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Die ungelösten Fälle
von Sherlock Holmes 2:
Das Geheimnis der tätowierten Rose


Erschienen: 1996

Entwickler: Mythos Software

Publisher: Electronic Arts

Spielsprache und Handbuch: Deutsch

 

USK: ab 12 Jahren


Ein Review von  MaryScots   03. September 2005

 

Doch, doch, was da oben bei „Publisher" steht, ist korrekt. Electronic Arts haben nicht immer nur Sport- und Actionspiele herausgebracht. Und „Das Geheimnis der Tätowierten Rose" war sogar schon das zweite klassische Adventure aus ihrem Hause, daß sich um Sir Arthur Conan Doyles genialen Detektiv Sherlock Holmes und seinen vertrauten Freund Dr. Watson dreht.

Belehrungen über diese beiden Herren und ihre kniffligen Fälle kann ich mir an dieser Stelle vermutlich sparen, denn wer kennt sie nicht, oder?! Sherlock Holmes ist nun einmal der berühmteste Detektiv der Weltliteratur und somit der Star einer großen Anzahl Kriminalromane, Spielfilme und immerhin schon einer ganzen Reihe von Adventurespielen.

 

Story

Nicht ganz so bekannt als Holmes und Watson ist Sherlocks Bruder Mycroft Holmes, ein Mitglied des Parlaments. Und genau dieser Herr legt den Grundstein für Holmes’ Ermittlungen im Fall "Tätowierte Rose", dessen wir uns hier annehmen sollen. Zu Beginn des Spiels begeben sich Holmes und Watson zum Diogenes Club, wo sie Mycroft auf dessen Bitte hin treffen sollen. Er hat ihnen etwas streng Vertrauliches mitzuteilen und will Sherlock um seine Mitarbeit bitten. Just in dem Moment, als die beiden den Club betreten wollen, erschüttert eine Explosion das Haus, Flammen schlagen aus den Fenstern und die Druckwelle schmettert Holmes und Watson zu Boden. Lange ruht Sherlock sich jedoch nicht aus, sondern eilt in den zerstörten Club, um seinen Bruder zu retten. Mycroft hat es schwer erwischt. Er wird ohne Bewusstsein und mit ernsthaften Verletzungen in das St. Barts Hospital eingeliefert. Sherlock hingegen fühlt sich als Versager und zieht sich in seine Gemächer zurück, sehr ungewöhnlich für den kühlen Denker, aber es geht nun mal um die Familie. Watson beginnt derweil mit den Ermittlungen, um irgendwelche Anhaltspunkte zu finden, die seinen Freund aus der Lethargie herauslocken könnten.

Nachdem er das einmal geschafft hat, beginnen die beiden mit einer Untersuchung, die sie auf verschiedenen Fährten kreuz und quer durch London und seine Umgebung, aber auch durch alle Gesellschaftsschichten, führt.

 

Menüs/Steuerung

"Das Geheimnis der Tätowierten Rose" wird aus der Perspektive der dritten Person gespielt. Nach dem Laden des Spiels beginnt die Story leider immer erneut mit dem Intro, welches wir aber per ESC abbrechen können, um dann per Rechtsklick in das Optionsmenü zu wechseln. Hier stehen uns verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, wie Regeln der Lautstärke oder Ein-/Ausschalten der Musik, zur Verfügung. Ja sogar die Schriftart und die Transparenz der Textfenster können ausgewählt werden. Wichtiger jedoch sind die Lade-, Speicher- und Beenden-Funktionen. Leider stehen uns nur 30 Speicherplätze zur Verfügung. Das reicht zwar aus, aber ich bin eben verwöhnt. ;-)

Die Steuerung ist grobmotorikerfreundliches Point & Click. Nur zweimal benötigen wir die Hilfe unserer Tastatur, um ein paar Worte einzutippen, die zu einem Rätsel gehören. Mit einem Linksklick schicken wir zu Beginn Dr. Watson und für den Rest des Spiels Sherlock Holmes an die gewünschten Stellen oder erhalten Textinformationen zu Hotspots. Diese erkennen wir daran, daß der Cursor bei Mouse-Over mit dem Namen des Objektes versehen wird. Nach einem Klick erscheint der Erklärungstext dann zur geneigten Lektüre in einem Rahmen. Ob wir etwas aufsammeln oder benutzen können, oder ob wir mit einer Person sprechen/ihr etwas zeigen oder geben können, erfahren wir durch einen Rechtsklick, der ein Kontextmenü mit den entsprechenden Optionen öffnet. Hier finden wir denn auch das Inventar, "Tasche" genannt. Gegenstände hieraus wenden wir per Drag & Drop in der Umgebung oder mit Personen an; genauso betätigen wir uns auch am Labortisch bei der Untersuchung von Beweisstücken: wir draggen & droppen Chemikalien und kleine Werkzeuge.

