in Rhiannons Zimmer, da wäre ich auch stiften gegangen!

 

Manche Werkzeuge müssen wir erst mal flott machen.
Manche Werkzeuge müssen wir erst mal flott machen.

Sieht aus, als hätte Ty Pryderi auch die wilden 60er hautnah miterlebt.
Sieht aus, als hätte Ty Pryderi auch die wilden 60er hautnah miterlebt.

 

Jonathan, Rachel? Kenn ich nicht, aber ich schau mal, was sich machen lässt.
Jonathan, Rachel? Kenn ich nicht, aber ich schau mal, was sich machen lässt.

 

Aura-Fotographie mit der Kirliankamera
Aura-Fotographie mit der Kirliankamera

 

Es könnte hier so hübsch sein, wenn’s nicht so unheimlich wäre.
Es könnte hier so hübsch sein, wenn’s nicht so unheimlich wäre.

 

Das findet man vor, wenn man die Katze nicht gefüttert hat…
Das findet man vor, wenn man die Katze nicht gefüttert hat…

Auf die Plätze, fertig, Brot backen!
Auf die Plätze, fertig, Brot backen!

 

Noch mehr Zeugen der Vergangenheit
Noch mehr Zeugen der Vergangenheit

Das Tunavox, eine der hilfreichen, technischen Spielereien.
Das Tunavox, eine der hilfreichen, technischen Spielereien.

Na, na, na, hat hier etwa jemand was gegen unsere Freunde und Helfer?!
Na, na, na, hat hier etwa jemand was gegen unsere Freunde und Helfer?!

 

 

Mehr Screenshots

 

 

 

Addendum: die deutsche Version

 

Rhiannon – Fluch der vier Zweige

Erscheinungsdatum Deutschland: September 2009

Entwickler und Publisher: Arberth Studios

Spielsprache und Handbuch: Deutsch

Altersfreigabe: USK ab 12 Jahre

 

Ein Addendum von MaryScots vom 28.09.09

 

Doch noch geschafft!

Anfang des Jahres bangte ich noch um den deutschen Release von Rhiannon nachdem der vorgesehene Publisher Lighthouse Interactive Konkurs anmelden musste. Damit wollte sich das walisische Entwicklerteam Arberth Studios aber glücklicherweise nicht abfinden und hat sein Erstlingswerk kurzerhand selbst in deutscher Sprache herausgebracht. Und das Ergebnis kann sich wirklich lesen und hören lassen!

 

Voll toll!

Sicherlich wäre es einfacher und kostengünstiger gewesen, der englischsprachigen Originalversion von Rhiannon schlicht und ergreifend nur Untertitel für die wenigen gesprochenen Passagen zu verpassen. Aber warum sparen, wenn andererseits die Textmenge doch so übersichtlich ist und die zu erwartende Akzeptanz durch deutschsprachige Spieler so ungemein viel höher ausfallen dürfte? So wurden Mario Hassert und Katharina Weyland ins Studio gerufen, beides erfahrene Sprecher und Schauspieler, die dafür sorgten, dass die deutsche Version in dieser Hinsicht die gleiche gute Qualität aufweisen kann wie das Original. Die wenigen Texte sind fehlerfrei gesprochen und gut betont, da gibt es schon mal nix zu meckern.

In meinen Augen ist jedoch die Übersetzung der zahlreichen teils umfangreichen Schriftstücke, die man im Spiel lesen muss, viel wichtiger. Die wenigen minimalen Fehler, selten mal ein fehlender Buchstabe u. ä., musste ich wirklich mit der Lupe suchen und will sie deshalb hier gar nicht weiter erwähnen, da nun mal nicht jeder Spieler mit meinem Tester-Röntgenblick spielt. Trotzdem musste ich schmunzeln als ich bemerkte, dass der beschreibende Objekttext, der eingeblendet wird, wenn man mit der Maus über Inventargegenstände fährt, bei einer Taschenlampe (engl. Flashlight) wörtlich mit Blitzlicht übersetzt wurde. Ansonsten wurde wirklich alles übersetzt, was aus Buchstaben besteht, selbst Texte, die man für den Spielfortschritt, als Rätselhilfe oder einfach zur Vertiefung der Story nicht unbedingt benötigt (besonders amüsant fand ich den Markennamen auf der Katzenfutterdose – „Miezekatz"). Gerade deshalb entging meinem Röntgenblick wiederum nicht, dass lediglich zwei Rezepte, welche man zwar lesen kann, die man aber weder zum Rätseln noch für die Story braucht, im Englischen belassen wurden. Besondere Erwähnung sollte hier auch die Tatsache finden, dass bei der Übersetzung großer Wert auf sprachliche Besonderheiten der Ausdrucksweise, Wortwahl und des Satzbaus in Schriftstücken aus verschiedenen Epochen und sogar passend zur Altersgruppe der jeweiligen Verfasser gelegt wurde. Für diese ausgezeichnete Arbeit und Genauigkeit möchte ich ein dickes Lob an die Verantwortlichen aussprechen.

 

Sonst noch was?

Ja! Zwar kommt die deutsche Version von Rhiannon „nur" in einem DVD-Case, aber dafür mit einem mehrseitigen, ausführlichen Handbuch. Sehr nett fand ich außerdem die freundliche Nachricht der Entwickler, die dem Spiel beiliegt, denn selbst wenn man über den großen Online-Händler mit dem Initial „A" bestellt, erhält man sein Spiel doch auf direktem Wege aus dem schönen Wales. Und das zu einem aktuellen Preis von knapp 25,50 Euro, wenn man direkt auf der Entwicklerseite bestellt. Das geht nach wie vor in Ordnung.

Was mir weniger gefiel war der Umstand, dass die Installationsroutine nicht danach fragt, wo man das Adventure installieren möchte; sie entscheidet sich einfach automatisch für Laufwerk C. Nun, es gibt schlimmeres, aber ich wollte es erwähnt haben. Der CD muss übrigens während des Spiels nicht im Laufwerk verbleiben. Auf eine Sache war ich jedoch besonders gespannt: den von mir im obigen Review zur englischen Version beschriebenen Zettelbug. Ich freue mich mitteilen zu können, dass dieser nervige Fehler Geschichte ist! Und da sich Rhiannon nun flüssig und fehlerfrei spielen ließ, erhält die deutsche Version von mir eine

 

Bewertung von 76%

 

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 28.09.2009