 

Grafik

Jenen von Euch, die bereits "Das Rätsel des Master Lu" gespielt haben, wird die Grafik dieses Adventures bekannt vorkommen. Für die "Tätowierte Rose" wurden nämlich ebenfalls reale Schauspieler gefilmt, um sie dann in die gezeichneten Hintergründe zu projizieren. Diese Symbiose funktioniert sehr gut, obwohl es manchen Hintergründen, obwohl wunderbar detailliert, etwas an Tiefe fehlt, so daß man den Eindruck erhält, daß die Personen nicht auf festem Boden wandeln. Es ist nicht so störend, wie es sich jetzt vielleicht anhört, aber hin und wieder fällt es auf.

Den Darstellern ging durch den Umzug aus der wirklichen in die virtuelle Welt nichts von ihren natürlichen Bewegungen verloren. Sie sind fließend und dies setzt sich z.B. auch im Faltenwurf der Kleidung fort - allerdings muß ich zugeben, daß mir Holmes' ständiges, langwieriges Aus- und Anziehen seines Mantels bei jedem Ausgehen/Heimkehren bald ziemlich auf den Wecker ging. Leider bleibt bei der niedrigen Auflösung von 640x480 Pixeln die Mimik auf der Strecke, aber damit kann man leben. Ab und an muß man auch schon mal kurz warten, bis ein NPC ansprechbar ist, wie beispielsweise der junge Fotokünstler, der zunächst seine momentane Tätigkeit erledigt, bevor er sich zur Begrüßung umdreht. Etwas seltsam und hektisch wirkt der Constable, der vor Scotland Yard Wache schiebt; man merkt, daß seine Bewegungen in einer sehr kurz gefaßten Schleife ablaufen.

Wie bereits erwähnt sind die zweidimensionalen Hintergründe der Locations und auch der Übersichtskarte wunderschön detailliert gezeichnet. Belebt werden sie durch Animationen, wie knisterndem Kaminfeuer, umherlaufenden bzw. ihren Beschäftigungen nachgehenden NPCs, aber auch durch das Flackern der zu Holmes Zeiten immer noch gebräuchlichen Gaslampen, deren Licht auch schon mal durch das Oberlicht einer Tür ins Zimmer fällt. Durch die zertrümmerten Räume des Diogenes Clubs ziehen transparente Rauchschwaden und über die Karte von London, auf der nach und nach immer neue Einsatzpunkte durch ein charakteristisches Icon angezeigt werden, wabern Nebelbänke.

Die Szenenausgänge aus den Locations, die u. U. auch schon einmal breiter als der sichtbare Bereich sind, werden durch einen Pfeil mit der Auskunft "Ausgang zur Stadt" angezeigt, wenn wir den Cursor an den Monitorrändern entlang bewegen. Anschließend befinden wir uns auf dem Stadtplan, der fast viermal so groß ist wie der Ausschnitt, den wir gerade sehen, also schieben wir mit unserer Maus das sichtbare Feld nach oben und unten, nach links und rechts bis wir das Icon des Ortes finden, den wir als nächsten besuchen wollen. Nach Anklicken der Icons erscheinen kurzzeitig Ladebildschirme, jeder von ihnen ein schönes altes Schwarz-Weiß-Foto der Orte/der Gegenden wie sie zu Sherlocks Zeiten aussahen.

 

Sprachausgabe/Dialoge und Sound

Die deutschen Stimmen sind alles in allem sehr passend ausgewählt, einzig der Constable fällt mal wieder leicht aus dem sonst so stimmigen Rahmen. Seine Stimme wirkt ein wenig wie eine Parodie - na ja, vielleicht war das so gewollt, um dem ziemlich eingebildeten Polizeibeamten eine etwas karikaturistische Note zu verpassen. Interessant wäre sicher der Vergleich mit der Originalausgabe, da wir es mit vielen Personen unterschiedlicher Herkunft (z.B. Deutschland) und Gesellschaftsschichten (Adel und Arbeiterklasse) zu tun bekommen, was in der deutschen Lokalisation leider nicht so gut herausgearbeitet worden ist oder werden konnte.

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich - abgesehen von einer Schullektüre im Englischunterricht - nie eine Holmes-Story gelesen habe, und daher auch nicht wirklich beurteilen kann, ob die Dialoge gut getroffen wurden. Bei Holmes Erklärungen kam ich mir manchmal völlig ungebildet vor, aber damit kann ich leben. Watson offensichtlich auch, denn einer seiner Kommentare, über die ich oft schmunzeln mußte, lautete wie folgt: "Es klingt so simpel, wenn Sie das sagen. Ich wäre wohl verärgert, wenn ich nicht so damit beschäftigt wäre, beeindruckt zu sein." :-) Wie dem auch sei, nach einem Rechtsklick auf einen NPC wählt man die Option „Rede" und erhält ein Textfenster voller Themen. Die erledigten verblassen, jedoch können neue verfügbar werden, sobald man andernorts etwas getan hat.

Manche Locations lassen auch einiges an Soundeffekten zu wünschen übrig. Oft schien es, als hätte man sie vergessen, da diesbezüglich andernorts wiederum große Sorgfalt an den Tag gelegt wurde. Immerhin, nicht zu überhören ist dann doch das walroßartige Schnarchen des Straßenjungen Wiggins, der, wenn er nicht gerade eine Auftrag von Holmes erledigt, im Zeitungsstand vor dem Hause Baker Street No. 221b sein Nickerchen hält.

An die fast ständig im Hintergrund spielende Midi-Musik muß man sich vielleicht erst etwas gewöhnen. Sie paßt jedenfalls gut zu der Zeit, in der die Geschichte spielt und zu den Schauplätzen ebenfalls - besonders der Marsch "Preußens Gloria" ist sehr „passend" eingebaut. Ihr werdet es schon herausfinden, ich will ja nichts verraten.

 

Rätsel

Jetzt wird es etwas schwierig mit der Beurteilung. Sagen wir es mal so, wer besonderen Wert darauf legt, in einem Adventure möglichst seine Rätsel durch Kombination von Inventargegenständen zu lösen, der ist hier falsch. Kombinieren müssen wir vielmehr - in echter Holmes-Manier - die Informationen, die wir aus Gesprächen erhalten, welche wir unter Umständen nochmals führen sollten, um sicher zu gehen, daß wir wirklich über alles geredet haben. Manchmal erhalten wir durch Vorzeigen eines gefunden Gegenstandes neuen Gesprächsstoff oder wir erhalten Zugang zu neuen Locations.

Oft müssen wir Aufgaben erledigen, die sich nicht immer offensichtlich, aber in der Regel aus der momentanen Umgebung ergeben. Es gibt Beschaffungsrätsel, jedoch dienen die Objekte fast ausschließlich als Grundlage für Sherlocks Schlußfolgerungen, denen wir dann nachgehen müssen. Hotspots gibt es eine Menge und man sollte sie ausnahmslos alle beachten - Achtung Pixeljagd! -, denn auch wenn wir zu den meisten nur einen Text erhalten, den wir durchlesen müssen (dafür hat das Lokalisationsbudget wohl leider nicht mehr gereicht), so ist immer wieder der ein oder andere Gegenstand dabei, der sich einpacken läßt. Immerhin gab es mehr Gelegenheiten, Sherlocks Labortisch zu benutzen als im "Geheimnis des Silbernen Ohrrings", was mir sehr gut gefallen hat.

Wer Minispiele mag, wird sich möglicherweise über ein kleines Dart-Duell freuen. Ich habe dadurch jedenfalls gelernt, wie der englische Kneipen-Nationalsport funktioniert. ;-) Abgesehen davon gab es lediglich eine ordentliche Kopfnuß zu knacken, aber die hatte es in sich. Wenn man einmal nicht mehr weiß, wo man weitermachen soll, hilft immer noch ein Blick in das Hinweisheft, welches dem Spiel beiliegt oder in das Tagebuch von Watson, das man einsehen kann, wenn man ihn darauf anspricht.

 

Installation/Technisches

Die deutsche Version wird uns auf einer CD-ROM kredenzt und ist zusammen mit dem Handbuch und einem Hinweisheft in einem Karton mit Pappeinschub verpackt.

Wenn Ihr einen PC mit Windows95/98/98SE inklusive der erforderlichen VESA-Treiber für Eure Grafikkarte besitzt - Happy Adventuring! - Ihr habt gewonnen. Wenn nicht, wird es sich als ziemlich schwierig erweisen, dieses Adventure ans Laufen zu kriegen. Selbst unter XP mit Hilfe der DOS-Box läuft es nicht besonders gut (die Grafik ist akzeptabel, aber der Sound ist extrem abgehackt) und erst recht nicht im Kompatibilitätsmodus, da es auf DOS basiert. Es tut mir leid, aber so ist es. Wenn jemand eine Lösung dafür kennt, laßt es mich bitte wissen.

 

Fazit

"Das Geheimnis der Tätowierten Rose" ist für sich betrachtet ein recht unterhaltsames Adventure, bei dem vor allem Zuhören, Mitdenken, genaue Beobachtung und logisches Schlußfolgern gefragt sind, wobei der Spieler sich stärker mit dem Meisterdetektiv identifizieren kann, weil er dessen Vorgehensweise teilt. Die Rätsel sind nicht allzu schwierig, wodurch sich das Spiel auch Nicht-Profis empfiehlt, einzig die Runde Darts könnte ein wenig an den Geduldsfäden einiger ziehen. Der Einstieg in die Story gelang mir dagegen nicht so problemlos. Trotz des "explosiven" Auftaktes, empfand ich das erste Drittel als sehr zäh und auch der weitere Verlauf ließ hinsichtlich Spannungsbogen und Höhepunkten einiges zu wünschen übrig. Die Grafik ist zwar nicht der letzte Schrei, aber immer noch schön anzusehen und ca. 30 Stunden Spielzeit sind ebenfalls nicht zu verachten.Da aber nun mal das größte Problem in der Inkompatibilität mit aktuellen Rechnern besteht und man sich des weiteren die Mühe gespart hat, die oft langen Kommentare zu Objekten zu vertonen, kann ich mich nur noch so eben zu einer 2- durchringen.

 

Bewertung: 70%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • MS-DOS 5.0+ / Windows95
  • Intel 486 / 66 MHz oder 100% kompatibel
  • 8 MB RAM (DOS) / 16 MB RAM (Windows)
  • 2x-CD-ROM-Laufwerk+
  • SVGA-Localbus oder PCI-Videokarte mit 256 Farben, VESA 1.2 kompatibel
  • Sound Blaster oder 100% kompatibel
  • 30 MB freier Festplattenplatz
  • Tastatur und Microsoft-kompatible Maus

Gespielt auf:

  • Windows98
  • Pentium II 400 MHz
  • 256 MB RAM
  • 40x CD-ROM Laufwerk
  • ATI Rage Pro 8 MB Grafikkarte
  • Sound on board

 

 

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 03. September 2005

 

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Spielstart
Spielstart


„Eine Nachricht für Sie, Mr. Holmes.“
„Eine Nachricht für Sie, Mr. Holmes.“

 

Explosion im Diogenes Club
Explosion im Diogenes Club

Das Inventar ist noch recht leer als Watson mit den Ermittlungen beginnt
Das Inventar ist noch recht leer als Watson mit den Ermittlungen beginnt

Holmes auf Beweissuche im Club
Holmes auf Beweissuche im Club

Lady Fenshaw ist äußerst exzentrisch
Lady Fenshaw ist äußerst exzentrisch


Am nebligen Themseufer ist es doch recht ungemütlich...
Am nebligen Themseufer ist es doch recht ungemütlich...

... vielleicht doch lieber ein Spaziergang im St. James Park?
...vielleicht doch lieber ein Spaziergang im St. James Park?

Die Karte von London wird mit immer neuen Anlaufpunkten bestückt
Die Karte von London wird mit immer neuen Anlaufpunkten bestückt

Hübsche Schwarzweißfotos verschönern die Ladebildschirme der Locations...
Hübsche Schwarzweißfotos verschönern die Ladebildschirme der Locations...

... in diesem Fall für den Schneider
... in diesem Fall für den Schneider

Nach einem Plausch beim Billard ...
Nach einem Plausch beim Billard ...

... entscheidet man sich zu einem kleinen Dart-Turnier.
... entscheidet man sich zu einem kleinen Dart-Turnier.

In Mycrofts Appartment
In Mycrofts Appartment

Holmes plaudert mit einer Dirne im East End
Holmes plaudert mit einer Dirne im East End

Lady Cordelia spielt *hust* virtuos Violine
Lady Cordelia spielt *hust* virtuos Violine

Untersuchung am Labortisch
Untersuchung am Labortisch

Ein Ausflug nach Windsor
Ein Ausflug nach Windsor

Auch Kranke werden verhört – da kennt Sherlock kein Pardon
Auch Kranke werden verhört – da kennt Sherlock kein Pardon

Eine Spur führt in ein altes Lagerhaus
Eine Spur führt in ein altes Lagerhaus